Tagesarchiv für den 19. Juli 2011

Klasse – 2:1-Sieg gegen die großen Bayern!

19. Juli 2011

So darf es denn ja auch ruhig weitergehen! Der HSV besiegt den großen FC Bayern München im Spiel um den T-Home-Cup mit 2:1. Wer hätte das gedacht? Ich ganz sicher nicht, Trainer Michael Oenning auch nicht. Wie er zugab: “Damit habe ich nicht gerechnet, aber uns half das Glück beim glücklichen 1:0. Danach haben wir das Spiel gut über die Runden gebracht, in der zweiten Halbzeit sogar ganz gut.” Stimmt.

So bereitete sich der HSV auf die Bayern vor


Zwei Tore von Heung Min Son hatten die Weichen schon im ersten Durchgang auf Sieg gestellt, die Hamburger spielten 60 Minuten lang klug, mit Engagement, Leidenschaft und mit dem lange vermissten Teamgeist. Da stand eine Einheit auf dem Platz, die nicht gewillt war, sich erneut eine dicke Packung von den Münchnern abzuholen. Wie sich der HSV wehrte, wie er spielte, wie er sich aus der Affäre zog, das war schon sehr sehenswert. Und zeigt allen Skeptikern, wie es in der kommenden Saison gehen könnte, Natürlich darf dieser Erfolg nicht überbewertet werden, natürlich gibt es dafür nicht ein müdes Pünktchen, aber dieser Sieg wird für noch mehr Selbstbewusstsein sorgen, und das ist in der jetzigen Phase der Vorbereitung ganz sicher nicht nur nicht verkehrt, sondern auch hilfreich. Weiter so, HSV!

So stellt sich Michael Oenning seinen HSV vor.: Giftig in den Zweikämpfen, eng am Mann, bei Balleroberung kein langes Dribbeln, sondern schnell abspielen. Und wenn es geht, zügig nach vorne. Das hat der HSV in Mainz sehr gut umgesetzt. Das sah nicht nur gut aus, das war auch gut. Natürlich bestimmte der Rekordmeister das Geschehen, denn die gesamte Münchner Offensive, die in der kommenden Saison für den Titel sorgen soll, war dabei, aber der HSV stand großartig. Endlich wurde von allen Spielern auch oder vor allem nach hinten gedacht. Und, das ist entscheidend, die Spieler können das Tempo und die Meter des Gegners mitgehen. Da schwächelt nicht einer. Sie haben Kraft und Kondition, die Vorbereitung hat sich bezahlt gemacht.

Dabei fehlten dem HSV in dieser Partie elf Spieler. Nicht die Abgänge sind damit gemeint, sondern noch jene Profis, die noch nicht zum Einsatz kommen können. Wo soll das hinführen?

Der HSV begann in Mainz mit:
Mickel, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Kacar, Jarolim; Ben-Hatira, Töre, Elia; Son. Die künftige Nummer eins, Jaroslav Drobny, wurde wegen einer Rippenprellung immer noch geschont. Für ihn kam nicht Wolfgang Hesl, sondern Tom Mickel. Und der machte seine Sache sehr gut. Während des Spiels dachte ich oftmals an Richard Golz, mit dem ich in der vergangenen Woche sprach – auch über Mickel. „Richie“ lobte „das unbeschriebene Blatt“ in den höchsten Tönen: „Er ist ein wirklich guter Mann, ich traue ihm zu, in der Bundesliga Torwart Nummer eins zu werden. Für uns war er in der vergangenen Spielzeit Gold wert, er war der Garant für den Klassenerhalt, der beste Torwart in der Regionalliga Nord.“

Ein Torwart-Problem wird also nicht auf den HSV zukommen.

Und ansonsten? Gökhan Töre kam zentral im vorderen Mittelfeld zum Einsatz – und überzeugte mich einmal mehr. Der Deutsch-Türke begann voller Selbstbewusstsein – und enorm diszipliniert. Er trennte sich schnell vom Ball, offenbarte dabei eine sehr hohe „Trefferquote“, denn er brachte die Kugel zielsicher an die eigenen Leute. Und auch nach vorne sah Töre bestens aus – da hat der HSV, so denke ich, einen kleinen „Goldfisch“ an Land gezogen.

