Monatsarchiv für Juli 2011

Erstes Spiel in Holland 3:1 gewonnen

23. Juli 2011

„Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden einig sind, ist ein verlorener Abend.“

Sagte einst Albert Einstein.

Der HSV ist noch nicht abgestiegen, der HSV spielt immer noch in Ersten Bundesliga – und ich bin immer noch guter Hoffnung. Trotz des „Schlachtfestes“. Ich will mich auch nicht groß rechtfertigen, ich will erst recht nicht zurückrudern, ich will nur sagen: Dieser HSV ist meiner Meinung nach noch nicht in der Lage, Deutscher Meister zu werden. Richtig? Und dann möchte ich sagen, dass mir deswegen angst und bange wird, weil in der vergangenen Saison auch Klubs in Abstiegsgefahr waren, die damit niemals gerechnet hätten: Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, und, und, und. Und das könnte immerhin auch dem HSV passieren. Und das hat nichts damit zu tun, dass im Trainingslager Zillertal sehr gut gearbeitet wurde. Bundesliga ist kein Kindergeburtstag – lasst uns doch alle mal abwarten.

So, alles andere überlasse ich jedem von Euch.

Zum Turnier in den Niederlanden. Der HSV trat am Abend gegen den Viertliga-Vertreter VV Berkum mit folgender Mannschaft an:
Hesl, Götz, Labus, Sternberg, Jansen; Jarolim, Besic; Castelen, Nagy, Behrens; Ben-Hatira.

Die erste Mannschaft des HSV hatte zuvor 90 Minuten lang im Stadion trainiert, mit von der Partie Mladen Petric, der morgen wohl gegen den FC Groningen spielen wird, und auch Robert Tesche, der zuletzt wegen muskulärer Probleme gefehlt hatte.

Erfreulich: Romeo Castelen war erstmalig seit dem 20. September 2009 wieder einmal von Beginn an dabei, und der Niederländer war davon absolut begeistert. Vor dem Anpfiff schüttelte er jedem Bekannten lächelnd die Hand – es war vor nur 1200 Zuschauern (darunter 120 HSV-Fans) das Comeback des Jahres. Um es vorweg zu nehmen: Castelen spielte in den ersten 45 Minuten (so lange dauerte die Partie gegen Berkum) unauffällig.

Der HSV gewann diese Auftaktpartie, die teilweise einem Fehlpass-Festival glich, mit 3:1. Und führte dabei schon nach einer Minute und 39 Sekunden 1:0. Das Tor hatte Hanno Behrens erzielt, er nutzte die gute Vorarbeit von Marcell Jansen. Auch auf der Gegenseite klingelte es entsprechend schnell, denn nach zwei Minuten und 33 Sekunden hieß es schon 1:1. Der umjubelte Torschütze der niederländischen Amateur-Truppe war van der Meule. Er profitierte von einer Fehlerkette des HSV, an der Janek Sternberg, Robert Labus und Jansen beteiligt waren. Ohnehin machte die HSV-Defensive in diesem Kick eine denkbar schlechte Figur.

Und die Niederländer wirkten nicht nur übermotiviert, sie waren es auch. Sie gingen teilweise recht robust, überhart und auch unfair zur Sache. Höhepunkt dieser Treterei war ein böses Foul von van Egmond, der David Jarolim ganz übel von den Beinen holte. Der Tscheche musste einige Zeit behandelt werden.

Das zweite HSV-Tor erzielte Änis Ben-Hatira auf Vorarbeit von Daniel Nagy (13.), das 3:1 markierte Muhamed Besic (28.), der von Jarolim und Ben-Hatira in Co-Produktion bedient wurde.

Zurzeit spielt der HSV gegen den Zweitliga-Klub FC Zwolle. Mit dem Resultat dieses Spiels melde ich mich nach dem Schlusspfiff.

19.39 Uhr

Viel Spaß bei Regen und Sturm

22. Juli 2011

Gluck, gluck, weg war er! Der HSV. Abgetaucht ganz hoch oben im Norden der Republik. Kurz vor Dänemark. Teambuilding auf der Insel Fehmarn, den Spielern wurde unter der Anleitung von der ehemaligen Surf-Weltmeisterin Andrea Höppner eine Wassersport-Olympiade angeboten. Surfen, rauf auf den Katamaran, stand up paddling, Beachvolleyball und einige Dinge mehr gab es zu bewältigen – und alle hatten ihren Spaß daran. „Ich kann sogar sagen, dass es allen einen Super-Spaß bereitet hat – trotz der schwierigen Witterungsbedingungen“, sagte HSV-Medien-Chef Jörn Wolf am Ende des Ausflugs. Und er ergänzte: „Alle haben sich wacker geschlagen, alle hatten auch viel Spaß miteinander, und es gab trotz der schwierigen Bedingungen durch Regen und Sturm nicht einen, der über diese Tour ins Nasse gemeckert oder gemosert hätte.“ Na, bravo! So soll es sein. War es in den vergangenen Jahren nicht immer, aber jetzt scheint es ja zu werden.

Morgen früh wird der HSV noch einmal um acht Uhr im Volkspark trainieren, um zehn Uhr hebt die Mannschaft dann mit OLT von Fuhlsbüttel ab, es geht nach Groningen. An diesem Sonnabend nimmt der HSV an einem Turnier in Zwolle teil, in den beiden Spielen gegen VV Berkum und den FC Zwolle werden, so erwarte ich es jedenfalls, ganz sicher die jüngeren Spieler eingesetzt werden, denn tags darauf steht die Partie beim niederländischen Erstliga-Vertreter FC Groningen auf dem Programm. Das dürfte dann der wesentlich ernsthaftere Test für den Stamm sein.

Michael Oenning wird dann noch ein weiteres Mal die Gelegenheit haben, die Spieler im Hinblick auf eine Anfangsformation in der Bundesliga (am 5. August in Dortmund! Jaha, 5. August! Mein Gott, jetzt hat er’s!) unter die Lupe zu nehmen. Noch steht die erste Elf nicht fest, noch gibt es ja auch noch einige Spieler die fehlen. Und von denen, die bislang schon ihre Visitenkarte haben abgeben können, hat sich noch keiner so weit in den Vordergrund gespielt, als dass man sagen könnte: „Der beginnt auf jeden Fall gegen Dortmund.“ Nicht einmal von Heung Min Son würde ich das zum jetzigen Zeitpunkt sagen, obwohl er auch bei mir weit, weit vorn ist. Aber noch ist ja auch ein wenig Zeit.

Und diese wenige Zeit können auch zwei gestandene Spieler noch zu ihren Gunsten nutzen: David Jarolim und Gojko Kacar. Noch läuft es mit ihnen nicht so ideal im defensiveren Mittelfeld, und das weiß auch Michael Oenning. Er macht aber nicht nur Kacar und Jarolim dafür verantwortlich, sondern alle Mittefeldspieler. Es muss (noch) mehr miteinander und auch mehr mit dem Auge für die Defensive gearbeitet werden.

Meine Meinung zu Kacar und zu Jarolim will ich aber auch nicht für mich behalten: David Jarolim begann zuletzt in beiden Spielen unheimlich „aufgekratzt“, gerade so, als wolle er jeden Gegner in Grund und Boden laufen. Er war voll motiviert, und er eroberte sowohl gegen die Bayern als auch gegen den BVB die meisten Bälle für den HSV. „Jaro“ kämpft für zwei, und er antizipiert unheimlich gut. Wie er die Pässe des Gegners scheinbar mühelos abfängt, weil er ahnt, wohin die Kugel gespielt wird, das ist schon eine echte Klasse für sich. Natürlich, bevor sich die „Jarolim-Gegner“ nun über die zu gute Kritik aufregen, füge ich hinzu: Natürlich ist mir nicht entgangen, dass „Jaro“ speziell gegen den Meister sehr, sehr viele Fehlpässe gespielt hat. Ich verbuche die unter dem Motto: „Übereifer.“

Nach wie vor, und dabei bleibe ich auch, halte ich David Jarolim für unersetzlich in dieser (neuen) HSV-Mannschaft. Weil er allen Kollegen vormachen kann, wie es ist, wenn man sich total in den Dienst der Mannschaft stellt. Und glaubt es mir, gerade die „jungen Dachse“ brauchen eine breite Brust, um sich dort anzulehnen – und „Jaro“ hat eine breite Brust – mit Waschbrettbauch. Ich denke zudem an die letzten Trainer des HSV, die allesamt vorhaten, Jarolim aus dem Team zu nehmen, aber sie alle haben früher oder später (die Kollegen sind meine Zeugen) gesagt: „Wenn er nicht spielt, dann merkt man erst, wie sehr er fehlt.“
Da können nun einige schimpfen und sonstwas heulen, ich bleibe dabei, ich kippe nicht um: David Jarolim wird auch in der kommenden Saison eine Stütze des HSV sein. Aber natürlich billige ich auch jedem HSV-Fan seine Meinung zu, mache mich auch nicht auf, ihn bekehren zu wollen.

Zu Gojko Kacar. Er hat ganz sicher noch keine gute Vorbereitung gespielt – und trainiert. Das liegt ganz sicher zu großen Teilen an seiner Verletzung. Der Serbe leidet schon seit Monaten an Kalkablagerungen im Knöchel, hat Schmerzen, beißt sich damit aber durch den Tag. Anscheinend aber wird Kacar nun doch nicht operiert (wie es im Zillertal noch angedeutet wurde), offenbar soll es auch ohne einen Eingriff weitergehen. Kacar selbst wird es wissen, ob er sich damit einen Gefallen tut.

Sein Spiel jedenfalls sieht nicht gerade souverän aus. Was vielleicht auch an der Umstellung liegen kann, denn in der vergangenen Saison spielte Gojko Kacar ja in der Innenverteidigung und war auf dieser Position die Entdeckung. Ich hätte, das gebe ich gerne zu, ihn auch lieber auf dieser Position gesehen, denn er hat dafür die nötige Aggressivität, er hat auch (eigentlich) die Ruhe, den Ball vernünftig nach vorne zu spielen, und er hat ein überragendes Kopfballspiel. Jetzt aber muss er erst seine Linie finden, wenn es darum geht, in der Defensive zu arbeiten und auch gefährliche Aktionen nach vorne zu starten. Bislang läuft er dieser Aufgabe noch hinterher. Dennoch bin ich bei ihm guter Hoffnung, dass er sich in diese Mannschaft boxen wird – egal auf welcher Position.

