Monatsarchiv für Juni 2011

Bruma ist da – selbstbewusst und zielsicher

30. Juni 2011

Die Karnickel waren fleißig. Nächtelang haben sie gebuddelt und Tunnel unter das satte Grün des Sylter Stadionrasens gegraben. Ergebnis: das Testspiel wurde heute Mittag kurzzeitig abgesagt. Die zwei HSV-Greenkeeper überzeugten sich höchstselbst vom unbespielbaren Zustand des Platzes und sagten die Partie wegen der zu hohen Verletzungsgefahr für die Spieler ab. Womit Bernd „Fummel“ Wehmeyer auf den Plan gerufen wurde und kurzerhand Gott und die Welt (der Mann kennt jeden!) in Bewegung zu setzen und das Spiel auf den Trainingsplatz des HSV am „Nordsee-College Sylt“ zu verlegen, wo am morgigen Freitag um 18.30 Uhr der Anpfiff zum ersten Test des neuen, jungen HSV gegen eine Nordfriesland-Auswahl angepfiffen wird.

Was den rund 500 für heute erwarteten Zuschauern entgangen sein wird, ist der erste Auftritt von Jeffrey Bruma, der heute Nachmittag bei immer noch starken aber gegenüber dem Orkan am Morgen fast angenehmen Winden seine erste Einheit als HSV-Profi absolvierte. Dabei wirkte der Niederländer nach seinem kurzen Urlaub erstaunlich frisch. Am Ball zeigte er bei Passübungen wie beim Turnier, dass er zu den spielerisch besseren Innenverteidigern zählt. „Jeffrey ist noch sehr jung, hat aber schon bewiesen, dass er auf höchstem Niveau spielen kann“, lobt Trainer Michael Oenning und stellt damit den Unterschied zu den ebenfalls vom FC Chelsea gekommenen 19-Jährigen Gökhan Töre und Jacopo Sala heraus, „aber für ihn wie für alle anderen gilt das Prinzip: Wer Leistung anbietet, erhält seine Chancen.“

Den überaus positiven Eindruck wusste Bruma im Gespräch zu bestätigen. Gekleidet in seine neuen HSV-Klamotten, die so neu waren, dass am Polo-Shirt noch das Adidas-Schild hing, referierte der 19-Jährige locker, flockig und mit einem breiten Grinsen über seine Beweggründe, zum HSV zu wechseln. Und das in bestem Deutsch. „Ich habe die Sprache drei „Jahre lang in der Schule gelernt“, so Brumas Erklärung – auf Deutsch selbstverständlich.

Der gelernte Innenverteidiger hatte am Mittwoch nach seinem bestandenen Medizincheck in Hamburg einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Dieser sieht vor, dass der FC Chelsea Bruma nach einem Jahr zurückholen könnte. Sollte das nicht passieren, hätte der HSV vor Ablauf des Leihvertrages eine Kaufoption zu einer festgeschriebenen Ablösesumme. Ob Bruma sich vorstellen kann, länger als zwei Jahre in Hamburg zu bleiben? „Ich habe keinen konkreten Karriereplan“, sagt Bruma, lässt allerdings zugleich keinen Zweifel daran, dass er große Ziele hat. „Ich bin jetzt 19 Jahre und am Anfang meiner Entwicklung. Ich hatte verschiedene Angebote. Drei aus England, von den Top-Klubs in den Niederlanden – aber der HSV ist die beste Option für mich. Ich will mich hier entwickeln und den nächsten Level erreichen. Dafür ist eine gute Mannschaft in einer Top-Liga wie die Bundesliga wichtig. Wenn ich hier gute Leistungen zeige, ist das auch gut für meine Nationalmannschaftskarriere.“ Und sein größtes Ziel ist, mit den Niederlanden bei der EM 2012 in der Ukraine und Polen dabei zu sein.

Was sich für den einen oder anderen nach der berühmt-berüchtigten Übergangsstation anhören mag, für die der HSV eine zeitlang verschrien war, ist vielleicht nicht falsch. Aber eben normal und okay, wenn der HSV davon profitiert. Und in diesem speziellen fall glaube ich, dass der HSV richtig gehandelt hat. Zumal Bruma nicht anfängt, irgendwelche Herzensgeschichten im Zusammenhang mit dem HSV populistisch anzuführen. Er ist kein Mann der Show, kein Schnacker. Im Gegenteil, der kantige Abwehrmann wirkt extrem ehrlich, scheint klar zu sein und keinerlei Starallüren zu haben. Er kommt sehr sympathisch rüber, ist höflich zurückhaltend, aber zielbewusst. Er scheint ein wenig das Gegenteil von Eljero Elia zu sein, der … naja, auch hier geloben HSV und Spieler Besserung – und dabei belasse ich es, weil ich weiterhin von den sportlichen Qualitäten des niederländischen Nationalspielers überzeugt bin.

Nein, Bruma weiß, dass er noch einen weiten Weg zu gehen hat. Er scheint devot gegenüber dem Profifußball und allem, was dazugehört. So legt er großen Wert darauf, seine Eltern um sich herum zu haben. Er sei kein Partygänger und wolle sich auf seinen beruf und seine Karriere konzentrieren. Dafür braucht er Sicherheit um sich herum. „In zwei Wochen, sobald ich eine Unterkunft für mich gefunden habe, kommen meine Eltern und bleiben für ein paar Monate.“ Zudem erwartet Bruma seine 19-jährige Freundin Jorja Zimmerman in ein paar Wochen. Allerdings, und das ist für Bruma ebenfalls ganz normal, „sie reist wieder zurück, weil sie noch sehr jung ist und gerade angefangen hat zu studieren. Aber sie wird mich so oft es geht besuchen.“ Einfach vernünftig.

Dabei hätte Bruma es sich leichter machen können. Seit Jahren buhlt der HSV um das Talent. Er selbst war einem Wechsel gegenüber nicht abgeneigt, hatte dies auch schon im Winter in Erwägung gezogen. Allerdings lehnte Chelsea, bei dem Bruma noch bis 2014 unter Vertrag steht, damals ab und transferierte ihn auf Leihbasis zu Leicester City. Wie schon bei Töre und Sala vermochte erst Frank Arnesen alle von der Sinnhaftigkeit eines Wechsels nach Hamburg komplett zu überzeugen. Wobei bei Bruma auch die Gespräche während seiner Länderspieltour mit den Niederlanden in Südamerika Wirkung hatten. „Ich habe mich mit einigen Ex-HSVern unterhalten“, erzählt Bruma. So habe er zunächst von Nigel de Jong den Tipp erhalten, dass Hamburg ein großer verein sei, er nach Hamburg wechseln solle. Gleiches erzählten Khalid Boulahrouz und Joris Mathijsen, dessen Nachfolger Bruma werden soll. „Ich würde gern seine Position einnehmen“, sagt Bruma, „ich will auf jeden Fall allen zeigen, dass ich das drauf habe.“

Klar ist auf jeden Fall, dass Bruma vom HSV als Innenverteidiger geholt wurde und er selbst auch dort seine größte Stärke sieht. Welche Qualitäten er sich selbst bescheinigt? Bruma selbstbewusst: „Ich werde immer als moderner Verteidiger bezeichnet, weil ich schnell, zweikampfstark, stark und gut im Passspiel bin.“ Allerdings, im Kopfballspiel habe er noch Defizite, gibt er zu.

Defizite hat auch Sala. Der junge Italiener musste heute mit dem Training aussetzen, weil er muskuläre Probleme hat. Ob er Freitagmorgen bei der Fahrradtour dabei ist, ist noch offen. Ebenfalls noch offen ist, wann genau Mladen Petric wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. „Aber ich bin froh, dass er so früh schon wieder dabei ist“, freut sich Oenning.

In diesem Sinne, überzeugt davon, dass Bruma eine echte Verstärkung werden kann, sage ich für heute Tschüß und melde mich morgen wieder bei Euch. Dann mit dem ersten Testspiel im Rücken und voraussichtlich erst etwas später. Der Anpfiff gegen die Nordfrieslandauswahl ist erst um 18.30 Uhr…

Scholle

19.24 Uhr

Sylt steht im Zeichen der Neuen

29. Juni 2011

45 Minuten Laufen am Morgen, 2 Stunden und 15 Minuten beim Training um zehn Uhr auf dem Platz und eine knackige 120-Minuten-Einheit am Nachmittag – Michael Oenning hält, was er versprochen hatte: er macht die Mannschaft fit. Und obwohl es harte Einheiten sind, ist den jungen Spielern (so pauschal darf man inzwischen über diesen verjüngten HSV sprechen) das Lachen noch nicht vergangen. Mit Schuld daran ist auch ein Neuer. Sein Name: Frank „Funny“ Heinemann, seines Zeichens neuer Cotrainer und Bochumer Urgestein. Und ein lustiger, sehr positiver Typ. Zumindest erzählt man sich das über den 46-Jährigen, der 2009 für vier Bundesliga- und ein DFB-Pokalspiel sogar als Cheftrainer des Relegationsverlierers aus dem Ruhrpott agierte.

Uns gegenüber zeigte sich Heinemann zielsicher und selbstbewusst. Dass er seit seinem abrupten Karriereende 1995 (Kreuzbandriss) bislang nicht über die Rolle des Interims-Cheftrainers hinauskam, stört ihn nicht. Im Gegenteil. Heinemann ist zufrieden mit dem, was er gemacht hat – und vor allem mit dem, was er aktuell macht. „Es fühlt sich echt gut an, beim HSV zu arbeiten. Ich bin gern beim HSV.“ Menschlich sei er bereits voll angekommen, „von vielen netten Menschen sehr freundlich aufgenommen“, wie er es selbst formuliert.

Und das, obwohl der neue HSV-Cotrainer zuvor eine herbe Enttäuschung verkraften musste. Nach 35 Jahren beim VfL Bochum, für den er in der Jugend und im Profibereich kickte und arbeitete, wurde ihm im März von der VfL-Führung mitgeteilt, dass er als Jugendchef nicht mehr gebraucht würde. Sechs Jahre lang hatte er zuletzt immer nur Einjahresverträge unterschrieben und ritt demnach durchgehend auf der sprichwörtlichen Rasierklinge in einem Metier, das bekannt ist für viele Personalwechsel. „Aber für mich ist das kein Problem mehr, ich schaue nicht zurück“, sagt Heinemann.

14 Jahre lang hatte er als Cotrainer beim VfL gearbeitet. Er erlebte zuerst Toppmöller und anschließend Middendorp, Dietz, Zumdick, Schafstall, noch mal Dietz, Neururer und Koller mit. „Alles sehr unterschiedliche Typen, von denen ich gelernt habe“, sagt Heinemann und umgeht die Antwort auf die Frage, mit wem er nicht klarkam, sehr gekonnt: „Es war nicht nur leicht, aber Loyalität ist für mich oberstes Gebot.“ Auch deshalb betonte er, dass er nicht nach Hamburg gekommen sei, um irgendwann Oenning zu beerben. „Ich kann mit dem Amt des Cotrainers gut leben“, sagt Heinemann, „auch, weil ich weiß, dass dort meine Qualitäten liegen. Ich brauche keine Öffentlichkeit, selbst wenn mich die Öffentlichkeit als Hütchenaufsteller sieht. Denn die, die nahe dran sind, wissen, dass Fußball mehr ist als die 90 Minuten auf dem Platz und die Trainingseinheiten. Man ist mit dem Cheftrainer mehr zusammen als mit seiner eigenen Frau. Und ich bringe mich ein.“

Auch bei den neuen, jungen Spielern. Als Nachwuchschef des VfL hatte er lange Zeit „von der U9 bis zur U23“, wie er selbst sagt, zu tun. „Dabei habe ich viel über den Umgang mit den verschiedenen Generationen gelernt.“ Eine Erfahrung, die er beim Umbruch zu jungen Spielern auch beim HSV einbringen will. „Ich bin nicht der Spion des Trainers und auch kein Spieler. Ich bin dazwischen und weiß, dass wir nur dann Erfolg haben können, wenn wir eine positive Stimmung reinkriegen. Das muss nicht bedeuten, dass wir zusammen Quatsch machen. Aber wir müssen zusammen Spaß daran haben, zusammen Erfolg zu haben. Und das versuche ich zu forcieren.“

Klingt gut. Und der Gedanke dahinter ist es ganz sicher auch. Ob Heinemann noch mehr Hilfe anbieten kann? Ob er als Ex-Nachwuchschef des VfL nicht vielleicht das eine oder andere Riesentalent aus Bochum nach Hamburg lotsen könnte? Heinemann lacht: „Da sind schon ein paar interessante Spieler dabei, über die wir uns hier auch unterhalten.“

Die wiederum gibt es beim HSV auch. Neben den mitgereisten Amateuren sind das auf Sylt insbesondere die beiden Zugänge vom FC Chelsea, Jacopo Sala und Gökhan Töre. Beide wussten bei den spielerischen Übungen mit ihren überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten zu überzeugen. Und auch anschließend, im Gespräch, gaben sich beide mit überaus gesundem Selbstbewusstsein keine Blöße. Einsätze in der U23 des HSV? „Nee“, so Töre, „ich bin hier, um von Beginn an in der ersten Mannschaft zu spielen.“ Und während Sala nur zustimmend nickte, legte Töre nach. Er habe zwei harte Jahre in England hinter sich, weil er dort allein gelebt hatte. 13 Mal war er für die erste Mannschaft nominiert, saß auf der Bank. Aber eben immerhin im Kader. „Aber nicht zu spielen macht auch keinen Spaß.“ Gleiches gelte für die erste Nominierung für die türkische A-Nationalelf, wo er 90 Minuten zusah. „Viele hatten gedacht und gesagt, ich würde spielen. Aber am Ende war der Druck auf den Trainer zu groß.“ Inzwischen überlegt Töre laut, ob er für die Türkei oder den DFB spielen soll.

