Tagesarchiv für den 11. August 2011

Bruma soll spielen – rückt Westermann dafür auf die Sechs?

11. August 2011

Wäre es nach der Stimmung gegangen – der HSV hätte auch in Dortmund gewonnen. Schon deshalb setze ich nicht mehr auf die Gemütslagen der Spieler und des Trainerstabes beim HSV als Maßstab für anstehende Partien. Allerdings halte ich es für förderlich, wenn die Leute mit einem gesunden Optimismus und vor allem mit Spaß an der Sache Fußball spielen. Eben so, wie es Marcell Jansen derzeit im Training zeigt. Und auch so, wie sich Michael Oenning nach außen verkauft. Der HSV-Trainer zeigt sich völlig unbeeindruckt von der Auftaktniederlage in Dortmund und sucht den Blick nach vorn. Fragen, ob er Druck verspürt vor dem Heimspiel gegen Hertha beantwortet er mit einem Lächeln. Gefolgt von den Worten: „Wir wissen, dass wir das Spiel gewinnen sollten, um unseren Ansprüchen zu genügen. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, würde für mich die Saison noch nicht beendet sein.“

Und genau so ist es auch. Was bringt es Spielern und Trainern, vor dem Spiel gegen den Aufsteiger immer wieder zu betonen, wie wichtig ein Sieg angesichts des folgenden Auftaktprogrammes wäre? Genau! Gar nichts. Es reicht, dass sie es wissen. Und dass dem so ist, kann ich Euch nach etlichen Gesprächen mit den Spielern in dieser Woche versichern.

Auch Oenning heute war klar in seinen Ansagen. Zumindest am Anfang. Manchmal sogar so klar, dass er sich selbst zurückhalten musste. Ob Per Skjelbred in der Startelf stehen wird, wollte mein Kollege Rollo Fuhrmann wissen. „Natürlich“, so Oenning, als sei das doch immer klar gewesen „Per wird natürlich spielen.“ Worte, die im Presseraum für Erstaunen sorgten, dann aber von Oenning umgehend relativiert wurden. „Nein, im Ernst. Ich weiß es noch nicht.“ Der Norweger mache im Training zwar einen guten Eindruck, allerdings scheint sich Oenning noch nicht ganz im Klaren darüber, mit welcher taktischen Formation er beginnen wird.

„Schuld“ daran ist ein Neuzugang, der endlich spielen kann – und wahrscheinlich auch soll: Jeffrey Bruma. Der kantige Neue vom FC Chelsky ist nach überstandenen Achillessehnenbeschwerden wieder fit. „Er ist ein Kandidat für die Startelf“, sagt Oenning und es wirkt, als sei für ihn klar, dass Bruma beginnen wird. Gestern hatten wir es hier im Blog noch angedacht, jetzt scheint es tatsächlich so zu kommen – und somit ist den Personal-Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Wer spielt in der Innenverteidigung? Kann Westermann auch auf die Sechs vorrücken? Oder vielleicht sogar Mancienne? Oder muss einer von den Dreien auf die Bank?

Ich persönlich kann mir vorstellen, dass Oenning nach den zuletzt immer wieder schwachen Auftritten der verschiedenen „Doppelsechsen“ seinen Kapitän vorzieht ins Mittelfeld. „Ja, er ist eine Option“, bestätigt Oenning Gedankengänge, Heiko Westermann auf die Sechs zu stellen. Allerdings – ganz im Gegensatz zu dem Satz über Bruma, wirkt er hierbei nicht wirklich überzeugt.

Und das zurecht, wie ich meine. Denn Westermann ist ein starker Zweikämpfer, ein vorbildlicher Arbeiter, kopfballstark und somit gefährlich bei Standards – aber er ist keiner, der das Spiel gestalten kann. Keiner, der den Ball sichert und verteilt. Er kann auch nicht das ausfüllen, was dem HSV in dieser Saison offenbar fehlt: defensive Zweikampfstärke und Kreativität in einer Person.

