Tagesarchiv für den 24. Juli 2011

4:0 – eine neues Traumpaar ist “geboren”

24. Juli 2011

Das war glatt. Bei strömendem Regen gewann der HSV am Sonntag das Testspiel beim FC Groningen in den Niederlanden mit 4:0. Ein überzeugender Auftritt der Hamburger vor allem in der Offensive, denn nach vorne wurde zügig, ideenreich und zielstrebig gespielt. Wobei sich besonders Mladen Petric, der erstmalig nach seiner Adduktoren-Operation von Beginn an zum Einsatz kam, und Heung Min Son, die jeweils ein Tor erzielen konnte, hervortaten. Petric spielte bis zur 65. Minute und zeigte deutlich auf, dass die HSV-Offensive durch ihn – natürlich – eine große Belebung erhält. Dieser Auftritt macht Mut für die neue Saison.

Der HSV begann dieses internationale Freundschaftsspiel mit folgender Aufstellung: Drobny; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Tesche, Kacar; Töre, Son, Elia; Petric.

Das Spiel war von Beginn an temporeich, spannend und unterhaltsam, beide Mannschaften spielten frisch nach vorn. Unübersehbar aber war dabei, dass der HSV in der Defensive wieder die eine oder andere Schwäche offenbarte. Da taten sich Lücken auf, die in der Bundesliga ganz sicher gleich bestraft werden würden. Und es gab einige zu leicht verlorene Zweikämpfe, zudem auch einige Abspielfehler mehr als „erlaubt“. Trainer Michael Oenning dürfte einige graue Haare bekommen haben, aber gut: Es ist ja immer noch vor der Saison, an jedem Fehler kann bis zum ersten Spieltag gearbeitet werden, um ihn abzustellen . . .

Auffällig auch, dass die beiden „Abfangjäger“ vor der HSV-Viererkette, nämlich Robert Tesche und Gojko Kacar, ihre Aufgaben nicht wirklich zufriedenstellend erfüllten. Tesche spielte nicht souverän, Kacar wirkte gelegentlich wie ein tapsiger Bär – beide werden sich enorm steigern müssen, wenn sie am 5. August gegen Dortmund in der Stamm-Formation stehen wollen. Beiden fehlt noch einiges. Aber dabei stellt sich natürlich auch die Frage, was Michael Oenning mit David Jarolim vor hat? Ersatzbank? Denkpause? Oder sollte sich eher ein Kollege aus dem Team spielen? „Jaro“, so berichteten mir die Kollegen, soll wenig amüsiert durch Groningen gelaufen sein – kein Wunder, er war nicht gesetzt. Und ob sich das ändert, das weiß ganz allein der Trainer.

Zum Spiel: Der HSV ging in der 21. Minute durch ein kurioses Tor in Führung. Groningens Kappelhof hatte den Ball an den Pfosten des eigenen Tores befördert, Dennis Diekmeier stand goldrichtig und schoss den Abpraller ins Netz. Zehn Minuten hätte es auch 1:1 stehen können, denn der Schiedsrichter zeigte zur Überraschung aller Hamburger auf den Elfmeterpunkt im HSV-Strafraum. Gojko Kacar sollte Burnet gefoult haben, aber das war eher harmlos statt Strafstoß. Ausgleichende Gerechtigkeit: Jaroslav Drobny hielt den Schuss von Matavz.

Vor 10 000 Zuschauern stand es so im Duell zwischen dem Tabellenfünften (der Vorsaison) Groningen gegen den Tabellenachten (der Vorsaison) HSV 0:1.

In der zweiten Halbzeit ging dann die Post aber so richtig ab. Aus Hamburger Sicht. Nach glänzender Vorarbeite von Heung Min Son erzielte Mladen Petric das 2:0 (60.). Und keine Minute später hieß es sogar 3:0. Robert Tesche zu Son, der bediente Petric – Tor. Und ein neues Traumpaar im HSV-Sturm war „geboren“. Petric und Son. Da haben sich zwei gesucht und gefunden – das könnte tatsächlich ein tolles Duo werden. Petric nach dem Spiel: “Für mich war es ein fantastischer Einstand nach so langer Pause, ich habe viel Spaß gehabt, es war ein interessantes Spiel.”

In der 65. Minute kamen Marcell Jansen und David Jarolim für Kacar und Petric, und es gab ein Blitz-Tor. Jansen traf exakt nach elf Sekunden, er schoss nach einer Diekmeier-Ecke zum 4:0 ein. Gut für Jansen, dass er dieses Erfolgserlebnis feiern konnte, denn am Vortag, beim Turnier in Zwolle, konnte er nicht gerade überzeugen. War das nun die Wende für ihn?

Aus Hamburger Sicht hat sich dieser Ausflug nach Groningen gelohnt, denn der HSV begeisterte auch das niederländische Publikum und überzeugte vor allem durch seine Offensiv-Aktionen.

Ein kurzer Absatz noch zu einem, der in der Ferne für Furore sorgt: Paolo Guerrero. Nun schoss er drei Tore beim 4:1-Sieg Perus gegen Venezuela, es war das Spiel um Platz drei bei der Copa America. Da möchte man sagen: Na bitte, es geht doch! Fünf Treffer hat Guerrero bei dieser Meisterschaft erzielt, eine stolze Zahl. Zur Erinnerung: In der vergangenen Spielzeit absolvierte Guerrero 25 Bundesliga-Einsätze (1566 Spielminuten) für den HSV und erzielte dabei ganze vier Treffer, gab zudem vier Torvorlagen. Das war eher dürftig.
Wieso?

Kurz vor der Copa America war Guerrero noch lange und schwer verletzt, er hatte dem HSV gefehlt, niemand in Hamburg glaubte so recht daran, dass der Stürmer tatsächlich in Argentinien zum Einsatz kommen könnte – und dann diese Leistungsexplosion. Mir ist das ein Rätsel. Was läuft da falsch? Oder hat sich Paolo Guerrero nun endgültig „eingeschossen“ und spielt demnächst die Saison seines Lebens? Letzteres wäre dem HSV ja zu wünschen, obwohl es hier ja immer noch User gibt, die Guerrero am liebsten verkaufen würden . . . Vielleicht waren die fünf Tore ja die dementsprechende Eigenwerbung. Trotz der Tatsache, dass der HSV ja immer wieder betont, dass er Guerrero nicht verlaufen will. Aber es gibt überall eine Schmerzgrenze.

Zumal ja niemand etwas für Guy Demel und Mickael Tavares bietet . . .

16.29 Uhr