Tagesarchiv für den 7. Mai 2011

1:1 bei Bayer – den Worten folgten endlich Taten

7. Mai 2011

So eine App-Funktion kann schon tückisch sein. Und zu langsam. Wie heute. Da bekam ich zuerst die Nachricht, der HSV würde 1:0 in Leverkusen führen und knapp eine Minute später kam die Nachricht, das Spiel sei angepfiffen. Nun denn, beides wusste ich schon, Pay-TV-Sender Sky sei Dank.

Danken wollte ich gestern schon Heiko Westermann, für dessen offene, ehrliche Worte. Er wollte vorwegmarschieren als Kapitän, hatte er gesagt. Und er setzte es im Spiel um. In der zweiten Minute hatte Dennis Aogo einen Freistoß von halbrechts mit dem linken Fuß scharf zum gegnerischen Tor gezogen, Paolo Guerrero kam mit der Fußspitze an den Ball und Bayer-Keeper Rene Adler konnte den Ball nur gen Westermanns Bein abwehren. Das 1:0. Das frühe Tor – wie gesagt: für die App des HSV sogar zu früh.

Und, welche Überraschung, der HSV machte weiter. Wie gestern vermutet, ließ Trainer Michael Oenning mit Tesche für den gelbgesperrten Zé Roberto und Rincon anstelle von Änis Ben-Hatira defensiver agieren. Und die Rechnung ging in der ersten Halbzeit auf. Der HSV spielte nicht wirklich schön, aber effektiv. Und er hatte sogar die beste Chance im ersten Durchgang. Obgleich Leverkusen einen Abseitstreffer erzielte, wo ich auch in den Wiederholungen keine Abseitsstellung erkennen konnte. Aber egal, der HSV spielte gut gegen lamentierende und allzu schnell fallende Werks-Profis. Und nach einem schönen Seitenwechsel von Aogo kam Paolo Guerrero frei an den Ball, zog mit dem Ball am Fuß in den Sechzehner ein, umkurvte einen Gegenspieler gekonnt und – vergab mit links kläglich das sicher geglaubte 2:0 (29.). Trotzdem hatte die frühe Führung bis zur Halbzeit Bestand.

Allerdings nur bis dahin. Denn bereits in der 54. Minute konnte Stefan Kießling ausgleichen. Nachdem der HSBV einen Ball geklärt hatte und sich in der Vorwärtsbewegung befand, passte Dennis Diekmeier nicht auf und ließ den Torschützen im Rücken frei stehen und Kießling konnte per verunglückten Schuss treffen. 1:1. In der Folge ergaben sich Chancen auf beiden Seiten. Und in den letzten zehn Minuten hätten sowohl der HSV als auch Bayer den Sack zumachen können/müssen. Während bei der Werkself Vidal nur den Pfosten traf, vergab beim HSV Pitroipa die größte Chance. Nachdem ihn Eljero Elia mit einem seiner starken Flankenläufe freigespielt hatte, zögerte der für den glücklosen Heung Min Son eingewechselte Offensivspieler nzu lange. Und anstatt aufs Tor zu schießen spielte er Ben-Hatira an, der verzog.

Und nachdem auch ein starker Konter über Westermann nicht zum möglichen Erfolg führte, Ben-Hatira im letzten Moment noch vom Ball getrennt wurde (87.) und Pitroipa am langen Bein von Adler scheiterte (89.) dann der Höhepunkt: Einen, vielleicht zwei Meter vor dem Tor kam Pitroipa an den Ball und brachte das Kunststück fertig, den Ball nicht über die Linie zu bugsieren sondern den scheinbar schon geschlagenen Adler in die Arme zu spielen. Und so viel Schwung Pitroipoa dank seiner Schnelligkeit auch reinbrachte, diese Szene kennzeichnet genau das, was ihm beim HSV alle Trainer vorwerfen: er ist zu torungefährlich. So ein Ding nicht reinzumachen ist schon unfassbar…

Insgesamt konnte man dennoch zufrieden sein mit dem Spiel. Endlich war wieder die Leidenschaft und der Einsatzwille zu sehen, den man zu oft hatte vermissen lassen. Das bittere an diesem Spiel ist für mich die Erkenntnis, dass der HSV mit weniger Potenzial (Stars wie Petric, bvan Nistelrooy, Zé Roberto fehlten immerhin) und mehr Leidenschaft diese Saison wahrscheinlich erfolgreicher gewesen wäre. Rincon und Tesche agierten unauffälliug aber effektiv, Elia zeigte zumindest mal wieder Ansätze von dem, was man von ihm über außen erwartet und die Defensive stand weitgehend sicher.

Die einzige bittere Pille musste aber David Jarolim schlucken, der sich die zehnte Gelbe (zu recht!) einhandelte und am letzten Spieltag gegen Mönchengladbach pausieren muss. Für ihn wird Zé Roberto nach abgesessener Sperre wieder ins zentrale Mittelfeld rücken.

Und dort voraussichtlich auf Robert Tesche treffen, der im Gegensatz zum weiter formschwachen Son seine Chance heute nutzte. Ohne die Schlafeinheit beim 1:1 hätte ich hier auch Diekmeier gelobt, ebenso wie Pitroipoa, hätte er nicht wieder die besten Chancen vergeben – so aber sind es die beiden, die neben Son mit berechtigter Kritik leben müssen.

Fazit: ein clever, aggressiv und mit dem nötigen Einsatz geführtes Spiel, in dem ob der Großchancen kurz vor Schluss mehr drin war und das dennoch ein gerechtfertigtes Remis zum Ergebnis hat. Und, das ist die größte Erkenntnis, endlich wurde mal das umgesetzt, was vorher angekündigt wurde. Ein Spiel, das mich hoffen lässt, dass es am nächsten Sonnabend nicht so ein Trauerspiel zum Saisonausklang gibt, wie es sich der erste feststehende Absteiger FC St. Pauli heute erlaubte…

In diesem Sinne, bis morgen! Sollte sich noch etwas Neues nach dem Spiel ergeben, melde ich mich später noch mal mit einer Aktualisierung…

Scholle
17.33 Uhr

P.S.: Morgen ist um 10 Uhr Auslaufen an der Arena.