Und während Töre Mesut Özil zu seinen Freunden zählt („Mit ihm zusammen habe ich vor ein paar Tagen noch auf Ibiza Urlaub gemacht“), gilt das auch für Sala. Beide HSV-Neuzugänge kennen sich seit zwei Jahren, spielten zusammen bei der zweiten Mannschaft des FC Chelsea zusammen. Heute sind sie beide aus den gleichen Gründen („Frank Arnesen hat uns überzeugt“) in Hamburg, beide planen den sofortigen Start in die erste Mannschaft. Und während Töre schon A-Nationalelf-Ambitionen hegt, hofft der schlaksige Offensivspieler darauf, sich beim HSV und in der italienischen U21 festsetzen zu können.

Egal wie, mit Töre und dem der deutschen Sprache noch nicht mächtigen Sala hat der HSV zwei ambitionierte Jungspieler geholt. Zwei der Sorte, die den arrivierten Spielern nicht nur Druck machen sollen und können, sondern zwei von der Sorte, die Hoffnung machen.

Mehr als Hoffnung verbreiten will indes die neue Nummer eins des HSV, Jaroslav Drobny. Der 31-Jährige ist endlich da, wo er sich schon vor einem Jahr gewähnt hatte. Allerdings blieb Frank Rost damals entgegen aller Erwartungen in der HSV-Führung trotz der Drobny-Verpflichtung beim HSV und erteilte Drobny eine bittere Lehre. „Ein Jahr auf der Bank mache ich nicht noch mal“, sagt Drobny heute und will es damit mit Rückblicken belassen. Zu tief sitzt der Stachel der Enttäuschung darüber, dass er zugesagt hatte, nachdem ihm die Nummer eins beim HSV angeboten – und von Rost sowie Trainer Armin Veh letztlich doch wieder entrissen worden war. „Ich wollte immer nur die Nummer eins sein. Und jetzt bin ich es. Das eine Jahr war schlecht, aber es hat mich stärker gemacht. Jetzt endlich die Eins zu sein, ist auf jeden Fall ein deutlich besseres Gefühl“, so der Tscheche.

In den bisherigen Einsätzen ohne die Sicherheit, dass ihm Trainerteam und Mannschaft zu 100 Prozent vertrauen, fühlt Drobny sich von Oenning voll akzeptiert und gefördert. „Ich werde der Mannschaft helfen. Ich will in den Phasen, wo wir Druck ausstehen müssen, hinten Sicherheit geben. Ich will wieder eine Stütze der Mannschaft sein.“ Indem er die Mannschaft auch verbal führt? Zuletzt wurde dem Rechtshänder vorgeworfen, er sei auf und neben dem Platz zu ruhig. Ob sich das jetzt ändert? „Ich werde auch heute keine Show fabrizieren“, sagt Drobny, „ich rede mit den Spielern. Ich kann auch laut werden. Ich sage auch in der Kabine klar meine Meinung – aber ich schreie nicht auf dem Platz, damit die Kameras es einfangen und mich zum Wortführer machen. Ich erwarte von meinen Mitspielern Respekt und dass jeder versucht, ein Teil einer Mannschaft zu sein. Und genau so verhalte ich mich auch.“

Wie konsequent Drobny sein kann, bewies er zuletzt, als er eine Einladung zur tschechischen A-Nationalelf ablehnte. „Ich wollte nicht zur Nationalmannschaft, weil ich beim HSV nicht die Nummer eins war. Das habe ich dem Nationaltrainer auch so gesagt.“ Eine Situation, die sich verändert hat. „Klar, aber erst einmal will ich ein paar Spiele machen. Gerade der Saisonauftakt ist wichtig. Für mich – und für uns als Mannschaft genauso. Der Rest kommt später.“

Später kommen auch Elia, Pitroipa, Aogo, Petric und Bruma, der heute erfolgreich seinen Medizincheck absolviert hat. Während Petric verletzungsbedingt erst am 6. Juli wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, werden auch die anderen vier am Sonntag beim ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg um 17 Uhr in Flensburg noch nicht eingesetzt. Ganz im Gegensatz zu Drobny und vor allem die „Jungstars“ Sala und Töre.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass hinter den markigen Worten Salas und Töres auch die entsprechende Qualität für die Bundesligasaison steckt. Zuzutrauen ist es ihnen allemal.

Scholle

19.25 Uhr

P.S.: Im Nachmittagstraining ging es übrigens gut zur Sache. Verbal und körperlich. Dabei mussten sich insbesondere der etwas zu verspielte Ben-Hatira sowie Töre Kritik vom Trainer Oenning gefallen lassen. Und als Töre selbst auf die Aufforderungen Oennings nicht so recht reagieren wollte, nahm sich auch noch Kapitän Heiko Westermann den Deutsch-Türken zur Brust. Auf jeden Fall, das bleibt festzuhalten, ist Töre ein – diplomatisch formuliert – offenbar sehr stolzer Spieler, den es zu führen gilt.

P.P.S.: Dann gab es heute noch ein paar Gerüchte. So soll der HSV angeblich an Hoffenheims David Alaba interessiert sein. Mediendirektor Jörn Wolf maß dem Ganzen null Prozent Wahrheitsgehalt bei. Ebenfalls unwahr ist, dass Aufsichtsrat Jörg F. Debatin nach seinem Aus als UKE-Chef auch aus dem HSV-Aufsichtsrat zurücktritt.

19.25 Uhr

Der erste Tag auf Sylt – hart für die Mannschaft

28. Juni 2011

26 Grad, Sonne, ein 5-Sterne-Plus-Hotel und das Meer direkt vor dem Fenster – für die Spieler könnte alles so schön sein im Trainingslager auf Sylt. Wäre da nicht der Fußball. Oder besser gesagt, die Notwendigkeit einer Grundlagenausdauer. Und so setzte Trainer Michael Oenning heute gleich mal ein Zeichen, indem er seine noch nicht vollständige Mannschaft von 16 Uhr bis 18.40 Uhr trainieren ließ. Und das „Schönste“ daran: Ganz zum Schluss kamen die langen, harten Pulsläufe. Das heißt, jeder Spieler durfte nur bis zu einer bestimmten Pulsfrequenz (meistens zwischen 120 und 140) laufen. War der Puls niedriger, musste mehr Tempo gemacht werden. War er höher, musste verlangsamt werden.

Egal wie, hieran lässt sich auch der Fitnesszustand eines jedem gut messen. Und ganz vorne weg lief – nein, nicht David Jarolim – es war Muhamed Besic. Jaro kam immerhin als Vierter. Allerdings, über die Letzten verliere ich hier noch kein Wort, da die Vorbereitung gerade erst begonnen hat. Das macht erst am Ende der Vorbereitung Sinn.

Fit ist auf jeden Fall Wolfgang Hesl, der sich heute zu uns in die Presserunde begab. Der Keeper hatte sich unmittelbar vor der Abfahrt noch mit Trainer Michael Oenning und Sportchef Frank Arnesen unterhalten und den beiden sportlich Verantwortlichen mitgeteilt, dass er die Rolle als Ersatztorwart des als Nummer eins gesetzten Jaroslav Drobny annehmen wolle. Der letztjährig an den österreichischen Bundesligisten SV Ried verliehene Torwart sprach dabei von einer Entscheidung, die schon lange feststand, was mich zunächst ein wenig überraschte – was sich später aber in Persona Michael Oenning erklärte. Der machte nämlich kein Geheimnis daraus, dass er kein großer Fan von Hesl ist. Zumindest war klar herauszuhören, dass der HSV-Trainer dem Rückkehrer nahezu alle Hoffnungen genommen hat. „Was nützt alles andere als die Wahrheit“, fragt Oenning und fügt hinzu: „Ich habe ihm klar gesagt, dass ich ihm wenig Hoffnung machen kann, dass ich ihm wenig anbieten kann.“

Worte, die bei Hesl angekommen sind, die ihn auch sichtlich nachdenklich gestimmt haben – die aber seine grundsätzliche Entscheidung nicht verändert haben. „Die Entscheidung für den HSV war zu 99 Prozent eine Herzensangelegenheit. Ich habe vor sieben Jahren beim HSV unterschrieben mit dem Ziel, die Nummer eins zu werden. Und ich mache nichts Halbes – deshalb werde ich hier mein Bestes geben.“ Zumindest bis zu seinem Vertragsende 2012.

Allerdings, und das ist nicht auszuschließen, könnte auch noch ein Torhüter kommen. „Ich habe gehört, dass sie noch einen jungen Deutschen suchen“, sagt Hesl und gibt sich selbstbewusst: „aber den haben sie mit mir. Jetzt brauchen sie keinen mehr.“ Dennoch, und gerade hier wird das Verhältnis bzw. die Wertschätzung Oenning/Hesl deutlich, der Trainer widerspricht: „Nein, es ist definitiv so, dass wir noch einen jungen, deutschen Torwart mit Perspektive holen. Wenn nicht dieses Jahr, dann in der neuen Saison.“ Was dann aus Hesl werde? „Wenn ein anderer Verein kommt, der Wolle haben will, müssen wir gucken.“

Punkt. Und jetzt können Wetten abgeschlossen werden, ob Hesl wirklich die Saison als Nummer zwei durchzieht. Ich kann es mir unter den Voraussetzungen schwer vorstellen, weiß aber auch, dass Hesl ein besonders willensstarker Spieler ist. Das machte er uns heute sehr deutlich. „Ich weiß, dass ich mich gedulden muss, bis zu diesem einen Moment. Aber genau zu diesem Zeitpunkt X werde ich da sein. Auf jeden Fall fällt das Argument jetzt weg, dass man mich noch nicht als dauerhafte Nummer eins kennt. Ich habe bei Ried bewiesen, dass ich das Niveau habe.“

Klar ist auf jeden Fall, dass das Trainingslager auf Sylt hart wird. Morgens um sieben Uhr steht ein 45-Minuten-Lauf oder eine Fahrradtour an, ehe nach dem Frühstück um zehn Uhr auf dem Platz Kraft gesammelt wird „für eine lange, harte Saison“, wie Oenning es formuliert. Zudem wird am Nachmittag um 16 Uhr auf dem Platz gearbeitet. Und wie wir gesehen haben, manchmal auch so lang, dass der Blog abschließend erst zu derart später Stunde verfasst werden kann.

Was gibt es noch zu erzählen, außer, dass das Mannschaftshotel „A-rosa“ unfassbaren Luxus bietet und es den Spielern in der kurzen Zeit ohne Training gut geht? Von hier eher wenig. Obwohl, doch, mit einigen Gerüchten können wir aufräumen. Wie mit dem, dass dem HSV Diego angeboten wurde. „Er wurde mir weder angeboten, noch hätte ich ihn haben wollen“, so Oenning ebenso deutlich wie Ex-HSV-Trainer Martin Jol zur Frage, ob er sich Guy Demel bei seinem neuen Klub FC Fulham vorstellen könne? „Martin hat gesagt, dass er die Mannschaft verjüngen will und Guy nicht in seine Planungen passen würde“, so Demels Berater Matthias Timm.

