Monatsarchiv für August 2011

Arnesen attackiert Magath – Ben-Hatira wechselt zur Hertha *8:0-Sieg in Bremerhaven***

31. August 2011

Es ist der vielleicht verrückteste Tag in der Bundesligasaison: der 31. August. Und das gilt für jedes Jahr, für jeden Klub und wahrscheinlich auch für jeden Fußballreporter. Denn Saison um Saison geht es an diesem ominösen letzten Tag im August noch mal ganz hoch her. Das beginnt schon mit der Transferliste, auf der alle Spieler stehen müssen, die innerhalb oder in die Bundesliga wechseln wollen und endet erst mit Transferschluss um 18 Uhr, bzw. mit dem Schluss der Transferlisten im Ausland bis 24 Uhr. Jede Sekunde kann etwas passieren. Wie beim HSV. Da standen heute morgen gleich vier Hamburger auf der Transferliste: Eljero Elia, Änis Ben-Hatira, Sören Bertram (ich nehme es vorweg: Bertram bleibt!) und Guy Demel. Wobei, genau genommen standen fünf Hamburger drauf, nämlich auch noch Zugang Ivo Ilicevic.

Und der war um 16 Uhr endlich da. Der Kroate hatte zuvor den Medizincheck bestanden und unterschrieb im Büro von Frank Arnesen einen Vierjahresvertrag bis 2015. „Wir sind sehr, sehr zufrieden mit der Verpflichtung“, freute sich Sportchef Frank Arnesen anschließend, „wir hatten schon seit drei, vier Wochen Kontakt und mussten nur warten, bis wir einen Spieler verkaufen.“ Das ist mit Eljero Elia geschehen. Neun Million zuzüglich einer Erfolgsprämie kassieren die Hamburger in drei Raten: Vier Millionen sofort und jeweils zum 31. Januar 2012 und 2013 noch mal 2,5 Millionen Euro. Die hier im Blog geäußerte Vermutung, dass der HSV die sofort erhaltenen vier Millionen Euro gleich wieder ausgegeben hat, ist wohl falsch. Stattdessen wird auch Ilicevic vom HSV in Raten bezahlt. Branchenüblich.

Aber warum wechselt man zum Tabellenletzten? „Weil der HSV ein Riesenverein ist mit einer großen Tradition“, antwortet Ilicevic. Der Kroate war heute morgen um 8.05 Uhr aus Zagreb gekommen und reist am Mittwochabend wieder zur Nationalmannschaft zurück. Dort trifft er auf Mladen Petric, der auch ein Grund für seinen Wechsel an die Elbe war. Wie er sagt: „Ich kenne Mladen von der Nationalmannschaft, er ist ein überragender Fußballer. Ich freue mich darauf, mit einem so großen Fußballer zusammenspielen zu können.“ Zudem fügt Ilicevic als Wechselgrund hinzu: „Der HSV steht momentan vielleicht nicht fantastisch in der Tabelle. Aber das wird sich noch drehen.“ Ilicevics Worte in des Fußballgottes Ohr.

Aber gut, was soll er auch sagen?

Zumal er entgegen der Vorwürfe aus Kaiserslautern, wo man ihn als undisziplinierten Heißsporn titulierte, eher gesetzt wirkt. „Ich bin außerhalb des Fußballplatzes eher ein ruhiger Typ“, so der Mittelfeldspieler. Auf die Vorwürfe aus Kaiserslautern angesprochen, funkte sein Berater Volker Struth plötzlich dazwischen. Ein ungewöhnlicher Vorgang, den ich so noch nicht erlebt habe. Struth sagte: „Lasst das Thema doch endlich ruhen. Ivo wird sich auf jeden fall nicht mehr dazu äußern.“ Dass der 24 Jahre alt ist und uns das auch selbst hätte sagen können, verwunderte mich dann zwar ein wenig, es beunruhigt mich aber nicht.

Denn ansonsten machte Ivo einen aufgeschlossenen, guten Eindruck. Es werde nach dem Rot gegen Bayern keine dritte Rote Karte geben. Und er selbst würde sich umso mehr ärgern, noch vier Spiele aussetzen zu müssen und so nicht sofort für den HSV spielen zu können. Allerdings suchte er auch gleich den positiven Aspekt: Immerhin würde er dadurch mehr Zeit haben, sich an alle und alles Neue zu gewöhnen. „Ich werde dann auch von keinem ersten Spiel an helfen können.“ Wo er das machen will? „Ich spiele am liebsten auf der linken Seite, weil ich von dort zum Tor ziehen und zum Torabschluss kommen kann.“

Ilicevic tritt damit eins zu eins in Elias Fußstapfen, der auch immer betonte, sich auf links am wohlsten zu fühlen. Allerdings bin ich mir sicher, dass wir mit Ilicevic einen Spieler haben, der in den letzten Monaten mehr Leistung abliefern konnte als der Niederländer, der im Übrigen einen fragwürdigen Einstand in Italien hatte. Dort wurde Elia von den Journalisten gefragt, ob er den HSV mit Juve wirklich auf einer Stufe sehen würde. Denn genau das hatte er uns vor versammelter Journalistenschaft in die Blöcke und Mikrofone gesagt. Seine heutige Antwort: „Italiener, glaubt nicht, was in den Zeitungen steht.“ Eine Lüge, für die ich mich bei Eljero gern bedanken würde, macht sie mir seinen Abgang doch langsam schmackhafter…

Und wie es beim Schreiben eines Blogs unmittelbar vor dem Schließen der Transferperiode so ist, passiert doch noch Unerwartetes: Änis Ben-Hatira ist nun doch noch weg. Obwohl der HSV das gestern eher ausschließen wollte, einigten sich beide Parteien heute unmittelbar vor Toresschluss auf eine Ablöse von rund 600000 Euro zuzüglich einer Beteiligung von 20 Prozent, sollte die Hertha den Spieler weiterverkaufen. Der talentierte aber irgendwie nie wirklich angekommene Offensivspieler unterschrieb in der Hauptstadt einen Vierjahresvertrag bis 30.6.2015.

Schlechter sieht es da bei Guy Demel aus. Der Ivorer weilte gestern und heute in England und stellte sich bei verschiedenen Klubs vor. Und das mit besten Voraussetzungen: einer netten Fußballer-Vita als aktueller Nationalspieler und dazu noch ablösefrei – das hatte ihm der HSV inzwischen zugesichert. Dennoch, bei Aston Villa holte sich der Rechtsverteidiger einen Korb einhandelte, weil er von seinen Gehaltsforderungen nicht abgehen wollte. Und bis jetzt, ich habe um 18.55 Uhr das letzte Mal mit seinem Berater gesprochen, schien sich das auch bei der zweiten Station, bei West Ham United, nicht anders darzustellen.

Demels letzte Hoffnung: Die Frist läuft in England bis 23 Uhr MESZ. Zudem sollen sich zwei türkische Klubs für ihn interessieren. Und bei den Türken wurde die Wechselfrist gerade um eine Woche nach hinten verschoben.