Ähnlich würde ich die Lage hinten rechts umschreiben: Dennis Diekmeier ist zwar schon ein Jahr in Hamburg, aber er hatte eine Seuchen-Saison – und ist nun offenbar „voll“ da. Mein Kollege Kai Schiller hat schon im Zillertal gesagt: „Diekmeier wird in dieser Spielzeit Nationalspieler, rechts hat Deutschland ein Vakuum, er wird diese Lücke schließen.“ Ich habe nichts dagegen, ich denke ebenso – und Diekmeier ist ganz groß im Kommen. Auch wenn er kurz vordem Schlusspfiff das 1:2 von Kroos verschuldete, als er dem Münchner den Ball beinahe „mustergültig“ vorlegte.

Und vorne? Natürlich Heung Min Son! Seine Tore 16 und 17 in der Vorbereitung. Unglaublich. Der junge Mann ist nicht zu bremsen, der 19-Jährige befindet sich in einer beängstigenden Frühform. Wenn er diese Klasse halten kann, dann wird er in dieser Saison für viel Freude im Hamburger Lager sorgen. Zwei Tore erzielte der Südkoreaner in Halbzeit eins zur 2:0-Pausenführung. Nach sieben Mínuten klingelte es zum ersten Mal im Bayern-Netz – weil der neue Münchner Keeper Manuel Neuer kräftig daneben griff und sich zudem mächtig verflogen hatte. Son schoss aus spitzem Winkel ein – und freute sich in seiner typischen Lausbuben-Art.

Tor Nummer zwei in der 30. Minute. Heiko Westermann, der die Mannschaft als Kapitän auf den Rasen führte, hatte Nationalspieler Müller energisch gebremst (Höhe Mittellinie), David Jarolim spielte Änis Ben-Hatira an, der schickte Diekmeier, und dessen Rückgabe fast von der Torauslinie verwertete Son zum 2:0. Ein toller Angriff, vor allem zügig und schnell – so wie es Oenning seinem HSV verordnet hat. Da wird die Kugel nicht lange gehalten und Ausschau nach einem Mitspieler gehalten, alle sind im vollen Gange, bieten sich an – und spielen ab. Das sieht schon sehr, sehr gut aus.
Und die Bayern gingen schwer grübelnd in die Halbzeitpause.

Im zweiten Durchgang spiele der HSV mehr mit, hielt die Partie offen. Natürlich standen die Oenning-Mannen nach wie vor tief, aber das ist auch weiterhin nicht verboten. Und wer erwartet hätte, dass dieser „neue und schwer verjüngte“ HSV mit dem FC Bayern Fußball spielt, der versteht nicht viel von dieser Sportart. Der HSV stand ja auch nicht nur hinten drin und mauerte, sondern nutzte jede Gelegenheit, zu kontern. Genau das wird auch in Zukunft das Konzept sein.

Mickel, Diekmeier, Töre und Son habe ich schon genannt. Michael Mancienne überzeugte mich mit einer fast fehlerfreien Partie – dickes Kompliment. Westermann in Sachen Zweikampf-Führung wie ein Weltmeister, diesmal auch deutlich konzentrierter als noch in der vergangenen Saison. Dennis Aogo hatte es oft mit Robben zu tun – der Nationalspieler hatte den Niederländer bestens im Griff.

Im Mittelfeld räumte David Jarolim und Gojko Kacar nicht nur auf, sondern auch viel ab – das war sehenswert. Von beiden eine großartige Laufleistung, kämpferisch geben sie ohnehin immer alles.

Rechts von ihnen Änis Ben-Hatira mit Licht und Schatten, mehr Licht auf jeden Fall als zuletzt. Dennoch kann er mehr. Was auch für Eljero Elia gilt. Dennoch, der Niederländer scheint auf dem guten Wege der Besserung, er sorgte mit einigen Dribblings (vor der Pause) für gelegentliche Entlastung.

