Monatsarchiv für April 2011

0:3-Pleite – und aus der Traum!

23. April 2011

Aus, Ende, vorbei. Der HSV kann das Unternehmen Europa zu den Akten legen, denn die 0:3-Pleite beim VfB Stuttgart sorgt für das Ende aller Träume. Vier Siege aus vier Spielen, so war es vorgegeben worden, aber schon der erste Auftritt in der Fremde ging voll in die Hose. Diese Mannschaft spielt, das bewies der Ausflug ins Ländle, genau so gut oder genau so schlecht, wie es der derzeitige Tabellenstand offenbart. Viele klangvolle Namen stehen in den Reihen der Rothosen, aber sie alle zeigen nur höchstens die Hälfte von dem, wie sie früher einmal gekonnt haben. Zwar wurde das Hamburger Spiel im zweiten Durchgang etwas besser, aber insgesamt ist damit wahrlich kein noch so kleiner Blumentopf zu gewinnen – damit ist der große HSV wieder einmal auf dem Weg zur „grauen Maus“ in der Bundesliga. Das ist enttäuschend, das ist blamabel, das ist auch jammerschade, aber man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Dieser HSV ist einfach zu bieder, daran kann auch kein noch so gut gemeinter Trainerwechsel etwas ändern.

Den Start wieder einmal total verschlafen. Mehr geht ja gar nicht. Der HSV lief in den ersten 30 Minuten wie Falschgeld über den Rasen. Wobei die ersten 90 Sekunden noch ganz vielversprechend waren, denn da wurde der VfB an seinem Strafraum festgespielt, da kam der HSV sogar zum ersten Eckball. Strohfeuer. Was danach aus Hamburger Sicht gespielt wurde, das war unterirdisch. Schon vor dem VfB-Führungstor hätte Hajnal aus elf Metern den ersten Treffer für die Schwaben markieren müssen – vorbei. Dann doch das Tor – symptomatisch für die HSV-Vorstellung: Torwart Frank Rost „schickte“ Gojko Kacar nach außen, der Serbe rettete den Ball noch kurz vor dem Überschreiten der Seitenlinie. Die aus der Not nach vorn beförderte Kugel wurde vorne gleich verloren, ein Steilpass – und die Mitte war total verwaist. Kacar noch außen, Heiko Westermann desorientiert, Cacau hatte keine Mühe, den Ball ins Netz zu schieben. Das war nach genau fünf Minuten und 14 Sekunden. Es war Cacaus erstes Tor seit November 2010, aber der HSV war ja schon immer gut, Aufbauhilfe zu leisten . . .

Der HSV danach völlig von der Rolle. Hajnal hätte das 2:0, 3:0 und 4:0 für den VfB schießen können, fast müssen. Bei Hamburg kein Siegeswille erkennbar, null Entschlossenheit, kein Tempo im Spiel, keine Ideen, das war alles viel zu brav, hilflos, hausbacken, naiv, durchschaubar – Sommerfußball pur! Da spielte eine Mannschaft, die ihre letzte Chance auf einen europäischen Startplatz ergreifen wollte, aber nichts, wirklich nichts war davon zu sehen. Die Hamburger kamen immer einen Schritt zu spät, der VfB wirkte schneller, spritziger, entschlossener und vor allem läuferisch viel stärker. Beim HSV wurde immer erst dann gelaufen, wenn der Ball in die Nähe des Fußes gespielt wurde – meistens war das zu spät und die Kugel rollte ins Aus. Stümperhaft und viel zu ungenau, völlig ohne Selbstvertrauen wurde nach vorne gespielt.

So spielt keine Mannschaft, die nach Europa will, so sieht auch kein Fußball aus, der in Europa gespielt wird.

Allerdings, das spricht dann doch ein wenig für den HSV, nach 30 Minuten kam Hamburg. Als Tunay Torun einen Ball auf (1) die Torlatte der Stuttgarter befördert hatte, da sammelte sich der HSV und besann sich auch offenbar auf seine Fähigkeiten. Angetrieben von David Jarolim, der um jeden Ball kämpfte, der viele Duelle für sich entscheiden konnte, der vorbildlich und mit jener Willenskraft zur Sache ging, was eigentlich von jedem HSV-Profi von Beginn an erwartet worden war. Wer diesen Jarolim vom HSV wegschicken möchte, der sitzt wahrscheinlich auf einem ganz hohen Ross. Weit und breit war keiner zu sehen, der ähnliches Engagement zeigte. Aber, auch das muss erwähnt werden: Der „Krankenhaus-Pass“, der vor dem 3:0 (von Cacau) gespielt wurde, der stammte von „Jaro“. Das aber geschah in der 88. Minute, da ließen die meisten Hamburger ohnehin schon ihre Köpfe hängen, da hatte sich die Ernüchterung schon gaaaaaanz breit gemacht.

Zu den Offensivkräften: Sie blieben in der ersten halben Stunde total harmlos, aber dann fanden sie doch allmählich besser ins Spiel. Was besonders für die beiden Youngster galt. Torun schoss ans Außennetz, und Änis Ben-Hatira gewann plötzlich einige Dribblings, zeigte Spielwitz und Übersicht. Sein Abschluss allerdings ist verbesserungswürdig, da zeigt er noch zu oft einige überflüssige Nachlässigkeiten. Schade. Wenn er das noch hätte, dann wäre er in der Tat eine gleichwertige Ergänzung zu Nebenmann Mladen Petric, der meiner Meinung nach zu oft übersehen wurde, der meiner Meinung nach viel mehr gesucht werden müsste. Er ist ein Knipser, also müsste er bedient werden – aber er wird es nicht. Jedenfalls wird er zu oft übersehen. Als das in der zweiten Halbzeit allerdings geschah, da zeigte sich Petric nicht immer auf der Höhe, da verschoss er einige Sachen, da verstolperte er auch den einen oder anderen Ball.

In Sachen Spielgestaltung müsste für mich auch Ze Roberto mehr tun. Das wäre ganz sicher eine Sache für den Brasilianer, aber der durchläuft im Moment eine Schwächeperiode. Von ihm kommt nach vorne nicht viel – oder genauer, da kommt herzlich wenig. Der „große Ze“ müsste viel, viel mehr die Initiative ergreifen, den Ball fordern, den Ball verteilen – aber das geschieht eben nicht. Da sieht einiges doch eher nach Alibi aus.

Ähnlich die Lage bei Eljero Elia. Der Niederländer zeigt gelegentlich gute Ansätze, dann träumt wahrscheinlich jeder HSV-Fan von diesem ominösen Wort „Durchbruch“, aber garantiert geht die nächste Aktion nach einer gelungenen voll in die Hose. Ganz, ganz bitter. Wann wohl wird Hamburg einmal den „wahren Elia“ erleben? Gar nicht mehr? Es ist immer mehr zu vermuten. In der 61. Minute kam für Elia Paolo Guerrero, den ich schon für den zweiten Durchgang erwartet hatte. Aber ganz offensichtlich sitzt der Stachel (bei Trainer Michael Oenning) immer noch zu tief, es kam für den angeschlagenen Torun erst einmal der eher defensiv orientierte Robert Tesche (46.).

Wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte Ben-Hatira seine „Hundertprozentige“ in der 63. Minute genutzt? Er scheiterte freistehend an Torwart Ulreich, eine nicht untypische Szene für den jungen Hamburger. Da hat er noch ordentlich an sich zu arbeiten, im Abschluss ist er einfach viel zu schwach.

Was nützt es dem HSV, wenn er im zweiten Durchgang engagierter spielte, das Geschehen offener halten konnte, teilweise gute Ansätze zeigte? Es hilft nichts. Das Unternehmen Europa fand spätestens mit dem 2:0, das der eingewechselte Gentner erzielte (Kacar sah nicht besonders gut aus), ein abruptes Ende. Wunder gibt es immer wieder, aber dieser HSV hatte auch kein Fußball-Wunder verdient, denn das, was in dieser Saison gespielt und geboten wurde, war wieder einmal viel zu wenig.

Es darf an der Elbe wieder einmal gehofft werden – auf die neue Saison. Alles wie gehabt.

17.33 Uhr

Auswärtssieg oder Niemandsland

22. April 2011

Die Ausgangslage ist klar: vier Siege aus vier Spielen müssen her. Zu Hause gegen Freiburg? Machbar. Zu Hause gegen den Absteiger Borussia Mönchengladbach? Auch machbar-. Aber dann? Es fängt ja schon mit Ostern an: Stuttgart. Beim VfB. Da gab es sicher schon manchen großen HSV-Sieg. Einer liegt mir dabei besonders am Herzen: Am 21. September 2005 siegte der HSV 2:1. Rafael van der Vaart, fast hätte ich geschrieben „Euer Rafael van der Vaart“, hatte zum 1:0 „eingedonnert“ (ein Traumtor!), dann vollendete David „Jaro“ Jarolim 120 Sekunden vor Schluss zum Dreier. Oder am 9. Februar 2000: 3:1-Sieg am Neckar, als Anthony Yeboah ein 2:0 vorgelegt hatte und Mehdi Mahdavikia in der 90. Minute „ganz Hamburg“ mit dem dritten HSV-Tor erlöste. Aber es gab natürlich auch so manche bittere Pleite, die nicht einkalkuliert war. Und damit fängt das Elend für diesen Sonnabend schon an: Immer dann, wenn in Stuttgart gewonnen werden musste, wurde es nichts. Fast immer jedenfalls. Und wenn der HSV dort diesmal keinen Dreier schafft, dann die Saison „beendet“. Soll heißen, sie ist gelaufen. Und endet wieder einmal im Niemandsland.

Aber ich will nicht unken, noch ist sie ja nicht gelaufen. Noch hoffen wir alle. Ihr, die Fans, die Klub-Führung, die Spieler und die Trainer. „Wir müssen jetzt von Spiel zu Spiel denken, aber klar ist auch: Wenn wir überhaupt noch eine Chance haben wollen, dann müssen wir den VfB besiegen. Und ich denke auch, dass wir dort gewinnen können – und mit diesen Gedanken fahren wir auch nach Stuttgart. Wir müssen und wir wollen nach vorne spielen“, sagt HSV-Coach Michael Oenning. Freuen wir uns also auf ein tolles Fußballspiel, denn bekanntlich muss auch der VfB gewinnen, also offensiv spielen, denn noch haben die Schwaben die Abstiegsgefahr nicht ganz gebannt.