Und dann war da noch der Auftritt des Frank Arnesen. Angesprochen auf den geplatzten Wechsel des Wolfsburger Talentes Koo legte der Däne in für seine Verhältnisse beachtlich bitterem Ton los. „Wir hätten ihn sehr gern als zweiten Transfer gehabt“, so der Sportchef, „aber das ist leider an schlechtem Verhalten gescheitert.“ Womit Arnesen Felix Magaths Veto meinte. „Mein Deutsch ist nicht das Beste, aber es geht. Und meine Ohren funktionieren einwandfrei. Deshalb kann ich das nicht akzeptieren. Ich hatte mit Magath gesprochen und er hatte mir gesagt, er hätte zu viele Mittelfeldspieler. Er sagte, wenn wir uns mit dem Spieler einigen können, würde er dem Wechsel zustimmen. Wir haben uns daraufhin am Donnerstag mit Wolfsburg und am Sonnabend mit dem Spieler geeinigt. Koos Berater rief mich dann am Sonntag an, dass er es Magath mitgeteilt habe und der gesagt hätte, Koo darf nicht wechseln“, schimpfte Arnesen, „und das ist nicht die Art Umgang, die ich gewohnt bin. Das hat keine Klasse. Felix hätte mir sagen können, dass sie ihn vielleicht nicht gehen lassen wollen, dann hätte ich mich parallel umgesehen. Aber so mit Kollegen umzugehen ist klasselos.“

Harte Worte, die ich – wenn sich alles so zugetragen hat – zu 100 Prozent unterstütze. Zumal dem HSV so die Chance auf einen zweiten Neuen mehr oder weniger genommen wurde. Und den hätte ich nur zu gern in Hamburg gesehen.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle auch schon mit einer kleinen Statistik vom Testspiel in Bremerhaven kommen. Allerdings konnte ich ob der Ilicevic-Vorstellung in der Imtech-Arena um 16 Uhr nicht mehr rechtzeitig gen Bremerhaven reisen. Ebenso wenig wie der HSV im Bus, weshalb das Spiel erst um 18.36 Uhr angepfiffen werden konnte. Und um Euch hier nicht ewig warten zu lassen, werde ich Euch die Statistik nachliefern. Nur so viel_ Zur Halbzeit führt der HSV durch Guerrero (10.) und Petric (22.) per Freistoß mit 2:0.

In diesem Sinne, bis gleich.

Scholle
(19.35 Uhr)

Das Testspiel in Bremerhaven konnte der HSV nach anfänglichen Schwierigkeiten auf kniehohem Rasen mit 8:0 gewinnen. Zugang Sven Neuhaus parierte in der zweiten Hälfte die einzig nennenswerte Chance der Bremerhavener (Bremen-Liga), während Marcell Jansen mit leichten Knieproblemen geschont wurde.
Die Statistik:

HSV: Mickel (46. Neuhaus) – Mancienne (79. Labus), Westermann, Behrens (79. Lam), Aogo – Jarolim, Tesche (46. Kacar) – Castelen (58. Sternberg), Guerrero (54. Berg), Skjelbred (79. Nyarko) – Petric.
Tore: 1:0 Petric (10., Freistoß), 2:0 Guerrero (22.), 3:0 Petric (54., FE), 4:0, 5:0 Berg (62., 64.), 6:0 Behrens (67.), 7:0 Lam (83.), 8:0 Petric (87.). Zuschauer: 3250.

Elia flüchtet – Lauterns Ilicevic im Anflug

30. August 2011

***Ergänzt mit Sperre Ilicevic***

Der eine geht, der andere kommt. Denn während Eljero Elia bereits seinen Medizincheck bei Juventus Turin absolviert und noch heute Nacht, spätestens aber morgen Vormittag als offizieller Zugang bis 2015 bei Juventus Turin vermeldet werden soll, sitzt Ivo Ilicevic in Kaiserslautern auf gepackten Koffern. Und sobald der Deal mit Elia und Juve abgewickelt ist, wird der Vertrag des Mittelfeldspielers in Hamburg unterschrieben. Kurios: Eigentlich wollte Elia (“Zu Juve zu wechseln würde keinen Sinn machen”) gar nicht zur Alten Dame nach Italien. Viel lieber wäre er auf die Insel nach England gewechselt, hätte dort beim FC Arsenal unterschrieben. Aber, und das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis des Elia-Transfers, am Ende war es ihm dem Vernehmen nach am wichtigsten, Hamburg zu verlassen. Egal wohin. Fast wie eine Flucht.

Aber egal wie, in Hamburg sagt man Tschüss.

Und das mache ich nett, ohne nachzutreten. Mit Elia verlässt uns einer der letzten und wenigen Spieler des HSV, denen man die Portion Genialität nachsagt, die ihn bis ihn die Fußball-Weltspitze führen kann. Eben jenes Potenzial, das Eljero in Hamburg zu selten abzurufen wusste. Es ist wie so oft: alle können die Abgabe des Spielers nachvollziehen, weil er sich in Hamburg nicht durchsetzen konnte. Und dennoch habe ich die Befürchtung, dass Elia plötzlich aufblüht. Ich habe sogar ein richtig ungutes Gefühl, dass wir ihn in ein, zwei Jahren auf großer Bühne als gefeierten Mann wiedersehen. Und sollte er das bei Juve schaffen, hätten die Italiener ein echtes Schnäppchen gemacht. Und ich würde mich ärgern.

Aber was blieb dem HSV übrig. In der Vorbereitung hatte Oenning den sensiblen Niederländer gestärkt und selbst nach schwachen Leistungen auch in der Bundesliga gebracht. Allein es half nichts. Elia der intern genauso umstritten ist wie hier im Blog, brachte wieder nicht das, was er selbst von sich behauptet zu sein: Weltklasse. Leider nicht. Ein paar Spiele unter Bruno Labbadia brillierte der Niederländer, bis ihn der Mainzer Noveski übel traf – eine Verletzung, von der sich Elia zumindest beim HSV nie mehr erholte. Aber vielleicht startet er ja jetzt bei der Alten Dame Juve noch mal durch.

Versüßt wird dem HSV dieser Abschied mit rund zehn Millionen Euro Ablösesumme zuzüglich einer Erfolgsprämie von maximal rund zwei Millionen Euro. Geld, das nach Möglichkeit gleich wieder investiert werden soll in einen kreativen Mittelfeldspieler. Schon heute soll diesbezüglich eine Entscheidung gefällt werden, wobei am Nachmittag sogar die Möglichkeit eingeräumt wurde, dass einer, zwei oder vielleicht sogar gar kein Neuer kommen könnte. Letzteres nahm ich mit Befremden auf. Und ich hoffe, dass dem auch nicht so sein wird. Denn klar ist doch, dass sich dieser HSV verstärken muss. Zumal, wenn man eine (zumindest potenzielle) Offensivkraft wie Elia weggibt.

Diego und Ballack sind es nicht, Rosicky ebenso wenig. Was diesen Blog heute umso schwerer macht, denn alles dreht sich nur um das, was eventuell und zu jeder Sekunde passieren könnte. Und niemand weiß, wann und wer kommt.

Ein potenzieller Neuzugang (und zwar der, er mich nicht vom Hocker hauen würde) soll der Koreaner Koo Ja-Cheol vom VfL Wolfsburg gewesen sein, den Trainer Felix Magath allerdings nicht ziehen lassen wollte. Womit die Suche nach dem oder den Neuen (alles andere würde ich nicht verstehen können!!) weitergeht. Aber schaut selbst. Unter: http://www.bundesliga.de/de/dfl/transfer/ könnt Ihr die aktuelle Transferliste einsehen. Jeder Spieler, der einen Bundesligisten verlässt oder zu einem wechselt. Muss vorher hier aufgeführt sein.

Das gilt auch für den Lauterer Ivo Ilicevic, dessen Berater Volker Struth heute zu Verhandlungen in der Imtech-Arena war. Der 24-Jährige Mittelfeld-Allrounder soll noch heute seinen Vertrag in Hamburg unterschreiben und rund vier Millionen Euro Ablöse kosten. Der FCK-Profi war in dieser Saison bislang in allen vier Partien von Anfang bis Ende auf dem Platz und erzielte einen Treffer. Letzte Serie brachte er es auf insgesamt fünf Bundesligatore und sieben Assists bei 21 Einsätzen. Und mehr als 26 Spiele wird er für den HSV auch nicht absolvieren können, da er gerade für vier Spiele gesperrt wurde. Ein bitterer Beigeschmack…

So viel vorerst zum Thema Transferaktivitäten des HSV. Sollte hier heute noch etwas passieren, oder ich noch Reaktionen auf den dann schon als perfekt vermeldeten Transfer des Kroaten haben, werde ich diesen Blog entsprechend ergänzen und das in der Überschrift auch kenntlich machen.

