Tagesarchiv für den 15. Juli 2011

Drama nach dem HSV-Spiel

15. Juli 2011

Es tut mir so sehr weh, es tut mir leid, ich bin verzweifelt, geschockt und völlig fertig: Unmittelbar nach dem HSV-Spiel in Schwaz gegen Al-Ahli brach eine Zuschauerin in der Nähe des Spielfeldrandes zusammen. Die HSV-Ärzte versuchten sofort eine Reanimierung, es kamen österreichische Notärzte, es wurde viel versucht, es wurde lange. lange Zeit alles versucht, aber das Wunder gelang nicht mehr. Die mir unbekannte Frau starb im Stadion. Es ist so grausam, ich bin tief erschüttert – es tut so unendlich weh.

Und so ergeht es auch den HSV-Spielern, die dieses Drama aus nächster Nähe miterleben mussten, denn der Mannschaftsbus stand in Sichtweite zu dem Ort, an dem die Frau trotz der verzweifelten Versuche der Ärzte starb.

Ich bin tief betroffen und empfinde tiefes Mitleid mit den Angehörigen und Freunden der Frau.

23.22 Uhr

Töre brachte den HSV in Schwung

15. Juli 2011

Trotsche
HSV gegen Al-Ahli. Al-Ahli aus Doha. Die Frage, wieso Al-Ahli sich nach Österreich, sogar nach Schwaz bei Innsbruck, verirrt hat, konnte mir keiner beantworten. Aber sie waren da. Grün-Weiß. Damit tut sich der HSV ja von Haus aus schwer. Und diesmal, an diesem Abend, kam noch erschwerend hinzu, dass der HSV, beziehungsweise die HSV-Profis, ein wirklich kräftezehrendes Trainingslager hinter sich hatten. Dementsprechend dieser Kick. Müde waren die Helden, müde werden sie auch noch die nächsten Tage. Weil es ja wirklich hart war. Die erste Halbzeit war dann auch dementsprechend flau, doch der zweite Durchgang versöhnte für so manche niveauarme Passage. Nach dem Halbzeitstand von 1:0 gewann der HSV noch völlig verdient mit 4:0. Und damit dürften auch die Zuschauer bei der Live-Übertragung von Sport 1 noch einverstanden gewesen sein.

Der HSV trat in Schwaz mit Mickel, Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Besic; Kacar, Jarolim; Ben-Hatira, Elia; Son an. Ab der 46. Minute Töre für Besic. In der 59. Minute kam Jansen für Elia, der blass blieb. In der 64. Minute ging Westermann (er wurde mit „Heiko“-Rufen gefeiert), für ihn kam Janek Sternberg. Kacar ging eine Minute später, für ihn kam Nagy. In der 71. Minute kam Behrens für Son, zudem Götz für Diekmeier. In der 80. Minute kamen Labus und Bertram für Jarolim und Mancienne.

Die Truppe aus Katar (Erste oder Zweite Liga, wer weiß es genau?), hatte in erster Linie einen Auftrag: Tore verhindern. Und hin und wieder kontern. Dazu auch ab und an auf die Stöcke gehen, wenn gar nichts mehr geht. Ein solches Spiel hatte HSV-Trainer Michael Oenning schon erwartet. Schade, dass der Fußball-Verbands Österreich nicht wirklich den besten (!) Schiedsrichter geschickt hatte. Aber gut, an einem solchen Abend und in einem so unwichtigen Kick ist das auch irgendwie unwichtig.

Es gab zwei Höhepunkte in der ersten Halbzeit. Gojko Kacar schoss nach schöner Vorarbeit von Änis Ben-Hatira und vor allem Dennis Diekmeier das 1:0 (31.). Und kurz zuvor hatte Heung Min Son eine Möglichkeit Marke „hundertprozentig“ vergeben.

Zur zweiten Halbzeit kam mit Gökhan Töre frischer Wind in die HSV-Reihen. Der Mann vom FC Chelsea war in jeder Beziehun g eine Belebung für den HSV – er wurde zum besten Mann auf dem Rasen. Die zweite Halbzeit wurde ohnehin die bessere, das sah denn schon nach Fußball aus. Und die Leute auf der Tribüne wurden sogar von ihren Sitzen gerissen. In der 60. Minute gab es aus halblinker Position einen Freistoß, den (erstmalig!) Son schoss. Er stand mit Dennis Aogo am Ball, Son drosch die Kugel sehenswert ins Netz. Die Fans waren restlos begeistert, und Son ließ sich lachend nach allen Regeln der Kunst feiern. Noch stürmischer wurde es auf der Tribüne, als Son in der 71. ausgewechselt wurde. Er ist eindeutig der neue Publikumsliebling der HSV-Fans.

Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 3:0. Sons letzte Aktion: Eine Linksflanke auf Ben-Hatira, der flach und unhaltbar aus 14 Metern einschoss (69.). Endlich eine gute Szene für den Mann von der rechten Flanke (jede Menge kümmerlicher Eckstöße!), der sich einige Male verdribbelt hatte.

In der 75. Minute krönte Töre seine starke Leistung, seine Flanke köpfte Hanno Behrens ein – 4:0.

Auch bei diesem Spiel verzichte ich auf eine Einzelkritik. Beste Noten beim HSV verdienten sich neben Töre noch Tom Mickel (hielt einige Male sehr gut) und David Jarolim, der auch in einem solchen Spiel immer „griffig“ ist und alles gibt.

Gute Nacht.

22.08 Uhr

Das Fan-Fest – wieder ein Highlight

15. Juli 2011

Die Ordner rund um das Trainingslager des HSV in Hippach sahen und sehen toll aus. Jeder trug und trägt eine richtige Weste, auf denen stand dann auch groß das Wort ORDNER. Nur so richtig viel geordnet haben diese Herren eigentlich nie. “Wenn du zu den Spielen willst? Dann einfach unter dem Absperrband durch – und los.” So rief es “JU aus Q” den “Matz-abbern” zu – und so geschah es dann auch. Aber: Eigentlich gab es ja auch nicht so viel zu ordnen, es blieb alles friedlich, alles im Rahmen. Und es deswegen will ich hier auch nur über einen Ordner schreiben, der mir etwas Sportliches zum HSV gesagt hat. Er kam während des Trainings zu mir und verriet: „Ich war vor einigen Tagen auch bei Bayer Leverkusen, die Mannschaft hat in Zell am Ziller logiert. Dort wurde aber weitaus weniger oder auch lascher trainiert. Lascher als der HSV auf jeden Fall.“ Tolles Kompliment. Und erst heute reiste ein Kollege von mir in Hippach an, weil er zuvor an mehreren Stellen in Österreich deutsche Bundesliga-Mannschaften im Trainingslager beobachtet hatte. Und auch er wartete mit einem schönen Kompliment in Richtung Hamburg auf: „Es ist ja unwahrscheinlich und toll, wie viele HSV-Fans mit ins Zillertal gekommen sind – bei Borussia Dortmund waren höchsten 200 mit nach Österreich gekommen.“ Und beim HSV waren es in dieser Woche über 700. Großartig! Einfach nur großartig!

Und viele, viele waren zum Fan-Fest gekommen. Das begann zwar nicht gerade optimal (erst fehlten die Eintrittskarten, dann begann es wieder mächtig zu regnen), aber es wurde dennoch ein voller, voller Erfolg. Ich gebe es zu, ich hatte befürchtet, dass es dort leicht „hektisch“ werden würde, aber es war alles wunderbar. Die Spieler haben sich super verhalten, sie gaben Autogramme und posierten unaufhörlich für Fotos – jeder Fan kam auf seine Kosten. Danke HSV! Das war wieder beste Werbung, diese Fan-Nähe ist unbezahlbar – ein echtes Highlight.

Das sahen auch die „Matz-abber“, die vorher noch ein Gruppenfoto mit „Hermann“ gemacht hatten. Die „Matz-abber“ saßen (fast) alle an einem Tisch, beste Laune hatten alle mitgebracht – und „Jäger-Glück“ hatten sie auch. Deshalb von mir ein ganz dickes Kompliment. „HSV-Wolle“ fing für die „Kolleginnen“ und „Kollegen“ einen ganz dicken Fisch ein: Frank Arnesen. Der Sportchef saß über eine halbe Stunde am Ma-Tisch und beantwortete brav alle Fragen. Und hinterließ dabei einen großartigen Eindruck – bei allen. Toll. Aber Arnesen war nur der Anfang. Mit dem Sportchef am Tisch saß auch noch Heiko Westermann – und ein wenig später saß, zur großen Freude von „Christian“ und allen anderen sogar Mladen Petric dort.
Noch einmal, Deerns und Jungs, ein dickes Kompliment, wie Ihr das hinbekommen habt! Und die Freude, die Ihr alle ausgestrahlt habt, hielt noch bis zum nächsten Tag an – wahrscheinlich sogar noch das ganze Wochenende und länger. Ich habe viel, viel gefilmt, im Laufe der Woche werdet Ihr von diesem Fest auch ein Video sehen – der erste Film aus dem Zillertal ist jetzt schon „der“ Renner. Also, Ihr könnt Euch darauf freuen. Ihr habt die Hauptrolle gespielt.

