Tagesarchiv für den 10. August 2011

Offizielles Angebot – aber Elia darf und will nicht zu Juve

10. August 2011

Eigentlich sollte heute der Tag des Per Skjelbreds werden, der uns heute in der Presserunde zur Verfügung stand und fleißig auf unsere Fragen antwortete. Ich wollte darüber berichten, wie gut der Norweger in der Mannschaft bei seinen Kollegen ankommt und wie stark er sich bisher in den Trainingseinheiten präsentieren konnte. So hatte ich es zumindest geplant – bevor wieder mal Juventus Turin dazwischenfunkte. Ein Angebot für Eljero Elia ist beim HSV eingegangen. Aber gut, ich lass mir von den umtriebigen Italienern der „Alten Dame“ ja nicht den Blog diktieren. Insofern lege ich trotzdem mit dem neuen Mittelfeldspieler los.

Denn der macht sich bislang gut. Im Training zeigt der technisch versierte und zentral im Mittelfeld einsetzbare 24-Jährige, dass er durchaus in der Lage ist, das Offensivspiel zu gestalten. Er ist zwar kein Sprinter, aber mit dem Ball macht er das Spiel durch geschickte Pässe schnell. Und er spielt in den Startelf-Überlegungen von Trainer Michael Oenning eine ernst zu nehmende Rolle. „Ich habe bislang noch nicht so viele Eindrücke sammeln können“, so Skjelbred, „außer die in Dortmund. Und das hat mir imponiert. Die Stimmung, das Drumherum und vor allem das Tempo im Spiel, das deutlich höher ist als bei uns in Norwegen.“ Ob er das Tempo und die Qualität mitgehen kann? „Das ist mein Job. Und auch wenn ich Respekt habe, Angst habe ich nicht. Wir haben eine gute Mannschaft und es war erst ein Spiel.“ Stattdessen blickt der Mann mit der Rückennummer 25 seinem Debüt mit Spannung entgegen. „Ich bin in der Mannschaft toll aufgenommen worden, ich habe meine Wohnung gefunden und meine Familie hier. Ich fühle mich gut, ich bin fit – und ich will spielen.“

Das will auch Michael Mancienne. Nach seinem Bundesligadebüt in Dortmund will der Engländer am Sonnabend gegen Hertha BSC auch seine Premiere im eigenen Stadion feiern. Obwohl sein Freund und Chauffeur Jeffrey Bruma („Er hat sich schon an den Rechtsverkehr gewöhnt – ich noch nicht“) zurückkehrt und als einer der Hoffnungsträger für die Defensive gilt. „Letztlich entscheidet natürlich der Trainer“, sagt Mancienne, „aber ich glaube, dass wir in der Vorbereitung als Viererkette gut funktioniert haben.“ Wer am Sonnabend in der Innenverteidigung beginnt? „Ich weiß es nicht“, so Mancienne, der hofft: „Ich will einfach nur spielen.“
Das allerdings nicht auf der Sechs. „Ich bin Innenverteidiger“, stellt Mancienne klar.

Womit sich die Frage stellt, ob Oenning Bruma von Beginn an bringt. Konstrukte mit allen dreien zusammen gibt es ja. So könnte auch Westermann auf die Sechs vorrücken, dort neben Jarolim oder Rincon (Tesche gilt trotz des Tores in Dortmund eher als dritte Wahl) spielen.

Aber egal wie, Bruma wusste zuletzt zu gefallen. Seine Robustheit, die Zweikampfstärke und seine Ruhe am Ball – Attribute, die ihm mannschaftsintern schon die Prognose einbrachten, bald der neue Abwehrchef zu sein. Oenning hatte den 19-jährigen Leihspieler vom zuletzt sogar mit nach Dortmund genommen, „obwohl er sicher noch keine 90 Minuten hätte spielen können“, wie Oenning damals selbst sagte. Das sollte der Niederländer allerdings jetzt, acht Tage nach dem Bundesligaauftakt schaffen können. „Ich weiß nicht, ob es für 90 Minuten reicht“, gibt sich Bruma selbstkritisch, „aber ich bin endlich fit. Und ich bin ganz sicher auch bereit, von Beginn an zu spielen.“

