Tagesarchiv für den 18. Mai 2011

Arnesen krempelt die Ärmel auf

18. Mai 2011

Er war kurz da und ist schon wieder weg. Aber das auch nur ganz kurz. Am Montag kehrt Frank Arnesen wieder nach Hamburg zurück, und von diesem Tag an, dem 23., Mai 2011, ist er dann auch in Amt und Würden, dann ist er tatsächlich der neue HSV-Sportchef. Bevor der Däne sich wieder nach London aufmachte, gab es für die Medien der Hansestadt noch die Gelegenheit, einige Fragen zu stellen. Geduldig stellte sich Arnesen den Reportern, er ist schon „voll drin“ in seiner Aufgabe, und ich habe einen wirklich guten Eindruck von diesem Mann. Er weiß genau, wovon er spricht, er weiß genau, was er will – und was nicht. Und er weiß auch, dass er etwas kann. Das sind keine Luftblasen, die Arnesen da von sich gibt, der Mann denkt sorgfältig nach, was er sagt, und es hat alles Hand und Fuß, was er so von sich gibt. Und selbst wenn er spontan antwortet, dann wird eines ganz offensichtlich: Dieser Mann ist Fußballer durch und durch, er kann auf einen riesigen Erfahrungsschatz zurückgreifen – und er weiß, was in Hamburg von ihm erwartet wird. Egal ob nun Strohhalm, Heilsbringer oder Hoffnungsträger – Frank Arnesen wird dem HSV helfen müssen, er hat sich darauf von A bis Z eingestellt. Und ich glaube nach diesem Treffen auch, dass er dem HSV helfen kann, helfen wird.

Kurz bevor unser Gespräch beendet war, gab es noch für mich ein besonderes Aha-Erlebnis. Es ging um Paolo Guerreros Verletzung, wie lange der Peruaner ausfallen wird, ob der HSV-Stürmer doch zur Copa America fliegen muss. Arnesen: „Wir werden die nächsten zwei Wochen abwarten, wie sich das alles entwickelt, dann werden wir miteinander sprechen.“ Eventuell, wenn Guerrero tatsächlich von Peru angefordert wird, muss ein HSV-Arzt mitfliegen, um dann vor Ort mit den Kollegen der Peruanischen Nationalmannschaft zu beraten, ob ein Einsatz sinnvoll ist. Dann sagte Arnesen etwas für mich Überraschendes und auch höchst Erfreuliches: „Wir sind ja schon früher in Peru gewesen, als Paolo seinen Kreuzbandriss hatte. Wir kennen die Leute, die Ärzte, wir haben ein gutes Verhältnis zu ihnen aufgebaut, wir haben sehr gute Beziehungen – und diese Erfahrungen brauchen wir auch diesmal, um Guerrero wieder fit zu bekommen.“
Habt Ihr auf die Feinheiten geachtet? Arnesen hat „wir“ gesagt. „Wir“ in einem Zusammenhang, den er gar nicht kennt, nicht kennen kann. Guerreros Kreuzbandriss liegt schon über eineinhalb Jahre zurück, aber „wir kennen die Leute, wir kennen die Ärzte . . .“ Kompliment, Herr Arnesen, Sie, „wir“ und der HSV – das ging aber fix! Und fängt schon viel versprechend an.

Und bewegt hat Frank Arnesen (als Chelsea-Mitarbeiter) auch schon einiges – in Hamburg. Der HSV sucht im Moment einen neuen Co-Trainer, im Gespräch ist ein Deutscher. Der wird Rodolfo Cardoso ersetzen, der wieder zurück zur Regionalliga-Mannschaft gehen wird. Und noch etwas wird neu sein beim HSV 2011: Das Team von Cardoso wird in Zukunft parallel zur Profi-Mannschaft trainieren – jedenfalls so oft es geht. Weg von Ochsenzoll, ran an die Arena. Durch die Nähe soll der Übergang der Talente in den Profi-Bereich leichter gemacht werden, sie stehen mehr unter Beobachtung – und sie können, je nach Bedarf, auch unkompliziert mal am Training der Profis teilnehmen. Eine sinnvolle Erneuerung. Arnesen: „Als wir jung waren, haben wir doch auch immer zu den Profis aufgeschaut, so wird die Kluft zwischen den Talenten und der ersten Mannschaft verringert, der Übergang wird damit leichter gemacht.“ Es sollen auch künftig schon B-Jugendliche zeitweise bei den Profis mittrainieren.

