Tagesarchiv für den 25. Mai 2011

Jeffrey Bruma soll für zwei Jahre unterschreiben

25. Mai 2011

Die Planungen laufen. Allerdings auch noch nicht viel mehr. „Es gibt nichts“ löst sich bei meinen Nachfragen derzeit mit „nichts los“ und „alles ruhig“ ab. Und: ich glaube denen. Auch wenn es normal ist, nicht zwingend Geheimnisse von sich aus auszuplaudern, kommt auch auf Nachfrage derzeit wenig bis nichts.

Weil nichts passiert?

Ja. Und nein. Denn eine Sache scheint klar: Jeffrey Bruma kommt. Der niederländische Nationalspieler, der sich ab morgen mit seiner Elftal auf Länderspielreise begibt, soll noch in den nächsten Tagen einen Vertrag bis 2013 unterschreiben. Sobald sein Berater Wessel Weezenberg als frisch gebackener Vater wieder aus dem Kreißsaal heraus ist, in dem seine Frau (wahrscheinlich ist das inzwischen bereits passiert – aber ich wollte Weezenberg jetzt nicht störend anrufen…) das gemeinsame Kind auf die Welt bringt. Bis 2013, soweit sind die Verhandlungen eh abgeschlossen, leiht der HSV Bruma vom FC Chelsea aus, wobei die Engländer ihren Schützling nach der Saison 2011/2012 per Option zurückholen können. Ansonsten würde der HSV anschließend eine Kaufoption in noch unbestimmter Höhe ziehen können.

Ein guter Deal. Wenn ich den Experten um mich herum glauben darf, sogar ein sehr guter. „Jeffrey war schon früh auffällig“, sagt Dietmar Beiersdorfer, der den Innenverteidiger bereits 2009 zusammen mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann und Katja Kraus auf dem Zettel hatte. „Damals hatten sein Berater und seine Familie allerdings andere Pläne. Sie wollten Jeffrey in England beim FC Chelsea ausbilden“, so der ehemalige HSV-Sportchef. Auch zwei ernsthafte Versuche vor der letzten Saison sowie im Januar scheiterten an den hohen Leihsummen, die Chelsea aufrief. „Und daran, dass uns Chelsea keine Kaufoption einräumen wollte“, sagt der seit Montag offiziell Nicht-mehr-Sportchef Bastian Reinhardt, der aktuell auf seine neue Arbeitsplatzbeschreibung wartet. Dem vernehmen nach soll der Ex-Sportchef den Jugendbereich übernehmen, so eine Art Nachwuchschef werden und dort den glücklosen Paul Meier beerben.

Aber zurück zum voraussichtlich ersten Zugang für die neue Saison. Wer ist dieser von allen Seiten hochgelobte Bruma eigentlich?

Jeffrey Bruma wurde bereits im zarten Alter von nur 15 Jahren von seinem Heimatklub Feyenoord Rotterdam weggeholt. Der FC Chelsea überwies damals eine Ausbildungsentschädigung von 100 000 Pfund an die Niederländer. Fortan spielte der Innenverteidiger, der auch auf der rechten Verteidigerposition eingesetzt werden kann, nur kurz für die Jugendmannschaft des Abramowitsch-Klubs, ehe er mit 16 Jahren bereits in die Reservemannschaft der Profis hochgezogen wurde, ehe er 2009/2010 sogar den Sprung in den Profikader schaffte. Nachdem er nur vier Einsätze aufzuweisen hatte, wechselte Bruma im Januar trotz des Angebotes vom HSV zum englischen Zweitligisten Leicester City, mit dem der FC Chelsea seit einiger Zeit kooperiert.

„Jeffrey bringt physisch alles mit und spielt auf einem technischen Niveau, das in seiner Altersklasse auf der Position sonst nicht zu finden ist“, lobt Reinhardt den potenziell ersten Neuzugang – und legt nach: „Seit einiger Zeit hat er zudem sein Spiel etwas umgestellt und spielt schnörkelloser, geradliniger und somit effizienter. Er ist das aktuell vielleicht größte Talent, das die Niederlande haben.“

Und das wohl schon bald beim HSV, der allerdings trotzdem noch einen Innenverteidiger suchen muss, nachdem der Abgang von Joris Mathijsen so gut wie feststeht. Immerhin hat der Niederländer den Verein bereits über seinen Wunsch, Hamburg und den HSV verlassen zu wollen, informiert. Ein Schritt, den der Verein bei einem passenden Angebot zurecht unterstützen würde, Denn wenn wir ganz ehrlich sind, waren Mathijsens letzten Leistungen diplomatisch formuliert „solide“. Allerdings so solide, dass keiner mehr große Ausschläge nach oben erwartet.

