Tagesarchiv für den 21. August 2011

So kann und darf es nicht weitergehen

21. August 2011

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, war der Blog heute Mittag für einige Zeit nicht nutzbar. Ein technisches Problem hatte alle Blogs von „Abendblatt“ und „Welt“ lahmgelegt. Auch wenn ich jetzt etwas früher als angekündigt mit diesem Blog komme – entschuldigt bitte die Verspätung.

Und auch der HSV hat Probleme. Größere noch als der Axel-Springer-Verlag mit seinem Server. Der HSV steckt im Abstiegskampf. Finanziell stark eingeschränkt fehlt der Mannschaft neben Punkten auch die dafür notwendige Qualität. Die Zweifel am aktuellen Kader sind berechtigt und es scheint keine Besserung in Sicht. Zumindest betonen Sportchef Frank Arnesen sowie die aktuelle HSV-Führung, dass sie die Problematik sehr wohl erkannt haben, für notwendige Verstärkungen jedoch kein Geld da ist. Das wiederum hängt weniger damit zusammen, dass in diesem Sommer zu viel ausgegeben wurde. Bislang wurden Gelder eingespart, der Etat drastisch gekürzt. Nein, es liegt tatsächlich daran, dass in den letzten Jahren nicht ausreichend gespart/eingespielt wurde. Es wurde den eigenen Ansprüchen entsprechend investiert allerdings nicht entsprechend erfolgreich gespielt. Das ist Fakt. Unabhängig davon, wer dafür verantwortlich war.

Das nur für die Verschwörungstheoretiker dieses Blogs.

Es geht mir hier noch immer nicht darum, einen einzigen Schuldigen zu finden. Das habe ich nie gemacht, das wäre auch zu kurz gedacht, viel zu simpel. Und, um hier noch etwas klarzustellen: In der Ära Hoffmann war es wie unter allen anderen Verantwortlichen eine Ansammlung aus Vorständen, Aufsichtsräten und einem Trainerteam, die verantwortlich waren für das, was am Ende als Ergebnis dastand. Gleiches zählt heuer für Jarchow, Hilke, Scheel, Arnesen und Oenning. Genau so wie sie gefeiert werden für Erfolge und tolle Zahlen müssen allerdings auch Fehler benannt werden. Die der Vergangenheit ebenso wie die aktuellen. Es geht doch immer nur darum, die Situation zu verstehen, damit man sie ändern kann. Oder besser: damit wir Veränderungen fordern/vorschlagen/erhoffen können.

Deshalb bringt es auch wirklich nichts, hier alles als Hoffmann-Schelte zu interpretieren und beleidigt Vorwürfe und Beleidigungen rauszuschmettern. Natürlich hat Hoffmann gute Arbeit gemacht. Unter seiner Regie als Vorstandsboss ist der HSV international bis unter die Top 20 geklettert. Zusammen mit Katja Kraus und dem damaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer hat Bernd Hoffmann dem HSV zu einem Aufschwung verholfen. Allerdings ist der heute vorbei, es geht gegen den Abstieg und wir sind auf der Suche nach den Gründen dafür. Viele liegen in den letzten Wochen, einige aber eben auch in den letzten Jahren.

Ein Grund, bei dem wir uns hier alle einig sind, ist die fehlende fußballerische Qualität. Das ist, glaube ich, unbestritten. Jetzt kann man sagen: das kommt noch, die Mannschaft braucht Zeit. Allerdings glaube ich nicht daran. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass diese Mannschaft noch Führungstypen benötigt, die eine hohe fußballerische Qualität mitbringen. Dafür reicht kein Heiko Westermann, kein (ohnehin zuletzt enteierter) David Jarolim. Und auch kein Mladen Petric oder gar einer von den Neuen, von den Jungen. Nein, der HSV muss reagieren. Allerdings tut er dies noch nicht mit der Begründung, es seien keine finanziellen Mittel da. Das wiederum liegt daran, dass der HSV zuletzt nicht das eingenommen hat, was er ausgegeben hat. Dort gab es von allen Seiten (selbst von Bernd Hoffmann) unbestrittene Unterdeckungen, die den HSV heute finanziell bestimmen. Damit benenne ich lediglich den Grund, weshalb kein guter und dementsprechend zumeist auch teurer Spieler geholt wird. Oder glaubt Ihr wirklich, ein Arnesen wäre blind? Das wäre nämlich der Umkehrschluss, dem aktuellen Vorstand die Kompetenz abzusprechen.

