Monatsarchiv für Juni 2011

Frei-Würstchen statt Frei-Bier

23. Juni 2011

Sonntag ist Trainingsstart beim HSV im Volkspark. Heute saßen deshalb schon mal die Trainer beisammen und erstellten das Programm der nächsten Tage und Wochen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Ist jedenfalls nicht so, wie bei einem HSV-Trainer, der morgens in die Kabine gehechelt kam und in die Runde der Assistenten fragte: „Welchen Tag haben wir heute?“ Die Antwort kam blitzschnell: „Donnerstag.“ Daraufhin der Coach: „Dann bist du ja dran mit Programm machen . . .“ Und sah dabei einen seiner Assistenten ganz fest in die Augen. Überredet – woll’n mal sagen jetzt.

Da es heute – meines Wissens – keine An- und Verkäufe beim HSV gegeben hat und gibt (liegt wahrscheinlich daran, dass ich an Einfluss beim HSV verloren habe – wie ich in diesen Tagen gelernt habe!), will ich mit der Trainer-Serie fortsetzen. Das heißt, bei David Rozehnal hat sich in Sachen Verkauf an den französischen Doppelmeister Lille etwas getan (zu 99 Prozent perfekt), aber damit will ich nicht mehr langweilen. Aktuell gibt es ansonsten noch einen neuen Sponsor beim HSV: Hareico. Das Würstchen. Davon wirft der neue HSV-Partner am Sonntag 1500 Exemplare auf den Markt, wenn Training ist. Klub-Boss Carl-Edgar Jarchow und Vize Joachim Hilke sollen sich für diese Würstchen am Grill versuchen . . . Dann gibt es am Sonntag ein neues Motto. Fußballer grölen ja gern mal in die feuchtfröhliche Runde. „Wie trinken wir am liebsten? Umsonst!“ Wie essen wir aber am Sonntag am liebsten? Umsonst!
Bei uns da bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Volkspark-Wald . . .

So, nun aber zu Doll. Der ist der nächste in der Reihe der HSV-Trainer. Thomas Doll. Der inzwischen 45-jährige ehemalige Publikumsliebling in Hamburg will ja nicht mehr „Dolly“ genannt oder gerufen werden, und ich halte mich strikt daran. Doll hat in seiner Vergangenheit „aufgeräumt“ und möchte nicht mehr der liebe „Dolly“ von nebenan sein, sondern ein respektierter Trainer. Ich finde das auch sehr gut so.

Um es vorweg zu sagen: Ich halte Thomas Doll für einen guten, sogar sehr guten Trainer. Nun habe ich hier bei „Matz ab“ gelesen, dass alle HSV-Trainer bei mir gut sein sollen – das kann sogar sein. Nur haben die meisten von ihnen es nicht geschafft, aus dem vorhandenen „Material“ eine verschworene Einheit zu formen. Als Doll am 18. Oktober 2004 von Toppmöller übernahm, konnte er mit seiner forschen, netten, menschlichen und auch fachlichen Art gleich einiges bewegen. Doll brachte Leben in die Bude, er weckte die Begeisterung der Spieler, er war mit Leidenschaft bei der Sache – und er ging tatsächlich mit gutem Beispiel voran. Thomas Doll war morgens der erste Mann in der Arena, und abends meistens auch der letzte Mann der Profi-Abteilung, der nach Hause fuhr. Ich will damit sagen, dass er sich wirklich für den Klub eingesetzt hat, dass er kein „Schön-Wetter-Trainer“ war, sondern dass er Einsatz gezeigt hat.

Schon bei den Amateuren (in Ochsenzoll) war mir aufgefallen, wie gut sein Draht zur Truppe war. Wobei er nicht nur lieb und nett war, sondern auch gelegentlich kräftig „dazwischendonnern“ konnte. Wenn Doll laut wurde, dann wackelte die Heide. Aber er konnte das sehr gut dosieren, alles zu seiner Zeit.

Er führte den HSV nach zunächst verkorkstem Saisonstart (unter Toppmöller) noch auf Platz acht: UI-Cup-Teilnahme, UI-Cup-Gewinn und Start im Uefa-Pokal. Und noch besser kam es im nächsten Jahr: Platz drei in der Bundesliga, Start in der Champions League.

Ich kenne Thomas Doll als zugänglichen, liebevollen und stets netten Menschen. Der voller Optimismus an die ihm gestellten Aufgaben heran ging. Eine Momentaufnahme des lieben und herzensguten „Dolly“? Als er eines Tages nach der Arbeit (Training) aus der Kabine der Arena trat, standen dort am Zaun, wo sich sonst stets viele Autogrammjäger herumdrängeln, nur drei kleine Knaben. Die wollten zweifellos ebenfalls Autogramm sammeln. Aber beim Trainer? Da trauten sie sich nicht. Also ging Doll vorbei. Aber fragte so unschuldig in die Runde: „Na?“ Keine Antwort der Knaben. Als der Coach vorbei war, sagte er vor sich hin: „Ich steige nun in mein Auto . . .“ Er kommentierte quasi jeden seiner Schritte. Als er in sein Auto stieg, hieß es: „Jetzt fahre ich gleich nach Hause . . .“ Noch immer keine Reaktion der drei kleinen HSV-Fans. Doll schloss die Tür, ließ aber das Seitenfenster runter: „Jetzt bin ich gleich weg . . .“ Keine Reaktion hinter der Barriere. Dann stieg Thomas Doll wieder aus dem Auto aus, ging auf die Knaben zu und fragte, was sie nicht fragen wollten: „Wollt ihr ein Autogramm?“ Jetzt freuten sich die Jungs, sie strahlten über das ganze Gesicht – und nickten. Doll fragte nach jedem Namen, schrieb Autogramme mit Widmung (fast so lang wie ein Buch), und stieg dann freudig in den Wagen – und weg: Na bitte, es geht doch.

Den „anderen“ Thomas Doll erlebte ich beim Champions-League-Spiel bei ZSKA Moskau. Der HSV war nicht schlechter als die Russen, aber er verlor 0:1. Auch deshalb, weil sich niemand in der Truppe so richtig aufraffen konnte, Einsatz und etwas mehr Leben zu zeigen. Zur Erinnerung: Damals begann folgende HSV-Mannschaft: Wächter, Mahdavikia, Reinhardt, Kompany, Mathijsen, de Jong, Jarolim, Wicky, Sorin, Ljuboja, Sanogo. Doll war nach dieser überflüssigen Niederlage völlig am Boden, einige im Umfeld des HSV-Teams machten sich im Laufe der Nacht schon Sorgen, dass etwas Unvorhergesehenes mit dem Trainer passieren könnte . . . Egal was. So aber, so wie an diesem 26. September 2006, so habe ich Thomas Doll nie wieder erlebt. Er war down, er hing einfach nur total durch, weil er absolut (und völlig zu recht) von seiner Truppe enttäuscht war. Der sonst so eloquente Herr Doll, in dieser Nacht sagte er gar nichts mehr, da war er nur noch stumm wie ein Fisch . . .

Es gab in jener Saison, seine letzte beim HSV, einfach zu viele Verletzte im HSV-Kader. Zudem war die Truppe schon zu jenem Zeitpunkt keine Einheit mehr, sie begann zu bröckeln, jeder kochte sein eigenes Süppchen – und keiner hatte mehr so richtig Lust, dem Trainer zu folgen. Der Absturz kam unweigerlich, der HSV hielt bis zuletzt zu Thomas Doll – bis es nicht mehr ging. Ich gebe zu, an jenem 2. Februar 2007, als Huub Stevens den HSV als Tabellenletzter übernahm, habe ich nicht mehr an den Klassenerhalt geglaubt. Dass letztlich noch Platz sieben erreicht wurde, das war ein Verdienst der Herren Stevens und Rost. Dazu an anderer Stelle mehr.

Nur noch einen kurzen Satz zu Thomas Doll. Er war zuletzt in der Türkei tätig, hat bei Genclerbirligi einen wirklich guten Job gemacht (der Klub war immer ein Abstiegskandidat) und ist nun zurzeit arbeitslos. Vor Wochen war er bei Eintracht Frankfurt im Gespräch, schade, dass das nicht geklappt hat – ich häte es ihm gegönnt. Auch dshalb, weil er ein sehr guter Trainer ist. Und weil er sich geändert hat. Kein “Bruder Leichtfuß” mehr, sondern ein ernsthafter Trainer. Deswegen hoffe ich für ihn, dass er schon bald einen neuen Klub bekommt. Damit er es allen zeigen kann. Der Thomas Doll.

So, und zum Abschluss des heutigen Tages nun noch ein Beitrag von Euch. Folgende Zeilen haben mich erreicht, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

„Hallo Dieter,
falls noch ein Sommermärchen gebraucht wird, hier ist eines:

Wie ich zum HSV kam? Ich bin in Hamburg-Altona geboren und aufgewachsen. In der Grundschule hatte ich einen Klassenkameraden, Helmut B., mit dem ich häufig auf dem Schulhof Fußball gespielt habe. Sein großer Bruder war auch dabei, und das Spiel ging so: Zwei Tore standen auf gleicher Linie nebeneinander, die Torpfosten bestanden aus Jacken, Schultaschen o. ä. Der mittlere Torpfosten war zugleich der rechte bzw. linke Pfosten der beiden Tore. Helmut und ich hüteten jeweils ein Tor und Helmuts großer Bruder schoss abwechselnd auf die beiden Tore. Es ging dabei auch um Sieg oder Niederlage.