Und, das gebe ich zu bedenken, es gibt ja auch noch Per Ciljan Skjelbred, der Anfang August kommen wird. Der Norweger soll seine Qualitäten eher im offensiven Mittelfeld haben, aber mal abwarten. Dort hat bislang Gökhan Töre gespielt – und mich überzeugt. Der junge Mann (19) bringt alles mit, um Bundesliga-Spieler zu werden – ich sehe ihn, auch wenn es eine Überraschung wäre, eher im Team als auf der Bank. Aber auch das hat natürlich der Trainer zu entscheiden.

So, und da mir mein Laptop in der letzten Stunde gleich mehrfach abgestürzt ist (allein der Neustart kostet Nerven!), beende ich für heute meinen Beitrag.

Ich wünschen allen „Matz-abbern“ und ihren Lieben ein wunderschönes Wochenende.

PS: Die Karte, die einige aus dem Zillertal an Frau M. schicken wollten, die ist niemals angekommen. Ich sage das deshalb, weil es ansonsten ja schon länger einen Dank dafür gegeben hätte – so weiß sie von nichts. Und ich glaube auch nicht, dass diese Karte noch jemals ankommen wird. Trotz allem, ich sage danke für die sicherlich gut gemeinte Aktion.

19.44 Uhr

Oenning: “Die Talente können Bundesliga”

21. Juli 2011

Diese Niederlage war hilfreich. Sagen alle, die dem Bundesliga-Start gegen Dortmund nach wie vor optimistisch entgegenblicken. Diese Niederlage – gegen die B-Mannschaft von Dortmund – zeigte dem neuen HSV die Grenzen schon mal ganz deutlich auf. Sagen diejenigen, die der neuen Saison ohnehin skeptisch gegenüberstehen. Man dreht es sich ja immer so hin, wie man es braucht. Wer wüsste das besser als ich? Die Trainer haben damit schon Erfahrungen gesammelt, sie alle leben ja mit den Plattitüden des Fußballs. Wird ein Spieler des Gegners schon in Halbzeit ein vom Platz gestellt, aber das so dezimierte Team verliert nicht, sagt der Coach der vollständigen Elf später: „Uns hat der Platzverweis eher geschadet als geholfen, denn mit zehn Spielern gab der Gegner erst recht alles – dann wurde es schwer.“

Oder die Sache mit dem Führungstor. Jeder Trainer wünscht sich ein frühes Tor für seine Mannschaft. Jeder. Geht seine Mannschaft dann tatsächlich früh in Führung – und verliert dennoch, so sagt er bestimmt: „Das frühe Tor hat uns eher gelähmt denn beflügelt, wir haben uns schon auf der sicheren Seite gefühlt . . .“ Diese Form der Ausreden sind inzwischen längst standardisiert. Ich schreibe das deswegen, weil es ja auch hier bei „Matz ab“ hoch her ging. War diese 0:2-Niederlage gegen den Meister nun hilfreich, war sie weniger hilfreich, tat sie weh oder ist sie schnell abgehakt? Die Meinungen ging bei uns auseinander. Jeder dreht sich das eben so hin, wie er es braucht oder gerne hat.

„Dieses Turnier in Mainz hat keine Aussagekraft für die Bundesliga. Es war nur eine gute Standortbestimmung für uns, wir konnten sehen, wo wir noch Mängel haben“, sagte Dennis Diekmeier nach dem verlorenen Finale. Lassen wir es einmal so stehen. Übrigens sahen es fast alle HSV-Spieler so, wie Diekmeier. Und sagten auch – fast – unisono: „Jetzt wissen wir, dass wir bestens vorbereitet in das erste Spiel gegen Dortmund gehen müssen.“
Spätestens jetzt, würde ich sagen. Denn dass der 6. August ganz hart werden würde für den HSV, das steht ja seit längerer Zeit schon felsenfest, denn: es geht doch gegen den Meister. In der Höhle des Löwen. Kann es überhaupt schwerer sein? Nein! Selbst eine Auftaktpartie bei und gegen die Bayern wäre nicht schwerer gewesen.

Und nicht nur die Spieler wissen jetzt, dass sie für das Spiel gegen und in Dortmund in bester Verfassung sein müssen. Auch Michael Oenning weiß es. Der Trainer sagte in seinem Resümee: „Wir müssen auf jeden Fall ein noch höheres Laufvermögen zeigen.“ Stimmt. Aber damit allein dürfte es noch nicht getan sein. Es fehlten ja noch einige Stücke in diesem Puzzle. Spielerisch und auch taktisch gäbe es auch einige Mängel zu beheben. Und ich glaube zudem immer noch, dass der HSV, wenn er mit der Einstellung aus dem Bayern-Spiel zu Werke gegangen wäre, auch gegen Dortmund besser ausgesehen hätte. Aber das ist natürlich ganz allein Sache des Trainers . .

Und der wirkte nach den beiden Tagen von Mainz alles andere als unglücklich. Oenning sagte: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich in den beiden Spielen gesehen habe. Und am Wochenende werden wir auch wieder einige Spieler sehen, die uns hier noch gefehlt haben.“ Mladen Petric, Tolgay Arslan, Jaroslav Drobny, vielleicht sogar Romeo Castelen (der heute mit der Mannschaft trainiert hat) zum Beispiel.

Dass Michael Oenning im Spiel gegen den BVB nur einmal wechselte (Marcell Jansen kam zu Pause für Gökhan Töre), das erklärte der Coach wie folgt: „Es ging hier nicht darum, dass jeder zu seinem Recht kommt, sondern darum, eine Wettkampfformation zu finden. In Holland am Wochenende wird das anders sein, da kommen auch andere Spieler wieder zum Einsatz.“ Oenning weiter: „Ich bin auch deshalb zufrieden, weil ich gesehen habe, dass die jungen Talente Bundesliga spielen können.“ Da kann es in erster Linie nur um Michael Mancienne und Gökhan Töre gehen, und natürlich auch um Heung Min Son, der ja schon einige Bundesliga-Partien gespielt hat. Wobei diese drei Spieler allesamt überzeugen konnten, was ich für sehr, sehr erfreulich halte, denn endlich scheinen auch junge Leute beim HSV eine wirkliche Perspektive zu haben.

Über zwei Dinge gab Michael Oenning dann auch noch Auskunft. In der Torwartfrage gibt es nichts Neues – und doch gibt es etwas Neues. Klingt paradox, ist es aber nicht: Jaroslav Drobny bleibt, obwohl er wegen einer Rippenprellung noch nicht gespielt hat, die unumstrittene Nummer eins. Für Oenning. Und Tom Mickel, der zweimal famos hielt, scheint die Nummer zwei zu sein, zu werden. Oenning: „Sehr wichtig zu sehen, dass Tom Mickel so exzellent gehalten hat. Er wird ein guter zweiter Mann hinter Drobny sein, falls der einmal ausfallen sollte.“ Ist damit der Kampf um die Nummer zwei schon entschieden? Oenning: „Das ist im Moment nicht das Hauptthema. Auch Wolfgang Hesl hat gute Spiele gezeigt . . .“

Das stimmt. Und auch die Trainingsleistungen im Zillertal war – ohne zu hoch zu greifen – sehr gut.

Und Michael Oenning sprach auch über die Art, wie er sich en Fußball beim HSV vorstellt: „Die 4:3:3-Taktik ist nicht in Stein gemeißelt. Man muss doch sehen, dass mir mit Heung Min Son bislang nur ein Stürmer zur Verfügung stand.“ Stimmt auch. Aber das ändert sichja nun hoffentlich bald. Und dann werden es alle erleben, wie der HSV tatsächlich zu seine Erfolgen kommen will.

Heute beim Training wurde dafür schon wieder geübt. Pässe in jeder Form. Vor allen Dingen Kurzpässe. Und den Ball nur einmal berühren. „Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas im O-Ton: „Mir haben dabei besonders Son und Mancienne gut gefallen.“ Auffällig auch, dass Oenning den Serben Gojko Kacar oft lobte. Da wird ein Mann aufgebaut, oder besser, er soll aufgebaut werden.

Einer, der das auch nötig hätte, spielte gleich „nebenan“: Marcell Jansen. Der Nationalspieler sucht – in meinen Augen – im Moment noch seine Form. Und ich habe das Gefühl, dass er zurzeit auch ein wenig seine Rolle in der Mannschaft sucht. Er wirkt verunsichert. So kenne ich ihn eigentlich nicht, denn Jansen war immer sehr selbstbewusst. In der jetzigen Situation aber scheint ihm das Selbstvertrauen ein wenig abhanden gekommen zu sein: Das ist weder nach hinten etwas, noch ist etwas nach vorne. Jansen schwebt für mich momentan im luftleeren Raum. Und kann mit dieser für ihn höchst ungewöhnlichen Rolle nicht so recht etwas anfangen. Der Mann hatte in seinem Fußballer-Leben bislang unheimlich viel Glück. Er war oft verletzt, kann aber auf eine großartige Nationalmannschafts-Karriere zurückblicken: 36 Länderspiele, zwei Welt- und eine Europameisterschaft. Da ist doch bombig! Trotz der vielen, vielen Verletzungspause.

Und er will sicher auch die Karriere bei „Jogi“ Löw fortsetzen, keine Frage. Doch dafür muss er, ganz klar, wieder in Form kommen. Ob es ihm hilft, dass er nun beim FC Liverpool im Gespräch sein soll? Es ist nur ein Gerücht, ich glaube auch nicht, dass da etwas dran ist, aber es steht im Raum. Wir werden es aber erleben.

Morgen, am Freitag, ruht der Ball im Volkspark. Die sportliche Führung hat statt dessen eine Überraschung für die Mannschaft geplant. Eine „teambildende Maßnahme“ – und die finde ich immer gut. Und immer noch an die Skeptiker: Keine Sorge, die Mannschaft ist fit und wird auch zum nächsten Dortmund-Spiel noch fit sein. Ab und an ein freier Tag, der muss einfach mal sein. Und ich gönne es jedem einzelnen Spieler, denn sie haben in der Tat schwer geschuftet. Zudem: Selbst Felix Magath ist so gnädig, er brach das Trainingslager mit dem VfL Wolfsburg einen Tag früher ab – wenn das nichts ist.

