Tagesarchiv für den 1. August 2011

Petric (wohl) kein HSV-Kapitän

1. August 2011

Mladen Petric wird kein HSV-Kapitän. Das steht für mich fest. Denn, so meldete es die Deutsche Presse-Agentur heute: Mladen Petric hat die Vertragsgespräche mit dem HSV vertagt. Die während der Sommerpause aufgenommenen Verhandlungen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung will der Stürmer vorerst nicht weiterführen. „Ich möchte diese so wichtige Entscheidung über den weiteren Verlauf meiner Karriere ganz in Ruhe und ohne jeglichen Druck treffen“, sagte Petric am Montag. Zum gegebenen Zeitpunkt werde man sich „sicher wieder zusammensetzen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die neue Saison“, erklärte der Kroate, der nach dieser Spielzeit ablösefrei wechseln kann.

Damit wird Petric – für mich jedenfalls – nicht Nachfolger von Heiko Westermann als Kapitän, denn das hatte ihm Trainer Michael Oenning nur bei einem längeren Verbleib an der Elbe in Aussicht gestellt. „Ich habe weiter die Hoffnung, dass er noch lange beim HSV bleibt. Wir alle wissen um seine Bedeutung für die Mannschaft“, sagt Oenning. HSV-Sportdirektor Frank Arnesen unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit des Angreifers: „Wir hätten gern jetzt mit ihm verlängert, akzeptieren aber, dass er sich mit der Entscheidung Zeit lassen möchte. Mladen ist und bleibt ein wichtiger Spieler für uns.“

Der HSV hat ja schon einmal ein wenig Schiffbruch mit einem neuen Kapitän erlebt. Wer erinnert sich? Nein, nicht mit Heiko Westermann. Das war vor Beginn der Saison 2004/05. Da bestimmte HSV-Trainer Klaus Toppmöller (ja, der war auch mal Trainer hier!) vor Saisonbeginn Tomas Ujfalusi zum neuen Spielführer – und keine Woche später, nein, ein oder zwei Tage später war „Ujfi“ weg. Abgang zum AC Florenz. Und wer wurde dann der „Ersatz“-Kapitän? Es war Daniel van Buyten.
Namen sind ja so etwas von Schall und Rauch. Der heutige Bayern-Spieler war gerade erst zum HSV gekommen. Erinnert an die Situation vor einem Jahr. Da war Heiko Westermann gerade vom FC Schalke nach Hamburg gewechselt – ja, so wiederholt sich die Geschichte.

Auch auf anderer Ebene. Änis Ben-Hatira soll ja, so berichtet es die Mopo heute, die „Schnauze voll haben“. Vom HSV. Er soll weg wollen. Ein Jahr läuft der Vertrag des „pfiffigen Dribbelkünstlers“ noch, den wird er wohl auch noch erfüllen, aber dann: Abgang. Wahrscheinlich. Oder unwahrscheinlich? Ich würde es bedauern, wenn Änis ginge, denn ich halte ihn immer noch für ein großes Talent. Obwohl er mit seinen 23 Jahren so allmählich dem Talente-Alter entwachsen müsste . . .

Ich würde es begrüßen, wenn sich Änis durchbeißen würde. Beim HSV. Natürlich. Er hat sich doch, nachdem er beim MSV Duisburg gewesen ist, doch schon wieder in Hamburg nach oben „gedribbelt“. Und nun hat er vielleicht die Schnauze voll, weil er im Pokal in Oldenburg nicht zur Stammformation gehörte? Wenn dem so ist, dann wäre das eine Enttäuschung für mich. Ganz klar.