So einen Spieler gibt es seit Zé Roberto noch nicht wieder. Es sei denn Per Skjelbred kann, wie er zumindest selbst von sich behauptet, genau diesen Part übernehmen. „Ich gewinne gern defensiv den Ball und versuche dann das Spiel schnell zu machen und unsere Offensiven mit Pässen zu füttern“, so der Norweger, der nur zu gern am Sonnabend in der Imtech-Arena vor den eigenen Fans debütieren würde.

Vielleicht darf er es ja auch, immerhin hat sich Oenning hierbei noch nicht definitiv festgelegt. Ganz im Gegenteil zu Heung Min Son. Zumindest scheint für Oenning, der im Training wirklich alle Variationen auf der Sechs durchprobierte, klar, dass Heung Min Son nach überstandener Grippe wieder in die Startelf zurückkehrt. Zusammen mit Mladen Petric soll der Südkoreaner für den verletzten Paolo Guerrero einspringen und die Offensive beleben. Ähnlich wie in der Vorbereitung, wo das Zusammenspiel des Südkoreaners mit dem Kroaten gut funktionierte. „So lange spielen wir auch noch nicht zusammen“, relativiert Petric zwar, schiebt aber sofort nach: „Auch wenn Paolo sicher der ist, der die Bälle festmacht und abholt und Sonni eher in die Tiefe geht, wird sich für mich nicht viel verändern.“

Viel verändert hat sich indes für Gökhan Töre. Der Deutsch-Türke absolvierte unter der Woche sein Länderspiel für die Türkei, nachdem er seine starke Vorbereitung in Dortmund bestätigen konnte. „Der Junge macht Freude“, sagt Oenning. Der Trainer lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Töre auch gegen Hertha dabei sein wird. Ganz im Gegensatz zu Marcell Jansen, dem entgegen aller meiner Hoffnungen gegen Hertha wieder nur das Los des Ersatzspielers droht. „Marcell ist in einer tollen Form“, lobt Oenning den Linksfuß zwar. Allerdings gibt er zugleich zu bedenken, dass es wenig hilfreich sei, Eljero Elia nach einem schwachen Spiel gleich wieder rauszunehmen. Ein Argument, dass ich absolut nachvollziehen kann – und das mich wahrscheinlich ‘nen Zehner an meinen Kollegen Linnenbrügger kosten wird…

Aber egal, ich verliere gern Wetten, wenn das zugleich bedeutet, dass der HSV gewinnt.

Dafür muss der HSV allerdings die löchrige Zentrale – insbesondere im Mittelfeld – stopfen. Im Training probierte Oenning munter mit Jarolim, Rincon, Tesche und Westermann alles einmal aus – allerdinsg ohne, dass sich dabei eine Kombination besonders hervortun konnte.

Der HSV sucht weiter nach dem richtigen Weg. Vorne nach mehr Durchschlagskraft, im Mittelfeld nach der sicheren Defensive und im Abwehrverbund nach der stärksten Innenverteidigung. Der HSV sucht nach dem Weg, von dem ein (kleiner) Teil der Fans gegen Valencia abgekommen zu sein schienen. Allerdings war das, so hoffe ich zumindest, nur ein Ausrutscher. Denn ohne hier die Lobpreisungen aller Spieler wiedergeben zu wollen, in Dortmund war das sensationell. 90 Minuten wurde die Mannschaft unterstützt, jedes Gegentor wurde wahrgenommen und möglichst schnell ignoriert. Die knapp 10000 Mitgereisten demonstrierten der Mannschaft, dass sie bedingungslos hinter ihnen stehen. Und auch gegen Hertha dürfen wir ein volles Haus erwarten, nachdem jetzt schon 50000 Karten abgesetzt wurden. Das zeigt schon, dass die Hamburger heiß darauf sind, am Neuanfang teilzunehmen.

So wie Ihr, so wie Dieter und ganz sicher auch so heiß wie ich es bin.

In diesem Sinne, morgen werde ich Euch sicher schon etwas mehr über die wahrscheinliche Startelf sagen können, die am Sonnabend Hertha schlägt…

Bis morgen,

Scholle
(19.26 Uhr)

P.S.: Morgen wird um 16 Uhr trainiert. Ohne Gojko Kacar, der gegen seinen Ex-Klub wegen einer Muskelverhärtung definitiv ausfallen wird.