In diesem Sinne,

hoffentlich bis gleich,

Scholle (17.24 Uhr)

P.S.: Sören Bertram steht kurz vor dem Wechsel zu Alemannia Aachen. Das HSV-Talent soll für ein Jahr auf Leihbasis in die Zweite Liga wechseln, um dort Spielpraxis zu sammeln.

Warten auf DAS Angebot – und auf den nächsten Neuen

29. August 2011

Dieser Blog kommt spät. Entschuldigt bitte! Aber es ist erklärbar. Denn, so hatte ich gestern gehört, heute sollte eigentlich ein erster Transfer verkündet werden. Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen, darauf habe ich bis jetzt gewartet. Es sollte einer werden, „der Dich zwar nicht vom Hocker hauen wird, der aber durchaus sinnvoll ist“, so die Ankündigung. Wobei mich das nicht verwunderte – also das mit dem „nicht-vom-Hocker-hauen“. Denn auch mir war klar, dass für spektakuläre, sprich für arrivierte Verstärkungen zunächst ein Spieler verkauft werden muss. Vorzugsweise, so hatten es die HSV-Oberen ja wiederholt formuliert, Eljero Elia.

Und bei dem war gestern Highlife in Tüten. Gerade zur niederländischen Nationalelf abgereist, hatte der Außenstürmer einen Termin nach dem anderen. Oder besser: sein Berater. Galatasaray, Arsenal London, Juventus Turin – um nur die bekanntesten Namen zu nennen, hatten sich bei Elia angekündigt. Eine Entscheidung war allerdings auch bis Ende dieses Blogs noch nicht gefällt.

Im Gegenteil, stattdessen gab es ein Gerücht, dass Paolo Guerrero ein Angebot vom FC Genua vorliegen haben soll. Vom HSV wollte das jedoch keiner bestätigen, im Gegenteil. Ein Wechsel des Peruaners gilt als ausgeschlossen. Schon allein, weil der HSV niemals Elia und Guerrero abgibt. Und als sicher gilt: Elia geht.

Unklar ist allerdings weiterhin, wer dafür kommt. „Ich habe mehrere Namen auf dem Zettel“, hatte Sportchef Frank Arnesen nach dem Köln-Spiel angekündigt. Kein Wunder, denn in tagelangen Sitzungen hatten Oenning und Sportchef Frank Arnesen schon vor Wochen etliche Pläne für den Verkauf des damals bereits umworbenen Niederländers entworfen. Pläne, die in der Zwischenzeit sogar noch um die Namen Michael Ballack und Diego erweitert wurden, wobei der Leverkusener Ex-Nationalspieler als eher unwahrscheinlich, weil vom Trainer nicht gewollt, gilt. Diego würde taktisch besser in das eher offensiv ausgerichtete System Oennings passen – allerdings mag beim HSV niemand ein etwaiges Interesse bestätigen. Nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Deswegen belasse ich es auch dabei, erst dann Namen von potenziellen Zugängen zu vermelden, wenn sie zumindest ein wenig gestützt sind. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Das wiederum gilt nicht für Jaroslav Drobny. Der hatte zuletzt wenig glückliche Aktionen, die ihm nicht nur hier im Blog massiv um die Ohren gehauen wurden und werden. Wobei sich für mich ganz klar eine Frage stellt: wie konnte man ernsthaft erwarten, dass der Tscheche gleich durchstartet, nachdem er in der vergangenen Saison nicht nur nahezu die gesamte Spielzeit über auf der Bank saß. Nein, wenn Drobny spielen durfte, gab es für ihn auch meistens noch auf die Augen. Sein einziges „Zu-null-Spiel“ hatte er beim 0:0 gegen Bayern München, wo er den verletzten Rost kurz vor der Halbzeit ersetzte. Seitdem kassierte er 29 Gegentreffer in elf Pflichtspielen. Nein, so etwas verkraftet kein Spieler, der es zuvor gewohnt war, als Stammspieler geführt zu werden. Und dann ist es auch egal, wie viel Größe demjenigen von Außenstehenden angedichtet wird.

Apropos Größe, die zeigt sich auch darin, auf Schadenfreude zu verzichten. Eben so, wie es Frank Rost macht, der ehemalige HSV-Keeper in Diensten Red Bull New Yorks. Der hatte schon nach dem ersten Patzer Jaroslav Drobnys Anfragen verschiedener Medien. Entgegen dem offensichtlichen Trend, als Ex-HSV-Profi zur Schelte auszuholen und seine Befürchtungen zu äußern, verzichtete Rost. Genau wie jetzt. „Ich will nicht zu denen gehören, die aus der Ecke kommen, wenn es nicht so läuft. Warum auch? Ich freue mich nicht über Fehler anderer und am allerwenigsten darüber, wenn der HSV verliert oder nur Probleme hat. Nein, das können andere machen.“ Klare Worte des Mannes, den sich in Hamburg nach Drobnys erneutem Patzer einige zurückwünschen, die ihn letzte Serie noch weggewünscht hatten.

Aber damit sollte es das auch sein. Ich kenne Frank als echten Sportsmann, der zweifellos seinen eigenen Kopf hat und den auch mannschaftsintern durchsetzt. Frank ist ehrlich. Nicht immer diplomatisch, aber eben dem Erfolg verschrieben. Deshalb zuckte er nicht eine Sekunde, als er in der vergangenen Serie darauf angesprochen wurde, wie er es an Drobnys Stelle sehen würde, dem bei seiner Verpflichtung mehr versprochen als letztlich eingehalten wurde. „Sportlich“, so seine Antwort damals. Eben so, wie er es in der Sommervorbereitung nahm, als er sich sportlich gegen den Neuen durchsetzte. Schon deshalb wäre Rost eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Aber okay, dass er sich sorgenvolle Gedanken macht ob der aktuellen Situation, das muss er nicht explizit sagen. Rost leidet mit. Das ist klar.

Ebenso – nein, deutlich mehr leidet Drobny. Der reiste heute nach etwas mehr als einem Jahr Länderspielpause wieder zur tschechischen Nationalmannschaft, wo er sich auf andere Gedanken bringen will. Das muss er auch. Nach seinen Fehlern steht der 31-Jährige vermehrt im Mittelpunkt der Kritik. Und wer ihn nicht auch außerhalb des Platzes erlebt, könnte meinen, da steht jemand komplett ohne Selbstvertrauen. Ich habe auch ehrlich gesagt das Gefühl, dass sich hier eine Schraube in die falsche Richtung dreht. Leider. Denn sie dreht sich nach unten, nahezu egal was Drobny macht. Und noch mehr, wenn er es so macht, wie er es im Moment macht. Drobny steht in einer Bringschuld, die sich auch daraus begründet, dass er sich letzte Serie nicht gegen Rost durchsetzen konnte und jetzt erst beweisen muss, dass er den Routinier gleichwertig ersetzen kann. „Jeder, der Fehler macht, gerät in den Fokus der Öffentlichkeit weiß Trainer Michael Oenning aus eigener sehr aktueller Erfahrung zu berichten. Umso lobenswerter, dass sich Rost jeden Kommentar verkneift. Motivation hätte er genug, nachdem er von der damaligen HSV-Führung entgegen eigener Wünsche zum Aufhören bewegt wurde. „Ich trete nicht nach“, sagt Rost.

Nicht nachtreten, dafür nachlegen würde ich gern. Und das werde ich auch, sobald sich transfertechnisch etwas tut. Dann melde ich mich noch mal.

Ansonsten bis morgen. Dann sprechen wir mit Michael Oenning, dem heute schon eine Schonfrist von nur noch zwei Spielen angedichtet wurde. Ich bin gespannt, wie der Cheftrainer selbst seine Situation einschätzt. Vielleicht das dann ja schon vor dem Hintergrund einer oder gar zwei neuer Personalien.

