Tagesarchiv für den 18. August 2011

Drei Punkte in München – und Olic dazu?

18. August 2011

Safety first – die Sicherheit zuerst. Das war das von Trainer Michael Oenning vorgegebene Motto gegen Hertha BSC. Und das ist auch das Motto gegen den FC Bayern. Wie heute im Training unschwer zu erkennen war, sogar noch etwas defensiver als zuletzt. Da agierten David Jarolim und Heiko Westermann als Doppelsechs, während Marcell Jansen links und Tomas Rincon rechts im Mittelfeld spielten. Der Beste Spieler der Copa America (Fans hatten Rincon gewählt) soll den primär offensiv ausgelegten Gökhan Töre auf der rechten Seite beerben. „Lahm und Ribery auf der Seite sind ein Argument, für mehr Stabilität zu sorgen“, so Oenning, der insbesondere auf die Defensivstärke Rincons setzt.

Allerdings soll damit nicht einzig die Defensive gestärkt, sondern auch sichergestellt werden, dass der HSV in München kontern kann. Und dafür sind die schnellsten Spieler vonnöten. Auch Dennis Diekmeier. Der hatte zuletzt die Order bekommen, zuerst die Defensive abzusichern, um nicht wieder in einen Konter wie in Dortmund zu laufen. „Wir haben zu vielzugelassen“, so Westermann, „das müssen wir abstellen. Schnell.“ Und zwar mit Rincon, auch wenn der es selbst noch nicht wahrhaben will. „Ich hatte auch gegen Hertha schon damit gerechnet, dass ich spiele. Und am Ende war ich nur enttäuscht.“ Deshalb wertet er die Trainingsaufstellung beim Spiel elf gegen elf über den ganzen Platz, lieber nur vorsichtig, sagt aber auch: „Es sieht so aus, als würde ich spielen. Ich bereite mich auf jeden Fall gut vor.“

Dass er nicht auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld sondern rechts auflaufen soll, stört ihn nicht. „Ich habe auch gegen Gladbach und Leverkusen letzte Serie da gespielt – und wir haben uns jedes Mal eine Menge Chancen erarbeitet. Das zeigt doch, dass es geht.“ Selbst gegen Weltklassespieler wir Ribery und Lahm. „Lahm ist ein sehr guter Spieler“, sagt Rincon, „aber Angst habe ich nicht. Wer sich gut vorbereitet, kann auch gut spielen. Und ich muss dafür nur gut essen, gut trinken und gut schlafen. Dann klappt das schon.“ So einfach ist das …

Nicht ganz so leicht ist es indes, einen kapitalen Fehler abzuhaken und sich neu zu fokussieren. Diese üble Erfahrung musste zuletzt Jaroslav Drobny machen, nachdem er gegen Hertha BSC zunächst super gehalten, um dann drei Minuten vor Schluss daneben zu greifen und den Berlinern so doch noch einen Punkt zu bescheren. „Nach dem Spiel war ich natürlich richtig angepisst“, so Drobny in nicht zwingend feinem Deutsch, „es war nicht einfach, das alles zu verdrängen. Vor allem, weil wir nicht gewonnen haben. Da sind die ersten Tage danach immer hart für mich.“ Dennoch müsse er den Fehlgriff jetzt hinter sich lassen. „So ein Fehler ist hart, er ist im Nachhinein auch nicht zu löschen – aber er passiert leider. Wichtiger als darüber nachzudenken, ist, es beim nächsten Mal besser zu machen und aus dem Fehler zu lernen.“ Eine Entwicklung die Drobny mit dem Rest der sehr jungen Mannschaft gemein hat. „Wir haben in der Woche viele Dinge angesprochen und trainiert. Vor allem taktisch“, verrät Drobny und betont: „Gerade gegen Bayern müssen wir taktisch perfekt spielen. Denn wir wollen von dort einige Punkte mitnehmen.“ Einige also, dementsprechend rechnet Drobny mit einem Sieg beim Rekordmeister. Wie genau das funktionieren kann? „Das wirst Du am Sonnabend sehen…“

Sehr schön, das würden wir nur zu gern. Und noch etwas, worüber ich mich sehr freue: Es gibt endlich mutige Töne von der Mannschaft. Auch wenn Oenning selbst weiter die Ansprüche niedrig zu halten versucht („Ich habe den Eindruck, dass sich die Mannschaft so teuer wie möglich verkaufen wird“), wird die Mannschaft mutiger. Zunächst verbal – aber ich werte das einfach mal als guten Anfang.

