Tagesarchiv für den 17. Mai 2011

Saisonanalyse, Teil 2: Jaro hat sich durchgesetzt

17. Mai 2011

Frank Arnesen ist gelandet. Und er bleibt. Allerdings nur bis Mittwoch, wo er wieder gen London abfliegt, um seine Vorbereitungen für den UMzug nach Hamburg zu finalisieren. Zeit dafür gab es ja noch nicht… Aber im Ernst: Der desiognierte Sportchef wird sich heute Abend dem Aufsichtsrat stellen und dort seine Personalplanungen vorstellen. Sollte sich hier heute Abend noch aktuell etwas Neues ergeben, melde ich mich noch mal bei Euch. Morgen ist wieder Dieter da und hat das Vergnügen, sich mit Arnesen zu treffen und anschließend davon berichten zu können. Bis dahin setzen wir unsere Saisonanalyse fort. Heute mit der ersten Hälfte der Mittelfeldspieler.

Änis Ben-Hatira: Änis hat eine starke Entwicklung genommen. Ich habe ihn damals als 17-Jährigen kennengelernt. Damals sprach er davon, nie viel Wert auf Geld, schnelle Autos und vor allem nicht auf Partys zu legen. Ihm sei allein der Fußball wichtig. Und? Es kam alles anders als der junge Berliner dachte. Beim HSV wurde er zwar auffällig – allerdings weniger auf als neben dem Platz. Woraufhin sich die Hamburger von ihm auf Verleihbasis trennten. Doch auch außerhalb Hamburgs gelang dem offensiven Mittelfeldspieler wenig bis nichts. Umso beachtenswerter, und das rechne ich ihm besonders hoch an, hat er aus diesen miesen Voraussetzung zuzüglich der Tatsache, dass Trainer Armin Veh ihn zu Saisonbeginn nicht haben wollte, sich gemausert. Er ist für mich zwar weiterhin der Unvollendete, weil er seine teilweise sehr guten Aktionen nicht zum Abschluss bringen kann. Entweder der entscheidende Pass kommt nicht oder zu spät, oder der eigene Abschluss fehlt. Änis zählt ganz sicher zu der Kategorie Talent – allerdings muss er in der kommenden Saison noch konstanter werden.
Änis in Zahlen..
Spielminuten: 1046
Tore: 3
Schüsse aufs Tor: 11
Schüsse neben das Tor: 7
Torvorlagen: 1
Pässe: 311
Passgenauigkeit in %: 76%
Flanken: 32
Flankengenauigkeit in %: 34%
Dribblings: 52
Erfolgreiche Dribblings in %: 46%
Verteidigung: Tacklings: 25
Gewonnene Tacklings in%: 100%
Fouls: 25
Abseits: 7
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 1

Marcell Jansen: Der Umstrittene. Oder einfach nur der Missverstandene? Marcell Jansens Qualitäten sind unbestritten, allerdings konnte sie der Linksfuß unter Armin Veh zu selten abrufen. Ein Zehbruch stoppte Jansen in der Hinrunde fast drei Monate lang – eine Dauer, die Veh nicht nachvollziehen konnte und die ihn dazu veranlasste, mit Jansen zu brechen. Ob und inwieweit er auch beim damaligen Co- und aktuellen Cheftrainer Oenning im Abseits ist, wird sich zeigen. Zuletzt jedenfalls hatte Jansen immer hinter Eljero Elia das Nachsehen und saß auf der Bank. Folge: Jansen wurde nicht von Bundestrainer Joachim Löw nominiert. Allerdings hatte sich Jansen zuvor mit Löw unterhalten und aus dem Gespräch die Nachricht gezogen, sich künftig als Linksverteidiger zu spezialisieren. “Das ist meine eigentliche Position”, so Jansen, der damit in Konkurrenz zu Nationalmannschaftskollege Dennis Aogo tritt. Ansonsten ist Jansen Leistung in dieser Saison (wieder) kaum zu bewerten – zu unregelmäßig konnte/durfte/hatte er es verdient, sein Leistung auf dem Platz unter Beweis zu stellen.

