Monatsarchiv für April 2011

Son richtig guter neuer Anfang hätte was…

29. April 2011

Noch „dreimal rein in die Mühle, dann auskurieren und in der kommenden Saison mit ausgeheilten Knochen wieder voll angreifen“. So ähnlich formuliert es Dennis Diekmeier, angesprochen auf seine Ziele für die letzten drei Spiele. Der ehemalige Nürnberger ist zwar erst seit dem 27. Spieltag wieder fit, seither allerdings immer in der Startelf. Und das trotz noch immer nicht gänzlich auskurierter Achillessehnenbeschwerden, wie zwei straffe, dicke Verbände an den Fußgelenken beweisen. „Vorsichtshalber“, beschwichtigt Diekmeier, „aber im Sommer werde ich die Zeit nutzen, letzte Wehwehchen auskurieren. Und richtig los geht es dann für mich mit der Vorbereitung in der neuen Saison.“ Zudem – und das ist wie von Dieter beschrieben wohl das am meisten Gesagte und wurde heute auch wieder von Diekmeier ausdrücklich erwähnt – ginge es darum, den Fans noch etwas zu bieten. „Wie wir alle hatten auch unsere Anhänger andere Ziele. Dass auch sie enttäuscht sind, muss uns klar sein. Das wissen wir auch. Deshalb sind wir jetzt dran, um den Fans zum Abschluss doch noch etwas zu zeigen und gute Spiele abzuliefern“, sagt Diekmeier.

Und ich hoffe es für uns alle, insbesondere für den extra aus der Eifel angereiste Gewinnspiel-Sieger Oliver Hecker aus Hellenthal, der erst heute Vormittag von seinem Gewinn erfuhr und sich sofort um ein Hotel bemühte, „um den Sieg ausgeschlafen“ miterleben zu können, wie er hofft. Oder besser: wie wir alle hoffen…

Nun denn, genug gehofft. Und Versprechungen seitens der Mannschaft gibt es auch wieder genug. Alle beteuern, den Fans noch etwas zeigen zu wollen, dass sie dementsprechend hochmotiviert sind, auch wenn es tabellarisch um nicht mehr viel geht. Los geht es damit am morgigen Sonnabend gegen Freiburg. Einen Gegner, der wie der HSV (O-Ton Oenning) „zwischen Baum und Borke“ ist. Und das zum ersten Mal mit dem vermeintlich neuen HSV-Sturm Paolo Guerrero/Heung Min Son. Und während Paolo die aller-aller-aller-aller-allerletzte Chance nach einem „sehr guten Vier-Augen-Gespräch“, wie es Trainer Michael Oenning nannte, erhält, will Son einfach wieder da anknüpfen, wo er im Sommer begonnen hatte: bei unbeschwertem, frechem Fußball. Den hatte er sich selbst zuletzt verwehrt. Sagt er zumindest. „Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht“, so der Südkoreaner, „nachdem es nach dem Asien-Cup für mich hier nicht mehr so gut lief, habe ich zu viel nachgedacht.“

Allerdings, wer will es dem sympathischen 18-Jährigen verdenken. Vor der Saison noch bei den Amateuren eingeplant, hatte er sich über die Nominierung für die Bundesliga-Mannschaft schon gefreut, wurde dann „Shooting-Star“, südkoreanischer Nationalspieler und sogar als der neue

Ji-Sung Park gefeiert. Der ist immerhin bei Manchester United unter Vertrag und mit einem Bein im Champions-League-Finale. Eine rasante Entwicklung, die für einen 18-Jährigen nicht einfach zu meistern ist. Zumal nicht, wenn er einen großen Teil dieser zeit allein in einem fremden Land ist. Wie zu Zeiten im Internat. „Ich war ohne meine Familie da“, sagt Son und gesteht: „Ich dachte zuerst, das wäre einfach. War es aber nicht.“ Auch deswegen zählen seine Mutter und sei Vater inzwischen zu Dauergästen in Hamburg und verbringen („Mein Vater hat ja auch einen Job“) so viel Zeit wie möglich bei und mit ihrem Sohn. „Mein Vater guckt sich dann alles an. Training und Spiele. Wenn er da ist, bin ich besser.“ Weil er sein größter Kritiker ist, wie Son hinterherschiebt. „Er sagt mir jeden Fehler, merkt sich alles. Nach jedem falschen Laufweg meckert er mit mir“, sagt Son und lacht dabei, um zu zeigen, dass hinter alledem, was so nach Drill klingt, dennoch eine familiäre Herzlichkeit steckt.