Am Dienstag hatte Frank Arnesen eine Gesprächsrunde mit dem Aufsichtsrat. Der Sportchef: „Ich hatte natürlich schon öfter solche Gespräche, aber noch nie mit zwölf Mann. Das war eine neue Erfahrung für mich, aber ich muss sagen, es war sehr interessant, und es war auch sehr positiv. Mir wurden sehr viel Fragen gestellt, und das mag ich sehr gerne.“ Erst hatte Michael Oenning seine Vorstellungen präsentiert (ein Rückblick und ein Ausblick), dann kam Frank Arnesen. Es wurde über jeden Spieler gesprochen – auch über noch anstehende Wechsel, auch über die Neuen. Arnesen: „Es war wirklich ein sehr positives Gespräch.“

Bastian Reinhardt wird sich künftig mehr um die Jugend, mehr um die Talente des HSV kümmern, er wird eine Art Vermittler spielen zwischen Jung und Alt. „Diese Position war Bastians Wunsch, ich glaube, er wird eine sehr gute Rolle für uns spielen können. Ich habe ihnen kennen gelernt, er ist ehrgeizig, er ist jung, er will – und er wird wichtig für uns werden“, sagt Arnesen, der die alte Scouting-Abteilung um Michael Schröder (noch oder vorerst) behalten will. Der Däne will alles zusammenfügen, und er will abwarten, wie sich diese Arbeit entwickelt. Klappt es gut, werden wohl alle beim HSV bleiben, klappt es nicht, werden doch noch Köpfe rollen: „Wir sind ein Team. Und ich werde mir das in Ruhe anschauen. Wir brauchen Qualität, und wenn wir Qualität haben, dann wollen wir die auch behalten. Auch gute Leute, die bleiben wollen, werden wir behalten. Ich werde mir die nächsten Monate genau ansehen, das ist mein Job, und wenn ich das Gespür habe, dass da ein guter Mann mit uns gehen will, dann geht er auch mit. Ich habe das Gefühl, dass es im Scouting-Bereich eine sehr gute Atmosphäre herrscht, dass die Leute da wollen. Wir müssen zusammenarbeiten, und ich habe dafür ein sehr gutes Gefühl.“

Dass nun (fast) alle HSV-Hoffnungen auf Frank Arnesen ruhen, das weiß der Däne. Und er geht locker damit um. Er sagt: „Ich bin es gewohnt, dass die Leute sehr viel von mir erwarten. Ich war Fußballer, dann Trainer, dann viele Jahre beim PSV Eindhoven, Tottenham und Chelsea, ich kann mit dem Druck leben, es ist ja doch immer wieder dasselbe. Es ist nun eine neue Herausforderung für mich, und darauf freue ich mich. Aber ich hoffe, dass die Hoffnungen der Hamburger nur zeitlich begrenzt auf meinen Schultern liegen, denn die Nummer eins müssen die Spieler sein.“ Aber davon gibt es zurzeit nicht mehr so viele. Und vielleicht werden es ja noch viel weniger, wenn ich so an Mladen Petric, Joris Mathijsen, Jonathan Pitroipa oder auch Robert Tesche denke. Da kann noch so viel passieren.

Dennoch sagt Arnesen, dass der HSV noch einige sehr gute Spieler in seine Reihen weiß. „Da sind sehr viele gute junge Spieler, die wir noch haben.“ Dann verrät der Sportchef: „Wir brauchen einen Innenverteidiger, wir wissen auch, dass wir einen Mittelfeldspieler brauchen – wir müssen auch wissen, dass noch der eine oder andere Spieler noch von sich aus gehen wird. Darauf müssen wir vorbereitet sein, darauf müssen wir reagieren können, und daran wird jetzt gearbeitet. Ganz klar aber ist, dass wir neue Spieler brauchen.“

Er hat sich alle letzten HSV-Spieler auf DVD’s angesehen, er weiß, wo der Hebel anzusetzen ist, Frank Arnesen ist „schon voll drin“. Er sagt: „Wir wollen das Beste für den Klub, und ich denke, dass wir Anfang August auch eine gute Mannschaft haben werden. Noch haben wir alle Zeit, um gute Spieler für uns zu finden, um alles zu bekommen, was wir wollen.“ Und die Zielsetzung? Arnesen: „Platz sechs oder sieben, darüber möchte ich nicht sprechen. Ich spreche über den ganzen Prozess, den wir nun vor uns haben, über neue Strukturen. Um gute Resultate zu bekommen, muss man stark sein. Und stark müssen nicht nur die Spieler sein, sondern alle, das gesamte Umfeld. Wenn alles bei 100 Prozent ist, die Spieler, die Trainingsbedingungen, die Stadt, das Stadion, der Vorstand, die Trainer, und haben wir einen guten Plan, dann kommt auch das Resultat. Wenn wir jetzt Saisonziele nennen, dann fangen wir bei Z an, wir müssen aber erst einmal mit dem A beginnen. Und alles muss zusammenarbeiten, wir müssen ein Team werden. Alle.“

