Tagesarchiv für den 21. Juni 2011

Dortmund ist der Hammer

21. Juni 2011

Jetzt ist es also amtlich. Dortmund in Dortmund! Welch ein Auftakt! Als ich davon erfuhr, dachte ich sofort an Axel Formesyn und sein Buch „Unser HSV“. Da steht, so erinnere ich mich, ein Zitat des damaligen HSV-Spielers Thomas von Heesen, de sich in jener Zeit mit einem ähnlichen „Hammer“-Spielplan für den HSV konfrontiert sah. Und der gute „Tommy“ sagte, so das Buch: „Da werden wir nach sieben Spielen dann 0:14 Punkte haben.“ So oder so ähnlich steht es da. Ich habe Thomas von Heesen dazu angerufen, haben ihn mit dem HSV-Auftakt bekannt gemacht und er sagte: „Dass ich einen 0:14-Start vorhergesagt haben soll, daran kann ich mich nicht erinnern. Das stimmt bestimmt nicht. Dann hätte ich ja gleich aufhören können, zu spielen. Nein, nein, ich würde sagen, dass ich so etwas nie gesagt habe . . . Ich meinte wahrscheinlich 14:0 Punkte für den HSV.“

Egal, Schnee von gestern. In Dortmund, gegen Hertha, in München (beim FC Bayern) und daheim gegen Köln – was ist da drin – für den HSV? Von Heesen: „Sechs Punkte hat der HSV nach vier Spielen. Natürlich wird es in Dortmund und beim FC Bayern schwer, gerade weil sich die HSV-Mannschaft im Umbruch befindet, aber die Heimspiele werden gewonnen, davon bin ich überzeugt, da habe ich keinerlei Bedenken. Hertha wird sich als Aufsteiger ins Hemd machen, wenn sie nach Hamburg kommt, und Köln? Der FC ist zwar unberechenbar, aber in Hamburg muss es ganz einfach gegen die Kölner zu einem Heimsieg langen.“

Dass gleich zu Anfang Meister und Rekordmeister auf den HSV lauern, dass ist für Thomas von Heesen kein Beinbruch: „Wer weiß heute, wie die zu Saisonbeginn drauf sind? Und das Gute für den HSV ist ja, dass dann schon die beiden größten Brocken hinter uns liegen – ich sehe das ganz entspannt.“

Ähnlich geht es auch anderen HSVern. Trainer Michael Oenning sagt: „Jetzt wissen wir, was auf uns zukommt. Unter Flutlicht beim BVB – das ist natürlich ein echter Hammer-Auftakt.
Unser letztes Spiel gegen Dortmund hier in Hamburg ist ja vielen noch in Erinnerung. Ich gehe davon aus, dass unsere Fans uns gleich in Dortmund den Rücken stärken werden. Wir werden uns in den nächsten Wochen gut vorbereiten. Auch die darauffolgenden Spiele haben es ja in sich.”

HSV-Sportchef Frank Arnesen: „Wir nehmen diese Herausforderung voll an. Wir werden probieren, gleich stark zu sein. Erst in Dortmund, dann gegen Hertha und dann zu den Bayern – was für ein Auftakt. Unsere Spieler werden sofort Spannung aufbauen. Ich freue mich auf die Saison.”

HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow: „Das Auftaktspiel wird immer mit großer Spannung erwartet. Es freut uns, dass wir daran beteiligt sind. Wie vor drei Jahren, damals gab es ein 2:2 in München. Das letzte Spiel gegen Dortmund hier bei uns in Hamburg war sicher eines der emotionalsten der vergangenen Saison. Hoffentlich sehen wir wieder ein ähnliches Spiel. Die Mannschaft hat unsere volle Unterstützung.”

Kapitän Heiko Westermann: „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, um gut vorbereitet in die ersten Spiele zu gehen. Ich bin optimistisch, dass wir uns vom Start weg gut verkaufen werden. Wenn wir als Mannschaft funktionieren, können wir in jedem Spiel etwas reißen. Auch beim
Deutschen Meister.”