Für den HSV sieht es personell nicht gerade rosig aus, denn fest steht, dass Jonathan Pitroipa, Ruud van Nistelrooy, Joris Mathijsen, Marcell Jansen und auch Guy Demel in Stuttgart nicht spielen werden, sie traten den Flug ins Ländle gar nicht erst mit an. Das heißt, dass der HSV vorne etwas ändern muss. Im Moment sieht es so aus, als würde Änis Ben-Hatira die zweite Spitze neben Mladen Petric geben, und Tunay Torun bleibt auf der rechten Seite, Eljero Elia links. Entwarnung gab es am Nachmittag bei Gojko Kacar, der Knöchelschmerzen hatte, der aber das gesamte Training ohne Probleme absolvierte. Im Kader sind diesmal Collin Benjamin, Robert Tesche, Tomas Rincon und erstmalig auch wieder Ersatzkeeper Jaroslav Drobny. Paolo Guerrero ist zwar dabei, dürfte aber noch keine Chance haben, von Beginn an zu stürmen – der Peruaner wird seinen Weg über die Bank machen müssen.

„Ich habe mir Paolo gestern noch einmal geschnappt, habe mit ihm unter vier Augen gesprochen. Er hat sich in dieser Woche im Training bemüht, aber das heißt nun nicht, dass er von Beginn an anfangen wird“, sagt Oenning. Über das Gespräch mit Guerrero verriet er: „Es war eine gute Unterhaltung, denn ich hatte den Eindruck, dass er sich zum ersten Mal darüber klar geworden ist, dass er sich über seine Zukunft klar werden muss. Egal, wo diese Zukunft auch ist, ob beim HSV oder woanders. Er ist nun 27 Jahre alt, er müsste längst ein Führungsspieler sein, mit seinen Fähigkeiten müsste er 30 von 34 Spiele von Anfang an gemacht haben. Von seinen Fähigkeiten her. Es liegt ganz allein an ihm, und nun sehen wir mal, was er daraus machen wird.“

Oft genug hat Paolo Guerrero schon versprochen (oder zu erkennen gegeben), dass er den Ernst der Stunde kapiert hat, aber den Worten folgten nie die dazu nötigen Taten. Ob Michael Oenning da eine andere, eine bessere, oder auch nur eine glücklichere Hand hat? Abwarten. Mir fehlt der Glaube – so ganz allmählich. Ob Oenning auch wirklich daran glaubt, den Peruaner wieder ganz auf die Beine stellen zu können? „Das werden wir herausfinden müssen, aber ich sehe das nicht ganz so negativ. Ich glaube schon, dass die Chance noch besteht, dass er hier in Hamburg glücklich werden kann. Der Schlüssel dazu aber liegt ganz allein bei ihm.“

So war es schon oft. Aber vielleicht erkennt Paolo Guerrero ja endlich einmal, dass ihm hier eine Hand gereicht wird. Dann, wenn er es tatsächlich „schnallt“, dann muss er sich endlich einmal voll in die Sache reinknien. Eventuell schon morgen damit anfangen, wenn er beim Stande von 1:1 in der 78. Minute eingewechselt wird und dann zwei Tore zum 3:1-Erfolg beisteuert. Das wäre doch mal was. Etwas, womit garantiert in dieser Situation niemand rechnet. Aber unberechenbar war Paolo schon immer . . . Aber vielleicht packt er es ja beim sechsten Trainer, nachdem er es bei Thomas Doll, Huub Stevens, Martin Jol, Bruno Labbadia und Armin Veh nicht geschafft hat.

Apropos Labbadia: Für ihn dürfte es ein ganz großer Tag werden, falls er den HSV morgen besiegen sollte. In irgendeinem Interview hat der ehemalige HSV-Stürmer ja gesagt, er wisse bis heute nicht, warum er damals vom HSV vor die Tür gesetzt worden ist. Schade, denn ich hatte gedacht, dass er daraus seine Lehren gezogen hätte, um so beim VfB langfristig arbeiten zu können. Ich jedenfalls weiß, warum Labbadia damals ein viel zu spätes Ende fand in Hamburg – er ließ nach gutem Beginn stetig nach, hatte zum Schluss jegliche Bindung zur Mannschaft verloren. Für mich, das sage ich deutlich, war Bruno Labbadia eine große Enttäuschung, die größte Enttäuschung sogar, er war (beginnend in der Happel-Ära) der schlechteste HSV-Trainer für mich. Aber diese Sache habe ich längst abgehakt, wichtig ist, was nun kommt – und zwar 2011/12 in Hamburg.

Darüber wurde in den letzten Tagen ja genügend vom Stapel gelassen, auch oder vor allem bei „Matz ab“. Michael Oenning kam dabei nicht immer gut weg, oftmals wurde er sogar recht unfair attackiert, aber letztlich ist es ja so: Keiner wird diese Entscheidung mehr rückgängig machen, der HSV geht mit Oenning in die nächste Saison – und ich sage, das ist auch gut so. Gebt dem Mann eine faire Chance, denn ein anderer Trainer, der eventuell aus Holland, Norwegen, Dänemark, England oder auch Portugal gekommen wäre, der wäre vielleicht auch mit sehr viel Skepsis (oder auch weniger?) empfangen worden – und hätte sich auch dann erst beim HSV beweisen müssen.

Bart hin, Bart her. Oder, anders gesagt: Bärtchen hin, Bärtchen her. Obwohl ich dieses „Argument“ als das lächerlichste aller Zeiten einstufen möchte. Und ich kann einige unter Euch Skeptiker vielleicht sogar schon ein wenig beruhigen. Wir hatten heute ein Gespräch mit Oenning, und danach stellten einige Kollegen fest: „Der Mann ist jetzt, wo er fest im Sattel sitzt, viel selbstbewusster geworden. Oenning hat klare Vorstellungen davon, wie bei ihm der Osterhase zu laufen hat, und das wird er seinen Spieler schon beizeiten mitteilen.“ Was uns auch auffiel: Oenning sagte in den letzten Wochen viel, ohne Großes mitzuteilen. Das war teilweise wie bei Olaf Thon oder beispielweise Lothar Matthäus, die beiden Dampfplauderer auf dem Weg zur Fußball-Unsterblichkeit: Die sagen auch immer viel, ohne etwas zu sagen. Oenning heute aber war nicht nur auskunftsfreudig, er hatte auch etwas zu sagen. Das fiel uns, möchte ich nebenbei erwähnen, auf.

„Die Situation jetzt ist eine andere, ich fühle mich schon befreiter“, sagt Oenning, „jetzt werden die Dinge dynamischer. Die sind zwar schon da, aber viele waren bislang sehr vage, aber jetzt kann man sie konkretisieren.“ Und dann wird er auch konkreter: „Nehmen wir mal das Beispiel Piotr Trochowski. Oder auch Collin Benjamin. Das sind Jungs, die bald nicht mehr da sind. Es sind dennoch Jungs, die ich mag. Ich weiß aber nicht, ob wir es schaffen, sie auf den Platz zu kriegen, damit sie hier auch noch mal spielen. So lange wir noch die Chance haben, den fünften Platz zu schaffen, muss ich mir das ganz genau überlegen. Und ich muss mir schon Gedanken machen, wer in der nächsten Saison noch da ist und wer nicht. Obwohl ich nicht sage, dass derjenige, der hier weg geht, keine Chance mehr hat, hier zu spielen.“ Dazu passend sind gerade die beiden Namen ja auch im aktuellen Kader für Stuttgart.

Oenning führt in diesen Tagen viele Einzelgespräche, um auszuloten, wer noch bei 100 Prozent ist, wer mit seinen Gedanken eventuell schon beim nächsten Klub ist. Beispiel Trochowski. Oenning: „Er trainiert im Moment wirklich gut, er wirkt auf mich sehr befreit.“ Das mit dem „guten Training“ kommt mir bekannt vor, weil das eigentlich jeder Trainer gesagt hat. Das „befreit“ fehlte dabei immer, aber vielleicht ist es genau jener Zusatz, der dazu führen könnte, dass „Troche“ „seinem“ HSV in der Endphase doch noch einmal helfen könnte. Vielleicht. Ich denke da an die Nachspielzeit von Frankfurt . . .

Eine letzte Frage habe ich Michael Oenning ganz zum Schluss unseres Gespräches noch gestellt. Ich hatte gelesen, dass er – in etwa so – gesagt hatte, dass „der HSV seine Ansprüche ein wenig zurückschrauben müsste“. Wie war das gemeint? Oenning: „Nicht zurückschrauben, sondern der Realität anzupassen. Das heißt, wir müssen erst einmal sehen, wer uns in der neuen Saison zur Verfügung steht. Wie sieht der Kader im Endeffekt aus? Dann gibt es eine Vorbereitung, dann wird man ungefähr sehen, was wir für eine Leistungsstärke haben, dann kann man besser abschätzen, was wir erwarten können, was wir nicht erwarten können. Und dann muss man das realistisch beurteilen. Ich kann nicht im Vorfeld sagen, dass der internationale Wettbewerb völlig ausgeschlossen ist – wenn plötzlich einige Dinge ganz gut funktionieren. Ich kann aber auch nicht hingehen und sagen, dass der HSV Platz drei aber auf jeden Fall immer schaffen muss. Das mache ich nicht. Dann muss man das versuchen zu transportieren. Klar kann ich für mich in Anspruch nehmen, wenn es denn tatsächlich diesen Umbruch gibt, wonach es ja jetzt aussieht, dann kann man nicht im ersten Drittel der Saison schon sofort bei 100 Prozent sein. Das war eigentlich der Hintergrund dieser Geschichte. Ob das dann so kommt, ob das auch alle teilen, das weiß ich nicht, das muss man mal abwarten. Deswegen wäre es schon klug, wenn man von Gesamt-Vereinsseite da genau hinschauen würde.“

Apropos hinschauen: Bei herrlichstem Sonnenschein haben heute um die 300 Trainingskiebitze ganz genau hingesehen, was auf dem Rasen passierte. Zuerst wurde Handball gespielt – mit Kopfballabschluss. Wobei mir Mladen Petric besonders gut gefiel, er köpfte die meisten Tore. Ein Kunststück brachte Robert Tesche fertig, der einen Ball SEINER Mannschaft von der Torlinie (!) ins Feld zurückköpfte – da brachen einige seiner Mitspieler doch ein wenig zusammen.
Nach der Handball-Übung folgte das fast schon übliche „Fünf-gegen-zwei-Spiel“, danach ein Kurz-Turnier zwischen drei Mannschaften – nach einer Stunde war Ende. Und Abflug.