Ja, und nun ist die Woche (fast) schon wieder vorbei. Heute gibt es ja noch (20.15 Uhr, live bei Sport1) das Testspiel gegen Al-Ahli Doha, wiobei die Frage, ob das nun ein Zweitliga-Klub aus Katar ist, noch nicht restlos geklärt wurde. Ich befürchte fast, es lässt sich gar nicht klären, aber das müssen wir mal abwarten. Auf jeden Fall geht es gleich nach Schwaz, in dem kleinen (aber feinen) Stadion dort hat der HSV bereits vor einem Jahr ein Testspiel ausgetragen, das war eine Partie gegen 1860 München (1:1, wenn ich mich richtig erinnere – Tor: Mladen Petric).

Am Vormittag hat der HSV noch einmal trainiert. Das Programm: Sechs gegen zwei, dann ein kleines Spielchen, dann Flanken von rechts und von links. Und diesmal (!) konnte man wirklich Flanken dazu sagen, denn die Bälle kamen in der Regel hoch und wunderbar angeschnitten in die Mitte. Für mich war dabei (als Flankengeber) der Jüngste der Beste. Ashton Götz schlug eine „Brandbombe“ nach der anderen zur Mitte, der Junge hat es richtig gutes Füßchen. Der 17-Jährige sagt, alles ganz normal, vor dem Training nichts, er sagt während des Trainings nichts, und er sagt auch danach nichts – aber fußballerisch hat er (fast) alle überzeugt.

Aber keine Angst, auch Ashton Götz ist während dieser Zillertaler Woche in die Mannschaft „hineingekommen“, er war ein vollständiges Mitglied der HSV-Truppe. Es wird, so mein Empfinden, ohnehin niemand mehr ausgegrenzt – und das ist auch gut so. Auch dafür gibt es ein schönes Beispiel: Als die Mannschaft um 13 Uhr zum Essen im Sporthotel Stock ging, da schlenderten Heung Min Son und Ashton Götz gemeinsam dem Essensraum entgegen – der Südkoreaner, der in diesen Tagen auch prächtig „aufgetaut“ ist, hatte freundschaftlich den Arm auf die Schulter des HSV-Talentes gelegt. Solche kleinen Kleinigkeiten habe ich schon seit sehr, sehr lange Zeit nicht mehr beobachtet – einfach nur schön zu sehen.

Sehr schön zu wissen ist auch, dass der Norweger Ciljan Skjelbred nun schon bald HSV-Spieler wird. Der 24-jährige Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim wird am 3. oder 4. August nach Hamburg kommen, und weil Rosenborg in diesem Monat neun oder zehn Pflichtspiele zu absolvieren hat, wird der Nationalspieler auch topfit sein – sofern er sich nicht noch verletzt. Was wir natürlich nicht hoffen wollen.

Sportchef Arnesen freut sich über diesen Transfer: „Rosenborg ist zufrieden, wir sind sehr zufrieden, Skjelbred ist ein sehr, sehr guter Spieler, es ist finanziell bestens für uns gelaufen, dass wir ihn schon jetzt nach Hamburg holen können.“ Kompliment auch an Sie, Herr Arnesen. Und wenn ich den „Matz-abbern“ glauben darf, die mit Ihnen (dem Sportchef) so nett und so lange plaudern durften, dann lesen Sie hier bei „Matz ab“ ja auch mit . . .

Arnesen über den Neu-Hamburger aus Norwegen: „Er ist eigentlich ein untypischer Norweger, denn er ist nicht nur physisch stark, sondern auch ein großartiger Techniker. Einer der besten Techniker in Norwegen. Er spielt auch ein bisschen mehr vorne, er ist sehr schnell mit dem Ball, kann die Kugel auf dem engstem Raum bestens behaupten. Er kann auch dribbeln, schlägt gute Pässe mit dem Außenrist, spielt intelligent Fußball. Und er hat einen sehr guten Charakter.“ Frank Arnesen kennt Skjelbred schon seit acht Jahren, wollte ihn einst auch schon zum PSV Eindhoven holen. Beachtlich, sehr beachtlich sogar: Der Nationalspieler ist erst 24 Jahre, hat aber für Rosenborg schon 234 Liga-Spiele absolviert. Das, obwohl er 2005 und 2006 eine schwerer Verletzung hatte. Arnesen: „Jetzt ist der beste Moment für ihn, eine neue Herausforderung im Ausland anzunehmen. Er ist ein sehr lernwilliger Spieler – er passt in diesem Moment sehr, sehr gut zum HSV.“

