Tagesarchiv für den 21. Juli 2011

Oenning: “Die Talente können Bundesliga”

21. Juli 2011

Diese Niederlage war hilfreich. Sagen alle, die dem Bundesliga-Start gegen Dortmund nach wie vor optimistisch entgegenblicken. Diese Niederlage – gegen die B-Mannschaft von Dortmund – zeigte dem neuen HSV die Grenzen schon mal ganz deutlich auf. Sagen diejenigen, die der neuen Saison ohnehin skeptisch gegenüberstehen. Man dreht es sich ja immer so hin, wie man es braucht. Wer wüsste das besser als ich? Die Trainer haben damit schon Erfahrungen gesammelt, sie alle leben ja mit den Plattitüden des Fußballs. Wird ein Spieler des Gegners schon in Halbzeit ein vom Platz gestellt, aber das so dezimierte Team verliert nicht, sagt der Coach der vollständigen Elf später: „Uns hat der Platzverweis eher geschadet als geholfen, denn mit zehn Spielern gab der Gegner erst recht alles – dann wurde es schwer.“

Oder die Sache mit dem Führungstor. Jeder Trainer wünscht sich ein frühes Tor für seine Mannschaft. Jeder. Geht seine Mannschaft dann tatsächlich früh in Führung – und verliert dennoch, so sagt er bestimmt: „Das frühe Tor hat uns eher gelähmt denn beflügelt, wir haben uns schon auf der sicheren Seite gefühlt . . .“ Diese Form der Ausreden sind inzwischen längst standardisiert. Ich schreibe das deswegen, weil es ja auch hier bei „Matz ab“ hoch her ging. War diese 0:2-Niederlage gegen den Meister nun hilfreich, war sie weniger hilfreich, tat sie weh oder ist sie schnell abgehakt? Die Meinungen ging bei uns auseinander. Jeder dreht sich das eben so hin, wie er es braucht oder gerne hat.

„Dieses Turnier in Mainz hat keine Aussagekraft für die Bundesliga. Es war nur eine gute Standortbestimmung für uns, wir konnten sehen, wo wir noch Mängel haben“, sagte Dennis Diekmeier nach dem verlorenen Finale. Lassen wir es einmal so stehen. Übrigens sahen es fast alle HSV-Spieler so, wie Diekmeier. Und sagten auch – fast – unisono: „Jetzt wissen wir, dass wir bestens vorbereitet in das erste Spiel gegen Dortmund gehen müssen.“
Spätestens jetzt, würde ich sagen. Denn dass der 6. August ganz hart werden würde für den HSV, das steht ja seit längerer Zeit schon felsenfest, denn: es geht doch gegen den Meister. In der Höhle des Löwen. Kann es überhaupt schwerer sein? Nein! Selbst eine Auftaktpartie bei und gegen die Bayern wäre nicht schwerer gewesen.

Und nicht nur die Spieler wissen jetzt, dass sie für das Spiel gegen und in Dortmund in bester Verfassung sein müssen. Auch Michael Oenning weiß es. Der Trainer sagte in seinem Resümee: „Wir müssen auf jeden Fall ein noch höheres Laufvermögen zeigen.“ Stimmt. Aber damit allein dürfte es noch nicht getan sein. Es fehlten ja noch einige Stücke in diesem Puzzle. Spielerisch und auch taktisch gäbe es auch einige Mängel zu beheben. Und ich glaube zudem immer noch, dass der HSV, wenn er mit der Einstellung aus dem Bayern-Spiel zu Werke gegangen wäre, auch gegen Dortmund besser ausgesehen hätte. Aber das ist natürlich ganz allein Sache des Trainers . .

Und der wirkte nach den beiden Tagen von Mainz alles andere als unglücklich. Oenning sagte: „Ich bin zufrieden mit dem, was ich in den beiden Spielen gesehen habe. Und am Wochenende werden wir auch wieder einige Spieler sehen, die uns hier noch gefehlt haben.“ Mladen Petric, Tolgay Arslan, Jaroslav Drobny, vielleicht sogar Romeo Castelen (der heute mit der Mannschaft trainiert hat) zum Beispiel.