Ein ganz kleiner Zusatz sei noch erlaubt: In dieser Woche las ich einen Satz von Jürgen Klopp, dem Dortmunder Meistertrainer. Er sagte etwas, wo jeder Fans (egal welchen Klubs) einmal genau hinhören sollte: “Wir, Borussia Dortmund, sind nicht in der Lage, Millionen für einen neuen Spieler auszugeben, so wie es beispielsweise Leverkusen macht. Wir werden wieder versuchen, einen Spieler wie Kagawa zu finden, den wir dann mit 250 000 Euro verpflichten.” 250 000 Euro. Es geht doch. Man muss eben nur sehr genau hinsehen, sehr genau. Und genau das liegt am HSV. Und an Frank Arnesen. Dass es geht, das hat Borussia Dortmund schon genügend bewiesen, und genau das will Dortmund nun noch einmal und noch einmal und noch einmal beweisen. Zur Nachahmung empfohlen!

Ich wünsche Euch und Euren Lieben ein schönes, friedliches und sonniges Osterfest. Und drei Punkte aus Stuttgart.

19.14 Uhr

Ich gebe die Hoffnung bei Elia nicht auf

21. April 2011

Ich gebe zu, auch ich war einer derjenigen, die gestern das spanische Pokalfinale gesehen und sich immer wieder über die teilweise unfassbaren Kombinationen und Ballfertigkeiten einiger Spieler gefreut haben. Dabei muss ich zugeben, dass das lange nicht das beste „El clasico“ war. Aber auch eine Niveaustufe tiefer als sonst hatten Barca und Real Madrid vieles zu bieten, was in der Bundesliga selten bis nie vorkommt. Auch nicht beim HSV. Schon deshalb war mein Gedankenspiel, welcher HSVer da mithalten und in keinem der beiden Weltklasseteams negativ auffallen würde, schnell beendet.

Das allerdings dann doch mit zwei Namen: Zé Roberto, ob seiner unfassbar eleganten Ballbehandlung und Handlungsschnelligkeit. Und Eljero Elia – der allerdings nur für den Fall, dass er die Form erreicht, die ihm die Experten zutrauen, die er in Hamburg aber nur auszugsweise und viel zu selten gezeigt hat.

Auch deshalb bleibt Elia, der für mich trotz aller Enttäuschungen zuletzt noch immer zu den talentiertesten Außenstürmern der Welt zählt, eine der meist diskutierten HSV-Personalien. Ich habe den Niederländer bei seiner Ankunft vor zwei Jahren als unbekümmerten, hochtalentierten Neunationalspieler und jungen Familienvater mit unglaublich hohen Zielen kennengelernt. Und das ist er heute noch. Mit dem Unterschied, dass er inzwischen Vizeweltmeister ist und seine einst formulierten Ziele in Relation zu seinen Leistungen beim HSV (diplomatisch formuliert) nicht korrespondieren. Auch deshalb erwägt inzwischen der HSV, den Außenstürmer möglichst teuer zu verkaufen. Weil man das Geld braucht – aber nicht den Elia, der aktuell in Hamburg aufläuft.

Umso gespannter war ich auf das erste Interview Elias seit Ewigkeiten, das mein geschätzter Kollege Kai Schiller mit ihm in dessen Villa an der Elbe führte. Und herausgekommen ist ein sehr nettes, lesenswertes Gespräch, das ich hier für Euch alle freischalten möchte und aus dem ich zwei lehren gezogen habe: Elia ist durchaus in der Lage, seine aktuelle Situation zu beurteilen. Und zweitens, Elia schließt erneut nicht aus, im Sommer zu gehen. Aber lest selbst:

Abendblatt: Herr Elia, Sie haben in der Rückrunde keine Interviews mehr gegeben. Haben Sie sich rar gemacht?
Eljero Elia: Ich habe mich nicht rar gemacht, aber ich habe mich sehr geärgert. Alles hat im Trainingslager in Dubai angefangen. Da wurde ich gefragt, was mein Traumverein sei. Ich habe ganz ehrlich geantwortet, dass meine Traumvereine Barcelona und Arsenal London seien und plötzlich hieß es am nächsten Tag, ich träume nur noch davon, zu Barcelona oder Arsenal zu wechseln. Sogar in den Niederlanden wurde überall berichtet, dass ich nur noch an Barcelona und Arsenal denke.
Abendblatt:Sie fühlten sich missverstanden?
Elia: Ich habe nie gesagt, dass ich zu Barcelona oder Arsenal wechseln will, schon gar nicht sofort. Aber irgendwie hat mir keiner mehr geglaubt. Als ich dann mal ein Spiel nicht so gut spielte, haben die Leute angefangen Witze zu machen. Elia spielt schlecht, träumt aber von den großen Vereinen in Europa, sagten alle. Auch in der Kabine haben sie Witze über mich gemacht, sogar der Trainer hat mich auf den Arm genommen. Ich wurde nicht mehr respektiert. Irgendwann war der Moment gekommen, wo es mir reichte. Deswegen wollte ich keine Interviews mehr geben.
Abendblatt: Ist Ihnen wichtig, was andere über sie denken?
Elia: Nein. Mir ist egal, was andere von mir halten. Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl, der gerne Spaß hat. Und dann spiele ich auch gut Fußball.
Abendblatt: Wie geht es Ihnen jetzt?
Elia: Jetzt geht es mir besser. Wenn ich keinen Spaß habe, dann stimmt auch irgendetwas nicht, dann bin ich nicht gesund. Aber diese Phase habe ich endlich abgehakt.
Abendblatt: Haben Sie aus dieser Phase gelernt?
Elia: Ich sage weiter, was ich denke und probiere dabei, immer ehrlich zu sein. Aber ich will mir meine Träume nicht nehmen lassen.
Abendblatt: Gibt es jemanden, den Sie manchmal um Rat bitten?
Elia: Ich spreche sehr viel mit meinem Berater Frank Schouten. Sein Rat ist mir wichtig. Wir sprechen nicht nur über Fußball, sondern auch über Privates. Ich will mir zum Beispiel gerade ein Haus in Holland kaufen, dabei hilft er mir. Er sorgt dafür, dass ich mich für die Zukunft absichere.
Abendblatt: Sie sind erst 24 Jahre alt, haben aber schon eine zwei Jahre alte Tochter. Fühlen Sie sich manchmal überfordert?
Elia: Ich fühle mich nicht überfordert, aber am Anfang war es schon sehr hart. Ich bin mit 22 Jahren Vater geworden und in ein fremdes Land gewechselt. Damals wuchs mir schon das eine oder andere über den Kopf. Mir fehlten meine Freunde und meine Familie. Aber nach und nach wurde es einfacher. Meine Tochter Sael ist das Wichtigste in meinem Leben.
Abendblatt: Sind Sie ein strenger Vater?
Elia: Nicht wirklich. Letztens hat Sael mit roten Filzstiften auf unserer weißen Wand gekritzelt. Ich konnte ihr aber einfach nicht böse sein.
Abendblatt: Wie ist die Rollenverteilung im Hause Elia?
Elia: Natürlich kümmert sich meine Freundin etwas mehr um die Kleine. Aber wenn Sael nachts schreit, dann wechseln wir uns ab.
Abendblatt: Wird auch in der Kabine über Erziehungsmaßnahmen gesprochen?
Elia: Wir haben viele junge Papas in der Mannschaft. Natürlich reden wir auch über unsere Kinder. Aber es geht weniger darum, wo man die billigsten Pampas kaufen kann. Darüber unterhalten sich wohl eher unsere Frauen.
Abendblatt: Hat Ihre Freundin ein Mitspracherecht, ob Sie zu einem anderen Klub wechseln?
Elia: Nein. Natürlich reden wir über alles, aber am Ende muss ich entscheiden.
Abendblatt: Ist es möglich, dass dieses Ihr letztes Interview in Hamburg war?
Elia: Wie kommen Sie darauf?
Abendblatt: Seit Wochen wird darüber berichtet, dass Sie im Sommer verkauft werden sollen.
Elia: Das habe ich auch gelesen, aber ich weiß von nichts. Ich habe weder mit Bastian Reinhardt noch mit Frank Arnesen geredet. Über meine Zukunft wird erst im Sommer entschieden.
Abendblatt: Was wünschen Sie sich?
Elia: Ich will nur eines: Fußball spielen und glücklich sein.
ENDE

Kein Gespräch mit den Sportchefs? Das klingt seltsam. Allerdings schließt Elia damit auch nicht aus, dass sein Berater mit Arnesen und Reinhardt gesprochen hat. Und dem Vernehmen nach würden beim HSV alle gern weiter auf Elia setzen und hoffen auf den großen Durchbruch. Allerdings würde in der aktuellen Finanzsituation der Bedarf, eine teure Ablösesumme zu kassieren, überwiegen. Womit dann ein weiterer Spieler, dem man überdimensionales Potenzial nachsagt, gehen würde. Unverrichteter Dinge – wie zuvor schon Piotr Trochowski…

Ebenfalls wirkungslos, zumindest am Sonnabend in Stuttgart, bleiben Joris Mathijsen (Knöchel), Jonathan Pitroipoa (Muskelbeschwerden) und Marcell Jansen (Hüftbeuger), die heute allesamt fehlten und frühestens morgen im Abschlusstraining einsteigen können. „Es wird ganz eng. Eine einzige Einheit reicht wahrscheinlich nicht“, sagt Trainer Michael Oenning, der sich allerdings auch rechtzeitig über zwei Rückkehrer freuen durfte. Guy Demel und Mladen Petric. Beide trainierten voll mit und sollen auch beim VfB einsatzbereit sein.

