Monatsarchiv für Mai 2011

Mancienne ist gelandet – Petric auch

31. Mai 2011

Mein lieber Herr Gesangsverein! Da kommt ja richtig was auf mich zu. Eine Menge Kritik, weil ich Arnesen angegriffen haben soll. Und sogar Bepöbelungen, ich würde mich vom bösartigen Vereinsgremien missbrauchen lassen. Wow!

Aber gut, vielleicht ist es auch mein Fehler gewesen. Ich hatte gehofft, mich klarer ausgedrückt zu haben. Mir ging es eben gerade nicht darum, Arnesen anzuklagen. Er muss und soll viel verändern. Dennoch braucht auch er als Neuer ein Regulativ. Jemanden, der ihn berät – und wenn‘s denn nötig wird eben auch kontrolliert. Mir ging es tatsächlich nur darum, das Gleichgewicht, das ein funktionierender Klub braucht, vorsichtig anzumahnen. Sollte das so nicht rübergekommen sein, dann aber jetzt.

Und kommt mir bitte nicht wieder mit: „Oh Mann, jetzt gibt er wieder klein bei.“ Oder auch: „Scholle, schwach! Entweder ganz oder gar nicht“. Das ist ehrlich gesagt absoluter Blödsinn! Denn ich erkläre mich nur, nachdem einige von Euch mich angeklagt haben. Dieses Recht habe ich. Und das nehme ich mir.

Bislang habe ich nie auf etwaige Bepöbelungen reagiert. Ich bin ruhig geblieben, weil ich von Anfang an wusste, worauf ich mich als Verfasser in einem anonymisierten Blog einstellen muss. Ich rege mich allerdings auch deshalb nicht darüber auf, weil ich das Niveau hier noch immer als sehr ordentlich empfinde. Egal, was einige Dauerkritiker meinen, hier wird größtenteils und deutlich mehr als in anderen Foren sachlich, fachlich, mit und ohne Hintergrundwissen sowie mit Feuereifer und Herzblut diskutiert – da gibt es immer mal Schwankungen nach oben und unten. Auch, von mir oder über mich.

So what??

Nein, bis auf die Antwort an Tom, der mir Bösartigkeit unterstellen wollte, nehme ich Eure kritischen Bemerkungen ernst, aber nicht persönlich. Wir müssen nicht einer Meinung sein. Ich kann auch mal furchtbar falsch liegen. Bei Sammer haltet Ihr mir das vor – aber das ist ein anderes Thema… Das Millionenloch, für welches Ihr mich tagelang aufs Übelste verurteilt habt, ist bestätigt. Und so oft auch gesagt wird, dass Zahlen schwarz auf weiß nicht lügen – in einer Konzernbilanz wie der des HSV durchaus Raum für Interpretationen und Variabilität. Das sollten gerade die Finanzexperten unter uns wissen. Aber der Fakt, dass der HSV rund 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren einsparen muss, weil er zuletzt und insbesondere in den letzten zwei Jahren mehr ausgegeben als eingenommen hat, ist unbestritten. Das müsst auch ihr zugeben, so wie ich eingestehen muss, mit dem Titel (…“am Abgrund“) definitiv übers Ziel hinaus geschossen zu haben.

Insofern: wie heißt es bei Monty Pythons „Die Ritter der Kokusnuss“ so schön von dem Ritter, dem gerade Arme und Beine abgeschlagen worden waren: „Einigen wir uns auf ein Unentschieden?“

Ich bin auf jeden Fall dabei.

Schließlich geht unser Blick nach vorn. Sollte er auf jeden Fall. Mit Frank Arnesen als Bauherr, Michael Oenning als Architekt des sportlichen Erfolges und Carl Edgar Jarchow als Hausherr in führenden Rollen. Und einem Michael Ian Mancienne, der heute um 14.39 Uhr auf dem Flughafen Fuhlsbüttel gelandet ist und anschließend bei Dr. Siekmann seinen medizinischen Check bestanden hat. Im Moment sitzen Mancienne, sein Berater Andy Niedzwiecki sowie die HSV-Führung mit Klubboss Carl Edgar Jarchow und Frank Arnesen zusammen. Es geht dabei zwar nur noch um Details, aber auch die – wie bei Sammer gesehen – können gefährlich sein…

„Ich hoffe, dass wir alles ganz schnell über die Bühne kriegen.“, sagt Niedzwiecki, „es gibt kaum Differenzen.“ Auch deshalb äußerte sich Mancienne selbst bereits kurz nach der Landung. „Es ist eine riesige Chance für mich, für einen so großen Klub wie Hamburg spielen zu können“, so der 23-Jährige, „es ist mein Ziel, mich mit dem HSV wieder für Europa zu qualifizieren.“ Unumwunden gab er zu, dass es für ihn bei der namhaften Konkurrenz in der Innenverteidigung wenig Sinn gemacht hätte, bei Chelsea zu bleiben. „Das wäre wohl sehr schwer geworden“, so der Defensiv-Allrounder, der beim Test mit Chelsea beim HSV vor einem Jahr zum ersten und letzten Mal in Hamburg war. „Meine Gespräche habe ich fast ausschließlich mit Frank Arnesen geführt“, so Mancienne, der entsprechend auch über den HSV nicht allzu viel weiß. „Ich weiß, dass es für den Verein und für mich eine große Herausforderung ist“, sagt Mancienne und sein Berater ergänzt: „Sollte es am Saisonende für den internationalen Wettbewerb reichen, wäre es sicher eine gute Saison.“

Das stimmt wohl. Da wären wohl tatsächlich alle zufrieden. Zumal noch nicht klar ist, wer bei diesem Unternehmen helfen wird. Weder Zu- noch Abgänge sind endgültig bestimmt. Selbst der Verbleib von Mladen Petric, der heute wegen Adduktorenproblemen das Trainingscamp der kroatischen Nationalmannschaft verließ, ist noch nicht sicher. Heute oder morgen sollen weitere Verhandlungen geführt werden, um den Vertrag des Top-Torjägers des HSV vorzeitig zu verlängern. Sollte das misslingen, würde ein sofortiger Verkauf des „Magiers“ angestrebt. Und das ist nicht so unwahrscheinlich. Immerhin fordert Petric eine Gleich- oder eher Besserbehandlung gegenüber seinem Sturmpartner Paulo Guerrero, der nach den Abgängen von Van Nistelrooy und Zé Roberto mit den kolportierten knapp vier Millionen Euro Jahresgage (alles inkl.) der neue Topverdiener ist.

Zudem wurde heute ein neuer, sehr interessanter Name gehandelt: Josh McEachran. Der 18-jährige in Schottland geborene englische U-21-Nationalspieler soll angeblich für knapp fünf Millionen Euro zum HSV wechseln. Sein aktueller Klub? Natürlich der FC Chelsea. Ebenfalls gehandelt wird der Schwede Tobias Hysen. Der 29-jährige Offensivspieler des IFK Göteborg soll dem vernehmen nach für rund zwei Millionen Euro zu bekommen sein.

Egal wie, mit Mancienne, dessen Vollzug noch heute Abend auf www.hsv.de vermeldet werden soll, ist der erste Hoffnungsträger gelandet. Vier Jahre soll der 1,84-Meter-Mann unterschreiben und zusammen mit dem nächsten jungen Hoffnungsträger, Jeffrey Bruma, die Viererkette verstärken. Beide kennen sich bereits vom FC Chelsea, obgleich sie außer in Testspielen nie gemeinsam zum Einsatz gekommen sind.

Petric verlängern, bei Mancienne Vollzug melden und Bruma sowie McEachran dazu – das hätte schon was.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle
18.15 Uhr

Es passiert endlich Nennbares ***ergänzt***

30. Mai 2011

***Ergänzung/Erklärung: Mitnichten bin ich Frank Arnesen gegenüber negativ eingestellt. Sollte es sich so für Euch lesen, täuscht der Eindruck. Vielmehr wollte ich sagen, dass es normal ist, dass ein neuer Sportchef bei Amtsantritt seinen Stempel aufdrücken will. Und das ist – zumal wenn es eine ganze zeitlang bescheiden lief im Klub – auch gut so. Dennoch muss der Verein in Person des Vorstandes bzw. des Aufsichtsrates ein Auge darauf haben, dass sich die Struktur nicht zu sehr an einer Person orientiert. Denn so könnte der Verein in eine falsche Abhängigkeit geraten und dadurch künftig bei seinen Entscheidungen nicht mehr komplett frei sein. Ich wollte lediglich präventiv darauf hinweisen, dass ein gewisses Gleichgewicht beachtet werden muss. In diesem Sinne: ich freue mich auf Arnesens Neuerungen!****

Zuallererst muss ich mich entschuldigen! Eigentlich sollte dieser Blog schon um 17.30 Uhr online stehen. Allerdings habe ich mich da mit dem wunderbaren Betriebssystem „apple“ getäuscht – denn das hat mich bitterlich im Stich gelassen, als ich dem Wetter angemessen im Freien diese Zeilen schreiben wollte….