Ein kurzer Schlenker noch zu Jeffrey Bruma. Achillessehnen-Schmerzen haben ihn zu Ärzten in den Niederlanden getrieben, am Wochenende, wenn der HSV „nachkommt“ (in Zwolle und in Groningen), stößt der Innenverteidiger wieder zur Mannschaft – und kommt mit ihr nach Hamburg zurück. Dann soll es – hoffentlich – bergauf gehen mit ihm. Und seiner Gesundheit.

So, einige Kleinigkeiten habe ich noch. Zum Beispiel diese Meldung:

Eine herbe Pleite musste Frank Rost mit den New York Red Bulls hinnehmen. Der 38-jährige Schlussmann, der bis zum Mai noch im Tor des HSV stand, kassierte in seinem zweiten MLS-Spiel bei den Colorado Rapids eine 1:4-Niederlage. Bereits nach 61 Minuten lagen die Gastgeber unter anderem durch drei Treffer von Sanna Nyassi mit 4:0 vorn. Thierry Henry gelang lediglich Ergebniskosmetik (67.). New York bleibt dennoch Tabellen-Zweiter.

Und dann erreichten mich zwei private Mails, die ich gerne hier hineinstelle – vielleicht könnt Ihr den beiden „Matz-abbern“ helfen?
Wäre schön.

Es geht los:

„Hallo Herr Matz oder Dieter?

Ich bin 1967 geboren und damit gehöre ich einer Generation an die sich eigentlich nicht duzt, ohne sich zu kennen (kann sich ja auch noch ändern). Außer man ist im selben Verein.
Darum schreibe ich Dir auch – unter anderem.

Zunächst möchte ich mich auch mal für die Blog-Beiträge bedanken. Ich bin seit meiner Jugend HSV-Fan und schon damals als Schiri kostenlos im Stadion. Den HSV richtig verfolgt und Leidenschaft für den Verein habe ich eigentlich erst in den letzten Jahren entwickelt. Grund war der Eintritt in eine Dauerkartengemeinschaft für zwei Plätze in 22B. Das erste Spiel in der Nordkurve und es war geschehen.

Irgendwann erfuhr ich dann auch von Deinem Blog und seit dem lese ich ihn täglich und gerne. Selten lese ich die vielen Leserbeiträge – das regt mich meistens nur auf. Noch seltener schreibe ich unter dem Nick „V-Twin-Skipper“. Manchmal wünsche ich mir mehr Souveränität von Dir. Denn Ihr habt es nicht nötig, Euch permanent persönlich angreifen zu lassen. Ihr müsst Euch also auch keinesfalls rechtfertigen.

Nebenbei gesagt halte ich den Umbruch für notwendig und seit mindestens zwei Jahren für überfällig. Ja, das ist ein Risiko für den Klassenerhalt. Welcher Erfolg ist schon ohne Risiko. Und wenn ein Projekt scheitert haben es hinterher immer einige besser gewusst. Und es gibt auch einige, die wissen sogar vorher schon immer alles besser, um dann hinterher darauf hinzuweisen. Wenn man das nur oft genug praktiziert, erhöht sich auch die Anzahl der Vorhersagetreffer.

Ich muss auch nicht alles verstehen und nicht alles wissen was das Team dort macht. Ich will nur Leidenschaft und Siegeswillen sehen. Ich saniere und restrukturiere seit 10 Jahren Unternehmen und weiß daher um die Schwierigkeiten und Rückschläge im Change-Management. Es gibt aber meines Erachtens keine Alternative dazu dieses Risiko konsequent und auch kompromisslos einzugehen. So eine Restrukturierung dauert mindestens 2-3 Jahre. Ob uns das gefällt oder nicht. Das bedeutet aber auch für denselben Zeitraum das uneingeschränkte Vertrauen (auch bei Rückschlägen) in die handelnden verantwortlichen Personen.

Im Juni habe ich mich dann entschlossen endlich auch Mitglied im HSV zu werden und den Neuanfang auch persönlich zu unterstützen. Damit kam dann die Ernüchterung. Eine Anmeldung ist nur per Fax oder in der Papierform möglich. Heutzutage kann man sich überall online anmelden, nur nicht beim HSV. Den Anmeldebogen habe ich dann ausgedruckt, ausgefüllt und sogar am 16. Juni persönlich beim HSV abgegeben. Nach ungefähr zwei Wochen habe ich dann im Servicecenter angerufen und gefragt ob meine Anmeldung denn eingegangen sei. Die auf der Internetseite angekündigte Postkarte habe ich bis heute nicht bekommen. Meine Anmeldung war nicht aufzufinden. Nachmittags erhielt ich einen Anruf mit der Information, meine Anmeldung sei gefunden worden. Ich könne aber frühestens zum Anfang September (!) mit der Mitgliedschaft rechnen. Solange bräuchte man schon für die Bearbeitung. Mein Fehler war: ich hatte den Antrag 1 Tag zu spät abgegeben. Aber auch dann wäre es nur bis zum 1.August möglich gewesen Mitglied zu werden. Das lässt nur Fans ohne Leidenschaft kalt!

Ich nehme nicht an, dass der HSV jeden Tag tausende von Mitgliedsanträgen zu bearbeiten hat. So was muss mit einem anderen Servicegedanken erheblich schneller und unkomplizierter möglich sein. Ich hatte auch schon vergeblich während eines Heimspieles versucht im Servicecenter im Tempel Mitglied zu werden. Warum ist das nicht möglich?
Hier hat der HSV auch noch großen Modernisierungsbedarf. Warum schreibe ich Dir das? Ich gehe davon aus, du kennst jemanden beim HSV der an solchen Informationen interessiert ist und der diesen Zustand verändern kann und will.

Ich warte also weiter auf meine Mitgliedschaft, freue mich auf die neue Saison und hoffe auf den Klassenerhalt im gesicherten Mittelfeld.

Viele Grüße
und NUR DER HSV“

Und die Mail Nummer zwei:

„Guten Morgen, Dieter,

es wurde im Blog schon oft nach der Matz-ab-Tipprunde gefragt.
Bist Du der Spielleiter? Und wenn nein, weißt Du zufällig, wer es ist?
Dieser könnte nämlich die alte Runde einfach neu starten. Es könnte aber auch sein, dass eine neue Runde gewünscht wird oder vielleicht sogar schon eröffnet wurde. Weißt Du dazu etwas?
Freue mich über ein kurzes Feedback, wenn Du Zeit hast.
Dankeschön und liebe Grüße.“

Zur Erklärung: Ich bin nicht der Spielleiter, habe auch nichts mit dem Tippspiel zu tun.

Ich kann es aber, bei dieser Gelegenheit, immer wieder nur schreiben: Bitte keine Mail, die eigentlich mich erreichen soll, an die Matz-ab-Gewinnspiel-Adresse schicken. Wenn ich sie überhaupt einmal zu lesen bekomme, dann erst nach einigen Tagen. Wenn Ihr mir privat schreiben wollt, dann bitte an die Abendblatt-Internet-Adresse, Eure Mail wird dann an mich weitergeleitet.

18.04 Uhr

0:2 – Mickel verhinderte Schlimmeres

20. Juli 2011

Der HSV hat es nicht geschafft, mit einem Titelgewinn in die Saison zu starten. Das Endspiel um den T-Home-Cup ging in Mainz mit 0:2 gegen den Meister Borussia Dortmund verloren – klar und verdient. Bis auf eine gute Möglichkeit hatten die Hamburger keine Chance, einen Treffer zu erzielen, Dortmund bestimmte über die meiste Spielzeit eindeutig das Geschehen. Zwei solche Spiele auf höchstem Niveau, also gegen den FC Bayern und gegen Dortmund, kamen in dieser Phase der Saison noch zu früh für den HSV, denn die ungewöhnlich harte Vorbereitung hat ganz sciher allen viel, viel Kraft gekostet. Dennoch: Es ging in Mainz um nicht viel, der HSV hat sich in beiden Auftritten nicht schlecht verkauft – nun muss der Feinschliff erfolgen, so dass es dann in der Bundesliga besser klappt. Und wer weiß, wofür diese Niederlage auch im Hinblick auf den 6. August gut war, wenn der HSV in Dortmund um Punkte kämpfen muss? Vielleicht sind die Borussen dann ja ein wenig überheblich – weil sie den HSV ja schon einmal in 60 Minuten 2:0 besiegt haben? Wer weiß?


Der mit Abstand beste Mann der ersten Halbzeit stand beim HSV im Tor: Tom Mickel. Wie der Keeper den Santana-Kopfball in der 6. Minute noch aus dem oberen Torwinkel fischte, das war schon sensationell. Danach parierte Mickel noch zweimal in höchster Not, und er lenkte einen Kagawa-Schuss noch mit viel Mühe über die Querlatte. Dem Torwart hatte es der HSV zu verdanken, dass es zur Pause noch 0:0 hieß. Die Dortmunder waren spielbestimmend, der HSV war nicht in der Lage, seine Linie so durchzuziehen, wie er es tags zuvor gegen die Bayern geschafft hatte.

Der BVB hatte sein Team gegenüber dem 1:0-Sieg gegen Mainz auf fünf Positionen verändert, der HSV begann in jener Formation, die auch schon in den ersten 45 Minuten gegen die Bayern begonnen hatte. Aber ich hatte den Eindruck, dass der HSV mit dem Meister mitspielen wollte. Was auch in den ersten fünf Minuten gut gelang, aber dann wurde Dortmund besser. Und der HSV stand lange nicht so geordnet und gestaffelt in den Räumen, wie 24 Stunden zuvor. Die Borussia war schneller, spritziger, beweglicher, engagierter, druckvoller und ideenreicher. Und der HSV leistete sich enorm viele, viele Fehlpässe. Aus solchen Fehlern sind Niederlagen gestrickt, aber Tom Mickel hatte etwas dagegen.

Wer weiß, wie es gekommen wäre, wenn Schiedsrichter Dr. Drees schon in Erstliga-Form gewesen wäre? Als Löwe in der neunten Minute Änis Ben-Hatira brutal umsenste, hätte es nur eine Karte geben müssen: rot! Aber der Unparteiische zog nur Gelb. Bitter.