Ebenso wie Elia, von dem ich persönlich hoffe, dass er zeigt, was viele in ihm wähnen. Und dass er so dem HSV noch lange erhalten bleibt.

In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Osterfest und ein paar erholsame Tage mit Blogvater Dieter und einem Auswärtsdreier bei Bruno…

Scholle

18.25 Uhr

P.S.: Am Freitag wird um 13 Uhr an er Imtech-Arena trainiert.

Arnesen lobt Oenning in den höchsten Tönen

20. April 2011

Grundsätzlich besteht Einigkeit, zusammenarbeiten zu wollen. Einzig die Laufzeit und finanzielle Dinge gilt es noch zu klären, bevor Michael Oenning am Donnerstag oder am Freitag – da wäre auf der Pressekonferenz um 13.30 Uhr ein würdiger Rahmen geboten – seinen Cheftrainer-Vertrag unterschreibt. „Ich habe mich im letzten Monat sehr intensiv mit Michael Oenning ausgetauscht. Wir haben über seine Fußballphilosophie, verschiedene Systeme, wie er trainiert und über jeden einzelnen Spieler gesprochen. Da habe ich gemerkt: So ein Mann muss die Chance bekommen, unser Trainer zu sein“, erklärt Arnesen seinen Entschluss.

Der Däne, der aktuell in Verhandlungen mit seinem Noch-Arbeitgeber FC Chelsea steht, um seinen Vertrag vorzeitig aufzulösen und schon früher beim HSV beginnen zu können, ließ heute eine richtige Lobeshymne los. „Man darf nicht vergessen, dass er beim HSV in einer sehr schwierigen Phase zum Cheftrainer befördert wurde“, mahnt Arnesen, „Michael ist kein Theaterspieler. Er überlegt gut was er sagt und ist sehr klar im Gespräch“, sagt Arensen, dem insbesondere Oennings Ehrgeiz gefällt. „Das merkt man daran, dass er die Europa League noch nicht abgeschrieben hat. Das gefällt mir”, so Arnesen, „Michael ist alles in allem im Moment der richtige Mann für uns. Er kann sehr gut mit jungen Spielern arbeiten, sie führen, entwickeln und hat einen sehr guten Überblick über den Markt. Michael ist sehr klar im Gespräch.“

Und Oennings Art kommt an. Zumindest sagen das die aktuellen Spieler. „Ich bin von ihm überzeugt und freue mich, dass er bleibt“, sagt Dennis Aogo und wird von David Jarolim unterstützt: „Er hat eine klare Spielphilosophie und ich habe den Eindruck, dass sich jeder einzelne Spieler unter ihm verbessern wird“. Worte, die allerdings nur logisch sind und nicht überbewertet werden dürfen. Schließlich wären öffentliche Kritik oder Zweifel an Oenning für den jeweiligen Spieler sicher nicht von Vorteil…
Wie dem auch sei, im Gegensatz zu meinen Nürnberger Kollegen, die sich mehrheitlich sehr kritisch äußern, hat Frank Arnesen nahezu ausschließlich positive Infos über seinen aktuellen und Weiterhin-Cheftrainer eingeholt. Zuletzt hatte er sich sogar noch einmal bei Dick Advocaat erkundigt, unter dem Oenning zwischen November 2004 und April 2005 als Co-Trainer arbeitete. „Ich habe sehr viele positive Informationen über ihn bekommen“, verrät Arnesen, der insbesondere Oennings Art für den geplanten Umbruch als vorteilhaft ansieht.
Harmonische Worte. Nicht weniger – aber auch nicht mehr. Inwieweit sich der HSV wirklich dem Umbruch mit allen Facetten verschreibt, werden wir in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten sehen, wenn es erste Neuverpflichtungen sowie Verkäufe zu vermelden gibt. Wie nachhaltig Arnesens Worte sind, werden wir spätestens dann merken, wenn der HSV seine erste Krise (die hoffentlich ausbleibt!) hat.

Allerdings, das nur mal kurz in eigener Sache, auch hier sollten wir alle versuchen, niemanden vorzuverurteilen. Zumal das für den HSV kontraproduktiv sein könnte und wir uns damit ins eigene Fleisch schneiden. Gerade bei einem derart gewagten Schnitt, wie ihn der Klub seit Monaten ankündigt, ist geduld gefragt. Von allen Seiten. Und nur um das klarzustellen, ich werde hier von niemandem die Meinung kritisieren, das steht mir nicht, das steht niemandem zu. Im Gegenteil: Jeder kann und soll ja seine Meinung haben von Oenning. Er soll sie auch frei äußern dürfen, zumindest hier im Blog. Völlig egal in welche Richtung es dabei geht. Aber wir alle, vom derbsten Kritiker bis zum großen Oenning-Freund, sollten ihm zumindest eine faire Chance geben, sich zu beweisen. Und dafür kann nicht die Schlussphase der Saison herhalten, in der der 45-jährige Münsterländer eine Mannschaft übernommen hat, die mehr Baustellen aufwies als die Stadien der nächsten EM-Gastgeber. Nein, ein erstes echtes Resümee kann frühestens in der nächsten Winterpause gezogen werden – und ich bin mir ganz sicher, dass auch Michael Oenning sich dieser Abrechnung schonungslos stellen wird.
Dabei helfen, dass es eine erfreuliche Bilanz wird, möchte Änis Ben-Hatira. Schon gegen Stuttgart am Sonnabend könnte der Offensivspieler neben oder leicht hinter Mladen Petric stürmen. „Ich habe das in den ersten drei Spielen der Rückrunde gespielt“, erinnert sich Änis, „und das war glaube ich ganz gut“, sagte er uns heute. Aber richtig glücklich wirkte er nicht, wie er da saß und auf die Fragen nach seiner bevorstehenden Vertragsverlängerung immer wiederholen musste: „Es gibt nichts Neues. Es gibt noch nicht einmal ein richtiges Angebot.“

Dabei saßen Änis Ben-Hatiras Berater Klaus Gerster und Noch-HSV-Sportchef Bastian Reinhardt am Dienstag zusammen und besprachen, was schon seit der Winterpause angedacht ist: Ben-Hatiras Vertragsverlängerung bis 2014. Allerdings erneut ohne Ergebnis. Erfreulicheres wusste Ben-Hatira vom letzten Heimspiel zu berichten, denn dort hatte er sich – weil gelbrot-gesperrt – in die Fankurve begeben. „Im Collin-Benjamin-Trikot“, so der Offensivmann, „ich sah aus wie ein Fan, da haben die mich erst gar nicht bemerkt.“ Das gesamte Spiel über trommelte und sang er mit der Fan-Gruppierung „Chosen few“. „Das war richtig gut. Es ist unglaublich, wie viel Leidenschaft die da reinbringen“, so Ben-Hatira, der einen weiteren Besuch in der Ecke Nordwest nicht ausschließen wollte. „Obwohl ich natürlich viel lieber auf dem Platz stehen möchte“, so Änis, „auf jeden Fall denke ich jetzt nicht zu weit voraus und stecke meine ganze Energie in die letzten vier Spiele. Egal auf welcher Position.“

Auch das klingt gut. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: ich hoffe, dass wir alle noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren und das schaffen, was eher unrealistisch ist und was diese schattenreiche Saison vielleicht auch gar nicht verdient hat: die Europa League. Ohne dabei den Blick nach rechts oder links schweifen zu lassen – es zählt nichts mehr als die letzte, minimale Chance…

In diesem Sinne, im Abspann noch ein paar letzte Fakten,

Bis morgen,

Scholle

19.05 Uhr

Letzte Fakten:
Marcell Jansen brach das Training nach 35 Minuten ab. „Ich habe Probleme mit dem Hüftbeuger und will vorsichtig sein“, so Jansen. Die Probleme seien allerdings von gestern zu heute schlimmer geworden. Ob damit auch sein Einsatz gegen Stuttgart gefährdet ist, soll sich am Freitag entscheiden.
Joris Mathijsen (Knöchel) wird voraussichtlich auch gegen Stuttgart nicht dabei sein können. Der Niederländer drehte seine Runden auf dem Fahrrad im Volkspark, Jonathan Pitroipa (Muskel), Mladen Petric (Muskel) und Guy Demel (Grippe) absolvierten einen leichten Waldlauf.

HSV-Trainer Oenning: “Ich lebe meinen Traum”

19. April 2011

Am Montag hatte er mal wieder mit dem designierten Sportchef Frank Arnesen zusammengesessen. Stundenlang wurde über Fußball gefachsimpelt – diesmal allerdings mit einem konkreten Ergebnis: Michael Oenning bleibt Cheftrainer auch in der neuen Saison. Der 45-Jährige soll zusammen mit dem neuen, designierten Sportchef Frank Arnesen den personellen Umbruch sportlich erfolgreich umsetzen.

Soweit so gut.

Aber die Fragen häufen sich. Wer geht? wer kommt? Was bedeutet eigentlich „Umbruch“ für den HSV? Kurzum: Wie soll der von allen immer wieder zitierte Umbruch eigentlich aussehen?