Egal wie, es gibt ja wenigstens gute Nachrichten dieser Tage zu vermelden: „Menntschenn“, wie der Nachname von Chelsea-Profi Michael Ian Mancienne ausgesprochen wird, kommt zum HSV. Genau genommen ist er morgen kurz zum Medizincheck in Hamburg und reist anschließend wieder ab. Die englische U-21-Nationalmannschaft ruft. Zeit für uns Journalisten hat er leider nicht – insofern kann ich Euch keine persönlichen Eindrücke versprechen. Aber ich habe mich umgehört. Und was ich zu hören bekommen habe, klingt besser, als es die Vita des 23-Jährigen U-21-Nationalspielers (das schreib ich nur, weil ich diese U-21-Regelung bis heute nicht nachvollziehen kann…) zunächst vermuten lässt.

Der Defensiv-Allrounder, der alle englischen Jugendnationalmannschaften durchlaufen hat, steht bereits seit sechs Jahren bei Chelsea unter Vertrag, davon aber gerade mal 15 Monate im Kader – und das auch noch „nur“ in Etappen. Ansonsten spielte er die meiste Zeit als Leihspieler bei den Wolverhampton Wanderers, die es gerade noch geschafft haben, den Abstieg aus der Premier League zu vermeiden. 16 Einsätze konnte der junge HSV-Bald-Zugang in dieser Spielzeit in Englands höchster Liga verbuchen, 50 (davon vier für Chelsea) insgesamt. Nicht zu viel für einen rund zwei Millionen Euro teuren Spieler, der seit drei Spielzeiten auf höchstem Niveau vertreten ist.

Dennoch schwört insbesondere der neue Sportchef Frank Arnesen auf den Verteidiger. Der Rechtsfuß gilt nicht nur als talentiert sondern als Erstligaspieler, der zuletzt Verletzungspech (Patellasehnenreizung) hatte und dem lediglich zu starke Konkurrenz vorgesetzt ist. Ähnlich wie Jeffrey Bruma ist Mancienne nur übrig. Ein Opfer der Abramowitsch-Milliarden, die fertige Weltklasseleute ermöglichen und die dazu verleiten, das Risko zu meiden, ein junges Talent aufzustellen. Egal wie gut es ist. So seltsam das auch klingen mag.

Aber wen stört es, solange wir beim HSV davon profitieren? Gleich für vier Jahre soll der Mann mit englischem Pass und dem Geburtsort Sychellen in Hamburg unterschreiben. Eine Investition, die schwer abzuschätzen ist, die aber alle Profilpunkte eines Umbruchs zu jungen Spielern mit Talent beinhaltet. Und eine Investition, die – die Verpflichtung von Bruma vorausgesetzt – dem HSV Spielraum in der Verteidigung verschafft. Denn wie Bruma hat auch Mancienne seine größten Stärken als Innenverteidiger, kann aber auch als defensiver Mittelfeldspieler und als Rechtsverteidiger eingesetzt werden.

Zumal dort ein Platz auf sicher frei wird: Guy Demels. Der Ivorer hat bei Trainer Michael Oenning bekanntermaßen keine Zukunft mehr und verhandelt derzeit mit französischen Klubs ebenso wie mit Vereinen in London (mehr wollte man mir nicht sagen, außer, dass es nicht Arsenal ist). Zudem steht am Mittwoch um 15 Uhr der große Gipfel mit Vorstandsboss Carl Edgar Jarchow sowie Frank Arnesen an, in dem Demel um seine möglichst kostengünstige Freigabe bitten will. Zwar ist der HSV alles andere als gewillt, für den Ivorer auf Geld zu verzichten. Aber egal wie, bei Demel wie auch beim ersten Neuzugang (und zweiten gleich hinterher?) stehen Entscheidungen an. Es passiert tatsächlich etwas Nennbares – der HSV kauft ein.

Und das mal wieder beim FC Chelsea. Nicht, dass es mich verwundert, immerhin kennt sich Arnesen dort am besten aus. Allerdings, und das Gefühl beschleicht mich langsam, wird beim HSV zu viel in Richtung Arnesen-Wunsch umgebaut. Zuerst wollte der Däne lange Zeit seinen Wunschtrainer Solbakken durchdrücken, scheiterte aber am HSV-Vorstand und den finanziellen Möglichkeiten in Hamburg. Dann wurde die medizinische Abteilung aufgelöst und durch Arnesens Leute vom FC Fulham ersetzt. Gleiches passiert jetzt – wobei das mit Sicherheit das Normalste an dieser Umgestaltung ist – auf Spielerseite. Das „System Arnesen“ wird umgesetzt. Worüber ich mich auf der einen Seite freue, weil es etwas Neues ist. Andererseits aber: was passiert, wenn die Neuerungen nicht greifen und sich der HSV von Arnesen lossagen will? Dann stünde erneut ein langwieriger, großer Umbruch an allen Ecken bevor, weil neben dem Sportchef auch viele seiner mitgebrachten und neu eingesetzten Spezis den Verein verlassen würden/müssten/wollten.

Nein, der HSV muss aufpassen, dass er sich nicht zu sehr den Vorstellungen und Wünschen einer einzelnen Person unterwerfen. Es darf nie eine Abhängigkeit von einer Person entstehen, wie sie einst beim FC Kaiserslautern vorgekommen sein soll, als mehr als die Hälfte der Mannschaft den selben Berater hatte und der angeblich Einfluss genommen haben soll auf sportliche Entscheidungen. Das Ergebnis: Abstieg in die Zweite Liga.

Aber okay, ich will nicht zu negativ denken. Im Gegenteil, bislang gibt Arnesen dazu wenig Anlass. Der Däne ist immer höflich, spricht von Teamgedanken und das nicht nur uns ggenüber sondern auch ggenüber dem Vorstand, der Mannschaft und den sonstigen Angestellten des HSV gegenüber. Am wichtigsten aber ist, Arnesen genießt fachlich einen sehr guten Ruf und – er beginnt, dem Kader neue Konturen zu verleihen. So soll er am Wochenende in London nicht nur Mancienne und Bruma verhandelt haben, sondern parallel auch den verkauf einiger Spieler forciert haben. Unter ihnen steht – kein Wunder bei den Neuverpflichtungen – Joris Mathijsen ganz oben auf dem Zettel. Intern gilt der Abgang des 31-Jährigen, der von Ajax Amsterdam und einem spanischen Klub umworben wird, als beschlossene Sache.

Als offener denn je gilt indes die angedachte Verpflichtung von Eintracht Frankfurts Pirmin Schwegler. Immerhin pokern alle Seiten. Neben dem HSV und Frankfurt, die den Schweizer halten wollen ist auch der VfB Stuttgart. Und während die Hessen so tun, als seien sie nicht gewillt, den Spieler abzugeben, um so den Preis in die Höhe zu treiben, setzt der HSV darauf, keine existenziellen Nöte preis zu geben. Ebenso der VfB, der laut Trainer Bruno Labbadia im defensiven Mittelfeld keine leidet. Selbst Schwegler sagt nicht alles, was er weiß: „Ich habe einen laufenden Vertrag, der ach in der zweiten Liga Gültigkeit besitzt“, so der Umworbene am Rande des Zusammentreffens mit der Schweizer Nationalmannschaft, „und Eintracht Frankfurt hat mir mitgeteilt, dass man mit mir plant.“ Mehr konnte und wollte er aus Respekt dem aktuellen Arbeitgeber gegenüber auch nicht sagen. Denn, und das scheint klar, Schwegler selbst strebt einen Wechsel an, hat diesen Wunsch auch bei der Vereinsführung seines Noch-Arbeitgebers hinterlegt. Sein großes Ziel ist die Teilnahme an der EM im kommenden Jahr – und dafür wäre ein Jahr Zweite Liga sicher nicht die beste Empfehlung.

Empfehlen werde ich allerdings jetzt mich. Denn, und das ist das Motto an diesem schönen Tag, ich will Euch keine Sekunde länger als nötig stehlen. Im Gegenteil, genießt den schönen Tag und die durchaus guten Nachrichten vom HSV.

Bis morgen!

Scholle
19.46 Uhr

Wie es mit vielen HSV-Talenten lief

29. Mai 2011

Der HSV kommt englisch. Jedenfalls dann, wenn man den Gerüchten glauben soll. Demnach bringt Sportchef Frank Arnesen ja einige Talente von der Insel mit nach Hamburg. Da kommt doch Vorfreude auf, oder? Ich muss gestehen: nein. Ich warte nicht nur auf diese Vorfreude, ich warte auch erst einmal ab. Ich warte darauf was da kommt, wer da kommt, was derjenige schon in seiner noch kurzen Karriere erreicht hat, was über ihn gesagt wird. Zu oft wurde ich in der Vergangenheit enttäuscht. Was hat der HSV nicht schon alles an Talenten verpflichtet. Und was haben die Zeitungen, jawohl, ich gebe es zu, auch ich, nicht alles in die eine oder andere Verpflichtung hineininterpretiert. Wenn ich nur mal an den Namen Macauley Chrisantus erinnere. Dem wurden damals wahre Wunderdinge nachgesagt, der würde die Bundesliga in Grund und Boden schießen – und den HSV zur Meisterschaft. Und vieles mehr. Doch daraus ist bis heute nichts geworden. Und so recht mag ich auch nicht mehr daran glauben, dass das noch eines Tages mal etwas wird.