Und eine schöne, schmerzhafte aber eben auch sehr lustige Anekdote erzählte uns Oenning heute. So hatte der HSV im vergangenen Jahr in Längenfeld eine längere Fahrradtour gemacht. Dabei kam es beim ersten Sammelpunkt zu einem üblen Sturz von Heung Min Son, der sich beim Bremsen überschlug. „Was er uns nicht erzählt hatte“, so Oenning, „war, dass er gar kein Fahrrad fahren konnte. Er hatte es noch nie gemacht und keiner hat es bemerkt. Bis er sich eben übel hinlegte.“ Dennoch, und das stellte Oenning lobend hervor, „als Autodidakt hat er sich richtig gut geschlagen“. Und inzwischen habe der Südkoreaner die Kunst des Zweiradfahrens erlernt.

Bleibt mir nur noch übrig, Euch allen einen schönen Abend zu wünschen. Für morgen habe ich mich mit Jaroslav Drobny verabredet, mit dem ich über ihn selbst, über die schwierige alte Saison und vor allem natürlich über die Situation als neue Nummer eins sprechen werde.

Bis morgen! Dann hoffentlich ein wenig früher…

Scholle

P.S.: Die Mannschaft reist am Sonnabend nach Hamburg zurück, um sich gemeinsam den Box-Kampf Klitschkos anzusehen. „Eine teambildende Maßnahmen “, so Oenning, der noch weitere Aktionen zur Vertiefung des Mannschaftsgefühls geplant hat.

P.P.S.: Eljero Elia, Jeffrey Bruma, Jonathan Pitroipa und Michael Mancienne und Dennis Aogo sind ebenso wie der verletzte Mladen Petric nicht mit auf Sylt und werden auch am Sonntag im ersten Härtetest gegen den VfL Wolfsburg in Flensburg nicht spielen.

Reif für die Insel – auf nach Sylt

27. Juni 2011

Der An- und Verlauf des HSV bleibt auch an diesem Tag geschlossen. Keine neue Namen, keine Entlassungen keine Gerüchte. Und am Konditionstraining am Vormittag nahmen auch nur 13 Spieler teil. Der „Rest“ der Mannschaft absolvierte in den Arena-Katakomben wieder Fitness-Tests. Der Kontrast aber zum Vortag war riesig: Waren am Sonntag noch über 3500 Zuschauer da, sahen heute (Montag) lediglich sechs Kiebitze zu. Und am Dienstag geht es dann mit Sack und Pack auf die Insel Sylt. Konditions-Trainingslager. Ob die Spieler dann immer noch begeistert sind? Heute waren sie es, dann als die Einheit beendet wurde, gab es Applaus für Günter Kern, der die Übungen vorgab. Ohne Beifall zu spenden ging Mladen Petric in die Kabine, als er um 10.45 Uhr von seinem Lauf durch den Volkspark zurück war. Und, wer es ganz genau wissen will, wie es nun weitergeht: Am Dienstag ist Abfahrt mit dem Bus um acht Uhr, um 10.30 Uhr soll mit dem Zug „rübergemacht“ werden, und für 16 Uhr ist dann das erste Training angesetzt.

So, dann folgt heute die letzte „Folge“ meiner Trainer-Serie. Ab morgen, Dienstag, wird „Scholle“ vom Sylter Trainingslager berichten (ich bin entmachtet worden – für alle die sich über eine solche Nachricht freuen würden). Gekommen war ich zuletzt bis Huub Stevens. Wobei ich heute beim Training einen Rüffel „eingefangen“ habe, denn der Mopo-Kollege Simon Braasch sagte mir, dass er es so empfand, dass Stevens bei mir zu schlecht weggekommen sei. Fand ich eigentlich nicht.

Irgendwie ehrt es den netten Herrn Braasch sogar, dass er so etwas sagt, denn er hatte unter Stevens einmal ganz besonders zu leiden. Ich muss das schnell noch erzählen dürfen: Uefa-Cup-Spiel in Bergen, es ging gegen Brann (25. Oktober 2007, 1:0 für den HSV). Am Tag vor dem Spiel die offizielle Pressekonferenz der Uefa. Da sitzt dann ein Herr der Uefa in der Mitte, links und rechts von ihm die beiden beteiligten Trainer. Als der Gast, nämlich Huub Stevens, das Wort erhielt, waren nicht nur alle ganz Ohr, es waren auch mindestens drei, vier Fernsehkameras auf den HSV-Coach gerichtet. Und was erzählt Stevens? Er beginnt nicht etwa mit Fußball, nein er sagt – in seiner typischen und knurrigen Art: „Hey, Junge, hast du kein Benehmen? Wir sind hier im Ausland. Da hat man seine Kappe abzusetzen. Also, benimm dich gefälligst.“

Mit „hey Junge“ war Braasch gemeint. Andere Kollegen lachten, aber Braasch blieb standhaft. Schließlich ist Stevens nicht sein Vater, auch nicht sein Erziehungsberechtigter, schon gar nicht sein Chef. Die Kappe blieb dort, wo sie war, auf dem Kopf des Mopo-Reporters. Eisern. Aber dieses „hey Junge“ von Stevens, das ist bis heute ein geflügeltes Wort unter den Hamburger Print-Journalisten geblieben. Und, um auch das noch anzufügen: Einige hatten noch bis vor kurzem einen ganz eigenartigen Klingelton, nämlich ein herzhaftes Lachen von Stevens. Und um diese aufnehmen zu können, mussten sie nicht mal mit dem Coach zum Lachen in den Keller gehen – es ist eben mal so passiert. Kann ja mal passieren.

So, nun aber zu Martin Jol. Er folgte zur Saison 2007/2008 auf Huub Stevens. Verrate ich eigentlich ein Geheimnis, wenn ich nun schreibe, dass sich beide Herren nicht gerade „grün“ waren? Und das ist noch geschmeichelt ausgedrückt. Ihr Unverhältnis rührte noch aus niederländischen Zeiten her, hatte also nichts mit der Bundesliga zu tun, er recht nichts mit dem HSV.

Ich habe ja bis heute den Verdacht, dass aufgrund dieser beiderseitigen Abneigungen gewisse Personalien auch „geklärt“ wurden. Jol wollte einfach etwas anders machen als Stevens. Letzterer hatte Jerome Boateng zum Stammspieler gemacht, dafür aber den „kleinen Dribbelkünstler mit dem begnadeten Schussverhalten“ etwas lässig “abserviert“, nämlich auf die Bank gesetzt. Als Jol dann mit einem Trainingslager in Längenfeld (Österreich) begann, da hatte Piotr Trochowski noch EM-Sonderurlaub. Er hatte zwar nicht einen EM-Einsatz gehabt, aber er hatte Urlaub. Und Jol setzte schon zu jener Trochowski-Urlaubszeit voll auch den „kleinen Dribbelkünstler“. In Längenfeld sagte er, ohne jemals einmal Trochowski in einem Training gesehen zu haben: „Er ist aktueller deutscher Nationalspieler, er ist EM-Teilnehmer, deswegen baue ich natürlich auf ihn. Das ist für mich keine Frage.“

Auf der anderen Seite „maulte“ aber ab sofort Boateng, denn der hatte einen unglaublich schweren Stand bei Jol. Der Trainer warf ihm „Schwerfälligkeit“ vor, deswegen saß der Abwehrspieler auch oft draußen. Während, ich muss es noch einmal loswerden, der „kleine Dribbelkünstler“ nicht nur Stammspieler wurden, sondern wohl auch sein bestes halbes Jahr für den HSV spielte. Allerdings war es wirklich nur eine halbe Saison. Dann sortierte auch Jol Trochowski aus, entzog ihm das Vertrauen. Warum, wieso, weshalb? Mir wurde es nicht erklärt, „Troche“ selbst auch nicht, aber ich bin ganz sicher, dass hier 80 Prozent genau wissen, warum all das geschah . . .

Mein Verhältnis zu Martin Jol, das muss ich sagen, war sehr gut. Irgendwie schwammen wir (fußballerisch) auf einer Wellenlänge. Ich bin auch bis heute der Meinung, dass er sein sehr guter Trainer ist, mit allen Wassern gewaschen, ihm macht keiner etwas vor. Wenn man, diese kleine Einschränkung muss ich machen, wenn man ihn machen lässt. Was beim HSV aber nicht wirklich gut der Fall war. Jol verstand sich nicht wirklich gut mit Dietmar Beiersdorfer. Diejenigen, die nun jubeln, die werden das Folgende nun aber nicht so gerne lesen: Jol verstand sich auch nicht gut mit Bernd Hoffmann. Er, Martin Jol, hat es mir einmal erklärt: Waren alle drei Herren gemeinsam versammelt, dann herrschte eine seltsam angespannte Atmosphäre. War Jol aber mit einem Vorstandsmitglied allein, war alles, schien alles in Ordnung. Aber das war eben nur oberflächlich.

Da hier nicht wirklich alle an einem Strang zogen, musste auch dieses Unternehmen (HSV/Jol) scheitern. Und es scheiterte ja auch prompt.

Noch heute bin ich aber der Meinung, dass nicht Jol den HSV verließ, sondern dass er, Martin Jol, vom HSV verlassen wurde. Ich habe es hier ja schon geschrieben, wie damals die Sache mit dem Abgang zu Ajax Amsterdam lief (kann alles nachgelesen werden), deswegen will ich es nicht mehr wiederholen, aber wenn das keine „Entlassung“ war, dann habe ich jahrelang im falsche Film mitgespielt. Wobei es natürlich auch in diesem Fall 80 Prozent an Usern gibt, die es natürlich viel besser wissen – als ich. Obwohl ich damals noch am selben Tag seines Abganges von ihm selbst ganz genau und ganz ausführlich ins Bild gesetzt worden bin.

Nachfolger von Jol wurde dann Bruno Labbadia. Über jenen Herren habe ich hier oft genug schrieben, deshalb erspare ich mir jegliches Wort. Nur eines: Müsste ich eine Liste der HSV-Trainer erstellen, so wäre Bruno Labbadia mein persönliches Tabellenschlusslicht. Und Ende. Ihm folgte Armin Veh, der ganz sicher auch nicht fehlerfrei war, der aber das Pech hatte, eine Mannschaft übernehmen zu müssen, die „untrainierbar“ war. Soll heißen: Diese Truppe wollte nicht in der Lage sein, einen „richtige“ Mannschaft zu werden. Deshalb musste Veh so scheitern, wie er dann gescheitert ist. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie er das nun mit Eintracht Frankfurt hinbekommen wird.

Ein anderes Thema: Heute sprachen wir mit einem HSV-„Neuling“. Mit Romeo Castelen. Also mit jenem Flügelflitzer, der seit 2007 HSV-Profi ist, der auch 15 Bundesliga-Spiele für den HSV absolviert hat, der es auch auf zehn Länderspiele für die Niederlande (ein Tor) gebracht hat, der aber schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr für den HSV gespielt hat. Weil er drei Knie-Operationen rechts hinter sich hat, und eine links (August 2010). Nun hofft „RC“ wieder. Er macht zurzeit alles mit, und er träumt von seinem Comeback. Seinen letzten Einsatz für den HSV hatte Romeo Castelen, der einer der nettesten Profis aller Zeiten ist, am 23. August 2009 in Wolfsburg. In dieser Partie war er in der 68. Minute für den „kleinen Dribbelkünstler“ (da ist er schon wieder!) gekommen – und erzielte beim 4:2-Sieg sogar ein Tor. Alles schien an diesem Tag wieder bestens, aber dann begann der Leidensweg, sein Leidensweg wieder einmal von vorn.

Das Wolfsburg-Tor, sein Wolfsburg-Tor sieht Romeo Castelen noch heute jeden Tag. Er hat es als Poster in seinem Eingang daheim hängen, er kommt also nie dran vorbei. Obwohl es schon wieder so lange her ist – an diesem Tag war wirklich restlos glücklich und zufrieden. Ein Zustand, der nicht lange anhielt, denn nur Tage später war er wieder schwer verletzt. Ich habe den erst 28-Jährigen gefragt, ob er bei all diesen grausamen Rückschlägen nicht auch schon mal ans Aufhören gedacht hat? Seine Antwort: „Das kam mir vielleicht einige Male ganz schnell in den Kopf, aber das war auch ebenso schnell wieder draußen. Der Wille, wieder Fußball zu spielen, der ist so groß, und ich bin kein Typ, der schnell das Handtuch schmeißt. Ich gebe jetzt noch einmal alles, denn das ist wichtig für mich, denn dann weiß ich, dass ich wirklich alles für mein Comeback getan habe. Falls es dann nicht klappen sollte, dann ist es eben so, aber im Moment gebe ich ganz einfach nur alles, um noch einmal wieder zu kommen.“ Und er ergänzt: „Für Leute, die das von außen betrachten, ist es natürlich schwieriger. Die werden es wohl auch kaum begreifen, dass ich es noch einmal versuche, aber mir hilft mein Glaube. Der ist tief in mir drin, der ist so stark, der wird mir bei diesem Kampf helfen, der wird auch dafür sorgen, dass ich es noch einmal schaffe. Das ist für mich auch der einzige Weg, dass das noch einmal klappt.“

Ich drücke ihm dabei die Daumen, und ich bin sicher, dass viele, viele HSV-Fans das ebenfalls tun werden. Weil sie es bislang auch schon immer getan haben.

