Tagesarchiv für den 9. Mai 2011

Petersen entscheidet sich kommende Woche

9. Mai 2011

+++++++Korrektur Gehalt Guerrero++++++++

Oha, es geht schon wieder los. Rafael van der Vaart wird diskutiert. Ein Name, der letzte Saison (dank Kühne und wegen Kühne) beim HSV intern diskutiert wurde. Aber auch ein Name, der sich nicht realisieren ließ, weil der Spieler selbst sich einen Wechsel nach Hamburg in der letzten Konsequenz und trotz seiner Liebesschwüre nicht vorstellen konnte. Ihm fehlte damals schon der internationale Wettbewerb als sportliche Perspektive. Ein hinderlicher Umstand, den der HSV auch heute noch nicht beheben konnte und der die Wahrscheinlichkeit auf das Comeback des Niederländers – so gern auch ich ihn hier sehen würde – in weite Ferne rückt. Und das gilt sogar für den Fall, dass das Geld, das aktuell obendrein fehlt, da wäre…

Aber gut, derart gute Spieler sollten immer eine Rolle spielen und diskutiert werden. So wie Nils Petersen, der es in der laufenden Saison auf bereits 24 Tore bringt. Und der dem Vernehmen nach nicht abgeneigt sein soll, die HSV-Offerte anzunehmen. Trotz mitbietender Konkurrenz des FC Bayern. „Nils wird sich Anfang kommender Woche entscheiden, wo und wie es für ihn weitergeht“, sagt Lars-Wilhelm Baumgarten, Petersen Berater. Demnach spiele bei dem 22-Jährigen nicht das monetäre sonder die sportliche Perspektive die primäre Rolle. Und da hat der HSV zwar weniger zu bieten als der FC Bayern, allerdings wären Petersens Chancen auf einen Stammplatz in Hamburg deutlich höher. Und die sportlich bessere Perspektive gegenüber Freiburg bietet der HSV mit seinem Umfeld noch immer. Gute Chancen also. Und das, obwohl Interims-Klubboss Carl Jarchow zuletzt immer wieder einen Stürmer als Neuzugang ausgeschlossen hatte.

Wer ist eigentlich dieser Petersen?

Ich habe bei einem Kollegen aus der Lausitz nachgefragt, der auf meine Frage hin regelrecht ins Schwärmen geriet. „Ein super Typ, sportlich wie menschlich. Ein junger Spieler mit einem klaren, ehrlichen und ambitionierten Karriereplan. Der lässt sich nicht von dem einen oder anderen Euro mehr locken, der weiß immer, was er will.“ Und Petersens Berater Baumgarten ergänzt: „Nils hat Geduld. Er hat ein halbes Jahr bei Pele Wollitz nur auf der Bank gesessen und trotzdem weitergemacht ohne zu murren. Er weiß, dass er seine Chance nutzte, sobald er sie kriegt. Deshalb hat er Geduld.“ Umgemünzt auf die aktuelle Interessentenlage könnte das bedeuten: zunächst zum HSV, dort Erstligareife erwerben und gegebenenfalls weiter zu einem noch ambitionierteren Klub.

Über seinen Heimatklub FC Einheit in Wernigerode kam Nils Petersen zum VfB Germania Halberstadt, der gerade den Regionalligaaufstieg mit Andreas Petersen, seinem Vater von Nils, perfekt machte. Anschließend ging es in die Jugend von Carl Zeiss Jena Sportinternat, ehe er 2008/2009 zu Energie Cottbus wechselte und sich dort über die zweite Mannschaft (13 Spiele/5 Tore) in die Zweitligamannschaft hochdiente.

Nach anfänglichen Problemen setzte sich der 1,88 Meter-Mann aktuelle deutsche U-21-Nationalspieler auch hier durch und bringt es inzwischen auf stolze 34 Treffer in 54 Spielen. Eine Quote, die Begehrlichkeiten bei Bundesligaklubs weckte und Angebote nach sich zog. Dennoch verlängerte Petersen in Cottbus im Februar vorzeitig bis 2014, um so im Falle eines Wechsels seinem Klub noch eine Millioneneinnahme zu generieren. Dem Vernehmen nach soll sich Petersen in den Kontrakt eine Ausstiegsklausel mit der festgeschriebenen Ablösesumme von rund drei Millionen Euro vertraglich garantiert haben lassen.

