Tagesarchiv für den 19. Juni 2011

Hermann im grünen Bereich – Gerücht um Elia

19. Juni 2011

Ganz schön trist, ein solcher fußballloser Sonntag, der eigentlich ein Regentag war. Kein Wetter, bei dem man sich wohlfühlen kann, aber wie geht es denen, denen es ohnehin nicht besonders gut geht? Ich habe mit Hermann Rieger telefoniert, weil ich ganz einfach oft an ihn denken muss, wie es ihm geht. „Gut geht es mir, sehr gut sogar. Ich bin voll im grünen Bereich“, sagt Hermann, der am Sonnabend in Hamburg war, beim HSV, weil es dort ein Fan-Treffen gab. Und natürlich war er auch dort wieder der „Hahn im Korb“, der Kult-Masseur steht immer im Mittelpunkt – er wird von allen HSV-Anhängern geliebt. Und er sagte mir heute, wieder zurück in seinem derzeitigen Lebensmittelpunkt Alfstedt: „Das spüre ich täglich, und ich genieße es. Es ist einfach toll, dass mich die Fans immer noch so mögen.“

Am 23. Juni muss er noch einmal nach Hannover, klettert dort dann „in die Röhre“ – und hofft, dass die Ärzte danach sagen, dass tatsächlich alles im grünen Bereich ist. Hermann: „Ich kann nur sagen, dass ich mich sehr wohl fühle, ich habe nun schon längere Zeit keine Chemo mehr gehabt, nein, ich kann sogar sagen, dass ich mich saugut fühle.“

Weil das so ist, deshalb denkt er sich schon an die kommenden Wochen: „Ich freue mich unwahrscheinlich auf die neue Saison, es könnte schon jetzt losgehen.“ Er wird wahrscheinlich am nächsten Sonntag beim Trainingsauftakt sein, und er wird nach Flensburg fahren, wenn der HSV dort testet. Hermann Rieger hat schon wieder große Pläne mit „seinem HSV“. Dass es nun den Umbruch gibt, das befürwortet er zu 100 Prozent: „Es musste sein, denn alles andere, was hier versucht wurde, hat uns ja auch nicht weitergebracht.“ „Hermann the german“ vertraut dem neuen Sportchef Frank Arnesen („Der wird genau wissen, was er tut“), den er als absoluten Fachmann einschätzt. Nun muss sich herauskristallisieren, wie sich die Talente, die von Arnesen gekauft wurden, machen, wie sie sich entwickeln. Rieger: „Sie sind ja nicht nur jung, sie sind ja auch sehr unerfahren. Ich hoffe aber, dass sie sich so entwickeln, wie es ihnen von Frank Arnesen zugetraut wird. Wir alle müssen Geduld aufbringen und die Ruhe bewahren.“

Zwei HSV-Personalien haben es Hermann Rieger in diesen Tagen besonders angetan. „Ich freue mich sehr, dass Collin Benjamin nun für 1860 München spielt, ich freue mich für ihn, dass er dort einen Zwei-Jahres-Vertrag bekommen hat. Ich bin Collo-Anhänger, und ich freue mich auch für die Löwen, denn von diesem Klub bin ich schon seit vielen Jahren ein kleiner Fan“, sagt Hermann. Er bedauert aber auch den Fortgang von Joris Mathijsen, über den er sagt: „Joris ist ein feiner Kerl, mit ihm habe ich mich sehr gut verstanden, er ist in meinen Augen ein Vorbild-Profi. Sein Wechsel nach Malaga tut mir ein bisschen weh, aber so ist das Leben als Fußball-Profi – er bekommt in Spanien deutlich mehr Geld als in Hamburg.“

Genau dieser Punkt dürfte ausschlaggebend sein. Geld regiert die Fußball-Welt. Das wird auch Eljero Elia wohl noch sehr eindrucksvoll merken. In diesen Wochen bemühte sich ja schon Juventus Turin um die niederländischen Flügelflitzer, nun soll auch der FC Chelsea Interesse haben. So besagt es ein Gerücht in England. Wobei sich die Experten noch nicht einig sind, ob der Ex-Klub von Arnesen dem HSV nur mal kurz in die Suppe spucken möchte (Motto: „Wie du mir, so ich dir“), oder ob es wirklich um eine angedachte Verstärkung geht? Vielleicht sind die Chelsea-Verantwortlichen aber doch nicht ganz so amüsiert darüber, dass der Herr Arnesen dem Klub gleich vier Talente (Bruma, Töre, Sala, Mancienne) abspenstig gemacht hat.

