Tagesarchiv für den 5. Juni 2011

Der Umbruch – den wir wollten . . .

5. Juni 2011

Englisch? Oder wie wird beim HSV künftig gesprochen? Das fragte mich heute ein Kollege in der Springer-Kantine. Englisch! Liegt auf der Hand. Jetzt, wo ein Chelsea-Spieler nach dem anderen kommt. Der Herr „Heerke“ war ja der Schnellste. Kompliment. Geht alles gut, dann ist der Deutsch-Türke Gökhan Töre am Montag der nächste Spieler, der vom FC Chelsea nach Hamburg wechselt. Willkommen an der Elbe. Und wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese, so wird dem jungen Mann ja eine sehr gute Veranlagung nachgesagt – und eine hervorragende sportliche Zukunft prophezeit. Ich sage aber erst einmal noch: abwarten. Und zwar in vielerlei Beziehungen.

Erst muss der medizinische Check bestanden werden, dann muss der Spieler erst einmal in Hamburg sein Talent beweisen, er muss auch zeigen, dass er der Mannschaft sofort helfen kann. Abwarten, abwarten, abwarten. Wobei es ja auch immer noch so sein kann, dass Sala und Töre eher ihren Weg über die Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso gehen sollen – und auch müssen. Nur haben sie in Hamburg sicherlich viel bessere Chancen, dann auch tatsächlich zu den Profis zu stoßen, denn bei Chelsea hat das in den letzten Jahren doch kaum einer aus dem eigenen „Stall“ nach ganz oben geschafft. Die Abramowitsch-Millionen machten einen direkten Weg, nämlich die ganz teuren und fertigen Stars zu holen, möglich, und dann geht man diesen Weg selbstverständlich auch.

Bezüglich der HSV-Verpflichtungen aus England aber, das gebe ich zu, habe ich in den letzten Stunden sowohl skeptische Sätze als auch sehr hoffnungsvolle Beurteilungen von einigen „Experten“ vernommen. Am Sonnabend telefonierte ich zum Beispiel mit einem der ganz großen HSVer, und der sagte ohne jede Effekthascherei: „Ich mache mir große Sorgen um unseren HSV . . .“ Was ja auch durchaus nachvollziehbar ist, das will ich gar nicht in Abrede stellen. Wie ich jedoch schon bei der Verpflichtung von Jacopo Sala schrieb: Wir alle wollten den Umbruch, wir wollten auch eine Verjüngungskur – und genau diese beiden Dinge sind mit diesen Jungs nun in Angriff genommen worden.

Dass sich Sportchef Frank Arnesen dabei vornehmlich bei seinem letzten Arbeitgeber bedient, dass er Talente holt, die er einst zum FC Chelsea gelotst hat, das ist gewiss nicht verwerflich. Und letztlich muss Arnesen dafür auch die Verantwortung tragen. Geht es schief, dann ist er derjenige, der dafür seinen Kopf wird hinhalten müssen. Das Risiko liegt, ganz eindeutig, nur bei Frank Arnesen. Und ich schätze ihn so ein, dass er ganz genau weiß, was er tut.

Dass auch der HSV ein Risiko eingeht, das will ich dabei nicht verheimlichen: Der Däne ist erstmalig Sportchef in der Bundesliga, mit Carl-Edgar Jarchow gibt es einen neuen Klub-Boss, der diesen Job auch erstmalig macht, und mit Michael Oenning gibt es einen Trainer, der zum ersten Mal als Chef-Coach des HSV in die Saison geht. Ziemlich viel Neues auf einmal beim HSV, da kann das Mitglied und der eingefleischte HSV-Fan nur hoffen, dass jeder seine Aufgaben auf Anhieb auch zu 100 Prozent erledigt. Ich, das will ich gerne gestehen, bin da aber absolut guter Hoffnung. Doch auch ich werde natürlich erst einmal abwarten müssen, was es dann tatsächlich gibt . . .

Grundsätzlich aber ist es doch so: Warum sollten wir jetzt schon alles verdammen oder schlechtreden? Dazu gibt es keinen Anlass. Erstens kennen wir die neuen Spieler gar nicht gut genug, wir wissen doch noch gar nicht richtig, was sie zu leisten imstande sind, und zweitens, das halte ich mir immer wieder vor Augen: Was haben sich eigentlich die vielen Dortmunder Fans gedacht, als sie eines Tages Namen wie Sahin, Großkreutz, Schmelzer, Götze, Kagawa und Co vernahmen? Haben die BVB-Fans von Abstieg gesprochen? Vielleicht sitze ich ja zu weit von Dortmund entfernt, aber große Klagen oder Vorverurteilungen der Art, dass diese Jungs nichts können, habe ich seinerzeit nicht vernommen.