Dass Michael Oenning im Spiel gegen den BVB nur einmal wechselte (Marcell Jansen kam zu Pause für Gökhan Töre), das erklärte der Coach wie folgt: „Es ging hier nicht darum, dass jeder zu seinem Recht kommt, sondern darum, eine Wettkampfformation zu finden. In Holland am Wochenende wird das anders sein, da kommen auch andere Spieler wieder zum Einsatz.“ Oenning weiter: „Ich bin auch deshalb zufrieden, weil ich gesehen habe, dass die jungen Talente Bundesliga spielen können.“ Da kann es in erster Linie nur um Michael Mancienne und Gökhan Töre gehen, und natürlich auch um Heung Min Son, der ja schon einige Bundesliga-Partien gespielt hat. Wobei diese drei Spieler allesamt überzeugen konnten, was ich für sehr, sehr erfreulich halte, denn endlich scheinen auch junge Leute beim HSV eine wirkliche Perspektive zu haben.

Über zwei Dinge gab Michael Oenning dann auch noch Auskunft. In der Torwartfrage gibt es nichts Neues – und doch gibt es etwas Neues. Klingt paradox, ist es aber nicht: Jaroslav Drobny bleibt, obwohl er wegen einer Rippenprellung noch nicht gespielt hat, die unumstrittene Nummer eins. Für Oenning. Und Tom Mickel, der zweimal famos hielt, scheint die Nummer zwei zu sein, zu werden. Oenning: „Sehr wichtig zu sehen, dass Tom Mickel so exzellent gehalten hat. Er wird ein guter zweiter Mann hinter Drobny sein, falls der einmal ausfallen sollte.“ Ist damit der Kampf um die Nummer zwei schon entschieden? Oenning: „Das ist im Moment nicht das Hauptthema. Auch Wolfgang Hesl hat gute Spiele gezeigt . . .“

Das stimmt. Und auch die Trainingsleistungen im Zillertal war – ohne zu hoch zu greifen – sehr gut.

Und Michael Oenning sprach auch über die Art, wie er sich en Fußball beim HSV vorstellt: „Die 4:3:3-Taktik ist nicht in Stein gemeißelt. Man muss doch sehen, dass mir mit Heung Min Son bislang nur ein Stürmer zur Verfügung stand.“ Stimmt auch. Aber das ändert sichja nun hoffentlich bald. Und dann werden es alle erleben, wie der HSV tatsächlich zu seine Erfolgen kommen will.

Heute beim Training wurde dafür schon wieder geübt. Pässe in jeder Form. Vor allen Dingen Kurzpässe. Und den Ball nur einmal berühren. „Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas im O-Ton: „Mir haben dabei besonders Son und Mancienne gut gefallen.“ Auffällig auch, dass Oenning den Serben Gojko Kacar oft lobte. Da wird ein Mann aufgebaut, oder besser, er soll aufgebaut werden.

Einer, der das auch nötig hätte, spielte gleich „nebenan“: Marcell Jansen. Der Nationalspieler sucht – in meinen Augen – im Moment noch seine Form. Und ich habe das Gefühl, dass er zurzeit auch ein wenig seine Rolle in der Mannschaft sucht. Er wirkt verunsichert. So kenne ich ihn eigentlich nicht, denn Jansen war immer sehr selbstbewusst. In der jetzigen Situation aber scheint ihm das Selbstvertrauen ein wenig abhanden gekommen zu sein: Das ist weder nach hinten etwas, noch ist etwas nach vorne. Jansen schwebt für mich momentan im luftleeren Raum. Und kann mit dieser für ihn höchst ungewöhnlichen Rolle nicht so recht etwas anfangen. Der Mann hatte in seinem Fußballer-Leben bislang unheimlich viel Glück. Er war oft verletzt, kann aber auf eine großartige Nationalmannschafts-Karriere zurückblicken: 36 Länderspiele, zwei Welt- und eine Europameisterschaft. Da ist doch bombig! Trotz der vielen, vielen Verletzungspause.