Für den HSV könnte es letztlich nur gut sein, wenn es nach Juve einen weiteren potenziellen Klub gibt, der Elia haben will, denn Konkurrenz belebt das (Geld-)Geschäft.

Apropos Konkurrenz. Die gibt es ja auch im deutschen Fußball, vielfältig sogar. Und auch unter den Landesverbänden. Davon konnte ich mich in der abgelaufenen Woche überzeugen, als ich, wie bereits erwähnt, beim Hamburger Verbandstag war. Eine Geschichte ist dabei schon vom Tisch: Vor einem Jahr wollte Schleswig-Holstein alle Vereine, die im nördlichsten Bundesland zu Hause sind, die aber in Hamburg am Punktspielbetrieb teilnehmen (z. B. Norderstedt, Quickborn, Reinbek, Elmshorn, Pinneberg), zu sich holen. Hamburg war entsetzt und sauer, aber nun ist diese Geschichte vom Tisch, alles bleibt wie es ist.

Trotz allem „wildern“ die Schleswig-Holsteiner aber weiter in Hamburg. Nachdem sie bereits Gert „Charly“ Dörfel als Fußball-Botschafter gewonnen haben, haben sie sich nun den größten Hamburger Fußballer aller Zeiten geangelt: Uwe Seeler. Der Ehrenspielführer war vor einer Woche bei der Grundsteinlegung der neuen Sportschule Malente anwesend, und das hatte seinen Grund. Die Sportschule, in der sich früher auch die Nationalmannschaften vorbereiteten, wird in einem Jahr fertiggestellt sein – und heißt dann Uwe-Seeler-Sportschule.
Herzlichen Glückwunsch, ihr Schleswig-Holsteiner, ihr habt es kapiert, wie es gemacht wird. In Hamburg ist der Ehrenspielführer zwar längst Ehrenbürger, einen Platz, eine Straße oder Ähnliches aber ist nach ihm noch immer nicht benannt worden. Und ich frage mich, warum das stets erst dann geschehen darf, wenn ein großer Bürger gestorben ist? Uwe Seelers Popularität ist ungebrochen, deshalb hätte er es schon zu Lebzeiten verdient, in einer solchen Form, wie es nun Schleswig-Holstein macht, geehrt zu werden. Andere aber müssen so etwas wohl immer erst vormachen . . .

Und wenn ich so über das Wort Ehrung nachdenke: Felix Magath ist ja nun eine besondere (und fragwürdige) „Ehre“ widerfahren. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 wurde der ehemalige Trainer des Klubs noch einmal nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Das nenne ich Dankbarkeit. Erst werden die Knappen Vizemeister, dann sind sie der letzte deutsche Verein in der Champions League – und sie gewinnen den DFB-Pokal. Da hält man dann eigentlich seinen Mund (andere würden es deftiger ausdrücken!), aber es ist wohl so Sitte, doch noch einmal nachzutreten. Ich kann das nicht fassen. Der Trainer ist weg, der Schalker Briefbogen ist um einen Titel ergänzt worden – und trotz allem fallen sie noch einmal über Magath her.
Gehört sich so etwas?
Mich empört das!

Aber auch das gehört wohl zum eiskalten Profi-Geschäft. Interessant noch zu Schalke ist zu sagen, dass dort die Presse (auf Beschluss der anwesenden Mitglieder) von der Versammlung ausgeschlossen wurde. Ich denke, das wird Schule machen . . . Wir werden es erleben.

So, bevor ich nun zur Trainer-Serie komme, noch ein Wort zu Michael Ballack. Niemand weiß, was hinter den Kulissen wirklich zwischen Bundestrainer Joachim Löw und Ballack gelaufen ist, deswegen sollten wir alle mit Verurteilungen in diese oder jene Richtung vorsichtig sein. Ich bin es jedenfalls. Und trotz allem muss ich sagen, dass ich eine gewisse Freude verspüre. Nicht über diesen Krach, sondern darüber, dass Ballack einst nicht zum HSV gekommen ist (er war hier ja durchaus ein Thema). Wir hätten hier in Hamburg nur noch mehr Ärger gehabt (als ohnehin schon), und das hätte sicherlich auch noch mehr gestört.

Nun aber zu Kurt Jara. Am 8. Oktober 2001 wurde der Österreicher neuer HSV-Trainer. Auch deshalb, weil nicht ich ihn nach Hamburg vermittelt habe, sondern weil damals Hermann Rieger seine Hände im Spiel hatte. Er brachte den HSV, in dem Fall Holger Hieronymus, und Jara zusammen – und daraus wurde dann eine feste Trainer-Anstellung.

Ich halte mich ganz kurz mit dem, was ich dazu sagen (schreiben) möchte. Mein Verhältnis zu Jara ist kein gutes gewesen, mein Einfluss im Verein begann damals schon zu bröckeln (welch ein Blödsinn!). Mich störte die Oberflächlichkeit des Österreichers. Er nannte seinen Abwehrchef noch nach einigen Wochen in Hamburg immer „mein Kapitän Hoogmann“. Gemeint war, Ihr könnt es Euch denken, Nico-Jan Hoogma. Mich sprach Herr Jara immer mit „Herr Matzen“ an, was ich stets überhörte. Nicht aber Teammanager Marinus Bester, der seinen Coach oft korrigierte, dann aber die Hoffnung auf Besserung aufgab. Heute begrüßen wir, Marinus und ich, immer noch: „Guten Tag Herr Matzen.“ Und: „Guten Tag Herr Besten.“ Und einen habe ich noch: Mitten in der Saison sprach Jara von seinem Co-Trainer: „Armin Reutershagen.“ Der heißt immer noch, heute als Co-Trainer von Dieter Hecking beim 1. FC Nürnberg, Reutershahn.

So, nur noch ein kleines Nähkästchen zu Kurt Jara. Als zur Saison 2002/03 der Argentinier Cristian Raul Ledesma (River Plate Buenos Aires) für teures Geld gekauft worden war, da wusch der Trainer seine Hände in Unschuld. Sein Assistent Manfred Linzmaier hatte Ledesma einige Male in Argentinien beobachtet und kam zu dem Urteil: „Nicht verpflichten!“ Der HSV aber griff dennoch zu. Kurios. Bis heute gelblieben! Und ich fragte damals, das Tonband habe ich bis heute aufbewahrt, Kurt Jara nach dem Training (in Ochsenzoll), warum er als Trainer diesem Transfer, der für niemanden Sinn machte, zugestimmt hatte?

Jaras Antwort: „Ich habe dem Sportchef gesagt, dass ich Ledesma nicht haben will, aber der Sportchef wollte ihn. Und er hat im Klub erzählt, dass wir mit Ledesma in den Uefa-Cup kommen würden. Da werde ich mich dann hüten, dem sportlich Verantwortlichen des Klubs zu widersprechen. Sollte ich, wenn wir Ledesma nicht geholt hätten, dann mit dem HSV in Abstiegsgefahr geraten, dann würde mir doch stets vorgehalten werden, dass es mit Ledesma garantiert besser gelaufen wäre. Da hätte ich keine Argumente dagegen gehabt. Der Trainer ist immer das schwächste Glied, ich hätte wohl meinen Job verloren – das wollte ich nicht riskieren, deswegen wurde Ledesma letztlich verpflichtet.“ Und endete hier als „Rohrkrepierer“.

Nach der Katastrophen-Tour nach Dnjepropetrowsk (0:3-Niederlage im Uefa-Pokal, Runde eins) und der 0:4-Pleite beim 1. FC Kaiserslautern musste Kurt Jara am 21. Oktober 2003 seinen Hut nehmen. Es hatte in neun Bundesliga-Spielen ganze zwei HSV-Siege gegeben. Es übernahm Klaus Toppmöller.

PS: Das kann ich mir dann immer noch nicht verkneifen. Vielen Dank für die Aufklärungsarbeit, die hier nach meinem letzten Beitrag über mich geleistet worden ist, ich habe viel gelernt über mich. Herzlichen Dank, jetzt denke ich doch schon wieder ganz anders über mich – Ihr seid so gut zu mir.

Ich wünsche allen „Matz-abbern“, dass sie gesund bleiben oder es werden (Benno!), und ich wünsche allen einen wunderschönen Start in eine erfolgreiche und hoffentlich sonnige Woche. Und ich drücke mir die Daumen, dass der HSV dann vielleicht doch noch den einen oder anderen Stürmer verpflichten wird, denn daran dürfte es sonst mangeln. Das aber ist nur meine ganz unmaßgebliche Meinung.

19.35 Uhr