Der Zugang vom FC Chelsea wirkte heute dennoch, trotz seines näher rückenden HSV-Debüts, geknickt. Weil das Länderspiel seiner Niederländer gegen England ob der Unruhen in der Hauptstadt Englands abgesagt worden war. „Ich hätte so gern das Länderspiel gespielt“, sagt Bruma, „dabei wäre ich auf viele alte Freunde, Kollegen und Konkurrenten aus der Premier League getroffen.“ Selbst die Tatsache, dass er so zwei Einheiten mehr mit seinen neuen HSV-Kollegen absolvieren und besser einspielen kann, vermochte ihn nicht zu trösten: „Die Enttäuschung überwiegt.“ Allerdings, und das sah auch Bruma so, sei die Absage mehr als verständlich, nachdem in verschiedenen englischen Großstädten derzeit bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. „Ich mache mir große Sorgen“, sagt auch Mancienne, dessen Freundin in einem gefährdeten Gebiet lebt. Deshalb hatte der Innenverteidiger am Sonntag den freien Tag genutzt, um sich von der Unversehrtheit seiner Freundin Marissa zu überzeugen. „In meiner Wohnung werden gerade die letzten Bauarbeiten abgeschlossen“, so der Engländer, „und dann hole ich meine Freundin hierher.“

Nichts zu holen ist derweil für die Italiener. Zum Glück! Denn Juventus Turin, das in diesem Sommer mal wieder mit gefühlt jedem Profifußballer dieses Planeten in Verbindung gebracht wurde, hat dem HSV am Dienstagabend zwar ein offizielles Angebot unterbreitet, allerdings noch nicht einmal eine Antwort erhalten. So klar sei die Entscheidung für Frank Arnesen. „Wir haben uns deutlich positioniert“, so der HSV-Sportchef, „Eljero Elia bleibt bei uns. Er ist ein wichtiger Spieler und wir sind nicht bereit, ihn abzugeben.“ Und das gelte für das knapp zehn Millionen Euro umfassende erste Angebot ebenso wie für ein vielleicht in den nächsten Tagen verbessertes Angebot. Ehrliche Ansage oder branchenübliches Geplänkel, um die Ablösesumme hochzutreiben? Gibt es da doch noch eine Hintertür? „Nein“, sagt Arnesen, „seine Qualität schlägt das Geld. Und das ist auch kein Pokern. Ich hatte es mit Eljero schon in Österreich im Trainingslager besprochen, dass wir ihn fest einplanen. Wir haben das bewusst so früh klargestellt, damit es vor unserem Bundesligaspielen überhaupt kein Theater geben kann.“

Das bestätigt auch Elia, der heute vor dem Training diesbezüglich noch ein Gespräch mit Arnesen geführt hatte. „Der Verein hat klar gesagt, dass ich nicht gehen darf. Und ich habe auch gar kein Problem damit. Ich bin gern hier, die Leute mögen mich. Und ich mag es hier. Es ist für mich alles andere als schlimm, hier beim HSV zu spielen. Im Gegenteil!“ Zumal Juventus Turin zwar „der größte Klub Italiens“ aber momentan gerade mal auf Augenhöhe mit dem HSV sei. „Wir hatten gesagt, dass wir uns bei einem Angebot der großen europäischen Spitzenklubs wie Arsenal London oder Chelsea beispielsweise unterhalten würden. Aber Juventus ist für mich auf dem gleichen Level wie der HSV. Beide Klubs bauen gerade etwas Neues auf. Da macht ein Wechsel zu Juve überhaupt keinen Sinn.“

Gut so, denn ein Weggang des letzten Individualisten im Team wäre das falsche Zeichen. Elia hat den Tick Extraqualität, der ihn bei optimaler Ausschöpfung seines Talentes schnell zum Weltklassespieler werden lässt. „Wir haben mit ihm noch viel vor“, prophezeit Arnesen und Michael Mancienne, der sich binnen kürzester Zeit sehr gut mit Elia angefreundet hat, ergänzt: „Ich bin froh, wenn er bleibt. Eljero ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Er entscheidet Spiele Und er wird sicher ganz wichtig für uns.“ Hoffentlich schon am Wochenende. Dann allerdings in einer Startelf zusammen mit Marcell Jansen, der auch heute im Training wieder zu den auffälligen Spielern zählte und mich so dazu veranlasste, gegen meinen geschätzten Kollegen Matthias Linnenbrügger zu wetten. Denn ich behaupte, dass Jansen am Sonnabend in der Startelf steht.

Ich hoffe, ich gewinne die Wette. Und das hoffe ich für mich, für die Glaubwürdigkeit des von Oenning proklamierten Leistungsprinzips – und für den HSV.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

Scholle

Training ist am Donnerstag um 16 Uhr an der Imtech-Arena.