Tormöglichkeiten für den HSV gab es im ersten Durchgang nicht, Heung Min Son stand meistens gegen drei, vier oder fünf Borussen total auf weiter Flur – und hatte natürlich keine Chance, sich da zu behaupten. Nur ein einziges mal „drohte“ ein HSV-Treffer, doch Son, der in der halblinken Position allein auf das BVB-Tor zulief, scheiterte an Keeper Langerak. Der HSV-Stürmer hatte seinen Schuss, den Ball in die lange Ecke zirkeln zu wollen, zu offensichtlich „angezeigt“ (11.).

Die Hauptlast hatte die HSV-Abwehr in diesem Spiel zu tragen. Und da gefiel mir besonders Michael Mancienne. Abgesehen davon, dass der Engländer das eine oder andere Mal zu viel zu Mickel zurückspielte, erledigte er seinen Defensiv-Job erstklassig. Für mich der beste Hamburger Feldspieler. Rechts ließ Dennis Diekmeier oftmals eine zu große Lücke, weil er sein Spiel in meinen Augen einen Tick zu offensiv ausgelegt hatte. Heiko Westermann war gegen Bayern München besser als diesmal, hatte auch einige Abspielfehler, die er sich tags zuvor nicht geleistet hatte. Dennoch, an seinem Engagement gibt es nach wie vor nichts auszusetzen, er kämpft, er rackert, er stellt sich total in den Dienst der Mannschaft – für die er auch diesmal als Kapitän auflief.

Links spielte Dennis Aogo einen souveränen Part, er beschränkte sich zumeist auf die Defensive und lag genau richtig damit. Zudem habe ich den Verdacht, dass Aogo dabei ist, sich eine „internationale Härte“ auch für die Spiele in Deutschland zuzulegen – gut so.

Vor der Abwehr verrichteten wieder Gojko Kacar und David Jarolim ihre Arbeit – mit Licht und Schatten. „Jaro“ eroberte so viele Bälle wie kein anderer Hamburger, aber er brachte nur jeden dritten dann auch an den eigenen Mann. Ähnlich sah es bei Kacar aus. Das geht ganz sicher effektiver, aber die Vorbereitung hat eben Kraft gekostet.

Vorne rechts begann Ben-Hatira unternehmungslustig – und viel besser als gegen die Bayern. Allerdings konnte er das von ihm vorgelegte Tempo nicht halten, er ließ stetig nach. Eljero Elia links konnte sich im Dribbling kaum einmal Richtung BVB-Tor durchsetzen, deswegen beschränkte er sich auch vornehmlich damit, sich im Mittelfeld aufzuhalten, um dort die Bälle zu halten und zu verteilen. Aber auch das gelang nicht so, wie es der Niederländer eigentlich könnte. Und wenn er nach hinten ging, dann offenbarte er doch einige Mängel, ein „defensives Auge“ wird Elia wohl nie bekommen. Siehe der verlorene Zweikampf vor dem 0:1, als er von Perisic ausgetanzt wurde (51.) – Santana köpfte unhaltbar ein (50.). Nur Sekunden später traf Zidan zum 0:2. Der ehemalige Hamburger, schoss, nachdem Mickel zuvor noch groß gehalten hatte, den Ball ins verwaiste Tor.

Zurück zu den Hamburgern: In der Mitte, zwischen Ben-Hatira und Elia, da versuchte sich auch diesmal Gökhan Töre – und er machte seine Sache in meinen Augen wiederum gut. Der Deutsch-Türke wurde zur Pause zwar ausgewechselt, für ihn kam Marcell Jansen, aber das hatte in meinen Augen nichts mit einer schlechten Leistung Töres zu tun. Im Gegenteil, so konnten alle sehen, wozu er in der Lage ist – und wozu Jansen. Bei dem deutschen Nationalspieler fehlt noch einiges.

Der HSV kehrt am Donnerstag aus Mainz zurück, das Training an der Arena ist für 12 Uhr geplant. Am Freitag geht es dann in die Niederlande, wo am Sonnabend in Zwolle ein Kurzturnier auf dem Programm steht. Gegner sind der VV Berkum und der FC Zwolle. Tags darauf steht dann um 14.30 Uhr das Testspiel beim FC Groningen an.

22.02 Uhr

Uwe Seeler: Ball ganz flach halten

20. Juli 2011

Heute werden sie wieder vor dem Fernseher sitzen, die HSV-Fans, und ihrem Klub im Finale des T-Home-Cups gegen Borussia Dortmund die Daumen drücken. Normal. Aber dieses Spiel wird erst um 20.30 Uhr angestoßen. Wo ich aber gerade bei Fernsehen und Fußball bin: Die Deutsche Presse-Agentur hat folgenden Meldung veröffentlicht:

Die Live-Übertragungen von der Fußball-WM der Frauen in Deutschland haben auch ausländischen Fernsehsendern Top-Quoten beschert. Am meisten Zuschauer fand das Turnier im Gastgeberland Deutschland, wo bis zu 17 Millionen Zuschauer die Spiele verfolgten – mehr als je zuvor bei einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Aber auch in den Heimatländern der Finalisten Japan und USA sowie in Frankreich, das im Halbfinale scheiterte, wurden Rekordeinschaltquoten erzielt, wie der Welt-Fußballverband FIFA mitteilte.

„Das sind schon für sich selbst genommen solide Zahlen“, sagte FIFA-TV-Direktor Niclas Ericson, „aber wenn man sie in Vergleich zu anderen großen Sportereignissen setzt, dann zeigt sich, dass die WM ein außergewöhnlich populäres Ereignis für die TV-Zuschauer war.“
Den Finalsieg ihrer „Nadeshiko“ (Prachtnelke) verfolgten in Japan trotz der Übertragung in den frühen Morgenstunden zeitweise bis zu 15 Millionen Zuschauer. Das sind 50 Prozent mehr als beim Finale der Fußballweltmeisterschaft der Männer 2010 in Südafrika.
In den USA erzielte der Sportsender ESPN mit 14,1 Millionen Finalzuschauern die höchste Quote seiner Geschichte für ein Fußballspiel. Während des Elfmeterschießens drückten zeitweise sogar mehr als 21 Millionen Amerikaner ihrem Team – vergebens – die Daumen. Durchschnittlich 2,3 Millionen Menschen verfolgten in Frankreich das Halbfinale zwischen dem französischen Team und den USA – mehr als je zuvor bei einem Frauenfußball-Spiel.

Ich möchte zu dieser Frauen-WM eigentlich nichts mehr sagen. Nur so viel: Ich frage mich, wieso es bei den Frauen dann, wenn es eine Verlängerung gab, keine (oder kaum) Wadenkrämpfe gegeben hat? Gelaufen sind die Frauen, das steht fest, enorm viel und lange, es kann also nicht daran liegen, dass sie sich während der 90 Minuten zuvor „geschont“ haben. Werden sie besser trainiert? Weiß jemand eine Antwort darauf?

Zum HSV. Und zum 2:1-Erfolg über die Bayern. Zum Überraschungssieg. Schon nach dem Schlusspfiff wurde ich mit den Ängsten eines HSV-Fans konfrontiert – das setzte sich an diesem Vormittag nahtlos fort. Alle fragten mich (oder verliehen ihrer Besorgnis Ausdruck): „Wenn nun Mladen Petric wieder fit ist, und wenn Paolo Guerrero von der Copa America zurück ist – was wird dann aus Heung Min Son?“

Gemach, gemach. Erstens ist Mladen Petric noch nicht restlos fit, zweites dauert es mit Paolo Guerrero noch, und auch Marcus Berg ist noch lange, lange nicht so weit. Und dann müsste Son ja auch seine tolle Frühform konservieren und noch lange halten. Es gibt also noch einige Fragezeichen.

Die grundsätzliche Frage aber, was mit Son wird, wenn die „Altmeister“ wieder an Bord sind, die hat Trainer Michael Oenning schon in meinem Interview beantwortet. Das Interview ist hier nebenan noch abrufbar, da hat der Coach schon über diese Problematik gesprochen – und Auswege aus dem „Dilemma“ aufgezeichnet.

Ich habe heute ganz kurz mit Uwe Seeler über den „neuen HSV“ gesprochen, und im Gegensatz zu früher, als „uns Uwe“ immer gern in die Luft stieg, um eine Dörfel-Flanke aus höchster Höhe mit dem Kopf ins gegnerische Netz zu befördern, bemüht er sich jetzt darum, den Ball flach, aber so etwas von flach zu halten.

Herr Seeler, Sie haben das Spiel gegen die Bayern sicher gesehen, was sagen Sie zur HSV-Leistung?

Uwe Seeler: Ich halte generell nichts davon, Ergebnisse der Vorbereitungsspiel zu bewerten, diese Spiele, diese Resultate haben noch überhaupt keine Aussagekraft. Dennoch muss ich sagen, dass mir dieses Spiel großen Spaß und Freude bereitet hat, denn der HSV trat erstmals seit langer. langer Zeit als Mannschaft, als echte Einheit auf. Weiter so, möchte ich sagen, aber ich bleibe auch dabei: nicht überbewerten, wir sind ja noch vor dem Beginn der Saison. Und ich bleibe trotz dieses schönen Sieges auch weiterhin dabei, dass der HSV vor einer schwierigen Spielzeit steht.

Herr Seeler, Sie haben ja aber auch sicherlich mitbekommen oder gelesen, dass beim HSV 2011 wesentlich härter trainiert wurde und wird, als in den Jahren zuvor?

Uwe Seeler: Das habe ich mitbekommen, natürlich, aber ein härteres Training halte ich im Profi-Sport für etwas absolut Selbstverständliches. Eine Mannschaft, die Erfolge feiern will, die muss über eine gesunde Fitness verfügen, denn das weiß doch jeder: ohne geht gar nichts.

Die Fitness scheint da zu sein, auch deswegen konnte die HSV-Mannschaft die Bayern besiegen. Was hat Sie am meisten dabei erfreut?

