Tagesarchiv für den 29. Juli 2011

Mit Jarolim gegen Oldenburg

29. Juli 2011

Keine Angst vor großen Tieren. Obwohl es ja für den HSV erst einmal gegen die „kleinen Tiere“ geht, nämlich im DFB-Pokal gegen den VfB Oldenburg. Aber darum ging es im heutigen Abschlusstraining nicht vordringlich. Es war nur eine putzige Szene, die mich an die „Angst“ erinnerte: Als auf drei Stationen „Sechs gegen Zwei“ gespielt wurde, herrschte beste Stimmung auf dem Rasen, es wurde gelacht, gescherzt und geflucht. Letzteres von jenen Spielern, die in den Kreis mussten – um dort hinter dem Ball herzujagen. Bei acht Leuten war es besonders heiter und laut, das gab es mitunter das reinste „Indianergeheul“ zu hören: Eljero Elia, Romeo Castelen, Änis Ben-Hatira, Jaroslav Drobny, Ashton Götz, Janek Sternberg und Torwarttrainer Ronny Teuber. Und nun zu jener Szene mit „keiner Angst“. Als Drobny in der Mitte war, der Ball hoch oben in der Luft, da sprang der mindestens einen Kopf kleinere Ashton Götz dem langen Keeper so vehement in die Seite, dass der größte Mühe hatte, seinen körperlichen Vorteil auszunutzen. Keine Angst vor großen Tieren eben – der Kleine ging mächtig zur Sache. Machte er übrigens nicht nur in dieser Szene, ich hab den Eindruck, dass der 18-Jährige immer selbstbewusster wir und deshalb frisch und unbekümmert mit – und aufspielt. Und ich habe mir dabei gedacht: Da kommt mal wieder einer, bei dem man die Hoffnung hat, dass er sich bis ganz oben durchbeißt. Obwohl das sicher noch dauern wird.

Das Programm von heute: Erst wurde sich warmgelaufen, dann gab es Direktspiel, Pässe in den Fuß des Mitspielers, dann bat Konditionstrainer Günter Kern zum Hügel, an dem es fünf Minuten lang kurze Sprints gab – es folgte „Sechs gegen Zwei.“ Zum Abschluss wurden Spielzüge eingeübt, Standards geschlagen, die Abseitsfalle geübt (!) – und es gab auch ein Abschlussspielchen. Um 12.09 Uhr verteilte Trainer Michael Oenning die roten Hemden – für die Stammformation. Wobei alle Trainingskiebitze ganz genau hinsahen, ging es doch um die Frage: Robert Tesche oder David Jarolim? Nachdem Dennis Aogo, Mladen Petric und Heung Min Son ihre Hemdchen schon einkassiert hatten – gab es das „Rot“ auch für? And the winner is: „Jaro“. Vorläufig jedenfalls.

Zwei Szenen hatten vor dem Spiel noch für Erheiterung gesorgt: Als Son ein Abpraller vor die Füße flog, da flog ihm auch Drobny entgegen – der Torwart hatte einen Nachschuss des Südkoreaners erwartet. Son aber täuschte den Schuss nur an, Drobny flog „falsch“ – und Son schob den ball lässig in die Mitte, wo Petric vollendete. Die Fans lachten und freuten sich, am lautesten aber lachte Eljero Elia, der mit dieser Finte von Son wohl auch nicht gerechnet hatte. Gut gemacht! Und den Hoch-und-Weit-Preis des Tages gab es für Gojko Kacar, der den Ball aus kurzer Entfernung nicht nur über das Tor setze, sondern auch über den Fangzaun. Das war eine Kunst. Der Serbe hielt sich entsprechend die Hände vor sei Gesicht. Romeo Castelen hatte eine ähnliche Szene, schaffte es aber nicht, den großen Zaun zu überwinden, es fehlten ein, zwei Zentimeter.

Beim Spiel selbst schoss dann Mladen Petric (nach einem herrlichen Töre-Pass) das einzige Tor – indem er den Ball mit der Sohle an dem herausstürzenden Tom Mickel vorbeizog und aus spitzem Winkel einschoss. Da gab es donnernden Applaus von den Rängen.
Und gestaunt wurde auch noch danach, als es zur Entspannung ein kurzes, aber heftiges Scheibenschießen“ gab. Große Bewunderung erntete zuerst Janek Sternberg, der den Ball gegen Mickel in den oberen linken Winkel schlenzte – herrlich. Auch Petric gelang später noch ein ähnlicher Treffer.

Etwas zurückhaltender war an diesem Tag Heung Min Son. 18 Tore hat er in der Vorbereitung erzielen können, in Oldenburg soll diese Serie fortgesetzt werden. „Unsere Mannschaft ist bestens vorbereitet, wir haben ordentlich Gas gegeben – und wir haben trotzdem immer unseren Spaß gehabt, jetzt kann es losgehen“, sagt Son erwartungsfroh und führt an: „Ich weiß nicht, ob wir besser als in der vergangenen Saison werden, aber ich hoffe es.“ Hat er sich ganz sicher vorgenommen, weiterhin viele Tore für den HSV zu schießen, aber er hält den Ball flach: „Wichtig ist nicht, ob ich Tore schieße, sondern wichtig ist nur, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Ich hoffe, dass wir mit dem Gewinnen schon morgen beginnen.“

