Tagesarchiv für den 25. April 2011

Die Salzburg-Absage nahm der Vorstand vor

25. April 2011

Ein frohes Osterfest wünsche ich gehabt zu haben.

Die Meldung des Sport-Informationsdienstes (SID) am Sonnabend war kurz und knapp gehalten:

Michael Oenning wird auch in der kommenden Saison als Cheftrainer auf der Bank des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sitzen. „Es ist alles ausverhandelt. Ich denke, dass wir am Dienstag den Vertrag endgültig besiegeln. Er ist für zwei Jahre angelegt“, sagte Oenning am Sonntagabend bei Sky90.

Oenning kündigte zudem eine Verkleinerung und Verjüngung des HSV-Kaders an. Noch gebe es bei der Personalplanung aber einige Fragezeichen. „Ich weiß nicht, ob Mladen Petric nächste Saison noch bei uns ist und ob Ze Roberto weiter für uns spielen wird. Es wird wichtig sein, dass wir eine vernünftige Mischung haben“, sagte Oenning.

Und wie er das gesagt hat, richtig gut hat er das gemacht. Das Kuriose dabei: Als sich die gesamte Hamburger Journaille am Freitag nach dem Stand der Vertrags-Dinge bei Oenning erkundigten, da mauerte der Trainer. Er wollte partout nichts sagen. Erst muss unterschrieben sein. Auch über die Laufzeit wollte er – natürlich – nichts sagen. Und nun? Es ist immer noch nichts unterschrieben, aber bei Sky ist es als Sky-Mitarbeiter natürlich besser, mit einem Geheimnis zu glänzen. Und so steht nach einer 0:3-Pleite in Stuttgart wenigstens noch etwas Positives unter dem Strich.

Damit will ich um Gottes Willen nicht die beleidigte Leberwurst spielen, das liegt mir völlig fern – weil es doch unwichtig ist: Fest stand doch schon seit Tagen, dass Oenning bleiben wird. Fakt ist, und das soll festgehalten werden: Wir fragen, Oenning sagt nichts, das Fernsehen fragt, und Oenning sagt. Logisch? Nicht für mich. Für mich stellt nur die Frage: „Was um Himmels Willen ist gefährlich daran, den Stand der Dinge schon am Freitag zu nennen, und was ist besser daran, die Dinge am Sonnabend im Fernsehen anzusprechen?“ Das erschließt sich mir nicht. Hätte Oenning uns nicht verraten wollen, dass Eljero Elia, Jonathan Pitroipa, Ze Roberto, Mladen Petric und David Jarolim am Saisonende gehen müssen, dann wäre es okay gewesen, aber was ist das Gefährliche daran, etwas über die Laufzeit des eigenen Vertrages zu sagen? Wo es keine 24 Stunden später plötzlich dann doch kein Geheimnis mehr ist – obwohl der Vertrag immer noch nicht unterschrieben ist? Das ist lächerlich.

Aber egal, es ist wie es ist. Und es wurde damit ja auch ein Oster-Loch geschlossen (auch von mir!). Es sollen ja nun zwei Jahre Oenning und der HSV werden. Bei Bruno Labbadia waren es drei oder vier – oder so. Auch wieder egal. Er flog dennoch schon nach einem Jahr. Armin Veh hatte zuletzt einen „verkappten“ Zwei-Jahres-Vertrag, der sich später als Ein-Jahres-Vertrag entpuppte. Vielleicht ist es bei Oenning ebenfalls so. Wenn nicht, dann ist auch das völlig egal, denn Trainer-Haltbarkeitsdaten sind ohnehin nicht von einem Stück Papier abzulesen, sondern nur von der Tabelle. Bleibt aber zu hoffen, dass der HSV eine entsprechende „Ausstiegsklausel“ mit in dieses Vertragswerk eingebaut hat. Ansonsten . . . Aber gut, zu Vertragsinhalten werden natürlich weder Klub noch Trainer Stellung beziehen – es sei denn, bei Sky wird eine entsprechende Frage gestellt.

So, nun zu einem ganz anderen Thema, einem viel wichtigerem Thema. Es geht seit Tagen hoch her, nicht nur bei „Matz ab“. Über die Absage des Testspiels gegen Red Bull Salzburg. Dazu erreichten mich auch über das Osterfest viele, viele Anrufe und Mails. Nur eine einmal kurz hier als Anschauungsmaterial:

„Hallo Dieter,

mit Erschrecken habe ich den Bericht über das abgesagte Testspiel gegen Red Bull Salzburg gelesen. Stimmt es wirklich, dass der HSV nun von seiner Einstellung her in die Steinzeit zurückfällt und auch, dass dieses Testspiel wegen diesen hirnrissigen Argumenten abgesagt worden ist?