Auch Oenning vermag darüber noch keine Antwort zu geben. Noch immer gibt es zu viele Variable zu beachten. Vor allem der Kader ist in seiner letzten Konstellation offenbar noch überhaupt nicht bestimmt. Lediglich eine gemeinsame Wegbeschreibung Oennings und Arnesens gibt es. Dabei fallen natürlich die zuletzt inflationär benutzten Begriffe „Umbruch“ und „junge Talente“. Ob es denn schon einen klaren Plan gibt? „Wir werden den neuen Vertrag in den nächsten Tagen vom Tisch kriegen“, glaubt Oenning und kann/will der Situation entsprechend erst mal nur ausweichend antworten: „Anschließend werden wir alles im Detail besprechen. Klar ist auf jeden Fall, dass eine Menge Arbeit auf uns wartet.“

Soweit nichts Neues. Der Münsterländer soll den Umbruch beim HSV in der neuen Saison begleiten. Dabei werde ein erhöhtes Augenmerk auf der Zusammenstellung der Defensive liegen. „Wir haben im Moment nur zwei Innenverteidiger, und davon ist Gojko Kacar sogar noch ein eigentlicher Mittelfeldspieler.“ Zudem muss mit dem Verkauf von Demel gerechnet werden, womit die Rechtsverteidigerposition wenigsten einen Backup für Dennis Diekmeier braucht.

Oenning weiß um die Probleme. Und er baut schon mal vor, versucht die chronisch hohe Erwartungshaltung in Hamburg zu senken. „Es gibt nichts Schlimmeres, als hohe Erwartungen, die enttäuscht werden. Aber genau das spüre ich hier.“ Anschließend nahm Oenning das Spiel gegen Hannover als Beispiel. Das 0:0 war von uns Journalisten wie von etlichen Fans als eher enttäuschend abgeurteilt worden. Eine Einschätzung, die Oenning („Das Spiel hatte eine hohe Intensität, wir haben wenig zugelassen, aber leider auch zu wenig selbst kreiert“) nicht wirklich teilen wollte.

Vor allem aber sieht sich Oenning als Hauptentscheidungsträger einer neuen HSV-Ära: die der jungen Wilden. Und ein solcher Umbruch ist gerade für Trainer schwierig, da sich der gemeine Fan selten mit weniger zufrieden gibt, als er vorher hatte und damit nicht selten die Vereinsführungen in Handlungsnot bringt. „Wir wären als Verein generell gut beraten, den eigenen Anspruch auf ein normales Maß zu setzen, denn wir werden eine Menge Erfahrung verlieren. Da müssen andere Spieler erst noch reinwachsen. Das ist eben, was einher geht mit dem Umbruch: er wird Zeit brauchen.“ Trotzdem, darauf setzt Oenning, wird das Ziel immer das Erreichen eines internationalen Wettbewerbes bleiben. „Das ist klar“, so Oenning, der dennoch vor zu hohen Erwartungen warnt: „Die Frage ist aber, ob wir uns dafür gleich den ganz großen Hut aufsetzen müssen?“

Müssen sie nicht – können sie auch gar nicht. Das wäre lediglich falscher Druck. Klar ist nämlich, dass gespart werden muss. Und dazu zählen auch Verkäufe. Ich werde hier nicht erneut Namen spekulieren, ihr wisst eh alle, wer infrage kommt. Nein, ich will dafür aber eine Hoffnung bringende Personalie aufwärmen: Ilkay Gündogan. Bei dem rund sechs Millionen Euro teuren „Talent“, an dem neben dem HSV zuletzt sogar der FC Bayern und aktuell auch noch der designierte Deutsche Meister Dortmund interessiert waren bzw. sind, gilt Oenning als Entdecker und erster Förderer. Oennings Verbleib in Hamburg dürfte die Chancen für den HSV generell verbessert haben. Ob Oenning bereits die frohe Kunde bei Gündogan als weiteres Pro-Argument für einen Wechsel an die Elbe überbracht hat? Oenning lacht und weicht aus: „Dazu sage ich jetzt mal nichts. Aber meine Aussage von letzter Woche hat noch Bestand.“ Und die lautete: Gündogan hat sich zumindest noch nicht gegen den HSV entschieden.

Ja, und mehr scheint in Sachen Umbruch noch nicht beschlossen. Keine Verkäufe, keine Neuen. Alles noch so unklar wie Oennings Vertragssituation, die sich durch die Beförderung grundsätzlich ändern dürfte. Ob und für wie viele Jahre der eigentlich bis 2012 laufende Vertrag Oennings verlängert wird, ist weiter offen. Und für den neuen Cheftrainer auch erst einmal Nebensache. „Es ist eine große Ehre für mich. Wenn man als Trainer einen Traum leben darf, würde sicher keiner den HSV ausschließen.“

Beim Training musste der neue Cheftrainer gleich auf sieben Spieler verzichten. Während Romeo Castelen das erste Mal wieder voll mit der Mannschaft mittrainierte, fehlten Mladen Petric und Jonathan Pitroipa mit muskulären Problemen, während Guy Demel nach seinem Magendarm-Infekt das Aufbautraining aufnahm und Ruud van Nistelrooy (Muskelfaserriss) sich ebenso wie Joris Mathijsen (Knöchel) nur behandeln ließ. Zudem konnte Zé Roberto wegen eines privaten Termines vormittags nicht trainieren und Gojko Kacar brach wegen leichter Knöchelprobleme vorzeitig ab. Und während bei van Nistelrooy nur noch geringe Chancen auf einen Einsatz in dieser Saison stehen, Joris Mathijsen für die Partie am Sonnabend in Stuttgart äußerst fraglich ist und Oenning einen Einsatz Castelens in dieser Saison kategorisch ausschloss, sollen alle anderen Angeschlagenen kurzfristig wieder dabei sein können. Ebenso wie Collin Benjamin, der nachmittags wie auch der weiter verhinderte Drobny (Daumenbruch) fehlte.

Dem Torwart konnten auch die aufmunternden und viel versprechenden Worte des neuen Cheftrainers nicht zu alter Gesundheit verhelfen. „Er kann sicher die neue Nummer eins sein. Drobny ist für die kommende Saison auf jeden Fall nominell der erste Torwart“, lobte Oenning. Und der Tscheche kann sich relativ sicher sein, dass der HSV keine neue Nummer eins holt. „Der neue Torwart sollte Konkurrenz machen können“, so Oenning, der zugleich die klammen Finanzen ins Spiel bringt: „In unserer finanziellen Situation macht es keinen Sinn, Geld für einen Torwart auszugeben.“

Viel, viel sinnvoller war dagegen die heutige Aktion der Mannschaft nach dem Nachmittagstraining. Ganz im Stile der neuen Vereinsphilosophie nahmen sich alle Spieler im Anschluss an die Übungseinheit die Zeit, um den knapp 400 – 500 Fans (zumeist Kinder, die gerade Ferien haben) Autogramme zu schreiben. Das war löblich, das kam gut an. Und das sollte nur ein Vorgeschmack auf das sein, was kommt. Denn eines sollte auch uns hier im Blog klar sein: es wird nächste Serie noch schwerer als diese. Und es wird mehr denn je darauf ankommen, dass alle zusammenhalten und in den vermeintlich schwereren Phasen Geduld haben. So, wie es die einst schon fast zwangsabgestiegenen weil zahlungsunfähigen Dortmunder es geschafft haben. „Es ist immer einfacher, wenn man unbefangener agieren kann“, umschreibt Oenning die finanzielle Situation des Klubs diplomatisch, „aber so werden wir sehenden Auges gezielt Abstriche machen müssen. Wir müssen einfach kreativer sein als die anderen. Und ganz ehrlich, ich glaube, dass wir eine gute Mannschaft zusammenstellen werden.“

Ab jetzt. Jetzt soll es endlich richtig los gehen. Und ehrlich, ich bin gespannt. Denn, so platt der Spruch von Oenning „In jedem Anfang steckt auch eine Chance“ auch ist, er ist richtig.

Und viel aufreibender als diese Saison kann es eigentlich kaum noch werden.

In diesem Sinne: Hoffen wir auf die Fähigkeit der neuen Entscheidungsträger und baldige erste Ergebnisse.

LG,
Scholle

18.45 Uhr

P.S.: Mittwoch wird um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

P.P.S.: Auf die Frage, wer den länger ausfallenden van Nistelrooy im Angriff neben Mladen Petric ersetzen wird, nannte Oenning Paolo Guerrero als erste Alternative. “Wenn er alles in die Wagschale wirft, was er hat, ist er der Favorit.” Da das zuletzt nicht der Fall war und der Peruaner durch Undiszipliniertheiten teilweise aus dem Kader gestrichen worden war (“Er hat sich selbst rausgenommen”), seien auch Änis Ben-Hatira und Heung Min Son Alternativen, so der neuen HSV-Cheftrainer.

Oenning ist es!

18. April 2011

Nun ist es raus: Michael Oenning bleibt Chef-Trainer des HSV. Erwartungsgemäß, möchte ich sagen, denn mein Bauch hat seit Tagen oder Wochen nichts anderes gesagt. Heute war der neue Sportchef Frank Arnesen zu einem Blitzbesuch in Hamburg, er sprach mit dem Vorstand und mit Oenning, dann stand fest: die Trainerfrage ist geklärt. Es fehlen jetzt nur noch einige Kleinigkeiten, es fehlt die Unterschrift von Oenning, aber das soll spätestens am Mittwoch in trockenen Tüchern sein. Damit haben sich schlagartig auch alle anderen Kandidaten erledigt, denn heute wurde ja auch noch einmal Stale Solbakken ganz, ganz heiß gehandelt. Vorbei, Ende, vom Tisch. Oenning ist es.

Was in meinen Augen auch Sinn macht, denn der Nachfolger von Armin Veh stand ohnehin noch bis 2012 auf der Gehaltsliste des HSV. So muss kaum etwas verändert werden, wahrscheinlich nur das Gehalt (Anhebung nach oben) und eine eventuelle Ausstiegsklausel, die dann für beide Seiten gilt. Peanuts also.

Da die gesamte Mannschaft für diese Regelung plädiert hatte, dürfte sich für abwanderungswillige Spieler die Situation kaum bis überhaupt nicht verändert haben. Jeder muss damit klarkommen – oder sich fragen, ob er mit Oenning kann. Nach außen hin war diese Frage schon beantwortet, nun könnte es eher umgekehrt kommen: Der 45-jährige Oenning wird ganz sicher den einen oder anderen Namen nennen, mit dem er in Zukunft nicht mehr möchte. Und diese Liste, so könnte ich mir vorstellen, dürfte nicht ganz so kurz sein.