Helmut „war“ dabei Altona 93, das wäre ich auch gerne gewesen . . . Ich fragte ihn dann: „Und welcher Klub bin ich?“ Helmuts großer Bruder darauf: „Du bist HSV.“ Da war ich vielleicht sieben oder acht Jahre alt, und so wurde mein Fan-Dasein früh festgelegt.
Und im Laufe der Jahre festigte sich die Bindung zum HSV mehr und mehr.

Da das Geld zu Hause knapp war, bin ich auch schon mal von Altona (ich wohnte gleich am Bahnhof) zu Fuß zum Rothenbaum gelaufen, um ein Heimspiel des HSV zu sehen. Und das ging auch schon mal ohne eine Eintrittskarte. Leider war das Spiel ausverkauft, ich glaube es ging gegen Werder, aber ich wusste mir zu helfen. Ich bin in eines der Miethäuser an der Rothenbaumchaussee gegangen und habe im obersten, im vierten Geschoss geklingelt und gefragt, ob ich auf dem Balkon das Spiel sehen dürfe. Ich durfte, der Balkon war zwar schon gut besetzt, aber ich kleiner Purks passte noch mit drauf.

Ich gehörte auch zu denen, die mal in der Rothenbaum-Arena über die Köpfe der Besucher hin weg nach unten befördert wurde, damit ich gut sehen konnte.

Als ich in das Teenager-Alter kam, hatte ich das Glück, auf dem Allee-Sportplatz in Altona mit Gert Dörfel zu kicken (wir sind etwa ein Jahrgang), später kam auch sein Bruder Bernd dazu. Und noch später konnte ich Charly dann am Rothenbaum bewundern.
Ich erinnere mich auch an Heinz Spundflasche und seinen Tabakladen in der Bahrenfelder Straße.

Wenn man so früh auf einen Verein geprägt wird, legt man das später nicht wieder ab (das will ich auch gar nicht). Zum Glück ist meine Frau, die beste aller Ehefrauen, ebenfalls an Fußball interessiert – und natürlich Fan des HSV. Wir haben seit vielen Jahren Dauerkarten. Und bei unseren beiden Jungs ist diese HSV-Saat ebenfalls früh gelegt worden.

Ich nutze den Matz-ab-Blog von Anfang an, habe auch hin und wieder Stellung genommen. Ich freue mich, dass es diese Möglichkeit des Fan-Austausches gibt.

Danke, Dieter, für die Mühe und Geduld,
Theophil.“

18.07 Uhr

Arnesen: “Uns fehlt noch ein Kreativer”

22. Juni 2011

Dunkle Anzughose, hellblaues Hemd und ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht – Frank Arnesen sah heute mal wieder genau so aus, wie wirklich immer, wenn wir ihn zu Gesicht bekommen. Das Einzige, was fehlte, war sein Jackett mit den Flicken an den Ärmeln, wie mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Linne, entschuldige!) völlig berechtigt anmerkte. Neu waren allerdings einige Dinge, die er uns heute offenbarte.

Zuerst ging es natürlich darum, inwieweit der HSV-Sportchef mit dem bisherigen Verlauf der Transfers zufrieden ist. Und er antwortete, er sei grundsätzlich zufrieden, da er bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg im Klaren darüber gewesen sei, dass viele Spieler gehen würden, demnach auch viele Neue geholt werden müssten und er damit vor einem Mammutwerk stünde. „Bislang sind acht Spieler gegangen und vier Neue geholt. Also: Wir wollen auf jeden Fall noch etwas machen.“

Muss der HSV auch. Das sieht auch Arnesen so. „Bislang haben wir junge Leute geholt. Drei davon sind gerade mal 19 Jahre alt. Sala und Töre brauchen sicherlich noch ein Jahr, um sich optimal zu entwickeln. Das müssen wir ihnen geben, mit ihnen Geduld haben. Insgesamt wird unser Kader deutlich jünger. Und ich denke, dass das gut so ist.“ Ob es auch schon gut genug ist, um Ziele zu formulieren? „Wir nehmen ein hohes Risiko – aber ich habe Vertrauen“, so Arnesen, der insbesondere auf Michael Oenning als Cheftrainer setzt: „Er hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann.“

Arnesen hat einen Plan. Das merkt man. Gestern hat er intensiv mit Eljero Elias Berater gesprochen und deutlich gemacht, dass der HSV den Niederländer nicht abgeben will und wird. „Ich hatte auch vor der Sommerpause mit Eljero selbst telefoniert und er hat mir gesagt, dass er zu 100 Prozent zum HSV steht. Er weiß, dass wir ihn nicht abgeben wollen.“

Und da auch Romeo Castelen vom Mannschaftsarzt als 100-prozentig fit erklärt wurde und einen neuen, leistungsbezogenen Einjahresvertrag bekommt, sieht sich Arnesen gewappnet. „Wir sind defensiv und auf den Außenbahnen gut aufgestellt. Wir suchen jetzt in erster Linie noch einen Kreativen, haben da einige Kandidaten.“ Sogar einen, der in die ganz enge Auswahl kommt. „Aber bevor ich hier einen Namen nenne, muss ich erst mit dem abgebenden Verein sprechen.“ Klar sei, dass der HSV künftig offensiver spielen, attraktiver spielen will. „Unser System wäre bei der Besetzung fast logisch ein 4-3-3-System“, so Arnesen, der dieses auch in der Jugend spielen lassen will. „Ich habe mit Paul Meier gesprochen und wir sind uns einig, ein 4-3-3-System mit einem Zehner spielen lassen zu wollen.“ Denn, und das ist Arnesens Hintergedanke, „jeder Flankenspieler kann auch im Mittelfeld spielen – aber nicht jeder Mittelfeldspieler kann auch die Außenbahn spielen“.

Und wo wir gerade bei der Jugend sind, hier gibt’s doch noch eine kleine Überraschung. Zuletzt galt der noch von Urs Siegenthaler inthronisierte Schweizer Paul Meier als Jugendchef als gescheitert. Jetzt aber die Wende: „Ich habe lange mit Paul gesprochen und gesehen, dass er einen sehr guten Plan hat“, sagt Arnesen, „wir werden uns das jetzt in den nächsten Monaten ansehen und dann noch mal unterhalten.“ Dafür soll Meier jetzt im Gegensatz zur bisherigen Zeit beim HSV auch sonnabends in Hamburg weilen, dafür sonn- und montags seine Familie in der Heimat besuchen können. „Das ist auch noch nicht ganz optimal, aber okay“, so Arnesen.

Was aus Bastian Reinhardt wird, der ja eigentlich gerade erst zum Jugendchef berufen wurde? Arnesen diplomatisch: „Basti wird sich um die technischen Dinge kümmern und die Schnittstelle zwischen U19 und U23 bilden.“ Denn Letztgenannte werden jetzt definitiv ab dem 1. August neben den Profis an der Imtech-Arena trainieren. „Basti kümmert sich um Verträge und die Koordination, Paul Meier ist für die sportliche Ausbildung von Spielern und Trainern verantwortlich“, erklärt Arnesen.

Nun denn, zurück zum Profibereich. Hier gibt es noch viele Baustellen. Eine davon wird oder wurde vielleicht sogar schon abgearbeitet: David Rozehnal wechselt zum OSC Lille und unterschreibt bei den Franzosen einen vertrag bis 2014. Glückwunsch dafür an David! Auch an den HSV? „Ja“, sagt Arnesen, „wir kriegen zwar nicht viel, aber es ist okay. Und wir brauchen jeden Cent. Deshalb sind wir zufrieden.“

Und auch bei Alex Silva hofft Arnesen auf baldigen Geldsegen. „Ich habe mich am Dienstag mit seinem Berater getroffen und es gibt drei Interessenten in Brasilien“, erklärt Arnesen, „und er will gern in Brasilien bleiben.“ Zwar liegt Silvas aktueller Klub Sao Paulo im Clinch mit dem Innenverteidiger und hat von einem Kauf inzwischen Abstand genommen, dennoch ist ein Verkauf des Defensivmannes nach Brasilien nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Priorität hat weiterhin ein Verkauf“, so Arnesen, der damit allerdings auch einen weiteren Verleih nicht ausschließt. Geklärt sein muss das allerdings bis zum 15. Juli (obwohl Silva bis zum 31. Juli einen Vertrag bei Sao Paulo hat), weil dann in Brasilien die Transferperiode endet.

Eine weitere Baustelle ist Guy Demel, für den es jetzt drei Angebote aus England geben soll. „Ich habe mich lange mit Guys Berater unterhalten und er hat mir von den Interessenten berichtet“, sagt Arnesen, „es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch vor dem Trainingsstart einen neuen Klub findet.“ Für die entsprechende Ablösesumme wohlgemerkt.

Sollte die stimmen, dürfte auch der Transfer von Jonathan Pitroipa schnell über die Bühne gehen. Arnesen bestätigte die Anfrage von Stade Rennes, „aber ein offizielles Angebot liegt uns bis heute nicht vor“. Und da der HSV den pfeilschnellen Außenstürmer nicht unbedingt abgeben will, ist auch dessen Verbleib nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. „Kommt nichts, ist das auch nicht schlimm“, sagt Arnesen, wohlwissend, dass die Millionen bei der Suche nach einem Kreativspieler helfen würden.