Wir alle sollten allen eine faire Chance geben. Und auf diese Art und Weise mithelfen, dass alles so viel besser wird, wie wir uns das nach der schlechten Saison zuletzt erhofft und gewünscht haben.
Mein Wort zum Montag.

So, dann wurden mir von der HA-Internet-Abteilung noch zwei Mails nachgereicht, die nicht an mich direkt, sondern an die Gewinnspiel-Adresse geschickt worden waren. Ich möchte diese Zeilen hier einmal zur Anregung (Diskussionsstoff?) veröffentlichen:

„Hallo Herr Matz,

erst mal möchte ich mich für Ihren Blog bedanken. Diesen lese ich regelmäßig und finde ihn sehr unterhaltsam und informativ.
Nerven tut mich persönlich nur das Jammern, Zicken und Pöbeln einiger User. Leider lässt sich so etwas im Internet nicht abstellen. Ich finde Sie und ihr Kollege sollten viel weniger auf diese Leute eingehen und konsequenter Ihre Meinung schreiben. Ich lese teilweise im Blog viele Absätze nur mit Rechtfertigungen von Ihnen und dem Kollegen „Scholle“. Sie brauchen sich nicht rechtfertigen/erklären. Ich würde das weglassen. Somit haben die Nörgler und Querulanten auch weniger Brennstoff zum Zündeln.

Ein anderer Grund, der eigentliche Grund, weshalb ich Ihnen schreibe ist, dass ich von der Arbeit beim HSV enttäuscht und genervt bin. Ich habe mir vor längeren einen HSV-TV Zugang für 11,99 € legen lassen. Da ich als Exil-Hamburger in Köln leben muss (J) und auch viel unterwegs bin, habe ich mir diesen Zugang damals zugelegt, um immer auf dem neusten Stand zu sein. Die Inhalte im HSV-TV haben mich immer mehr enttäuscht, genau wie die Leistung der Mannschaft, deshalb habe ich mein „Abo“ per E-Mail gekündigt. Die Kündigung wurde bestätigt.
Letzte Woche schaue ich meine Kontoauszüge durch und stelle fest das wiederholt ein Betrag von 11,99 € abgebucht wurde, trotz Kündigung. Was ja mal passieren kann. Allerdings wird es bunt wenn man versucht mit dem HSV Kontakt aufzunehmen. Meine Mails wurden nicht beantwortet, was mich dazu bewegt hat direkt einmal beim HSV anzurufen, natürlich unter einer kostenpflichtigen 01805-Nummer. Als ich bei der netten Dame am „Empfang“ gelandet bin hat sie mir mitgeteilt, dass die beiden Kollegen im Urlaub sind (wer auch immer diese Kollegen sind??!!). Ich habe ihr zu verstehen gegeben, dass ich als Kunde da ja nun nichts dafür kann und gerne eine Lösung haben möchte. Ich wurde ohne ein Wort wieder in eine Warteschleife gedrückt, bis sich irgendein schlecht gelaunter Mann meldete (ich befürchte, ich bin in der Pressestelle gelandet). Mir wurde das gleiche gesagt: „Die sind im Urlaub!“ und: „Man kann da jetzt nichts machen!“

Fazit: Unfreundlicher Umgang, kein Verständnis für mein Anliegen… Es sind zwar nur 11,99€ für drei Monate, die regen mich auch nicht auf, aber der Umgang mit mir und meinem kleinen Problem finde ich wirklich frech. Fängt hier nicht ein Umbruch an, im Service, am Kunden, beim Fan?

Ich befürchte da wartet noch einiges an Arbeit auf den HSV. Würde der Verkäufer und Besitzer in dem Kiosk in meiner Straße so mit seinen Kunden umgehen, wäre er pleite.

Entschuldigen Sie meinen Roman, aber ich musste das einfach loswerden. Vielleicht gibt es ja mehr Opfer und man kann eine Selbsthilfegruppe für Geschädigte des HSV gründen.
Zu dieser lade ich dann auch gerne die Pöbler aus Ihrem Blog ein.

Beste Grüße aus Köln.“

Und noch eine Mail eines „Matz-abbers“:

„Lieber Dieter. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich auf diesem Wege erreiche. Ich hätte den Vorschlag, dass du ab der kommenden Saison etwas mehr Jugend in den Blog einbauen könntest. Mehr Infos zur U23 und U19. Zum Beispiel fand kürzlich ein Probetraining unter der Leitung von Soner Uysal statt, wo Talente getestet werden. Solche Infos könnten im Blog gut ankommen. Oder auch 1-2mal die Woche Updates zu den Entwicklungen der U23 und U19/U17. Die Jugend wird viel zu sehr vernachlässigt, auch bei der Journaille.
Mit freundlichen Grüßen.“

In beiden Fällen sind mir die richtigen Namen der Schreiber bekannt.

17.01 Uhr