Die HSV-Spiele der Hinrunde auf einen Blick:

1. Spieltag: Borussia Dortmund – HSV
2. Spieltag: Hamburger SV – Hertha BSC Berlin
3. Spieltag: Bayern München – HSV
4. Spieltag: HSV – 1. FC Köln
5. Spieltag: Werder Bremen – HSV
6. Spieltag: HSV – Bor. Mönchengladbach
7. Spieltag: VfB Stuttgart – HSV
8. Spieltag: HSV – Schalke 04
9. Spieltag: SC Freiburg – HSV
10. Spieltag: HSV – VfL Wolfsburg
11. Spieltag: HSV – 1. FC Kaiserslautern
12. Spieltag: Bayer 04 Leverkusen – HSV
13. Spieltag: HSV – 1899 Hoffenheim
14. Spieltag: Hannover 96 – HSV
15. Spieltag: HSV – 1. FC Nürnberg
16. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 – HSV
17. Spieltag: HSV – FC Augsburg

Heiko Westermann hat einen ganz entscheidenden Satz gesagt: „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, um gut vorbereitet in die ersten Spiele zu gehen.“ Das trifft es ja genau. Wenn ich vor Wochen noch gesagt habe, dass Frank Arnesen mein großer Hoffnungsträger für die kommende Saison ist, so muss ich nun gestehen, dass inzwischen Michael Oenning an meine persönliche Nummer eins (in der Hoffnungsskala) gerückt ist. Warum? Oenning hatte in der vergangenen Saison erkannt, als er Chef geworden war, dass diese Mannschaft nicht so sehr viel drauf hat. Damit lag und liegt der Trainer ja genau richtig. Wenn er diesen jungen Burschen nun Luft und Kraft für 90 Minuten und mehr „einimpfen“ kann, wenn der HSV endlich einmal volle 90 Minuten rennen, kämpfen und spielen kann, dann muss das och was werden – das mit der neuen Saison. Aber dazu muss Oenning eben (und Günter Kern) richtig Gas geben – so wie es einst auch gute Sitte im Profi-Fußball war.

Ich habe hier zuletzt auch gelesen, dass der HSV auf keinen Fall noch einen neuen Stürmer holen sollte – da bin ich ganz anderer Meinung. Ich trete – und zwar vehement – dafür ein, dass noch ein junger, quirliger Angreifer geholt wird, der auch dorthin geht, wo es weh tut. Aber, das sage ich mir auch selbst, es wird wohl ein frommer Wunsch von mir bleiben. Der HSV wird, so denke ich, eher einen offensiven Mittelfeldspieler holen, der in eine Art Spielmacher-Rolle schlüpfen soll, schlüpfen wird.

Und vielleicht, so tröste ich mich derzeit, wird ja auch der junge Heung Min Son wieder dort anknüpfen können, wo er vor genau einem Jahr stand. Erinnert noch jemand das Auftaktspiel gegen Manchester City? Als er das Siegtor schoss – und sich dabei schwer verletzte? Nun hat er eine lange Sommerpause hinter sich, und er dürfte jetzt wieder unbeschwert angreifen wollen und können – vielleicht ist er ja dann mein „neuer HSV-Stürmer“.

Von anderen „Neulingen“ oder verkauften Spielern ist ansonsten auch heute nichts zu vermelden – still ruht der See. Aber da nun die Sommerpause allmählich zu Ende zu gehen scheint, werden wir uns damit trösten, dass nun die Tage, an denen Entscheidungen getroffen werden müssen, näher kommen. Zwangsläufig.

Zwei kleinere Sachen noch:

An diesem Mittwoch findet die Beerdigung des ehemaligen HSV-Verteidigers Gerd Krug statt, der Sonntag vor einer Woche völlig überraschend im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

Und wer auf die Fortsetzung der Trainer-Serie wartet: Auf Kurt Jara folgte am 23. Oktober 2003 Klaus Toppmöller. Er blieb nur bis zum 16. Oktober 2004, mein Verhältnis zu ihm war okay. Er wurde und wird von vielen Kollegen als kein guter HSV-Trainer gehandelt, sicher war er das auch nicht, aber ich habe ihn auch nicht so schlecht gesehen, wie er danach gemacht wurde. Ahnung vom Fußball hatte er sicherlich, ob er sich zu 100 Prozent mit der Raute identifiziert hat, das weiß ich allerdings nicht, ich glaube, dass er entlassen wurde, bevor er sich voll mit dem HSV einig sein konnte. Dieses hundertprozentige HSV-Engagement von Toppmöller, das muss ich zugeben, das hat mir schon gefehlt. Ansonsten war er in der Zusammenarbeit ein Profi, da gab es von meiner Seite aus nichts zu meckern (was andere Kollegen aber sehr wohl taten – und tun). Wenn ich Schulnoten für die HSV-Trainer (miener Zeit) vergeben würde, so würde Toppmöller bei mir eine Vier bekommen.