In diesem Sinne, bis bald!

Scholle

Elia geht – kommen noch zwei Neue für Oenning?

28. August 2011

Die Diskussion ist in vollem Gange -. Und das erscheint auch nur logisch. Öffentlich wie beim heutigen Sport1-Doppelpass wie auch hier im Blog, wird beim HSV die aktuelle Misere hinterfragt. Die einen kommen zu dem Schluss, die Mannschaft würde nicht alles geben. Andere, wie Ex-Profi Thomas Strunz im „Doppelpass“ denken, es liegt an der Kaderzusammensetzung und der schwachen Wirkung Oennings auf die Mannschaft. Und wieder andere schieben die Schuld allein auf den Trainer. Wie einige Fans, die nach Schlusspfiff „Oenning raus“ skandierten. Forderungen, die beim HSV allerdings verebben, weil sich der Vorstand weiterhin eindeutig und schützend vor seinen Übungsleiter stellt. „Damit gehen wir sehr offensiv um und werden von unserer Seite darüber gar keine Diskussion führen! Es ist jetzt nicht die Frage des Trainers, es ist jetzt die Frage der Analyse dieses Spiels und der Spiele vorher. Da haben wir zwei Wochen Zeit – und die werden wir nutzen.“ Es ändere auch der Tabellen- und Punktestand nichts an dieser Haltung: „Die Spieler sind ja überwiegend sehr junge Spieler, die noch nicht das Selbstvertrauen gewinnen konnten, was man einfach braucht, um so ein Spiel über die Runden bringen zu können. Da fehlen einfach noch die Erfolgserlebnisse.“

Eine allemal diskutable Sicht der Dinge, wie ich finde. Denn erfahrene Profis wie Drobny, Westermann, Aogo, Jansen, Jarolim, Petric und dazu noch Diekmeier standen in der Startelf, später kamen noch Elia und Guerrero – und das soll nicht ausreichend Erfahrung sein, um ein Bundesliga-Spiel über die Runden zu bringen? Gegen Köln? Das darf nicht stimmen. Denn wie sollte sich das ändern? Im nächsten Spiel, dem brisanten Nordderby bei Werder Bremen? Okay, die Ansprüche an diesen und von diesem HSV sind (noch) nicht allzu hoch.
Sind sie vielleicht sogar zu niedrig?
Denn, keine Frage: der HSV hat gegen Köln sein bislang bestes Spiel gezeigt und sich ob (mindestens) zweier dummer individueller Fehler um den Lohn seiner Arbeit gebracht. In allen Statistiken war der HSV besser. 58 Prozent Ballbesitz, 16 zu 7 Torschüsse und sogar 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Dennoch, im Gegensatz zu den HSV-Granden verwende ich extra nicht „wieder“ um den Lohn gebracht, denn bislang hatte der HSV in Dortmund, gegen Hertha und in München durch seine Spielweise nicht mehr verdient. Die Mannschaft, in der Neuzugang Rajkovic ein gutes Spiel machte und zusammen mit Westermann (85 Prozent gewonnene Zweikämpfe, Top-Wert der Partie) die Abwehrmitte gut dicht bekam. Da zudem Tesche und Jarolim das Mittelfeldzentrum im Griff hatten, schien das Hauptproblem der letzten Wochen eigentlich behoben. Und trotzdem gab es vier Gegentore. Nummer elf bis 14 im gerade mal vierten Bundesligaspiel, was die utopische Summe von 119 Gegentoren auf 34 Spieltage ergeben würde.

Und das wird nicht passieren. Auch, weil ich glaube und hoffe, dass Arnesen die Zeichen der Zeit deutlich wahrnimmt. Denn neben der Rückendeckung für Oenning gab es nach dem 3:4 gegen Köln noch eine klare Nachricht: Dass der HSV noch mal auf dem Transfermarkt aktiv wird. In beide Richtungen. So sagte es Arnesen gestern und so bestätigte es der HSV-Sportchef auch heute. „Wir werden bis Mittwoch noch etwas machen“, so Arnesen, der offensichtlich auf den Verkauf vom gestern wieder unauffälligen Eljero Elia hofft. „Wir hatten gute Gespräche vor drei Wochen, wo Eljero klar gesagt hat, dass er bleiben will. Aber in den vergangene zwei Wochen hat sich einiges geändert. Die Tür ist jetzt offen. In diesem Moment gibt es aber kein konkretes Angebot, aber das kann sich bis Mittwoch noch ändern.“ Dem Vernehmen nach ist Juve der ernsthafteste Kandidat, aber auch Klubs aus Spanien und England (Arsenal) sowie Galatasaray Istanbul sollen interessiert sein. Arnesen: „Bislang haben wir kein konkretes Angebot vorliegen.“ Auch dass es ein Tauschgeschäft mit Amauri geben könnte, wie im Internet (auch hier im Blog) spekuliert wurde, schloss der HSV heute aus.
Geht es nach Oenning, soll ein offensiver Kreativspieler für das Mittelfeld kommen. „Es ist kein Geheimnis, dass uns eine solche Personalie sehr gut helfen würde“, so der HSV-Trainer, der sich vielleicht sogar auf zwei neue freuen darf. „Ich habe einige Spieler auf dem Zettel. Je nachdem, wie unsere Möglichkeiten sind, werden wir reagieren“, so Arnesen, der auf eine guten Preis für Elia und die späte Abgabe (und damit Gehaltseinsparung) bei Demel hofft. Denn, das hatte Jarchow nach dem Spiel klar gesagt: „Wir haben keine finanziellen Reserven.“

Klargestellt hat gestern Oenning – auch wenn er bei der Frage nach einem Torwartwechsel lange zögerte -, dass Drobny trotz seines erneuten Patzer die Nummer eins bleibt. „Jaro weiß, dass es ein Fehler war. Aber er ist erfahren und Sportsmann genug, um damit umzugehen.“ Heute trainierte der Tscheche im Kabinentrakt, anstatt mit der ersten Mannschaft. „Es tut sehr weh. Ich habe einen Fehler gemacht und fühle mich scheiße. Ich muss besser werden. Was soll ich sonst sagen?“

Nichts. Zumindest fiele auch mir im Moment nichts Sinnvolles ein. Vielleicht helfen dem ebenso sympathischen wie derzeit glücklosen Torwart die Tage bei der tschechischen Nationalelf, zu der er morgen abreist. Ich hoffe es. Für ihn. Für den HSV. Und für uns. Ebenso wie ich darauf hoffe, dass sich der HSV noch mal sinnvoll verstärkt und die zwei Wochen Pause nutzt, um sich der einen oder anderen Baustelle zu befreien. Es muss tatsächlich alles hinterfragt werden, bis am Mittwoch das Transferfenster bis zum Januar schließt.

Ein guter Anfang: Der zunächst frei gegebene Dienstag wurde gestrichen.