Schließlich ist es auch Son selbst, der sich den meisten Druck macht. Freie Tage gibt es für den Angreifer nicht. Selbst an Tagen mit einer Einheit bei den Profis legt er sich selbst weitere Einheiten auf. „Ich trainiere dann in Norderstedt“, so Son, der auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Ochsenzoll immer genau das trainiert, was er glaubt, in der Vorwoche am schlechtesten umgesetzt zu haben. Wohlgemerkt: Son trainiert für sich. Allein. Ohne Anweisung von einem Trainer. Schon deshalb freue ich mich auf ihn, weil ich überzeugt bin, dass sich ein derartiger Ehrgeiz – solange er nicht überzogen ist – einfach belohnt gehört.

Und es würde jetzt auch gut passen. Mitten rein in den geplanten und immer näher rückenden Umbruch von Alt auf Jung wäre ein so genanntes Eigengewächs ein guter Startschuss. Zumal nach Tunay Toruns Abgang gen Berlin, den ich nur schwer nachvollziehen kann. Immerhin hätte Torun hier den Nimbus Eigengewächs, den er für sich zuletzt als Nachteil empfand, zu seinem eigenen Vorteil nutzen können. Denn genau das suchen die aktuell Verantwortlichen jetzt vermehrt. Aber gut, der Deutsch-Türke (um eines klarzustellen und Emails vorzubeugen: das ist für mich absolut kein Schimpfwort!!) soll ein Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro gefordert und vom HSV lediglich rund 800000 Euro geboten bekommen haben.

Auf jeden Fall hat sich Torun für den Rest der Saison keinen Gefallen getan. Heute strich ihn Oenning direkt aus dem Kader. Ebenso wie Romeo Castelen (Trainingsrückstand) und Joris Mathijsen, der weiterhin mit Knöchelproblemen pausiert. Insgesamt 19 Leute nahm Oenning mit ins Mannschaftshotel, weil Gojko Kacar von Knöchelproblemen geplagt wird und weiter fraglich ist. Sollte der Serbe fit sein, dürfte Guy Demel wieder aus dem Übergangsaufgebot gestrichen werden, dessen Abgang im Sommer als so gut wie beschlossen gilt. Oder doch Muhamed Besic? Der trainierte heute mal wieder schwach und musste sich sogar einen heftigen Rüffel von Frank Rost („Was sind das für schwule Bälle, Momo?“) nach einem seiner vielen schwachen Pässe gefallen lassen.

Womit wir bei Spekulationen angekommen sind. Die werden naturgemäß in der Sommerpause neue Höhen erreichen, allerdings ist der Anfang bereits gemacht. Über ein italienisches Internetportal wird verkündet, dass der FC Bayern die Fühler nach Dennis Aogo ausgestreckt haben soll. Nein, noch mehr: sie „jagen“ Aogo. „Seriöser“ geht es kaum. Allein, weder beim HSV, noch beim FC Bayer und am allerwenigsten Dennis selbst wissen etwas davon. Aber ich könnte wetten, dass das nur der Anfang war und demnächst alle guten Namen des nächste Saison „nicht-europäischen“ HSV bei Klubs auftauchen, die suchen und einen internationalen Wettbewerb zu bieten haben. Völlig egal ob der Beschriebene gerade bis 2015 verlängert hat oder nicht. Und eben völlig egal, ob es stimmt oder nicht.

Und wo wir schon mal bei munteren Spekulationen sind, hier eine von mir: Wie ich gehört habe, war Deutschland in der Uefa-Fairplay-Wertung bis zur Winterpause knapp hinter den ersten vier Ländern Fünfter. Und am heutigen 30. April soll die neue Liste veröffentlicht werden. Sollte sich Deutschland nun um zwei Plätze hochgearbeitet haben, hätte der HSV plötzlich wieder allerbeste Chancen auf einen Startplatz in der Europa League. Denn die fairsten drei Länder erhalten einen zusätzlichen Startplatz, und der HSV ist in der Bundesliga hinter den eh international qualifizierten Dortmund und FC Bayern Dritter in Sachen Gelbe, Gelbrote und Rote Karten (hinzugerechnet wird das Fan-Verhalten des jeweiligen Klubs) – und somit punktgleich und zusammen mit dem heutigen Gegner SC Freiburg einer der allerersten Anwärter.

Viele Konjunktive. Zu viele, um sich jetzt schon zu freuen. Aber dafür freue ich mich auf drei Spiele, in denen die Mannschaft unbeschwert auflaufen kann und vielleicht etwas von dem zeigt, was wir in dieser Saison definitiv zu wenige zu sehen bekommen haben. Immerhin: versprochen ist versprochen, oder??

In diesem Sinne, im Anhang die vermeintliche Startelf.

Bis morgen,

Eure Urlaubsvertretung Scholle

Vermeintliche Startelf: Rost – Diekmeier, Kacar (Demel), Westermann, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Elia – Guerrero, Son.

Weiter im Kader: Drobny, Demel, Besic, Benjamin, Tesche, Trochowski, Rincon, Pitroipa.

18.25 Uhr

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