Vor einem Jahr hatte Son in der Vorbereitung auch ähnlich gut getroffen, und dann verletzte er sich im Saisoneröffnungs-Spiel gegen Chelsea schwer, zog sich einen Bruch des Mittelfußes zu. Diesmal kommt die Saisoneröffnung erst am Dienstag, im Spiel gegen den FC Valencia. Spielt er mit? Er sagt: „Natürlich, keine Frage. Daran, dass ich mich erneut schwer verletzen könnte, denke ich überhaupt nicht. Das wird nicht mehr passieren.“ Die Fans würde es sicherlich erfreuen, wenn Son fit und frisch in die Saison starten könnte, denn er ist inzwischen der Hamburger Publikumsliebling geworden. Er sagt: „Ich freue mich, wenn sich die Fans freuen, und wir spielen ja auch viel für sie, damit sie Spaß und Freude haben. Und ich will einfach nur Spaß haben, wenn ich Fußball spiele, das ist mir wichtig.“

Und das kann man auch sehen. Er gibt auch im Training immer alles – mit Spaß. Und es ist ihm egal, auf welcher Position er zum Einsatz kommt: „Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt, und ich gebe dann mein Bestes. Ich habe kein Problem damit, wenn ich nicht in der Spitze spiele, ich kann es auch links oder rechts, oder auch hinter der Spitze. Alles kein Problem für mich.“

Hauptsache Spaß. Und Hauptsache Sieg.

So sieht es wohl auch bei Dennis Aogo aus. Der Nationalspieler gehört ja noch immer jenem Kreis an, aus dem der Trainer in der kommenden Woche den Kapitän bestimmen wird. Und ganz sicher ist es auch so, dass Aogo in der Hierarchie der neuen HSV-Mannschaft einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Der Mann hat einfach immer etwas zu sagen. Und ich finde das ausgesprochen gut so, denn je mehr Spieler Verantwortung übernehmen, umso besser ist es um den Teamgeist beim HSV bestellt. Und ich habe nicht erst seit der „Neuzeit“ beim HSV, die mit dieser Mannschaft Einzug gehalten hat, den Eindruck, dass sich Aogo um einen besseren Zusammenhalt in der Truppe bemüht.

Zum Pokalspiel an diesem Sonnabend sagt Aogo: „Über den Pokal gibt es den schnellsten Weg nach Europa, deswegen sollten wir uns da richtig gut drauf konzentrieren. Und nicht durch Leichtsinnigkeit früh ausscheiden. Ich nehme den Wettbewerb sehr, sehr ernst, ich nehme auch die kleinen Gegner sehr ernst, es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Großer an einem Kleinen scheitert. Deswegen gilt meine ganze Konzentration diesem Spiel. Die Spieler des VfB Oldenburg werden wie um ihr Leben kämpfen, das sollten wir wissen.“

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es war schön zu sehen, wie Michael Oenning heute nach dem Training seine Mannen noch einmal um sich versammelte. Alle saßen (im Halbkreis) auf dem Hosenboden, Oenning kniete vor seinen Spielern – und erzählte (wohl) von dem, was er erwartet, was seine Mannschaft erwartet, vielleicht auch von der Wichtigkeit dieses Wettbewerbs. Wie schön wäre es, wenn alle, wirklich alle ganz genau zugehört hätten . . .

So wird der HSV morgen spielen: Drobny; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Kacar, Jarolim; Töre, Son, Elia; Petric.

So, schnell noch eine Nachricht des HSV (bezüglich der nächsten Woche):

Am kommenden Dienstag (Anstoß 19.15 Uhr) feiert der HSV seine offizielle Saisoneröffnung mit einem Testspiel gegen den FC Valencia. Für die Partie gegen den spanischen Champions-League-Teilnehmer wurden bislang 24 000 Tickets verkauft. An den Vorverkaufsstellen sind noch Karten in allen Kategorien verfügbar. Kinder zahlen im Vorverkauf auf allen Plätzen nur acht Euro, Erwachsene zwischen zehn und 35 Euro. An der Tageskasse wird es nur ein begrenztes Kontingent an ermäßigten Tickets geben, weshalb der HSV bittet den Vorverkauf zu nutzen.

Bei der Saisoneröffnung wird neben dem Fußball ein buntes Rahmenprogramm geboten. Bereits ab 16.00 Uhr findet auf der Westplaza eine Aktion vom neuen Exklusiv- und Hamburger Weg-Partner Hanwha Solar statt. Auf der NDR Bühne wird ein DJ schon vor dem Anpfiff für gute Stimmung sorgen. Zum Talk sind Spieler und Verantwortliche des HSV eingeladen. Nach dem Spiel wird Stadionsprecher Lotto King Karl eine gute halbe Stunde seine Songs zum Besten geben. Auch Exklusivpartner Entega beteiligt sich mit einer Eventfläche am Stadiongelände, auf der unter anderem eine Hüpfburg, eine Schussgeschwindigkeitsanlage und eine Torwand auf die Fans warten.

Und noch eine Nachricht vom HSV: Robert Tesche hat seinen bis Sommer 2012 laufenden Vertrag vorzeitig bis zum Jahre 2014 verlängert.

Allen Matz-abbern und Ihren Lieben ein wunderschönes (und erfolgreiches) Wochenende.

17.44 Uhr