In diesem Sinne,
bis morgen,
Scholle (17.34 Uhr)

Zum Schluss noch mal die Zitate direkt nach Schlusspfiff, gesammelt von meinem Kollegen Alexander Berthold:

Dennis Diekmeier: „Ich bin stinksauer. Wir waren aggressiv, klar besser und kriegen solche beschissenen Tore. Ich kann es nicht fassen.“

Per Skjelbred:
„Das ist jetzt eine ganz harte Situation, aus der wir nur als Team herauskommen. Es geht nicht allein um Drobny. Wir gewinnen und verlieren als Mannschaft. Es ist jetzt ganz wichtig, dass wir zusammenhalten. Unglaublich: Wir schießen zuhause drei Tore und stehen ohne Punkte da…“

Heiko Westermann: „Wir haben heute vieles richtig gemacht. Wir wären der verdiente Sieger gewesen. Speziell die letzten beiden Gegentore dürfen einfach nicht fallen. Obwohl wir vier Gegentore bekommen haben, kann man nicht sagen, dass wir schlecht gestanden haben. Wir waren stabil. Nach dem Rückstand sind wir wieder aufgestanden.“
„Wir müssen nicht über Drobny reden. Wenn man zuhause drei Treffer erzielt, muss man das Spiel gewinnen. Köln schießt in 90 Minuten vier Mal aufs Tore und alle Bälle sind drin.“
„Wir müssen uns der Situation stellen und die sieht so aus: Ein Punkt aus vier Spielen. Es wird jetzt unruhig werden, aber da müssen wir Spieler jetzt durch. Es geht jetzt darum, dass wir Punkte sammeln und nicht über Abstiegskampf zu sprechen. Wir werden gegen Bremen mit der gleichen Leidenschaft auftreten. Dann werden wir nicht als Verlierer vom Platz gehen.“
„Mit Rajkovic hat es für das erste Mal richtig gut geklappt. Er spricht viel und ich unterstütze ihn dabei. Slobodan hat einen richtig guten Job gemacht.“

Frank Arnesen:
„Wir haben das beste HSV-Spiel dieser Saison gesehen. Wir hatten heute in einem Spiel mehr Torchancen als in den drei Partien zuvor. Aber so ist Fußball: Auch solche Spiele kann man verlieren. Wir haben guten Fußball gespielt, leider waren wir in der Defensive nicht so gut. Drei Treffer nach Standardsituationen muss man seriös (ich denke, er meint ernst nehmen) nehmen. Wir müssen das jetzt trainieren und darüber sprechen. 14 Gegentore sind einfach zu viel in dieser Saison.“
„Ich versuche sowohl die positiven als auch die negativen Dinge zu sehen. Und ich sehe sehr viele positive Dinge. Wir haben wenig zugelassen.“
„Es ist ja nicht so, dass ich jetzt ‚Hurra, Hurra‘ schreie und wir müssen jetzt genau überlegen, was wir machen. Niemand kann sagen, dass wir nicht gekämpft haben oder schlecht Fußball gespielt haben. Wir sind alle enttäuscht, dass wir nur einen Zähler nach vier Spielen haben. Aber noch mal: Ich habe eine Verbesserung im Vergleich zu den letzten Spielen gesehen. Ja klar, ich stehe zu Oenning.“
„Wir haben kein Torwartproblem. Keine Frage, Drobny hat unglücklich ausgesehen. Wenn ein Torhüter einen Fehler macht, ist es nun einmal gleich ein Tor. Wenn ein Stürmer eine Chance vergibt, kommt einfach die nächste Gelegenheit. Er hat in der Vorbereitung und auch gegen Hertha bis zu seinem Fehler sehr gut gehalten. Ich will ihn in Schutz nehmen.“

3:4 gegen Köln – eine bittere Niederlage, die Fragen aufwirft

27. August 2011

Von der ersten Minute zeigen, wer Herr im Haus ist. Das war die Maßgabe vor dem Spiel. Ausgegeben vom kritisierten Trainer Michael Oenning – und von seinen Spielern. Da gab es keinen, der etwas anderes sagte. Jarolim hatte Offensivfußball gefordert, Dennis Diekmeier ein Feuerwerk und Kapitän Heiko Westermann hatte davon gesprochen, dass es ein richtungweisendes Spiel wird, in dem man den Kölnern keine Luft zum Atmen lasen dürfe.

Und genau so begann das Spiel auch. Der HSV übernahm vor 51289 Zuschauern die Initiative, war aggressiv und. Im Mittelfeld gewann der überraschend ins Team gerutschte Robert Tesche die Zweikämpfe ebenso wie Jarolim, davor wirkte Skjelbred sehr aktiv. Gleich in der ersten Minute hatte Mladen Petric plötzlich und überraschend frei Bahn, nachdem ein Kölner Abwehrspieler den Ball unter dem Fuß durchrutschen ließ. Und hätte Petric nicht den einen kurzen Moment gezögert, es hätte die Blitzführung sein können. Aber so dauerte es bis zur achten Minute, ehe der HSV erneut gefährlich vor das Kölner Tor kam. Allerdings das dann gewaltig, mit einem strammen Schuss des Kapitäns Heiko Westermann aus rund 30 Metern – FC-Keeper Varvodic konnte nur zur Ecke klären. Keine 60 Sekunden später war es wieder Westermann, der einen Freistoß von Dennis Aogo an die Latte köpfte. Chancen im Minutentakt – ein Tempo, das belohnt wurde. Wenn auch etwas fraglich, denn das Foulspiel Geromels an Aogo wertete Schiedsrichter Meyer als fair und ließ weiterspielen. Allerdings nur, bis er die Fahne seines Assistenten Osmers sah, der ein Foulspiel erkannt haben wollte. Eine mehr als fragliche Entscheidung. Aber, wie hatten wir es gestern schon gesagt: Drei Punkte müssen her, egal wie. Und genau nach dem Motto erledigte Mladen Petric seine Aufgabe und verwandelte den Elfer sicher flach links unten zum 1:0.

Eine verdiente Führung für die fleißigeren, willigen Hamburger gegen spielerisch allemal gute Kölner, die sich ihrerseits nicht versteckten. Im Gegenteil, es war ein munteres, ein teilweise sogar richtig gutes Spiel des 17. Gegen den 18. der Tabelle. Die Kölner wussten insbesondere über ihre rechte Seite zu gefallen, wo der ehemalige Hamburger Miso Brecko und Adil Chihi das eine oder andere Mal die HSV-Linken Dennis Aogo und Marcell Jansen überlaufen konnten und beim HSV eine Schwachstelle offenlegten.

Dennoch fiel das Tor durch eine starke Aktion über die andere Seite. Slawomir Peszko überlief den starken aber hier chancen- und schuldlosen Westermann, setzte sich bis zur Torauslinie durch und legte quer au Chihi, der nur noch einzuschieben brauchten – das 1:1 (20.). Bis auf einen Schuss von Son (27.) und eine schöne Aktion Jansen, der sich per Hacke gegen Lanig durchsetzte und drüber schoss, war es das in der ersten Hälfte. Bis auf Son, der nicht ins Spiel finden wollte und die Defensivarbeit auf der linken Seite gab es tatsächlich nichts auszusetzen in einem dem Tabellenstand entsprechend überraschend guten Spiel, in dem sich auch Slobodan Rajkovic schnell eingefunden zu haben schien. Der Serbe schmiss sich in die Bälle und ließ seinen Ankündigungen („Ich gebe immer 100 Prozent“) auf rustikale, kompromisslose Art Taten folgen.

Und während ich mich auf der Tribüne noch darüber wunderte, dass Kölns Trainer Solbakken den bis dahin starken Kölner Peszko für Lukas Podolski vom Platz genommen hatte, bewies Letztgenannter in der 48. Minute die Sinnhaftigkeit seiner Einwechslung. Nach einer verpatzten Abseitsfalle war Podolski links durch und konnte ungehindert in die Mitte passen, wo Milivoje Novakovic am zweiten Pfosten ungehindert einschieben konnte. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob Drobny nicht besser hätte antizipieren können. Oder zumindest schneller reagieren können. Ich meine ja.

Der HSV lag plötzlich zurück und ich fragte mich, warum Oenning nicht sofort personell reagierte. Statt weiter mit einer Spitze (Petric) und dahinter mit Skjelbred zu agieren, hätte ich Paolo Guerrero als zweite Spitze erwartet. Zudem bewarb sich Son bis zu diesem Zeitpunkt seit nunmehr 55 Minuten um seine Auswechslung, während sich mit Töre und Elia eine Menge Potenzial nur am Rand warmlaufen durfte.