Und, Herr Arnesen, kommt darüber hinaus noch ein neuer Spieler zum HSV? Arnesen setzt ein Pokergesicht auf und sagt: „Das wird schwer. Finanziell. Ich kann ja alles wollen . . .“ Aber eben nicht alles bezahlen. Deswegen sagt Frank Arnesen auch zum jetzigen Personalstand seines Klubs: „Ich bin in diesem Moment wirklich nicht unzufrieden.“

Alex Silva war bis heute in den Mittagsstunden noch immer nicht durch mit der sporttauglichen Untersuchung für seinen neuen Klub Flamengo Rio de Janeiro – aber wir hoffen wohl alle darauf, dass da nichts mehr schiefgehen wird. Arnesen auch: „Ich hoffe, dass wirklich alles klappt. Aber er hat doch auch schon die ganze Saison ohne Verletzung durchgespielt . . .“

Mickael Tavares dagegen ist von seinem Probetraining beim FCO Dijon nach Hamburg zurückgekehrt, die Franzosen werden ihn (wohl) nicht verpflichten. Nichts Neues gibt es im „Fall“ Guy Demel, offiziell wird noch nicht mit einem anderen Klub verhandelt, inoffiziell ist wohl schon etwas Bewegung in diesen Wechsel gekommen, aber so richtig getan hat sich noch nichts. Abwarten, das wird schon. Demel und Tavares trainieren bekanntlich nur noch bei der U 23 und Rodolfo Cardoso. Bis auf Weiteres.

Nicht trainiert hat heute erneut Jeffrey Bruma, der wegen seiner Achillessehnen-Probleme wohl auch in der nächste Woche nicht spielen wird können. Viel Pech für den niederländischen Nationalspieler. Und auch für Tolgay Arslan. Die Verletzung aus dem Wolfsburg-Spiel entpuppte sich in Österreich als viel, viel hartnäckiger als gedacht, Arslan konnte nie mit der Mannschaft trainieren. Heute ist er etwas gelaufen, hatte aber enorm starke Schmerzen im linken Knöchel. Deswegen geht es auch noch mal zur Kernspintomographie, denn nicht ausgeschlossen ist jetzt, dass doch etwas kaputt ist. Es wurde zwar schon eine Tomographie gemacht, doch eventuell war dabei deswegen nichts zu erkennen, weil im Fuß einfach zu viel Flüssigkeit war. Auf jeden Fall aber ist dieses Trainingslager für Tolgay Arslan einfach nur denkbar schlecht gelaufen, denn er hat den Anschluss erst einmal verpasst.

Pech hatte heute auch Muhamed Besic, der bei der Kopfballduell-Übung mit Janek Sternberg zusammengeprallt war – mit den Beinen. Besic lang minutenlang am Boden, hatte großen Schmerzen im linken Knie. Dann ging es – leicht humpelnd – weiter, aber später, im Hotel, sah das schon weitaus ungefährlicher aus, da ging Besic schon wieder ganz normal. Glück für ihn.

Kurz noch ein Satz zu Gojko Kacar. Der Serbe sollte in der kommenden Woche ja eventuell in Hamburg operiert werden, weil Kalkablagerungen in seinem Knöchel schon seit Monaten Schmerzen bereiten, aber ein Eingriff steht jetzt doch wieder in Frage. Heute trainierte Kacar ohne Schmerzen, so dass erst einmal noch abgewartet wird, wie sich diese Schmerzen in den nächsten Stunden (oder Tagen) entwickeln.
Nett fand ich, das muss ich bei dieser Gelegenheit auch einmal loswerden, wie Gojko Kacar auf dem Fan-Fest begrüßt wurde. Da tanzten jene Fans um ihn herum, die noch am ersten Tag des Trainingslagers ob ihrer alkoholischen Genüsse ein wenig „aufgefallen“ waren. Diese “Herren” sangen übermütig und lustig zugleich: „Kacar, schenk’ mir ein Foto . . .“ Frei nach Mickie Krause.
Das war schön zu hören und schön zu sehen.
Es geht doch!

So, nun heißt es für mich, nach Schwaz zu fahren, ich melde mich von dort nach dem Spiel – mit einem kleinen Bericht.

17.26 Uhr