Und wer kommt? Namen wie Geal Kalkuta, Patrick van Aanholt und Jeffrey Bruma werden gehandelt. Arnesen wollte dazu nicht Stellung nehmen, sagte nur in einem Nebensatz: „Bruma ist ein Thema, aber ob er kommen wird? Ich weiß es nicht.“ Es hängt doch auch am lieben Geld. Und davon hat der HSV nicht mehr ganz so viel. Ob noch Geld in die Kasse kommen wird, hängt auch von den Verkäufen ab. Petric, Mathijsen, Pitroipa. Arnesen, speziell auf Mladen Petric angesprochen, sagt aber auch: „Ich hoffe sehr, dass er bleiben wird. Ich werde mit ihm sprechen. Ganz klar, wir werden alles tun, um die besten Spieler zu behalten.“

20 Spieler, dazu vier hungrige Talente, mit diesem Kader will der HSV, so sagte es einst Trainer Michael Oenning, in die neue Saison gehen. Frank Arnesen: „Da bin ich mir mit dem Trainer absolut einig: 24 Spieler, darunter drei Torhüter, vielleicht auch 25 Spieler – so sollte das aussehen.“ Der Sportchef will in Zukunft ganz nah an der Mannschaft sein, will auch mit ins Trainingslager – aber er wird nicht auf der Bank sitzen: „Das ist nicht mein Platz.“ Das überlässt er dem Trainer. Und über den schwärmt Arnesen schon: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, die Zusammenarbeit mit Michael Oenning war in den letzten zwei Monaten schon sehr gut. Ich bin dafür da, ihn zu 100 Prozent zu unterstützen.“ Dass der Veh-Nachfolger in seinen acht Begegnungen als HSV-Chef-Trainer nur einen Sieg landen konnte, das ficht Arnesen nicht an: „Das muss man über die gesamte Saison sehen. Und wenn ich so an die letzte Minute gegen Dortmund denke, an das 1:1 gegen Leverkusen – das waren Spiele, da hatten wir Pech, die hätten auch gewonnen werden können . . . Ich habe die Spiele analysiert, und ich habe dabei festgestellt, dass die Spieler unter der Regie von Michael Oenning wollten. Sie wollten spielen, sie wollten arbeiten, sie wollten gewinnen. Und manchmal hat man eben mehr Glück, manchmal nicht.“

Auch darüber, dass der HSV in der jetzigen Phase ziemlich „klamm“ ist, sprach Frank Arnesen: „Ganz klar, wir haben im Moment nicht gerade die beste Phase, das wissen wir. Damit habe ich aber keine Probleme, das ist eine Herausforderung für mich. Ich habe gespürt, dass der gesamte Verein sehr positiv ist, das habe ich auch bei dem Gespräch mit dem Aufsichtsrat gemerkt. Und ich bin mir sicher, dass wir noch das eine oder andere werden machen können.“ Will er zaubern? Arnesen: Ich glaube, dass wir mit meinen Kontakten, mit Intelligenz, mit gutem Scouting, mit einem guten Auge alle zusammen auch etwas Gutes machen können.“ Heißt das auch, dass der HSV mehr leihen als kaufen wird? Arnesen: „Das kann es heißen. Wenn gute Spieler da sind, die uns helfen können, die wir aber nicht bezahlen können, dann werden sie ausgeliehen – damit haben wir, es wurde darüber gesprochen, keinerlei Probleme. Und ich in jetzt im Vorstand, ich muss auch an die finanzielle Seite des Klubs denken, und das werde ich auch selbstverständlich tun.“