Aber, schöner irren kann man sich nicht. Nach einem Freistoß von Aogo aus halbrechter Position schraubte sich ausgerechnet der Südkoreaner am höchsten, köpfte an den Pfosten und den Abpraller machte – welch ein Geschenk zum Debüt – Rajkovic rein. Das 2:2. Aber damit nicht genug. Nach einem starken Pass des bärenstarken Tesche nimmt Son den Ball geschickt runter, umkurvt Andrezinho und schiebt dann auch noch perfekt ins lange Eck ein. Ein wunderschöner Treffer! Anschließend traf Westermann per Kopf sogar zum 4:2 – wobei Assistent Bornhorst hier zurecht auf Abseits entschied.

In der 73. kam Eljero Elia für Son, der unglücklich umgeknickt war und verletzt raus musste. Dem guten Spiel tat das kein Abbruch, denn in der 76. Minute erkämpfte sich der sehr agile Petric an der Mittellinie den Ball, Jarolim schleppte ihn gen Köln-Tor und bediente den mitgelaufenen Skjelbred, der mit links aus 18 Metern einfach mal draufhielt und FC-Keeper Vardovic keine Chance ließ – allein die Latte verhinderte das nächste Traumtor!

Und dann das. Eine gar nicht besonders gut getretene Ecke kommt acht meter vor dem Tor flach bei dem völlig ungedeckten (Raumdeckung? Was machte Skjelbred in dieser Szene??) Clemens (Skjelbred orientierte sich zu Podolski, der frei am Sechzehner stand) freian, der den Ball ebenfalls nicht besonders gut trifft – allerdings schlägt der Ball trotzdem ein. Das 3:3. Und damit der bereits 13. Gegentreffer im vierten Spiel, der die bekannte Problemzone des HSV verdeutlicht.

Zumal es noch schlimmer kam. Einen harmlosen Flankenball will Drobny kurz vor dem Elfmeterpunkt rausfausten und kann sich (gegen den eigenen Mann, Tesche) nicht ausreichend durchsetzen. Der dadurch viel zu kurze Faustabwehr fällt dem gerade erst eingewechselten Kevin McKenna direkt vor die Füße – ein Geschenk, das der Kölner annimmt und zum 4:3 für die Rheinländer einschiebt. Ein Schock, von dem sich die Mannschaft nicht mehr erholte. Es blieb beim 3:4.

Ein Ergebnis, das Fragen aufwerfen wird. Auch personelle. Und eines, das im allerhöchsten Maße alarmieren sollte. Denn was stehen bleibt ist ein Punkt aus vier Spielen. Und das ist ohne jeden Zweifel zu wenig, will man nicht absteigen.

In diesem Sinne, ich muss mich erstmal beruhigen. Denn, ganz ehrlich: diese Niederlage tut weh. Richtig weh sogar. Und sie macht mir Angst.

Bis morgen,

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:
Hamburger SV: Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Jarolim, Tesche – Son (75.Elia), Skjelbred, Jansen – Petric (81.Guerrero)
1. FC Köln: Varvodic – Brecko, Sereno, Geromel, Andezinho (68.Clemens) – Peszko (46.Podolski), Lanig – Riether, Chihi – Jajalo (85.McKenna), Novakovic

Tore: 1:0 Petric (FE., 11.), 1:1 Chihi (21.), 1:2 Novakovic (48.), 2:2 Rajkovic (59.), 3:2 Son (62.), 3:3 Clemens (84.), 3:4 McKenna (88.)

Zuschauer: 51.289

Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)

Gelbe Karten:
Aogo / Brecko, Novakovic, Riether

Egal wie, der erste Dreier muss her!! ***Arsenal will Elia**

26. August 2011

****Eljrro Elia soll in den nächsten Tagen ein Angebot vom FC Arsenal London erhalten. Der Champions-League-Teilnehmer hatte in den letzten Wochen durch Verkäufe seiner Stammkräfte auf sich aufmerksam gemacht. Beim HSV ist bislang allerdings noch kein offizielles Angebot eingegangen. Es wird aber damit gerechnet*****

Heiß war es. Ohne Klimaanlage bei mehr als 30 Grad Außentemperatur im fünften Stock, da staunte selbst Dennis Diekmeier nicht schlecht. Allerdings, und das war dann auch der schnell gefundene Übergang, es soll ja auch heißhergehen. Oder besser: es muss endlich heißhergehen, wenn am morgigen Sonnabend der 1. FC Köln in Hamburg zu Gast ist. „Da gibt’s keine Ausreden, da muss von Beginn an gepowert werden“, sagt der Rechtsverteidiger. Es soll quasi der Saisonstart für den HSV erfolgen. Und für Diekmeier, für den es ein Déja vu sein dürfte, schließlich feierte er vor einem Dreivierteljahr ausgerechnet gegen den FC sein Comeback. Übrigens: Auch damals hatte der HSV direkt zuvor eine herbe Klatsche in München kassiert. Wie hoch, weiß ich nicht mehr.

Ich erwähne es zumindest bewusst nicht, weil ich es heute so halten will wie die Mannschaft. „Wir schauen nicht mehr zurück“, so Diekmeier, „weil wir wissen, dass wir es können. Wir haben in der Vorbereitung gezeigt, dass wir gut sind.“ Nein, das Spiel gegen Köln ist sehr wichtig, „auch wenn Diekmeier nicht von einem Endspielcharakter wissen will. Dennoch weiß auch Diekmeier, dass ein Sieg wichtiger denn je ist. Zum einen, um nicht zu früh hinterherzulaufen, zum anderen auch, um die kommenden zwei Wochen Länderspielpause auch mal wieder mit erfreulichen Themen begehen zu können und nicht weiter darüber diskutieren zu müssen, was alles nicht funktioniert. Geschweige denn eine Trainerdiskussion zu führen.

Von der will im Übrigen auch Oennings Musterschüler nichts wissen. Oder besser: Diekmeier blendet sie aus. „Weil sie mich auch nicht interessieren. Wir wissen alle, dass Michael Oenning ein guter Trainer ist. Und jetzt müssen wir als Mannschaft das zeigen.“ Mit einem Sieg gegen Köln. „Klar. Alle müssen wollen, auf dem Platz, auf der Bank – einfach alle. Und wir müssen gleich mit Volldampf ins Spiel kommen“, so Diekmeier, der dabei immer wieder die Hände zu Fäusten ballt, „wir müssen einfach viel, viel aggressiver sein als zuletzt.“

Klingt gut – muss allerdings auch endlich umgesetzt werden. Einer, der dabei helfen soll, ist Slobodan Rajkovic, der unmittelbar nach seiner Verpflichtung am Mittwoch nach drei Trainingseinheiten schon gegen Köln in der Startelf stehen wird. Neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung und Diekmeier rechts. Links soll sich Dennis Aogo mit guten Leistungen wieder für die Nationalelf empfehlen will, aus der ihn Bundestrainer Jogi Löw gerade strich. Womit ich ’nen kurzen Abstecher wage: Vor einiger Zeit wurde Kevin Kuranyi ausgeschlossen, weil er das Stadion frühzeitig verlassen hatte. Eine Maßnahme, die ich damals hart aber absolut vertretbar fand. Bis heute. Oder besser, bis zu Philipp Lahms Buch und der Entscheidung, ihn nicht nur weiter als Nationalspieler dabei zu haben – als Kapitän zudem. Welches Maß legt dieser DFB bitte an?

Aber egal, das nur am Rande. Entscheidend für unser Wohlbefinden ist der Weltklasse-Außenverteidiger sicher nicht, das obliegt eher dem HSV. Und der begann heute 40 Minuten später mit dem Abschlusstraining. Im Stadion. Und , weil die Frage hier vermehrt danach gestellt wurde, zum ersten Mal in dieser Woche mit einem Abschlussspiel über den ganzen Platz. Dachten wir. Allerdings wurden lediglich Spieleröffnungen geübt. Mit vielen Unterbrechungen und Ansagen Oennings. Dabei agierte die oben bereits erwähnte Viererkette in der vermeintlichen A-Elf. Die hatte zudem Jarolim und etwas überraschen – auch wenn er es gestern schon so spielen ließ – Robert Tesche defensiv im Mittelfeld, Son auf rechts, Skjelbred zentral und Jansen links, während Petric als einzige Spitze agierte. Vier Änderungen gegenüber dem Bayern-Spiel, und die fünfte unterschiedliche Startaufstellung im fünften Spiel.

