Tagesarchiv für den 9. Juli 2011

4:2-Sieg – Kacar und Jansen fielen ab

9. Juli 2011

Zwischenstation Ingolstadt. Auf dem Weg ins Trainingslager im Zillertal wurde quasi nebenbei schnell ein lange vereinbartes Freundschaftsspiel ausgetragen. Bei Zweitliga-Klub Ingolstadt, der in einer Woche schon in Lübeck gegen St. Pauli um Punkte kämpfen muss, gab es einen lockeren 4:2-Sieg. Zur Halbzeit hatte das Resultat schon 3:1 für den HSV gelautet. Vor dem Anpfiff hatte das Trainingslager bereits für die zurzeit noch angeschlagenen HSV-Profis begonnen. Mladen Petric und Heiko Westermann trainierten unter den Augen von Collin Benjamin. Der „Löwe“ von 1860 wollte seine früheren Kollegen einmal wiedersehen und musste viele Hände schütteln.

„Ich fühle mich sehr wohl in München, eine sehr schöne Stadt, 60 ist ein guter Klub – es passt. Nach Hamburg hätte es nicht besser für mich kommen können, ich bin sehr zufrieden.“ In diesem Monat noch wird seine Familie von der Elbe an die Isar ziehen, „Collo“ macht keine halben Sachen und sagt: „Meine Familie muss kommen, wofür mache ich das denn sonst alles?“
Neben Benjamin war noch ein „Ehemaliger“ in Ingolstadt: Masseur Uwe Eplinius. Er hält sich zurzeit in Donaustaufen zur Fortbildung auf und ließ sie Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen, den HSV für etwas mehr als 90 Minuten zu sehen. Auch wenn die überraschende Trennung im Sommer ganz sicher immer noch schmerzt. Aber es steht nun einmal fest, dass „Epi“ HSV-Geschichte ist. Immerhin: Seine ehemaligen Kollegen sorgten vor dem Anpfiff dafür, dass er noch einmal in den Innenraum und an die Bank durfte.

Der HSV spielte in Ingolstadt mit einer speziellen Oenning-Taktik: Viererkette mit Dennis Diekmeier, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma (in Ingolstadt „Brumer“ geschrieben) und Dennis Aogo. Davor eine Sechs: Robert Tesche. Und davor zwei „halbe“ Sechser: Gojko Kacar und David Jarolim, der die Mannschaft als Kapitän auf den arg strapazierten Rasen führte, es hatte kürzlich ein Konzert im FC-Stadion stattgefunden. Davor auf den Flügeln rechts Änis Ben-Hatira, links Eljero Elia. Und einzige Spitze: Heung Min Son. Im Tor, das war die Überraschung, nicht Jaroslav Drobny, sondern Tom Mickel. Der Tscheche leidet noch unter einer Rippenprellung. Und dass Wolfgang Hesl nicht zum Zuge kam, das passt wohl zur Philosophie von Oenning. Ich habe das Gefühl, dass der Coach Hesl einfach „nicht auf dem Zettel“ hat. Deswegen glaube ich auch, dass der Keeper keine Zukunft mehr beim HSV hat.

Neben Petric und Westermann fehlte beim HSV natürlich noch Paolo Guerrero, aber der scheint schon jetzt in Form zu sein. Hoffentlich nicht nur für Peru, aber für sein Land trifft er bei der Copa America. Erst zum 1:1 gegen Uruguay, jetzt zum 1:0-Sieg gegen Mexiko. Hoffentlich hält er diese Form, hoffentlich verletzt er sich nicht wieder. Und hoffentlich müssen wir uns nicht wieder zu Weihnachten die bekannte Ausrede anhören, dass er ja keine kontinuierliche Vorbereitung mitmachen konnte, deswegen nie seine Bestform erreichen konnte . . .

Abwarten.
Das allerdings tat der HSV in Ingolstadt nicht lange. Es ging gleich mit Tempo los. Und mit Toren. Ich hänge jetzt einmal den Spielfilm an, so lief das Spiel in Ingolstadt:

5. Min.: Leo Haas, der ehemalige HSVer, allein vor Tom Mickel, der hält.

13. Min.: Heung Min Son allein von der Mittellinie, Sascha Kirschstein, der ehemalige HSVer, pariert großartig.

18. Min.: Gojko Kacar vertändelt gegen Leitl, der geht los, Mickel hält. Und Michael Oenning steht auf und pfeift, ruft seinen Unmut ins Spiel – Richtung Kacar natürlich.

20. Min.: Elia zieht von der Mittellinie los, führt Gegenspieler Görlitz gleich zweimal vor, Rückpass, David Jarolim mit der Innenseite aus 14 Metern – 1:0 für den HSV.

22. Min.: Dennis Diekmeier marschiert von der Mittellinie los, umspielt in einem „höllischen Tempo“ drei, vier Leute, am Strafraum „übernimmt“ Son und schießt humorlos ein. 2:0 HSV.

„Wer wird deutscher Meister, Ha, Ha, Ha, HSV“, skandieren die HSV-Fans, die anscheinend viel Freude am Spiel ihrer Mannschaft haben.

29. Min.: Traumangriff des HSV: Änis Ben-Hatira über rechts zur Mitte, Elia mit der Hacke in den Lauf des von hinten kommenden Dennis Aogo, Flanke von der Torauslinie, Kacar köpft ein zum 3:0.

37. Min.: Ingolstadts Haas schießt aus 13 Metern um Millimeter vorbei – ein mustergültiger FC-Konter, weil Elia, der rechts „parkte“, seinen Gegenspieler ziehen ließ. Oenning holte ihn mit „sanften Worten und Gesten“ an den Rand, klärte ihn über defensives Versäumnis auf. Ohne laut zu werden, ohne warnenden Zeigefinger – mit viel Einfühlungsvermögen. Vielleicht klappt es ja auf diese Art.