Uwe Seeler: Es war mir eine große Freude, die Spieler kämpfen zu sehen. Diesmal hat nicht einer allein für sich gekämpft, es haben alle für ihr Team gekämpft, das war wichtig. Es lief ein jeder für den Nebenmann, ich hatte das Gefühl, dass dort schon ein Rad ins nächste griff – und das war für mich absolut erfreulich zu sehen. Dennoch warne ich, daraus schon Rückschlüsse für die ganze Saison zu ziehen. Sicher gibt dieser Erfolg neues Selbstvertrauen, aber man darf nicht vergessen, dass bei den Bayern ja auch noch einige Spieler gefehlt haben. Und was wäre gewesen, wenn die Münchner ein, zwei Chancen, die sie in der ersten Halbzeit hatten, genutzt hätten? Ich sage das nur, weil ich damit nur verhindern möchte, dass der HSV nun schon wieder von vielen hochgejubelt wird. Ich habe einfach nur die Angst, dass man einen solchen Sieg überbewertet. Und: Lasst uns doch erst einmal das Finale gegen Dortmund abwarten . . .

Grundsätzlich ist es doch aber so, Herr Seeler, dass man nicht mit einem HSV-Sieg über den Rekordmeister rechnen konnte. Das müsste doch aber auch dazu führen, dass einige Skeptiker, die den HSV in diesem Sommer schon in Abstiegsgefahr versinken sahen, doch ein ganz klein wenig umdenken können, oder?

Uwe Seeler: Es wäre auch für mich ganz toll, wenn es in dieser Saison besser laufen würde, als viele Fans es nach der vergangenen Saison erwarteten – denn dann wird unser Herz nicht so sehr strapaziert.

So, kurz noch zum Sportlichen: Heung Min Son, der kurz vor Ende des Bayern-Spiel so übel von Holger Badstuber gefoult worden war, hat zwar eine Fußprellung erlitten, die am Abend auch noch Schmerzen verursacht hatte, aber am heutigen Vormittag konnte der Südkoreaner (der übrigens von Münchens Trainer Jupp Heynckes ehr gelobt wurde!) schon wieder ohne Einschränkung mit der Mannschaft trainieren. Also wird er (wohl) auch gegen Dortmund zum Einsatz kommen.

Wer im Tor stehen wird, das ließ Michael Oenning noch offen, die Entscheidung fällt zwischen Wolfgang Hesl und Tom Mickel, Jaroslav Drobny steht noch nicht zur Diskussion.

Ich melde mich nach dem Finale wieder.

PS: Im vorherigen Beitrag ist ein Video vom HSV-Ausflug (und -“Training”) während des Trainingslagers in Österreich auf den Hintertuxer Gletscher zu sehen.

16.16 Uhr

Klasse – 2:1-Sieg gegen die großen Bayern!

19. Juli 2011

So darf es denn ja auch ruhig weitergehen! Der HSV besiegt den großen FC Bayern München im Spiel um den T-Home-Cup mit 2:1. Wer hätte das gedacht? Ich ganz sicher nicht, Trainer Michael Oenning auch nicht. Wie er zugab: “Damit habe ich nicht gerechnet, aber uns half das Glück beim glücklichen 1:0. Danach haben wir das Spiel gut über die Runden gebracht, in der zweiten Halbzeit sogar ganz gut.” Stimmt.

So bereitete sich der HSV auf die Bayern vor


Zwei Tore von Heung Min Son hatten die Weichen schon im ersten Durchgang auf Sieg gestellt, die Hamburger spielten 60 Minuten lang klug, mit Engagement, Leidenschaft und mit dem lange vermissten Teamgeist. Da stand eine Einheit auf dem Platz, die nicht gewillt war, sich erneut eine dicke Packung von den Münchnern abzuholen. Wie sich der HSV wehrte, wie er spielte, wie er sich aus der Affäre zog, das war schon sehr sehenswert. Und zeigt allen Skeptikern, wie es in der kommenden Saison gehen könnte, Natürlich darf dieser Erfolg nicht überbewertet werden, natürlich gibt es dafür nicht ein müdes Pünktchen, aber dieser Sieg wird für noch mehr Selbstbewusstsein sorgen, und das ist in der jetzigen Phase der Vorbereitung ganz sicher nicht nur nicht verkehrt, sondern auch hilfreich. Weiter so, HSV!

So stellt sich Michael Oenning seinen HSV vor.: Giftig in den Zweikämpfen, eng am Mann, bei Balleroberung kein langes Dribbeln, sondern schnell abspielen. Und wenn es geht, zügig nach vorne. Das hat der HSV in Mainz sehr gut umgesetzt. Das sah nicht nur gut aus, das war auch gut. Natürlich bestimmte der Rekordmeister das Geschehen, denn die gesamte Münchner Offensive, die in der kommenden Saison für den Titel sorgen soll, war dabei, aber der HSV stand großartig. Endlich wurde von allen Spielern auch oder vor allem nach hinten gedacht. Und, das ist entscheidend, die Spieler können das Tempo und die Meter des Gegners mitgehen. Da schwächelt nicht einer. Sie haben Kraft und Kondition, die Vorbereitung hat sich bezahlt gemacht.

Dabei fehlten dem HSV in dieser Partie elf Spieler. Nicht die Abgänge sind damit gemeint, sondern noch jene Profis, die noch nicht zum Einsatz kommen können. Wo soll das hinführen?

Der HSV begann in Mainz mit:
Mickel, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Kacar, Jarolim; Ben-Hatira, Töre, Elia; Son. Die künftige Nummer eins, Jaroslav Drobny, wurde wegen einer Rippenprellung immer noch geschont. Für ihn kam nicht Wolfgang Hesl, sondern Tom Mickel. Und der machte seine Sache sehr gut. Während des Spiels dachte ich oftmals an Richard Golz, mit dem ich in der vergangenen Woche sprach – auch über Mickel. „Richie“ lobte „das unbeschriebene Blatt“ in den höchsten Tönen: „Er ist ein wirklich guter Mann, ich traue ihm zu, in der Bundesliga Torwart Nummer eins zu werden. Für uns war er in der vergangenen Spielzeit Gold wert, er war der Garant für den Klassenerhalt, der beste Torwart in der Regionalliga Nord.“

Ein Torwart-Problem wird also nicht auf den HSV zukommen.

Und ansonsten? Gökhan Töre kam zentral im vorderen Mittelfeld zum Einsatz – und überzeugte mich einmal mehr. Der Deutsch-Türke begann voller Selbstbewusstsein – und enorm diszipliniert. Er trennte sich schnell vom Ball, offenbarte dabei eine sehr hohe „Trefferquote“, denn er brachte die Kugel zielsicher an die eigenen Leute. Und auch nach vorne sah Töre bestens aus – da hat der HSV, so denke ich, einen kleinen „Goldfisch“ an Land gezogen.

Ähnlich würde ich die Lage hinten rechts umschreiben: Dennis Diekmeier ist zwar schon ein Jahr in Hamburg, aber er hatte eine Seuchen-Saison – und ist nun offenbar „voll“ da. Mein Kollege Kai Schiller hat schon im Zillertal gesagt: „Diekmeier wird in dieser Spielzeit Nationalspieler, rechts hat Deutschland ein Vakuum, er wird diese Lücke schließen.“ Ich habe nichts dagegen, ich denke ebenso – und Diekmeier ist ganz groß im Kommen. Auch wenn er kurz vordem Schlusspfiff das 1:2 von Kroos verschuldete, als er dem Münchner den Ball beinahe „mustergültig“ vorlegte.

Und vorne? Natürlich Heung Min Son! Seine Tore 16 und 17 in der Vorbereitung. Unglaublich. Der junge Mann ist nicht zu bremsen, der 19-Jährige befindet sich in einer beängstigenden Frühform. Wenn er diese Klasse halten kann, dann wird er in dieser Saison für viel Freude im Hamburger Lager sorgen. Zwei Tore erzielte der Südkoreaner in Halbzeit eins zur 2:0-Pausenführung. Nach sieben Mínuten klingelte es zum ersten Mal im Bayern-Netz – weil der neue Münchner Keeper Manuel Neuer kräftig daneben griff und sich zudem mächtig verflogen hatte. Son schoss aus spitzem Winkel ein – und freute sich in seiner typischen Lausbuben-Art.

Tor Nummer zwei in der 30. Minute. Heiko Westermann, der die Mannschaft als Kapitän auf den Rasen führte, hatte Nationalspieler Müller energisch gebremst (Höhe Mittellinie), David Jarolim spielte Änis Ben-Hatira an, der schickte Diekmeier, und dessen Rückgabe fast von der Torauslinie verwertete Son zum 2:0. Ein toller Angriff, vor allem zügig und schnell – so wie es Oenning seinem HSV verordnet hat. Da wird die Kugel nicht lange gehalten und Ausschau nach einem Mitspieler gehalten, alle sind im vollen Gange, bieten sich an – und spielen ab. Das sieht schon sehr, sehr gut aus.
Und die Bayern gingen schwer grübelnd in die Halbzeitpause.

Im zweiten Durchgang spiele der HSV mehr mit, hielt die Partie offen. Natürlich standen die Oenning-Mannen nach wie vor tief, aber das ist auch weiterhin nicht verboten. Und wer erwartet hätte, dass dieser „neue und schwer verjüngte“ HSV mit dem FC Bayern Fußball spielt, der versteht nicht viel von dieser Sportart. Der HSV stand ja auch nicht nur hinten drin und mauerte, sondern nutzte jede Gelegenheit, zu kontern. Genau das wird auch in Zukunft das Konzept sein.

Mickel, Diekmeier, Töre und Son habe ich schon genannt. Michael Mancienne überzeugte mich mit einer fast fehlerfreien Partie – dickes Kompliment. Westermann in Sachen Zweikampf-Führung wie ein Weltmeister, diesmal auch deutlich konzentrierter als noch in der vergangenen Saison. Dennis Aogo hatte es oft mit Robben zu tun – der Nationalspieler hatte den Niederländer bestens im Griff.

Im Mittelfeld räumte David Jarolim und Gojko Kacar nicht nur auf, sondern auch viel ab – das war sehenswert. Von beiden eine großartige Laufleistung, kämpferisch geben sie ohnehin immer alles.

