Tagesarchiv für den 28. Mai 2011

Hermann Rieger auf Wolke sieben

28. Mai 2011

Um ihn macht man sich Gedanken, um ihn wird sich sehr gesorgt, an ihn denken so viele Menschen bei Tag und auch bei Nacht. Nein, in diesem Falle geht es nicht um den HSV, sondern um einen ganz großen HSVer: Hermann Rieger. Der Kult-Masseur leidet seit Jahren, seine schwere Krankheit hat sein Leben total auf den Kopf gestellt. Und trotz allem hat Hermann sein „sonniges Gemüt“ nicht verloren. Er kämpft. Und er hat noch immer nicht seinen Humor verloren, er ist immer noch der Alte, obwohl ihm das Schicksal übel mitgespielt hat. Gestern stand er wieder einmal im Mittelpunkt, denn Lotto King Karl holte die gute Seele des HSV während des Konzertes auf die Bühne. Hermann wurde gefeiert und umjubelt, die Menschen liegen ihm zu Füßen – und er genießt es. Auch heute wieder, wenn Lotto sein zweites Konzert im Stadtpark gibt.

Es ist nicht mehr ganz so leicht, an Hermann Rieger heranzukommen. Die vielen Termine bei Ärzten und in Krankenhäusern sorgen dafür, dass sein Handy oft abgeschaltet ist. Nun aber ist er für kurze Zeit in Hamburg, da ist es mir gelungen. Am Dienstag steht für ihn der nächste Termin in der Klinik (Hannover) an, dann steht eine weitere Generaluntersuchung auf dem Plan. Geht es nach Hermann, könnte er schon wieder „Bäume ausreißen“, denn er sagt: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut, ich habe keine Schmerzen, die Blutwerte sind okay.“ Alle drei Woche bekam er zuletzt Chemo, aber er ist optimistisch: „So, wie ich mich jetzt fühle, denke ich mal, dass ich keine Chemo mehr brauche.“ Wir drücken Dir die Daumen, lieber Hermann.

Hoffentlich ist sein langer Leidensweg bald zu Ende, hoffentlich ist „herman the german“ bald wieder ganz gesund. Zurzeit lebt er in Niedersachsen, in Alfstedt bei Bremervörde (zwölf Kilometer entfernt). Dort wohnt HR in einem Appartement am Sportplatz des TuS Alfstedt. Dort wird er praktisch rund um die Uhr von seinem Fan-Klub betreut: „Hermanns treue Riege“, der größte HSV-Fan-Klub. Der Masseur schwärmerisch: „Diese Leute sind einmalig, sie tun alles für mich. Sie fahren mich zu den Terminen im Krankenhaus, sie planen, sie organisieren, sie sind unheimlich rührig, kümmern sich um mich, bringen mich überall hin – das ist einfach nur sensationell.“

Hermann Rieger weiß sich aber auch bei seinen Ärzten in besten Händen: „Das Gute für mich ist, dass die Ärzte mich schon von Beginn an betreuen. Sie wissen um meine Krankheit, sie haben von der ersten bis zur letzten Röntgenaufnahme alles vorliegen, deshalb sehen sie sofort, wenn sich etwas bei mir verändert hat. Ich bin mit den Ärzten sehr, sehr zufrieden und habe vollstes Vertrauen zu ihnen.“

Obwohl Hermann in Alfstedt gemeldet ist, obwohl er sich dort auch überaus wohl fühlt – im Hinterkopf hat er immer noch seine Wahlheimat an der Elbe: „Hamburg ist meine Stadt, ganz klar, dort will ich eines Tages auch wieder leben.“ Deswegen hat er seinen Wohnsitz Hannover auch längst wieder aufgegeben. Seine Möbel sind aus der niedersächsischen Hauptstadt aufgeholt worden, lagern zurzeit bei Umzug-König Struwe ein. Hermann Rieger: „Der HSV, vor allen in Person von Rene Koch, haben mir unheimlich geholfen. Der HSV hat den Umzug organisiert, hat meine Wohnung in Hannover renoviert, bezahlt auch mein Appartement in Alfstedt – das ist einmalig.“ Rieger weiter: „Auch Rene Koch ist mir eine sehr, sehr große Hilfe, er unterstützt mich wo er nur kann, ein toller Mensch. Ich kann wirklich sagen, dass ich dadurch, dass sich so viele Menschen so herzlich um mich kümmern, keinerlei große Belastung mehr habe.“ Er sagt aber auch: „Die Hilfe ist nicht nur großartig, sie kam auch zur rechten Zeit, denn allein hätte ich das alles ganz sicher nicht geschafft.“

Sieh an, sieh an, der HSV. Er hilft seinem in Not geratenen Masseur – vorbildlich. So etwas kennt man sonst vor allem vom FC Bayern, denn Uli Hoeneß hat bislang noch jedem in Not geratenem ehemaligen Bayern-Profi unter die Arme gegriffen. Und nun auch der HSV . . . Kompliment. Dickes Kompliment sogar. Nicht nur, weil es sich in der Hilfe um Hermann Rieger handelt.
So muss es doch, bei allem Profi-Getue, in einem Sportverein sein. Hilfreich, gut und menschlich.