Auch deshalb gilt für den HSV: abwarten. „Noch hat sich wenig bewegt auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, der auch den Kauf eines arrivierten Spielers ins Auge gefasst hat – dafür aber wie erwähnt erst noch Geld durch Verkäufe einholen will/muss. „und dann müssen wir im richtigen Moment am richtigen Fleck sein.“

Und dann gab Arnesen – fast nebenbei – das Saisonmotto aus: „Die älteren, erfahrenen Spieler wie Drobny, Jarolim, Aogo, heiko Westermann und Mladen Petric sind unsere Achse. Sie müssen stehen, während die jungen Spieler immer wieder lernen dürfen müssen und Fehler machen dürfen.“

Selbst der harte Saisonstart stört Arnesen nicht. Im Gegenteil, er macht auf Optimismus. „Das erste Spiel zu haben, wo nur wir und keiner sonst spielen, ist fantastisch. Vor 80000 in Dortmund, dazu 8000 eigene Fans im Stadion – besser geht’s kaum.“ Dass ein solcher Start auch Druck ausübt, ist für den Alt-Internationalen kein besonderes Thema. „Wir haben immer Druck, ganz klar. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen, sondern müssen mit ihm umgehen. Und das bedeutet, Druck in Energie umzusetzen.“

Klingt gut. Wie so ziemlich alles, was Arnesen bislang von sich gibt.

In diesem Sinne, bis Freitag. Morgen ist Dieter für Euch da.

Scholle
17 Uhr

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Mickael Tavares darf ablösefrei wechseln. „Es gibt Interessenten“, so Arnesen, der hofft, den Transfer schon in den nächsten Tagen abwickeln zu können.

P.P.S.: Der Termin für den Saisonauftakt steht. Am Sonntag um 14 Uhr (an oder in der Imtech-Arena) wird Oenning die erste Einheit der neuen Saison leiten.

Dortmund ist der Hammer

21. Juni 2011

Jetzt ist es also amtlich. Dortmund in Dortmund! Welch ein Auftakt! Als ich davon erfuhr, dachte ich sofort an Axel Formesyn und sein Buch „Unser HSV“. Da steht, so erinnere ich mich, ein Zitat des damaligen HSV-Spielers Thomas von Heesen, de sich in jener Zeit mit einem ähnlichen „Hammer“-Spielplan für den HSV konfrontiert sah. Und der gute „Tommy“ sagte, so das Buch: „Da werden wir nach sieben Spielen dann 0:14 Punkte haben.“ So oder so ähnlich steht es da. Ich habe Thomas von Heesen dazu angerufen, haben ihn mit dem HSV-Auftakt bekannt gemacht und er sagte: „Dass ich einen 0:14-Start vorhergesagt haben soll, daran kann ich mich nicht erinnern. Das stimmt bestimmt nicht. Dann hätte ich ja gleich aufhören können, zu spielen. Nein, nein, ich würde sagen, dass ich so etwas nie gesagt habe . . . Ich meinte wahrscheinlich 14:0 Punkte für den HSV.“

Egal, Schnee von gestern. In Dortmund, gegen Hertha, in München (beim FC Bayern) und daheim gegen Köln – was ist da drin – für den HSV? Von Heesen: „Sechs Punkte hat der HSV nach vier Spielen. Natürlich wird es in Dortmund und beim FC Bayern schwer, gerade weil sich die HSV-Mannschaft im Umbruch befindet, aber die Heimspiele werden gewonnen, davon bin ich überzeugt, da habe ich keinerlei Bedenken. Hertha wird sich als Aufsteiger ins Hemd machen, wenn sie nach Hamburg kommt, und Köln? Der FC ist zwar unberechenbar, aber in Hamburg muss es ganz einfach gegen die Kölner zu einem Heimsieg langen.“

Dass gleich zu Anfang Meister und Rekordmeister auf den HSV lauern, dass ist für Thomas von Heesen kein Beinbruch: „Wer weiß heute, wie die zu Saisonbeginn drauf sind? Und das Gute für den HSV ist ja, dass dann schon die beiden größten Brocken hinter uns liegen – ich sehe das ganz entspannt.“

Ähnlich geht es auch anderen HSVern. Trainer Michael Oenning sagt: „Jetzt wissen wir, was auf uns zukommt. Unter Flutlicht beim BVB – das ist natürlich ein echter Hammer-Auftakt.
Unser letztes Spiel gegen Dortmund hier in Hamburg ist ja vielen noch in Erinnerung. Ich gehe davon aus, dass unsere Fans uns gleich in Dortmund den Rücken stärken werden. Wir werden uns in den nächsten Wochen gut vorbereiten. Auch die darauffolgenden Spiele haben es ja in sich.”

HSV-Sportchef Frank Arnesen: „Wir nehmen diese Herausforderung voll an. Wir werden probieren, gleich stark zu sein. Erst in Dortmund, dann gegen Hertha und dann zu den Bayern – was für ein Auftakt. Unsere Spieler werden sofort Spannung aufbauen. Ich freue mich auf die Saison.”

HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow: „Das Auftaktspiel wird immer mit großer Spannung erwartet. Es freut uns, dass wir daran beteiligt sind. Wie vor drei Jahren, damals gab es ein 2:2 in München. Das letzte Spiel gegen Dortmund hier bei uns in Hamburg war sicher eines der emotionalsten der vergangenen Saison. Hoffentlich sehen wir wieder ein ähnliches Spiel. Die Mannschaft hat unsere volle Unterstützung.”

Kapitän Heiko Westermann: „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, um gut vorbereitet in die ersten Spiele zu gehen. Ich bin optimistisch, dass wir uns vom Start weg gut verkaufen werden. Wenn wir als Mannschaft funktionieren, können wir in jedem Spiel etwas reißen. Auch beim
Deutschen Meister.”

Die HSV-Spiele der Hinrunde auf einen Blick:

1. Spieltag: Borussia Dortmund – HSV
2. Spieltag: Hamburger SV – Hertha BSC Berlin
3. Spieltag: Bayern München – HSV
4. Spieltag: HSV – 1. FC Köln
5. Spieltag: Werder Bremen – HSV
6. Spieltag: HSV – Bor. Mönchengladbach
7. Spieltag: VfB Stuttgart – HSV
8. Spieltag: HSV – Schalke 04
9. Spieltag: SC Freiburg – HSV
10. Spieltag: HSV – VfL Wolfsburg
11. Spieltag: HSV – 1. FC Kaiserslautern
12. Spieltag: Bayer 04 Leverkusen – HSV
13. Spieltag: HSV – 1899 Hoffenheim
14. Spieltag: Hannover 96 – HSV
15. Spieltag: HSV – 1. FC Nürnberg
16. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – HSV
17. Spieltag: HSV – FC Augsburg

Heiko Westermann hat einen ganz entscheidenden Satz gesagt: „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, um gut vorbereitet in die ersten Spiele zu gehen.“ Das trifft es ja genau. Wenn ich vor Wochen noch gesagt habe, dass Frank Arnesen mein großer Hoffnungsträger für die kommende Saison ist, so muss ich nun gestehen, dass inzwischen Michael Oenning an meine persönliche Nummer eins (in der Hoffnungsskala) gerückt ist. Warum? Oenning hatte in der vergangenen Saison erkannt, als er Chef geworden war, dass diese Mannschaft nicht so sehr viel drauf hat. Damit lag und liegt der Trainer ja genau richtig. Wenn er diesen jungen Burschen nun Luft und Kraft für 90 Minuten und mehr „einimpfen“ kann, wenn der HSV endlich einmal volle 90 Minuten rennen, kämpfen und spielen kann, dann muss das och was werden – das mit der neuen Saison. Aber dazu muss Oenning eben (und Günter Kern) richtig Gas geben – so wie es einst auch gute Sitte im Profi-Fußball war.

Ich habe hier zuletzt auch gelesen, dass der HSV auf keinen Fall noch einen neuen Stürmer holen sollte – da bin ich ganz anderer Meinung. Ich trete – und zwar vehement – dafür ein, dass noch ein junger, quirliger Angreifer geholt wird, der auch dorthin geht, wo es weh tut. Aber, das sage ich mir auch selbst, es wird wohl ein frommer Wunsch von mir bleiben. Der HSV wird, so denke ich, eher einen offensiven Mittelfeldspieler holen, der in eine Art Spielmacher-Rolle schlüpfen soll, schlüpfen wird.

Und vielleicht, so tröste ich mich derzeit, wird ja auch der junge Heung Min Son wieder dort anknüpfen können, wo er vor genau einem Jahr stand. Erinnert noch jemand das Auftaktspiel gegen Manchester City? Als er das Siegtor schoss – und sich dabei schwer verletzte? Nun hat er eine lange Sommerpause hinter sich, und er dürfte jetzt wieder unbeschwert angreifen wollen und können – vielleicht ist er ja dann mein „neuer HSV-Stürmer“.

Von anderen „Neulingen“ oder verkauften Spielern ist ansonsten auch heute nichts zu vermelden – still ruht der See. Aber da nun die Sommerpause allmählich zu Ende zu gehen scheint, werden wir uns damit trösten, dass nun die Tage, an denen Entscheidungen getroffen werden müssen, näher kommen. Zwangsläufig.

Zwei kleinere Sachen noch:

An diesem Mittwoch findet die Beerdigung des ehemaligen HSV-Verteidigers Gerd Krug statt, der Sonntag vor einer Woche völlig überraschend im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

Und wer auf die Fortsetzung der Trainer-Serie wartet: Auf Kurt Jara folgte am 23. Oktober 2003 Klaus Toppmöller. Er blieb nur bis zum 16. Oktober 2004, mein Verhältnis zu ihm war okay. Er wurde und wird von vielen Kollegen als kein guter HSV-Trainer gehandelt, sicher war er das auch nicht, aber ich habe ihn auch nicht so schlecht gesehen, wie er danach gemacht wurde. Ahnung vom Fußball hatte er sicherlich, ob er sich zu 100 Prozent mit der Raute identifiziert hat, das weiß ich allerdings nicht, ich glaube, dass er entlassen wurde, bevor er sich voll mit dem HSV einig sein konnte. Dieses hundertprozentige HSV-Engagement von Toppmöller, das muss ich zugeben, das hat mir schon gefehlt. Ansonsten war er in der Zusammenarbeit ein Profi, da gab es von meiner Seite aus nichts zu meckern (was andere Kollegen aber sehr wohl taten – und tun). Wenn ich Schulnoten für die HSV-Trainer (miener Zeit) vergeben würde, so würde Toppmöller bei mir eine Vier bekommen.