PS: Der HSV beginnt an diesem Dienstag mit dem Kartenvorverkauf für die große Saisoneröffnungs-Party am 2. August in der Imtech-Arena. Zum ersten Auftritt des neuen HSV-Teams vor den eigenen Fans empfängt die Mannschaft von Trainer Michael
Oenning im Rahmen des “Summer of Champions” mit dem FC Valencia einen internationalen Top-Verein. Anstoß der Partie ist um 19.15 Uhr. Die Tickets sind ab Dienstag im HSV Service-Center und telefonisch (01805-478 478) erhältlich. Ab Donnerstag (30. Juni) gibt es die Karten dann auch im Online-Shop (www.hsv.de).

Und einen habe ich noch, quasi ein kleiner Nachtrag zum Tobias-Homp-Abschiedsspiel (Sonnabend). Da hatte ich ja berichtet, dass der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Hans-Ludwig Meyer, eine Rede gehalten hatte. Dass er nicht mit leeren Händen gekommen war, hatte ich unterschlagen. Meyers Spruch lautete in etwa so: „Der Onkel, der mit Geschenken kommt, ist beliebter als die Tante, die Klavier spielen kann.“ Er überreichte Homp einen Fußball und, nun kommt es, zwei Eintrittskarten für ein WM-Spiel. Ein WM-Spiel in Wolfsburg. Brasilien gegen Norwegen. Der Knüller. Dieser „Onkel“ machte sich in der Tat beliebt.

Und noch einen Satz in eigener Sache muss ich loswerden: Viele (nein, einige) hatten mich am Sonntag beim Trainingsauftakt vermisst. Und in der Tat bin ich bei den 3500 `Fans auch nicht untergegangen, sondern war wirklich nicht auf der Anlage. Das lag nicht etwa am zu harten Scooter-Konzert vom Vorabend (das war einfach nur erste Sahne!). Der wahre Grund: Im Februar bin ich zum ersten und bislang einzigen Mal Opa geworden (Frau M. wurde Oma), und an diesem Sonntag war Taufe – der Termin stand seit Monaten fest. Und da der HSV seinen Trainingsauftakt partout nicht verlegen wollte, musste ich der Veranstaltung im Volkspark ganz einfach fern bleiben. Ich hoffe, dass ich dafür nachträglich Euer Verständnis habe. Wenn nicht, so darf ich denen, die jetzt mit mir schimpfen, sagen, dass ich die Tauf-Feierlichkeiten dann doch früher als geplant verlassen habe, um für „Matz ab“ da zu sein. Allzeit bereit – wie die Pfadfinder. Aber eben alles zu seiner Zeit. Erst die Feier, dann die Arbeit. Mann muss auch Prioritäten setzen dürfen.

Eines muss ich jetzt, wo es auf 21 Uhr zugeht, einmal aufklären. Mit meiner Entmachtung habe ich mir einen kleinen Scherz erlauben wollen – ist offenbar ein wenig schiefgegangen. Sorry, ich entschuldige mich dafür. In aller Form. Zur Aufklärung: Mittlerweile erhalte ich täglich zwischen 30 und 50 Mails auf mein privates Postfach. Ich habe es wohl zu oft auch jenen Mennschen zugänglich gemacht, die nicht so ganz auf meiner Wellenlänge liegen. Das war ein großer Fehler, denn ich werde nun “zugemüllt” – in jeder zweiten Mail steht, was natürlich kaum einer weiß, wie unfähig wir sind, Scholle und ich. Grüß-Gottle lebt, kann ich nur sagen. Es wird sehr oft meine Ablösung gefordert, deswegen wollte ich jene Menschen einmal eine kleine Freude machen.
es ist leider in die falsche Richtung gelaufen, denn es haben mich viele besorgt angerufen und besorgt angemailt. Sorry, sorry, sorry.
Niemand muss Angst haben, ich bin nicht entmachtet worden, ich werde es auch nicht. Ich reise mit zum Trainingslager ins Zillertal – das nenne ich brüderlich (oder auch kollegial) geteilt. Hier Scholle, da ich.
Und noch eines: Ich bin nicht dünnhäutig, bin es auch nicht geworden, im Gegenteil, heute kann ich mich über diese Flut von Mecker-Mails echt totlachen. Es ist so! Ich lasse das gar nicht mehr an mich ran, also auch in diesem Punkt null Probleme, macht Euch keine Sorgen, alles ist gut.

Und wen ich hiermit nun wieder genervt habe, dem muss ich sagen: sorry. Es musste aber sein, weil einige (viele) Matz abber einfach nur besorgt waren.
Kommt nicht wieder vor, verspreche ich hiermit hoch und heilig.

17.18 Uhr (ergänzt um 20.52 Uhr)

Ein toller Tag!

26. Juni 2011

Volksfeststimmung im Volkspark. Und das kann nicht nur an den 1500 Frei-Würstchen gelegen haben, das muss das HSV-Fieber sein. Der Trainingsplatz an der Arena meldete „ausverkauft“, über 3500 Fans waren zum Trainingsauftakt gekommen, um die neuen „Rothosen“ unter die Lupe zu nehmen. Noch fehlen die Nationalspieler, aber die Fans sind schon wieder heiß und wollen ihren HSV hautnah erleben. Das Wetter spielte mit, der gesamte Vorstand war anwesend, dazu auch einige Aufsichtsräte, die Spieler posierten für Fotos, schrieben viele Autogramme – es passte an diesem Sonntag schon alles. So kann, so darf es weitergehen. Medien-Chef Jörn Wolf brachte es auf den Punkt: „Ein toller Tag!“

HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow zeigte sich von diesem Tag eins der neuen Saison sehr angetan: „Ich bin begeistert von der Resonanz, damit haben wir gar nicht gerechnet, dass so viele Leute kommen. Das zeigt aber, wie sehr der HSV den Leuten am Herzen liegt, zumal wir den Fans ja noch gar nicht so viele neue Spieler präsentieren konnten. Dieser Auftakt zeigt aber eine positive Grundstimmung in der Anhängerschaft, die Fans geben uns die Chance, bei Null anzufangen.“

Am Morgen hatte es ein gemeinsames Frühstück mit Mannschaft, Vorstand und Aufsichtsrat gegeben. Dabei gab es nicht nur die obligatorische Begrüßung, sondern auch wohl dosierte Worte in Richtung neuer Saison. In den Arena-Katakomben folgten danach erste Leistungstests, nicht dabei waren Jeffrey Bruma, Dennis Aogo und Jonathan Pitroipa, die erst am 30. Juni zur Mannschaft stoßen werden. Ebenso fehlten Michael Mancienne und Guy Demel, die am 6. Juli zum Team kommen werden, wobei es da bei Demel noch ein Fragezeichen gibt, ob er überhaupt noch kommen wird. Gefehlt hat auch noch Marcell Jansen, der erst am Montag von seinem Fitness-Training aus Amerika wieder nach Hamburg zurückkehren wird. Am Dienstag geht es dann ja bekanntlich zum Lauf-Trainingslager auf die Insel Sylt.

Zwei Stürmer waren heute zwar in der Arena, aber an Training ist noch nicht zu denken. Mladen Petric läuft aber bereits wieder, doch Marcus Berg, der eine Hüft-Operation hinter sich hat, fliegt am Montag wieder nach Schweden, wo er sich von der medizinischen Abteilung der Nationalmannschaft weiter behandeln lassen wird.

Carl-Edgar Jarchow sagte zur derzeitigen Situation: „Wir haben viele Spieler abgegeben, das ist für die jungen Spieler eine Chance, sich nun durchzusetzen. Es ist für sie wichtig, jetzt die richtige Einstellung zu finden. Und ich hoffe, dass sich die Truppe nun als Mannschaft findet, dass sie als Mannschaft auftritt und sich als Mannschaft entwickelt – das steht im Vordergrund.“

Bei seiner Ansprache am frühen Morgen hatte Jarchow den Spielern gesagt, dass der Vorstand geschlossen hinter Trainer Michael Oenning steht: „Und das werden wir auch dann unter Beweis stellen, wenn es mal sportlich nicht nach Wunsch laufen sollte.“ Jarchow schnitt vor dem Team auch ein weiteres wichtiges Thema an: „Ich habe gefordert, dass die Einzeltouren, die wir hier in den letzten Jahren hatten, aufhören müssen.“

Im ersten Trainingsspielchen der Saison gab es die Partie „Jung“ gegen „Alt“, das erste Tor schoss dabei ausgerechnet Torwart (und Heimkehrer) Wolfgang Hesl, der für „Alt“ spielte. 1:1 Heung Min Son, 2:1 Gökhan Töre, 2:2 Tolgay Arslan (für „Alt“), 3:2 Töre, 4:2 Daniel Nagy von der Regionalliga-Mannschaft. Erfreulich: Romeo Castelen spielte bei „Alt“ wie ein „Junger“ mit. Und: Einen sehr guten Eindruck hinterließ Neuzugang Töre, der nicht nur wegen seiner beiden Tore beeindruckte, sondern auch deshalb gefiel, weil er sich sehr dynamisch, trickreich und einsatzfreudig gab. Leider musste Töre das Training zehn Minuten früher abbrechen – muskuläre Probleme?

„Die Stimmung in der Kabine ist sehr gut, es gibt viele neue Gesichter bei uns, viele junge Spieler, jetzt müssen wir uns an die neuen Namen gewöhnen und sie uns einprägen. Und wir wollen an einem Strang ziehen, positiv angreifen, wir wollen die vergangene Saison hinter uns lassen“, sagte Kapitän Heiko Westermann zum Auftakt. Ob er die Spielführerbinde weiterhin tragen wird, ist noch offen, aber Westermann sagt zu diesem Thema: „Es interessiert mich herzlich wenig, ob ich die Binde auch weiterhin tragen werde. Unabhängig von der Binde werde ich alles für die Mannschaft geben, um ihr zu helfen, ich sehe mich als Führungsspieler und will vorneweg marschieren.“ Westermann weiter: „Wir sind ziemlich neu zusammengewürfelt, da gilt es jetzt, die richtige Mischung zu finden – in sechs, sieben Wochen werde ich mich dann auch fragen lassen, wie die Saisonziele aussehen können.“

Zum Thema Umbruch befand der Kapitän noch: „Ich bin sicher, dass unsere Fans das positiv begleiten werden, denn sie alle wussten ja, dass bei uns etwas passieren musste.“

So ist es. Das weiß natürlich auch Michael Oenning, der aber nicht damit rechnet, dass kurzfristig noch der eine oder andere Spieler verpflichtet wird. Fest steht, dass der HSV noch etwas tun wird, aber bis zum Trainingslager aus Sylt wird das noch nicht der Fall sein. Vielleicht klappt es ja dann im Zillertal . . . Oenning: „Mit den bisherigen Zu- und Abgängen bin ich zufrieden, wir haben angefangen, die Dinge so umzusetzen, wie wir sie besprochen haben. Wir wollten uns verändern, uns neu aufstellen, und in dieser Hinsicht sind wir schon einen großen Schritt weiter. Wir gehen in Vorlage mit der Verjüngung des Teams, und die Fans werden das positiv begleiten.“

So, dann haben wir zum Auftakt auch noch ein Interview geführt, und zwar mit „Altmeister“ David Jarolim. Es geht los:

Matz ab: Hey Jaro, es geht wieder los. Konntest Du überhaupt entspannen?

David Jarolim: So gut wie noch nie. Ich war mit der Familie in Kroatien, habe wirklich mal zehn Tage lang entspannt und nichts gemacht.

MA: Nichts machen und Du – da stimmt doch was nicht…

Jarolim: Na ja, ein wenig Laufen und mein Programm habe ich natürlich durchgezogen. Aber 98 Prozent des Tages war Ruhe und Familie angesagt.

MA: Und jetzt geht es wieder los…

Jarolim: Ja, und ganz ehrlich: ich bin heiß. Die Pause war lang genug und wir
haben diesmal auch eine Menge Arbeit vor uns.

MA: Was weißt Du über die Neuen?