Und er will sicher auch die Karriere bei „Jogi“ Löw fortsetzen, keine Frage. Doch dafür muss er, ganz klar, wieder in Form kommen. Ob es ihm hilft, dass er nun beim FC Liverpool im Gespräch sein soll? Es ist nur ein Gerücht, ich glaube auch nicht, dass da etwas dran ist, aber es steht im Raum. Wir werden es aber erleben.

Morgen, am Freitag, ruht der Ball im Volkspark. Die sportliche Führung hat statt dessen eine Überraschung für die Mannschaft geplant. Eine „teambildende Maßnahme“ – und die finde ich immer gut. Und immer noch an die Skeptiker: Keine Sorge, die Mannschaft ist fit und wird auch zum nächsten Dortmund-Spiel noch fit sein. Ab und an ein freier Tag, der muss einfach mal sein. Und ich gönne es jedem einzelnen Spieler, denn sie haben in der Tat schwer geschuftet. Zudem: Selbst Felix Magath ist so gnädig, er brach das Trainingslager mit dem VfL Wolfsburg einen Tag früher ab – wenn das nichts ist.

Ein kurzer Schlenker noch zu Jeffrey Bruma. Achillessehnen-Schmerzen haben ihn zu Ärzten in den Niederlanden getrieben, am Wochenende, wenn der HSV „nachkommt“ (in Zwolle und in Groningen), stößt der Innenverteidiger wieder zur Mannschaft – und kommt mit ihr nach Hamburg zurück. Dann soll es – hoffentlich – bergauf gehen mit ihm. Und seiner Gesundheit.

So, einige Kleinigkeiten habe ich noch. Zum Beispiel diese Meldung:

Eine herbe Pleite musste Frank Rost mit den New York Red Bulls hinnehmen. Der 38-jährige Schlussmann, der bis zum Mai noch im Tor des HSV stand, kassierte in seinem zweiten MLS-Spiel bei den Colorado Rapids eine 1:4-Niederlage. Bereits nach 61 Minuten lagen die Gastgeber unter anderem durch drei Treffer von Sanna Nyassi mit 4:0 vorn. Thierry Henry gelang lediglich Ergebniskosmetik (67.). New York bleibt dennoch Tabellen-Zweiter.

Und dann erreichten mich zwei private Mails, die ich gerne hier hineinstelle – vielleicht könnt Ihr den beiden „Matz-abbern“ helfen?
Wäre schön.

Es geht los:

„Hallo Herr Matz oder Dieter?

Ich bin 1967 geboren und damit gehöre ich einer Generation an die sich eigentlich nicht duzt, ohne sich zu kennen (kann sich ja auch noch ändern). Außer man ist im selben Verein.
Darum schreibe ich Dir auch – unter anderem.

Zunächst möchte ich mich auch mal für die Blog-Beiträge bedanken. Ich bin seit meiner Jugend HSV-Fan und schon damals als Schiri kostenlos im Stadion. Den HSV richtig verfolgt und Leidenschaft für den Verein habe ich eigentlich erst in den letzten Jahren entwickelt. Grund war der Eintritt in eine Dauerkartengemeinschaft für zwei Plätze in 22B. Das erste Spiel in der Nordkurve und es war geschehen.

Irgendwann erfuhr ich dann auch von Deinem Blog und seit dem lese ich ihn täglich und gerne. Selten lese ich die vielen Leserbeiträge – das regt mich meistens nur auf. Noch seltener schreibe ich unter dem Nick „V-Twin-Skipper“. Manchmal wünsche ich mir mehr Souveränität von Dir. Denn Ihr habt es nicht nötig, Euch permanent persönlich angreifen zu lassen. Ihr müsst Euch also auch keinesfalls rechtfertigen.

Nebenbei gesagt halte ich den Umbruch für notwendig und seit mindestens zwei Jahren für überfällig. Ja, das ist ein Risiko für den Klassenerhalt. Welcher Erfolg ist schon ohne Risiko. Und wenn ein Projekt scheitert haben es hinterher immer einige besser gewusst. Und es gibt auch einige, die wissen sogar vorher schon immer alles besser, um dann hinterher darauf hinzuweisen. Wenn man das nur oft genug praktiziert, erhöht sich auch die Anzahl der Vorhersagetreffer.