Bevor ich nun zum Schluss komme, möchte ich Euch noch mit einer kleinen, aber sehr feinen Sommergeschichte den Feierabend versüßen. Ich freue mich, dass ein User den Mut dazu hatte – und sage ausdrücklich ganz herzlichen Dank dafür. Es geht los:

Hallo Dieter, du hast uns während der Sommerpause 2010 mit vielen Sommergeschichten „gefüttert“. Diese zu lesen hat mir sehr viel Freude bereitet und nun möchte auch ich meine kleine Geschichte erzählen.

Ich bin hier im Forum unter dem Nick „Blanket“ angemeldet. Ich lebe in der Nähe von Lüdenscheid, also relativ fern ab meines Hamburger Sport Vereins. Bin Jahrgang 1968 und seit exakt 1982 Fan des HSV. Nahe liegend wäre es gewesen, Fan von Vereinen in meiner Umgebung zu werden wie zum Beispiel Dortmund, Schalke, Köln oder Leverkusen. Mein Vater war immer Schalke-Fan, und wenn er 100 Jahre alt werden sollte – er wird es immer sein. Wenn es nach ihm gegangen wäre, würde ich jetzt den Knappen zujubeln. Er hat ja auch in diese Richtung alles unternommen, es kam jedoch ganz anders. So nahm er mich 1980 mit zu einem Heimspiel von S 04 gegen den 1. FC Köln. Ich weiß nur noch, dass es ein für mich langweiliges Spiel war, es war kalt, laut und richtig gut sehen konnte ich kleiner Bub auch nicht.

Ein paar Tage später habe ich dann zu Hause gesagt, dass ich nun Köln-Fan (!) sei, und dass ich gerne FC-Köln-Bettwäsche haben wolle. Nicht das letzte Mal in seinem Leben schüttelte mein Vater den Kopf – wegen mir. Meine Mutter jedoch erfüllte mir diesen Wunsch (die Bettwäsche existiert heute noch).

Dann kam der Winter 1982. Mein bester Freund rief mich an und fragte, ob ich nicht mit ihm und seinem Dad zum Spiel „seines“ HSV bei Fortuna Düsseldorf hinfahren möchte. Zum Glück sagte ich zu, und dort geschah es dann auch. Natürlich kann ich mich heute nicht mehr an alles erinnern, nur so viel. Es war ein rasantes Spiel. Viele, viele Tore und ein etwas unglücklicher Ausgang für den HSV (3:3). Wenn ich heute mir noch mal die Aufstellung von damals anschaue, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Wahrscheinlich die beste Mannschaft in unserer Geschichte: Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Hartwig, Magath, Hrubesch, von Heesen usw.

Die Eintrittskarte, auf der ich einst das Ergebnis noch vermerkte, habe ich über 30 Jahre aufbewahrt. Ich bin nur einmal in meinem Leben umgezogen, doch dabei ging sie mir verloren. Ich habe Stunden, ja bestimmt auch Tage damit verbracht, sie wiederzufinden, jedoch ohne Erfolg. Sie war braun und weiß, ja richtiges Pauli-Braun. Schade. Nach diesem Erlebnis im Rheinstadion gab es dann aber Bettwäsche vom HSV – und natürlich das legendäre BP-Trikot.

Ich hätte mir keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können HSV-Fan zu werden. Meisterschaften, Europapokalsieg. Alles in allem ein toller Verein mit den besten Fans dieser Welt.

Auch ohne jüngste Erfolge ist es heute noch mehr als schön, HSV-Fan zu sein. Im Volksparkstadion war ich zwar nur einmal, aber Auswärtsspiele hier im Westen sehe ich recht häufig. Dank des Matz-ab-Blogs ist man hier im Westen seit einem Jahr stets auf dem Laufenden – und das aus erster Hand. Auf Dieters tägliche Berichte freue ich mich schon weit bevor ich diese lesen kann. Dieter, danke für Deinen unermüdlichen Einsatz. Du hast hier was für mich sehr Wertvolles geschaffen. Ich hoffe nicht nur für jetzt, sondern noch viele Jahre lang.

Viele liebe Grüße aus NRW, BLANKET.

Nochmals vielen Dank, Blanket, es ist immer wiedere shcön zu lesen, wie HSV-Fans zu “ihrem” Verein gefunden haben – und dass sie ihm auch in nicht ganz so guten Zeiten die Treue halten.

17.42 Uhr

Von Scholle:
Gestern hatte ich geschrieben, dass Chelsea Sanchez verpflichten würde. Tatsächlich aber scheint der FC Barcelona trotz eines 30-Millionen-Euro-Angebotes der Engländer das Rennen um den Udine-Spielere gemacht zu haben.