Tagesarchiv für den 1. Juli 2011

Aogo – Wortführer der neuen Generation HSV ****AKTUALISIERT****

1. Juli 2011

Der Neuaufbau des HSV hat begonnen. Und er hat seine Gründerväter. Da ist zu allererst natürlich Frank Arnesen, der neue Sportchef. Dann selbstredend der neue Vorstand mit Joachim Hilke, Interims-Boss Carl-Edgar Jarchow und natürlich der dienstälteste Vorstand Oliver Scheel. Und last but not least natürlich der Cheftrainer Michael Oenning. Wer jetzt allerdings glaubt, damit sei die neue Ahnengalerie bereits komplettiert, der irrt. Zum Glück, wie ich finde! Denn endlich erheben sich auch aus der Mannschaft Spieler, die sich um den Zusammenhalt kümmern und an der Entwicklung der Mannschaft mitwerkeln wollen.

Und dabei ist Dennis Aogo sicher als einer der Ersten zu nennen. Der Nationalspieler, der seit Donnerstag wieder im Training ist, gilt als einer der neuen Führungsspieler. Nicht zuletzt, weil er trotz aller widrigen Umstände erst vor kurzem seinen Vertrag bis 2015 verlängert hat und damit ein klares Bekenntnis zum HSV abgab. „Ich habe das ganz bewusst gemacht, weil der HSV für mich ein Glücksfall ist. Und das ist kein Gequatsche“, sagt Aogo, dem man ganz sicher „unterstellen“ darf, dass er vereinstreu ist: Sechs Jahre war er in Karlsruhe, zwei Jahre in Mannheim und dann noch mal sechs Jahre beim SC Freiburg. „Und jetzt bin ich schon in meinem vierten Jahr beim HSV. Das geht schnell“ Ein Vorbild sei für ihn Paolo Maldini, der sein Leben lang für den AC Mailand auflief. „Ein Leben lang nur für einen Verein zu spielen, wäre schon geil“, sagt Aogo und schwärmt für einen uns bestens Bekannten: „So wie Collo hier nach zehn Jahren verabschiedet wurde, das ist mein Ziel. Collo hat es sich verdient. Und obwohl er sicher nicht immer Stammspieler war, wurde er so gefeiert verabschiedet. Das will ich auch erreichen, es gibt definitiv nichts Geileres.“

Allerdings muss alles harmonieren. Sprich: der Erfolg des HSV und seine Karriereplanung müssen harmonieren. Mehrere Jahre ohne internationalen Wettbewerb sind da nicht drin, oder? „Nein“, sagt Aogo, „aber der HSV ist von seinen Gegebenheiten her zu gut, um langfristig im Mittelmaß zu spielen. Deshalb empfinde ich es auch nicht als allzu mutig wenn ich sage, dass ich mir gut vorstellen kann, hier noch 3 bis vier Jahre zu bleiben.“ Oder eben eine ganze Karriere lang.

Aogo ist der Inbegriff des neuen Stils. 25 Jahre alt und Führungsspieler. Ob ihn das bislang noch unbestimmte Kapitänsamt reizen würde? Aogo lacht. Er will dem aktuellen Kapitän Heiko Westermann nicht in den Rücken fallen. „Es ist schon allein die Tatsache eine Ehre, ein Kandidat zu sein. Ich sage besser gar nichts, weil jedes Wort falsch wäre und ein Fass aufmachen würde, das wir nicht brauchen.“ Zudem sei er mit der Amtsausübung des bisherigen Kapitäns sehr zufrieden. „Heiko und ich sind wie eine Seele. Er ist ein guter Kapitän, der sich nie verpisst. Der stellt sich – immer. Egal, wie das Spiel gelaufen ist, Heiko stellt sich immer vor die Mannschaft. Für mich ist er eine absolute Bereicherung für den HSV.“

Und einer von vier, fünf Spielern, die die neue Hierarchie beim HSV anführen sollen. Schon in der vergangenen Saison hätten sich drei, vier Spieler intern hervorgetan und sich um mehr Zusammenhalt bemüht. Allerdings sei die Kaderzusammenstellung so gewesen, „dass es zu viele Spieler gab, die wichtig waren.“ Mit den aktuellen Neuzugängen sei das anders. „Es lagen einfach zu viele Generationen zwischen den jungen und den alten Spielern zuletzt“, sagt Aogo, „es war einfach schwierig, sich aufeinander abzustimmen, weil es zu viele starke Charaktere gegeben hätte.“ Das habe sich inzwischen etwas sortiert, wobei Aogo den totalen Umbruch personell nicht sieht. „Wir haben noch immer genug Spieler mit Erfahrung. Heiko, Drobny, Jaro ist im gefühlt 40. Bundesligajahr, Mladen, Paolo und auch ich bin schon im vierten Jahr dabei – wir alle haben Erfahrung und werden in die Pflicht genommen.“

Schon deshalb habe er ein sehr gutes Gefühl. Immerhin gilt es die Hierarchie neu zu ordnen, nachdem alte Platzhirsche den Verein verlassen haben. „Ich glaube, dass es dieses Jahr leichter wird, eine funktionierende Hierarchie zu finden. Die, die jetzt in die Verantwortung genommen werden, sind gute Typen, die auch letztes Jahr schon positiv waren. Und das ist deutlich wichtiger, als rumzuschreien und sich öffentlich zu beschweren.“

Ein deutlicher Seitenhieb in Richtung – nun gut, da kann sich jeder selbst seinen Reim drauf machen…