Jansen in Zahlen…
…Spielminuten: 1031
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 8
Schüsse neben das Tor: 6
Torvorlagen: 0
Pässe: 412
Passgenauigkeit in %: 71%
Flanken: 59
Flankengenauigkeit %: 15%
Dribblings: 44
Erfolgreiche Dribblings in %: 45%
Verteidigung: Tacklings: 27
Gewonnene Tacklings in%: 81%
Fouls: 9
Abseits: 2
Gelbe Karten: 1
Rote Karten: 0

David Jarolim: Der Ex-Kapitän galt mal wieder – wie vor jeder Saison mit einem neuen Trainer – als erster Streichkandidat. Für seine Position verstärkte sich der HSV mit Gojko Kacar. Und Jarolims Demission als Kapitän schien nur der Anfang seines Endes beim HSV – bis Veh den Tschechen im Training kennenlernte und seine schlechte Meinung über den Rechtsfuß schnell revidierte. “Ich habe mich bei Jaro eindeutig geirrt”, so Veh damals schon im Trainingslager in Längfenfeld. Und Jarolim hielt, was er versprach: Er spielte eine solide Saison. Das heutige Geburtstagskind (Herzlichen Glückwunsch!) arbeitete auf dem Platz wie gewohnt vorbildlich. Er grätschte, lief, schleppte Bälle und wurde gefoult. Wie immer. Aber eben auch nicht mehr. Im Gegenteil, kurz vor der Winterpause ging dem “Mann der 1000 Lungen” kurzzeitig die Puste aus. Frisch Vater geworden, musste der 32-Jährige das erste Mal zugeben, körperlich an seine Grenzen gekommen zu sein. Zum Glück war ihm davon in der Rückrunde (“Die Wintervorbereitrung war super. hart – aber effektiv”) nicht mehr viel anzumerken. Im Gegenteil: Jaro wirkte frisch. Er setzte sich im defensiven Mittelfeld gegen Gojko Kacar durch, der dafür in die Innenverteidigung rückte. Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass nicht klar zu sagen ist, wer sich bei dem Konkurrenzkampf Zé Roberto/Jaro/Kacar wie durchgesetzt hat. Immerhin musste Zé lange hinten links aushelfen, ehe er ins Mittelfeld zurückkehrte. fast zeitgleich wurde Kacar zum Innenverteidiger umfunktioniert. Die Situation “zwei aus drei” gab es im defensiven Mittelfeld nahezu nie. In den nächsten Tagen, so ist zu hören, will der HSV seine ersten Zugänge für die neue Saison präsentieren. darunter auch mindestens ein defensiver Mittelfeldspieler, der auch Jarolim Konkurrenz machen soll. Dennoch wette ich, dass sich Jaro erneut durchsetzen wird. Auch wenn man von ihm nie Spielmacher-, geschweige denn Torjägerqualitäten erwarten können wird…
Jaro in Zahlen…
…Spielminuten:
1982
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 3
Schüsse neben das Tor: 1
Torvorlagen: 1
Pässe: 1336
Passgenauigkeit in %: 91%
Flanken: 6
Flankengenauigkeit in %: 33%
Dribblings: 42
Erfolgreiche Dribblings in %: 64%
Verteidigung: Tacklings: 67
Gewonnene Tacklings in %: 85%
Fouls: 48
Abseits: 0
Gelbe Karten: 10
Rote Karten: 0