Um noch einmal vom Thema abzuschweifen: Wenn man so vorm Fernseher sitzt und sih Barcelona gegen Manchester United ansieht, dann denkt man ja auch ab und an mal an den HSV. Man vergleicht beide Mannschaften natürlich nicht mit dem HSV, aber man denkt schon daran, warum der HSV nicht wenigstens mal einen Hauch von Champions League spielt? Nicht einmal den kleinsten Hauch davon sehen wir doch über das ganze Jahr gesehen, und das ist schon jammerschade.

Um mal direkt auf diesen Abend zu kommen: Erst waren Frau M. und ich bei Lotto King Karl, dann habe ich mir die Aufzeichnung von Barca gegen ManU angesehen. Und geschwärmt. Mein Freund Bert sagt ja, dass war das beste Fußballspiel, das er je gesehen hat. Man ist mit solchen Superlativen ja manchmal recht unvorsichtig, aber er mag richtig liegen. Für sich – und für mich. Ihr habt ja schon alles gesagt dazu, aber ich möchte noch einmal den kleinen Messi hervorheben. Unglaublich, was ist das nur für ein Über-Fußballer! Wenn ich es nicht schon vor Wochen geschrieben hätte, dass dieser Argentinier noch besser ist als die bislang beiden Größten, nämlich Pele und Maradona, dann müsste ich es spätestens jetzt machen. Unfassbar! Gigantisch, dieser Mann, einfach gigantisch. Und mit dem darf sich nun bald unser Piotr Trochowski messen . . . Nein, nein, nicht gleich aufstöhnen oder aufschreien, das war nur ein kleiner Scherz am Rande.

Beim FC Barcelona frage ich mich, wer diese Mannschaft schlagen soll? Weit und breit ist keine zu sehen. Und wenn ich daran denke, dass ManU so deutlich unterlegen war, zuvor aber Schalke in Gelsenkirchen aus dem Stadion gefegt hatte, dann kann man schon nachdenklich werden. Schalke erhielt ja in Deutschland eine Vorführung, die noch schlimmer war, als die ManU nun von Barca erteilt bekam. Quervergleiche sollte man im Fußball zwar nie anstellen, aber Zufall sind solche Spiele und solche Unterschiede ganz sicherlich nicht. Noch einmal zurück, wer Barca schlagen sollte? Das dachten die Experten und die Fans weltweit ja auch damals, in den 60er-Jahren, von Real Madrid (mit Puskas, Di Stefano, Santamaria, Gento). Und dann kam Benfica Lissabon mit den überragenden Leuten wie Eusebio, Coluna, Aguas und Simoes. Doch alles hat seine Zeit, irgendwann, Jahre, Jahre später, mischten auch die Bayern mit. Und ein, zwei Mal auch der HSV.

Wobei ich wieder beim deutschen Fußball bin. Wie sieht es eigentlich in den letzten Jahrzehnten mit den deutschen Erfolgen im Welt-Fußball aus? Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgende Aufstellung veröffentlich, die zum Nachdenken anregt. Irgendwie passen, so habe ich bei mir gedacht, als ich das so komprimiert vor die Augen bekam, die überragenden Zuschauerzahlen, die die Bundesliga gegenüber den anderen Ländern hat, nicht so recht mit den Leistungen zusammen. Hier könnt Ihr es nachvollziehen:

Deutsche Titel-Durststrecke im Fußball

Bundestrainer Joachim Löw sehnt ein Ende der titellosen Jahre im deutschen Fußball herbei. Die Nationalelf wartet seit dem EM-Triumph 1996 auf einen Turniersieg. Zwei Endspiele wurden seitdem bei großen Turnieren erreicht und verloren, das letzte unter Löw bei der Europameisterschaft 2008 gegen Spanien. Auch im Klub-Fußball liegt der letzte Erfolg einer Bundesliga-Mannschaft im Europapokal inzwischen ein Jahrzehnt zurück: 2001 gewann der FC Bayern München die Champions League.

Letzter Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft:
EM 1996: Deutschland – Tschechien 2:1 i. V. (Golden Goal)

Verlorene Turnier-Endspiele seit dem letzten Titel:
WM 2002: Deutschland – Brasilien 0:2
EM 2008: Deutschland – Spanien 0:1

Letzter Titelgewinn eines deutschen Klubs im Europapokal:
Champions League 2001: Bayern München – FC Valencia 1:1 – 5:4 i. E.

Verlorene Endspiele seit dem letzten Titel:
Champions League 2002: Bayer Leverkusen – Real Madrid 1:2
Uefa-Cup 2002: Borussia Dortmund – Feyenoord Rotterdam 2:3
Uefa-Cup 2009: Werder Bremen – Schachtjor Donezk 1:2 n. V.
Champions League 2010: Bayern München – Inter Mailand 0:2.

So, und nun zurück zum HSV. Und zu den Talenten. Nicht jene, die nun kommen sollen, sondern die, die sich hier in Hamburg vergeblich versuchten. Oder sich gar nicht erst versuchen durften. Weil ihnen nie eine richtige Cahnce eingeräumt wurde. Wenn ich so im Jahre 2000 beginne, dann sind da Namen dabei, die klangvoll und vielversprechend waren. Marcel Ketelaer kam damals, und ich schrieb im Abendblatt, dass der Flügelflitzer der nächste Nationalspieler des HSV werden würde. Denkste! Ein Jahr später war ein Stürmer namens Kim Christensen dabei. Für mich endlich einmal Talent, das seinen Weg machen würde. Denkste! Vier Einsätze in der ersten Saison, acht in der zweiten – Abgang nach Holland (Twente). Heute kickt dieser Christensen bei Hellerup IK in der Zweiten Liga Dänemarks, sein Marktwert: 50 000 Euro. Ein Schnäppchen.

Ein Verteidiger namens Stephan Kling kam 2002 von den Bayern-Amateuren. Galt als großes Talent. Er spielt heute für die Sportfreunde Lotte, Marktwert: 100 000 Euro – immerhin noch. 2003 dann die große Nachwuchs-Revolution beim HSV, denn mit Bröcker, Laas, Dogan, Sen und Leschinski stießen gleich fünf Talente zum Profi-Kader. Wo sind sie geblieben? Mustafa Kucukovic kam 2004 vom VfL Bochum, mit ihm Oliver Hampel (Hertha BSC). Beides Jugend-Nationalspieler. 2005 kam Rouwen Hennings (heute St. Pauli) nach oben, kam dort aber nie richtig an. Dazu noch Benny Feilhaber. Dem eilte fast schon ein ganz hervorragender Ruf voraus, er galt als „Welt-Talent“, dennoch setzte er sich in Hamburg nie durch. Später wurde er Stammspieler in der amerikanischen Nationalmannschaft, spielte bei der WM 2002 auch gegen Deutschland. So kann es gehen. Oder Reto Ziegler. Der Schweizer, längst Nationalspieler, wurde aus England (Tottenham) geholt, schaffte gerade mal acht Einsätze – und verschwand wieder. Später kickte er in vielen Spitzenklubs, zuletzt bei Sampdoria Genua, nun wechselt er zu Juventus Turin. In Hamburg aber: durchgefallen!

2006 kam Sidney Sam von den eigenen Amateuren, schaffte aber in seinem ersten Jahr keinen Bundesliga-Einsatz. Heute stürmt er für Bayer Leverkusen und sorgt für viel Verdruss bei den HSV-Fans. Ein Jahr später kam Jerome Boateng – endlich einmal ein Kracher (!), der Berliner wurde Stamm- und dann Nationalspieler. Jetzt allerdings spielt er schon lange nicht mehr für den HSV. Mit Boateng kam damals Anton Putsilo, der heute unter seinem richtigen Namen Putsila beim SC Freiburg Stammspieler ist. In Hamburg brachte der Mittelfeldspieler kein Bein vor das andere, obwohl er Nationalspieler Weißrusslands war und ist. Dass er hier durchfiel – ich kann es bis heute nicht nachvollziehen. Ähnlich ging es mit Vadis Odjidja-Ofoe. Der belgische U-21-Nationalspieler war nicht einmal ein Mitläufer in Hamburg, spielt heute, im Alter von erst 22 Jahren (!), in der A-Nationalmannschaft und für den FC Brügge, sein Marktwert inzwischen: 4,5 Millionen Euro. Beim HSV aber war er chancenlos, obwohl er einst mit einem großen Tam-tam geholt worden war.