Zudem, und das gebe ich gern zu, habe ich mich in dem Typus Mathijsen getäuscht. Ich hatte den soliden Fußballarbeiter immer als jemanden gesehen, der über die Einstellung zum Job die gewisse Portion Herzblut in die Waagschale werfen. Das allerdings war zuletzt auch nicht mehr der Fall. Stattdessen fiel der sonst immer nette Niederländer durch seine schlechte Laune, Verletzungen und teils freches Verhalten seinen Fans gegenüber auf. Nicht selten verweigerte der Innenverteidiger, den es angeblich zu Ajax Amsterdam zieht, den wirklich wenigen wartenden Anhängern sogar deren Autogrammwünsche. Und als mir sehr nahe Kollegen einen Bericht über ihn und seine holländischen Kollegen beim HSV verfassten und dort zurecht schrieben, dass die Niederländer beim HSV zur neuen Saison wackeln, brüllte er sogar den Kollegen in einer Form an, die nicht zu rechtfertigen war/ist. Aber okay, das sind olle Kamellen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet, die uns aber auch nicht weiter tangieren sollten.

Unser Blick geht nach vorn. Hin zum Umbruch, der so recht noch nicht in die Gänge zu kommen scheint. Heute trafen sich der Vorstand und das Trainerteam – und für mich etwas überraschend auch der eigentlich ja nicht am operativen Geschäft teilnehmende Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckkhoff – und besprachen die nächsten Schritte er Kaderplanung. Dabei spielte ein Name kurzzeitig eine Rolle, wurde allerdings inzwischen aus sportlichen Gründen abgelehnt: der von der Sportbild genannte Däne Mikkel Thygesen vom FC Midtjylland. Der Vertrag des 26-jährigen Mittelfeldspielers läuft im Sommer aus. Thygesen, der bereits 2007 eine Saison lang für Borussia Mönchengladbach spielte, wäre ablösefrei.

Gleiches gilt für Ruud van Nistelrooy, der dem Vernehmen nach zum spanischen Erstligisten FC Malaga wechselt. „Es sieht gut aus. Wir haben noch nicht das Ja des Spielers, aber er steht unserem Projekt wohlwollend gegenüber“, sagte Malagas Sportdirektor Antonio Fernandez in der spanischen Sporttageszeitung „Marca“. Wobei ich Malaga – zumindest aus der Sicht eines in seiner Jugend samt Mutter und Oma dort jahrelang immer wieder hinfahrenden Touristen – absolut empfehlen kann. Aber das nur in eigener Sache und am Rande…

Apropos, dann doch gleich noch was in eigener Sache: Dieter hat in den letzten Tagen den Maßstab sehr hoch gehängt. Zumindest sehr hoch dafür, dass derzeit wenig passiert. Die Altmeister Jochen Meinke und Klaus Neisner zu befragen war eine große Idee. Groß deshalb, weil beide die Lage des HSV sehr gut auf den Punkt brachten. Teamgeist einzufordern und eine Einheit als Mannschaft zu fordern ist DER zentrale Punkt, den es beim HSV zu beheben gilt. Ich von meiner Seite kann – oder besser: ich will den beiden in keinem Punkt widersprechen. Und ich bin froh, sagen zu können, dass die amtierenden Granden beim HSV das sehr ähnlich sehen. Momentan wird versucht, die Spieler Tavares, Silva, Rozehnal, Guerrero und Guy Demel zu verkaufen. Letzterer soll tatsächlich versucht haben, sich ablösefrei zu machen. Ein für mich grotesker Zug. Nachdem sich selbiger vor kurzem noch weit unter Wert behandelt fühlte und seine Arbeitsverweigerung damit zu erklären versuchte, will er plötzlich keinen Cent wert sein. Nun denn. Das verstehe wer will…

Und bevor ich diesen Blog beschließe, möchte ich an dieser Stelle noch eine Dame besonders herzlich grüßen, die momentan gesundheitlich stark angeschlagen ist: unsere Organisatorin der „Matz-Ab-Treffen“ und ehemalige Cheffin der Raute, Astrid Hachmeister. Astrid, falls Du das hier liest, ich wünsche Dir im Namen aller Matz-Abber gute Besserung und mir, Dich bald wieder so gesund wie eh und je in die Arme nehmen zu können.

In diesem Sinne, hoffen wir weiter auf Besserung. In allen Bereichen.

Scholle

17.30 Uhr