Tagesarchiv für den 11. Juli 2011

Was der Sportchef zu Silva sagt

11. Juli 2011

Um noch einmal auf das leidige Thema Alex Silva zusprechen zu kommen. Es gibt hier im Blog ja einige Besserwisser, die anscheinend mit am Tisch saßen., als der Brasilianer verpflichtet wurde. Diese Leute wissen offenbar mehr – als der neue Sportchef. Mit Frank Arnesen sprachen wir heute in Hippach über den „Fall Silva“, und es bleibt für mich erschreckend, was dort zu Tage gefördert wurde. Arnesen erklärte: „Flamengo will den Spieler, aber nur zu 100 Prozent. Silva aber gehört zu 50 Prozent noch Juan Figer, und das macht die Sache komplizierter. Und der Berater will Geld, das ist professionell, das ist normal, damit müssen wir umgehen, das muss nun geklärt werden.“

Flamengo bietet zurzeit zweieinhalb Millionen – für 100 Prozent. Aber die kann der HSV den Brasilianern nicht verkaufen. Weil Figer zu 50 Prozent „mitmischt“. Und Arnesen hat den Schwarzen Peter in der Hand: „Ich muss nun probieren, den Verlust zu minimieren.“ Denn: Alex Silva ist vom HSV noch nicht restlos bezahlt. Arnesen: „Wir haben sehr viel in den Spieler investiert, leider ist es nicht aufgegangen. Jetzt muss ich versuchen, unseren Verlust so gering wie möglich zu machen. Der Spieler hat ein großes Gehalt . . .“

Frank Arnesen weiter: „Es geht nicht darum, Geld einzunehmen, sondern um Kosten zu verhindern. Aber das ist manchmal so im Fußball: Manchmal kauft man einen Spieler für wenig Geld, er schlägt ein und man kassiert beim Verkauf dann viele Millionen. Und manchmal kauft man einen Spieler für viel Geld, aber es klappt mit ihm nicht so, wie es sich alle erhofft haben.“ Und dann Arnesen im O-Ton weiter: „Dann muss man beißen in die saure Apfel . . .“ Wobei ich mich nicht über den Sportchef lächerlich machen will, aber ich fand es einfach nur lustig – das Ding mit dem sauren Apfel.

Erschwerend kommt hinzu: Alex Silvas Vertrag mit dem HSV läuft nicht nur bis 2012, sondern noch ein Jahr weiter. Fünf Millionen würde der HSV an Raten und Gehalt nur für die kommende Saison einsparen. Und noch eines: Wer jetzt noch mit irgendwelchen Bilanz-Tricks kommt, oder mit Berücksichtigung, Einbeziehung, Einkalkulioerung oder mit noch einem anderen steuerlichen Firlefanz, auch dem muss ich leider sagen: ist nicht. Das gibt es beim FC Bayern, auch noch in Wolfsburg und Leverkusen . . . Hamburg ist arm dran.

Und für alle Fantasten, die das, nachdem der Sportchef alles bestätigt hat, nicht wahrhaben wollen: Bitte beim HSV nachfragen.
Oder mich wegen einer Falschaussage vor Gericht zerren. Ich stehe dazu, es ist so.

Fazit von Frank Arnesen: „Der Vertrag mit Silva wurde vor drei Jahren geschlossen, und es war ein ganz normaler Vertrag. Alex Silva war und ist ein großer Spieler, und ein großer Spieler kostet viel Geld. In unserer jetzigen Situation aber tut uns das weh, es ist viel Geld für uns.“

Weil der HSV nach der Hoffmann-Ära kein Geld mehr in der Kasse hat. Auch das ist Tatsache. Die mir weh tut weil es ja um den HSV geht, aber die nun einmal unabänderlich ist.