Gojko Kacar:Der Gewinner der Rückrunde. Zumindest in meinen Augen. Immerhin galt der ruhige, fast intrivertiert wirkende Serbe lange Zeit unglücklich. Zum einen er selbst, zum anderen seine Leistungen auf dem Platz. “Ich kam nicht richtig rein”, bestätigt Gojko heute, “ich brauchte einen Anstoß. Ich musste richtig fit sein und mir über einige Spiele Sicherheit holen.” Das gelang – allerdings weniger auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld denn als Nebenmann von Abwehrchef und Mannschaftskapitän Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Dort entwickelte sich Kacar so gut, dass der Ausfall von Joris Mathijsen kaum mehr ins Gewicht fiel. Dennoch, da bin ich mir sicher, wenn Kacar richtig fit ist, gehört er ins Mittelfeld. Seine Torgefahr, seine Zweikampfstärke und seine Kofballstärke sind gute Argimente, ihn wieder auf seine ursprüngliche Position zu setzen. Vorausgesetzt natürlich, dass der HSV für die Innenverteidigung adäquaten Ersatz hat. Ansonsten ist Kacar nur für die erste Halbserie im Mittelfeld zu bewerten, wo er sich allerdings in dieser Saison nicht wirklich durchsetzen konnte.
Gojko in Zahlen…
…Spielminuten:
1592
Tore: 2
Schüsse aufs Tor: 4
Schüsse neben das Tor: 7
Torvorlagen: 1
Pässe: 740
Passgenauigkeit in %: 76%
Flanken: 6
Flankengenauigkeit in %: 17%
Dribblings: 17
Erfolgreiche Dribblings in %: 53%
Verteidigung: Tacklings: 57
Gewonnene Tacklings in %: 91%
Fouls: 20
Abseits: 3
Gelbe Karten: 2
Rote Karten: 1

Robert Tesche: Der Allrounder, der überall, aber doch auch nirgends zuhause ist. Zumindest sagt er das selbst über sich und diese Saison. “Ich wurde als Allzweckwaffe fast immer mitnominiert. Aber gespielt habe ich fast nie”, so Tesche. Gerade elf Einsätze, davon knapp die Hälfte als Einwechselspieler in den Schlussminuten durfte der 23-Jährige ran. Dabei konnte er nicht wirklich auf sich aufmerksam machen, wie auch die unten aufgeführte Statistik zeigt. Gerade drei Flanken und nur ein einziger Schuss aufs Tor – weniger brachte kein anderer HSV-Mittelfeldspieler zustande. “Ich werde mir die Vorbereitung ansehen und dann entscheiden”, sagt Tesche heute – und deutet damit an, wechseln zu wollen, sofern sich seine Situation nicht verändert. Und während ich soetwas desöfteren verurteile, kann ich ihm in diesem Fall nur zustimmen. Denn um lediglich auf der Bank zu sitzen, hat der 23-Jährige zu viel Potenzial. Er ist kopfball- und zweikampfstark, verfügt über einen satten und zielgenauen Schuss – allerdings braucht er dringend Spielpraxis, um seine gute Entwicklung aus dem Jahr in Bielefeld und dem ersten Jahr beim HSV fortzusetzen. Diese bekam er beim HSV nicht, weil die Konkurrenz zu stark war. Vielleicht ist der Umbruch ja seine Chance…
Tesche in Zahlen…
…Spielminuten:
521
Tore: 0
Schüsse aufs Tor: 1
Schüsse neben das Tor: 1
Torvorlagen: 0
Pässe: 246
Passgenauigkeit in %: 84%
Flanken: 3
Flankengenauigkeit %: 33%
Dribblings: 11
Erfolgreiche Dribblings in %: 36%
Verteidigung: Tacklings: 17
Gewonnene Tacklings in%: 88%
Fouls: 12
Abseits: 0
Gelbe Karten: 0
Rote Karten: 0

Wie oben bereits erwähnt, sollte heute Abend noch Bahnbrechendes bei der Aufsichtsratssitzung passieren, melde ich mich noch mal. Ansonsten ist morgen Dieter wieder da. Mit Neuigkeiten von Frank Arnesen. Persönlich hoffentlich…

Scholle
18.27 Uhr

In diesem Sinne,