Rincon raus, Elia raus, Bruma und Töre raus – dazu Guerrero nicht dabei – das Gute an dieser Auflistung: Oenning hat so für alle Bereiche echte Verstärkungen auf der Bank. Und die wird er brauchen, sollte der HSV wie heute und in den letzten Tagen im Training bereits angedeutet, ein sehr laufintensives Pressing spielen wollen, das er auch heute üben ließ. Das und Standards. Wobei mit Guerrero und Kacar bei der B-Elf (nach Ecken von Castelen und Töre) sowie nach dem Seitenwechsel Westermann für die A-Elf (nach Ecke Jarolim) trafen. Die anschließenden Freistöße aus halblinker Position trat Aogo. Und von halbrechts – auch. Ohne, dass dabei Tore fielen.

„Wir haben im Training sehr viel Selbstvertrauen tanken können“, erzählte uns Diekmeier heute. auch Skjelbred sieht Fortschritte. Bei sich. „Ich bin jetzt zweieinhalb Wochen hier und habe meine Kollegen alle kennenlernen können. Es ist wichtig, dass man sich zu 100 Prozent auf dem Platz versteht“, so der Norweger vor dem Duell gegen seinen Landsmann Stale Solbakken, den er früher zunächst als Gegenspieler, dann als gegnerischen Trainer miterlebte. „Solbakken ist in Norwegen einer der größten Trainer des Landes.“ Aber all das sei unwichtig, so Skjelbred, „denn wir müssen zusehen, dass wir usnere Trainingsleistungen auf den Platz bringen.“

Mit Mladen Petric, der in Hamburg ein ähnlich hohes Ansehen genießt wie Solbakken in Norwegen. Sagt zumindest Diekmeier. „Über Mladens Wichtigkeit brauchen wir ja wohl nicht zu reden“, so der Rechtsverteidiger, „schon mal gar nicht in Hamburg.“ Auch nicht in Köln. Denn der FC durfte im März in der Imtech-Atena gleich drei Gegentreffer des Kroaten bestaunen. „Er ist sehr wichtig für die Mannschaft,“, ergänt Skjelbred, „jede Mannschaft braucht einen echten Goalgetter.“ Auch deshalb wird Petric auch diesmal von Beginn an spielen, wissend, dass er mit Guerrero und Berg zwei Spieler im Nacken hat, die die vielleicht Besten in dieser Trainingswoche waren.

Nach 40 Minuten Training war heute übrigens Schluss. „Fünf Minuten frei“, rief Oenning, der sich zuvor schon Westermann und Bruma und anschließend Jarolim zum Sechs- bzw. Vier-Augengespräch bat und zusammen mit der Mannschaft um 17.34 Uhr den Platz verließ. Und das mit dem besten Vorhaben gegen Köln. Und wie heißt es so schön, „manchmal ist weniger eben mehr“. Auch hier im Blog.

In diesem Sinne, bis zum ersten Dreier der Saison – wollte ich eigentlich so schreiben. Aber stattdessen tippe ich heute mal auf ein 0:1. Und bevor hier wieder meine Freunde anfangen, mich zu beschimpfen: ich mache das nur, weil ich in den drei bisherigen Spielen immer auf Sieg getippt habe und damit falsch lag. Vielleicht bringt so ein Tipp ja Glück. Einen Versuch ist es allemal wert.

Bis morgen!

Scholle
(18.07 Uhr)


So könnten sie spielen:
Drobny – Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Aogo – Jarolim, Tesche – Son, Skjelbred, Jansen – Petric.
Zudem im Kader: Mickel, Bruma, Rincon, Kacar, Töre, Elia, Berg, Guerrero.

Und während aus dem vorläufig 19 Mann umfassenden Aufgebot bis zum Spiel noch einer gestrichen werden muss, ist Romeo Castelen überraschenderweise gar nicht erst im Kader.

Oenning kämpferisch – und Rajkovic in der Startelf?

25. August 2011

Ein neuer Tag. Und was für einer. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen weit über 20 Grad. Es herrschte allseits gute Stimmung. Vor allem bei Romeo Castelen. Verständlicherweise, denn der Niederländer steht unmittelbar vor ins Team. Und das, nachdem er zweieinhalb Jahre verletzungsbedingt pausieren musste. Gegen Bayern rutschte er für den grippekranken Mladen Petric in den Kader, gegen Köln ist er leistungsbedingt dabei. „Romeo hat zuletzt bei den Amateuren gespielt – und das sehr gut“, lobt Trainer Michael Oenning, „es ist sehr erfreulich, dass er wieder so hergestellt ist, dass er in der Lage wäre, Bundesliga-Fußball anzubieten.“ Ob Castelen schon für die erste Elf eine Alternative ist? „Das kann ich heute noch nicht sagen“, so Oenning, „wir müssen jetzt auch vorsichtig sein. Wir haben jetzt so lange gewartet – da schaffen wir das auch noch.“

Zumal Romeo selbst ruhig ist. Trotz der langen Wartezeit ist der Niederländer völlig unaufgeregt. „Es stimmt, mit mir ist viel passiert. Ich hatte immer wieder Rückschläge“, resümiert er, „aber ich bin schon froh, endlich mal über andere Dinge sprechen zu können. Zum Beispiel über Fußball.“ Wann er glaubt, wieder Bundesliga-Fußball zu spielen? „Wann immer der Trainer mich braucht. Ich wäre bereit, habe viel trainiert und keine Angst mehr.“ Ob er sich noch an seinen letztes Bundesligaspiel in der Imtech-Arena erinnert? Castelen ehrlich: „Nein, wirklich nicht.“ Wobei das verständlich ist, immerhin liegt dieses Spiel vier Jahre zurück. Im Dezember 2007 wurde der pfeilschnelle Rechtsaußen für Piotr Trochowski in der 65. Minute beim 0:0 gegen Cottbus eingewechselt. „Schon, um wie immer positiv zu bleiben, gucke ich gar nicht mehr so weit zurück.“

Einen kurzen Rückblick wagte dagegen Trainer Michael Oenning, angesprochen auf den Klose-Versprecher. Zuerst wollte er ihn nicht kommentieren, sagte dann aber doch: „Solche Dinge erreichen mich natürlich. Das ist aber nicht wichtig.“ Schlimmer sei, dass es überhaupt Indiskretionen gab. „Das ist an sich eine Katastrophe. Allerdings weiß man auch nie, wie so etwas zustande kommt. Vielleicht hat ein Spieler das nur seinem Berater erzählt und der hat es weitergegeben.“ Ob er sich von der Mannschaft hintergangen fühlte, wollte ein Kollege wissen. Oennings kurze, klare Antwort: „Nein.“

Es war wie erwartet. Oenning hatte eine schlüssige Erklärung für seinen Versprecher. Ich habe heute mit ihm persönlich gesprochen, um noch einmal die eine oder andere Frage persönlich zu stellen. Und wie in bislang jedem Gespräch blieb Oenning auch diesmal ruhig. Er wisse zwar, dass dieser Fauxpas ihm immer wieder von den Leuten vorgehalten würde, die ihm nichts Gutes wollen. Allerdings kann er das nicht ändern. Und das stimmt. Wer ihm Böses will, der bringt das immer wieder an. Deshalb belasse ich es ab jetzt dabei und richte meinen Blick auf Köln.

