Tagesarchiv für den 14. Mai 2011

1:1 – Benjamin der gefeierte Mann!

14. Mai 2011

Um 17.20 Uhr war in Hamburg die Saison beendet. Beifall und Pfiffe gab es, und so manch wehmütiges Gesicht: über zwei Monate keine Bundesliga mehr. Der HSV hatte es immerhin geschafft, nicht zu verlieren, mit dem 1:1 wurde der Siegeszug des Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach gestoppt – und gleichzeitig eine Saison beendet, die in dieser Form kaum einer haben wollte. Der HSV ist weiter auf dem Weg ins Mittelmaß, er entwickelt sich immer mehr „Grauen Maus“ der Liga. Und er wird ganz gewaltig aufpassen müssen, dass dieser gefährliche Trend in der nächsten Saison nicht nahtlos fortgesetzt wird. Immerhin: „Nach dem Urlaub alle gemeinsam für den HSV, so prangte es auf dem großen Plakat, das von der Mannschaft allen Fans präsentiert wurde. Das ist ja mal ein Motto. Hoffentlich kein einseitiges. Diese Mannschaft wird in der nächsten Spielzeit mehr zeigen müssen, wenn es diese Fußball-Euphorie an der Elbe dauerhaft geben soll.

Der Abschied nach dem Spielschluss zeigte aber auch sehr deutlich, dass HSV-Fans schnell verzeihen können. Die Spieler, allen voran Collin Bejamnin, wurden lautstark und begeisternd gefeiert – ein toller Anfang ist mit diesem Ende gemacht.

Aufregend war es schon vor dem Anpfiff. Bei der Verabschiedung der Spieler, die den HSV verlassen werden, stellten sich die Herren echt amateurhaft an. Na gut, es regnete, da will keiner die Frisur riskieren, aber dass ein Mann wie Collin Benjamin, der von den Fans gefeiert worden wäre, total unerwähnt blieb, das war ganz, ganz bitter. Dilettantischer geht es kaum noch. Dass dann kurz vor dem Spiel, quasi Sekunden davor, Ze Roberto und Frank Rost noch ihre Blumensträuße erhielten, war der Konzentration auf ein solches Spiel auch sicher wenig förderlich. Aber okay, der HSV hatte sich mit dem Mittelmaß schon vorher abgefunden . . .

Immerhin: Frank Rost wurde bei seiner Verabschiedung noch ganz groß gefeiert, besonders im Norden. In den Katakomben hatte sich zuvor schon Guy Demel dezent verabschiedet, als er den Ordnern die Hände drückte und dabei leise sagte: „Macht’s gut.“ Der gute „Giiiiiiiee“ geht auch, offiziell wurden diesmal Eric-Maxim Choupo-Moting, Piotr Trochowski, Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto, Frank Rost und Tunay Torun mit Blumen bedacht. Übrigens: Hermann Rieger war zu diesem letzten Heimspiel der Saison (natürlich) wieder mit von der Partie, und er machte diesmal einen viel besseren Eindruck auf mich, als noch vor einigen Wochen. Hoffentlich täuscht es nicht. Hermann wirkte aber ganz fidel.

Was er mit Romeo Castelen gemein hatte, denn der Niederländer saß auf der Bank. Großartig. Ich drückte dem überaus sympathischen Romeo beide Daumen, dass er es noch einmal packt.

Dann zum Sportlichen. Es war in meinen Augen ein durchaus ansehnliches Spiel, der HSV wollte hier nichts abschenken, er spielte gut mit – und hatte in Halbzeit eins sogar die besseren Chancen. In der 24. Minute hätte Eljero Elia das 1:0 erzielt, hätte nicht Änis Ben-Hatira im Mitlaufen den Gladbacher Jantschke gefoult. So gab es statt Tor für den HSV nur Gelb für den HSV.