Dass Hermann nun bei Lotto gefeiert wird, das baut ihn auf. Ganz sicher. „Das tut unheimlich gut, das ist wie ein Heimspiel für mich. Die Leute sind nett und liebenswürdig, sie bemühen sich um mich – großartig“, sagt HR und erinnert sich spontan an das letzte Heimspiel des HSV, das 1:1 gegen Mönchengladbach: „Als ich da meinen Namen hörte, vor allen von den Fans im Norden und im Westen, dachte ich zuerst, ich höre falsch. Dann bekam ich eine Gänsehaut, ich konnte es nicht glauben, wie mich die Leute gefeiert haben. Ich schwebte auf Wolke sieben, mir kamen die Tränen – und ich schäme mich nicht dafür.“

Ganz klar, das muss ja auch nicht sein. Freudentränen sind doch immer willkommen.

Trifft Hermann im Alltag auf HSV-Fans, so sind auch sie stets um ihn besorgt und bemüht. Hermann weiß deshalb: „Ich bin nicht allein, und das ist ein wirklich tolles Gefühl.“

Nicht ganz so gut geht es ihm aber, wenn er an den HSV, an „seinen HSV“ denkt. Da gibt er unumwunden zu: „Ich mache mir Sorgen um den Klub, ganz klar, das ist überhaupt keine Frage. Die letzte Saison ist ja voll in die Hose gegangen, die Rückrunde war katastrophal, da muss man gar nicht drum herum reden.“ Aber auch um die Zukunft macht sich HR seine Gedanken: „Andere Klubs haben schon Spieler verpflichtet, wir noch nicht. Ich weiß nicht, wie die Gespräche laufen, ich höre nichts, deswegen weiß ich auch nicht, wie es weitergeht mit dem HSV. Es wird Zeit, dass sich etwas tut, wir sind sehr spät dran.“

Dass der HSV große und erfahrene Spieler wie Frank Rost, Ze Roberto, Collin Benjamin und Ruud van Nistelrooy verliert, das ist kein schlechtes Zeichen für Hermann. Er sagt: „Es musste ein Umbruch kommen, denn irgendwie ging es ja nicht mehr voran. Da sitze ich in einem Boot mit fast allen HSV-Fans, die das befürworten. Ich begrüße, das sage ich ausdrücklich, diesen Umbruch, diesen Schritt, nun auf junge Leute zu setzen. Wir brauchen Spieler die wollen, die hungrig und heiß sind. Hoffentlich aber bekommen wir die auch, denn noch ist davon ja nichts zu sehen . . .“

Aber, da habe ich noch immer das Gespräch vom Freitag mit Trainer Michael Oenning im Kopf, der ja ob dieser Situation noch ganz gelassen ist: Abwarten. Gut Ding will Weile haben.

Apropos Trainer: Während es unserem Hermann derzeit ganz gut zu gehen scheint, muss sich jeder HSVer wieder Sorgen um einen ganz großen HSV-Trainer machen: Kuno Kötzer. Der „Ritter“ hatte gerade eine schwere Herzattacke gut überstanden, liegt aber jetzt schon wieder auf der Intensivstation in Bad Segeberg. Wieder das Herz!
Alles Gute, lieber Kuno, zeige Deinen berühmten Kampfgeist und sei bald wieder daheim in Norderstedt.

So, sportlich gibt es noch nichts von unserem Klub zu vermelden, der HSV hat heute geschlossen. Ich wünsche Euch viel Spaß bei Barcelona gegen Manchester United – oder vielleicht bei Lotto King Karl (mit Hermann Rieger) im Stadtpark? Ob Lotto heute Trauer trägt? Sein Verein, auch mein Verein, nämlich BU, ist ja gestern aus der Oberliga Hamburg abgestiegen. Ganz, ganz bitter für Lottos „Hamburger Sport-Verein Barmbek-Uhlenhorst“.

15.22 Uhr