Junger Trainer, junger Sportchef – junge Mannschaft? Schön wäre es ja. Und auf jeden Fall ist der HSV ja jetzt schon auf einem guten Weg.

Wenn ich allein an die rechte Seite denke: Seit Dennis Diekmeier den Posten von Guy Demel übernommen hat, seit dieser Zeit herrscht Ruhe. Ist das schon aufgefallen? Über hinten rechts wird kaum noch diskutiert. Und vorher war fast nach jedem Spiel die Hölle los. Diekmeier hat sich von Spiel zu Spiel verbessert, er löst auch hinten, in der Defensive, die ihm gestellten Aufgaben immer besser – und nach vorne ist er ohnehin dynamischer als Demel, der selten auch einmal – im Gegensatz zu Diekmeier – eine gute Flanke hinbekommen hat. Diekmeier rechts, Dennis Aogo links, das sind schon mal zwei Positionen, die mit jungen Leuten für eine erfolgreiche HSV-Zukunft ausstaffiert wurden.

Und nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass Arnesen aus dem europäischen Fußball noch das eine oder andere Talent an der Angel, das noch für etwas „Kleingeld“ zum HSV kommen würde, kommen will – kommt. Wenn ich das mit Borussia Dortmund vergleiche: Der neue deutsche Meister hatte auch eine magere Strecke zu durchlaufen, musste (!) dabei gezwungenermaßen auf junge Leute setzen – und blüht nun endgültig in diesem Jahr auf. Mit einem jungen Trainer. Und dieser Trainer hatte dem HSV kürzlich, vor etwas mehr als einer Woche, noch eine „ruhige Hand“ bei der Findung eines neuen Trainers gewünscht. Klopp hatte sich dabei ganz deutlich für Oenning positioniert. Und sein Wort wurde erhört.

Ich glaube, dass der HSV in dieser Trainer-Findung gar keine andere Wahl hatte, als auf Michael Oenning zu setzen:

Erstens: Die Mannschaft hatte sich ganz klar für ihren neuen Chef ausgesprochen.

Zweitens: Der HSV hat, was in den letzten Wochen immer klarer wurde, kaum noch Geld in der Kasse. Wenn er einkaufen will, dann muss erst einmal kräftig verkauft werden. Und dieses dabei „gewonnene“ Geld sollte dann doch besser in neue Spieler angelegt werden als für einen „Trainer-Überflieger“.

Drittens: Weil er HSV kaum noch Geld kann, hätte er in Sachen Trainer-Neuverpflichtung ganz sicher keine „große Lösung“ machen können, soll heiße, dass man sich von den ganz großen Namen von vornherein hätte verabschieden können. Und auch von der zweiten Reihe der Trainer-Zunft, der zum Beispiel ein Martin Jol angehört. Der HSV hätte auf Trainer der Kategorie Funkel, Favre, Koller, Neururer zurückgreifen müssen, und das hätte auf jeden Fall für einen kleinen bis mittleren Fan-Aufstand gesorgt. So aber, wenn Oenning jetzt bleibt, nehmen sich die Proteste (es gibt sicher dennoch einige) doch eher gering aus.
Viertens: Oenning ist bezahlbar – und schon deswegen eine gute Lösung für den HSV.

Für Michael Oenning hatte sich schon vorher auch Hamburgs größte Fußball-Größe aller Zeiten ausgesprochen. Deswegen zeigte sich Uwe Seeler von der jetzigen Lösung wenig beeindruckt: „Damit hatte ich fest gerechnet. Das bot sich ja auch an, denn Oenning hatte noch einen Vertrag bis 2012, er steht also ohnehin auf der Gehaltsliste, und wenn der HSV dann hier und da noch Geld für einen anderen Trainer ausgegeben hätte, dann hätte das keinen Sinn gemacht.“ „Uns Uwe“ erwartet nun einen Neuaufbau beim HSV, und er setzt dabei auf den jungen Trainer: „In der Bundesliga haben sich in dieser Saison einige jungen Trainer einen ausgezeichneten Namen gemacht, die machen ihre Sache allesamt gut – dazu könnte schon bald auch Michael Oenning gehören.“

Im Hinblick auf die neue Saison sagt Uwe Seeler: „Sportchef Frank Arnesen wird schon dafür sorgen, dass hier eine neue Mannschaft aufgebaut wird. Die Mischung muss stimmen, die Mischung hat in dieser Saison nicht so gestimmt, wie man es erwartet hatte – daran wird ganz sicher hinter den Kulissen gearbeitet, da machen sich die Verantwortlichen ganz sicher schon eifrig Gedanken.“
Davon bin ich, wie gesagt, auch fest überzeugt.

So, außer Oenning aber (heute) nichts gewesen. Der Sport-Informationsdienst (SID) hat, das möchte ich Euch nicht vorenthalten, kurz über Frank Rost berichtet:

„Nach dem Auslaufen seines Vertrages beim Fußball-Bundesliga-Klub HSV zum Saisonende liebäugelt Torhüter Frank Rost weiter mit einem Wechsel ins Ausland, einen Transfer innerhalb der Bundesliga schließt er aus. „Mich würde das Ausland reizen, aber es müsste passen und die Option müsste auch sportlich vernünftig sein“, sagte der 37-Jährige dem Kicker.
Das Comeback des vier Jahre älteren Jens Lehmann beim FC Arsenal habe ihn in dieser Ansicht noch bestärkt, sagte Rost: „Exakt dieses Beispiel zeigt ja, dass im internationalen Fußball durchaus ein Mangel an Torhütern mit Erfahrung und der nötigen Fitness besteht.“
Der gebürtige Chemnitzer Rost bestritt für Werder Bremen, Schalke 04 und den HSV insgesamt 422 Bundesligaspiele. Viermal hütete er das Tor der deutschen Nationalmannschaft, sein größter sportlicher Erfolg war der Gewinn des DFB-Pokals 1999 mit Werder Bremen.“

Dann gibt es noch eine Reihe interessanter Zahlen:

Der HSV steht in der Gunst der Zuschauer zurzeit an vierter Stelle der Tabelle. Borussia Dortmund führt (15 Spiele, gesamt 1 184 120 Fans), dahinter folgen Bayern München (1 035 000), Schalke 04 (920 464) und der HSV (815 594). Platz fünf hat der 1. FC Köln inne (712 300), den letzten Platz belegt Mainz 05 mit 302 500 Zuschauern.

Und in der Rückrunden-Tabelle belegt der HSV Platz acht. Nur Platz acht. Davor sind Leverkusen (28 Punkte), FC Bayern (26), Dortmund (26), Nürnberg (24), Hannover 96 (23), Stuttgart (21) und der 1. FC Köln (20). Der HSV folgt mit 19 Punkten, dann geht es mit Schalke (18) und Mönchengladbach (16) weiter. Schlusslicht ist Frankfurt (sieben).

Und auch das gibt es noch vom HSV:

Markus von Ahlen soll beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitliga-Klub Arminia Bielefeld als Nachfolger des scheidenden Cheftrainers Ewald Lienen die Weichen auf eine erfolgreichere Zukunft stellen. Die Ostwestfalen stellten den 40 Jahre alten Ex-Profi am Montag als Trainer für die kommenden zwei Spielzeiten vor.
Markus von Ahlen arbeitet zurzeit als B-Junioren-Coach beim Bundesliga-Klub HSV und war zuvor in gleicher Funktion bei seinem Ex-Verein Bayer Leverkusen tätig. Als Profi spielte von Ahlen außer für Leverkusen auch für den VfL Bochum, SV Meppen, Bayer Uerdingen und Alemannia Aachen. Bielefeld plant als abgeschlagenes Schlusslicht der Zweitliga-Tabelle bereits für einen Neuaufbau in Liga drei.

Geübt wird am Dienstag um 10 und 15 Uhr im Volkspark.

19.00 Uhr

War das van Nistelrooys Abschiedsspiel?

17. April 2011

„Beide Mannschaften haben sich hier nichts geschenkt.“ Befand Hannovers Trainer Mirko Slomka danach. Und HSV-Coach Michael Oenning hatte erkannt: „Das war ein 0:0 der besseren Art.“ Selbstverständlich. Ich meine, selbstverständlich wird ein Mann wie Oenning dieses Spiel nicht schlecht reden, denn es geht ja um seinen Job. Und selbstverständlich war dieses 0:0 besser als das 0:0 in Hoffenheim, aber . . . Richtig erfreulich und wie „richtig guter Fußball“ sah das nie aus. Und irgendwie lief diese Partie auch wie das 1:1 des HSV zuletzt gegen Dortmund: Auch damals hätte der Gast eigentlich gewinnen müssen, weil er die besseren Chancen gehabt hatte. Diesmal allerdings, das gebe ich gerne zu, erwachte der HSV wenigstens in der letzten Viertelstunde – und hätte da sehr wohl noch gewinnen können. Wenn nicht sogar müssen, wenn ich da so an Eljero Elia und Jonathan Pitroipa blicke. Was hatten diese beiden Flitzer für Chancen? Und, was zu bedenken ist: Hannover hatte in den letzten beiden Auswärtsspielen 1:8 Tore kassiert – 0:4 in Köln, 1:4 in Dortmund. Das sah ein wenig nach Schießbude aus, aber der HSV hielt sich hanseatisch vornehm zurück.

Auf dem Heimweg traf ich genau deswegen auch viele HSV-Fans, die besonders mit Elia und „Piet“ haderten. Einige wünschten sie sogar „zum Teufel“, einer war für den „sofortigen Verkauf“. Gemach, gemach, das wird ja passieren, aber alles zu seiner Zeit. Noch ist ja kein Sommer-Schluss-Verkauf. Ich hoffe nur, dass der neue Sportchef Frank Arnesen irgendwo auf dieser Welt vor dem Fernseher gesessen, diese 90 Minuten betrachtet und danach die nötigen Konsequenzen (für sich im Kopf) gezogen hat. Hier muss viel passieren, sehr viel sogar – und Arnesen ist am Zug.