Im Trainingslager im wunderschönen Zillertal, sprachen Sportchef Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning am ersten Abend mit der Mannschaft. Unter anderem auch über den folgenden Punkt: Zu dieser neuen HSV-Mannschaft gehören nicht nur elf Spieler, sondern alle. Und bei 24 oder 25 Spielern wird es immer mal ein Spiel geben, wo der eine oder andere Spieler auf der Tribüne sitzen muss. Weil des die Statuten der DFL nicht anders zulassen. Diesen Härtefall, der natürlich gar kein Härtefall ist, sprach Oenning explizit an. Er bereitete damit den einen oder andern Spieler darauf vor, dass es an Spieltagen auch gelegentlich nicht einmal für den Trainingsanzug reichen könne. Und er warb mit diesem Vortrag auch gleichzeitig um Verständnis, dass ein Spieler diese Situation bitte immer auch bedenken möge.

Das, muss ich zugeben, fand ich toll. Kein Trainer der Welt hat es nötig, eine solche Erklärung abzugeben, aber Oenning tat es. Und das war gut so. Wussten danach doch alle, was hier in Zukunft passiert. Es müsste zwar jedem (HSV-)Profi schon bei der Unterschrift unter dem Vertrag mit dem HSV einleuchten, dass nicht alle stets dabei sein können (Spiel oder Bank), aber wenn dafür dann noch extra der Blick geschärft wird, dann müssten es alle auch einsehen. Sie gehören ja weiterhin dazu, sie können sich auch weiterhin anbieten, sie werden wohl auch irgendwann einmal ihre Chance bekommen – aber im Moment geht es eben nicht anders. Da hat jeder Trainer ja seine Zwänge.

Wenn nun Änis Ben-Hatira, den ich versucht habe anzurufen (leider vergeblich), tatsächlich die Schnauze voll hat, dann hat er eventuell bei Oennings Vortrag nicht so ganz genau zugehört. Wie gesagt, ich würde es bedauern, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Und wenn Änis die Erfahrungen mit Duisburg richtig wertet, dann wird er auch genau wissen, was zu tun ist. Ich vertraue ihm da voll und ganz.
Wie ich auch Mladen Petric vertraue. Er wird schon seine richtige Entscheidung treffen, da bin ich mir absolut sicher.

Ein Satz würde ich gerne noch zum Thema Heiko Westermann loswerden wollen. Ich denke mal, dass es auch bei Michael Oenning so ist, dass er immer nur die stärkste Mannschaft aufstellt – aufstellen will. Der Coach will ja auch nur gewinnen, denn er will, so denke ich, seinen Job in Hamburg noch möglichst lange behalten. Das gelingt ihm in erster Linie deshalb, wenn er gewinnt. Das heißt, wenn der HSV gewinnt. So oft wie möglich. Wenn nun Oenning aber immer die „Falschen“ aufstellen würde, würde der HSV wahrscheinlich weniger oft gewinnen. Und irgendwann wäre dann auch Oenning seinen Job los. Also: Oenning stellt immer nach bestem Wissen und Gewissen die beste Elf auf – und Heiko Westermann ist dabei. Logisch. Der Mann ist Nationalspieler. Will es auch wieder werden.

Obwohl, dieses Argument streiche ich am besten gleich wieder. Es hat hier ja schon beim „kleinen Dribbelkünstler“ nicht gezogen . . .

So, in der Kürze liegt die Würze. Heute mal. Gleich gibt es „Matz ab“ einmal live, nämlich bei „HH1“ – „bin ich jetzt in Fersehn?“ Jo. 20.15 Uhr. Und wer nicht auf Braunschweig gegen die Bayern verzichten will, für den gibt es die Wiederholung um 22.15 Uhr. Wenn der Kick in Braunschweig dann schon entschieden ist. Was ich leicht bezweifle, aber das ist eine andere Geschichte.
Also, wer Zeit hat, einmal bei „Rasant“ reinsehen – HH1 mit Uli Pingel. Und dem Gast Carl-Edgar Jarchow, der über sich und den HSV Auskunft geben wird.

Morgen ist um 10 Uhr noch ein Training angesetzt, dann folgt abends (19.15 Uhr) im Volkspark die Saisoneröffnung und das Spiel gegen Valencia – das auch live bei „Sport1“ übertragen wird.

18.13 Uhr