So, nun genug zu Silva. Wie kommt Fran Arnesen, der beim FC Chelsea über Jahre aus dem Vollen schöpfen konnte, eigentlich mit den beschränkten Verhältnissen beim HSV klar? Er sagt: „Ich habe bewusst eine Entscheidung getroffen im Oktober, ich habe mich bewusst für den HSV und gegen Chelsea entschieden. Der HSV ist eine große Herausforderung für mich. Der HSV hat Tradition, hat alles gewonnen in der Vergangenheit, aber im Moment hat er vielleicht nicht die beste Phase. Das will ich mit Leidenschaft und meinen Ambitionen verändern, daran müssen wir arbeiten.“ Und? Wie arbeite es sich? Arnesen: „Ich bin jetzt sechs Wochen hier, und wir haben sehr gut begonnen, es gibt sehr gute Leute in diesem Verein. Nicht nur die Spieler. Jeder hier ist wichtig, angefangen bei jenen Leuten, die die Klamotten waschen – wir alle müssen gut zusammenarbeiten.“

Am Sonntag gab es in den Abendstunden eine Sitzung mit der Mannschaft und den sportlichen Führungspersonen. Arnesen: Da wurden auch jene Fragen behandelt, die uns jetzt beschäftigen: Was wollen wir? Was sehen wir für uns? Wir haben junge Spieler, sie wollen erfolgreich sein, sie haben Talent – und ich habe dabei ein gutes Gefühl.“ Michael Oenning sprach zur Mannschaft, Frank Arnesen auch. Der Sportchef lobte: „Michael hat sehr gut gesprochen, ich habe über meine Erfahrungen im Fußball gesprochen – wir haben uns über alles unterhalten. Über Respekt, über Ziele, über das Verhalten der Spieler.“ Speziell ging es darum, dass die Ersatzspieler nicht meckern, mosern oder sauer sind, sondern sich zur Mannschaft bekennen. Arnesen: „Die Spieler wurden darauf vorbereitet, dass ja nur elf am Anfang spielen können – wir haben aber 24 Spieler im Kader. Wir müssen alle Spieler bei Laune halten, wir müssen sie alle fit machen – aber die Spieler müssen auch dafür Verständnis aufbringen, dass eben nicht alle zum Einsatz kommen können. Trotz allem müssen wir alle zusammenhalten.“

Arnesen weiter: „Der HSV ist ein ganz großer Verein, alle Spieler müssen stolz sein, für den HSV spielen zu dürfen. Eine Fußballer-Karriere ist schnell vorbei, deswegen muss man jeden Tag genießen. Erst recht dann, wenn man für einen solchen Super-Verein spielen darf.“

Und im Moment ist es wohl auch so, dass sich jeder seines HSV-Lebens freut. Was Michael Oenning nur bestätigen kann: „Das erkennt man wohl auch von außen, dass die Stimmung bei uns gut ist. Das liegt sicher auch daran, dass wir zurzeit in der Findungsphase sind. Man freut sich aufeinander, man freut sich, dass es wieder losgeht. Das wird sich dann wohl Stück für Stück schwieriger, wenn klar wird, wie die erste Mannschaft aussehen soll. Trotzdem wird hier wohl der Grundstein für einen echten Mannschaftsgeist gelegt.“

Wie schön wäre es. Denn auf eine Mannschaft und auf einen Mannschaftsgeist musste der HSV in den letzten Jahren oft genug verzichten. Oenning: „Bei einem harten Training erleidet man die Dinge gemeinsam, das schweißt auch zusammen. Man kann in einem Trainingslager länger miteinander sprechen, auch Dinge außerhalb zu tun. Wir sind weg von unseren Familien, das ist jetzt im Grunde unsere eigene Familien, und die muss man natürlich auch in allen Facetten kennen lernen. Und mit dem jetzigen Stand bin ich auf jeden Fall sehr zufrieden.“

Kurz noch einmal zu einem anderen Thema. Neuland ist für Sportchef Frank Arnesen das erhöhte „Fan-Aufkommen“ im Zillertal, und besonders die Nähe zur Mannschaft. Der Sportchef: „Ich bin so etwas nicht gewöhnt, in den sieben Jahren England gab es das nicht. Da war das Training immer geschlossen. Aber in der Bundesliga ist das anders, auch beim HSV. Da sind die Journalisten auch mit im Mannschaftshotel, das kenne ich auch nicht, Aber ich habe nichts dagegen, denn wir haben ja nichts zu verbergen.“
Und zu den etwas alkoholisierten HSV-Fans? Arnesen nachsichtig: „Das war am Sonntag, da waren sie ein wenig ausgelassener als sonst – aber ich habe kein Problem damit.“