Jarolim: Ehrlich gesagt nicht viel. Ich weiß natürlich wer gegangen und wer neu dazu gekommen ist. Ich glaube auch, dass Frank Arnesen einen Plan hat, eine Strategie, die er verfolgt. Ich mache mir da keine Sorgen, im Gegenteil: wer bei Chelsea einen Vertrag bekommt, der muss Qualität haben. Und wenn mich nicht alles täuscht, soll ja auch noch was passieren.

MA: Welches Ziel hältst Du für realistisch?

Jarolim: Um darüber zu sprechen ist es noch viel zu früh. Klar ist aber, dass wir gute, junge Leute dazubekommen und viel Qualität in dem Kader haben, der letztes Jahr schon hier war. Wir müssen keine Angst haben, auch wenn das Auftaktprogramm ein echter Hammer ist. Gerade die Auswärtsspiele in Dortmund, München und Bremen sind gleich zu Saisonbeginn echte Gradmesser.

MA: Ist das Auftaktprogramm gut für Euch? Oder hättest Du lieber mit vermeintlich schwächeren Teams begonnen?

Jarolim: Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, die wir in der langen Vorbereitung jeden Tag vor Augen haben werden. Die Schwere dürfte für jeden von uns Antrieb genug sein, noch mehr zu tun als bisher. Ich freue mich auf jeden Fall darauf.

MA: Du als dienstältester HSVer wirst eine zentrale Rolle auf und neben dem Platz übernehmen müssen.

Jarolim: Ja, aber das ist nicht neu. Das bin ich gewohnt. Ich muss auf mich achten, mich ständig selbst hinterfragen, um den Jüngeren ein gutes Beispiel sein zu können. Das ist eine Win-Win-Situation: um meiner Pflicht als Erfahrener nachzukommen, muss ich besser sein als andere – und das allein ist eine riesengroße Motivation für mich.

MA: Zuletzt wurde darüber spekuliert, wer Kapitän wird, oder ob Westermann es bleibt. Wäre das noch mal was für Dich?

Jarolim: Oha, was für eine Frage! Ich habe mich gerade damit abfinden müssen, nach zwei Jahren als Kapitän abgesetzt worden zu sein. Dazu musste ich mir in der Vorbereitung sagen lassen, dass der Trainer (Armin Veh, d. Red.) mich abgeben wolle. Das war ziemlich hart. Zumal ich schon so lange beim HSV bin. Aber, um die Frage zu beantworten: ich habe mich damit überhaupt nicht beschäftigt und glaube auch, dass Heiko einen sehr guten Job gemacht hat.

MA: Worauf wird es dieses Jahr besonders ankommen? Zuletzt war immer die Rede von Teambuildung und der Hoffnung, eine homogenere Mannschaft aufbieten zu können.

Jarolim: Wir müssen dieses Jahr geschlossener auftreten, das ist klar. Aber die letzte Saison hat gezeigt, dass die Mannschaften, die am meisten Kraft haben und die meisten Wege gehen können, am Ende oben standen, wie Hannover, Mainz und auch Dortmund. Ich bin mir sicher, dass wir eine harte, aber zielführende Vorbereitung vor uns haben. Sie wird wehtun, aber sie wird uns helfen, noch fitter in die neue Saison zu gehen als sonst. Wir müssen eine Menge Kraft tanken. Wenn uns das gelingt, dazu jeder eine erhöhte Bereitschaft hat und wir uns als Team verstehen, dann ist wirklich alles möglich.

MA: Dein Vertrag läuft 2012 aus. Normalerweise werden Spieler wie Du verkauft oder deren Verträge vorzeitig verlängert. Gab es diesbezüglich schon Gespräche?

Jarolim: Nein. Warum auch? Frank Arnesen kennt mich nicht und will sich erst mal ein Bild von mir machen. Das ist legitim und beunruhigt mich auch nicht. Ich kenne es ja gerade aus dem letzten Jahr noch zu gut, mich beweisen zu müssen. Aber das ist auch jetzt nicht das Thema. Wir fangen nach zwei Jahren ohne internationalen Wettbewerb gerade bei null an und haben wichtigere Dinge zu tun als über meinen Vertrag zu sprechen.

Zwei Dinge noch schnell am Rande: Heute wird Kondition im Volkspark trainiert, und das nicht von allen HSV-Spielern. Ein komplettes Training wird also nicht stattfinden. Und: Am Sonnabend war ich in der Arena (mit Frau M.), als dort Scooter aufzog. Die Atzen, die Vorgruppe, hatten versprochen, dass es „hier heute den Total-Abriss geben wird“, aber die Arena steht noch. Sie wackelte aber bedenklich. Es war, genau genommen, die Hölle los im Volkspark, so habe ich das Stadion noch nie erlebt. Die beiden HSV-Fans und Dauerkartenbesitzer „Thommy“ und Beule“ sagten abschließend das, was auch ich dachte: „Eine solche Super-Stimmung wünschten wir uns mal, wenn der HSV hier einen Titel gewinnt . . .“

Packen wir es an! Alle.

19.09 Uhr

Über Retter Stevens und Vorbild Homp

25. Juni 2011

Der Ball läuft wieder. Am Sonntag jedenfalls. Trainingsauftakt beim HSV, um 14 Uhr soll die Mannschaft auf den Trainingsplatz gehen. Der Ball lief aber auch heute schon mal. Und zwar in Henstedt-Ulzburg. Da gab es das Abschiedsspiel von Tobias Homp. 80 Bundesliga-Spiele für den HSV, drei Tore – ich habe nicht eines in Erinnerung. Blamabel. Insgesamt schaffte „Hompi“ 206 Einsätze für den HSV, und zwar von 1985 bis 1989. Viele, viele HSVer sollten zum Abschied des 47-Jährigen kommen, aber leider gab es auch viele, viele Absagen. So ist das aber wohl im Fußball – Tobias Homp konnte damit gut leben.

Einige waren dennoch da. An erster Stelle Wolfgang Rolff, schon lange Co-Trainer bei Werder Bremen. Und Lothar Dittmer sowie Thomas Vogel. Organisiert, und zwar sehr gut mit Sternchen, hatte das alles Rhens Trainer Jens Martens. Der ließ sogar noch Hermann Rieger „einfliegen“. Und der gag: Bei einer Verletzungsunterbrechung stürmte plötzlich Hermann der Überraschungsgast auf den Rasen. Da staunten die etwa 400 Zuschauer Bauklötze – und es gab donnernden Applaus.

Den gab es auch, als der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes, Hans-Ludwig Meyer eine Rede hielt – und er dabei Tobias Homp und die Leidenschaft für den Fußball hervorhob.

Unter den Fans am Rande auch Horst Eberstein, die lebende HSV-Legende. Er hatte einst Tobias Homp vom FC Homburg zurück zu den HSV-Amateuren geholt. Eberstein: „Er sollte die jungen Talente führen, das hat er auch noch drei Jahre lang hervorragend getan. Er war stets ein Sympathieträger des HSV, und er war immer ein Vorbild für jeden Spieler. 1996 aber wurde Tobi dann plötzlich aussortiert – zu alt, hieß es damals.“ Zu alt? Homp hat bis zum Ablauf der Saison noch in der Schleswig-Holstein-Liga gespielt – und war stets einer der Besten beim SV Henstedt-Rhen.

Von den HSV-Amateuren waren die früheren Spieler Marco Krausz, Tibor Nadj und Mijo Celebic zum Mitspielen gekommen – und von der zweiten Frauen-Mannschaft des HSV spielte Homp-Tochter Vera mit.

Lothar Dittmer, ein wneig breiter geworden, freut sich für die HSV-Altliga, denn sie bekommt nun mit Tobias Homp Zuwachs. Und Dittmer lobte seinen ehemaligen und zukünftigen Mitspieler: „Tobias war ein fleißiger Spieler, zuverlässig, hundertprozentig bei der Sache, ein Super-Kollege.“ Und zum HSV? Dittmer: „Ich hoffe das Beste für den HSV. Wenn sich das Jugendkonzept durchsetzt, dann kann es mal wieder bergauf gehen. Ich erhoffe mir aber auch trotz allem noch einen Kracher. Den brauchen wir noch.“ Und: „In meinen Augen hätten sie Joris Mathijsen behalten sollen, der war immer zuverlässig, dafür hätten sie lieber Paolo Guerrero gehen lassen sollen . . .“

Ist ja kein Wunschkonzert.

Wolfgang Rolff über Tobias Homp: „Er war immer ein großartiger Kollege, ist es bis heute geblieben, deswegen war es keine Frage, dass ich zu seinem Abschied komme.“ Vorbildlich – wie immer. Rolff weiter: „Tobi war immer ehrgeizig, hat immer sein Aufgaben erfüllt, und was ihn auszeichnet: Er ist immer topfit geblieben, das zeichnet ihn auch aus.“

Vom „Tiroler Friedl“ aus Lohbrügge gab es einen edlen Tropfen für den ehemaligen Links-Verteidiger, der mit dem HSV 1987 den DFB-Pokal gewann: „Das war mein sportlicher Höhepunkt.“ Seine beste Fußball-Zeit hatte Homp aber, der künftig die Rhener A-Jugend trainieren und betreuen wird, bei seinem Stamm-Verein Kilia Kiel. Sein Vorbild aber hat er beim HSV entdeckt: Wolfgang Rolff. Homp: „Die Art und Weise, wie Wolle sich auf das Training vorbereitet hat, wie er sich aufgewärmt hat, mit welchem Ehrgeiz und Engagement er bei der Sache war – das war einzigartig. Das habe ich mir zum Vorbild genommen. Er gab den jungen Spielern auch mal Tipps, was zum Beispiel Felix Magath oder auch Ditmar Jakobs nur dann taten, wenn man sie gefragt hat. Wolfgang Rolff aber ging auf uns junge Spieler von sich aus zu, und so müsste es auch überall sein.“

Und was erwartet „Hompi“ vom HSV 2011? Er sagt: „ Es wird auf jeden Fall eine ganz schwierige Saison, aber andererseits haben viele Verein es auch vorgemacht, dass es mit jungen Leuten gehen kann. Ich wünsche dem HSV Geduld, dass sie Michael Oenning auch mal die Chance geben, hier etwa zu entwickeln. Die letzten Jahre mit den schnellen Trainer-Entlassungen waren ja zum Davonlaufen. Das Personal wurde viel zu für ausgewechselt, aber nun muss man Geduld und Ruhe aufbringen. Und es sollte noch ein Führungsspieler kommen, der ist dringend nötig.“ Er sagt auch warum: „Heiko Westermann ist ein solider Bundesliga-Spieler, aber er ist kein Kapitän. Und in der Führung gibt es nun ein Vakuum, denn Frank Rost haben sie radikal klein gemacht und dann ja auch weggejagt. Das wird sich noch als Fehler erweisen.“

Tobias Homp ist schon immer ein „kluges Kerlchen“ gewesen, er macht sich immer auch Gedanken über den HSV. Bei dem er besonders David Jarolim schätzt: „Ich weiß, dass er nicht bei allen gut ankommt, weil er so oft fällt, aber erstens ist das viel weniger geworden, zweitens ins Jaro ein Mann, der für den Mannschaft 90 Minuten lang alles gibt. Davon gibt es nicht so viele.“

Thema-Wechsel:

Zur Trainer-Serie, die sich nun dem Ende zuneigt. Heute ist Huub Stevens dran. Vorweg gleich einmal eines: Ich danke Huub Stevens für die einmalige Rettung des HSV. Ihm ist es zu verdanken, dass der Dino nie abgestiegen ist. Deswegen werde ich dem knurrigen Niederländer ewig dankbar sein. Stevens hat – für mich – damals ein Fußball-Wunder vollbracht, und irgendwie weiß ich bis heute nicht, wie ihm das gelungen ist. Die Null muss stehen – das allein kann es nicht gewesen sein, war es mit Sicherheit auch nicht. Schon damals sagten die Spieler über den Trainer, dass er nicht nur größten Wert auf Disziplin gelegt habe, sondern dass er auch stets und in jeder Situation ehrlich mit ihnen umgegangen ist. Stevens hat alle gleich und alle immer korrekt behandelt, das war sicher eine Eigenschaft, die ihm dabei half, dem HSV die Klasse zu retten.

Meine persönlichen Erinnerungen an Stevens sind, das gebe ich auch zu, nicht die besten. Was natürlich absolut zweitrangig ist, denn es ging bei der Aktion „Klassenerhalt“ ja nicht um mich. Schon das erste Aufeinandertreffen mit Huub Stevens aber war denkwürdig. Wir Journalisten standen in der Bushalle der Arena, zwischen uns und der Profi-Abteilung war stets eine von Ordnern bewachte Barriere aufgebaut. So konnten wir nicht zu jenen Spielern (oder Trainern), die nicht mit uns reden wollten.