Bevor ich nun zum Schluss komme, möchte ich Euch noch mit einer kleinen, aber sehr feinen Sommergeschichte den Feierabend versüßen. Ich freue mich, dass ein User den Mut dazu hatte – und sage ausdrücklich ganz herzlichen Dank dafür. Es geht los:

Hallo Dieter, du hast uns während der Sommerpause 2010 mit vielen Sommergeschichten „gefüttert“. Diese zu lesen hat mir sehr viel Freude bereitet und nun möchte auch ich meine kleine Geschichte erzählen.

Ich bin hier im Forum unter dem Nick „Blanket“ angemeldet. Ich lebe in der Nähe von Lüdenscheid, also relativ fern ab meines Hamburger Sport Vereins. Bin Jahrgang 1968 und seit exakt 1982 Fan des HSV. Nahe liegend wäre es gewesen, Fan von Vereinen in meiner Umgebung zu werden wie zum Beispiel Dortmund, Schalke, Köln oder Leverkusen. Mein Vater war immer Schalke-Fan, und wenn er 100 Jahre alt werden sollte – er wird es immer sein. Wenn es nach ihm gegangen wäre, würde ich jetzt den Knappen zujubeln. Er hat ja auch in diese Richtung alles unternommen, es kam jedoch ganz anders. So nahm er mich 1980 mit zu einem Heimspiel von S 04 gegen den 1. FC Köln. Ich weiß nur noch, dass es ein für mich langweiliges Spiel war, es war kalt, laut und richtig gut sehen konnte ich kleiner Bub auch nicht.

Ein paar Tage später habe ich dann zu Hause gesagt, dass ich nun Köln-Fan (!) sei, und dass ich gerne FC-Köln-Bettwäsche haben wolle. Nicht das letzte Mal in seinem Leben schüttelte mein Vater den Kopf – wegen mir. Meine Mutter jedoch erfüllte mir diesen Wunsch (die Bettwäsche existiert heute noch).

Dann kam der Winter 1982. Mein bester Freund rief mich an und fragte, ob ich nicht mit ihm und seinem Dad zum Spiel „seines“ HSV bei Fortuna Düsseldorf hinfahren möchte. Zum Glück sagte ich zu, und dort geschah es dann auch. Natürlich kann ich mich heute nicht mehr an alles erinnern, nur so viel. Es war ein rasantes Spiel. Viele, viele Tore und ein etwas unglücklicher Ausgang für den HSV (3:3). Wenn ich heute mir noch mal die Aufstellung von damals anschaue, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Wahrscheinlich die beste Mannschaft in unserer Geschichte: Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Hartwig, Magath, Hrubesch, von Heesen usw.

Die Eintrittskarte, auf der ich einst das Ergebnis noch vermerkte, habe ich über 30 Jahre aufbewahrt. Ich bin nur einmal in meinem Leben umgezogen, doch dabei ging sie mir verloren. Ich habe Stunden, ja bestimmt auch Tage damit verbracht, sie wiederzufinden, jedoch ohne Erfolg. Sie war braun und weiß, ja richtiges Pauli-Braun. Schade. Nach diesem Erlebnis im Rheinstadion gab es dann aber Bettwäsche vom HSV – und natürlich das legendäre BP-Trikot.

Ich hätte mir keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können HSV-Fan zu werden. Meisterschaften, Europapokalsieg. Alles in allem ein toller Verein mit den besten Fans dieser Welt.

Auch ohne jüngste Erfolge ist es heute noch mehr als schön, HSV-Fan zu sein. Im Volksparkstadion war ich zwar nur einmal, aber Auswärtsspiele hier im Westen sehe ich recht häufig. Dank des Matz-ab-Blogs ist man hier im Westen seit einem Jahr stets auf dem Laufenden – und das aus erster Hand. Auf Dieters tägliche Berichte freue ich mich schon weit bevor ich diese lesen kann. Dieter, danke für Deinen unermüdlichen Einsatz. Du hast hier was für mich sehr Wertvolles geschaffen. Ich hoffe nicht nur für jetzt, sondern noch viele Jahre lang.

Viele liebe Grüße aus NRW, BLANKET.

Nochmals vielen Dank, Blanket, es ist immer wiedere shcön zu lesen, wie HSV-Fans zu “ihrem” Verein gefunden haben – und dass sie ihm auch in nicht ganz so guten Zeiten die Treue halten.

17.42 Uhr

Von Scholle:
Gestern hatte ich geschrieben, dass Chelsea Sanchez verpflichten würde. Tatsächlich aber scheint der FC Barcelona trotz eines 30-Millionen-Euro-Angebotes der Engländer das Rennen um den Udine-Spielere gemacht zu haben.

Das Transferkarussell nimmt Fahrt auf

20. Juni 2011

Sie lieben ihn alle. Was mich und viele von Euch mit Sicherheit nicht verwundert. Aber ich wollte es hier mal anbringen, weil sich mein Kollege Reinhard Franke von der Münchner „AZ“ so euphorisch bei mir bedankte. Zum einen, weil wir in der Zeit, wo Collos Wechsel bekannt wurde, gut zusammengearbeitet haben. Zum anderen aber, weil Collo jetzt Münchener ist. Er hat sich bei mir quasi stellvertretend für das „Ziehenlassen“ bedankt. „Ein sensationeller Typ“, schwärmt Franke, „einen so netten Kerl hatten wir hier lange nicht mehr.“ Und da Collin nachweislich auch ein guter (für die Zweite Liga allemal ein sehr guter!) Spieler ist, passt bei 1860 München alles.

Schon als Collin um 9.15 Uhr zusammen mit seinem alten HSV- und neuen 1860-Kameraden Benny Lauth das Trainingsgelände betrat, warteten die Fans, die zum Trainingsauftakt des aufstrebenden Zweitligisten gekommen waren. Sie mussten sich allerdings zuerst noch gedulden, denn vor dem ersten Training der neuen Saison musste Collo noch seinen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterschreiben. Als das erledigt war, ging es für den ehemaligen Publikumsliebling des HSV gleich in die Vollen: 1860-Trainer Reiner Maurer hatte Zirkeltraining angesetzt. Und er zeigte sich begeistert vom Transfer des 32-Jährigen. „Collin ist vielseitig einsetzbar und hat in der Bundesliga wie international schon eine Menge Erfahrungen sammeln können. Er ist die ideale Ergänzung für unser junges Team.“ Wobei Maurer „Ergänzung“ nicht mit „Reserve“, sondern mit „passend zum Rest“ verstanden wissen will.

Nun ist er also weg. Und ich freue mich für Collo, weil er sich – wie viele andere Ex-HSVer auch, klar! – hier acht jahrelang tadellos verhalten hat. Und wenn es etwas Gerechtigkeit in dem sonst so skrupel- und herzlosen Profigeschäft gibt, dann die, dass Collo einen guten Verein gefunden hat und hoffentlich noch ein, zwei schöne und erfolgreiche Jahre als Spieler absolviert. Und darauf deutet im Moment alles hin.

Hinweise auf einen möglichen Vereinswechsel gab und gibt es bei Eljero Elia naturgemäß immer. Der Niederländer wird aktuell dem Vernehmen nach von Chelsea und Juventus Turin umworben. Als mögliche Ablösesummen lassen die italienischen wie englischen Berichte (Internet und Tageszeitungen) 15 Millionen Euro verlauten. Eine Summe, die für den HSV verführerisch ist, die aber meines Erachtens nach nicht annähernd ausreicht. Wenn ich höre, dass Chelski für rund 30 Millionen Euro gerade Alexis Sanchez verpflichtet hat, kann ein mögliches Angebot – beim HSV will noch niemand etwas aus England gehört haben – für einen Vizeweltmeister über gerademal die Hälfte der Sanchez-Summe nicht mehr als ein schlechter Witz sein.

Wer Sanchez ist? Eine berechtigte Frage. Sanchez ist ein 22-Jähriger Außenstürmer, der auch bei Inter Mailand auf dem Zettel stand, für die allerdings zu teuer war. Und Sanchez gilt ob seiner noch jungen 22 Lenze als Toptalent. Als einer, der seinen großen Tag erst noch vor sich hat.

Ebenso Elia. Hoffe ich jedenfalls. Denn wirklich große Tage durfte einer unserer größten Hoffnungsträger bislang nur in der niederländischen Nationalelf feiern. Aber, und davon bin ich weiterhin überzeugt, hat Elia etwas Seltenes, das gewisse Extra. Eben das Außergewöhnliche, das ihn vom durchschnittlich starken Fußballer abhebt: er kann Spiele durch individuelle Aktionen in jedem Moment allein entscheiden. Und diese Qualität kostet in der Regel weit mehr als 15 Millionen Euro. Zumindest dann, wenn derart potente Klubs wie Chelsea oder auch Juve anklopfen…

Dennoch, noch ist nichts passiert. Michael Oenning plant den Saisonauftakt ohne weiteren prominenten Abgang mit Eljero Elia. Zumal Chelsea jetzt gerade anfängt, richtig einzukaufen und noch nicht einmal klar ist, wer neuer Trainer wird. Zwar ist der Porto-Trainer André Villas-Boas der Top-Kandiadat – allein Einigung konnte bislang noch nicht erzielt werden. Und demnach stehen noch sehr viele Kandidaten auf Ambramowitschs Zettel, von denen sich der Neue die seiner Meinung nach Geeignetsten aussuchen wird.