Nein, alle wissen, was die Uhr geschlagen hat. Aber was bleibt einem Arnesen übrig? Was hätte er nach dem Spiel gestern vor der Kamera sagen sollen, was die ganze Situation nicht noch zusätzlich erschwert hätte? Er muss doch dem Trainer den Rücken stärken. Er betreibt Mängelverwaltung – zum Teil natürlich auch der Spieler, die er selbst geholt hat, die aber noch nicht bundesligatauglich scheinen.

So gern und oft zuletzt Geduld gefordert wurde, jetzt müssen wir sie tatsächlich haben. Bis zum 31. August ist das Transferfenster geöffnet. Und intern wird weiter an den Verkäufen von Demel und Tavares gearbeitet, um Gelder zu generieren. Ich bin mir sicher, selbst Verkäufe aktueller Stars (Petric, Elia) spielen in den Gedanken der Granden inzwischen wieder eine Rolle. Aber bevor nicht eine dieser Geschichten abgewickelt wird, ist es fast unmöglich, Sofortverstärkungen für den HSV zu gewinnen.

Dass das nicht alles ist, das auch mit dieser Mannschaft besserer Fußball gespielt werden kann und auch muss, da sind wir uns glaube ich alle einig. Sich in München nach zehn Minuten Gegenwehr zu ergeben – das spricht nicht für die Moral dieser Mannschaft. Zehn Spiele in Folge nicht zu gewinnen – das spricht weder für Mannschaft noch für den Trainer. Auch Oenning muss sich der Kritik stellen. Wenn meine Statistik stimmt, bringt es Oenning als Cheftrainer auf 0,75 Punkte pro Spiel. Ein Schnitt, der den sicheren Abstieg bedeuten würde und der ebenso dringend wie schnell verbessert werden muss, will Oenning beim HSV bleiben.

Das Argument, mit Dortmund und Bayern Hammergegner zum Auftakt gehabt zu haben, gegen die man verlieren darf, lasse ich gern gelten. Allerdings nur, wenn im Gegenzug Spiele wie gegen Hertha oder eben ach am kommenden Sonnabend gegen Köln als Pflichtsiege betrachtet sowie entsprechend mutig und dominant angegangen werden. Bei aller Wertschätzung für den Umbruch – das Tagesgeschäft hat immer und überall Priorität. Und hierbei steht der HSV – das muss man so sehen – gegen Köln im eigenen Stadion unter Zugzwang.

Ich werde hier nicht, wie von dem einen oder anderen Blogger gefordert, Oennings Rauswurf fordern oder als ultimatives Werkzeug betiteln. Oenning bekommt seine faire Chance. Allerdings hat er die bereits seit drei Spieltagen nicht genutzt. Bislang ist seine Strategie erfolglos – und zehn erfolglose Spieltage kann sich keine Mannschaft erlauben. Das weiß Oenning – und das wissen seine Vorgesetzten. Auch Arnesen. Ganz sicher.

Es ist auch nicht zu erklären, wie eine Mannschaft die ganze Woche davon spricht, taktisch besser geschult zu werden und endlich zu wissen, was defensiv zu leisten ist. Sich dann trotz zweier Defensiv-Viererketten hintereinander so abschießen zu lassen – das ist alarmierend.

Ich hatte gestern im Gegensatz zu sonst einem Blogger per email geantwortet, der mich als bezahlten Handlanger des aktuellen Vorstandes betitelte. Unter dem deprimierenden Eindruck des 0:5 habe ich auf diese Unsachlichkeit leider etwas harsch reagiert – dafür hier noch mal Entschuldigung an den entsprechenden Herren! Allerdings sollten sich auf der anderen Seite einige Blogger ihre Posts vielleicht nochmal mit etwas Abstand durchlesen, ehe sie sie online stellen. Denn das einzig Schlimmere als solche Klatschen wie gestern ist, wenn selbige uns intern auseinander dividieren.

Aber gut, das hatte Dieter hier schon häufiger versucht – ich jetzt auch. Mal sehen, wie wir die kommenden Tage angehen. Wenn es nach mir geht, dann mit konstruktiver und dann auch gern äußerst kritischer Betrachtung.

In diesem Sinne, schon am morgigen Montag wird sich Arnesen in unsere Runde begeben. Und er wird einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Da bin ich mir ganz sicher.

Scholle (19.38 Uhr)

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