Rechts von ihnen Änis Ben-Hatira mit Licht und Schatten, mehr Licht auf jeden Fall als zuletzt. Dennoch kann er mehr. Was auch für Eljero Elia gilt. Dennoch, der Niederländer scheint auf dem guten Wege der Besserung, er sorgte mit einigen Dribblings (vor der Pause) für gelegentliche Entlastung.

Zwei Wechsel gab es noch beim HSV: Marcell Jansen kam in der 45. Minute für Ben-Hatira, Daniel Nagy in der 56. Minute für Töre.
Auf der Bank saßen noch: Hesl, Götz, Labus, Bertram, Besic, Behrens, Sternberg.

Ein kurzes Wort noch zum 23. Mann. Ein Neuling. Tobias Christ. Gefiel mir, blieb im Hintergrund, spielte sich nicht groß auf – gute Leistung, bis auf ein, zwei, drei Entscheidungen gegen den HSV in der Schlussphase. Da gab es dann wohl doch den einen oder anderen Bayern-Bonus . . .
Der 35-jährige Unparteiische lebt in Kaiserslautern, ist Redakteur (!) von Beruf und pfeift für den TB Jahn Zeiskam.

22.04 Uhr
PS: Der HSV trifft morgen im Finale in Mainz (Anstoß 20.30 Uhr) auf Borussia Dortmund (1:0-Sieger über Mainz 05)

Vor dem Bayern-Spiel

19. Juli 2011

Bevor es heute am Abend etwas ernsthafter zur Sache gehen wird, schnell eine Meldung zum Schmunzeln:

Theyab Awana Al Musabi wollte witzig sein und hat nun möglicherweise großen Ärger am Hals. Der Nationalspieler der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) lief am vergangenen Sonntag im Länderspiel gegen den Libanon beim Stand von 5:2 in der 79. Minute zu einem Elfmeter an, drehte sich kurz vor dem Ball um und traf mit der rechten Hacke gegen den verdutzten Torwart zum 6:2-Endstand.
Das Video des Treffers ist bei YouTube der Renner, die Libanesen fanden die Aktion hingegen überhaupt nicht witzig. VAE-Teammanager Esmaeel Rashed sagte: „Das hätte nicht passieren dürfen, die Aktion war dem Gegner gegenüber respektlos, so etwas können wir nicht akzeptieren.“ Auch der slowenische Nationaltrainer Srecko Katanec war sauer auf seinen Spieler. Der 21 Jahre alte Kunstschütze soll intern bestraft werden, im schlimmsten Fall droht ihm sogar der Ausschluss aus der Nationalmannschaft.
Das ist eine dapd-Meldung.

Heute war bereits um acht Uhr Training an der Arena. Über 50 dicke, schwere Lastwagen und ein brummeliger und damit auch unfreundlicher Ordner, der auf seiner Brust ein großes „Staff“ trug, versperrten mir zunächst die Zufahrt zur Arena. Irgendwie aber gelang es mir dann doch, zur Profi-Mannschat des Hamburger Sport-Vereins vorzudringen. Was aber war da wieder los, mit Lastwagen, Ordnern, Gabelstablern, Bussen? Take That kommt. Also kommt auch wieder Geld in die HSV-Kasse. Wobei ich, als ich so zwischen Lastwagen, Bussen, Ordnern und Gabelstablern herumkurvte, nicht nur daran dachte, was in diesem Sommer so alles los war im Volkspark (ich war ja beim besten Konzert überhaupt, bei Scooter!), sondern auch daran, dass es vielleicht in weiter, weiter Ferne einmal mehr Musik und mehr Boxen als Fußball geben könnte . . .
Hoffentlich nie.

Noch ist aber Fußball die Nummer eins. Und das bewiesen einmal mehr die treuen HSV-Fans. Von ihnen waren in aller Früh jedenfalls viel mehr anwesend, als Ordner, Lastwagen, Busse und Gabelstabler zusammen. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, wie voll der Trainingsplatz mit Trainingskiebitzen war. Alle Achtung! Kommentar von „Benno Hafas“: „Das ist senile Bettflucht . . .“

Egal was, es war ja auch kein „richtiges“ Training, sondern nur ein leichtes Aufwärmen für die Bayern am Abend (Anstoß 20.30 Uhr, live auf SAT.1, gespielt wird zweimal 30 Minuten). Es wurde gepasst, dann über den halben Platz gespielt. Ein Spielchen. Nur einmal wurde es härter. Da foulote Robert Labus Gegenspieler Eljero Elia. Der Niederländer schrie kurz auf, humpelte einige Sekunden – dann war die Sache für ihn erledigt. Und für Labus war es ohnehin kein „Ding“, denn er nahm weder vom Aufschrei noch vom Humpeln Kenntnis, er drehte sich auch erst gar nicht zu Elia um, sondern ging weiter zur Tagesordnung über. Und, um auch das kurz zu sagen: Zwei Spieler sind mir bei dieser Morgeneinheit besonders aufgefallen – positiv. Gojko Kacar war total „griffig“, der wollte auch bei diesem eigentlich unbedeutenden Kick nicht verlieren, und dazu auch Gökhan Töre, der wieder voller Elan zur Sache ging. Der Bursche macht Spaß.

Nicht im Training dabei waren heute Mladen Petric und Jeffey Bruma, beide sind auch nicht mit nach Mainz geflogen. Heiko Westermann hat trainiert, ob er volle 90 Minuten zum Einsatz kommen kann und wird, blieb offen. Auch deshalb, weil Michael Oenning nicht am Training hatte teilnehmen können, er hält sich schon seit Montag in Mainz auf, wo er am Abend eine Laudatio halten durfte (musste). Ebenfalls in Mainz ist heute Jaroslav Drobny, aber der Keeper wird auch gegen die Bayern noch nicht im Tor stehen – ich tippe mal auf Tom Mickel.

Am Rande des Trainingsplatzes waren Reha-Trainer Markus Günther und Romeo Castelen bei der Arbeit. Der Niederländer sagte mir: „Ich hatte Schmerzen an den Adduktoren und im Oberschenkel, aber die sind vorbei. Wenn das Team in der nächsten Woche wieder von den Reisen aus Mainz und aus den Niederlanden zurück ist, dann will ich wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.“
Ich drücke Romeo für sein Vorhaben die Daumen.

Übrigens: Der FC Bayern soll ja angeblich mit der besten Mannschaft gegen den HSV antreten, Ivica Olic aber, so meine Informationen, wird nicht von Beginn an zum Einsatz kommen.

Kurz habe ich heute noch mit Hermann Rieger gesprochen, der Kult-Masseur war ja auch eine Woche im Zillertal dabei – und ist bestens wieder in Alfstedt angekommen. Sein Hippach-Fazit: „Das Trainingslager ist optimal für den HSV gelaufen, es hat mir viel Spaß gebracht. Alles lief wie am Schnürchen, es wurde hart trainiert, aber es war auch jederzeit zu spüren, das jeder in diesem Team um Harmonie bemüht ist. Ich hatte den Eindruck, dass jetzt wirklich alle gewillt sind, an einem Strang zu ziehen – auf mich machte das alles einen sehr guten Eindruck. Da wächst etwas zsammen. Und: Es war ganz sicher eines der besten HSV-Trainingslager – und davon habe ich ja einst über 100 mitgemacht, weiß also, wovon ich spreche.“

Auch von Hermann Rieger gab es ein Extra-Lob für die jungen Talente, die prächtig mitzogen. Er lobte ganz besonders Sören Bertram: „Der hat immer sehr viel Einsatz gezeigt.“ Eventuell wird Hermann in der kommenden Woche einmal beim HSV-Training vorbeisehen, er kann offenbar nicht ohne – und sagt: „Ich brauche den HSV, ich brauche den Fußball – ich bin süchtig danach.“

Kein Wort verloren wir über seine Krankheit. Im Zillertal machte Hermann auf mich einen sehr, sehr guten Eindruck – und diese Einschätzung teile ich mit (fast) allen HSV-Fans, die ihn dort erlebten. Alle waren froh und zufrieden, ihren „Hermann the german“ wieder so fit, so glücklich und aktiv zu sehen.
Weiter so, Hermann!

Ich melde mich heute nach dem Bayern-Spiel wieder zu Wort. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen und erfolgreichen Tag.

14.58 Uhr

Das erste große Etappenziel steht kurz bevor

18. Juli 2011

Eine Woche Urlaub – und man ist raus. Zumindest dann, wenn man nach Belgien in einen Center Parc fährt und dort nicht mal auf eine aktuelle „Bild“ zurückgreifen kann und die Alternative Internet Roaming-Kosten in unvorstellbarer Größenordnung auslöst. Aber gut, dafür erholt man sich ein wenig intensiver – und so soll es ja eigentlich sein.

Ich bin erholt. Gut sogar. Und ich freue mich, in dem einen oder anderen Punkt inzwischen eines Besseren belehrt zu werden. Genauer gesagt, im Fall Gökhan Töre. Meine Kollegen Kai Schiller und Blogvater Dieter waren mit in Österreich und konnten mir bislang nur Gutes über den Deutsch-Türken berichten. Zwei Urteile, denen ich sehr viel Kompetenz beimesse und die mich optimistisch stimmen. Schließlich hilft es dem HSV. Ebenso wie die Tatsache, dass bei der Copa America aktuell nicht wie gewohnt Argentinien und Brasilien von Runde zu Runde marschieren, sondern Peru und Venezuela mit Paolo Guerrero und Tomas Rincon. Zwei Spieler, die dem HSV gehören, aktuell zwar deshalb auch noch fehlen, dafür aber mit Positiverlebnissen zum Team stoßen werden. Eine Woche Urlaub erhalten beide nach ihrem jeweiligen Turnierende – nicht ausgeschlossen, dass sie also beim Saisonauftakt am 5. August in Dortmund schon dabei sind. „Sie werden eine Menge Rückenwind haben“, freut sich auch HSV-Trainer Michael Oenning, „und das wird uns helfen.“.