Frank Arnesen nimmt seine Arbeit beim HSV nun runde sechs Wochen eher auf als geplant, aber dafür muss keine „Ablöse“ an Chelsea zahlen. Die Engländer zeigten sich spendabel. Immerhin hat der Däne ja auch schon in den vergangenen Wochen – nebenbei – immer für den HSV gearbeitet. Auch wohl deswegen identifiziert er sich schon so sehr mit der Raute: „Der HSV war einst die Nummer eins in Europa, die Stadt ist super, das Klub-Umfeld ist hervorragend, der Name HSV ist top – da müssen wir wieder hinkommen. Das ist mein absolutes Ziel. Ich will, dass der HSV wieder mehr gewinnt als verliert. Und hier stimmt das gesamte Umfeld. Hamburg hat es verdient, dass der HSV dort wieder hinkommt, wo er einst war.“ Und er fügt hinzu: „Kontinuität ist dabei sehr wichtig, Kontinuität und Qualität. Und es muss einen guten Aufbau im Verein von unten geben.“

Letzeres dauert aber. Oder kann dauern. Aber es gibt in der Bundesliga schon lange keine Zeit mehr. Schon gar nicht in Hamburg. Das weiß auch Arnesen: „Das wissen wir das ist der Fußball. Dazu müssen wir den Verstand gebrauchen, damit müssen wir umgehen, das ist normal. Der Druck von außen wird groß sein, aber wir alle in Hamburg wollen gewinnen, dafür werden wir arbeiten.“

Wenn es geht, wird sich der HSV auch demnächst wieder einen dänischen Spieler holen. Und auch einen schwedischen. Dieser Name steht schon fest: Marcus Berg. Arnesen: „Er ist unser Spieler, er kommt von PSV Eindhoven zurück. Das steht fest.“ Heute wurde der Stürmer in Schweden an der Hüfte operiert, diese Operation könnte sich auch auf die Vorbereitungsphase auswirken. Nämlich dann, wenn die Schmerzen noch bis in den Juli und August anhalten sollten. Weil es diese Umstände gibt, deswegen steht auch für mich fest, dass Berg auf jeden Fall nach Hamburg zurückkehren wird, denn welcher Verein verpflichtet schon einen kranken Spieler?

Meine letzte Frage an Frank Arnesen: Vor etwas mehr als einem Jahr hatte der alte HSV-Vorstand davon gesprochen, nur noch Spieler „mit Charakter“ verpflichten zu wollen. Was hält der neue Sportchef davon? Er sagt: „Wir arbeiten nach fünf Dingen: technisch-taktisch, physisch, mental, medizinisch und dazu die Lebensweise. Darauf achten wir bei jedem Spieler, das sehen wir uns unter diesen Gesichtspunkten ganz genau an. Charakter muss ein jeder haben, aber es gibt eben auch Spieler, die dazu extrovertiert oder introvertiert sind, das ist dann die Persönlichkeit des Spielers. Wichtig ist, dass ein Spieler den Charakter hat, um zu gewinnen, und wir brauchen, das steht auch fest, Führungsspieler.“
Und weil er das weiß, wird er auch dementsprechend auf dem Markt zuschlagen, davon bin ich überzeugt. Frank Arnesen weiß, ich schrieb es eingangs, ganz genau, was er will. Und was nicht.

Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen, ob ich den Dänen zu viel zugetraut und auch zugemutet habe.

PS: In diesem Artikel ist ein Foto eingeklinkt, es zeigt den Gewinner des Rost-Trikots, es ist Andre Wolff aus Haselund im Kreise seiner Lieben. Nochmals herzlichen Glückwunsch.

18.54 Uhr

Analyse Teil drei: Ze hinterlässt eine Lücke

18. Mai 2011

Bevor es hier bei „Matz ab“ am Abend zu Sportchef Frank Arnesen geht, der noch einmal kurz in der Stadt war und für ein Interview zur Verfügung stand, geht es noch mit der Saisonbilanz weiter. Die restlichen Mittelfeldspieler stehen auf dem Programm.

Los gehts!