Als sich die Tür der Kabine öffnete und Huub Stevens gemeinsam mit Medien-Chef Jörn Wolf auf uns zuging, da streckten wir dem Coach die Hände entgegen – um „Guten Tag“ zu sagen. Stevens aber erwiderte diese Geste nicht. Er hielt seine Hand in der Tasche und sagte nur: „Das sage ich Ihnen gleich, ich gebe Ihnen nicht die Hand. Nie. Das mache ich aus Prinzip so. Und wir werden darüber auch nicht weiter diskutieren, das bleibt auch so.“

Als ich ihm dann entgegnete, dass es doch auch ein symbolischer Akt wäre, fragte er warum? Ich: „ Wenn Sie mir zum Beispiel die Hand geben, dann weiß ich, dass zwischen uns alles in Ordnung ist. Wenn nicht, dann werden wir darüber reden müssen, was ich für einen Mist geschrieben habe . . .“ Stevens nahm es zwar zur Kenntnis, blieb aber dabei: er gab nie die Hand. Ich habe mich dann mal bei meinen Kollegen in Gelsenkirchen und Berlin erkundigt, die haben sehr wohl gesagt, dass er ihnen die Hand gereicht hätte. Von wegen Prinzip. Er hat es wohl nur in Hamburg mal eben schnell eingeführt dieses (sein) Prinzip. Aber auch das ist egal, denn es ging ja nicht um irgendwelche Händedrückerei, sondern um den Klassenerhalt für den HSV.

Huub Stevens kam, als der HSV in 19 Spielen nur eines (!) gewonnen hatte. Er begann – im „Blindflug“ – am 3. Februar 2007, und er startete mit einer unglaublich unglücklichen 1:2-Niederlage in Berlin gegen die Hertha. Für die schoss Mineiro in der 90. Minute das Siegtor, aber bis dahin hätte der HSV längst schon uneinholbar in Führung liegen müssen. Das Besondere an diesem Spiel: Stevens war aus Eindhoven nach Berlin geflogen, hatte bis dahin noch absolut keinen Kontakt zu „seiner“ neuen Mannschaft gehabt. Ein Novum. Das hat es meines Wissens nie gegeben, dass ein HSV-Trainer seine Tätigkeit nicht in Hamburg begonnen hat, sondern direkt mit einem Auswärtsspiel.

Dann kam der 28. April 2007. Bayern München gegen den HSV. Paolo Guerrero schoss in der 77. Minute das Siegtor, und damit war für mich, nur für mich, die Klasse schon gerettet. Das war am 31. Spieltag. Nach dem Spiel folgte, wie üblich, die Pressekonferenz, und als diese beendet war, ging ich auf Huub Stevens zu. Bevor er etwas denken konnte, suchte meine Hand seine – und ich drückte sie mit dem Satz: „Heute muss es einmal sein, heute muss ich Ihnen ganz einfach die Hand geben – herzlichen Glückwunsch, Sie haben den HSV vor dem Abstieg bewahrt.“ Stevens war total perplex, aber er ließ mich gewähren. Ein einmaliger Ausrutscher meinerseits. Der aber sein musste!

Sensationell war dann am Ende nicht nur der Klassenerhalt, sondern Platz sieben in der Abschlusstabelle. Huub Stevens war ein Zauberer. Der HSV hatte noch die Uefa-Cup-Qualifikation erreicht. Am 17. Mai 2008 nahm Stevens dann seinen Hut. Mit einem 7:0-Sieg im Volkspark gegen den KSC. Tags darauf verabschiedete sich Huub Stevens dann in einer kleinen Feier auch von den Hamburger Journalisten. Ich ging nicht zu diesem Treffen, erstmalig zog ich mich zurück. Wie gesagt, mein Verhältnis zu Stevens war nie gut, trotz der unglaublichen Rettung, aber ich hätte als dienstältester Journalist eine Abschiedsrede halten müssen, hätte mich für die gute Zusammenarbeit mit dem Trainer bedanken sollen – die aber gab es für mich nicht. Stevens war beim kleinsten Hauch von Kritik immer auf Krawall gebürstet, und dieser Zustand ist mit „knurrig“ noch sehr, sehr sanft umschrieben. Er hatte nie ein gutes Verhältnis zu schreibenden Journalisten (mit Ausnahme des damaligen WAZ-Chefs), er wird auch nie eines bekommen – deswegen blieb ich seinem Abschied fern. Diese Rede sollte ein anderer Kollege halten, aber nicht ich.

Trotz allem, das wiederhole ich sehr, sehr gerne, danke ich Stevens bis an mein Lebensende für die Rettung des HSV. Das hätte kein anderer Trainer geschafft, eigentlich müssten sie ihm hier in Hamburg ein Denkmal setzen. Wobei mir einfällt, dass ich dieses Denkmal auch einmal in einem Gespräch mit Hans Meyer (für die Rettung von Borussia Mönchengladbach) erwähnte. Meyer zu mir: „Ich will kein Denkmal, bloß nicht, da pinkeln alle Hunde dran . . .“

Oft bin ich gefragt worden, warum Huub Stevens damals von sich aus ging? Lag es nur an seiner schwer erkrankten Ehefrau Toss? Ich glaube das nicht. Ich weiß es nicht, aber ich glaube viel mehr, dass Stevens damals mit dem HSV-Umfeld nicht mehr klar gekommen ist. Er ist dann ja später auch wieder aus den Niederlanden weg gegangen – nach Salzburg. Und da ging es seiner Frau immer noch nicht so gut. Aber auch das ist Schnee von gestern – und damit erledigt.

So, dann hat mich dieser Tage noch eine private Mail erreicht, die ich gerne an Euch weitergeben möchte. Ich darf es auch, weil der Absender es mir erlaubt hat, der Mann ist mir namentlich bekannt. Es geht los:

„Guten Morgen Herr Matz,

an erster Stelle möchte ich mich als treuer Leser Ihres Blogs für die topaktuelle und jeden Tag wieder interessante Berichterstattung zum Geschehen im und um den Hamburger Sport-Verein bedanken.

Weshalb ich mich heute per eMail an Sie wende hat folgenden Grund:

In letzter Zeit ist das Thema „HSV-Nachwuchsförderung” in aller Munde, auch Sie schreiben immer wieder ausführlich dazu. Durch Zufall habe ich heute Morgen einen der vier Regionalscouts für Hamburg, die der HSV beschäftigt, getroffen, und was er mir berichtete, das macht mich angesichts der laufenden Nachwuchsdebatte ehrlich gesagt sprachlos.

Alle vier Verträge der Scouts laufen am 30. Juni aus. Die vier Herren bringen teilweise bis zu 30 Jahre Verbandserfahrung mit in ihre Scouting-Tätigkeit und sind nicht nur im Hamburger, sondern auch im gesamtdeutschen Kinder- und Jugendfußball bestens vernetzt.

Herr XY hat mir nun berichtet, dass er seit Wochen versucht, an diejenigen Verantwortlichen beim HSV heranzukommen, die für Vertragsverlängerungen in seinem Bereich zuständig sind. Ob Herr Arnesen selbst oder eher Herr Congerton hierfür zuständig sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber dass weder diese beiden Herren noch der für den Nachwuchsbereich “neunominierte” Bastian Reinhardt auf die vier Scouts zugekommen sind, um über die Vertragssituation zu reden, kommt einer Beleidigung gleich.

Was haben die Herren vor? Ich bin mir sicher, dass beim FC Chelsea von den 48 (!) fest angestellten Scouts auch einige im Kinder- und Jugendbereich tätig waren. Zu glauben, man könne beim HSV diesen Bereich „kaputtsparen” (wobei wir hier über einen Betrag von € 20 000 Euro im Jahr reden, den die vier Scouts ZUSAMMEN für ihre Arbeit bekommen) oder mit neuen, externen Mitarbeitern auffüllen, bedeutet sicherlich eine Entscheidung für den klassischen Holzweg. Denn die Erfahrung, die die vier momentan aktiven HSV-Scouts im Kinder- und Jugendbereich haben, ist sicherlich nur schwer ersetzbar. Und ein Wegfall des Scouting in diesem Bereich käme nach den vollmundigen Ankündigungen der letzten Wochen einer Bankrotterklärung gleich, bevor die neue Nachwuchsarbeit beim HSV über an Fahrt aufgenommen hat.

Ich denke, „HSV-Nachwuchsförderung” zu sagen und zu meinen sind zwei Paar Schuh. Ich bin gespannt, ob noch ein ganzer Schuh draus wird.

Nur der HSV!

Mit kollegialen Grüßen.“

17.14 Uhr

Oenning: Kein Wort über Guy – und kaum Stürmer da

24. Juni 2011

Michael Oenning ist entspannt. Zum einen, weil er seinen (kurzen) Urlaub genießen konnte, zum anderen, weil „die Kaderplanung im Fluss ist“, wie der HSV-Coach versichert. „Wir fangen jetzt am Sonntag mal an und harren der Dinge, die da noch kommen.“ Beruhigend hierbei ist für mich erst einmal: es kommen noch Dinge. „Frank Arnesen weiß, was er macht“, lobt Oenning und beruhigt mich, „und bislang ist der Transfermarkt noch gar nicht richtig in Bewegung gekommen.“

Es wird also noch einiges passieren. Am Sonntag ist das zwar nur ein leichtes, nettes und mit Frei-Würstchen garnierter Aufgalopp eines Teils der Mannschaft, „aber ich freue mich, dass es endlich losgeht“, sagt Oenning, der eine Art Mängelverwaltung erwartet. Erst am Montag stoßen Marcell Jansen (landet erst Sonntagabend aus dem USA-Trainingslager) und Jeffrey Bruma (wenn er seinen Vertrag unterschrieben hat) dazu. Am Donnerstag folgt dann noch Eljero Elia, womit Oenning in den ersten Testspielen zumindest eine Alternative mehr für den Sturm hat. Dort fehlen Mladen Petric und Marcus Berg nach ihren Verletzungen noch einige Wochen (Petric 14 Tage, Berg voraussichtlich sechs Wochen) zudem ist Paolo Guerrero beim Südamerika-Cup. „Natürlich wäre es schön, wenn alle drei gesund hier wären, aber sie kommen ja. Und bis dahin haben wir ja auch Alternativen. Und für die ist das ‘ne Chance.“

Allerdings gilt das für nicht allzu viele. Heung Min Son, sowie die Aushilfsstürmer Eljero Elia und Änis Ben-Hatira sollen in den ersten Testspielen die Offensive richten. Und nicht zu vergessen: Tolgay Arslan, der wieder in Hamburg ist, bei dem aber noch nicht endgültig klar ist, ob er noch mal verliehen oder gar verkauft wird.

Wobei die Anzahl der Stürmer ja auch gar nicht so entscheidend sein muss, sollte die von Arnesen unlängst angesprochene Systemumstellung auf 4-3-3 vollzogen werden. Dann würden voraussichtlich Elia und Pitroipa auf den Außenbahnen nur noch einen zentralen Stürmer bedingen. Wie genau das aussieht, werden wir wahrscheinlich beim ersten richtigen Test am 3. Juli in Flensburg gegen Wolfsburg sehen, während am 1. Juli auf Sylt gegen eine Nordfriesland-Auswahl wahrscheinlich noch ziemlich bunt gewürfelt gespielt wird. „Es gibt keinen Anlass zu Sorgen“, sagt Oenning und wirkt motiviert: „Wir haben eine Menge Rückenwind, den wir mitnehmen wollen“,

Kein Wort wollte Oenning indes über Guy Demel verlieren. Mit dem hatte ich gestern gesprochen und für die Print-Ausgabe des HA ein Interview geführt. Hauptthema war natürlich die Ursache für das Zerwürfnis von Guy mit Oenning. Und während Guy bis heute nicht wissen will, weshalb der Trainer ihn aussortiert und damals als „lustlos“ betitelt hatte, sagte Oenning nur: „Das Thema ist für mich schon seit einigen Wochen keins mehr. Wenn Guy sich über die Presse äußern will, soll er das machen. Aber das ist nicht mein Weg.“

Muss es auch nicht. In diesem Fall stehen Aussage gegen Aussage. Während Guy nur mannschaftsdienlich gedacht haben will, als er unmittelbar vor der Abfahrt gegen Leverkusen absagte, hat Oenning Züge bei dem Ivorer ausgemacht, die er als schädlich oder zumindest nicht mehr passend für den HSV ansieht. Logische Konsequenz ist die Trennung. Wobei Guy weiß, dass auch er einen Fehler gemacht hat. Das sagt er auch. Allerdings war ihm am wichtigsten, den Fans mitzuteilen, wie sehr er die Zeit in Hamburg genossen hat. Und ich glaube, das ist ihm gelungen.