Denn ich bin ja ganz nahe bei denen, die sich über den Fußball, den der HSV bietet, aufregen. Dass Olli Dittrich („Dittsche“) von „Null-Fußball“ sprach, das habe ich bereits geschrieben, aber er war ja nicht allein. So mancher Fan murmelte später etwas von „Schlafwagen-Fußball“, es wurde aber auch wieder der schon oft benutzte Begriff des „Beamten-Fußballs“ benutzt. Der HSV lässt den Ball laufen – für sich. Und deshalb wurde auch diesmal, nach diesem 0:0, wieder einmal über die „Alt-Herren-Truppe“ des HSV gelästert. Wobei ich sagen muss: Es gibt ja keine jungen und keine alten Spieler, sondern nur gut und schlechte. Schlecht wird es nur dann, wenn die älteren Herren auch noch schlecht spielen. Oder auch schlecht stehen (statt spielen).

Ruud van Nistelrooy hat sich im Hannover-Spiel einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Es muss, das ist meine ganz alleinige Spekulation, in der letzten Minute passiert sein, denn ansonsten merkt ein Spieler doch sehr wohl, wenn er sich einen Faserriss zugezogen hat – und lässt sich auswechseln. Das passierte nicht. Obwohl der HSV noch hätte zweimal wechseln können. Also steht für mich fest: Letzte Minute oder letzte Sekunde. So oder so, Hannover dürfte demnach das Abschiedsspiel von Ruud van Nistelrooy gewesen sein. Handelt es sich tatsächlich um einen Muskelfaserriss (wie vom HSV gemeldet), dann wird er in den letzten vier Spielen garantiert nicht mehr zum Einsatz kommen.

Wobei ich sage: Schade um jenen Ruud van Nistelrooy, den wir alle bis Weihnachten erlebt haben, den wir geschätzt und umjubelt haben. Was er nach dem geplatzten Wechsel zu Real Madrid gespielt hat, war nicht mehr der Rede wert, deswegen dürfte sein Ausfall auch nicht mehr schwer wiegen. Im Gegenteil, auf der Pressetribüne (und wohl nicht nur dort) fragten wir uns untereinander doch schon des eine oder andere Mal, warum Michael Oenning den stark abbauenden van Nistelrooy nicht schon zur Pause ausgewechselt hat. „Herr Oenning, ist Ruud van Nistelrooy für Sie unantastbar?“ fragte ein von mir sehr geschätzter Kollege, doch der HSV-Coach sagte ganz klar: „Nein.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte der Coach: „Zu Ruud habe ich mich ja auch klar positioniert. Warum sollte er unantastbar sein? So lange ich den Eindruck habe, dass er der Mannschaft helfen kann, dass er sich bemüht, ist er natürlich jemand, der uns mit seiner Torgefahr gut tut. Aber er hat keinen Freifahrtschein.“ Also auch keine Art Denkmalschutz, wie auch schon von einigen „angefressenen“ HSV-Fans vermutet wurde.

Zu Ruud van Nistelrooys Leistung befand Oenning übrigens: „Ruud hat seine Kopfballchance gehabt, er hat sich aufgerieben mit den Innenverteidigern, und er hat versucht, seine taktische Aufgabe zu erfüllen. Natürlich hat er heute unter dem Strich nicht diese Torgefahr ausgestrahlt, die man von ihm kennt, oder die man von ihm erwarten kann. Aber er hat es versucht, und er bleibt auch immer gefährlich, weil er immer aus dem Bruchteil einer Chance ein Tor machen kann. Aber bei Ruud fehlen eben im Moment die letzten Prozent noch.“ Noch. Und er wird es nicht mehr ändern können . . .

Oenning, der ja ein „0:0 der besseren Art“ gesehen hatte, gab aber auch zu: „Wenn man aus diesen 90 Minuten die besten Szenen zusammengeschnitten hätte, dann hätte wohl mancher gedacht, dass in diesem Spiel Musik drin war. Leider aber hat uns heute dir Durchschlagskraft gefehlt, um gute und ganz große Torchancen herauszuspielen. Wir haben mehr Ballbesitz gehabt, wir haben versucht, das Spiel spielerisch anzugehen, aber wir haben gesehen, dass Hannover eine stabile Mannschaft hat, die so nebenbei nicht auszuspielen ist. Da muss man wirklich viel riskieren.“ Ganz ehrlich sagte Michael Oenning auch: „Es wäre möglich gewesen, dieses Spiel zu gewinnen – ob das dann verdient gewesen wäre, das steht auf einem ganz anderen Blatt.“

So aber ergibt sich eine ganz wichtige Frage: War es das mit dem HSV und Europa? Oenning: „Da muss man realistisch sein, dieses 0:0 hilft nicht wirklich. In den letzten vier Spielen dürfen wir keine Fehler mehr machen, da müssen wir alle Spiele gewinnen. Es ist noch nicht vorbei, wir werden versuchen, alles zu gewinnen. Und ich glaube dass wir gezeigt haben, dass wir stabil sind. Wir haben in den letzten vier Spielen sehr wenige Gegentore bekommen, was bei uns vorher auch anders der Fall war. Wir schaffen es aber nicht, genügend Tore zu erzielen, und das wird natürlich der Hauptschwerpunkt sein, dass wir uns da in den kommenden Wochen verbessern.“

Das dürfte ein Wunsch des Trainers bleiben – so sehr ich ihn auch schätze. Was jetzt nicht in der Mannschaft steckt (zum Beispiel Torabschluss, Kondition, Geschlossenheit), das wird bis zum Saisonende ganz sicher auch nichts mehr. So sehr sich Oenning auch darum bemühen wird. Apropos Oenning: In dieser Woche, so melden es die „innerbetrieblichen Sensoren“ des HSV, soll ja in Sachen Chef-Trainer für die Saison 2011/12 eine Entscheidung fallen. Vieles spricht dabei für Oenning, und wenn ich nach Prozenten gefragt werde, dann steht es für mich zu 90 Prozent fest, dass der ehemalige Nürnberger auch in der nächsten Spielzeit den HSV trainieren wird.

Kurz zurück noch einmal zum „Denkmalschutz“. Grundsätzlich ist es für jeden Trainer der Welt ja schwer, einen „richtigen Star“, der schon etwas älter und zudem weltbekannt ist, vom Platz zu nehmen oder ihn sogar ganz draußen zu lassen. Ich stelle es mir vor, dass Oenning nach einem solchen 0:0-Spiel einmal Ze Roberto auf der Bank schmoren lassen würde. Was würde es dann in Hamburg eine Woche lang rauschen – im Blätterwald, aber nicht nur dort? Hat Ze Roberto das verdient? Ist Ze Roberto am Ende? Wird Ze Roberto vom Trainer vorgeführt? So wird Ze Roberto vom Hof gejagt.“ Und, und, und. Garantiert.
Hast du aber eine junge Mannschaft, passiert das nicht. Jedenfalls nicht in dieser krassen Form. Oder hat jemand schon einmal einen Sturm im deutschen Blätterwald erlebt, als der Mainzer Trainer Tuchel seinen Nationalspieler Holtby einmal ganz draußen ließ? Oder als er ihn, wie an diesem Wochenende geschehen, auswechselte? Oder als der Dortmunder Meistertrainer Klopp seinen Nationalspieler Großkreutz ganz einfach mal auf die Bank setzte? Da passiert so gut wie nichts.
Und mit einem „alten Herren“ kann man sich das vielleicht einmal erlauben, eventuell sogar noch ein gaaaaanz vorsichtiges zweites Mal, aber beim dritten Mal wäre dann Abpfiff, Daddeldü. Dann rauscht es nämlich im Karton, und zwar ganz kräftig. Siehe Ballack, Heynckes und Leverkusen. Deshalb sehne ich den Zeitpunkt herbei, an dem der HSV eine junge Truppe ins Rennen schickt, eine Truppe mit hungrigen, willigen, heißen „Rennern“, die es auch einmal akzeptieren, wenn der Trainer eine andere Meinung (und andere Vorstellungen) hat. Das schon 2011/12? Es wäre wünschenswert. Wobei ich nichts gegen jene Spieler sage, die jenseits der 27 oder 28 Jahre sind. Solche Leute braucht jede Mannschaft, die braucht auch der HSV. Nur nicht einen Ansammlung von vielen „älteren Herren“, bei denen sich dann auch noch der eine oder andere Star für unantastbar hält.

Stichwort „junge Leute“. Tunay Torun hat ja mal wieder seine Chance erhalten, er ist ja inzwischen türkischer A-Nationalspieler geworden. Leider sah man davon im Hannover-Spiel nichts. Aber ich möchte Torun nun auch nicht zerreißen, denn: Monatelang sieht er nur zu, kann sich nur im Training beweisen; wenn man dann seine Chance erhält, dann will man in diesen 90 Minuten alles zeigen, was man drauf hat – und verkrampft. So ordne ich einmal diese „Torun-Vorstellung“ ein. Obwohl ich mir schon wünschen würde, dass mal, nein, dass endlich einmal ein HSV-Talent so explodiert, dass man sofort Angst haben müsste, dass nun Barcelona oder Manchester United kommen, um diesen Spieler zu kaufen. Bei Heung Min Son hatte ich ja einst ein wenig diese Angst, aber was ist daraus geworden? Und außer Son? Vor Son? Vor Jahren? Null. Leider.

Ganz kurz noch einmal zur „Kopfnuss-Situation“ zwischen David Jarolim und dem Hannoveraner Pinto. „Jaro“ ging ja ziemlich theatralisch zu Boden, das war garantiert nicht richtig. Dennoch kann ich das nicht verurteilen, denn: Zwischen „Jaro“ und Schmiedebach und „Jaro“ und Pinto gab es eine Menge heißer Duelle, die auch verbal ausgeführt wurden. Dann knistert es schon einmal, und dann kann es auch mal eine „Kopf-an-Kopf-Situation“ geben – wie diese. Dass aber ausgerechnet Pinto hinterher davon sprach, dass „das mit Fairness nichts mehr zu tun hat“, das verwundert doch sehr. Ballack lässt grüßen, kann ich da nur sagen, und nicht nur Ballack. Pinto ist nämlich, nachdem er jahrelang klein und zaudernd wie eine graue Maus durch die Erste und Zweite Bundesliga gelaufen ist, längst ein größeres „Trampeltier“ geworden, das richtig gut und kernig zur Sache geht. Das kann er auch ganz sicher so machen, es ist nichts dagegen zu sagen, aber dann von „Fairness“ zu reden, das halte ich dann doch für sehr frivol.

Und noch ein Wort zu Jarolim. Udo Lattek, der große Udo, hat einst im „Doppelpass“ gesagt: „Jarolim ist ein Schlitzohr, er ist ganz sicher auch nicht mein Freund – aber einen solchen Spieler habe ich mir früher immer gern in meiner Mannschaft gewünscht. Besser bei und mit mir, als gegen mich.“ Und deswegen freue ich mich auch für den HSV, dass er in „Jaro“ wenigstens einen „Aufmischer“ hat, denn alle anderen Feldspieler (!) sind in diesem Punkt eher zurückhaltend.

Jetzt, wo die Bayern den Spaß am Fußball wieder gefunden haben (zurzeit 4:0 gegen Leverkusen!), wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag – und einen wunderbaren Start in die neue Woche.

16.49 Uhr

0:0 – wer glaubt noch an ein Wunder?

16. April 2011

Als der Mainzer Schürrle am Freitag um 22.13 Uhr das 1:0-Siegtor für den FSV gegen Mönchengladbach erzielt hatte, da wusste ich: Das wird wieder einmal ein ganz mieses Wochenende. Mainz gewinnt, Nürnberg gewinnt – nur der HSV, der gewinnt nicht. 0:0 gegen Hannover 96, wer glaubt da noch an ein Wunder, das die Hamburger nach Europa führen könnte? Diese Nullnummer hilft nur den Niedersachsen, der HSV bleibt zwar unter Michael Oenning weiter ungeschlagen, aber ein Zauberer ist der neue Coach eben auch nicht. Der HSV steht da, wo er leistungsmäßig auch stehen muss. Es war diesmal ein eher müder Kick, auch wenn in der Schlussphase einige Male ein HSV-Tor in der Luft lag. Insgesamt aber war das wieder einmal viel zu wenig.

Der HSV brannte. Und wie! So wie es der Trainer vorher versprochen hatte. Die Mannschaft nahm von Beginn an das Heft in die Hand, sie drückte, sie kämpfte, sie spielte mit Herz, sie spielte wie entfesselt auf, das war Leidenschaft pur. Da sah jeder Fan im Volkspark und vor dem Fernsehgerät, dass diese Mannschaft um die letzte Chance, sich doch noch für Europa zu qualifizieren, nutzen wollte. Was heiß nutzen, sie wollte es biegen, sie hatte Biss, sie ging aufs Ganze. Das war Fußball, wie die Leute in sehen wollen, da blieb kein Mensch mehr ruhig auf seinem Platz sitzen, das war einfach nur klasse.

Als ich diese „Eröffnung“ meinem Nachbarn vorlas, fragte er mich erstaunt: „In welchem Jahr war dieses Spiel?“ Die Antwort blieb ich ihm schuldig. Ich kann mich im Moment immer noch nicht erinnern, wann der HSV – wie oben geschildert – so gnadenlos gut aufzog. Keine Ahnung. Gegen Hannover 96 war es jedenfalls wieder einmal nicht der Fall. Obwohl Hannover natürlich auch als Tabellendritter ein ganz gewaltiges Kaliber ist. Das darf nicht unterschätzt werden.
Und irgendwie hatte ich auch noch das Gefühl, dass es zu warm war – so mit 16 Grad.

Hannover griff den HSV schon am Hamburger Strafraum an. Das erfordert hohes Laufvermögen – Hannover hat es. Die Mannschaft wirkte frischer, schneller, ideenreich, beweglicher, entschlossener, geschlossener, aggressiver. Allen voran die beiden „Giftnickel“ Pinto und Schmiedebach. Nach 15 Minuten hätten die Niedersachsen schon führen können, führen müssen. Ya Konan köpfte unbedrängt aus sechs Metern überweg (8.), Rausch blieb mit seinem Schuss an Dennis Aogo hängen (10.), und Dennis Diekmeier rettete einmal Millimeter vor der Torlinie (15.), sonst hätte es 0:1 gestanden. Diese Chancen nur zur Erinnerung.

Und der HSV? Der spielte viel zu ungenau nach vorne. Fast jeder Ball kam postwendend zurück. Ruud van Nistelrooy monierte in Richtung Diekmeier, doch einmal den Ball in den Fuß zu spielen, aber dabei blieb es. Grau ist alle Theorie. . . Da gab es schon Beifall, als Eljero Elia aus lauter Verzweiflung aus 35 Metern abzog – weit überweg. Wie zuvor Mladen Petric per Kopf – und wie danach Gojko Kacar aus 19 Metern. Überweg, überweg, überweg.

Vieles wird dem Zufall überlassen, einige Sachen sind gut angedacht und werden schlecht zu Ende geführt, viele Dinge sind aber auch ganz einfach zu naiv, zu amateurhaft. Und wenn die Spieler erkannt haben, dass sie beim 0:0 in Hoffenheim zu weit voneinander entfernt standen, so sollten sie sich dieses Spiele noch einmal ganz genau ansehen. Da greift kaum einmal ein Rad ins nächste. Es ging für den HSV um so viel, aber das war leider nie zu sehen. Und sage mir niemand, dass das an den Nerven und am zu großen Druck gelegen habe. Es ist einfach mangelnde Qualität. Und natürlich auch eine Sache der Bereitschaft – der Laufbereitschaft.

„Das ist Null-Fußball“, sagte mir zur Pause Olli Dittrich, „unser aller Dittsche“. Er meinte, so glaube ich verstanden zu haben, nicht „null Fußball“, sondern wirklich „Null-Fußball“. Und, das ist das Schöne an diesem Null-Fußball, die Arena ist gefüllt! 57 000 Zuschauer waren da. Ausverkauft!

Und noch eine bemerkenswerte Geschichte: Am Rande erwärmten sich die Ersatzspieler. Wer, so fragten wir uns, würde wohl Besserung bringen? Piotr Trochowski, der nach Sevilla abwandert? Sicher nicht, denn er braucht Risiko in seinem Spiel, und er würde nie Risiko gehen, wenn er nach dem ersten Ding gleich Pfiffe erhielte. Marcell Jansen? Der hängt doch seit Wochen irgendwie durch, wirkt total verunsichert. Und Heung Min Son? Jenseits von Gut und Böse – seit Wochen schon. Paolo Guerrero? Hat sich selbst ins Abseits gestellt, seit der in Peru – einfach nur mal so – von seinem Abschied gesprochen hat. Und Jonathan Pitroipa? Von seiner großartigen Form ist nichts mehr erkennbar – Zahn gezogen. Schon lange.

Die HSV-Fans im Nord-Westen skandierten bei dieser Art des Null-Fußballs: „Hermann Rieger, Hermann Rieger.“ Der aber kann nicht eingewechselt werden. Obwohl er auch diesmal wieder da war. Und wenn ich schon bei Hermann bin: „Es geht mir gut. Ich sollte eigentlich operiert werden, aber meine Nieren streiken ein wenig, deswegen wurde das nicht gemacht. Aber es geht mir wirklich gut.“ Aber er wird nun wieder Chemo bekommen, das ist wohl unvermeidbar.

Zurück zum Fußball. Frank Rost absolut okay und fehlerfrei. Dennis Diekmeier mit einer einwandfreien Partie – einfach nur gut. Auch wenn er gegen Ende der Partie ziemlich am Ende schien. Was bei ihm ganz natürlich ist, nach der langen Verletzungspause. Heiko Westermann mit dem Kopf ganz okay, am Boden wie gewohnt – in der Schule würde ich ihm Note drei geben. Gojko Kacar wieder fleißig, aufmerksam, Löcher stopfend – auch Note drei. Und links? Dennis Aogo immer bemüht, wirklich immer bemüht, er will etwas bewegen, denkt auch immer im Sinne der Mannschaft – aber: Im Vorwärtsgang will ihm nicht so richtig etwas gelingen, mal eine entscheidende Flanke, mal ein Schuss aus der zweiten Reihe. Was absolut schade ist, denn auch in dieser Beziehung will er. Auch im Abspiel lag er diesmal einige Male mehr als sonst daneben.

David Jarolim fand erst nach 20 Minuten erst so richtig in die Partie, er war diesmal nicht so bestimmend auf der Sechs wie sonst. Aber er biss. Mal gegen Schmiedebach, mal gegen Pinto. Da spielt „Jaro“ den „Frank Rost“ im Feld. Was sonst kaum einer mal macht. „Jaro“ mischt alle auf, um sein Team nach vorne zu bringen.

Tunay Torun hatte eine wirklich gute Szene, fiel ansonsten klar ab. Für ihn kam in der 61. Minute Pitroipa – aber der hat null Selbstvertrauen, er hilft in dieser Verfassung nicht mehr. Und links Eljero Elia? Der Ball ist rund. Der Niederländer trat zu oft auf die Kugel – und lag am Boden, und der Ball war verstolpert. Weg!

Ze Roberto viel unterwegs, aber eine zündende Idee hatte er lange Zeit nicht. Erst gegen Ende des Spiels, als der HSV zulegte und gute sowie beste Chancen hatte, da zeigte sich auch Ze Roberto häufiger.

Und vorne? Ruud van Nistelrooy baute schon in Halbzeit eins mächtig ab. Dass er bleiben durfte, liegt wohl auch daran, dass Trainer Michael Oenning auf seine Vollstrecker-Qualitäten setzt – falls es denn einmal eine solche Möglichkeit geben sollte. Es gab sie nicht. Bis auf eine Kopfballchance, aber die war nicht so zwingend. Mladen Petric neben „van the man“ fand lange keine Bindung, aber er taute in Halbzeit zwei auf – und legte zu. Die beste Offensivkraft des HSV. Aber die Null blieb stehen. Null-Fußball eben. Und viele Pfiffe zum Abschied.

17.34 Uhr

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