Eric-Maxim Choupo-Moting kam und wurde gleich gefeiert, bekam aber nie so richtig einen Fuß in die Mannschaft – was ich aber durchaus nachvollziehen kann. Namen wie Mario Fillinger, Timo Kunert, Kai-Fabian Schulz, Christian Groß, Hanno Behrens, Miroslav Stepanek, Maximilian Beister, Tunay Torun, Tolgay Arslan, Muhamed Besic und Lennard Sowah und andere wurden im Zusammenhang mit den „Begriffen“ Talent und Bundesliga gebracht, konnten oder durften aber bis heute nicht beweisen, dass sie es auch auf Dauer in der Ersten Liga „bringen“. Fortsetzung folgt. Hoffentlich aber nicht mit jenen Namen, die nun Frank Arnesen mit von der Insel an die Elbe bringen wird. Hoffentlich.

Die Frage, die sich mir bei all diesen Namen stellt, ist die: „Wieso?“ Einige sind dramatisch kläglich gescheitert, einige haben es woanders bewiesen, dass sie doch etwas können – aber es waren doch nicht nur Nichtskönner, die sich hier mit der Raute auf der Brust versuchten. Also muss es andere Gründe für dieses kollektive Scheitern geben. Ein Grund (für ich, nur für mich) ist ja der, dass viele junge Spieler hierher geholt werden, sich dann aber zu oft allein überlassen sind. Solche Jungs vereinsamen dann in der tat in der Großstadt Hamburg. Obwohl ich zugeben muss, dass der HSV in Sachen Betreuung in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist. Allerdings weiß ich nicht, ob es ausreichend genug geworden ist.

Und ein zweiter Grund ist auch, dass sich die meisten Stammspieler natürlich nicht freuen, wenn ihnen junge Kräfte ihre Plätze abspenstig machen wollen. Da wird im Training schon mal kräftig gegen ein Talent zugelangt, und oft sind die jungen Spieler auch nur eine unwesentliche Randerscheinung, die von den älteren Semestern nicht für „voll“ genommen werden. Und solche zu „Mauerblümchen“ abgestempelten Jungs haben es dann doppelt schwer. Beispiel Heung Min Son. Der wurde von Ruud van Nistelrooy in der vergangenen Saison wie ein Sohn „gepflegt“, aber das ist wirklich die absolute Ausnahme. Im Grunde genommen gilt für einen jungen Spieler im Profi-Bereich: „Friss, Tiger, oder stirb.“ Und die meisten „sterben“ eben beim HSV. Aber vielleicht wird das jetzt unter Michael Oenning und Frank Arnesen ja (endlich) einmal anders.

So, schon wieder zu lang geworden, aber einen Satz zu Marcell Jansen noch kurz. Die Bild berichtete, dass er die schonungslose Wahrheit über seine sportliche Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw gehört hätte. Jansen begrüßte diese offenen „Jogi“-Sätze – natürlich. Was soll er auch anderes sagen? Für mich wäre es aber auch wichtig gewesen, wenn ein Hamburger, nur ein einziger Hamburger, auch einmal ähnliche Sätze mit Jansen gesprochen hätte. Hier wäre es auch längst einmal angebracht gewesen. Aber vielleicht kommt das ja noch. Jetzt, wo der „Jogi“ vorgelegt hat.

Ein schönes Rest-Wochenende noch für Euch, und auch einen guten Start in die neue Woche. Am Montag übernimmt „Scholle“ für einige Tage, die mir freigegeben wurden (ganz normal frei).

16.06 Uhr

Hermann Rieger auf Wolke sieben

28. Mai 2011

Um ihn macht man sich Gedanken, um ihn wird sich sehr gesorgt, an ihn denken so viele Menschen bei Tag und auch bei Nacht. Nein, in diesem Falle geht es nicht um den HSV, sondern um einen ganz großen HSVer: Hermann Rieger. Der Kult-Masseur leidet seit Jahren, seine schwere Krankheit hat sein Leben total auf den Kopf gestellt. Und trotz allem hat Hermann sein „sonniges Gemüt“ nicht verloren. Er kämpft. Und er hat noch immer nicht seinen Humor verloren, er ist immer noch der Alte, obwohl ihm das Schicksal übel mitgespielt hat. Gestern stand er wieder einmal im Mittelpunkt, denn Lotto King Karl holte die gute Seele des HSV während des Konzertes auf die Bühne. Hermann wurde gefeiert und umjubelt, die Menschen liegen ihm zu Füßen – und er genießt es. Auch heute wieder, wenn Lotto sein zweites Konzert im Stadtpark gibt.

Es ist nicht mehr ganz so leicht, an Hermann Rieger heranzukommen. Die vielen Termine bei Ärzten und in Krankenhäusern sorgen dafür, dass sein Handy oft abgeschaltet ist. Nun aber ist er für kurze Zeit in Hamburg, da ist es mir gelungen. Am Dienstag steht für ihn der nächste Termin in der Klinik (Hannover) an, dann steht eine weitere Generaluntersuchung auf dem Plan. Geht es nach Hermann, könnte er schon wieder „Bäume ausreißen“, denn er sagt: „Mir geht es den Umständen entsprechend gut, ich habe keine Schmerzen, die Blutwerte sind okay.“ Alle drei Woche bekam er zuletzt Chemo, aber er ist optimistisch: „So, wie ich mich jetzt fühle, denke ich mal, dass ich keine Chemo mehr brauche.“ Wir drücken Dir die Daumen, lieber Hermann.

Hoffentlich ist sein langer Leidensweg bald zu Ende, hoffentlich ist „herman the german“ bald wieder ganz gesund. Zurzeit lebt er in Niedersachsen, in Alfstedt bei Bremervörde (zwölf Kilometer entfernt). Dort wohnt HR in einem Appartement am Sportplatz des TuS Alfstedt. Dort wird er praktisch rund um die Uhr von seinem Fan-Klub betreut: „Hermanns treue Riege“, der größte HSV-Fan-Klub. Der Masseur schwärmerisch: „Diese Leute sind einmalig, sie tun alles für mich. Sie fahren mich zu den Terminen im Krankenhaus, sie planen, sie organisieren, sie sind unheimlich rührig, kümmern sich um mich, bringen mich überall hin – das ist einfach nur sensationell.“

Hermann Rieger weiß sich aber auch bei seinen Ärzten in besten Händen: „Das Gute für mich ist, dass die Ärzte mich schon von Beginn an betreuen. Sie wissen um meine Krankheit, sie haben von der ersten bis zur letzten Röntgenaufnahme alles vorliegen, deshalb sehen sie sofort, wenn sich etwas bei mir verändert hat. Ich bin mit den Ärzten sehr, sehr zufrieden und habe vollstes Vertrauen zu ihnen.“

Obwohl Hermann in Alfstedt gemeldet ist, obwohl er sich dort auch überaus wohl fühlt – im Hinterkopf hat er immer noch seine Wahlheimat an der Elbe: „Hamburg ist meine Stadt, ganz klar, dort will ich eines Tages auch wieder leben.“ Deswegen hat er seinen Wohnsitz Hannover auch längst wieder aufgegeben. Seine Möbel sind aus der niedersächsischen Hauptstadt aufgeholt worden, lagern zurzeit bei Umzug-König Struwe ein. Hermann Rieger: „Der HSV, vor allen in Person von Rene Koch, haben mir unheimlich geholfen. Der HSV hat den Umzug organisiert, hat meine Wohnung in Hannover renoviert, bezahlt auch mein Appartement in Alfstedt – das ist einmalig.“ Rieger weiter: „Auch Rene Koch ist mir eine sehr, sehr große Hilfe, er unterstützt mich wo er nur kann, ein toller Mensch. Ich kann wirklich sagen, dass ich dadurch, dass sich so viele Menschen so herzlich um mich kümmern, keinerlei große Belastung mehr habe.“ Er sagt aber auch: „Die Hilfe ist nicht nur großartig, sie kam auch zur rechten Zeit, denn allein hätte ich das alles ganz sicher nicht geschafft.“

Sieh an, sieh an, der HSV. Er hilft seinem in Not geratenen Masseur – vorbildlich. So etwas kennt man sonst vor allem vom FC Bayern, denn Uli Hoeneß hat bislang noch jedem in Not geratenem ehemaligen Bayern-Profi unter die Arme gegriffen. Und nun auch der HSV . . . Kompliment. Dickes Kompliment sogar. Nicht nur, weil es sich in der Hilfe um Hermann Rieger handelt.
So muss es doch, bei allem Profi-Getue, in einem Sportverein sein. Hilfreich, gut und menschlich.

Dass Hermann nun bei Lotto gefeiert wird, das baut ihn auf. Ganz sicher. „Das tut unheimlich gut, das ist wie ein Heimspiel für mich. Die Leute sind nett und liebenswürdig, sie bemühen sich um mich – großartig“, sagt HR und erinnert sich spontan an das letzte Heimspiel des HSV, das 1:1 gegen Mönchengladbach: „Als ich da meinen Namen hörte, vor allen von den Fans im Norden und im Westen, dachte ich zuerst, ich höre falsch. Dann bekam ich eine Gänsehaut, ich konnte es nicht glauben, wie mich die Leute gefeiert haben. Ich schwebte auf Wolke sieben, mir kamen die Tränen – und ich schäme mich nicht dafür.“

Ganz klar, das muss ja auch nicht sein. Freudentränen sind doch immer willkommen.