Übrigens, und das nur mal so am Rande erwähnt, weil bei meinen Elia-Recherchen gehört: Sicher ist, dass Didier Drogba Chelsea trotz Vertrages bis 2012 verlassen soll. Allein sein Brutto-Gehalt von geschätzten 15 Millionen Pfund schreckte bislang alle Interessenten ab. Bis jetzt Paris Saint Germain Interesse an dem 33-Jährigen bekundete. Dort soll Leonardo neuer Trainer bei Paris werden. PSG hatte zuletzt eine Investorengruppe aus Katar als Geldgeber gewinnen können und bläst jetzt zum großen Angriff. Zudem soll Chelsea bereit sein, den Ivorer ablösefrei ziehen zu lassen, um ihn so von der Gehaltsliste zu bekommen.

Also: Chelsea darf nicht ausgeschlossen werden, ist aber alemal unbestätigt. Und Juve ist wahrscheinlich der Klub auf der Welt ist, der als einziger in jeder Wechselperiode an bislang allen Aktiven auf diesem Fußballplaneten dran war. Zumindest wenn man den seriösen italienischen Zeitungsberichten glauben darf…

Nein, in Hamburg ist man berechtigterweise noch ganz ruhig. Zwar wird Guy Demel aller Voraussicht nach am Sonnabend in Hamburg eintreffen und am Sonntag mittrainieren, allerdings hat sich nichts an der gemeinsamen Meinung von Klub und Spieler geändert, wonach er gehen darf/soll/wird.

Gleiches gilt Jonathan Poitroipa. Bis auf das „soll“. Der Burkinabe steht weiter kurz vor seinem Transfer zu Stade Rennes. Obgleich sich jetzt noch ein spanischer Klub gemeldet hat. Ich habe versprochen, den Namen nicht zu schreiben, was allerdings auch nicht ganz so schlimm ist, weil die Franzosen, die ihr Angebot auf fünf Millionen Euro Ablösesumme anheben wollen, weiterhin als Wunschverein Pitroipas und demnach als Topfavorit auf eine Verpflichtung des pfeilschnellen Außen gelten.

Und der HSV? Ob es neue Namen gibt? Leider keine bestätigten. Auch Jermaine Jenas von den Tottenham Hotspurs will vom HSV niemand offiziell bestätigen. Zwar berichtet das englische Blatt „People“, dass neben dem FC Fulham und Galatasaray Istanbul der HSV in Person von Frank Arnesen bei dem 28-jährigen zentralen Mittelfeldspieler mit Vertrag bis 2013 angeklopft hat. Der 21-malige englische Nationalspieler ist bei den Spurs im zentralen Mittelfeld lediglich Ersatz und soll für acht Millionen Euro gehen können. Ein Betrag, den der HSV – einen Pitroipa-Verkauf vorausgesetzt – stemmen könnte. Zumal der Transfer von David Rozehnal in Frankreich schon als perfekt und in Hamburg als fast sicher bestätigt wurde und auch Alex Silva in den nächsten Tagen verkauft werden soll. Und obwohl brasilianische Zeitungen von einem Besuch Juan Figers bei Arnesen für morgen berichten und dies vom HSV dementiert wird, gilt der Transfer von Silva als unverändert höchstwahrscheinlich.

Alles Transfers, die Arnesen noch zögern lassen, in welcher Preisklasse er für das offensive Mittelfeld einkaufen kann/darf/will. Und by the way, einen zentralen Mann von den Spurs zu holen, der dort unter anderem von einem EX-HSVer namens Rafal van der Vaart verdrängt wurde, wäre zumindest nominell zumindest anfänglich etwas seltsam, wünschen sich doch hier (fast) alle nichts sehnlicher als das Original zurück…

In diesem Sinne, es wird noch viel passieren, das scheint klar. Und das ist für mich bis auf weiteres erst einmal eine gute Nachricht.

Euch allen einen schönen Abend und bis Mittwoch (morgen ist Dieter da),

Scholle

19 Uhr

Hermann im grünen Bereich – Gerücht um Elia

19. Juni 2011

Ganz schön trist, ein solcher fußballloser Sonntag, der eigentlich ein Regentag war. Kein Wetter, bei dem man sich wohlfühlen kann, aber wie geht es denen, denen es ohnehin nicht besonders gut geht? Ich habe mit Hermann Rieger telefoniert, weil ich ganz einfach oft an ihn denken muss, wie es ihm geht. „Gut geht es mir, sehr gut sogar. Ich bin voll im grünen Bereich“, sagt Hermann, der am Sonnabend in Hamburg war, beim HSV, weil es dort ein Fan-Treffen gab. Und natürlich war er auch dort wieder der „Hahn im Korb“, der Kult-Masseur steht immer im Mittelpunkt – er wird von allen HSV-Anhängern geliebt. Und er sagte mir heute, wieder zurück in seinem derzeitigen Lebensmittelpunkt Alfstedt: „Das spüre ich täglich, und ich genieße es. Es ist einfach toll, dass mich die Fans immer noch so mögen.“

Am 23. Juni muss er noch einmal nach Hannover, klettert dort dann „in die Röhre“ – und hofft, dass die Ärzte danach sagen, dass tatsächlich alles im grünen Bereich ist. Hermann: „Ich kann nur sagen, dass ich mich sehr wohl fühle, ich habe nun schon längere Zeit keine Chemo mehr gehabt, nein, ich kann sogar sagen, dass ich mich saugut fühle.“

Weil das so ist, deshalb denkt er sich schon an die kommenden Wochen: „Ich freue mich unwahrscheinlich auf die neue Saison, es könnte schon jetzt losgehen.“ Er wird wahrscheinlich am nächsten Sonntag beim Trainingsauftakt sein, und er wird nach Flensburg fahren, wenn der HSV dort testet. Hermann Rieger hat schon wieder große Pläne mit „seinem HSV“. Dass es nun den Umbruch gibt, das befürwortet er zu 100 Prozent: „Es musste sein, denn alles andere, was hier versucht wurde, hat uns ja auch nicht weitergebracht.“ „Hermann the german“ vertraut dem neuen Sportchef Frank Arnesen („Der wird genau wissen, was er tut“), den er als absoluten Fachmann einschätzt. Nun muss sich herauskristallisieren, wie sich die Talente, die von Arnesen gekauft wurden, machen, wie sie sich entwickeln. Rieger: „Sie sind ja nicht nur jung, sie sind ja auch sehr unerfahren. Ich hoffe aber, dass sie sich so entwickeln, wie es ihnen von Frank Arnesen zugetraut wird. Wir alle müssen Geduld aufbringen und die Ruhe bewahren.“

Zwei HSV-Personalien haben es Hermann Rieger in diesen Tagen besonders angetan. „Ich freue mich sehr, dass Collin Benjamin nun für 1860 München spielt, ich freue mich für ihn, dass er dort einen Zwei-Jahres-Vertrag bekommen hat. Ich bin Collo-Anhänger, und ich freue mich auch für die Löwen, denn von diesem Klub bin ich schon seit vielen Jahren ein kleiner Fan“, sagt Hermann. Er bedauert aber auch den Fortgang von Joris Mathijsen, über den er sagt: „Joris ist ein feiner Kerl, mit ihm habe ich mich sehr gut verstanden, er ist in meinen Augen ein Vorbild-Profi. Sein Wechsel nach Malaga tut mir ein bisschen weh, aber so ist das Leben als Fußball-Profi – er bekommt in Spanien deutlich mehr Geld als in Hamburg.“

Genau dieser Punkt dürfte ausschlaggebend sein. Geld regiert die Fußball-Welt. Das wird auch Eljero Elia wohl noch sehr eindrucksvoll merken. In diesen Wochen bemühte sich ja schon Juventus Turin um die niederländischen Flügelflitzer, nun soll auch der FC Chelsea Interesse haben. So besagt es ein Gerücht in England. Wobei sich die Experten noch nicht einig sind, ob der Ex-Klub von Arnesen dem HSV nur mal kurz in die Suppe spucken möchte (Motto: „Wie du mir, so ich dir“), oder ob es wirklich um eine angedachte Verstärkung geht? Vielleicht sind die Chelsea-Verantwortlichen aber doch nicht ganz so amüsiert darüber, dass der Herr Arnesen dem Klub gleich vier Talente (Bruma, Töre, Sala, Mancienne) abspenstig gemacht hat.

Für den HSV könnte es letztlich nur gut sein, wenn es nach Juve einen weiteren potenziellen Klub gibt, der Elia haben will, denn Konkurrenz belebt das (Geld-)Geschäft.

Apropos Konkurrenz. Die gibt es ja auch im deutschen Fußball, vielfältig sogar. Und auch unter den Landesverbänden. Davon konnte ich mich in der abgelaufenen Woche überzeugen, als ich, wie bereits erwähnt, beim Hamburger Verbandstag war. Eine Geschichte ist dabei schon vom Tisch: Vor einem Jahr wollte Schleswig-Holstein alle Vereine, die im nördlichsten Bundesland zu Hause sind, die aber in Hamburg am Punktspielbetrieb teilnehmen (z. B. Norderstedt, Quickborn, Reinbek, Elmshorn, Pinneberg), zu sich holen. Hamburg war entsetzt und sauer, aber nun ist diese Geschichte vom Tisch, alles bleibt wie es ist.

