Tagesarchiv für den 12. August 2011

Endlich geht es wieder los – mit nem Dreier gegen Hertha…

12. August 2011

Es sind nur noch wenige Stunden bis zum ersten Heimspiel der Saison 2011/2012. Es sind somit auch nur noch wenige Stunden bis zum ersten Dreier der neuen Saison. Denn den wird der HSV seinen Fans liefern können, sollten nicht zeitgleicht fünf Spieler komplett wegbrechen. „Ich habe mir Hertha im TV live angesehen am Sonntag“, erzählt Dennis Diekmeier und zieht die gleichen Schlüsse, wie wahrscheinlich 99 Prozent der Leute, die den Aufsteiger gegen Nürnberg haben rumtaumeln sehen: „Das war nicht besonders gut.“ Dennoch lässt dieser zutreffende Schluss zwei Dinge erahnen. Zum einen, dass die Hertha auf Wiedergutmachung sinnt und noch einen Tick gefährlicher weil angeschlagen ist. Oder aber, dass die Mannschaft vielleicht einfach nicht viel mehr kann und der HSV die Partie bei vernünftiger Ausschöpfung eigener Qualitäten gewinnen muss. Letzteres denke ich.

Unter Druck stehen dabei beide Mannschaften nach ihren Auftaktniederlagen. Die Hertha sicher noch ein wenig mehr, zumal der HSV nicht gegen den FCN sondern den schier übermächtig auftrumpfenden BVB verloren hat. Normalerweise würde ich an dieser Stelle jetzt ein Zitat von Oenning oder einem Führungsspieler anbringen, der davon erzählt, wie galaktisch die Dortmunder aufgetreten sind und dass die Niederlage keine Schande sei. Aber auch das haben wir in den letzten sieben Tagen mehr als ausreichend oft und in allen Variationen gehört. Ab heute spätestens sollte der BVB abgehakt und einzig und allein die eigene Leistungsstärke das Thema sein.

Dachte ich zumindest. Denn plötzlich kommt (mal wieder) ein Wechselgerücht um die Ecke. Diesmal ist es Änis Ben-Hatira, der angeblich vor einem Wechsel steht. Ausgerechnet zum nächsten Gegner Hertha BSC soll es ihn ziehen. „Wir haben davon noch nichts gehört“, sagt HSV-Mediendirektor Jörn Wolf und der Verdacht drängt sich auf, dass die Berliner „B.Z.“ eine Geschichte machen wollte, die naheliegend ist und für Wirbel sorgt – auch wenn das ganze nicht wirklich mit Fakten zu unterlegen ist. Denn, dass Änis unzufrieden ist, nachdem er den Zweikampf auf der rechten Außenbahn gegen Gökhan Töre verloren hat, ist klar. Dass er spielen will ebenso. Und dass er eine Rückkehr in seine Geburtsstadt Berlin niemals ausschließen würde, hatte der 23-Jährige ja mehrfach betont. Ergo: Die Zutaten für ein paar Wechselgerüchte sind gegeben.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Ben-Hatira nach einer Vorbereitung, in der er fast jedes Spiel mitgemacht hat und vom Trainer viel Vertrauen entgegengebracht bekam, jetzt so plötzlich wechseln sollte. Ich kenne Änis auch nicht so. Zumindest nicht mehr. Denn in seinem jugendlichen Anfangswahn und nach übertriebenen Anfangs-Lobhudeleien der Verantwortlichen hatte er bei seinem ersten Auftritt im HSV-Trikot die Bodenhaftung verloren. Die Folge war ein Wechsel in die zweite Liga und der Fast-Totalschaden bei einem Riesentalent. Dann, als er seine zweite Chance beim HSV unter Trainer Armin Veh bekam, wirkte Änis gereift. Weniger sportlich als menschlich vielleicht, aber das reicht zumindest als Grundlage, um auch auf dem Platz zu einer festen Größe heranzuwachsen. „Ich weiß, dass ich Geduld haben muss, dass ein paar gute Spiele noch nicht den Karrieredurchbruch garantieren“, so Änis zu Beginn der Vorbereitung, „und ich weiß, dass ich nicht einen weiten, steinigen Weg vor mir habe.“ Worte, denen er jetzt auch Taten folgen lassen sollte. Änis sollte den Wechselgerüchten einen Riegel vorschieben und sich zum HSV bekennen. Er sollte das machen, was ihm am Anfang seines zweiten HSV-Engagements so auszeichnete: er sollte kämpfen bis zum umfallen…