Trifft Hermann im Alltag auf HSV-Fans, so sind auch sie stets um ihn besorgt und bemüht. Hermann weiß deshalb: „Ich bin nicht allein, und das ist ein wirklich tolles Gefühl.“

Nicht ganz so gut geht es ihm aber, wenn er an den HSV, an „seinen HSV“ denkt. Da gibt er unumwunden zu: „Ich mache mir Sorgen um den Klub, ganz klar, das ist überhaupt keine Frage. Die letzte Saison ist ja voll in die Hose gegangen, die Rückrunde war katastrophal, da muss man gar nicht drum herum reden.“ Aber auch um die Zukunft macht sich HR seine Gedanken: „Andere Klubs haben schon Spieler verpflichtet, wir noch nicht. Ich weiß nicht, wie die Gespräche laufen, ich höre nichts, deswegen weiß ich auch nicht, wie es weitergeht mit dem HSV. Es wird Zeit, dass sich etwas tut, wir sind sehr spät dran.“

Dass der HSV große und erfahrene Spieler wie Frank Rost, Ze Roberto, Collin Benjamin und Ruud van Nistelrooy verliert, das ist kein schlechtes Zeichen für Hermann. Er sagt: „Es musste ein Umbruch kommen, denn irgendwie ging es ja nicht mehr voran. Da sitze ich in einem Boot mit fast allen HSV-Fans, die das befürworten. Ich begrüße, das sage ich ausdrücklich, diesen Umbruch, diesen Schritt, nun auf junge Leute zu setzen. Wir brauchen Spieler die wollen, die hungrig und heiß sind. Hoffentlich aber bekommen wir die auch, denn noch ist davon ja nichts zu sehen . . .“

Aber, da habe ich noch immer das Gespräch vom Freitag mit Trainer Michael Oenning im Kopf, der ja ob dieser Situation noch ganz gelassen ist: Abwarten. Gut Ding will Weile haben.

Apropos Trainer: Während es unserem Hermann derzeit ganz gut zu gehen scheint, muss sich jeder HSVer wieder Sorgen um einen ganz großen HSV-Trainer machen: Kuno Kötzer. Der „Ritter“ hatte gerade eine schwere Herzattacke gut überstanden, liegt aber jetzt schon wieder auf der Intensivstation in Bad Segeberg. Wieder das Herz!
Alles Gute, lieber Kuno, zeige Deinen berühmten Kampfgeist und sei bald wieder daheim in Norderstedt.

So, sportlich gibt es noch nichts von unserem Klub zu vermelden, der HSV hat heute geschlossen. Ich wünsche Euch viel Spaß bei Barcelona gegen Manchester United – oder vielleicht bei Lotto King Karl (mit Hermann Rieger) im Stadtpark? Ob Lotto heute Trauer trägt? Sein Verein, auch mein Verein, nämlich BU, ist ja gestern aus der Oberliga Hamburg abgestiegen. Ganz, ganz bitter für Lottos „Hamburger Sport-Verein Barmbek-Uhlenhorst“.

15.22 Uhr

Oenning ist noch die Ruhe selbst

27. Mai 2011

So richtig gesagt hat er nichts. Vor allem wohl auch deshalb, weil es derzeit noch nichts zu sagen gibt. Neue Namen, sagt Michael Oenning, wird es wohl nächste Woche geben. Immerhin, der HSV-Trainer ließ sich heute im Volkspark sehen, sprach zu uns. Der Versuch war da, und er ist einzigartig – für mich jedenfalls. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein HSV-Trainer während der Sommerpause zu uns gesprochen hat. Deswegen war der Versuch achtbar und ehrbar – auch wenn nicht soooo viel dabei herumgekommen ist. Was es an berichtenswerten Sachen gab, das hat die Deutsche Presse-Agentur DPA schnell einmal auf einen Nenner gebracht:

„Der HSV will seinen Kader auf 20 Profis und vier Junioren für die nächste Saison in der Fußball-Bundesliga reduzieren. In der abgelaufenen Spielzeit standen 29 Profis auf der Kaderliste. Ein dritter Trainingsplatz an der Arena im Hamburger Volkspark soll entstehen, um die U-23-Mannschaft in direkter Nachbarschaft zu den Profis beobachten zu können. Bislang trainierte der Nachwuchs im Leistungszentrum in Norderstedt. „Es wird Veränderungen auf allen Ebenen geben“, kündigte Trainer Michael Oenning am Freitag an.

Auch der Trainingsbereich der Profis soll umgestaltet werden. „Es wird eine Rückzugszone für die Spieler geben. Dabei geht es weniger um Rehabilitation als um Motivation“, sagte Oenning. Der neue Raum im Stadion soll oberhalb des Trainingsbereiches eingerichtet werden, dort gab es bislang eine Art Abstellkammer.

Beim Thema Neuverpflichtungen hielt sich Oenning zurück. „Das ist nicht meine Baustelle“, meinte der 45-Jährige. In der nächsten Woche werde jedoch die erste neue Verpflichtung erwartet. Derzeit ist der neue Sportchef Frank Arnesen in England unterwegs. Es wird erwartet, dass er von seinem früheren Verein FC Chelsea das 19 Jahre alte Abwehrtalent Jeffrey Bruma für den HSV gewinnen kann. Der HSV möchte den Innenverteidiger für zwei Jahre ausleihen.
Die Hamburger suchen zwei neue Abwehrspieler, weil Teilzeit-Verteidiger Gojko Kacar künftig ausschließlich im Mittelfeld spielen soll. Auch im Mittelfeld und im Sturm schließt Oenning Verstärkungen nicht aus.“

So, das war es heute Vormittag in kurzen Zügen.
Aber es gab am Rande doch noch, so sehe ich das, einiges mehr. Zum Beispiel das Thema Gojko Kacar. Innenverteidiger? Mittelfeldspieler? Michael Oenning dazu: „Er sagt grundsätzlich, dass er dort spielt, wo ich ihn hinstelle. Der ist ein richtiger Typ, ich bin der Meinung, dass der uns grundsätzlich gut tun wird. Er kann bei uns in eine Führungsrolle reinwachsen, er hat viel zu bieten . . . Er wird uns auch im Offensivbereich helfen, er ist ein gelernter Stürmer, ist sehr kopfballstark.“ Ganz klar: Unter Oenning wird Kacar wieder ins Mittelefeld rücken, Innenverteidiger wird er wohl nur noch dann spielen, wenn Not am Mann (am Innenverteidiger) ist.

Dann gibt es da noch die spannende Frage: Kommt Keeper Wolfgang Hesl aus Österreich, wo er beim SV Ried eine glänzende Saison gespielt hat, zurück? Eine heiße Frage, denn Jaroslav Drobny ist die neue Nummer eins, so hat es Oenning entschieden. Und zur Torwart-Situation allgemein befindet der HSV-Trainer: „Wir müssen in der Torwartfrage eine grundsätzliche Entscheidung herbeiführen. Da muss man genau überlegen, wie die Struktur sein soll. Wolfgang Hesl steht vor der Frage, wie realistisch ist es, dass er die Nummer eins wird beim HSV? Er hat ja auch nur eine Karriere, muss an sein Alter denken. Wenn er diese Frage nicht mit ja beantworten kann, dann ist es nicht sehr realistisch, dass er zurückkommt. Was nicht heißen soll, dass er nicht zurückkommen soll. Ich glaube aber, dass wir das ganz anders machen sollten. Dass wir einen jungen deutschen Torwart finden müssen, der hier aufgebaut wird und langsam reinwachsen kann. Da gibt es verschiedene Ansätze, da prüfen wir im Moment, was machbar ist.“

Im Verein ist dieser Keeper noch nicht. Jedenfalls nicht in der A-Jugend und nicht in der U 23. In der B-Jugend gibt es laut Michael Oenning allerdings gleich zwei große Talente, doch die sind natürlich noch zu jung. Also abwarten, auf wen es hinauslaufen wird. Hesl eher nicht.