Jonathan Pitroipa: hat am Sonntag seine Sachen gepackt. Das heißt, ihre Sachen haben alle HSV-Spieler gepackt, weil es ja in die Sommerpause geht. Da werden dann die Sachen, die im Spind hängen und dort nicht über Wochen bleiben sollen, mitgenommen. Das ist so Sitte. Aber wer genau hinsah, der wird festgestellt haben, dass der gute „Piet“ gleich zwei prall gefüllte Plastiktüten voller Klamotten an sein Auto schleppte. Mehr als jeder andere Kollege. Als ich das sah, da dachte ich spontan bei mir: „Hey, das sieht aber ganz nach Abschied aus . . .“ Ich könnte mir vorstellen, dass Pitroipa seine Sachen für immer gepackt hat – und dass der 1. FC Köln ruft. Sein alter Trainer Volker Finke. Traurig würde mich dieser Wechsel nicht machen, denn „Piet“ hat eine schlechte Saison gespielt. In jener Verfassung, in der er sich zuletzt präsentierte, wird er kein Verlust sein. Der Mann kann zwar laufen und dribbeln, aber eben keine Tore machen. Das wird wohl immer sein Problem bleiben. Für mich ist Pitroipa einer der größten Flops dieser Saison, wobei es sicher auch daran lag, dass ihm die Trainer zu Beginn des Jahres kein Vertrauen mehr entgegenbringen wollten – die Geduld war ganz offenbar irgendwann am Ende. Piet in Zahlen…
…Spielminuten:
1817
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 11
Schüsse neben das Tor: 13
Torvorlagen: 6
Pässe: 663
Passgenauigkeit in %: 80%
Flanken: 64
Flankengenauigkeit in %: 23%
Dribblings: 139
Erfolgreiche Dribblings in %: 53%
Verteidigung: Tacklings: 37
Gewonnene Tacklings in %: 86%
Fouls: 29
Abseits: 14
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

Tomas Rincon: Der Fighter explodierte erst zum Saisonende. Das heißt, man ließ ihn erst dann explodieren. Was wohl auch daran lag, weil „Popeye“ kein Offensivspiel hat. Rincon schafft es kaum einmal, eine vernünftige Aktion in der Offensive zu starten, geschweige denn in die Nähe zu kommen, um endlich einmal ein Tor zu machen. Nur kämpfen, grätschen, kloppen und beißen langt eben auch in der Bundesliga nicht (mehr). Bei allem Engagement, Rincon wird an sich arbeiten müssen, wenn er weiterhin eine Chance haben möchte. Ich halte ihn für sehr wohl talentiert, aber in dieser Saison trat er auf der Stelle. Sein Trost, den er sich kürzlich selbst zusprach: „Ich bin ja noch jung.“ Der 23-Jährige blieb in der Saison 2010/11 weit hinter den Erwartungen, im letzten Spiel gegen Mönchengladbach war er zwar nicht schlecht, aber viele seiner Aktionen sahen auch ein wenig hölzern und wenig geschmeidig aus. Da hat Rincon verloren. “El Gringo” in Zahlen…Spielminuten: 1160
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 0
Schüsse neben das Tor: 5
Torvorlagen: 0
Pässe: 518
Passgenauigkeit in %: 79%
Flanken: 22
Flankengenauigkeit in %: 27%
Dribblings: 21
Erfolgreiche Dribblings in %: 67%
Verteidigung: Tacklings: 54
Gewonnene Tacklings in %: 85%
Fouls: 26
Abseits: 0
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Piotr Trochowski: Der „kleine Dribbelkünstler“ aus Billstedt, der Mann mit dem Super-Schuss (ich musste es noch einmal loswerden!), wandert nach Spanien aus. Und ich drücke ihm für das Abenteuer Sevilla ganz fest beide Daumen. Ich hoffe für „Troche“, dass er die richtigen Berater mitnimmt, und ich hoffe für ihn, dass er einen Trainer bekommt, der seine Stärken schätzt und darauf baut. Wir werden es aus der Ferne beobachten – ich werde es sogar sehr genau beobachten. Trochowski gehört in Hamburg zu den großen Verlierern dieser Saison, weil er in der Rückrunde kaum noch benötigt wurde. Kurios ist aber schon, dass ihm sowohl von Armin Veh als auch von Michael Oenning immer beste Trainingsleistungen und eine Super-Einstellung bescheinigt wurden. Bekommt Trochowski in Spanien wieder Selbstvertrauen, besinnt er sich dazu auf seine Stärken und stellt sein oftmals umständliches Spiel (ein Kreisel zu viel) ein, dann kann er in Sevilla nicht nur Stammspieler werden, dann kann er auch wieder in die deutsche Nationalmannschaft zurückkehren. Ich wünsche es ihm. Alles Gute, „Troche“. Trochowski in Zahlen…
… Spielminuten:
1228
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 5
Schüsse neben das Tor: 10
Torvorlagen: 0
Pässe: 860
Passgenauigkeit in %: 86%
Flanken: 75
Flankengenauigkeit %: 25%
Dribblings: 35
Erfolgreiche Dribblings in %: 54%
Verteidigung: Tacklings: 15
Gewonnene Tacklings in %: 73%
Fouls: 20
Abseits: 0
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 0