Obwohl – 7:0 hatte ich ja vor Saisonbeginn getippt. Für den HSV natürlich. Ein Tipp, den ich im Video schon revidiert habe. Besser gesagt: ich musste einsehen, dass ein solches Ergebnis momentan nicht realistisch ist. Und wo ich gerade beim Video bin: So eine Sch…ande! Da wird aus dem Video doch tatsächlich meine Hellseherfähigkeit rausgeschnitten. Hintergrund: Das Video hatten wir am Mittwoch vor dem Training gedreht- entsprechend auch vor dem Bayern-Spiel. Und dazu hatte ich gesagt, dass die Doppelbelastung für den HSV ein großes Plus ist, weil so sichergestellt sei, dass Arjen Robben nicht gegen den HSV aufläuft. Schließlich hat der Niederländer es nicht so mit zwei Spielen in Folge. Wohl auch diesmal nicht. Heute plagt sich der torgefährliche Weltklassespieler mit Rückenproblemen herum – und sein Einsatz ist stark gefährdet. Gut für uns…

Und um noch mal beim Video zu bleiben: da hatte mich ein alter Bekannter angerufen: Jörg Butt. Unseren ehemaligen Elfer-Killer (als Keeper wie als Schütze) zähle ich zu den ganz wenigen Profis, mit dem mich über das branchenübliche „wir brauchen uns gegenseitig“ hinaus wirklich eine Freundschaft verbindet. Jörg ist ein tadelloser Sportsmann – und vor allem ein sehr ehrlicher, zuverlässiger und loyaler Mensch. Und obwohl ihm damals in Hamburg ein wahrlich unrühmlicher Abschied beschert wurde, verbindet er mit dem HSV und Hamburg ein Stück Heimat. Immer, wenn wir telefonieren, fragt er nach dem Befinden des HSV. Auch diesmal. Wobei sich offenbar bis München herumgesprochen hat, dass der HSV derzeit noch mehr Probleme hat, als dem Klubverantwortlichen lieb ist.

Aber wo ich ihn schon am Apparat hatte, habe ich mich natürlich auch nach dem internen Befinden der Bayern-Mannschaft erkundigt. „Wir haben gestern gegen Zürich sicher nicht unser bestes Spiel gemacht“, hat er geantwortet, „aber wir haben uns eben etwas aufbewahrt für den HSV.“ Was er vom HSV weiß? „Nur, dass die Mannschaft noch nicht so gut drauf ist und sich wohl noch in der Findungsphase befindet. Aber das hat nicht allzu viel zu bedeuten und macht die Aufgabe für uns nicht leichter.“

Was ich allerdings vergessen habe zu fragen, war: Was ist eigentlich mit Ivica Olic? Den habe ich gestern nur beim Jubeln mit Arjen Robben gesehen – als Reservist. Und auch in der Bundesliga ist er bis auf einen Fünf-Minuten-Einsatz bislang noch nicht zum Zug gekommen. Inklusive einer Testspielhalbzeit sind es gerade 50 Minuten. Viel zu wenig für den Kroaten, den ich nur zu gern wieder für den HSV spielen sehen würde. „Zu Fuß, Huckepack oder in der Schubkarre – ich würde ihn persönlich abholen“, steckte mir heute ein HSV-Mitarbeiter. Und den Worten schließe ich mich an. Der Kroate mit dem kaputten Knie – sein Knorpelschaden ist zwar irreparabel, aber für ein paar gute Jahre sollte es noch reichen – ist für mich genau der Typ Spieler, den diese Mannaschaft gebrauchen kann. Schnell, unermüdlich und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Und er ist gegangen, weil er sich mit dem alten Vorstand überworfen hatte. Der ist jetzt allerdings weg und neu besetzt – vielleicht sollte der HSV da mal den Versuch einer Rückholaktion starten. Dann nehmen wir am Sonnabend um etwa 17.15 Uhr nicht nur die ersten drei Punkte, sondern auch einen ehemaligen Publikumsliebling mit. Mehr ginge wirklich nicht…

In diesem Sinne, bevor ich hier zu sehr ins Träumen gerate: bis morgen! Da wird um 12 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Scholle (19.06 Uhr)

P.S.: Änis Ben-Hatira liegt weiter mit einem grippalen Infekt flach. Der wechselwillige Offensivspieler wird in München durch den wieder genesenen Gojko Kacar ersetzt.