Aogo wirkt klar. Dass er ein helles Köpfchen ist, war lange klar. Trainer Michael Oenning hatte ihn sogar schon in der vergangenen Saison als Führungsspieler bezeichnet und entsprechend in die Verantwortung genommen. Und jetzt will sich Aogo einbringen, bei der Gestaltung der neuen Hierarchie einen Platz in der Spitzengruppe einnehmen. „Wir haben die große Chance, endlich eine ordentliche Struktur herzustellen. Das allein ist keine Garantie für Erfolg – aber ein guter Anfang. Zumal, wenn junge Spieler woran und an wem sie sich orientieren können.“ Wie er selbst die Neuen sieht? „Ich glaube, Bruma kann einer sein. Ich habe ein paar Mal mit ihm gesprochen, ihn auf dem Platz gesehen und glaube, das inzwischen einigermaßen gut einschätzen zu können. Jeffrey wirkt einfach geerdet, ist sehr positiv.“ Das wiederum gelte für Gökhan Töre nicht zwingend. „Ich habe schon ein paar Sachen gehört. Er ist eben ein sehr emotionaler Typ und scheint kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er ist sehr selbstbewusst, was grundsätzlich gut ist und was wir gut gebrauchen können. Wenn er seinen Worten keine Taten folgen kann, dann allerdings nicht.“

Nicht aufgeben will Aogo indes seine Nationalmannschaftskarriere. Allen Hindernissen zum Trotz, gibt er sich selbstbewusst. Dass Philipp Lahm von der rechten auf seine linke Seite gezogen wird? „Okay. Aber ich will ein guter Backup sein, um dann, wenn ich gebraucht werde, da zu sein. Wie schnell sowas gehen kann, wissen wir alle.“ Ob er Angst habe, ob des fehlenden internationalen Wettbewerbes mit dem HSV auch in der Nationalmannschaft Nachteile zu haben? „Nein. Ich glaube, dass unser Bundestrainer genau weiß, worauf er setzen muss. Löw lässt sich nicht blenden von kurzfristigen Mannschaftserfolgen. Er stellt das nicht über alles.“ Das Beispiel des Kölners Lukas Podolski zeige das doch schon. „Der spielt auch nicht international und wird das wohl auch lange nicht mehr“, sagt Aogo.

Der Linksverteidiger, der im Urlaub auf Kreta Probleme hatte, „am unfassbaren Nachtisch-Büffet vorbeizugehen“, hat seine neue Rolle bereits angenommen. Dass selbst beim HSV mit Marcell Jansen unerwartete Konkurrenz droht, nachdem sich dieser öffentlich als Linksverteidiger beworben hatte („Ich muss mich auf eine Position festlegen und sehe da meine größte Stärke“) – kein Problem für Aogo. „Ich habe da drei Jahre gespielt. Wenn ich meine Sache gut mache, dann spiele ich auch weiter da.“

Aogo hat seine neue Rolle bereits eingenommen. In beeindruckender Weise, wie ich finde. „Wir haben mit ein paar Jungs schon letztes Jahr darüber gesprochen, bei uns etwas verändern zu müssen“, sagt der 24-Jährige und kündigt an: „Es wird ganz sicher mehr gemeinsame Aktionen mit allen zusammen geben, als in den letzten Jahren…“

Das klingt gut. Und obwohl es bislang nur Worte sind, ist es allemal ein guter Anfang.

In diesem Sinne,

Scholle

P.S.: Ich wollte Euch nicht zu lange warten lassen. Und da das Spiel erst gegen 20.15 Uhr beendet sein wird, habe ich diesen Blog schon mal reingestellt. Ich melde mich aber nach dem Spiel gegen die Nordfriesland-Auswahl noch mal hier in diesem Blog mit einem Update.

P.P.S.: Seit gestern ist der Vorstand auf Sylt und heute zum Teil wieder abgereist. Allerdings nicht ohne an einer Einheit teilzunehmen. Beim morgendlichen Fahrradfahren setzte sich Marketing-Vorstand Joachim Hilke mit auf den Drahtesel – und landete in der Spitzengruppe. Sieger der Tour wurde übrigens Dennis Diekmeier, der von Klubboss Carl-Edgar Jarchow ein gelbes Leibchen als Sieger-Jersey überreicht bekam.

*******9:0 im Test gegen Nordfrieslandauswahl*****

„Die Jungs haben sich gut bewegt“, war Trainer Michael Oenning nach dem 9:0-Testspielsieg gegen die Nordfrieslandauswahl (Verbands- und Landesliga-Spieler) gut gelaunt. Die Tore erzielten Son (11., 43. Und 73. Minute), Ben-Hatira (34.), Kacar (42.), Jansen (47.), Nagy (70.) und Arslan (75., 82.).

Ein lockerer Aufgalopp – mehr war es nicht. Wenig sportlich relevante Erkenntnisse – bis auf die Tatsache, dass Neuzugang Gökhan Töre noch immer nicht angekommen zu sein scheint. Während des Spiels verschleppte er die Bälle und handelte sich mehrfach lautstarke Kritik von der Seite sowie von seinen Mitspielern ein, was den jungen Deutsch-Türken immer wieder dazu veranlasste, divenhaft kopfschüttelnd stehen zu bleiben. Hier hat der HSV noch eine Menge Arbeit vor sich, wenn der erste Neuzugang nicht schon nach wenigen Wochen durchgefallen sein soll…

Ansonsten wusste in der ersten Halbzeit Dennis Diekmeier mit langen Sprints und gefährlichen Vorstößen über rechts, sowie in der zweiten Hälfte Muhamed Besic als Vorlagengeber für Son und Arslan, der ebenfalls auffällig agierte, zu gefallen.