Trotz allem „wildern“ die Schleswig-Holsteiner aber weiter in Hamburg. Nachdem sie bereits Gert „Charly“ Dörfel als Fußball-Botschafter gewonnen haben, haben sie sich nun den größten Hamburger Fußballer aller Zeiten geangelt: Uwe Seeler. Der Ehrenspielführer war vor einer Woche bei der Grundsteinlegung der neuen Sportschule Malente anwesend, und das hatte seinen Grund. Die Sportschule, in der sich früher auch die Nationalmannschaften vorbereiteten, wird in einem Jahr fertiggestellt sein – und heißt dann Uwe-Seeler-Sportschule.
Herzlichen Glückwunsch, ihr Schleswig-Holsteiner, ihr habt es kapiert, wie es gemacht wird. In Hamburg ist der Ehrenspielführer zwar längst Ehrenbürger, einen Platz, eine Straße oder Ähnliches aber ist nach ihm noch immer nicht benannt worden. Und ich frage mich, warum das stets erst dann geschehen darf, wenn ein großer Bürger gestorben ist? Uwe Seelers Popularität ist ungebrochen, deshalb hätte er es schon zu Lebzeiten verdient, in einer solchen Form, wie es nun Schleswig-Holstein macht, geehrt zu werden. Andere aber müssen so etwas wohl immer erst vormachen . . .

Und wenn ich so über das Wort Ehrung nachdenke: Felix Magath ist ja nun eine besondere (und fragwürdige) „Ehre“ widerfahren. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 wurde der ehemalige Trainer des Klubs noch einmal nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Das nenne ich Dankbarkeit. Erst werden die Knappen Vizemeister, dann sind sie der letzte deutsche Verein in der Champions League – und sie gewinnen den DFB-Pokal. Da hält man dann eigentlich seinen Mund (andere würden es deftiger ausdrücken!), aber es ist wohl so Sitte, doch noch einmal nachzutreten. Ich kann das nicht fassen. Der Trainer ist weg, der Schalker Briefbogen ist um einen Titel ergänzt worden – und trotz allem fallen sie noch einmal über Magath her.
Gehört sich so etwas?
Mich empört das!

Aber auch das gehört wohl zum eiskalten Profi-Geschäft. Interessant noch zu Schalke ist zu sagen, dass dort die Presse (auf Beschluss der anwesenden Mitglieder) von der Versammlung ausgeschlossen wurde. Ich denke, das wird Schule machen . . . Wir werden es erleben.

So, bevor ich nun zur Trainer-Serie komme, noch ein Wort zu Michael Ballack. Niemand weiß, was hinter den Kulissen wirklich zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Ballack gelaufen ist, deswegen sollten wir alle mit Verurteilungen in diese oder jene Richtung vorsichtig sein. Ich bin es jedenfalls. Und trotz allem muss ich sagen, dass ich eine gewisse Freude verspüre. Nicht über diesen Krach, sondern darüber, dass Ballack einst nicht zum HSV gekommen ist (er war hier ja durchaus ein Thema). Wir hätten hier in Hamburg nur noch mehr Ärger gehabt (als ohnehin schon), und das hätte sicherlich auch noch mehr gestört.

Nun aber zu Kurt Jara. Am 8. Oktober 2001 wurde der Österreicher neuer HSV-Trainer. Auch deshalb, weil nicht ich ihn nach Hamburg vermittelt habe, sondern weil damals Hermann Rieger seine Hände im Spiel hatte. Er brachte den HSV, in dem Fall Holger Hieronymus, und Jara zusammen – und daraus wurde dann eine feste Trainer-Anstellung.

Ich halte mich ganz kurz mit dem, was ich dazu sagen (schreiben) möchte. Mein Verhältnis zu Jara ist kein gutes gewesen, mein Einfluss im Verein begann damals schon zu bröckeln (welch ein Blödsinn!). Mich störte die Oberflächlichkeit des Österreichers. Er nannte seinen Abwehrchef noch nach einigen Wochen in Hamburg immer „mein Kapitän Hoogmann“. Gemeint war, Ihr könnt es Euch denken, Nico-Jan Hoogma. Mich sprach Herr Jara immer mit „Herr Matzen“ an, was ich stets überhörte. Nicht aber Teammanager Marinus Bester, der seinen Coach oft korrigierte, dann aber die Hoffnung auf Besserung aufgab. Heute begrüßen wir, Marinus und ich, immer noch: „Guten Tag Herr Matzen.“ Und: „Guten Tag Herr Besten.“ Und einen habe ich noch: Mitten in der Saison sprach Jara von seinem Co-Trainer: „Armin Reutershagen.“ Der heißt immer noch, heute als Co-Trainer von Dieter Hecking beim 1. FC Nürnberg, Reutershahn.

So, nur noch ein kleines Nähkästchen zu Kurt Jara. Als zur Saison 2002/03 der Argentinier Cristian Raul Ledesma (River Plate Buenos Aires) für teures Geld gekauft worden war, da wusch der Trainer seine Hände in Unschuld. Sein Assistent Manfred Linzmaier hatte Ledesma einige Male in Argentinien beobachtet und kam zu dem Urteil: „Nicht verpflichten!“ Der HSV aber griff dennoch zu. Kurios. Bis heute gelblieben! Und ich fragte damals, das Tonband habe ich bis heute aufbewahrt, Kurt Jara nach dem Training (in Ochsenzoll), warum er als Trainer diesem Transfer, der für niemanden Sinn machte, zugestimmt hatte?

Jaras Antwort: „Ich habe dem Sportchef gesagt, dass ich Ledesma nicht haben will, aber der Sportchef wollte ihn. Und er hat im Klub erzählt, dass wir mit Ledesma in den Uefa-Cup kommen würden. Da werde ich mich dann hüten, dem sportlich Verantwortlichen des Klubs zu widersprechen. Sollte ich, wenn wir Ledesma nicht geholt hätten, dann mit dem HSV in Abstiegsgefahr geraten, dann würde mir doch stets vorgehalten werden, dass es mit Ledesma garantiert besser gelaufen wäre. Da hätte ich keine Argumente dagegen gehabt. Der Trainer ist immer das schwächste Glied, ich hätte wohl meinen Job verloren – das wollte ich nicht riskieren, deswegen wurde Ledesma letztlich verpflichtet.“ Und endete hier als „Rohrkrepierer“.

Nach der Katastrophen-Tour nach Dnjepropetrowsk (0:3-Niederlage im Uefa-Pokal, Runde eins) und der 0:4-Pleite beim 1. FC Kaiserslautern musste Kurt Jara am 21. Oktober 2003 seinen Hut nehmen. Es hatte in neun Bundesliga-Spielen ganze zwei HSV-Siege gegeben. Es übernahm Klaus Toppmöller.

PS: Das kann ich mir dann immer noch nicht verkneifen. Vielen Dank für die Aufklärungsarbeit, die hier nach meinem letzten Beitrag über mich geleistet worden ist, ich habe viel gelernt über mich. Herzlichen Dank, jetzt denke ich doch schon wieder ganz anders über mich – Ihr seid so gut zu mir.

Ich wünsche allen „Matz-abbern“, dass sie gesund bleiben oder es werden (Benno!), und ich wünsche allen einen wunderschönen Start in eine erfolgreiche und hoffentlich sonnige Woche. Und ich drücke mir die Daumen, dass der HSV dann vielleicht doch noch den einen oder anderen Stürmer verpflichten wird, denn daran dürfte es sonst mangeln. Das aber ist nur meine ganz unmaßgebliche Meinung.

19.35 Uhr

Pagelsdorf: guter Blick, klasse Händchen

18. Juni 2011

Wenn der „kleine Dribbelkünstler“ in der kommenden Saison auf „Lang-Hafer-Joris“ trifft, wenn dazu Ruud „van the man“ den Prominentenanstoß ausführen wird – dann wäre ich gerne im Stadion. Es kommt mir zwar alles sehr spanisch vor, aber diese Konstellation zeigt mir vor allem eines: Es kommt doch noch Bewegung in die Geschichte. Ich freue mich, dass der Neuanfang des HSV mit dem Verkauf von Mathijsen immer konkreter wird, ich freue mich auch für Mathijsen, denn nun wird er es nicht mehr nötig haben, die Bälle zwecks eines geeigneten Spielaufbaus 80 Meter nach vorne und damit ins Nirwana zu kloppen. Ab sofort übernehmen die Malaga-Profis schon in der eigenen Hälfte die Bälle von Mathijsen, der von den besseren Mitspielern in Spanien sicher nur profitieren kann. Und wenn ich so an seinen 30-jährigen Nebenmann Martin Demichelis denke – das wird eine Top-Abwehr, mit der spielt man (in Malaga) sicher um die Meisterschaft mit.

Aber gut, es ist so wie es ist. Und der HSV hat es ja auch genau so gewollt, als man Joris Mathijsen zu verstehen gab, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen dürfe. Um es noch einmal klar zu sagen: Ich habe das absolut befürwortet. Jetzt dürfen sich eben die jungen Hüpfer – geführt von Heiko Westermann – versuchen. Und auch darauf haben wir ja irgendwie gehofft.

Um noch einmal auf Malaga zu kommen: Ich weine ja dem anderen „Hamburger“ die eine oder andere Träne hinterher: Ruud van Nistelrooy. Mit ihm werde ich noch lange nicht fertig sein, denn es war schon ein herausragendes Erlebnis, mit ihm zu tun zu haben. Fußballerisch war das zuletzt zwar nichts mehr, aber der Mensch van Nistelrooy – erste Sahne. Es gibt im Fußball-Geschäft nur wenige Menschen, denen ich an den Lippen hänge – weil sie nicht nur etwas zu sagen haben, sondern weil sie nur Super-Sachen zum Besten geben. An erster Stelle möchte ich für mich Günter Netzer nennen, dann kommt eine gewisse Zeit nichts, dann folgen in meiner persönlichen Hitliste Uli Hoeneß und, Ihr werdet vielleicht überrascht sein, aber es ist so: Thomas von Heesen. Was er mir über Fußball erzählt hat und immer noch erzählen kann, das ist großartig. Das aber nur mal am Rande.