40. Min.: 1:3, Pisot aus vier Metern nach einem abgefälschten Freistoß.

57. Min.: Kopfball Robert Tesche, Kirschstein pariert, Kacar staubt ab – 4:1.

58. Mancienne und Aogo raus, Muhamed Besic und Marcell Jansen.

65. Min.: Son raus, Gökhan Töre rein.

60. Min.: Bruma, Tesche und auch Kacar nur halbherzig, Ingolstadts Haas kann in aller Ruhe von rechts flanken, Kopfball Hartmann, nur noch 2:4.

78. Min.: Tesche raus, Daniel Nagy rein.

82. Min.: Diekmeier raus, der erst 17-jährige Ashton Götz rein.

84. Min: Bruma raus, Robert Labus rein.

88. Elia und Ben-Hatira raus, Sören Bertram und Hanno Behrens rein.

In der Einzelkritik fallen beim HSV zwei „alte Hasen“ negativ auf. Kacar erzielte zwar zwei Tore, aber sein körperlicher Zustand sieht mir noch zu sehr, viel zu sehr, nach Urlaub aus. In etwa so, wie Bayerns Schweinsteiger, dessen Fotos heute in der „Bild“ zu sehen war. Schweini mit Speckschwarte. Kacar muss deutlich zulegen, er spielte viele, viele Fehlpässe, und er ´wirkte auf mich in der Rückwärtsbewegung viel zu langsam. Das Umschalten in den Rückwärtsgang sah sehr behäbig aus.
Zweiter „Hase“ war Jansen. Aber hallo, wurde der Nationalspieler auf der linken Seite vorgeführt. „Ich bin so fit wie seit langer Zeit nicht mehr“, hat Jansen vor ein paar Tagen gesagt, davon war in Ingolstadt nichts zu sehen. Null. Absolut nichts. Diese Kurz-Vorstellung macht nur Angst und Bange. Da fehlt noch alles. Auch die Bank wurde unruhig, nach zehn Minuten ging Co-Trainer Frank Heinemann an die Seite und „weckte“ Jansen kurz auf.

Tom Mickel im Tor machte seine Sache gut. Beide Gegentore waren meiner Meinung nach nicht zu halten.
Dennis Diekmeier hatte viele sehr gute Szenen nach vorne. Das passte an diesem Tag zum HSV-Gesamtbild, denn nach vorne war der HSV hui, nach hinten noch zu oft pfui. Was mir an Diekmeier sehr gefiel: Wenn er den Ball hat, dann will er damit etwas „veranstalten“. Dann schaltet er seinen Turbo ein, dann geht er ab, dann ist er kaum zu halten. Er wartet dabei nicht lange ab, sondern ist immer bemüht, höchstes Tempo zu gehen. Ausgezeichnet.

Neben ihm spielte Mancienne, und der Engländer machte auf mich in diesem Spiel einen wesentlich besseren Eindruck als zuletzt im Training. Der junge Mann wirkt gelegentlich noch ein wenig „zerbrechlich“, aber er war dann da, wenn er gebraucht wurde. Deutlich zulegen muss er allerdings in Sachen Abspiel, da endete fast jeder zweite Pass noch beim Gegner.

Zweiter Innenverteidiger war diesmal Bruma, und der erhält von mir die Note zwei. Guter Mann, gutes Spiel, souverän, trotz seiner Jugend, guter Blick, ruhig, auch schon abgeklärt – das wird einer. Links Aogo, ohne Probleme, viele gute Szenen im Spiel nach vorne.

Tesche auf der Sechs eine glatte Drei. Holte sich viele Bälle, sah oft schon früh die Gefahr kommen und stellte die Räume zu – das kann durchaus was werden.

Davor ist zu Kacar alles gesagt, zu Jarolim muss nicht viel gesagt werden. Klasse. Undenkbar für mich, dass er aus dieser Mannschaft rausgenommen werden sollte. Das ginge gar nicht. Er macht ja fast keine Fehler, macht fast alles richtig – Prädikat unverzichtbar.

Rechts Ben-Hatira mit guten Szene, aber auch mit einigen zu „luschigen“ Abspielen und „unvollendeten“ Dribblings. Und in „Sachen Eckbällen“ muss er sich ganz einfach viel mehr konzentrieren, dass könnte er normal doch viel besser.

Links Elia schon in guter Verfassung, er begann relativ verhalten, taute dann aber auf und zeigte in einigen Szenen schon seine ganze Klasse. Auch mit ihm kann das in dieser Saison durchaus etwas werden. Auch eine Frage der Ansprache? Michael Oenning scheint auf einem guten Weg mit ihm.

Ganz vorne Son. Ein Tor, sehr beweglich, unternehmungslustig – und gut. Allein in der Spitze hat man es immer schwer, aber er machte das Beste daraus, er gefiel mir. Und scheint sich wieder jener Form zu nähern, die er vor einem Jahr bis zu seiner Verletzung hatte.

Sorry, liebe “Matz-abber”, ich habe dem guten Son ein Tor, sein Tor, geklaut – vielleicht deswegen, weil die Vorarbeit von Diekmeier so grandios war. Auf jeden Fall mein Fehler, ich (inzwischen trotz schweren Unwetters im Raum München nun im Zillertal gelandet!) entschuldige mich dafür in aller Form. Und danke jenen, die es in netter Form kritisiert haben.

Die Ersatzleute, die dann noch kamen, die erspare ich mir diesmal. Dafür ist dann das Trainingslager da.

19.02 Uhr