Mal ganz ehrlich. Was ich bei den Supportern zu diesem eigentlich geplanten Testspiel gelesen habe, erinnert sehr an die braune Zeit im letzten Jahrhundert. Beim Fußball geht es um das Spiel und nicht darum, ob eine Mannschaft neu aufgestellt worden ist oder eine lange Geschichte besitzt. Bei den dortigen Begründungen dürfte man auch nicht gegen Hoffenheim spielen. Ebenso nicht gegen die Werksmannschaften von Leverkusen und Wolfsburg. Oder die Bayern, etc….

Ich möchte dich bitten, uns vielleicht mal etwas Hintergrundwissen zu beschaffen. Wir haben in unserem Netzwerk bereits darüber ausgiebig geschrieben und sind sehr erschrocken über diese Geschichte.

Beste Grüße und schöne Oster-Feiertage“

Namen des Absenders verrate ich nicht, es wäre ohnehin nur sein Nick. Aber dieser Mann trifft wohl den Kern. Deswegen habe ich heute mit dem Vorstandsmitglied des HSV, Oliver Scheel, gesprochen.

„Es geht bei dieser Geschichte nicht um Kommerz oder gegen Kommerz, ich habe auch keine Anti-Kommerz-Haltung, das ist völliger Quatsch“, sagt Oliver Scheel: „Ich persönlich bin nur kein Anhänger jener Konstruktion, dass das Geld für die Vereine von dritter Seite kommt. Und dazu stehe ich auch. Es geht mir allein um den Fremdmittel-Einsatz von dritter Seite, denn das ist für mich eine Verzerrung des sportlichen Wettbewerbs. Da werden Vereine unnatürlich von dritter Seite protegiert.“

Deswegen also kein Test- oder Freundschaftsspiel gegen Red Bull? Scheel: „Gerade jetzt, in unserer Situation, in der der Vorstand ganz neu zusammengekommen ist, da wollten wir dazu stehen, dass wir für die 50+1-Regel sind. Ich bin ein strikter Anhänger der 50+1-Regel, ich wäre sogar für die 100-Prozent-Regel.“ Oliver Scheel ergänzend: „Ich habe aber auch nicht gesagt, dass wir gegen Vereine wie Red Bull Salzburg nie wieder spielen sollen und werden, aber wir wollen es gerade zu dieser Zeit nicht. Nicht in den ersten Wochen dieses neuen HSV-Vorstandes – deswegen die Absage.“

Ist es Ihre Absage, Herr Scheel, eine Absage des Vorstandes, oder doch eher eine Absage der HSV-Supporters, von denen offenbar sehr viele gegen ein Red-Bull-Spiel waren?
Oliver Scheel: „Diese Absage ist durch den Vorstand erfolg, nur durch den Vorstand, sie ist völlig autonom, die Supporters haben damit nichts zu tun. Es gab, das wissen wir, Beschwerden, Proteste und Meinungen bezüglich dieses Spiels, aber dafür können wir vom Vorstand nichts Die gab es bereits vorher, wir haben unsere Entscheidung ganz allein getroffen.“ Scheel weiter: Im Jahre 2005 haben wir im HSV gegen die Ausgliederung gestimmt, wir sind für die 50+1-Regel, nur darum geht es uns. Es ist aber natürlich legitim, dagegen zu sein. In der Bundesliga sind außer Hannover 96 alle Klubs dafür.“

Und, Herr Scheel, was ist mit jenen Kühne-Millionen, die dem HSV einst im Sommer offenbar sehr willkommen und auch sehr geholfen haben? Da gab es dann doch auch Geld für den HSV, das von dritter Seite kam, oder? Scheel: „Ich habe damals nachweislich dagegen gestimmt, habe mich aber loyal verhalten.“

Auch Manchester City kommt für den HSV als Testspiel-Gegner nicht in Frage, aber der HSV kassierte einst für Spieler wie Vincent Kompany und Nigel de Jong Millionen, die ein Scheich in den englischen Klub gepumpt hatte (und auch heute noch pumpt). Wie verhält es sich damit, Herr Scheel? „Es stimmt, wir haben davon profitiert, aber ich muss es ja deswegen nicht begrüßen“, sagt das HSV-Vorstandsmitglied.