Dass Rincon sich im Viertelfinale in der dritten Minute der Nachspielzeit zu einer (hart formuliert:) Tätlichkeit hinreißen ließ, ist bitter für den Defensivallrounder, der für Venezuela bislang überragende Auftritte als Sechser hingelegt hat. „So kurz vor einem so großen Ziel ist das sicher hart“, misst Oenning der bevorstehenden Sperre einen bitteren Beigeschmack. Dass Rincon dadurch – sollte er für den Rest des Turnieres gesperrte werden – schon jetzt seinen Urlaub antreten könnte wischt Oenning mit einem Lächeln weg. „Er soll beim Team bleiben. Es ist seine Mannschaft und sein Turnier.“ Und wer Rincon kennt, der weiß, dass sich der 23-Jährige auch von außerhalb voll mit seiner Mannschaft identifiziert und alles gibt…

Das Verständnis Oennings für die beiden Nachzügler ist für mich zwar selten, aber andererseits auch nur die Fortsetzung dessen, was ich mir vom Trainingslager in Österreich habe berichten lassen: Es wächst endlich wieder eine Mannschaft heran, die Eigenleben hat. Keine Ansammlung von Stars und Qualität, die mal funktioniert und mal eben nicht. Nein, es soll (ich muss leider noch bis zur eigenen Überzeugung im Konjunktiv sprechen) ein richtig homogener Haufen sein, der es sogar mal krachen lässt. Ja, die Mannschaft hat einen Mannschaftsabend hingelegt, der diese Beschreibung auch rechtfertigt. Ganz die alte Schule. Eben so, wie ich es in den letzten ein, zwei Jahren vermisst hatte. Da hatte ich immer gehofft, dass sich die Mannschaft mal in einen Bierkeller oder dergleichen einschließt und richtig die Sau rauslässt. Dass die Mannschaft mal als geschlossene Einheit ohne Rücksicht auf etwaige Verluste etwas zusammen durchzieht. Durch solche Aktionen entwickelt die Mannschaft Gemeinsamkeiten. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass zumeist ausgerechnet die grauesten Mäuse der Mannschaft groß aufgezogen sowie positiv überrascht haben. Das waren Abende (manchmal auch Ausfahrten), von denen wir noch lange zehren konnten.

Einen solchen Abend hat nun also der neue, der junge HSV hinter sich. Sauber! Zudem hat sich Töre gefangen und super eingebracht. Perfekt. Denn eines ist klar: Fußball kann der Junge. Und auch wenn Oenning in Sachen taktischer Disziplin noch Mängel sieht, Töre hat etwas, was andere eben nicht haben, Eljero Elia, Mladen Petric und in meinen Augen auch Guerrero mal ausgenommen. Gökhan Töre kann Fußball, er hat Technik, Kraft, Schnelligkeit, Zweikampfstärke, einen super linken Fuß (Schussstärke) und eben den Schuss Genialität, der ihn auf Sylt hadern und in Österreich so positiv überraschen ließ. Kurzum: er ist eine kleine Wundertüte, auf die wir alle zusammen hoffen können und dürfen.

Gleiches galt lange für Heung Min Son. Wobei ich die Vergangenheitsform bewusst für den jungen Südkoreaner gewählt habe, weil ich glaube, dass er schon weiter ist als das eine oder andere Talent. Und dass er endlich den Durchbruch schafft. Den Durchbruch, den er schon letztes Jahr in der Sommer-Vorbereitung angedeutet hatte und der ihm nur deshalb verwehrt blieb, weil ihn ein zuvor massiv gehörnter Chelsea-Spieler ebenso übermotiviert wie unbeabsichtigt den Mittelfuß brach. Anschließend kam Son nicht mehr so richtig auf die Beine, spielte extrem schwankend und fiel nach den Asien-Meisterschaften im Januar sogar in ein Leistungsloch. Eins, aus dem er sich mittels harter Trainingsarbeit (Son trainiert nach den HSV-Einheiten allein weiter, legte im Urlaub sogar regelmäßige Trainingseinheiten mit seinem Vater hin) inzwischen selbst herausgeholt hat. Jetzt trifft der 18-Jährige, wie er will. Jetzt haut der Teenie sogar Freistöße unter die Latte, wie es nur wenige können.

Aber gut, nicht umsonst wählte ihn auch der HSV als neues Symbol für den Aufbruch. In der neuen Imagekampagne „Nur der HSV“ zieren Oenning (Text: „Nur die Ruhe“) und ein brüllender Son („Nur der Sturm) den Titel eines inhaltlich gehaltvollen Versuches, dem Fan den HSV näher zu bringen. Dafür wird mit der bildhübschen Moderatorin Maike Sidka sowie der zudem erfahrenen ehemaligen Aufnahmeleiterin von HH1, Julia Papke, nichts dem Zufall überlassen. Via Telekom-Pay-TV können die Fans künftig exklusive Einblicke in alle Geschehnisse rund um den HS haben. Jeden Tag produziert das neue HSV-Medien-Team (auch Mediendirektor Jörn Wolf moderiert einen Tag die Woche) 45 Minuten über den HSV, zeigt dabei von Kabinengesprächen bis hin zu Reportagen alles, was das Fan-Herz begehrt.

Ich weiß, das klingt jetzt, als würde ich Werbung machen wollen. Und ganz ehrlich: das will ich auch. Denn ebenso wie ich von Son überzeugt bin, hat mich die heutige Präsentation begeistert. Da wurden uns Videos aus dem Trainingslager vorgespielt, die Spieler (oder in diesem Fall: den Trainer) mal von einer anderen, privaten Seite zeigen. Ein Format, das bislang nur der BVB durchzieht – aber ganz sicher eins, das Zukunft hat. „Das gesamte Projekt symbolisiert den Aufbruch, den wir starten wollen und teilweise schon starten konnten“, freut sich auch Klubboss Carl-Edgar Jarchow.

Der Vollständigkeit halber hier auch die Kosten: 14,95 Euro kostet das Monatsabo. Genau so viel wie Liga-Total! Ansonsten monatlich. Kombiniert Ihr beide Pakete zahlt Ihr 19,95 Euro.

Und wo wir gerade bei Liga Total sind, der gleichnamige Cup beginnt am Dienstag in der neuen Coface-Arena des FSV Mainz 05. Zu Beginn muss der HSV gegen niemand geringeres als den FC Bayern antreten, der sich, wie eigentlich jedes Jahr, hochkarätig verstärkt hat und momentan nach eigener Aussage richtig gut drauf ist. „Das werden die ersten Spiele unter anderen Voraussetzungen“, sagt Oenning, „jetzt wird es darum gehen, richtig stabil zu sein. Jetzt können wir gucken, wie weit wir sind.“ Dass mit Petric (trainiert zusammen mit Castelen in Hamburg weiter), Guerrero und Per Skjelbred wichtige Spieler fehlen, will Oenning nur bedingt als mildernde Umstände gelten lassen. „Wir werden schon ein Team aufstellen, dass Paroli bieten kann und soll. Ich hänge das Turnier nicht zu hoch, aber wir wollen schon versuchen, unsere eigenen Qualitäten zu zeigen.“ Ob Jeffrey Bruma (Achillessehnenprobleme) schon dabei ist, hängt von der medizinischen Abteilung ab. „Kriegen wir grünes Licht, nehme ich ihn in meine Planungen auf“, so Oenning. Eine endgültige Entscheidung soll erst am Dienstag nach der Morgeneinheit (8 Uhr) fallen, kurz bevor es um 11 Uhr per Flieger gen Mainz geht.

Relativ klar ist dabei allerdings, dass Son im Angriff auflaufen wird. Zum einen mangels Alternativen, aber noch mehr ob seiner aktuellen Form nach nunmehr 15 Treffern in der Vorbereitung. Der Südkoreaner bekommt also weiter die Möglichkeit, sich im Angriff zu positionieren. Dort, wo ihm schon ab dem Wochenende Mladen Petric den einen Platz im Sturmzentrum streitig machen will und wo auch Guerrero seine Stärken sieht. Eben dort, wo ich am meisten gespannt bin, wofür (System und dessen Besetzung) sich Oenning schlussendlich entscheiden wird.

Allerdings ist es eine Spannung, die ich sehr gut ertragen kann, denn genau so soll es sein: Junge Spieler mit überdurchschnittlichem Leistungsniveau machen den arrivierten Stars mächtig Druck. Sollte das auch mit Skjelbred (der 24-jährige Norweger ist ja zumindest ein „junger Bundesligaspieler“) und Töre fürs Mittelfeld sowie Bruma und Michael Mancienne für die Abwehr funktionieren, hätte der HSV in meinen Augen sein erstes großes Ziel der diesjährigen Vorbereitung erreicht.

In diesem Sinne,: Nur die Ruhe! Nur der HSV!

PS: Videos vom Trainingslager im Zillertal sind in den vorherigen Bericht: “Oenning: Das hat sehr viel Spaß gebracht” zu sehen. Interviews mit David Jarolim, Teammanager Marinus Bester und mit Trainer Michael Oenning, dazu auch ein Video vom großen HSV-Fans-Fest in Hippach. Viel Spaß beim Ansehen!

Scholle
(19.33 Uhr)

Oenning: “Das hat sehr viel Spaß gebracht”

17. Juli 2011

So schön und gut das ja für Paolo Guerrero ist, dass er mit Peru im Halbfinale der Copa America steht – für den HSV ist das sicher nicht von Vorteil. Verzögert sich jetzt doch die Rückkehr des Stürmers noch auf unbestimmte Zeit. Aber gut, der HSV ist ja ansonsten wieder da. Bis Dienstag auf jeden Fall. An diesem Sonntag und am Montag ist trainingsfrei, aber am Dienstag geht es wieder raus. Da wird bereits um 8 Uhr – nur der frühe Vogel fängt den Wurm – im Volkspark trainiert, und danach geht es nach Mainz, wo am Abend das Spiel gegen meinen großen Titelfavoriten ansteht: FC Bayern München. Eine erste Standortbestimmung?

Vielleicht eine ganz, ganz kleine. Aber auf jeden Fall keine, die schon die volle Aussagekraft hat, denn auch gegen die Münchner wird Michael Oenning noch nicht die beste, vielleicht die von ihm angedachte oder geplante Elf auf den Rasen bringen können. Da müssen sich die HSV-Fans noch in Geduld üben. Und so lange es nicht wieder ein 0:6 – wie beim letzten Mal – gibt, ist ja auch alles nur halb so schlimm. Wobei ein eben mitlesender Kollege sagt: „Nein, diesmal kein 0:6, das wird ein 0:7 . . .“ Schwarzhören und -sehen kommt teuer zu stehen – dem Kollegen jedenfalls.