Was den Rest betrifft: ich bin mir sicher, dass es nicht allein dieser eine Vorfall war, der zum Zerwürfnis zwischen Trainer und Spieler geführt hat. Guy galt noch bei jedem Trainer als schwierigerer Typ, weil er enorm sensibel ist. Geistig wie körperlich…
Aber auch das sollte jetzt egal sein. Das Thema ist so gut wie durch. Im Guten, wie ich hoffe. Denn auch Guy hat sich in den letzten Jahren mehr als verdient gemacht. Bei allem, was man ihm jetzt vielleicht vorwerfen mag, er war ein Teil des großen Aufschwungs von 2005 bis heute. Und sobald sich ein Verein gefunden hat, der noch rund 1,5 Millionen Euro auf den Tisch legt, kann Guy gehen. Dem Vernehmen nach gibt es im Moment die interessantesten Offerten aus England. Aber fix ist hier noch (lange) nichts.

Gleiches gilt bei Pitroipa. Denn obwohl der Außenspieler von Stade Rennes seit Wochen umworben wird und die Franzosen unlängst angekündigt hatten, ein verbessertes Angebot zu unterbreiten, hat beim HSV noch niemand ein offizielles Angebot erhalten. Im Gegenteil. Bei der Interessenbekundung, die Arnesen bestätigt hatte, sollen bislang Zahlen von 1,5 bis zwei Millionen Euro im Raum gestanden haben. Zahlen, für die der HSV noch nicht einmal das Faxgerät anschalten würde. Im Gegenteil: Oenning plant aktuell mit Pitroipa, sieht den Burkinaben als Alternative für den Sturm, solange die erste Reihe noch fehlt.

In die erste Reihe will auch unbedingt Wolfgang Hesl. Der zuletzt verliehene Torwart soll vom österreichischen SV Ried nach Hamburg zurückkehren. Zumindest dann, wenn er sich dem sportlichen Vergleich mit dem von Trainer und Sportchef öffentlich bereits mehrfach favorisierten Jaroslav Drobny stellen will. „Ich habe mich mit ihm getroffen“, sagt Oenning, „und wir hatten ein längeres, nettes, ehrliches Gespräch.“ Ob Hesl bleibt? „Darüber soll er sich jetzt erst einmal Gedanken machen. Wir haben uns vereinbart, in zwei Tagen noch mal über das Thema zu sprechen und uns bis dahin Gedanken zu machen.“

Wäre ich Hesl, und ich kenne Wolfgang als sehr loyalen, ehrgeizigen Menschen, ich würde alles daran setzen, den HSV zu verlassen und woanders als Nummer eins anzuheuern. So oft wie Arnesen und Oenning zuletzt betont hatten, dass Drobny die Eins wird, hat Hesl nur im Verletzungsfall des Tschechen realistische Chancen. Und darauf wird er nicht spekulieren. Im Gegenteil: ich bin mir relativ sicher, dass Hesl bei Arnesen und Oenning eine Vertragsauflösung oder wenigstens einen Leihtransfer als Lösung vorschlagen wird.

Ansonsten kamen zuletzt mal wieder Gerüchte auf, der HSV sei an dem Talent Shaqiri dran. Das stimmt. Es stimmte zumindest, denn der Schweizer gilt beim HSV noch immer als ein Spieler, der helfen würde. Allerdings ist der 19-Jährige zu teuer. „Er ist für uns wohl kaum zu bezahlen“, sagt Oenning, der in der Schweizer Zeitung „Blick“ noch etwas offensiver zitiert worden war. Oenning dazu: „Eun alter Bekannter hatte mich angerufen und gefragt, was ich von dem Spieler halte. Darüber, dass wir ihn aktuell verpflichten wollen, habe ich nie gesprochen. Im Gegenteil: Shaqiris Position auf der Außenbahn ist nicht unsere Priorität. Wir suchen weiter in der zentrale einen- wie Frank so schön formulierte – Box-to-Box-Spieler.“ Soll heißen: einen zentral offensiven Spieler.

In diesem Sinne, ansonsten war es heute mal wieder ein sehr ruhiger Tag beim HSV (O-Ton Jörn Wolf: „Es ist wirklich gar nichts passiert“). Morgen meldet sich Dieter wieder bei Euch.

Habt ‘nen schönen Freitagabend,

Scholle
19.10 Uhr

Frei-Würstchen statt Frei-Bier

23. Juni 2011

Sonntag ist Trainingsstart beim HSV im Volkspark. Heute saßen deshalb schon mal die Trainer beisammen und erstellten das Programm der nächsten Tage und Wochen. Nichts wird dem Zufall überlassen. Ist jedenfalls nicht so, wie bei einem HSV-Trainer, der morgens in die Kabine gehechelt kam und in die Runde der Assistenten fragte: „Welchen Tag haben wir heute?“ Die Antwort kam blitzschnell: „Donnerstag.“ Daraufhin der Coach: „Dann bist du ja dran mit Programm machen . . .“ Und sah dabei einen seiner Assistenten ganz fest in die Augen. Überredet – woll’n mal sagen jetzt.

Da es heute – meines Wissens – keine An- und Verkäufe beim HSV gegeben hat und gibt (liegt wahrscheinlich daran, dass ich an Einfluss beim HSV verloren habe – wie ich in diesen Tagen gelernt habe!), will ich mit der Trainer-Serie fortsetzen. Das heißt, bei David Rozehnal hat sich in Sachen Verkauf an den französischen Doppelmeister Lille etwas getan (zu 99 Prozent perfekt), aber damit will ich nicht mehr langweilen. Aktuell gibt es ansonsten noch einen neuen Sponsor beim HSV: Hareico. Das Würstchen. Davon wirft der neue HSV-Partner am Sonntag 1500 Exemplare auf den Markt, wenn Training ist. Klub-Boss Carl-Edgar Jarchow und Vize Joachim Hilke sollen sich für diese Würstchen am Grill versuchen . . . Dann gibt es am Sonntag ein neues Motto. Fußballer grölen ja gern mal in die feuchtfröhliche Runde. „Wie trinken wir am liebsten? Umsonst!“ Wie essen wir aber am Sonntag am liebsten? Umsonst!
Bei uns da bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Volkspark-Wald . . .

So, nun aber zu Doll. Der ist der nächste in der Reihe der HSV-Trainer. Thomas Doll. Der inzwischen 45-jährige ehemalige Publikumsliebling in Hamburg will ja nicht mehr „Dolly“ genannt oder gerufen werden, und ich halte mich strikt daran. Doll hat in seiner Vergangenheit „aufgeräumt“ und möchte nicht mehr der liebe „Dolly“ von nebenan sein, sondern ein respektierter Trainer. Ich finde das auch sehr gut so.

Um es vorweg zu sagen: Ich halte Thomas Doll für einen guten, sogar sehr guten Trainer. Nun habe ich hier bei „Matz ab“ gelesen, dass alle HSV-Trainer bei mir gut sein sollen – das kann sogar sein. Nur haben die meisten von ihnen es nicht geschafft, aus dem vorhandenen „Material“ eine verschworene Einheit zu formen. Als Doll am 18. Oktober 2004 von Toppmöller übernahm, konnte er mit seiner forschen, netten, menschlichen und auch fachlichen Art gleich einiges bewegen. Doll brachte Leben in die Bude, er weckte die Begeisterung der Spieler, er war mit Leidenschaft bei der Sache – und er ging tatsächlich mit gutem Beispiel voran. Thomas Doll war morgens der erste Mann in der Arena, und abends meistens auch der letzte Mann der Profi-Abteilung, der nach Hause fuhr. Ich will damit sagen, dass er sich wirklich für den Klub eingesetzt hat, dass er kein „Schön-Wetter-Trainer“ war, sondern dass er Einsatz gezeigt hat.

Schon bei den Amateuren (in Ochsenzoll) war mir aufgefallen, wie gut sein Draht zur Truppe war. Wobei er nicht nur lieb und nett war, sondern auch gelegentlich kräftig „dazwischendonnern“ konnte. Wenn Doll laut wurde, dann wackelte die Heide. Aber er konnte das sehr gut dosieren, alles zu seiner Zeit.

Er führte den HSV nach zunächst verkorkstem Saisonstart (unter Toppmöller) noch auf Platz acht: UI-Cup-Teilnahme, UI-Cup-Gewinn und Start im Uefa-Pokal. Und noch besser kam es im nächsten Jahr: Platz drei in der Bundesliga, Start in der Champions League.

Ich kenne Thomas Doll als zugänglichen, liebevollen und stets netten Menschen. Der voller Optimismus an die ihm gestellten Aufgaben heran ging. Eine Momentaufnahme des lieben und herzensguten „Dolly“? Als er eines Tages nach der Arbeit (Training) aus der Kabine der Arena trat, standen dort am Zaun, wo sich sonst stets viele Autogrammjäger herumdrängeln, nur drei kleine Knaben. Die wollten zweifellos ebenfalls Autogramm sammeln. Aber beim Trainer? Da trauten sie sich nicht. Also ging Doll vorbei. Aber fragte so unschuldig in die Runde: „Na?“ Keine Antwort der Knaben. Als der Coach vorbei war, sagte er vor sich hin: „Ich steige nun in mein Auto . . .“ Er kommentierte quasi jeden seiner Schritte. Als er in sein Auto stieg, hieß es: „Jetzt fahre ich gleich nach Hause . . .“ Noch immer keine Reaktion der drei kleinen HSV-Fans. Doll schloss die Tür, ließ aber das Seitenfenster runter: „Jetzt bin ich gleich weg . . .“ Keine Reaktion hinter der Barriere. Dann stieg Thomas Doll wieder aus dem Auto aus, ging auf die Knaben zu und fragte, was sie nicht fragen wollten: „Wollt ihr ein Autogramm?“ Jetzt freuten sich die Jungs, sie strahlten über das ganze Gesicht – und nickten. Doll fragte nach jedem Namen, schrieb Autogramme mit Widmung (fast so lang wie ein Buch), und stieg dann freudig in den Wagen – und weg: Na bitte, es geht doch.

Den „anderen“ Thomas Doll erlebte ich beim Champions-League-Spiel bei ZSKA Moskau. Der HSV war nicht schlechter als die Russen, aber er verlor 0:1. Auch deshalb, weil sich niemand in der Truppe so richtig aufraffen konnte, Einsatz und etwas mehr Leben zu zeigen. Zur Erinnerung: Damals begann folgende HSV-Mannschaft: Wächter, Mahdavikia, Reinhardt, Kompany, Mathijsen, de Jong, Jarolim, Wicky, Sorin, Ljuboja, Sanogo. Doll war nach dieser überflüssigen Niederlage völlig am Boden, einige im Umfeld des HSV-Teams machten sich im Laufe der Nacht schon Sorgen, dass etwas Unvorhergesehenes mit dem Trainer passieren könnte . . . Egal was. So aber, so wie an diesem 26. September 2006, so habe ich Thomas Doll nie wieder erlebt. Er war down, er hing einfach nur total durch, weil er absolut (und völlig zu recht) von seiner Truppe enttäuscht war. Der sonst so eloquente Herr Doll, in dieser Nacht sagte er gar nichts mehr, da war er nur noch stumm wie ein Fisch . . .

Es gab in jener Saison, seine letzte beim HSV, einfach zu viele Verletzte im HSV-Kader. Zudem war die Truppe schon zu jenem Zeitpunkt keine Einheit mehr, sie begann zu bröckeln, jeder kochte sein eigenes Süppchen – und keiner hatte mehr so richtig Lust, dem Trainer zu folgen. Der Absturz kam unweigerlich, der HSV hielt bis zuletzt zu Thomas Doll – bis es nicht mehr ging. Ich gebe zu, an jenem 2. Februar 2007, als Huub Stevens den HSV als Tabellenletzter übernahm, habe ich nicht mehr an den Klassenerhalt geglaubt. Dass letztlich noch Platz sieben erreicht wurde, das war ein Verdienst der Herren Stevens und Rost. Dazu an anderer Stelle mehr.