Zwei Wechsel gab es noch beim HSV: Marcell Jansen kam in der 45. Minute für Ben-Hatira, Daniel Nagy in der 56. Minute für Töre.
Auf der Bank saßen noch: Hesl, Götz, Labus, Bertram, Besic, Behrens, Sternberg.

Ein kurzes Wort noch zum 23. Mann. Ein Neuling. Tobias Christ. Gefiel mir, blieb im Hintergrund, spielte sich nicht groß auf – gute Leistung, bis auf ein, zwei, drei Entscheidungen gegen den HSV in der Schlussphase. Da gab es dann wohl doch den einen oder anderen Bayern-Bonus . . .
Der 35-jährige Unparteiische lebt in Kaiserslautern, ist Redakteur (!) von Beruf und pfeift für den TB Jahn Zeiskam.

22.04 Uhr
PS: Der HSV trifft morgen im Finale in Mainz (Anstoß 20.30 Uhr) auf Borussia Dortmund (1:0-Sieger über Mainz 05)

Vor dem Bayern-Spiel

19. Juli 2011

Bevor es heute am Abend etwas ernsthafter zur Sache gehen wird, schnell eine Meldung zum Schmunzeln:

Theyab Awana Al Musabi wollte witzig sein und hat nun möglicherweise großen Ärger am Hals. Der Nationalspieler der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) lief am vergangenen Sonntag im Länderspiel gegen den Libanon beim Stand von 5:2 in der 79. Minute zu einem Elfmeter an, drehte sich kurz vor dem Ball um und traf mit der rechten Hacke gegen den verdutzten Torwart zum 6:2-Endstand.
Das Video des Treffers ist bei YouTube der Renner, die Libanesen fanden die Aktion hingegen überhaupt nicht witzig. VAE-Teammanager Esmaeel Rashed sagte: „Das hätte nicht passieren dürfen, die Aktion war dem Gegner gegenüber respektlos, so etwas können wir nicht akzeptieren.“ Auch der slowenische Nationaltrainer Srecko Katanec war sauer auf seinen Spieler. Der 21 Jahre alte Kunstschütze soll intern bestraft werden, im schlimmsten Fall droht ihm sogar der Ausschluss aus der Nationalmannschaft.
Das ist eine dapd-Meldung.

Heute war bereits um acht Uhr Training an der Arena. Über 50 dicke, schwere Lastwagen und ein brummeliger und damit auch unfreundlicher Ordner, der auf seiner Brust ein großes „Staff“ trug, versperrten mir zunächst die Zufahrt zur Arena. Irgendwie aber gelang es mir dann doch, zur Profi-Mannschat des Hamburger Sport-Vereins vorzudringen. Was aber war da wieder los, mit Lastwagen, Ordnern, Gabelstablern, Bussen? Take That kommt. Also kommt auch wieder Geld in die HSV-Kasse. Wobei ich, als ich so zwischen Lastwagen, Bussen, Ordnern und Gabelstablern herumkurvte, nicht nur daran dachte, was in diesem Sommer so alles los war im Volkspark (ich war ja beim besten Konzert überhaupt, bei Scooter!), sondern auch daran, dass es vielleicht in weiter, weiter Ferne einmal mehr Musik und mehr Boxen als Fußball geben könnte . . .
Hoffentlich nie.

Noch ist aber Fußball die Nummer eins. Und das bewiesen einmal mehr die treuen HSV-Fans. Von ihnen waren in aller Früh jedenfalls viel mehr anwesend, als Ordner, Lastwagen, Busse und Gabelstabler zusammen. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, wie voll der Trainingsplatz mit Trainingskiebitzen war. Alle Achtung! Kommentar von „Benno Hafas“: „Das ist senile Bettflucht . . .“