Das allerdings sollte beim HSV alle. Einer muss es sogar: Heung Min Son. Der Südkoreaner bekam eben jene Vorgabe von Trainer Michael Oenning ist wieder von seiner Grippe genesen und soll zusammen mit Mladen Petric im Angriff wirbeln. Besser gesagt, er soll wirbeln und Petric die entscheidenden Szenen verwerten. „Ich war extrem enttäuscht und traurig, dass ich letzte Woche nicht spielen konnte“, sagt Son, „aber dafür beginnt meine Saison jetzt gegen Hertha.“ Und somit gegen deine der ältesten Viererketten (vielleicht sogar die älteste?) der Liga. Ob es ein Vorteil für den HSV sein könnte? „Wir sind deutlich jünger und schneller geworden. Letztes Jahr hatten wir mit den alten Spielern sicher nicht das Tempo von heute. Heute werden wir das nutzen können.“

Zehn Tore hatte Son vor der Saison in der Abendblatt-Beilage angekündigt. Heute wiederholte er sein Ziel und schob eine weitere Bedingung dazu: „Letzte Saison habe ich dreimal getroffen. Und das in zwei Spielen, die wir beide verloren haben. Und dann auch noch beide Male auswärts. Für mich wäre es nach meinem ersten Jahr, das ich als Lehrjahr betrachte, besonders schön, die Saison mit einem Heimtor und vor allem einem Heimsieg beginnen zu lassen.“
Geht klar, da hat sicher keiner von uns etwas einzuwenden, Herr Son. Obwohl: Mir persönlich reicht schon ein Tor, wenn das drei Punkte bedeutet. Und dabei ist mir völlig egal, wer das Tor macht.

In die Torjägerliste einreihen könnte sich erstmals auch Jeffrey Bruma. Der Niederländer soll beginnen – und das ist auch gut so. Im Training zeigte der 19-Jährige eine Zweikampfstärke, eine gute Übersicht und die Ruhe am Ball, die Westermann fehlt und die Mancienne noch nicht hat. Denn wenn uns die Vorbereitung zwei Dinge gelehrt hat, dann, dass die Innenverteidigung noch nicht wirklich sattelfest ist. Und natürlich, dass unser Mittelfeldzentrum zur Achillesferse avanciert. Inwieweit Bruma da als Lösungsansatz dient, hatten wir bereits im gestrigen Blog. Da hatte ich geschrieben, dass der Niederländer hinten neben Michael Mancienne für Westermann reinrückt und der – zwar nicht als optimale Lösung, aber immerhin als Versuch – im Mittelfeld abräumt, während mit Per Skjelbred etwas Dynamik (zumindest am und mit Ball) und fußballerische Kreativität ins Mittelfeld kommen soll. So könnte das Mittelfeldzentrum endlich mit beiden Komponenten dienen und das HSV-Spiel beleben. Denn klar ist: Hertha wird nicht mit allen Mitteln angreifen. Die Berliner werden dem HSV das Spiel überlassen – und dafür brauchen Westermann, Petric und Co. deutlich mehr Kreativität als gegen Dortmund, Valencia und auch Oldenburg zuletzt.

Sich als Torschütze eintragen und wieder mithelfen will auch Marcus Berg. Der Schwede könnte, zumindest wenn sich bei Gojko Kacar keine Wunderheilung einstellt, gegen Hertha erstmals wieder im Kader stehen. Zumindest war er einer von 19 Spielern im Abschlusstraining, wobei Kacar als neutraler Mann für beide Mannschaften mitwirkte. Und auch für Berg wäre es nach dem verkorksten ersten Abschnitt beim HSV ein echter Neuanfang. Einer, bei dem ich dem ruhigen, eher introvertiert wirkenden und zuletzt in Hamburg heftigst kritisierten Schweden alles Gute wünsche. Ich würde mich ehrlich freuen, wenn er meine sportliche Einschätzung seine Person betreffend schnell widerlegt.

Aber letztlich ist alles egal. Was ich denke, wie Änis’ persönliches sportliches Schicksal aussieht, selbst Bergs Neuanfang und Sons Wunsch nach einem Treffer – solange der HSV seine ersten zwei oder drei Heimspiele gewinnt, darf niemand unzufrieden sein.

In diesem Sinne, es geht wieder los. Heimspielzeit. Endlich.

Scholle (17.45 Uhr)