Zé Roberto: der Brasilianer wird ganz sicher eine Lücke hinterlassen. Das sage ich, obwohl ich mit dem HSV gehe, dass dem „Altmeister“ kein Zwei-Jahres-Vertrag mehr gegeben worden ist. Eine absolut richtige Entscheidung. Fußballerisch aber wird der „große Ze“ schon fehlen, es war stets eine Augenweide, ihm zuzusehen. Und es wird dem HSV sicher sehr, sehr schwer fallen, diese Lücke adäquat zu schließen. Ich fürchte sogar, es wird nicht gelingen. Festgehalten werden muss aber auch, dass es einige Spiele in dieser Saison gab, in denen Ze Roberto „nicht zu sehen“ gewesen ist. Lag es am Alter? Ich glaube es eher nicht. Meine Ursachenforschung sieht anders aus: Es fehlte Ze Roberto an Mitspielern, die ihm das Wasser reichen konnten, mit denen er auf einer Wellenlänge lag, mit denen er Lust gehabt hätte, so richtig schön und gut zu spielen. Rings um ihn herum war einfach zu viel Mittelmaß, und das dürfte ihm letztlich den Nerv geraubt haben. Sollte ich Ze Roberto eine abschließende Benotung für diese und seine letzte HSV-Saison geben müssen, so wäre es eine Drei minus. Zé in Zahlen…
…Spielminuten:
2745
Tore: 1
Schüsse aufs Tor: 4
Schüsse neben das Tor: 8
Torvorlagen: 9
Pässe: 1476
Passgenauigkeit in %: 85%
Flanken: 176
Flankengenauigkeit %: 34%
Dribblings: 91
Erfolgreiche Dribblings in %: 58%
Verteidigung: Tacklings: 92
Gewonnene Tacklings in %: 80%
Fouls: 29
Abseits: 3
Gelbe Karten: 5
Rote Karten: 0

So, die Saisonbilanz des HSV wird natürlich mit dem Sturm (und auch mit den Offiziellen drum herum) fortgesetzt. Heute am Abend wird aber, wie eingangs schon versprochen, noch Frank Arnesen zu Wort kommen.

Und jetzt habe ich noch eine kleine Meldung, die ich für sehr interessant halte. Hat zwar nur indirekt mit dem HSV zu tun, aber immerhin könnte es passieren, dass es in nächster Zeit mal ein Zusammentreffen gibt, denn: Der HSV hatte in der abgelaufenen Saison ja häufig Schiedsrichter, die erst am Anfang ihrer Erstliga-Karriere stehen:

Fifa-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus darf sich nach der Frauen-WM in Deutschland (26. Juni bis 17. Juli) Hoffnungen auf einen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga machen. Die 32-Jährige aus Hannover hat nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) beste Chancen, im Sommer von der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die kommende Spielzeit in der Bundesliga nominiert zu werden. „Bibiana Steinhaus hätte den Bundesliga-Aufstieg zu 100 Prozent verdient. Und nach der WM wäre auch der ideale Zeitpunkt, sie erstmals in der Bundesliga einzusetzen. Ich bin mir sicher, dass sie das schafft. Denn ich muss ganz klar sagen, dass Bibiana das absolute Aushängeschild im Schiedsrichterwesen der Frauen ist“, sagte WM-OK-Präsidentin Steffi Jones.

Die Kommission um DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel (Kyllburg) wird in der Sommerpause entscheiden, welche Schiedsrichter in der kommenden Saison im Oberhaus pfeifen. „Ob Frau oder Mann, alle Schiedsrichter haben die gleichen Chancen. Es zählen einzig und allein Leistung und Persönlichkeit, wenn es um die Frage geht, wer in die Bundesliga aufsteigt“, sagt Fandel. Steinhaus ist seit 1995 Schiedsrichterin und leitet seit der Spielzeit 2007/2008 Spiele der Zweiten Liga. In der gleichen Saison wurde sie erstmals als Vierte Offizielle in der Bundesliga eingesetzt. Am 10. August 2008 pfiff sie als erste Frau ein DFB-Pokalspiel (TSG Neustrelitz – 1860 München).

„Wir Schiedsrichter sind Sportler. Und jeder Sportler möchte natürlich in der höchstmöglichen Klasse aktiv sein“, sagte Steinhaus zu einer möglichen Zukunft in der Bundesliga.

Willkommen /demnächst) in Hamburg, Frau Steinhaus.

13.09 Uhr