Dann möchte ich noch einmal zurück auf jenes Thema kommen, was mich schon seit Jahren beschäftigt, worüber in dieser Woche Uwe Seeler, Klaus Neisner und Jochen Meinke, die Spieler der Meistermannschaft von 1960, hier bei „Matz ab“ sprachen: „Wir brauchen wieder eine Mannschaft.“ Weil der HSV schon lange kein richtig gutes Team hat, in dem jeder für den anderen da ist. Ich habe Oenning die Frage gestellt, ob er dieses Thema auch sehe? Der Coach: „Deswegen sind diese Veränderungen nötig, deswegen versuchen wir die Strukturen aufzubrechen, deswegen versuchen wir, etwas zu verändern. Es kann nur über den Mannschaftsgedanken gehen, wir müssen es jetzt schaffen, diese Mannschaft unter einem gemeinsamen Teamgedanken neu aufzustellen und zu formieren.“ Geht das eventuelle auch mit einer jüngeren Mannschaft besser? Oenning: „Das muss nicht unbedingt nur jünger sein. Es ist nicht so, dass man sich zehn junge Spieler holt und man sagt, nun haben wir eine Mannschaft. Man braucht ja auch in den schwierigen Phasen Leute, die vorne stehen, Spieler, an denen sich die Jungen anlehnen können, hinter denen sie sich verstecken können. Das wird schon wichtig sein.“

Wichtig ist natürlich die Hierarchie der Mannschaft. Und nun fehlen mit Frank Rost, Ze Roberto, Ruud van Nistelrooy und Collin Benjamin schon mal einige ältere Herren. Oenning: „Jetzt erwarte ich, dass da Leute sind, die die Chance erkennen und zeigen, dass sie wollen. Da setze ich sogar drauf. Ich glaube schon, dass wir d den einen oder anderen Spieler haben, der noch nicht so im Fokus stand, der sich nun aber zeigt, dass er doch das ist. Und dass der dann auch kommt.“ Hoffen wir alle, dass es so kommen wird . . .

Ein Thema ist für mich auch, dass immer davon gesprochen wird, dass der HSV Spieler für hinten und für das Mittefeld sucht, aber nie wird von der Offensive gesprochen. Wieso nicht? Ist der HSV-Angriff wirklich so stark? Ich habe das nicht so gesehen – und van Nistelrooy ist jetzt auch noch weg. Oenning: „Wir haben nie gesagt, dass wir nichts für die Offensive tun werden. Aber ich glaube, dass es schon wichtig ist, dass wir die Prioritätenliste durchsehen und wir uns fragen, wo es denn wirklich geknackt hat. Fakt ist, dass wir relativ viele offensive Spieler haben. Jetzt kann ich mich fragen, ob das reicht, oder ob es nicht reicht. Wenn ich aber, und das ist auch eine Überlegung, stabiler stehe und bestimmte Spieler habe, dass sich die anderen Sachen daraus vielleicht von allein ergeben.“ Das heißt, dass eine solide Abwehr und ein solides Mittelfeld den Angriff so beflügeln, dass die Stürmer nun auch wirklich heiße Angreifer sind. Oenning sagt ja auch: „Ich glaube, dass man Guerrero und Petric nicht einfach so wegwischen und sagen sollte, man hätte keine guten Sturm . . .“ Sicher geht so etwas nicht, aber ich gebe immerhin zu bedenken, dass sowohl der eine wie der andere des Öfteren mal verletzt sind. Oenning: „Ich muss für mich entscheiden, was ist mir wichtiger? Ich setze alles auf einen Top-Stürmer, der vielleicht zehn Tore schießt, oder ich versuche erst einmal, die Bude hinten zuzukriegen.“ Ich bin gespannt, wie dieser interne Oenning-Kampf ausgehen wird.

Noch sagt der Trainer über sich: „Ich bin ganz entspannt.“ Das bekräftigt er auch noch einmal: „Es muss bei uns etwas Vernünftiges entstehen. Es hilft mir nicht, jetzt ganz schnell zu sagen, das und das machen wir nun, wir haben nun gekauft, das ist jetzt die Mannschaft. Wir haben erst am 26. Juni wieder Training, bis dahin brauchen wir gar nichts zu sagen. Warum sollte ich mich denn ganz schnell entscheiden? In Ruhe etwas Vernünftiges machen, das ist wesentlich besser.“ Aber läuft der HSV nicht die Gefahr, dass jetzt schon alle guten Spieler vom Markt gekauft worden sind? Oenning: „Das stimmt doch nicht. Die Hälfte der Bundesliga wusste doch bis zum Schluss nicht, ob sie in der Liga bleiben oder nicht. Die haben doch auch noch nicht geplant, So geht es doch vielen Klubs. Ich bin durchaus bereit zu sagen, dass es ein wenig schwieriger wird, aber es ist auch durchaus noch vieles machbar. Viele Dinge werden erst kurz vor Beginn der Saison passieren, so war es doch schon oft in der Vergangenheit.“

Michael Oenning ist also die Ruhe selbst. Er weiß, dass die Dinge im Fluss sind, und zwar positiv, in seinem Sinne. Aber: Auf Nachfrage gibt er auch etwas anderes zu Protokoll: „Wenn alle Dinge, die wir probiert haben, dann nicht funktioniert haben, und wir stehen eine Woche vor dem Start, dann bin ich auch nicht mehr so entspannt, dann werde ich auch sicher hektisch – keine Sorge. Ich will schon die bestmögliche Mannschaft haben . . .“ Michael Oenning hat zweimal in dieser Gesprächs-Stunde seinen Sportchef Frank Arnesen gelobt. Dass er ihm vertraut, dass er überzeugt davon ist, dass der Däne die richtigen Sachen auch für den HSV tun wird. Da bin ich dann wieder ganz bei Michael Oenning. Ich erwarte und hoffe das auch.

Wobei der Coach auf die wiederholte Nachfrage, ob es nicht besser wäre für den Klub, jetzt doch einmal ein Zeichen in Sachen Neuverpflichtungen zu setzen, sagt: „Ich glaube es wäre schon gut, wenn wir jetzt mal einen Neuzugang präsentieren würden, das hielte ich auch für klug. Wir sollten damit nicht ewig warten, das ist schon richtig. Ich glaube aber auch, dass in der nächsten Woche etwas passieren wird.“

Also hoffen wir auch darauf. Weiterhin.

So, nun noch einige kleine Dinge am Rande.
Hier wurde zuletzt auch schon mal gefragt: „Wo ist Dieter?“ Also, ich lebe noch. Und heute bin ich ja auch wieder da. So ist das bei Leuten, die Arbeit in diesem Lande haben: Fünf Tage die Woche wird überwiegend gearbeitet, zwei Tage hat man frei. Das habe ich im Jahre 2010 nicht immer eingehalten (und hatte dadurch Urlaubstage und freie Tage im Überfluss), in diesem Jahr aber schon. Deswegen hatte ich zwei Tage frei, Scholle hatte, wie es dann angesagt ist, übernommen. Macht Euch also keine Sorgen um mich, wenn ich im Urlaub bin, oder wenn ich krank sein sollte, dann wird es auch mitgeteilt. Nächste Woche habe ich zum Beispiel einen Tag länger frei, weil ich in der vergangenen Woche eine Fortbildung im Springer-Haus hatte . . . Also, null Problemo, alles geht seinen geregelten Gang.

Am Donnerstag, als ich frei hatte, war ich beim traditionellen Saisonausklang der Hamburger Schiedsrichter. Ein schon immer großartiger und stimmungsvoller Abend. Auch auf diesem Weg ein herzliches Dankeschön dafür. Ich glaube, dass solche Abende auch langfristig dazu führen (geführt haben), dass das Verhältnis Schiedsrichter/Presse besser und lockerer geworden ist. Und ich glaube auch, dass die Leistungen der Unparteiischen längst anerkannter sind, dass dem 23. Mann gegenüber auch wesentlich mehr Respekt entgegengebracht wird, als noch vor Jahren.
Das gilt übrigens nicht nur für den Amateurfußball, sondern auch ganz sicher für die Bundesliga. Habt Ihr eigentlich bemerkt, dass es in der vergangenen Saison kaum einmal solche Kommentare gegeben hat wie diesen: „Tomaten-Anfall bei Schiedsrichter . . .“ Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Leistungen der Unparteiischen besser geworden sind, was auch daran liegen kann (es liegt in meinen Augen daran), dass mit Herbert Fandel (DFB) und Hellmut Krug (DFL) zwei Weltklasse-Schiedsrichter an den Spitzen stehen, denen nichts vorzumachen ist. Zwei Namen habe ich an diesem Schiedsrichter-Abend immer wieder genannt: Manuel Gräfe aus Berlin ist verdientermaßen Schiedsrichter des Jahres geworden, und der Bremer Peter Gagelmann hat in meinen Augen einen sehr steilen Aufstieg in die deutsche Spitze hinter sich. Er ist wirklich ein erstklassiger Mann geworden, Kompliment, er hat auch die Partie VfL Bochum – Mönchengladbach souverän gepfiffen.

Dann erreichen uns immer wieder Mails, die das Trikot von David Jarolim haben möchten. Die User wollen entweder schon die Fragen lösen (die es noch nicht gibt), oder sie möchten das Trikot so – auf „lau“ – haben. Noch einmal: Die Fragen zu diesem Trikot wird es dann geben, wenn der Spielplan der neuen Saison draußen ist. Und auf „lau“ gibt es schon mal gar nichts, alles hat seinen Preis.

Zum Thema Sommerloch, ja oder nein: In dieser Woche schrieb eine Zeitung ja sogar schon über die Stadionwurst. Ich möchte dazu noch einmal das Thema „Pinkelbecken“ in der Arena auf den Plan bringen – ist die Situation wirklich schon besser geworden?