Auf Platz vier folgt van Nistelrooy. Tolle Ansichten, keine Hirngespinste, kein Überflieger, nicht den kleinsten Hauch von Arroganz, sondern eher bescheiden und zurückhaltend – das hat einfach nur Spaß gemacht, diese Zusammenarbeit. Und für mich auf meine alten Tage noch einmal ein echte Highlight. Danke Ruud! Und viel Erfolg in Malaga, obwohl ich da so meine Zweifel habe.

Übrigens habe ich in den letzten Monaten zwei ausführliche Mails unterschlagen, die ich aus den Niederlanden erhalten hatte. Es schrieb mir ein Freund der Familie van Nistelrooy, der mich so darüber aufklärte, wie das mit Ruud, Real Madrid und dem HSV wirklich gelaufen ist. Ich habe davon extra null Gebrauch gemacht, weil dann hier im Blog so der Teufel los gewesen wäre, wie in der nun ablaufenden Woche. Nur so viel möchte ich verraten: Als Ruud van Nistelrooy zum HSV wechselte, soll er sich –mündlich – das Versprechen geben lassen haben, dass falls Manchester United oder Real kommen und ihn haben möchten, dass er dann (natürlich gegen eine entsprechende Ablöse) gehen könne. Dieser Absprache konnte man beim HSV damals beruhigt zustimmen, denn wer kauft noch einen „älteren Herren“, der zudem oft verletzt ist? Als dann Real tatsächlich kam, konnte oder wollte man sich beim HSV nicht mehr an die mündliche Vereinbarung erinnern.
Wobei ich bewusst keine Namen nennen möchte . . . Wegen des Teufels . . . Es ist ja auch Schnee von gestern. Mathijsen und van Nistelrooy genießen nun die spanische Sonne, und allein deshalb beneide ich sie.

Und noch ein Name eines Ex-HSVers ist mir in dieser Woche auf komische Art und Weise untergekommen: Jörg Butt. Der heutige Bayern-Torwart ist in England, so wurde es nun von einer Zeitung veröffentlicht, eine „unerwünschte Person“. Ich weiß allerdings nicht, warum? Ich kann mir da auch keinen Reim drauf machen. Für mich ist Jörg Butt einer der nettesten und liebenswürdigsten Profis überhaupt. Ich habe in den fast 32 Jahren HSV-Reporter viele, viele Spieler kommen und gehen sehen, Butt ist unter jenen Profis, die von mir am meisten geschätzt werden, ganz sicher unter den ersten fünf. Wenn nicht unter den ersten drei. Und das ist (auch) keine Provokation – von wegen: „Lass den Torwart gleich zu Hause . . .“

Um es noch einmal zu sagen: Als Butt damals den HSV verließ, ging er total sauer. Er war als kleiner, unbekannter Torwart vom VfB Oldenburg gekommen, war eigentlich nur die Nummer drei des HSV, wurde dann aber die Nummer eins. Und das hätte er gerne seinen Vertrag etwas aufgestockt gehabt – verständlich. Und als diese Zahlen dann plötzlich in einer Hamburger Zeitung „angeprangert“ standen, da hatte er die Nase voll vom HSV – und ging. Und? Wer hätte das denn nicht gemacht.

Aber das ist natürlich auch noch der viel, viel ältere Schnee . . .

So wie die Trainer-Serie, die ich vor ein paar Tagen begonnen habe, die ich nun aber nicht so akribisch fortsetzen möchte. Denjenigen Usern, die mich ob der schonungslosen Offenheit bepöbelt haben (was ich mittlerweile – ganz ehrlich – mit ganz großer Gelassenheit ertrage!), denen möchte ich sagen: Stimmt alles nicht, was ich geschrieben habe, war alles gelogen. Ich habe deshalb nicht nur – völlig berechtigt – Eure Schmähungen erhalten und gelesen, ich habe auch 18 Gegendarstellungen erhalten. Damit beschäftigt sich nun mein Anwalt. Eines noch: Wer meine sofortige Entlassung fordert, der sollte nicht mir schreiben (das liegt eigentlich auf der Hand!), denn ich kann mich nicht selbst entlassen, der sollte dann doch besser an den Springer Verlag oder an das Hamburger Abendblatt schreiben.
Danke.

Kurz noch zur Trainer-Serie: 1997/98 übernahm Frank Pagelsdorf vom Duo Magath/Schehr. Und der damalige Präsident Uwe Seeler gab „Pagel“ die Aufgabe, eine total neue Mannschaft aufzubauen. Es rollten die Köpfe. Doch so richtig gut ab ging es erst in der Saison 1999/00, als neben anderen Mehdi Mahdavikia, Niko Kovac und Roy Präger kamen, und Rodolfo Cardoso aus Argentinien zurückkehrte. Das war die Champions League. Und das nicht nur, weil die Mannschaft überragende Namen an Bord hatte, sondern weil die Mannschaft eine Mannschaft war.

Das hatte Pagelsdorf sehr gut hinbekommen, er hatte einen guten Blick und ein meistens erstklassiges Händchen für neue Spieler (für damals noch relativ wenig Geld). Wenn ich es bei Egon Coordes lobend erwähnt habe, so muss ich das auch bei Pagelsdorf tun. Sein Training war – vor allen Dingen in den ersten Jahren – sehr gut. Auch bei ihm fanden sich viele Hamburger Amateurtrainer in Ochsenzoll ein, um sich etwas abzuschauen. Das ist für mich immer auch ein Zeichen, dass sicher in der Stadt herumgesprochen hat, dass beim HSV „vernünftig“ trainiert wird.

Mein Verhältnis zu Frank Pagelsdorf war professionell-gut, so war es, wenn ich mir das erlauben darf zu sagen, wohl mit den meisten Kollegen von mir. Für mich ist „Pagel“ einer der besten HSV-Trainer, die ich mit und bei dem Klub erlebt habe. Dass es hin und wieder auch Ärger gab (auf den ich jetzt aber nicht mehr näher eingehen werde), das liegt in der Natur der Sache. Aber auch längst der Schnee von gestern – oder vorgestern.

Am 15. September 2001 musste Frank Pagelsdorf den HSV verlassen, nach einem 3:3 daheim gegen Mönchengladbach zog die Führung die Reißleine. In sechs Bundesliga-Spielen hatte es nur einen Sieg gegeben (2:0 gegen Stuttgart), das genügte den Hamburger Ansprüchen (natürlich, bin ich versucht zu schreiben) nicht. Für ihn übernahm Holger Hieronymus, der dann erst einmal Co-Trainer Armin Reutershahn (Freundschaftsspiel gegen Braunschweig, 1:4) und drei Tage später (5. Oktober 2001) Kurt Jara Platz machte. Mit dem Österreicher gab es dann im Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt einen 3:0-Sieg.

So, das war die Sache mit dem Trainer für heute. Aktuell gibt es vom HSV heute nichts, es ist Wochenende. Vielleicht nur die Tatsache, dass sich die Trennung von Jonathan Pitroipa immer mehr abzeichnet, Stade Rennes will den „schmalen Dribbelkünstler“ wohl unbedingt haben. Ich hätte, offen gesagt, nichts dagegen. Wer sich daran erinnern kann: „Piet“ kam am letzten Tag der Saison (am Tag nach dem Gladbach-Spiel) gleich mit drei großen Tüten beladen aus der Kabine, darin waren offenbar alle seine persönlichen Sachen. Damals habe ich schon gesagt: Das sieht ganz nach einem endgültige Abschluss aus – und so wird es nun kommen.

Aktuell kann ich nu vom Verbandstag des Hamburger Fußball-Verbandes berichten. Weil dort der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes sprach, Wolfgang Niersbach. Er machte das locker-leicht aus der Hüfte, ohne einen Spickzettel – er weiß immer ganz genau, wovon er spricht. Und alles hat immer Sinn und Verstand. Für mich jedenfalls. Und ich schreibe hier ja auch ein wenig darüber.