Und noch einen kurzen Abstecher zum Nachmittgas-Training: Da gab es Flanken von links und rechts – und ein Novum. Weil die „Linken“ gegen die „Rechten“ verloren hatten, schickte Trainer Oenning diese Truppe zu den am rande stehenden und sitzenden Fans. Die Spieler hatten die Aufgabe, und sie sagten es auch jedem Fan: „Wir möchten uns bei euch dafür entschuldigen, dass wir keine 20 Tore erzielt haben.“ Herrlich. Da kam Freunde auf. Besonders bei den Fans, die genossen ihren persönlichen Händedruck mit dem Spieler.

Gefeiert wurden bei dieser Übung übrigens Robert Tesche, David Jarolim und Gojko Kacar am meisten. Die Fans von „der Gegegnseite“ skandierten mehrfach: „Robert Tesche – Fußball-Gott.“ Weil er tatsächlich Super-Kopfbälle ins Tor brachte.
Nicht am Nachmittags-Training nahmen teil: Heiko Westermann, Änis Ben-Hatira, Mladen Petric, Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma und Tolgay Arslan.

So, das Test-Spiel am Dienstag, danach wurde ich einige Male gefragt, soll um 18.30 Uhr beginnen.

Zum Schluss noch eine andere Geschichte.

Eine von 11FREUNDE zusammengestellte Jury bewertete nun die Heim- und Auswärtstrikots aller 18 Bundesligisten der Saison 2011/12 nach dem Schulnotensystem. In der Jury: Peter Lohmeyer, Uli Borowka, Marten Laciny (Marteria), Arnd Zeigler und Philipp Köster. Außerdem wurden im Endresultat die Ergebnisse einer User-Umfrage auf 11freunde.de berücksichtigt.

FC Bayern München gewählt (Durchschnittsnote: 2,0). »Design zwar vom spanischen Trikot geklaut, trotzdem schlicht und geschmackvoll«, meint 11FREUNDE-Chefredakteur Philipp Köster zum Siegertrikot.

Als große Gewinner dürfen sich zudem Schalke 04 und der Hamburger SV fühlen. Beide Vereine landeten sowohl mit ihrem Heim- als auch mit ihrem Auswärtstrikot in den Top 5 des Rankings zur 11FREUNDE-Trikotwahl.
TV- & Radiomoderator Arnd Zeigler findet als Fan und Stadionsprecher von Werder Bremen anerkennende Worte für das Heimtrikot des HSV (Durchschnittsnote: 2,3): »Ähnliche Bündchen hat früher der AS St. Etienne gehabt. Als Bremer ist das gefährlich, aber: Ich mag das Trikot. Rein optisch. Nicht inhaltlich.« Philipp Köster erklärt das Hamburger Heimtrikot gar zu seinem Favoriten:, »Das smarteste Trikot dieser Saison. Kommt daher wie das Ausgehhemd eines englischen Elite-Internats.«.

Die Ergebnisse der 11FREUNDE-Trikotwahl in der Übersicht:

Platz 1:
FC Bayern München (Heim)
Durchschnittsnote: 2,0

Platz 2:
FC Schalke 04 (Heim)
Hamburger SV (Heim)
Hamburger SV (Auswärts)
Durchschnittsnote: 2,3

Platz 5:
FC Schalke 04 (Auswärts)
VfB Stuttgart (Heim)
Durchschnittsnote: 2,5

Platz 7:
Bayer 04 Leverkusen (Heim)
Durchschnittsnote: 2,7

Platz 8:
FSV Mainz 05 (Heim)
1. FC Nürnberg (Auswärts)
Hertha BSC (Heim)
Durchschnittsnote: 2,8

21.22 Uhr

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