Der „neue HSV“ ist mit jener Mannschaft, die sich diese 0:6-Klatsche bei den Bayern abholte, nicht mehr zu vergleichen. Und zwar in jeder Hinsicht. Es fehlen die Namen von Rang, es fehlt die Erfahrung – jetzt stehen die jungen Wilden auf dem Acker und in der Verantwortung, und die werden auf jeden Fall eines tun: sich den Hintern aufreißen. Und dabei können sie sich darauf verlassen, dass sie das auch volle 90 Minuten können, denn die konditionelle Grundlage dafür wurde in den beiden Trainingslagern auf Sylt und im Zillertal gelegt.

Michael Oenning hat ordentlich Gas gegeben. Und er sagt auch, dass erst mit den beiden Spielen beim T-Home-Cup die Vorbereitungsphase des HSV beendet ist. Der Trainer in seinem ersten Fazit: „Was wir auf Sylt und im Zillertal auf jeden Fall erreicht haben ist das, dass wir eine sehr hohe Arbeitsmoral an den Tag gelegt haben. Und dass wir es geschafft haben, möglichst viele Spieler auf ein ähnliches körperliches Leistungsniveau zu bringen. Das hat schon Spaß gebracht. Wenn ich sehe, wie engagiert und ohne Murren sich die Spieler haben bewegen lassen – das hat schon sehr viel Spaß gebracht.“

Es war auch ihm anzumerken. Für mich ist auch Oenning ein Gewinner dieses Trainingslagers, denn er wirkte in diesen Tage nicht nur enorm motiviert, er ging auch viel lockerer als noch in der vergangenen Saison durch diese Tage, wirkte viel offener, war auch aussagekräftiger. Er machte auf mich den Eindruck, dass er sehr genau weiß, was er will – und welchen Weg er beschreiten will, um seine Ziele zu erreichen. Und damit es dabei keine Missverständnisse gibt, hat der Coach auch alle seine Spieler entsprechend „eingenordet“. Keiner kann sich damit herausreden, nicht zu wissen, was die sportliche Leitung vorgegeben hat – und irgendwie habe ich den Eindruck, dass Oenning dabei restlos alles angesprochen und alle Eventualitäten aufgezeigt hat. Sogar der Umgang mit den Medien wurden den Spielern erklärt – und alles scheint bestens angekommen zu sein.

Wichtig, ganz wichtig, das Wichtigste überhaupt ist aber die sportliche Seite. Und auch da hat der Trainer – natürlich – klare und präzise Vorstellungen: „Wir müssen uns nicht mehr damit aufhalten, was in der vergangenen Saison war. Wir müssen uns damit beschäftigen, was wir mit den Spielern, die wir nun zur Verfügung haben, spielen wollen. Wir wollen eine eigene Spielidee entwickeln. Dazu müssen wir zunächst einmal alles überprüfen. Ich glaube, dass wir es schaffen müssen, dass die jungen Spieler erst einmal den gleichen taktischen Stand haben.“ Und Oenning sagt weiter: „Die Spieler müssen ein Gefühl dafür bekommen, was wir spielen wollen. Wir wollen möglichst schnell Fußball spielen, aber das ist natürlich auch mit das Schwierigste. Deswegen müssen wir auch da wieder Strategien entwickeln: wie bekommt man das hin. Wie bekommt man es hin, in bestimmten Situationen keine Fehler in seinem Spiel zu machen? Da sind viele Spieler noch ein wenig zu unbedarft. Das muss wachsen, das muss sich entwickeln. Deswegen müssen wir viele, viele Trainingsreize setzen, um das immer weiter zu automatisieren.“

Wie gesagt, Michael Oenning hat klare Vorstellungen von dem, was er will, was auf den HSV und sein Team zukommen wird.

Wobei der Mannschaftsgeist keine unwichtige Rolle spielen soll, sondern eine ganz wichtige. Der HSV soll endlich einmal wieder eine echte „Mannschaft“, eine verschworene Gemeinschaft werden – und ist schon auf dem besten Weg, das auch hinzubekommen. Ich habe es schon oft in den vergangenen Tagen erwähnt, ich kann es jetzt nur wiederholen: da entwickelt sich was. Schön zu sehen, dass dabei nicht nur die Spieler unter sich bleiben. Am vorletzten Abend in Finkenberg konnte ich folgende Szene am Büfett beobachten: Eljero Elia stand vor den Speisen und konnte sich nicht so recht entscheiden, was er nehmen will. Er stand da, und plötzlich stand Frank Arnesen neben ihm. Was machte der Däne? Er legte in aller Ruhe den rechten Arm auf die Schulter des Niederländers, sprach und flachste einige Sekunden lang mit ihm. Eine Geste, die mir signalisierte: Hier ziehen wirklich alle, tatsächlich alle, gemeinsam an einem Strang. Endlich.

Kann man nur hoffen, dass es auch so bleiben wird, wenn es den einen, den anderen oder auch mehrere Rückschläge gibt. Auf die Reaktion der Mannschaft bin ich heute schon gespannt. Und auch darauf, wie der eine oder andere Spieler reagieren wird, wenn er erfährt, dass er zunächst nicht in der Anfangsformation steht. Ob es dann ungemütlicher im täglichen Umgang untereinander wird?

Kommentar Michael Oenning zu diesem Komplex: „Wenn wir es schaffen, eine echte Mannschaft zu werden, dann wird es ein bisschen leichter.“ Und: „Was mir aber schon aufgefallen ist, dass die Kommunikation in der ganzen Truppe sehr gut ist, darum ist jeder bemüht. Die Spieler gehen alle sehr offen miteinander um, und dabei muss ich nicht nur die Spieler nennen, sondern wirklich alle. Auch jeder Funktionsträger ist darum bemüht.“
Der Trainer ganz allgemein zur Lage der Liga und zur Rolle, die sein HSV in dieser Saison spielen kann: „Ich glaube, dass wir für alle eine unbekannte Größe sind, dass die Konkurrenz nicht genau weiß, was sie mit uns anfangen soll. Und wenn wir es dann schaffen, möglichst viele zu ärgern, dann wäre es doch wunderbar.“

Und wenn der Teamgeist stimmt, wenn Kraft und Kondition ausreichend (für 90 Minuten und etwas mehr) vorhanden sind, und wenn auch das Tempo erstligareif ist, dann geht es noch um das taktische Spielverständnis eines jeden Spielers, und auch um Lust und Laune, vor allem auch um die fußballerischen Künste eines jeden Profis. Leute, die mit der Kugel umgehen können, die hat der HSV sicherlich immer noch (obwohl der „kleine Dribbelkünstler“ ja fort ging – ein kleiner Scherz am Rande), nur haperte es in der Vergangenheit oftmals daran, dass diese spielerischen Qualitäten auf dem Rasen im Dienste der Mannschaft gezeigt wurden. Wer solche Qualitäten besitzt, das wird Oenning nun jedem Mann klarmachen, der muss sie, sonst wäre es verschenktes Potenzial, nun auch endlich einmal für 90 Minuten und möglichst in jedem Pflichtspiel zeigen – nicht nur sporadisch.

Michael Oenning weiß, dass es dran (nicht nur gelegentlich) haperte: „Wir brauchen Individualismus in unserem Spiel. Wir brauchen zum Beispiel, wenn ein schnelles Dribbling erforderlich ist, Eljero Elia. Er ist in der Lage, mit hohem Tempo an den Gegenspielern vorbeizukommen. Aber ich brauche keine Spieler, die nicht an den Gegenspielern vorbeikommen . . .“ Wobei er sehr wohl Spieler braucht, die es immer wieder einmal versuchen. Denn wenn es niemand versucht, weil er Angst hat, den Ball zu verlieren (um danach ausgewechselt zu werden), dann ist das nichts mit dem Individualismus im HSV-Spiel. Ein sehr schmaler Grat, auf dem sich die Profis bewegen . . . Felix Magath, fällt mir spontan ein, würde nun sagen: „Deswegen sind sie ja Profis geworden, sonst hätten sie es bleiben lassen sollen.“

Wenn Per Ciljan Skjelbred (im Juli noch für Rosenborg Trondheim tätig – danke für den Hinweis!), Tomas Rincon und auch Guerrero (beide noch bei der Copa America) demnächst zur Mannschaft stoßen werden, dann ist der HSV komplett. Und hat dann auch meiner Meinung nach genügend Spieler. So sieht das (wohl) auch Oenning: „Wir haben dann eine gewisse Breite. Da kann man drüber diskutieren, ob sie gut genug ist oder nicht, aber wir haben eine hohe Leistungsdichte. Und das ist eigentlich gut, weil man damit auch immer wieder Ausfälle kompensieren kann. Schlimm wäre es erst, wenn wir bestimmte Positionen hätten, wo wir sagen, dass da auf keinen Fall etwas passieren darf.“

Ausfälle hat es bislang zwar reichlich gegeben, aber keine längerfristigen Verletzungen. Hoffentlich. Mladen Petric kämpft sich nach seiner Adduktoren-Operation allmählich wieder heran, das Bayern-Spiel am Dienstag aber dürfte noch zu früh für ihn kommen. Ähnlich sieht es bei Jaroslav Drobny (Rippenprellung) aus, der noch kein Spiel bestritten hat. Und bei Heiko Westermann dürfte es auch noch nicht für 90 Minuten reichen. Ganz sicher nicht dabei sind Tolgay Arslan (Oenning: „Ich hätte nicht gedacht, dass das mit ihm so lange dauert“) und Jeffrey Bruma, der nach wie vor Achillessehnenschmerzen hat. Ob der Niederländer schon bald wieder trainiert, bleibt offen, der HSV möchte auf jeden Fall vermeiden, dass diese Verletzung chronisch wird. Noch gar nichts zu sehen war bislang von Jacopo Sala, aber der Italiener wird wegen eines Muskelbündelrisses auch noch lange fehlen.
Bei Arslan soll einen Kernspintomografie Aufklärung darüber geben, wie schwer die Knöchel-Verletzung ist. Unklar ist noch, ob Gojko Kacar doch noch am Knöchel (Kalkablagerungen) operiert werden muss. Eine Entscheidung darüber wird zu Beginn dieser Woche fallen.

17.51 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.