Dass sich der HSV aber sehr wohl mit Klubs wie Hoffenheim, Bayer Leverkusen oder auch mit dem VfL Wolfsburg messen muss, ist das nicht auch ein Störfaktor in der Fußball-Bundesliga, Herr Scheel? Oliver Scheel: „Die Geschichte der Bundesliga lässt solche Spiele zu, deswegen wird es sie auch weiterhin geben, der HSV wird sich deswegen nicht aus der Bundesliga verabschieden. Es ist eben so. Wobei Bayer Leverkusen ja schon seit Jahrzehnten ein Betriebssport-Klub ist. Ich habe, das möchte ich auch betonen, nie gesagt, dass Vereine wie Hoffenheim oder Wolfsburg weg müssen, ich bin nur dagegen, dass in solchen Klub Geld von dritter Seite zufließt. Und ich glaube, dass auch das ganz legitim ist, wenn man dagegen ist.“

Um auch das noch zu schreiben: Ich finde es in Zeiten wie diesen grenzwertig, sich über dieses Thema über die Maßen zu erregen. Womit ich nicht gesagt haben will, dass das kein Thema ist, aber: Der HSV befindet sich in einer schwierigen Lage, keiner von Euch weiß, wie es sportlich weitergehen wird – da wäre mir doch wesentlich wohler, wenn ich wüsste, dass Messi, Ronaldo, Özil, Rooney und Kaka als Neuzugänge kommen. Ich habe vor allem Angst um die sportliche Zukunft dieses Vereins – und zwar zu 100 Prozent. Wenn mir diese Sorge genommen würde, dann könnten von mir aus Testspiele in Zukunft auch nur gegen Barmbek-Uhlenhorst, Flensburg 08, TuS Heeslingen und Eintracht Schwerin ausgetragen werden.
Und da Oliver Scheel gesagt hat, dass der HSV-Vorstand (und nicht die HSV-Supporters) das Red-Bull-Spiel abgesagt hat, glaube ich ihm.

In diesem Zusammenhang (mit Red Bull), das will ich auch noch einmal anschneiden, habe ich oft gehört und gelesen: „Wehret den Anfängen.“ Das stimmt zwar, aber die Frage nach einem passenden Freundschaftsspiel-Gegner stellt sich schon in naher Zukunft nicht mehr (für den HSV), denn dann kann es ohnehin nur gegen Amateure gehen – weil in allen anderen Vereinen Geld von dritter Seite fließen wird. Siehe Kühne und Co. Und wenn diese Geldgeber nur aus Loyalität ins Boot genommen werden . . .

Beruhigend ist für mich zu wissen, dass der HSV immerhin in einem Champions-League-Finale gegen Red Bull Salzburg antreten würde. Und ein solches Finale dauert noch . . . Das ist ganz, ganz sicher.

Bedenklich würde es für mich dann werden, wenn ich wieder lesen müsste (wie schon vor einigen Jahren!), dass der HSV doch besser zurück zu seinen Wurzeln kehren sollte. Das heißt: Punktspiel auf dem Grandplatz an der Gustav-Falke-Straße. Da würde ich dann doch ein Freundschaftsspiel gegen Red Bull Salzburg, von mir aus auch nur gegen RB Leipzig, vorziehen. Was ist denn die Gustav-Falke-Straße für eine Option?

Oliver Scheel hat sich übrigens bereit erklärt, darüber beim nächsten „Matz-ab-Treffen“ erklärende Worte abzugeben – und sich der Diskussion zu stellen. Einen Termin aber dafür gibt es noch nicht.

Dafür gibt es einen anderen Termin, und den möchte ich Euch ans Herz legen. Vom Fan-Club „Mitten im Feindesland“ kam folgender Text:

Moin HSVer,

ein interessanter Termin in Delmenhorst:
Es wäre super, wenn Ihr dafür Werbung machen würdet oder noch besser einfach vorbeikommen würdet!

Am 1.Mai schon um 13 (!!!) Uhr spielt in der Damen-Regionalliga Nord ( 3. Liga ) der Tabellenvierte HSV III, der durchaus noch Meisterschaftschancen hat, im Delmenhorster Stadion an der Düsterntorstraße gegen den TV Jahn DEL. Unser Mitglied Uli Doepner ist da seit Wochen am Organisieren. Sein Ziel: Mindestens 100 HSVer (möglichst auch als HSVer erkennbar) auf der schönen Tribüne in einem Block unterzubringen und die HSV-Mädels lautstark zu unterstützen. Fahnen am Zaun sind auch erwünscht.
Der M.i.F. wird den Spieltag bereits mit einem Frühschoppen einläuten. Ab 10 Uhr geht der in unsere Fan-Club-Kneipe „Ton Spieker“ (Lange Straße 54, 27749 DEL) los. Wer direkt zum Spiel fahren will, muss sein Navi wie folgt programmieren: Düsternortstraße 57, 27755 Delmenhorst. Es wäre super, wenn Ihr zahlreich zum Frühschoppen und bzw. oder zum Spiel erscheinen würdet.
Beste Grüße

Kurz noch zum Training: Heute wird im Volkspark gleich zweimal geübt, um 10 und um 15 Uhr.

16.39 Uhr