Mit Oenning. Und wahrscheinlich auch mit Rajkovic. Der wuchtige Innenverteidiger trainierte heute an der Seite von Heiko Westermann in der Viererkette. Und, um Euch eine Angst zu nehmen: nach Übergewicht, wie hier vereinzelt gepostet, sieht das bei dem 22-jährigen Musterathleten definitiv nicht aus. Im Gegenteil, der Serbe macht tatsächlich Eindruck. Wenn der auf Dich zuläuft, überlegst Du Dir zweimal, ob Du durch- oder doch lieber zurückziehst. Ob er von Beginn an spielen soll? „Wir haben uns mit Rajkovic verstärkt“, lobt Oenning, der einen guten ersten Eindruck von dem 191-Zentimeter-Mann hat, „aber jetzt müssen wir erst noch sehen, ob er auch schon 90 Minuten gehen kann.“

Und ganz ehrlich: Ich glaube, er spielt. Von Beginn an neben Westermann. Eine rustikale Abwehr mit frischem Blut, die ohne Schnörkel verteidigt. Wie gut das heute schon funktioniert, war allerdings nicht wirklich zu beurteilen, da als Abschlussspiel nur ein Turnier mit drei Siebenerteams auf etwas weniger als einem halben Platz gespielt wurde. Dabei fiel Rajkovic weder auf noch ab, was auch für Startplatzkandidaten Per Skjelbred oder auch Paolo Guerrero galt.

Beide wurden von Oenning zuvor ausdrücklich gelobt. Und beiden wurde ein Platz in der Startelf gegen Köln in Aussicht gestellt. „Per hatte ganz normale Anpassungsschwierigkeiten. Aber er spielt einen sehr sicheren Ball. Und ich glaube, er hat richtig gute Chancen zu spielen.“ Gleiches gilt für Guerrero, der nach seinem Muskelfaserriss aus dem Dortmund-Spiel früher zurückkommt als erwartet. „Er macht einen sehr guten Eindruck“, lobt Oenning, „er scheint seine gute Form von der Copa America stabilisiert zu haben.“

Ausfallen wird indes aller Voraussicht nach Michael Mancienne, der nach seinem grippalen Infekt heute noch nicht wieder mit der Mannschaft trainieren konnte. Oenning: „Michael wird es eher nicht schaffen, glaube ich.“

Womit sich für die Innenverteidigung nur die Frage stellt, ob Bruma oder Rajkovic neben Westermann spielt. Meine Meinung hatte ich eingangs schon geschrieben. Allerdings bin ich mir bei der Besetzung des Mittelfeldes noch ziemlich unsicher. „Wir haben ein sehr wichtiges Spiel vor uns“, mahnt Oenning, „das wir schnell in den Griff kriegen wollen. Dafür müssen wir aktiv sein.“ Und entsprechend kreativ, was beim Kampf um die Sechserposition neben Jarolim – der Tscheche soll seine Erfahrung und Ballsicherheit ausspielen – eher für Skjelbred statt Tesche oder Kacar spricht. Im Training war heute noch nicht genau zu erkennen, was Oennning plant. Der ließ Tesche, Skjelbred und Jarolim in einem Siebenerteam spielen. Allerdings verbrachten die beiden Letztgenannten die meiste Zeit im zentralen Mittelfeld.

Auch vorn wird es interessant, nachdem Guerrero wieder dabei ist. Und da Petric als gesetzt gilt, Guerrero ein derartiges Kompliment vom Trainer ausgesprochen bekam und in den wenigen Minuten gegen Dortmund für Oenning „der beste Mann in der Offensive“ war, glaube ich, dass Son rotieren muss. Entweder auf die vakante rechte Außenbahn – oder gar auf die Bank.

Dort könnte er auf den zuletzt formschwachen Eljero Elia treffen, bei dem sich die Vereinsführung intern entschlossen zu haben scheint, ihn bei einem passenden Angebot abzugeben. Das allerdings liegt dem Vernehmen nach bei mehr als zehn Millionen Euro. Zumal der Niederländer, an dem weiterhin Juventus Turin interessiert sein soll, für eben diesen Preis einst geholt wurde. Ob Oenning glaubt, dass bis zum Ende der Transferperiode am 31. August noch etwas passiert – in die eine wie ein die andere Richtung? „Mein Fokus ist ganz sicher auf Samstag und das Spiel gegen Köln gerichtet. Aber solange die Frist noch läuft, sollte man nichts ausschließen.“

Und um den Blog versöhnlich abzuschließen: Mein Gespräch heute mit Oenning war sehr konstruktiv. Ich hatte allerdings auch nichts anderes erwartet, denn bei allem, was man Oenning auch anlasten mag, er ist immer ein sehr ehrlicher Typ, der sich seiner Verantwortung stellt. Wie immer hat sich der Trainer um keine Antwort gedrückt, alles schlüssig erklären können und in keiner Weise den Eindruck vermittelt, resignieren zu wollen. Im Gegenteil. „Man muss sich da schon durchbeißen“, so der Trainer, der natürlich weiß, dass auch sein Können irgendwann ausschließlich an gewonnenen Punkten gemessen wird. Dennoch sagte er auch zu den Diskussionen um seine Position etwas, was irgendwie in die Situation passt: „Jeder darf schreiben, was er möchte. Und jeder darf lesen, was er möchte.“

In diesem Sinne, wir hören/lesen/sehen uns morgen wieder.

Scholle (19.22 Uhr)

P.S.: Training morgen ist um 16 Uhr.

Unwürdig?? Nein – das hier ist denkwürdig…. *ergänzt!!*

24. August 2011

*****Ergänzung: Bei meiner Aussage, Rajkovic sei ein “überzeugter Junggeselle” wollte ich REIN GAR NICHTS “andeuten”, sondern das wörtlich verstanden wissen. Danke!*****

Bitte, nicht falsch verstehen. Ich entschuldige mich hier NICHT, ich bin auch NICHT beleidigt, sondern versuche es mit einem nett gemeinten Hinweis.

Wenn ich der Meinung bin, dass ein Spieler nicht gut spielt, schreibe ich das. So geschehen bei Rajkovic im Training heute.

Zerrissen ist er damit nicht, auch nicht fertiggemacht. Ich habe ihm auch nichts abgesprochen. Im Gegenteil, es ist nur das heutige Training beschrieben. Dass mich ein Freund und bekannter Scout anruft und mit seinen Kenntnissen versorgt, hab ich Euch mitgeteilt. Ich hätte es auch lassen können, zumal kritische Worte zu den eigenen Spielern hier fast immer für Empörung sorgen. Da beschweren sich sogar die, die Spieler vorher als Versager, Nichtskönner oder mit noch deutlich niveauloseren Schimpftiraden überdecken. Und wenn ich hier eine Trainingsleistung kritisiere und anschließend die Hoffnung äußere, dass das noch besser wird, ist das sogar “Schmierenjournalismus” und ich werde zum (Springer-)”Henker” – sehr interessant…

Die Geschichte mit Oenning: Nicht ich gebe ihn zum Abschuss frei, wie auch? Zum einen will ich das gar nicht, aber entscheidend ist, dass ich das gar nicht kann. Dieser Blog ist seit Tagen und teilweise seit Wochen mit Beiträgen gefüllt, die Oenning jegliches Vertrauen absprechen. Und plötzlich beschwert Ihr Euch, weil ich ihn kritisiere nach einem solchen nachgewiesenen und von ihm selbst bestätigten Fauxpas?
DAS nenne ich scheinheilig. Mal wieder.

Ihr nennt den Blog unwürdig. Ich bin – wie jeder andere Journalist, der etwas schlechtes über den HSV berichtet – sogar der Hauptschuldige für die HSV-Krise. Nein, ich finde eher das, was jetzt passiert, denkwürdig. Keiner muss meine Meinung teilen, jeder darf sie kritisieren und seine Meinung mitteilen. Aber in dieser Form ist das keine kritische Auseinandersetzung mit dem HSV mehr.

Aber gut, entscheidend ist, dass man sich am Ende seiner Äußerungen selbst noch ernst nehmen kann.

In diesem Sinne,

bis morgen.

Scholle

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