Eine Summe, die für den HSV machbar ist. Und ein Spieler, der Sinn macht. Denn zum einen will sich der HSV mit dem im Gehalt deutlich zu teuren Paolo Guerrero (rund 4,6 Millionen Euro) trennen, zum anderen ist der Klub von einer Einigung mit Mladen Petric weiter denn je entfernt. Zwar beteuern alle Beteiligten immer wieder, den Kroaten definitiv nicht abgeben zu wollen, allerdings gilt das eher deswegen, weil es bislang kein geeignet hohes Angebot für den Linksfuß gibt. Deshalb gilt auch die Devise: „Warum Petric für Kleines abgeben, wenn der Ersatz teurer wird?“.

Ergo: Petric bleibt. Ebenso wie die Frage, was der HSV im Falle eines ausbleibenden Angebotes für Guerrero macht. Dann stünden mit eben jenem Peruaner, dem Südkoreaner Heung Min Son, Petric, dem Rückkehrer Marcus Berg und Petersen plötzlich fünf Stürmer im Kader. Einer zu viel, wobei ich die offensiven Außen Eljero Elia und Jonathan Pitroipa noch nicht einmal mit einberechnet habe. Dabei hatte zuletzt Trainer Michael Oenning immer wieder betont, den Kader quantitativ ausdünnen und durch ständiges Hochziehen von Amateuren auffüllen zu wollen. Sogar von gemeinsamen Trainingszeiten nebeneinander an der Imtech-Arena war die Rede.

Aber gut, abwarten. Wie immer bedarf es eines Anstoßes personeller Natur, damit eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Dabei ist eigentlich nie die Frage, ob es passiert, sondern wann es passiert. Ginge es nach Jarchow, könnte es noch diese Woche losgehen. So soll sich der Klubboss zumindest auf dem „Volksparkett“ (www.hsv-Volksparkett.de) geäußert haben, einer sehr gelungenen Veranstaltung der HSV-Abteilung Supporters und des HSV-Fanprojektes. Er sei optimistisch, vielleicht schon bis zum letzten Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach am Sonnabend einen ersten Transfererfolg vermelden zu können. Dafür soll der HSV übrigens sogar wieder in Brasilien scouten, was der geschasste Bernd Hoffmann nach den Flops mit Thiago Neves und Alex Silva einst kategorisch ausgeschlossen hatte.

Da es Petersen nach Aussage seine Beraters diese Woche noch nicht sein soll, also jemand anderes. Hier im Blog wird Maik Franz diskutiert. Und das verständlicherweise sehr kontrovers, denn der hitzköpfige Abwehrspieler zählt zu den polarisierendsten Spielern der Liga. Immer provokativ und an der Grenze der Legalität agierend kann man dem 29-Jährigen eines nie absprechen: den unbedingten Willen. Iron-Maik, wie er sich selbst nennt, ist allerdings, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, ein richtig sympathischer Typ. Außerhalb des Wettkampfes zumindest. Als ich das letzte Mal, das war vor dem peinlichen 2:5 im Pokal in Frankfurt, mit ihm sprach, sagte er: „Ich bin kein Kind von Traurigkeit, das weiß ich. Ich teile gern aus, spiele immer am Limit, aber ich jammere auch nicht, wenn ich härter angegangen werde. Deshalb komme ich mit meinem Image, das ganz sicher nicht zu einhundert Prozent meinem Wesen entspricht auch klar. Mehr noch: als Fußballer fasse ich das sogar als Kompliment auf.“

Franz ist bei allem, was man ihm vorhalten mag, ein Spieler, der für seinen Verein immer alles gibt. Und ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass so einer beim HSV, wo man Charakterstärke nicht zwingen im Überfluss zu sehen bekommen hat, schnell zum Publikumsliebling werden kann. Er ist eben der Typ, den man als Gegner hasst und als eigenen Spieler liebt.
Dass sich der HSV nach Aussage von Franz-Berater Jörg Neubauer noch nicht gemeldet hat, ist dabei kein sicheres Indiz – immerhin steht Franz schon seit mehreren Jahren auf der Wunschliste des HSV.

In diesem Sinne, heute war trainingsfrei, morgen wird um 10 und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Bis morgen,
Scholle (18.47 Uhr)

P.S.: Dennis Diekmeier ließ sich heute an seinem freien Tag an seiner lädierten Wade behandeln und soll den Planungen entsprechend am Mittwoch wieder voll mittrainieren.

P.P.S.: Die PK von Klitschko und Haye habe ich sehr wohl auf dem Schirm, allerdings vernachlässige ich sie wie alle anderen künftigen Events in der Arena, die nichts mit dem HSV zu tun haben. Nur falls sich jemand fragt, warum ich darüber kein Wort schreibe…