Kommen wir zu den Minuten 34, 35 und 36. Da lag Paolo Guerrero am Boden, und zwar die ganz Zeit. Auf der Bank des HSV aber machte sich niemand Gedanken darüber, dass der Peruaner eventuell schwerer verletzt sein könnte. Es vergingen mindestens drei, vier Minuten. Als Guerrero dann auf der Trage in die Kabine gebracht wurde, da kam dann das Zeichen für Jonathan Pitroipa, sich der Trainingsklamotten zu entledigen. Als das Spiel bereits lief, war der gute „Piet“ (der mit lautstarken Pfiffen bedacht wurde) dann fertig. Und Rost hinten war fix und fertig – er machte seinem Ärger über diese „amateurhafte Übung“ mehrfach kräftig Luft.
Meine Herren am Spielfeldrand, das kann man nicht nur besser und profihafter machen, das muss man auch besser und profihafter machen!

Und Frank Rost regte sich auch danach noch einmal mächtig auf. Als nämlich der Ball in seinem Tor lag. Arango hatte mit einem Freistoß aus 25 Metern getroffen. Rost war sauer, machte die Mauer an, aber auch für die ist er natürlich verantwortlich. Dass der Keeper dann bei seiner vergeblichen Flugeinlage auch selbst schlecht aussah, rundete dieses „dumme“ Tor noch ab (42.). Ein absolut unnötiges Gegentor – aber den Gladbachern gefiel es.

Die Fans der Borussia feierten zur Pause, für den HSV gab es auf dem Weg in die Kabine reichlich Pfiffe. Aber, um es noch einmal zu schreiben: Es gab schon viel schlechtere Kicks im Volkspark. Was natürlich auch nicht viel zu bedeuten hat, denn Mittelmaß kann nicht der Anspruch des HSV sein. Obwohl: In der nächsten Saison könnte es durchaus sein, dass wir solche Begegnungen öfter mal sehen werden.

Gut an diesem Spiel: Der HSV ließ sich trotz des 0:1-Rückstandes nicht hängen. Er kam zum zweiten Durchgang entschlossener auf den Rasen zurück, und er bestimmte das Geschehen. Am Rande unterstrich Trainer Michael Oenning mit jeder Geste, dass es hier und heute keine Niederlage geben darf. Und der Trainer tat auch etwas dafür. Für Ze Roberto, der mir diesmal zu viel „Alibi“ spielte, kam in der 68. Minute Ruud van Nistelrooy, und der bereitete den Ausgleich entschlossen und mustergültig vor. Das war sein Tor, dieses 1:1, das Änis Ben-Hatira per Abstauber erzielte (71.).

Die Besten beim HSV: Ganz stark diesmal Elia, der endlich einmal zeigte, was in ihm steckte. Wurde es im Angriff des HSV gefährlich, dann war der Niederländer daran beteiligt. Das macht Hoffnung. Gut Gojko Kacar, gut Tomas Rincon, gut Frank Rost, nicht schlecht Robert Tesche und Dennis Diekmeier, solide Dennis Aogo. Einige Fehlpässe zu viel wieder bei Heiko Westermann, ansonsten aber war der Kapitän wieder engagiert bei der Sache. Er gibt nie auf, egal wohin er die Bälle auch befördert.

Toll, dass es zum Schluss noch einmal lauter im Volkspark wurde, denn da kam er doch noch zu seinem Abschied: Collin Benjamin. Um 17.13 Uhr schlug seine Stunde, er durfte noch einmal für fünf Minuten ran – bravo! Nach dem Spiel wurden er und seine beiden kleinen Kinder besonders im Norden großartig und einmalig gefeiert – Gänsehaut pur.
Vielen Dank dafür, Ihr Fans! „Nur der HSV!“

Alles Gute für die Zukunft, „Collo“! Ob der HSV einen wie ihn in der nächsten Saison durchaus brauchen und in seinen Reihen haben könnte, das wird die Zukunft zeigen.

17.40 Uhr