Und noch eine Anmerkung zum Sommerloch: Vielfach wurde ich gefragt, ob es nicht wieder Sommer-Geschichten rund um den HSV, Euren HSV geben sollte? Ich habe absolut nichts dagegen, ich denke immer noch, dass wir so viele schöne und lesenswerte Storys hier hatten. Wer sich also aufgerufen fühlt, eine solche Geschichte zu schreiben – bitte, immer rein damit, ich würde mich freuen. Sie wäre an die Gewinnspiel-Adresse von Matz ab zu schicken.

PS: Beim Schiedsrichter-Abend wurde mir gleich dreimal gesagt, ich solle keine „Romane“ schreiben. Ich nehme diesen Hinweis auf – und werde mich, so hoffe ich für mich (und für Euch), mäßigen.
Und noch ein Zusatz: Erstmals seit vielen Jahren siegten im Abschluss-Spiel die Schiedsrichter mit 5:2 gegen die Trainer. Diese Partie gibt es schon seit Jahrzehnten, zuvor hatte es erst einen einzigen Sieg der „Schwarzkittel“ über die Trainer gegeben – aber dieses 5:2 spricht vielleicht auch für die neu gewonnene Klasse der Hamburger Schiris.

So, nun bin ich doch schon wieder zu lang geworden, sorry. Euch allen ein schönes Wochenende, wer Zeit hat (und noch nichts auf dem Zettel): Lotto King Karl ist heute und morgen im Stadtpark unterwegs, ich werde am zweiten Tag dabei sein.

16.12 Uhr

Die spinnen doch, die….

26. Mai 2011

…. nein, nicht die Römer! Diesmal sind’s die Holländer. Salopp formuliert natürlich… Im Speziellen meine ich da die Niederländer des HSV. Da entpuppt sich zuerst der ansonsten als Musterprofi hochgelobte Joris Mathijsen als eine Art Mogelpackung, und jetzt kann sein Landsmann Eljero Elia mal wieder nicht die Klappe halten. Wobei, vielleicht ist es den hiesigen verantwortlichen gar nicht so unrecht.

Schließlich wird, so beteuert es Trainer Michael Oenning, beim HSV weiter ganz fest mit dem potenziell abwanderungswilligen Flügelflitzer geplant. Andererseits ist der immer wieder sportlich enttäuschende niederländische Nationalspieler einer der wenigen Spieler, mit denen der HSV noch richtig Geld für die klammen Kassen erzielen kann. Und vielleicht ja auch will…

Auf jeden Fall bietet sich Elia mal wieder feil. Diesmal nicht bei Manchester United oder dem FC Barcelona, wo sich der schnelle, technisch begnadete und verbal ziemlich unkontrollierte Außenstürmer bereits wähnte. Nein, er ist bescheidener geworden. Diesmal sind es „nur“ Juventus Turin und der FC Liverpool. Erstgenannter sei immerhin die größte Adresse im italienischen Fußball. Und Liverpool? „Bei Liverpool Kuyt auf rechts, vorn in der Spitze Carroll, dahinter Suarez und ich auf links. Da würden wir alle verrückt machen.“

Nun muss man dazu sagen, dass Elia von seiner eigenen Entwicklung schon vor Jahren überholzt wurde. Mit 17 bereits Profi, mit 18 den ersten guten Vertrag, mit 21 sogar schon den ersten Millionenvertrag, wurde er früh Vater. Er selbst dachte und sagte damals, er würde damit keine Probleme haben und sich über die große Verantwortung freuen. Und das klang glaubhaft. Allein Elia fehlte die Gabe, in den richtigen Momenten um Hilfe zu bitten. Er wollte und will noch heute alles allein machen. Allerdings sind das alles Dinge, die nicht so einfach zu bewältigen sind, wenn die entsprechende Hilfe fehlt. „Ich habe viel zu überprüfen in meinem Kopf“, sagt Elia, und weiter: „Aber vorerst zählt für mich nur der HSV.“

Klar, das muss er ja sagen. Schließlich hat er ja auch noch einen bis 2014 laufenden Vertrag. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Niederländer, sobald sie bei der Nationalmannschaft zusammentreffen, immer wieder in die falsche Richtung pushen. Rafael van der Vaart hat mir mal erzählt, dass die international zweifellos sehr hoch gehandelten niederländischen Nationalspieler ihn bei Länderspieltreffen immer wieder gefragt hätten, warum er „nur“ beim HSV spiele und nicht wie die meisten anderen bei den Spitzenklubs Real Madrid, Barcelona, Inter Mailand oder auch Arsenal London. Damals, so versicherte er mir, habe er immer geantwortet: „Weil Hamburg riesiges Potenzial hat und ich mich da am besten entwickeln kann.“ Worte, die ich gern Elia andichten würde – zumindest würde sich mein Bild von ihm dann nicht noch weiter verziehen. „Junge Spieler kriegen schon einen Floh ins Ohr gesetzt, wenn sie auf Kollegen treffen, die bei den ganz großen Klubs spielen“, sagte van der Vaart damals – und ich glaube ihm. Kommt dann noch wie bei Elia Wankelmütigkeit und ein Berater hinzu, der seinem Namen dem Vernehmen nach absolut keine Ehre erweist, hinzu, dann ist das Dilemma programmiert. Zumindest bei großen Spielern, die sich selbst schlecht einschätzen können.

Apropos einschätzen. Das wiederum können die Kollegen von www.Transfermarkt.de in der Regel sehr gut. Und sollten ihre Zahlen auch diesmal stimmen, bräuchten wir uns über einen Verkauf von Pitroipa, Guerrero, Jansen oder eben Elia überhaupt keine Gedanken machen. Denn die Kollegen beziffern Mathijsens Marktwert mit 9 Millionen Euro. Eine Summe, die ich für ebenso absurd wie für den HSV als wünschenswert empfinde. Immerhin steht der Verkauf Mathijsens, der nach Ajax Amsterdam auch aus Spanien ein lukratives Angebot vorliegen haben soll, unmittelbar bevor. Und die Tendenz geht inzwischen zu einem spanischen Erstligisten. „Ich will in jedem Spiel gefordert werden“, sagte Mathijsen heute im Trainingslager der Niederländer, „das ist in den Niederlanden in einigen Spielen leider nicht der Fall.“ Zu groß sei der Leistungsunterschied zwischen Ajax und den Klubs, die gegen den Abstieg spielen. Dennoch sei noch längst keine Entscheidung gefallen. „Ich werde die Länderspiele spielen und mich erst danach entscheiden“, so Joris.

Mathijsens Abgang dürfte indes schnell kompensiert werden können. Und das ausgerechnet mit einem Landsmann, der sich aktuell ebenfalls im Kreise der offenkundig sehr selbstbewussten niederländischen Nationalspieler bewegt: Jeffrey Bruma. Der 19-Jährige gilt in den Niederlanden als DAS aktuelle Toptalent, sein Wechsel zum HSV hat sich inzwischen auch bis zum Oranje-Team herumgesprochen. Entsprechend groß war der Andrang heute, als sich der junge Innenverteidiger der Presserunde stellte. Und nachdem er sich selbstbewusst gab und davon sprach, auf die eine oder andere Spielminute bei der Länderspielreise zu hoffen, folgten die erwarteten Fragen nach seiner Zukunft. Dabei bestätigte Bruma das Interesse des HSV und seine grundsätzliche Bereitschaft „zu diesem großen Klub“ zu wechseln. Allerdings, und da reiht er sich dann bei Joris und Elia nahtlos ein, überraschte er mit seinem Ausblick auf die nächsten Tage. Und Wochen. „Ich werde die Länderspielreise mitmachen, anschließend in den Urlaub fahren und mir da meine Gedanken zu allem machen.“ Und während man in Hamburg davon spricht, alles geklärt und sich geeinigt zu haben und noch immer alle davon ausgehen, in den nächsten Tagen die finale Nachricht vom Wunschspieler zu erhalten, sagt dieser: „Ich habe keinen Druck. Ich habe das mit Frank Arnesen so besprochen.“ Sein Ultimatum würde demnach erst in drei Wochen ablaufen.

Nun denn. Warum sollte es bei Bruma auch anders sein als bei seinen Landsleuten. Khalid Boulahrouz verletzte sich urplötzlich beim Warmmachen vor einem Europa-League-Spiel und wechselte einen Tag später zum FC Chelsea, für den er international nicht mehr hätte spielen dürfen, wenn er am Vortag beim HSV gespielt hätte. Rafael van der Vaart, der an sich sportlich tadellos war, präsentierte sich im Valencia-Trikot und verhob sich plötzlich beim Spielen mit seinem Sohn, nachdem der HSV ihm den Wunsch, nach Valencia zu wechseln, verweigert hatte. Dazu gesellen sich wie bereits erwähnt Ruud van Nistelrooy, dem Angebote der Top-Klubs vorlagen und den es jetzt nach malaga zieht sowie Joris Mathijsen und Eljero Elia, während Nigel de Jong die goldene Ausnahme ist. Zumindest, wenn man Nico Hoogma aus dieser Reihe herausnimmt. Immerhin war dieser auch nie Teil der großen Nationalmannschaft der Niederlande…

In diesem Sinne, hebben een leuke avond…

Euer Scholle

17.55 Uhr

Jeffrey Bruma soll für zwei Jahre unterschreiben

25. Mai 2011

Die Planungen laufen. Allerdings auch noch nicht viel mehr. „Es gibt nichts“ löst sich bei meinen Nachfragen derzeit mit „nichts los“ und „alles ruhig“ ab. Und: ich glaube denen. Auch wenn es normal ist, nicht zwingend Geheimnisse von sich aus auszuplaudern, kommt auch auf Nachfrage derzeit wenig bis nichts.