Niersbach sprach u. a. über die vielen, vielen Talente in Deutschland, die nicht so einfach vom Himmel fallen. Er sagte: „Früher haben wir Deutsche neidisch zu den Fußballschulen nach Frankreich geblickt, und sprachen auch voller Neid und Anerkennung von der Talentschmiede, die Ajax Amsterdsam weltberühmt gemacht hat. Das hat sich lange verändert. Heute müssen wir nicht nach Frankreich oder Amsterdam fahren, heute kommen sie uns an den Grenzen entgegen, weil sie zu uns kommen um zu fragen, wie wir das machen.“

So ändern sich die Zeiten. Niersbach nicht ohne Stolz: „Was wir hier aufgebaut haben, das kann sich nicht nur sehenlassen, das ist vorbildlich. 130 Stützpunkte haben wir im ganzen Land verteilt, darunter sechs in Hamburg. Dort werden die Zehn- bis 14-Jährigen zusätzlich zu ihrem Vereinstraining geschult, und zwar von qualifizierten Trainern. Das ist wirklich eine wunderbare Geschichte. Und die besten Spieler kommen dann nicht nur in unsere Auswahlmannschaften, die mit der U 15 beginnt, sie gehen auch in die Leistungszentren der Lizenzvereine, wo sie optimal betreut werden. Und sie kommen in die Eliteschulen. Hier in Hamburg gibt es das Gymnasium Heidberg, dort hat zum Beispiel Nationalspielerin Kim Kulig vom HSV ihr Abitur gebaut, und auch Eric-Maxim Choupo-Moting.“

Wolfgang Niersbach nennt noch weitere Beispiele: „Mario Gomez und Sami Khedira haben solche Eliteschulen besucht, um nur zwei Namen zu nennen – alle Spieler, die heute in der Nationalmannschaft spielen, haben einen solchen Weg hinter sich. Darauf können wir stolz sein, es hat sich in den letzten Jahren viel beim DFB getan. Deutschland hat mittlerweile perfekte Strukturen, obwohl man sich, das gebe ich auch zu, innerhalb solcher Strukturen auch immer noch weiter verbessern kann. Man kann zum Beispiel immer noch qualifizierte Trainer anstellen, aber insgesamt ernten wir nun die Früchte unserer Arbeit.“ Dann ergänzte Niersbach noch: „Unsere Nationalmannschaft hat bei der WM 2010 in Südafrika nicht nur wegen des dritten Platzes begeistert, sondern auch dadurch, dass sie hervorragenden Fußball gespielt hat. Und das war damals die jüngste deutsche WM-Mannschaft aller Zeiten. Und zuletzt, der Sieg in Baku, war die jüngste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten.“

20 Millionen Euro lässt sich der DFB das Thema Ausbildung pro Jahr kosten, das Geld ist sinnvoll investiert – und hat sich schon bezahlt gemacht. Der DFB hat 6,8 Millionen Mitglieder (1,2 Millionen davon sind weiblich), es wird in den nächsten Jahren mit acht Millionen gerechnet. „Unser Fußball ist stark, unser Fußball wird stark bleiben, und unser Fußball bleibt auch Woche für Woche spannend“, versprach Wolfgang Niersbach und lobte zum Abschluss extra und ganz besonders alle Ehrenämtler. Und dann schloss der Generalsekretär mit einem Spruch des zeitgenössischen Philosophen Mehmet Scholl, der über die Kameradschaft in einer Mannschaft einst sagte: „Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.“

Für seine launige und hoch interessante Rede erntete Niersbach viel Beifall.

PS: Seit Monaten habe ich mich nicht mehr zu meiner persönlichen Situation geäußert, ich wollte es auch nicht mehr (will mich jetzt wieder dran hakten), möchte mich aber nicht nur über den Pöbel äußern, sondern auch ausdrücklich allen danken, die mir Lob und viele dankenden Worte schenkten. Das tat sehr gut! Danke!

17.42 Uhr

Collo zu 1860, Mathijsen weg, Rennes legt nach ***aktualisiert mit Stimmen von Collo****

17. Juni 2011

Eine überwältigende Reaktion. 90 Prozent Ablehnung wurden errechnet. Der Blog wurde als der schlechteste von allen betitelt, begleitet von Beleidigungen einiger. So funktioniert anonymes Posting, und das muss ich mir – darauf war und bin ich tatsächlich eingestellt – gefallen lassen. Schlechte Nachrichten führen fast immer dazu, dass hier Verschwörungstheorien gepaart mit Beleidigungen, aber eben auch gehaltvolle Kritik Eurerseits angeführt werden. Letzterem stelle ich mich. Dennoch, jetzt hier in die Diskussion einzusteigen und alles neu aufzurollen machte keinen Sinn. Die Zeit wird die Antworten bringen und Zahlen offenbaren. Warten wir darauf.

Deshalb beschäftigen wir uns doch mit anderen Dingen. Damit zum Beispiel, dass Collin Benjamin bereits seinen Medizincheck in München absolviert hat und in der kommenden Saison aller Voraussicht nach nur ein- statt 17-mal am Millerntor auflaufen soll – und das als Spieler der Löwen von 1860 München, bei denen der 32-Jährige Anfang nächster Woche für ein Jahr Jahre unterschrieben soll. “Wir hatten ein sehr gutes Gespräch”, bestätigte 1860-Sportdirektor Florian Hinterberger, “wir werden uns Anfang kommender Woche noch mal hinbsetzen und sprechen. Klar ist, beide Seiten haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit.”

******AKTUALISIERUNG*********

Collo selbst habe ich gerade eben sprechen können. Er wirkte begeistert und tatenfreudig. Collin: “Ich werde, wenn ich am Wochenende nicht tot umfalle, am Montag bei 1860 meine erste Trainingseinheit absolvieren. Ich hatte eine Woche Kontakt und habe mir alles sehr genau angehört. Der Klub vermittelt Aufbruchstimmung und ich möchte zusammen mit einigen anderen, erfahreneren Spielern dazu beitragen, dass die Löwen an alte Erfolge anknüpfen. Auf jeden Fall, und das hat mich letztlich überzeugt, ist bei 1860 München wieder richtig Leben drin. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.”

Dass er gern in Hamburg geblieben wäre, daraus macht er kein Geheimnis. München sei zwar auch eine sehr schöne Stadt, “aber an Hamburg kommt in Deutschland einfach nichts ran”. Auch deshalb werden seine Frau und Kinder zunächst in Hamburg bleiben. “Ich werde mich heute Abend und am Wochenende mit meiner Frau abstimmen und besprechen. Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Aber wenn alles normal läuft, unterschreibe ich zunächst für ein Jahr. Und klar ist auch – ich werde wiefder nach Hamburg zurückkehren. Früher oder später…”

Auf jeden Fall zum Spiel bei Pauli. Denen war Collo sogar angeboten worden. Allerdings lehnten Manager Helmut Schulte und der neue Trainer Andre Schubert letztlich ab, weil Collo nicht in die neue (Alters-)Struktur passt. Und ohne dem Nachbarn etwas Böses zu wollen, hoffe ich, dass der FC schon bald merkt, was für einen Fehler er gemacht hat. Spätestens dann, wenn Collo am Millerntor in hellblau-weiß aufzieht…

Abgelehnt hat der HSV unterdessen den Halbbruder von Guy Demel. Der heißt Yannik Sagbo, ist Stürmer, 22 Jahre alt, wurde gerade für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste berufen und stürmt auf Leihbasis 8er gehört dem AS Monaco) für den französischen Zweitligisten FC Evian, der gerade den Aufstieg in die erste Liga realisieren konnte. Neun Ligatore in 31 Spielen erzielte der 1,83-Meter-Mann, dessen Bruder den HSV auf jeden Fall verlasen will und soll. Im gestrigen Treffen der Berater Demels mit Sportchef Frank Arnesen einigten sich die Parteien darauf, weiter nach einem Verein zu suchen, der die vom HSV gewünschte Ablösesumme bezahlen will. Sollte sich hierbei nichts finden, wird Demel am 26. Juni zum Trainingsauftakt erscheinen und vorab ein klärendes Gespräch mit Trainer Michael Oenning führen. Dabei wird zwar keine Versöhnung erwartet/bezweckt, dafür aber der professionelle Umgang miteinander. Immerhin haben beide Seiten noch bis zum Ende der Transferfrist am 31. August Zeit.

Frank Arnesen ist unterdessen dieses Wochenende noch mal mit seiner Familie unterwegs, ehe es „ab Montag keine Familie mehr gibt“, wie Arnesen mit einem Augenzwinkern ankündigt. Zuletzt hatte sich der Däne bei der U-21-EM umgesehen, dort auch das tschechische Talent Jan Lecjaks angesehen. Der Linksverteidiger aus Pilsen ist aktuell an den RSC Anderlecht ausgeliehen, die gerade eine Kaufoption über 900000 verstreichen ließen. Allerdings gilt der 19-Jährige beim HSV nur als möglicher Backup, sollte Marcell Jansen entgegen aktueller Erwartungen doch noch den Klub wechseln.

Bei Jonathan Pitroipa gibt es indes neue Bewegung. Der schnelle Außenstürmer wird von Stade Rennes umworben: Die Franzosen sind sogar bereit gewesen, bis zu 4,5 Millionen Euro für den Burkinaben zu zahlen. Allerdings lehnte der HSV ab, forderte mindestens sechs Millionen Euro. Jetzt sollen die Franzosen ihr Angebot aufstocken wollen. Demnach soll der HSV in den nächsten Tagen ein verbessertes Ablöseangebot erhalten, zudem Leistungsprämien zugesichert bekommen für den Fall, dass sich Rennes für den internationalen Wettbewerb qualifiziert.

Klar ist, und damit gehe ich heute aus diesem Blog raus und wünsche ich schon mal vorab ein schönes Wochenende, klar ist, dass Joris Mathijsen zu Malaga wechselt. Heute unterschrieb der Niederländer einen Vertrag bis 2013, nachdem auch letzte Details zwischen dem HSV und den Spaniern geklärt worden waren. Mathijsen, der 2006 zum HSV wechselte und in 210 Spielen (davon 148 x Bundesliga) sieben Tore erzielte, bringt dem HSV rund 1,5 Millionen Euro Ablösesumme ein. Der 31-Jährige, der vor fünf Jahren von AZ Alkmaar zum HSV gewechselt war, folgt damit seinem Landsmann und Freund Ruud van Nistelrooy, der wie er von Rodger Linse beraten wird, an die Südspitze Spaniens. „Wir wünschen Joris für die kommenden sportlichen Aufgaben beim FC Malaga und für seine private Zukunft alles Gute“, sagt Sportchef Arnesen zum Abschied. Worte, denen ich mich anschließen möchte. Wer in fünf Jahren 148 Ligaspiele absolviert, also aufgerundet 30 von 34 Spielen pro Saison im Schnitt, der hat sich definitiv um den Verein verdient gemacht und einen würdigen Abschied verdient.

In diesem Sinne, Joris und Euch alles Gute,

Scholle

16.30 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »