Tagesarchiv für den 10. Juni 2011

Jansen hat “Bock auf den neuen HSV” ****Korrigierter Teil mit Magath****

10. Juni 2011

Es ist schon lustig, wie hier einige argumentieren. Da versuch ich mich mit einem simplen Wortspiel „Aber bei Dänen kennt sich Arnesen sicher aus“, wobei „Dänen“ als „denen“ verstanden werden durfte, und hier werde ich als Nörgler kritisiert, weil das so einen bitteren Unterton hätte… Nun denn, wer nörgeln will, der findet immer was.

Ich jedenfalls will nicht nörgeln. Worüber auch? Im Moment ist es ja noch sehr ruhig. Es gibt – und das wird ob der finanziellen Situation des HSV wohl auch so bleiben – eh keine großen Namen, die spekuliert werden. Stattdessen werden Talente präsentiert. Namen und Spieler, über deren Leistungsvermögen wir nur wild spekulieren können – oder eben genau das lassen.

Klarer positionieren können wir uns dagegen bei den Spielern, die schon länger dabei sind. Wie bei Marcell Jansen, der zudem immer wieder mit den verschiedensten Spekulationen verbunden wurde und wird. Der Linksfuß wurde jüngst mit dem VfL Wolfsburg und seinem ehemaligen Trainer Felix Magath in Verbindung gebracht. Angeblich haben die VW-Städter Interesse an Jansen, nachdem sie selbst zwei „Linke“ abgeben mussten.

„Ich beschäftige mich nur mit meiner Fitness. Sollte der HSV überlegen, mich abzugeben, wäre das ein Zeichen dafür, dass man nicht hundertprozentig mit mir plant. Dann wäre es nur legitim, wenn auch ich mich damit beschäftige. Ich weiß aber nichts von derartigen Gedanken geschweige denn von einem Angebot. Deshalb ist das Thema für mich nicht aktuell.“

Dabei ist es lange kein Geheimnis mehr, dass die Ehe zwischen Jansen und dem HSV trotz Vertrages bis 2013 nicht allzu liebevoll ausgelebt wird. Gerade 16 Einsätze hatte der Nationalspieler, der wegen eines Zehbruchs nahezu drei Monate komplett ausgefallen war. Unter Armin Veh hätte Jansen gar keine Rolle mehr gespielt. Das hatte der inzwischen bei Eintracht Frankfurt angeheuert Coach mehrfach inoffiziell verkündet. Und inwieweit sich Vehs damaliger Assistent und heutiger Cheftrainer Michael Oenning davon lösen kann, bleibt abzuwarten. Ein erstes Gespräch zwischen Oenning und Jansen verlief friedlich. Aber auch nicht mehr als oberflächlich. „Mir wurde nichts Besonderes mitgeteilt. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich meinen Vertrag beim HSV normal erfülle.“

„Es liegt jetzt an Marcell, etwas anzubieten“, hatte Oenning vor seinem USA-Urlaub gesagt – und Jansen offiziell die Tür zum HSV aufgemacht. „Ein gesunder Marcell Jansen kann uns ganz sicher helfen“, so Oenning. „Ich habe mit dem Trainer gesprochen“, sagt Jansen, „und er hat mir gesagt, dass er mit mir plant. Ich bin und bleibe ganz entspannt und werde sicher nicht derjenige sein, der die Personalie Jansen eröffnet.“

Gut so. Der 25-Jährige war zuletzt zu oft zu forsch. Verbal wohlgemerkt. Zumindest musste sich Jansen diesem Vorwurf intern erwehren. Jetzt gibt er sich optimistisch. „Wir stehen vor einer schwierigen Situation, ganz klar. Wir machen einen zwangsweisen Schnitt und können sicherlich nicht mal eben sieben oder gar zehn Millionen für einen Neuen auf den Tisch legen. Aber wenn wir es schaffen, eine coole, homogene Truppe auf die Beine zu stellen, wo der Trainer vorwegmarschiert – dann kann das richtig gut werden. Ich hätte auf jeden Fall richtig Bock darauf.“ Obwohl er keinen der drei bisherigen Neuen kennt? „Wir müssen allen eine faire Chance geben. Immerhin muss sich unser Konzept erst noch beweisen – und wir wollen und müssen dabei helfen.“

Auch Jeffrey Bruma. Der niederländische Innenverteidiger soll noch an diesem Wochenende seine Entscheidung bekanntgeben, wohin er wechselt. Zuletzt hatten sich die HSV-Vorstände optimistisch geäußert, inzwischen werden die Chancen auf Bruma etwas bedachter formuliert. Und das auch nur inoffiziell selbstverständlich. Klar sei nur, dass die Entscheidung an diesem Wochenende fallen soll. Schließlich will Arnesen ab Sonntag bei den Qualifikationsspielen zur U-21-EM vor Ort sichten.

Womit ich doch noch ein kleines Nähkästchen hätte – ******ein korrogiertes*******

Dass Felix Magath ein harter Hund ist, ist bekannt. Und unbestritten. So auch 1996, als Trainer des HSV. Zusammen mit Manager Bernd “Fummel” Wehmeyer war er im Winter 1996 zum Sichten zu Bröndby gefahren, Als der interessante Spieler zum Warmmachen mit einer Mütze auflief, sagte Magath nur: “Fummel, lass uns los. Einen mit Mütze brauchen wir nicht.” Der Spieler war abgehakt und für Magath nicht mehr interessant.

Die Geschichte mit Brian Laudrup war eine andere. Damals wurden Magath als Manager 1988 und dem HSV der Däne angeboten und vom HSV abgelehnt. Meine Wirrungen beweisen nur mal wieder, dass man sich immer nur auf das verlassen sollte, was man mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hat. Entschuldigt…

Über viele alte aber auch neue Entwicklungen haben sich unterdessen Uwe Seeler und HSV-Klubboss Carl-Edgar Jarchow unterhalten. Dieter hat schon mal einen kleinen Vorgeschmack geliefert:

Sie begrüßten sich wie Freunde, und sie sind alte Freunde. Uwe Seeler und Carl-Edgar Jarchow stellten sich nun gemeinsam den Fragen von Alexander Laux und Dieter Matz. Zu lesen ist dieses ausführliche und fast seitenlange Interview in der Wochenend-Ausgabe des Abendblatts. Das deutsche Mittelstürmer-Idol und der neue HSV-Boss trafen sich im Fischereihafen-Restaurant und spielten sich die Bälle auf Höhe Elbblick gekonnt zu. Beiden Herren ist es anzumerken, dass es ihnen um die Raute geht, sie wollen beide auf ihre Art versuchen, den HSV wieder flott zu machen und wieder an die Spitze führen. Jarchow macht es als erster Mann in Klub, „uns Uwe“ als Mann, der aus der Tiefe kommt. Er will mithelfen, wo er mithelfen kann – und bei diesem Interview war deutlich erkennbar, dass es schon eine gemeinsame Linie gibt.

Hier schon einmal einige Auszüge aus dem Interview, das am Sonnabend im Hamburger Abendblatt erscheint und das wir Euch morgen in der ungekürzten Fassung hier noch zur Verfügung stellen werden:

Carl-Edgar Jarchow: Dann musst du als Mannschaft funktionieren, das hat Heiko (Westermann, d. Red) ja gesagt damals. Er kommt rein in die Truppe, da arbeitet keiner zusammen, du kannst nicht mal abends zusammen weggehen.
Abendblatt: Ist das nicht aber auch eine Frage der Führung, der Arbeit des Trainers? Muss ein Klub nicht mehr Geduld mitbringen?
Uwe Seeler: Da sind wir doch einer Meinung, oder? Das, was bei uns beim HSV in den vergangenen acht Jahren passiert ist, ist eine Katastrophe
Jarchow: Ja, absolut.
Seeler: Jedes Jahr ein neuer Trainer….
Jarchow: . . . wobei nicht jeder Trainer eine Katastrophe war.
Seeler: Ja, ja.
Jarchow: Obwohl – einige schon.
Seeler: Einfach eine Katastrophe!
Jarchow: Wir haben uns ja fest vorgenommen, nicht nach drei, vier verlorenen Spielen an den Trainer zu denken. Da sind wir als Vorstand gefordert, ein bisschen Geduld zu beweisen.
Seeler: Ich werde häufig gefragt, was ich vom HSV erwarte. Wissen Sie, was ich dann antworte? Ich würde mich riesig über einen gesicherten Mittelfeldplatz hätten.
Jarchow: Ich auch.
Seeler: Alles, was oben drauf kommt . . .
Jarchow: . . . wäre Zugabe.
Seeler: Eine Riesenfreude. Dass eine Mannschaft nicht alles gewinnen kann, wenn du sie mit Jungen umbaust, ist logisch. Dortmund hat auch zwei Jahre gebraucht.

In diesem Sinne, freut Euch morgen auf das ganze Interview. Es ist wirklich sehr lesenswert! Und ich hoffe, dass wir Euch damit ein schönes langes Pfingstwochenende gebührend einläuten können.

Scholle
18.48 Uhr