Tagesarchiv für den 26. Mai 2011

Die spinnen doch, die….

26. Mai 2011

…. nein, nicht die Römer! Diesmal sind’s die Holländer. Salopp formuliert natürlich… Im Speziellen meine ich da die Niederländer des HSV. Da entpuppt sich zuerst der ansonsten als Musterprofi hochgelobte Joris Mathijsen als eine Art Mogelpackung, und jetzt kann sein Landsmann Eljero Elia mal wieder nicht die Klappe halten. Wobei, vielleicht ist es den hiesigen verantwortlichen gar nicht so unrecht.

Schließlich wird, so beteuert es Trainer Michael Oenning, beim HSV weiter ganz fest mit dem potenziell abwanderungswilligen Flügelflitzer geplant. Andererseits ist der immer wieder sportlich enttäuschende niederländische Nationalspieler einer der wenigen Spieler, mit denen der HSV noch richtig Geld für die klammen Kassen erzielen kann. Und vielleicht ja auch will…

Auf jeden Fall bietet sich Elia mal wieder feil. Diesmal nicht bei Manchester United oder dem FC Barcelona, wo sich der schnelle, technisch begnadete und verbal ziemlich unkontrollierte Außenstürmer bereits wähnte. Nein, er ist bescheidener geworden. Diesmal sind es „nur“ Juventus Turin und der FC Liverpool. Erstgenannter sei immerhin die größte Adresse im italienischen Fußball. Und Liverpool? „Bei Liverpool Kuyt auf rechts, vorn in der Spitze Carroll, dahinter Suarez und ich auf links. Da würden wir alle verrückt machen.“

Nun muss man dazu sagen, dass Elia von seiner eigenen Entwicklung schon vor Jahren überholzt wurde. Mit 17 bereits Profi, mit 18 den ersten guten Vertrag, mit 21 sogar schon den ersten Millionenvertrag, wurde er früh Vater. Er selbst dachte und sagte damals, er würde damit keine Probleme haben und sich über die große Verantwortung freuen. Und das klang glaubhaft. Allein Elia fehlte die Gabe, in den richtigen Momenten um Hilfe zu bitten. Er wollte und will noch heute alles allein machen. Allerdings sind das alles Dinge, die nicht so einfach zu bewältigen sind, wenn die entsprechende Hilfe fehlt. „Ich habe viel zu überprüfen in meinem Kopf“, sagt Elia, und weiter: „Aber vorerst zählt für mich nur der HSV.“

Klar, das muss er ja sagen. Schließlich hat er ja auch noch einen bis 2014 laufenden Vertrag. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Niederländer, sobald sie bei der Nationalmannschaft zusammentreffen, immer wieder in die falsche Richtung pushen. Rafael van der Vaart hat mir mal erzählt, dass die international zweifellos sehr hoch gehandelten niederländischen Nationalspieler ihn bei Länderspieltreffen immer wieder gefragt hätten, warum er „nur“ beim HSV spiele und nicht wie die meisten anderen bei den Spitzenklubs Real Madrid, Barcelona, Inter Mailand oder auch Arsenal London. Damals, so versicherte er mir, habe er immer geantwortet: „Weil Hamburg riesiges Potenzial hat und ich mich da am besten entwickeln kann.“ Worte, die ich gern Elia andichten würde – zumindest würde sich mein Bild von ihm dann nicht noch weiter verziehen. „Junge Spieler kriegen schon einen Floh ins Ohr gesetzt, wenn sie auf Kollegen treffen, die bei den ganz großen Klubs spielen“, sagte van der Vaart damals – und ich glaube ihm. Kommt dann noch wie bei Elia Wankelmütigkeit und ein Berater hinzu, der seinem Namen dem Vernehmen nach absolut keine Ehre erweist, hinzu, dann ist das Dilemma programmiert. Zumindest bei großen Spielern, die sich selbst schlecht einschätzen können.