Weil nichts passiert?

Ja. Und nein. Denn eine Sache scheint klar: Jeffrey Bruma kommt. Der niederländische Nationalspieler, der sich ab morgen mit seiner Elftal auf Länderspielreise begibt, soll noch in den nächsten Tagen einen Vertrag bis 2013 unterschreiben. Sobald sein Berater Wessel Weezenberg als frisch gebackener Vater wieder aus dem Kreißsaal heraus ist, in dem seine Frau (wahrscheinlich ist das inzwischen bereits passiert – aber ich wollte Weezenberg jetzt nicht störend anrufen…) das gemeinsame Kind auf die Welt bringt. Bis 2013, soweit sind die Verhandlungen eh abgeschlossen, leiht der HSV Bruma vom FC Chelsea aus, wobei die Engländer ihren Schützling nach der Saison 2011/2012 per Option zurückholen können. Ansonsten würde der HSV anschließend eine Kaufoption in noch unbestimmter Höhe ziehen können.

Ein guter Deal. Wenn ich den Experten um mich herum glauben darf, sogar ein sehr guter. „Jeffrey war schon früh auffällig“, sagt Dietmar Beiersdorfer, der den Innenverteidiger bereits 2009 zusammen mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann und Katja Kraus auf dem Zettel hatte. „Damals hatten sein Berater und seine Familie allerdings andere Pläne. Sie wollten Jeffrey in England beim FC Chelsea ausbilden“, so der ehemalige HSV-Sportchef. Auch zwei ernsthafte Versuche vor der letzten Saison sowie im Januar scheiterten an den hohen Leihsummen, die Chelsea aufrief. „Und daran, dass uns Chelsea keine Kaufoption einräumen wollte“, sagt der seit Montag offiziell Nicht-mehr-Sportchef Bastian Reinhardt, der aktuell auf seine neue Arbeitsplatzbeschreibung wartet. Dem vernehmen nach soll der Ex-Sportchef den Jugendbereich übernehmen, so eine Art Nachwuchschef werden und dort den glücklosen Paul Meier beerben.

Aber zurück zum voraussichtlich ersten Zugang für die neue Saison. Wer ist dieser von allen Seiten hochgelobte Bruma eigentlich?

Jeffrey Bruma wurde bereits im zarten Alter von nur 15 Jahren von seinem Heimatklub Feyenoord Rotterdam weggeholt. Der FC Chelsea überwies damals eine Ausbildungsentschädigung von 100 000 Pfund an die Niederländer. Fortan spielte der Innenverteidiger, der auch auf der rechten Verteidigerposition eingesetzt werden kann, nur kurz für die Jugendmannschaft des Abramowitsch-Klubs, ehe er mit 16 Jahren bereits in die Reservemannschaft der Profis hochgezogen wurde, ehe er 2009/2010 sogar den Sprung in den Profikader schaffte. Nachdem er nur vier Einsätze aufzuweisen hatte, wechselte Bruma im Januar trotz des Angebotes vom HSV zum englischen Zweitligisten Leicester City, mit dem der FC Chelsea seit einiger Zeit kooperiert.

„Jeffrey bringt physisch alles mit und spielt auf einem technischen Niveau, das in seiner Altersklasse auf der Position sonst nicht zu finden ist“, lobt Reinhardt den potenziell ersten Neuzugang – und legt nach: „Seit einiger Zeit hat er zudem sein Spiel etwas umgestellt und spielt schnörkelloser, geradliniger und somit effizienter. Er ist das aktuell vielleicht größte Talent, das die Niederlande haben.“

Und das wohl schon bald beim HSV, der allerdings trotzdem noch einen Innenverteidiger suchen muss, nachdem der Abgang von Joris Mathijsen so gut wie feststeht. Immerhin hat der Niederländer den Verein bereits über seinen Wunsch, Hamburg und den HSV verlassen zu wollen, informiert. Ein Schritt, den der Verein bei einem passenden Angebot zurecht unterstützen würde, Denn wenn wir ganz ehrlich sind, waren Mathijsens letzten Leistungen diplomatisch formuliert „solide“. Allerdings so solide, dass keiner mehr große Ausschläge nach oben erwartet.

Zudem, und das gebe ich gern zu, habe ich mich in dem Typus Mathijsen getäuscht. Ich hatte den soliden Fußballarbeiter immer als jemanden gesehen, der über die Einstellung zum Job die gewisse Portion Herzblut in die Waagschale werfen. Das allerdings war zuletzt auch nicht mehr der Fall. Stattdessen fiel der sonst immer nette Niederländer durch seine schlechte Laune, Verletzungen und teils freches Verhalten seinen Fans gegenüber auf. Nicht selten verweigerte der Innenverteidiger, den es angeblich zu Ajax Amsterdam zieht, den wirklich wenigen wartenden Anhängern sogar deren Autogrammwünsche. Und als mir sehr nahe Kollegen einen Bericht über ihn und seine holländischen Kollegen beim HSV verfassten und dort zurecht schrieben, dass die Niederländer beim HSV zur neuen Saison wackeln, brüllte er sogar den Kollegen in einer Form an, die nicht zu rechtfertigen war/ist. Aber okay, das sind olle Kamellen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet, die uns aber auch nicht weiter tangieren sollten.

Unser Blick geht nach vorn. Hin zum Umbruch, der so recht noch nicht in die Gänge zu kommen scheint. Heute trafen sich der Vorstand und das Trainerteam – und für mich etwas überraschend auch der eigentlich ja nicht am operativen Geschäft teilnehmende Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckkhoff – und besprachen die nächsten Schritte er Kaderplanung. Dabei spielte ein Name kurzzeitig eine Rolle, wurde allerdings inzwischen aus sportlichen Gründen abgelehnt: der von der Sportbild genannte Däne Mikkel Thygesen vom FC Midtjylland. Der Vertrag des 26-jährigen Mittelfeldspielers läuft im Sommer aus. Thygesen, der bereits 2007 eine Saison lang für Borussia Mönchengladbach spielte, wäre ablösefrei.

Gleiches gilt für Ruud van Nistelrooy, der dem Vernehmen nach zum spanischen Erstligisten FC Malaga wechselt. „Es sieht gut aus. Wir haben noch nicht das Ja des Spielers, aber er steht unserem Projekt wohlwollend gegenüber“, sagte Malagas Sportdirektor Antonio Fernandez in der spanischen Sporttageszeitung „Marca“. Wobei ich Malaga – zumindest aus der Sicht eines in seiner Jugend samt Mutter und Oma dort jahrelang immer wieder hinfahrenden Touristen – absolut empfehlen kann. Aber das nur in eigener Sache und am Rande…

Apropos, dann doch gleich noch was in eigener Sache: Dieter hat in den letzten Tagen den Maßstab sehr hoch gehängt. Zumindest sehr hoch dafür, dass derzeit wenig passiert. Die Altmeister Jochen Meinke und Klaus Neisner zu befragen war eine große Idee. Groß deshalb, weil beide die Lage des HSV sehr gut auf den Punkt brachten. Teamgeist einzufordern und eine Einheit als Mannschaft zu fordern ist DER zentrale Punkt, den es beim HSV zu beheben gilt. Ich von meiner Seite kann – oder besser: ich will den beiden in keinem Punkt widersprechen. Und ich bin froh, sagen zu können, dass die amtierenden Granden beim HSV das sehr ähnlich sehen. Momentan wird versucht, die Spieler Tavares, Silva, Rozehnal, Guerrero und Guy Demel zu verkaufen. Letzterer soll tatsächlich versucht haben, sich ablösefrei zu machen. Ein für mich grotesker Zug. Nachdem sich selbiger vor kurzem noch weit unter Wert behandelt fühlte und seine Arbeitsverweigerung damit zu erklären versuchte, will er plötzlich keinen Cent wert sein. Nun denn. Das verstehe wer will…

Und bevor ich diesen Blog beschließe, möchte ich an dieser Stelle noch eine Dame besonders herzlich grüßen, die momentan gesundheitlich stark angeschlagen ist: unsere Organisatorin der „Matz-Ab-Treffen“ und ehemalige Cheffin der Raute, Astrid Hachmeister. Astrid, falls Du das hier liest, ich wünsche Dir im Namen aller Matz-Abber gute Besserung und mir, Dich bald wieder so gesund wie eh und je in die Arme nehmen zu können.

In diesem Sinne, hoffen wir weiter auf Besserung. In allen Bereichen.

Scholle

17.30 Uhr

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