Egal was, es war ja auch kein „richtiges“ Training, sondern nur ein leichtes Aufwärmen für die Bayern am Abend (Anstoß 20.30 Uhr, live auf SAT.1, gespielt wird zweimal 30 Minuten). Es wurde gepasst, dann über den halben Platz gespielt. Ein Spielchen. Nur einmal wurde es härter. Da foulote Robert Labus Gegenspieler Eljero Elia. Der Niederländer schrie kurz auf, humpelte einige Sekunden – dann war die Sache für ihn erledigt. Und für Labus war es ohnehin kein „Ding“, denn er nahm weder vom Aufschrei noch vom Humpeln Kenntnis, er drehte sich auch erst gar nicht zu Elia um, sondern ging weiter zur Tagesordnung über. Und, um auch das kurz zu sagen: Zwei Spieler sind mir bei dieser Morgeneinheit besonders aufgefallen – positiv. Gojko Kacar war total „griffig“, der wollte auch bei diesem eigentlich unbedeutenden Kick nicht verlieren, und dazu auch Gökhan Töre, der wieder voller Elan zur Sache ging. Der Bursche macht Spaß.

Nicht im Training dabei waren heute Mladen Petric und Jeffey Bruma, beide sind auch nicht mit nach Mainz geflogen. Heiko Westermann hat trainiert, ob er volle 90 Minuten zum Einsatz kommen kann und wird, blieb offen. Auch deshalb, weil Michael Oenning nicht am Training hatte teilnehmen können, er hält sich schon seit Montag in Mainz auf, wo er am Abend eine Laudatio halten durfte (musste). Ebenfalls in Mainz ist heute Jaroslav Drobny, aber der Keeper wird auch gegen die Bayern noch nicht im Tor stehen – ich tippe mal auf Tom Mickel.

Am Rande des Trainingsplatzes waren Reha-Trainer Markus Günther und Romeo Castelen bei der Arbeit. Der Niederländer sagte mir: „Ich hatte Schmerzen an den Adduktoren und im Oberschenkel, aber die sind vorbei. Wenn das Team in der nächsten Woche wieder von den Reisen aus Mainz und aus den Niederlanden zurück ist, dann will ich wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.“
Ich drücke Romeo für sein Vorhaben die Daumen.

Übrigens: Der FC Bayern soll ja angeblich mit der besten Mannschaft gegen den HSV antreten, Ivica Olic aber, so meine Informationen, wird nicht von Beginn an zum Einsatz kommen.

Kurz habe ich heute noch mit Hermann Rieger gesprochen, der Kult-Masseur war ja auch eine Woche im Zillertal dabei – und ist bestens wieder in Alfstedt angekommen. Sein Hippach-Fazit: „Das Trainingslager ist optimal für den HSV gelaufen, es hat mir viel Spaß gebracht. Alles lief wie am Schnürchen, es wurde hart trainiert, aber es war auch jederzeit zu spüren, das jeder in diesem Team um Harmonie bemüht ist. Ich hatte den Eindruck, dass jetzt wirklich alle gewillt sind, an einem Strang zu ziehen – auf mich machte das alles einen sehr guten Eindruck. Da wächst etwas zsammen. Und: Es war ganz sicher eines der besten HSV-Trainingslager – und davon habe ich ja einst über 100 mitgemacht, weiß also, wovon ich spreche.“

Auch von Hermann Rieger gab es ein Extra-Lob für die jungen Talente, die prächtig mitzogen. Er lobte ganz besonders Sören Bertram: „Der hat immer sehr viel Einsatz gezeigt.“ Eventuell wird Hermann in der kommenden Woche einmal beim HSV-Training vorbeisehen, er kann offenbar nicht ohne – und sagt: „Ich brauche den HSV, ich brauche den Fußball – ich bin süchtig danach.“

Kein Wort verloren wir über seine Krankheit. Im Zillertal machte Hermann auf mich einen sehr, sehr guten Eindruck – und diese Einschätzung teile ich mit (fast) allen HSV-Fans, die ihn dort erlebten. Alle waren froh und zufrieden, ihren „Hermann the german“ wieder so fit, so glücklich und aktiv zu sehen.
Weiter so, Hermann!

Ich melde mich heute nach dem Bayern-Spiel wieder zu Wort. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen und erfolgreichen Tag.

14.58 Uhr

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