Nur noch einen kurzen Satz zu Thomas Doll. Er war zuletzt in der Türkei tätig, hat bei Genclerbirligi einen wirklich guten Job gemacht (der Klub war immer ein Abstiegskandidat) und ist nun zurzeit arbeitslos. Vor Wochen war er bei Eintracht Frankfurt im Gespräch, schade, dass das nicht geklappt hat – ich häte es ihm gegönnt. Auch dshalb, weil er ein sehr guter Trainer ist. Und weil er sich geändert hat. Kein “Bruder Leichtfuß” mehr, sondern ein ernsthafter Trainer. Deswegen hoffe ich für ihn, dass er schon bald einen neuen Klub bekommt. Damit er es allen zeigen kann. Der Thomas Doll.

So, und zum Abschluss des heutigen Tages nun noch ein Beitrag von Euch. Folgende Zeilen haben mich erreicht, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

„Hallo Dieter,
falls noch ein Sommermärchen gebraucht wird, hier ist eines:

Wie ich zum HSV kam? Ich bin in Hamburg-Altona geboren und aufgewachsen. In der Grundschule hatte ich einen Klassenkameraden, Helmut B., mit dem ich häufig auf dem Schulhof Fußball gespielt habe. Sein großer Bruder war auch dabei, und das Spiel ging so: Zwei Tore standen auf gleicher Linie nebeneinander, die Torpfosten bestanden aus Jacken, Schultaschen o. ä. Der mittlere Torpfosten war zugleich der rechte bzw. linke Pfosten der beiden Tore. Helmut und ich hüteten jeweils ein Tor und Helmuts großer Bruder schoss abwechselnd auf die beiden Tore. Es ging dabei auch um Sieg oder Niederlage.

Helmut „war“ dabei Altona 93, das wäre ich auch gerne gewesen . . . Ich fragte ihn dann: „Und welcher Klub bin ich?“ Helmuts großer Bruder darauf: „Du bist HSV.“ Da war ich vielleicht sieben oder acht Jahre alt, und so wurde mein Fan-Dasein früh festgelegt.
Und im Laufe der Jahre festigte sich die Bindung zum HSV mehr und mehr.

Da das Geld zu Hause knapp war, bin ich auch schon mal von Altona (ich wohnte gleich am Bahnhof) zu Fuß zum Rothenbaum gelaufen, um ein Heimspiel des HSV zu sehen. Und das ging auch schon mal ohne eine Eintrittskarte. Leider war das Spiel ausverkauft, ich glaube es ging gegen Werder, aber ich wusste mir zu helfen. Ich bin in eines der Miethäuser an der Rothenbaumchaussee gegangen und habe im obersten, im vierten Geschoss geklingelt und gefragt, ob ich auf dem Balkon das Spiel sehen dürfe. Ich durfte, der Balkon war zwar schon gut besetzt, aber ich kleiner Purks passte noch mit drauf.

Ich gehörte auch zu denen, die mal in der Rothenbaum-Arena über die Köpfe der Besucher hin weg nach unten befördert wurde, damit ich gut sehen konnte.

Als ich in das Teenager-Alter kam, hatte ich das Glück, auf dem Allee-Sportplatz in Altona mit Gert Dörfel zu kicken (wir sind etwa ein Jahrgang), später kam auch sein Bruder Bernd dazu. Und noch später konnte ich Charly dann am Rothenbaum bewundern.
Ich erinnere mich auch an Heinz Spundflasche und seinen Tabakladen in der Bahrenfelder Straße.

Wenn man so früh auf einen Verein geprägt wird, legt man das später nicht wieder ab (das will ich auch gar nicht). Zum Glück ist meine Frau, die beste aller Ehefrauen, ebenfalls an Fußball interessiert – und natürlich Fan des HSV. Wir haben seit vielen Jahren Dauerkarten. Und bei unseren beiden Jungs ist diese HSV-Saat ebenfalls früh gelegt worden.

Ich nutze den Matz-ab-Blog von Anfang an, habe auch hin und wieder Stellung genommen. Ich freue mich, dass es diese Möglichkeit des Fan-Austausches gibt.

Danke, Dieter, für die Mühe und Geduld,
Theophil.“

18.07 Uhr

Arnesen: “Uns fehlt noch ein Kreativer”

22. Juni 2011

Dunkle Anzughose, hellblaues Hemd und ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht – Frank Arnesen sah heute mal wieder genau so aus, wie wirklich immer, wenn wir ihn zu Gesicht bekommen. Das Einzige, was fehlte, war sein Jackett mit den Flicken an den Ärmeln, wie mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Linne, entschuldige!) völlig berechtigt anmerkte. Neu waren allerdings einige Dinge, die er uns heute offenbarte.

Zuerst ging es natürlich darum, inwieweit der HSV-Sportchef mit dem bisherigen Verlauf der Transfers zufrieden ist. Und er antwortete, er sei grundsätzlich zufrieden, da er bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg im Klaren darüber gewesen sei, dass viele Spieler gehen würden, demnach auch viele Neue geholt werden müssten und er damit vor einem Mammutwerk stünde. „Bislang sind acht Spieler gegangen und vier Neue geholt. Also: Wir wollen auf jeden Fall noch etwas machen.“

Muss der HSV auch. Das sieht auch Arnesen so. „Bislang haben wir junge Leute geholt. Drei davon sind gerade mal 19 Jahre alt. Sala und Töre brauchen sicherlich noch ein Jahr, um sich optimal zu entwickeln. Das müssen wir ihnen geben, mit ihnen Geduld haben. Insgesamt wird unser Kader deutlich jünger. Und ich denke, dass das gut so ist.“ Ob es auch schon gut genug ist, um Ziele zu formulieren? „Wir nehmen ein hohes Risiko – aber ich habe Vertrauen“, so Arnesen, der insbesondere auf Michael Oenning als Cheftrainer setzt: „Er hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann.“

Arnesen hat einen Plan. Das merkt man. Gestern hat er intensiv mit Eljero Elias Berater gesprochen und deutlich gemacht, dass der HSV den Niederländer nicht abgeben will und wird. „Ich hatte auch vor der Sommerpause mit Eljero selbst telefoniert und er hat mir gesagt, dass er zu 100 Prozent zum HSV steht. Er weiß, dass wir ihn nicht abgeben wollen.“

Und da auch Romeo Castelen vom Mannschaftsarzt als 100-prozentig fit erklärt wurde und einen neuen, leistungsbezogenen Einjahresvertrag bekommt, sieht sich Arnesen gewappnet. „Wir sind defensiv und auf den Außenbahnen gut aufgestellt. Wir suchen jetzt in erster Linie noch einen Kreativen, haben da einige Kandidaten.“ Sogar einen, der in die ganz enge Auswahl kommt. „Aber bevor ich hier einen Namen nenne, muss ich erst mit dem abgebenden Verein sprechen.“ Klar sei, dass der HSV künftig offensiver spielen, attraktiver spielen will. „Unser System wäre bei der Besetzung fast logisch ein 4-3-3-System“, so Arnesen, der dieses auch in der Jugend spielen lassen will. „Ich habe mit Paul Meier gesprochen und wir sind uns einig, ein 4-3-3-System mit einem Zehner spielen lassen zu wollen.“ Denn, und das ist Arnesens Hintergedanke, „jeder Flankenspieler kann auch im Mittelfeld spielen – aber nicht jeder Mittelfeldspieler kann auch die Außenbahn spielen“.

Und wo wir gerade bei der Jugend sind, hier gibt’s doch noch eine kleine Überraschung. Zuletzt galt der noch von Urs Siegenthaler inthronisierte Schweizer Paul Meier als Jugendchef als gescheitert. Jetzt aber die Wende: „Ich habe lange mit Paul gesprochen und gesehen, dass er einen sehr guten Plan hat“, sagt Arnesen, „wir werden uns das jetzt in den nächsten Monaten ansehen und dann noch mal unterhalten.“ Dafür soll Meier jetzt im Gegensatz zur bisherigen Zeit beim HSV auch sonnabends in Hamburg weilen, dafür sonn- und montags seine Familie in der Heimat besuchen können. „Das ist auch noch nicht ganz optimal, aber okay“, so Arnesen.

Was aus Bastian Reinhardt wird, der ja eigentlich gerade erst zum Jugendchef berufen wurde? Arnesen diplomatisch: „Basti wird sich um die technischen Dinge kümmern und die Schnittstelle zwischen U19 und U23 bilden.“ Denn Letztgenannte werden jetzt definitiv ab dem 1. August neben den Profis an der Imtech-Arena trainieren. „Basti kümmert sich um Verträge und die Koordination, Paul Meier ist für die sportliche Ausbildung von Spielern und Trainern verantwortlich“, erklärt Arnesen.

Nun denn, zurück zum Profibereich. Hier gibt es noch viele Baustellen. Eine davon wird oder wurde vielleicht sogar schon abgearbeitet: David Rozehnal wechselt zum OSC Lille und unterschreibt bei den Franzosen einen vertrag bis 2014. Glückwunsch dafür an David! Auch an den HSV? „Ja“, sagt Arnesen, „wir kriegen zwar nicht viel, aber es ist okay. Und wir brauchen jeden Cent. Deshalb sind wir zufrieden.“

Und auch bei Alex Silva hofft Arnesen auf baldigen Geldsegen. „Ich habe mich am Dienstag mit seinem Berater getroffen und es gibt drei Interessenten in Brasilien“, erklärt Arnesen, „und er will gern in Brasilien bleiben.“ Zwar liegt Silvas aktueller Klub Sao Paulo im Clinch mit dem Innenverteidiger und hat von einem Kauf inzwischen Abstand genommen, dennoch ist ein Verkauf des Defensivmannes nach Brasilien nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Priorität hat weiterhin ein Verkauf“, so Arnesen, der damit allerdings auch einen weiteren Verleih nicht ausschließt. Geklärt sein muss das allerdings bis zum 15. Juli (obwohl Silva bis zum 31. Juli einen Vertrag bei Sao Paulo hat), weil dann in Brasilien die Transferperiode endet.

Eine weitere Baustelle ist Guy Demel, für den es jetzt drei Angebote aus England geben soll. „Ich habe mich lange mit Guys Berater unterhalten und er hat mir von den Interessenten berichtet“, sagt Arnesen, „es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch vor dem Trainingsstart einen neuen Klub findet.“ Für die entsprechende Ablösesumme wohlgemerkt.

Sollte die stimmen, dürfte auch der Transfer von Jonathan Pitroipa schnell über die Bühne gehen. Arnesen bestätigte die Anfrage von Stade Rennes, „aber ein offizielles Angebot liegt uns bis heute nicht vor“. Und da der HSV den pfeilschnellen Außenstürmer nicht unbedingt abgeben will, ist auch dessen Verbleib nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. „Kommt nichts, ist das auch nicht schlimm“, sagt Arnesen, wohlwissend, dass die Millionen bei der Suche nach einem Kreativspieler helfen würden.

Auch deshalb gilt für den HSV: abwarten. „Noch hat sich wenig bewegt auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, der auch den Kauf eines arrivierten Spielers ins Auge gefasst hat – dafür aber wie erwähnt erst noch Geld durch Verkäufe einholen will/muss. „und dann müssen wir im richtigen Moment am richtigen Fleck sein.“

Und dann gab Arnesen – fast nebenbei – das Saisonmotto aus: „Die älteren, erfahrenen Spieler wie Drobny, Jarolim, Aogo, heiko Westermann und Mladen Petric sind unsere Achse. Sie müssen stehen, während die jungen Spieler immer wieder lernen dürfen müssen und Fehler machen dürfen.“

Selbst der harte Saisonstart stört Arnesen nicht. Im Gegenteil, er macht auf Optimismus. „Das erste Spiel zu haben, wo nur wir und keiner sonst spielen, ist fantastisch. Vor 80000 in Dortmund, dazu 8000 eigene Fans im Stadion – besser geht’s kaum.“ Dass ein solcher Start auch Druck ausübt, ist für den Alt-Internationalen kein besonderes Thema. „Wir haben immer Druck, ganz klar. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen, sondern müssen mit ihm umgehen. Und das bedeutet, Druck in Energie umzusetzen.“

Klingt gut. Wie so ziemlich alles, was Arnesen bislang von sich gibt.

In diesem Sinne, bis Freitag. Morgen ist Dieter für Euch da.

Scholle
17 Uhr

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Mickael Tavares darf ablösefrei wechseln. „Es gibt Interessenten“, so Arnesen, der hofft, den Transfer schon in den nächsten Tagen abwickeln zu können.

P.P.S.: Der Termin für den Saisonauftakt steht. Am Sonntag um 14 Uhr (an oder in der Imtech-Arena) wird Oenning die erste Einheit der neuen Saison leiten.

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