Tagesarchiv für den 28. Juni 2011

Der erste Tag auf Sylt – hart für die Mannschaft

28. Juni 2011

26 Grad, Sonne, ein 5-Sterne-Plus-Hotel und das Meer direkt vor dem Fenster – für die Spieler könnte alles so schön sein im Trainingslager auf Sylt. Wäre da nicht der Fußball. Oder besser gesagt, die Notwendigkeit einer Grundlagenausdauer. Und so setzte Trainer Michael Oenning heute gleich mal ein Zeichen, indem er seine noch nicht vollständige Mannschaft von 16 Uhr bis 18.40 Uhr trainieren ließ. Und das „Schönste“ daran: Ganz zum Schluss kamen die langen, harten Pulsläufe. Das heißt, jeder Spieler durfte nur bis zu einer bestimmten Pulsfrequenz (meistens zwischen 120 und 140) laufen. War der Puls niedriger, musste mehr Tempo gemacht werden. War er höher, musste verlangsamt werden.

Egal wie, hieran lässt sich auch der Fitnesszustand eines jedem gut messen. Und ganz vorne weg lief – nein, nicht David Jarolim – es war Muhamed Besic. Jaro kam immerhin als Vierter. Allerdings, über die Letzten verliere ich hier noch kein Wort, da die Vorbereitung gerade erst begonnen hat. Das macht erst am Ende der Vorbereitung Sinn.

Fit ist auf jeden Fall Wolfgang Hesl, der sich heute zu uns in die Presserunde begab. Der Keeper hatte sich unmittelbar vor der Abfahrt noch mit Trainer Michael Oenning und Sportchef Frank Arnesen unterhalten und den beiden sportlich Verantwortlichen mitgeteilt, dass er die Rolle als Ersatztorwart des als Nummer eins gesetzten Jaroslav Drobny annehmen wolle. Der letztjährig an den österreichischen Bundesligisten SV Ried verliehene Torwart sprach dabei von einer Entscheidung, die schon lange feststand, was mich zunächst ein wenig überraschte – was sich später aber in Persona Michael Oenning erklärte. Der machte nämlich kein Geheimnis daraus, dass er kein großer Fan von Hesl ist. Zumindest war klar herauszuhören, dass der HSV-Trainer dem Rückkehrer nahezu alle Hoffnungen genommen hat. „Was nützt alles andere als die Wahrheit“, fragt Oenning und fügt hinzu: „Ich habe ihm klar gesagt, dass ich ihm wenig Hoffnung machen kann, dass ich ihm wenig anbieten kann.“

Worte, die bei Hesl angekommen sind, die ihn auch sichtlich nachdenklich gestimmt haben – die aber seine grundsätzliche Entscheidung nicht verändert haben. „Die Entscheidung für den HSV war zu 99 Prozent eine Herzensangelegenheit. Ich habe vor sieben Jahren beim HSV unterschrieben mit dem Ziel, die Nummer eins zu werden. Und ich mache nichts Halbes – deshalb werde ich hier mein Bestes geben.“ Zumindest bis zu seinem Vertragsende 2012.

Allerdings, und das ist nicht auszuschließen, könnte auch noch ein Torhüter kommen. „Ich habe gehört, dass sie noch einen jungen Deutschen suchen“, sagt Hesl und gibt sich selbstbewusst: „aber den haben sie mit mir. Jetzt brauchen sie keinen mehr.“ Dennoch, und gerade hier wird das Verhältnis bzw. die Wertschätzung Oenning/Hesl deutlich, der Trainer widerspricht: „Nein, es ist definitiv so, dass wir noch einen jungen, deutschen Torwart mit Perspektive holen. Wenn nicht dieses Jahr, dann in der neuen Saison.“ Was dann aus Hesl werde? „Wenn ein anderer Verein kommt, der Wolle haben will, müssen wir gucken.“

Punkt. Und jetzt können Wetten abgeschlossen werden, ob Hesl wirklich die Saison als Nummer zwei durchzieht. Ich kann es mir unter den Voraussetzungen schwer vorstellen, weiß aber auch, dass Hesl ein besonders willensstarker Spieler ist. Das machte er uns heute sehr deutlich. „Ich weiß, dass ich mich gedulden muss, bis zu diesem einen Moment. Aber genau zu diesem Zeitpunkt X werde ich da sein. Auf jeden Fall fällt das Argument jetzt weg, dass man mich noch nicht als dauerhafte Nummer eins kennt. Ich habe bei Ried bewiesen, dass ich das Niveau habe.“

Klar ist auf jeden Fall, dass das Trainingslager auf Sylt hart wird. Morgens um sieben Uhr steht ein 45-Minuten-Lauf oder eine Fahrradtour an, ehe nach dem Frühstück um zehn Uhr auf dem Platz Kraft gesammelt wird „für eine lange, harte Saison“, wie Oenning es formuliert. Zudem wird am Nachmittag um 16 Uhr auf dem Platz gearbeitet. Und wie wir gesehen haben, manchmal auch so lang, dass der Blog abschließend erst zu derart später Stunde verfasst werden kann.

Was gibt es noch zu erzählen, außer, dass das Mannschaftshotel „A-rosa“ unfassbaren Luxus bietet und es den Spielern in der kurzen Zeit ohne Training gut geht? Von hier eher wenig. Obwohl, doch, mit einigen Gerüchten können wir aufräumen. Wie mit dem, dass dem HSV Diego angeboten wurde. „Er wurde mir weder angeboten, noch hätte ich ihn haben wollen“, so Oenning ebenso deutlich wie Ex-HSV-Trainer Martin Jol zur Frage, ob er sich Guy Demel bei seinem neuen Klub FC Fulham vorstellen könne? „Martin hat gesagt, dass er die Mannschaft verjüngen will und Guy nicht in seine Planungen passen würde“, so Demels Berater Matthias Timm.

Und eine schöne, schmerzhafte aber eben auch sehr lustige Anekdote erzählte uns Oenning heute. So hatte der HSV im vergangenen Jahr in Längenfeld eine längere Fahrradtour gemacht. Dabei kam es beim ersten Sammelpunkt zu einem üblen Sturz von Heung Min Son, der sich beim Bremsen überschlug. „Was er uns nicht erzählt hatte“, so Oenning, „war, dass er gar kein Fahrrad fahren konnte. Er hatte es noch nie gemacht und keiner hat es bemerkt. Bis er sich eben übel hinlegte.“ Dennoch, und das stellte Oenning lobend hervor, „als Autodidakt hat er sich richtig gut geschlagen“. Und inzwischen habe der Südkoreaner die Kunst des Zweiradfahrens erlernt.

Bleibt mir nur noch übrig, Euch allen einen schönen Abend zu wünschen. Für morgen habe ich mich mit Jaroslav Drobny verabredet, mit dem ich über ihn selbst, über die schwierige alte Saison und vor allem natürlich über die Situation als neue Nummer eins sprechen werde.

Bis morgen! Dann hoffentlich ein wenig früher…

Scholle

P.S.: Die Mannschaft reist am Sonnabend nach Hamburg zurück, um sich gemeinsam den Box-Kampf Klitschkos anzusehen. „Eine teambildende Maßnahmen “, so Oenning, der noch weitere Aktionen zur Vertiefung des Mannschaftsgefühls geplant hat.

P.P.S.: Eljero Elia, Jeffrey Bruma, Jonathan Pitroipa und Michael Mancienne und Dennis Aogo sind ebenso wie der verletzte Mladen Petric nicht mit auf Sylt und werden auch am Sonntag im ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg in Flensburg nicht spielen.