Apropos einschätzen. Das wiederum können die Kollegen von www.Transfermarkt.de in der Regel sehr gut. Und sollten ihre Zahlen auch diesmal stimmen, bräuchten wir uns über einen Verkauf von Pitroipa, Guerrero, Jansen oder eben Elia überhaupt keine Gedanken machen. Denn die Kollegen beziffern Mathijsens Marktwert mit 9 Millionen Euro. Eine Summe, die ich für ebenso absurd wie für den HSV als wünschenswert empfinde. Immerhin steht der Verkauf Mathijsens, der nach Ajax Amsterdam auch aus Spanien ein lukratives Angebot vorliegen haben soll, unmittelbar bevor. Und die Tendenz geht inzwischen zu einem spanischen Erstligisten. „Ich will in jedem Spiel gefordert werden“, sagte Mathijsen heute im Trainingslager der Niederländer, „das ist in den Niederlanden in einigen Spielen leider nicht der Fall.“ Zu groß sei der Leistungsunterschied zwischen Ajax und den Klubs, die gegen den Abstieg spielen. Dennoch sei noch längst keine Entscheidung gefallen. „Ich werde die Länderspiele spielen und mich erst danach entscheiden“, so Joris.

Mathijsens Abgang dürfte indes schnell kompensiert werden können. Und das ausgerechnet mit einem Landsmann, der sich aktuell ebenfalls im Kreise der offenkundig sehr selbstbewussten niederländischen Nationalspieler bewegt: Jeffrey Bruma. Der 19-Jährige gilt in den Niederlanden als DAS aktuelle Toptalent, sein Wechsel zum HSV hat sich inzwischen auch bis zum Oranje-Team herumgesprochen. Entsprechend groß war der Andrang heute, als sich der junge Innenverteidiger der Presserunde stellte. Und nachdem er sich selbstbewusst gab und davon sprach, auf die eine oder andere Spielminute bei der Länderspielreise zu hoffen, folgten die erwarteten Fragen nach seiner Zukunft. Dabei bestätigte Bruma das Interesse des HSV und seine grundsätzliche Bereitschaft „zu diesem großen Klub“ zu wechseln. Allerdings, und da reiht er sich dann bei Joris und Elia nahtlos ein, überraschte er mit seinem Ausblick auf die nächsten Tage. Und Wochen. „Ich werde die Länderspielreise mitmachen, anschließend in den Urlaub fahren und mir da meine Gedanken zu allem machen.“ Und während man in Hamburg davon spricht, alles geklärt und sich geeinigt zu haben und noch immer alle davon ausgehen, in den nächsten Tagen die finale Nachricht vom Wunschspieler zu erhalten, sagt dieser: „Ich habe keinen Druck. Ich habe das mit Frank Arnesen so besprochen.“ Sein Ultimatum würde demnach erst in drei Wochen ablaufen.

Nun denn. Warum sollte es bei Bruma auch anders sein als bei seinen Landsleuten. Khalid Boulahrouz verletzte sich urplötzlich beim Warmmachen vor einem Europa-League-Spiel und wechselte einen Tag später zum FC Chelsea, für den er international nicht mehr hätte spielen dürfen, wenn er am Vortag beim HSV gespielt hätte. Rafael van der Vaart, der an sich sportlich tadellos war, präsentierte sich im Valencia-Trikot und verhob sich plötzlich beim Spielen mit seinem Sohn, nachdem der HSV ihm den Wunsch, nach Valencia zu wechseln, verweigert hatte. Dazu gesellen sich wie bereits erwähnt Ruud van Nistelrooy, dem Angebote der Top-Klubs vorlagen und den es jetzt nach malaga zieht sowie Joris Mathijsen und Eljero Elia, während Nigel de Jong die goldene Ausnahme ist. Zumindest, wenn man Nico Hoogma aus dieser Reihe herausnimmt. Immerhin war dieser auch nie Teil der großen Nationalmannschaft der Niederlande…

In diesem Sinne, hebben een leuke avond…

Euer Scholle

17.55 Uhr