Tagesarchiv für den 1. Juni 2011

Hoffentlich macht Ruud jetzt nicht den Boris

1. Juni 2011

Ihr musstet lange warten. Und jetzt ist der Blog auch noch etwas kürzer als sonst. Allerdings habe ich lange Zeit überlegt, ob ich überhaupt einen Blog schreibe, da ich flach liege. Der Magen wollte heute nicht, wie ich so wollte. Ergebnis: Er rebellierte und ich war/bin an die Couch gefesselt.

Aber gut, genug gejammert…. Es wird ja schon langsam wieder. Auch wenn Pressedirektor Jörn Wolf schon zweimal nachfragen musste, als ich ihn anrief. Irgendwie hatten die Auswirkungen der Rebellion meine Stimmbänder beeinträchtigt. Dennoch konnte ich ihm einige wichtige Fragen stellen. Auch, wenn er leider naturgemäß nicht alle beantworten wollte.

„Es war ein äußerst ruhiger Tag“, so Wolf mit der Antwort, die ich am wenigsten hören mag. Einzig Guy Demels Berater saßen heute mit dem Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow und Sportchef Frank Arnesen zusammen. Ihr Ziel schien tatsächlich die Ablösefreiheit des Ivorers, der sich so unrühmlich in Hamburg verabschiedet hatte. Allerdings blieb der HSV stur. Zwar wurde ganz klar gesagt, dass Guy gehen darf – allerdings nicht für null. „Wir haben nichts zu verschenken“, so Arnesen, der uns morgen früh Rede und Antwort stehen wird, mit der für mich logischen Reaktion.

Morgen wird uns Arnesen vielleicht auch erzählen, was jetzt mit Mladen Petric ist. Der Kroate, der wegen Adduktorenproblemen die Länderspieltour mit den Kroaten abbrach und wieder in Hamburg weilt, soll gehalten werden. Ein Treffen mit dem Berater des Top-Torjägers blieb allerdings ergebnislos. Beide Parteien liegen in ihren Vorstellungen noch weit auseinander, nachdem Petric das Jahresgehalt von rund vier Millionen Euro seines Sturmpartners Paulo Guerrero als Maßstab ansetzt. Ein Gehalt, das der HSV in der aktuellen Situation nicht zahlen kann/will. Und eines (das von Guerrero!), das Arnesen intern heftig und als völlig überzogen kritisiert hatte.

Eine Einigung steht indes – und damit bleiben wir beim Thema Geld – bei Ruud van Nistelrooy bevor. Der will heute oder morgen beim spanischen Zwölften der Primera Division, dem FC Malaga, unterschreiben. Ein Jahr plus Option hat der Niederländer ausgehandelt. Nebst einem Gehalt, das sich jenseits des Guerrero-Gehaltes bewegen soll. Möglich macht es ein Scheich, der den spanischen Klub inzwischen mit seinen Milliarden führt.

Dabei war es Ruud, der immer sagte, wie unwichtig ihm das Geld bei seiner Entscheidung sei. „Ich werde nur dort noch spielen, wo für mich alles passt. Sportlich und familiär.“ Nun ist beides sicher relativ, aber sportlich scheint der Klub, bei dem auch Martin Demichelis spielt, nicht die erste Adresse in Europa. Und davon hatte Ruud nach eigener Aussage auch zwei, drei gute Angebote vorliegen.
Aber egal, diesen Kummer bin ich von meinen einstigen Idolen gewohnt, Zuerst war es der HSV, der mir die eine oder andere romantische Vorstellung nahm. Einst mit der Raute auf der Wange im Block E/F gestanden, erfuhr ich durch meinen Job plötzlich, dass nicht alles so schön war, wie es schien.

Dann das schlimmste Beispiel: Boris Becker. Der Mann aus Leimen, der Held meiner Jugend, der Deutschland fast im Alleingang in die Tennis-Weltspitze schlug, ließ sich in Besenkammern verführen, bei Hochzeiten filmen und für die Gala (oder sonst ein Promi-Blatt) fotografieren. Er ging mit einem Autohaus pleite und stellte sich immer mehr zur Schau. Er entblößte sich. Und plötzlich war das Bild des goldhaarigen 17-Jährigen nach dem Match gegen Kevin Curren gewichen.

Und jetzt Ruud… Der einst in meinen Augen beste Angreifer der Welt, der dem Erfolg alles – auch die Gesundheit seiner Gegner – unterordnete und so viel Geld verdient hat, dass er es wahrscheinlich kaum mehr ausgeben kann, wechselt zu Malaga. Nichts gegen den schönen Ort an der Südspitze Spaniens – aber das hätte ich nicht gedacht. Ich kann nur hoffen, dass der Scheich ihm neben den Millionen einen sportlichen Ausblick gegeben hat, der mich eines Besseren belehrt.

In diesem Sinne, hoffentlich macht Ruud nicht den Boris – sonst ist die nächste Rebellion meines Magens vorprogrammiert.

Bleibt gesund! Und bis morgen! Dann mit Arnesen.

Scholle
(18.54 Uhr)