Ich muss auch nicht alles verstehen und nicht alles wissen was das Team dort macht. Ich will nur Leidenschaft und Siegeswillen sehen. Ich saniere und restrukturiere seit 10 Jahren Unternehmen und weiß daher um die Schwierigkeiten und Rückschläge im Change-Management. Es gibt aber meines Erachtens keine Alternative dazu dieses Risiko konsequent und auch kompromisslos einzugehen. So eine Restrukturierung dauert mindestens 2-3 Jahre. Ob uns das gefällt oder nicht. Das bedeutet aber auch für denselben Zeitraum das uneingeschränkte Vertrauen (auch bei Rückschlägen) in die handelnden verantwortlichen Personen.

Im Juni habe ich mich dann entschlossen endlich auch Mitglied im HSV zu werden und den Neuanfang auch persönlich zu unterstützen. Damit kam dann die Ernüchterung. Eine Anmeldung ist nur per Fax oder in der Papierform möglich. Heutzutage kann man sich überall online anmelden, nur nicht beim HSV. Den Anmeldebogen habe ich dann ausgedruckt, ausgefüllt und sogar am 16. Juni persönlich beim HSV abgegeben. Nach ungefähr zwei Wochen habe ich dann im Servicecenter angerufen und gefragt ob meine Anmeldung denn eingegangen sei. Die auf der Internetseite angekündigte Postkarte habe ich bis heute nicht bekommen. Meine Anmeldung war nicht aufzufinden. Nachmittags erhielt ich einen Anruf mit der Information, meine Anmeldung sei gefunden worden. Ich könne aber frühestens zum Anfang September (!) mit der Mitgliedschaft rechnen. Solange bräuchte man schon für die Bearbeitung. Mein Fehler war: ich hatte den Antrag 1 Tag zu spät abgegeben. Aber auch dann wäre es nur bis zum 1.August möglich gewesen Mitglied zu werden. Das lässt nur Fans ohne Leidenschaft kalt!

Ich nehme nicht an, dass der HSV jeden Tag tausende von Mitgliedsanträgen zu bearbeiten hat. So was muss mit einem anderen Servicegedanken erheblich schneller und unkomplizierter möglich sein. Ich hatte auch schon vergeblich während eines Heimspieles versucht im Servicecenter im Tempel Mitglied zu werden. Warum ist das nicht möglich?
Hier hat der HSV auch noch großen Modernisierungsbedarf. Warum schreibe ich Dir das? Ich gehe davon aus, du kennst jemanden beim HSV der an solchen Informationen interessiert ist und der diesen Zustand verändern kann und will.

Ich warte also weiter auf meine Mitgliedschaft, freue mich auf die neue Saison und hoffe auf den Klassenerhalt im gesicherten Mittelfeld.

Viele Grüße
und NUR DER HSV“

Und die Mail Nummer zwei:

„Guten Morgen, Dieter,

es wurde im Blog schon oft nach der Matz-ab-Tipprunde gefragt.
Bist Du der Spielleiter? Und wenn nein, weißt Du zufällig, wer es ist?
Dieser könnte nämlich die alte Runde einfach neu starten. Es könnte aber auch sein, dass eine neue Runde gewünscht wird oder vielleicht sogar schon eröffnet wurde. Weißt Du dazu etwas?
Freue mich über ein kurzes Feedback, wenn Du Zeit hast.
Dankeschön und liebe Grüße.“

Zur Erklärung: Ich bin nicht der Spielleiter, habe auch nichts mit dem Tippspiel zu tun.

Ich kann es aber, bei dieser Gelegenheit, immer wieder nur schreiben: Bitte keine Mail, die eigentlich mich erreichen soll, an die Matz-ab-Gewinnspiel-Adresse schicken. Wenn ich sie überhaupt einmal zu lesen bekomme, dann erst nach einigen Tagen. Wenn Ihr mir privat schreiben wollt, dann bitte an die Abendblatt-Internet-Adresse, Eure Mail wird dann an mich weitergeleitet.

18.04 Uhr