Tagesarchiv für den 23. April 2011

0:3-Pleite – und aus der Traum!

23. April 2011

Aus, Ende, vorbei. Der HSV kann das Unternehmen Europa zu den Akten legen, denn die 0:3-Pleite beim VfB Stuttgart sorgt für das Ende aller Träume. Vier Siege aus vier Spielen, so war es vorgegeben worden, aber schon der erste Auftritt in der Fremde ging voll in die Hose. Diese Mannschaft spielt, das bewies der Ausflug ins Ländle, genau so gut oder genau so schlecht, wie es der derzeitige Tabellenstand offenbart. Viele klangvolle Namen stehen in den Reihen der Rothosen, aber sie alle zeigen nur höchstens die Hälfte von dem, wie sie früher einmal gekonnt haben. Zwar wurde das Hamburger Spiel im zweiten Durchgang etwas besser, aber insgesamt ist damit wahrlich kein noch so kleiner Blumentopf zu gewinnen – damit ist der große HSV wieder einmal auf dem Weg zur „grauen Maus“ in der Bundesliga. Das ist enttäuschend, das ist blamabel, das ist auch jammerschade, aber man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Dieser HSV ist einfach zu bieder, daran kann auch kein noch so gut gemeinter Trainerwechsel etwas ändern.

Den Start wieder einmal total verschlafen. Mehr geht ja gar nicht. Der HSV lief in den ersten 30 Minuten wie Falschgeld über den Rasen. Wobei die ersten 90 Sekunden noch ganz vielversprechend waren, denn da wurde der VfB an seinem Strafraum festgespielt, da kam der HSV sogar zum ersten Eckball. Strohfeuer. Was danach aus Hamburger Sicht gespielt wurde, das war unterirdisch. Schon vor dem VfB-Führungstor hätte Hajnal aus elf Metern den ersten Treffer für die Schwaben markieren müssen – vorbei. Dann doch das Tor – symptomatisch für die HSV-Vorstellung: Torwart Frank Rost „schickte“ Gojko Kacar nach außen, der Serbe rettete den Ball noch kurz vor dem Überschreiten der Seitenlinie. Die aus der Not nach vorn beförderte Kugel wurde vorne gleich verloren, ein Steilpass – und die Mitte war total verwaist. Kacar noch außen, Heiko Westermann desorientiert, Cacau hatte keine Mühe, den Ball ins Netz zu schieben. Das war nach genau fünf Minuten und 14 Sekunden. Es war Cacaus erstes Tor seit November 2010, aber der HSV war ja schon immer gut, Aufbauhilfe zu leisten . . .

Der HSV danach völlig von der Rolle. Hajnal hätte das 2:0, 3:0 und 4:0 für den VfB schießen können, fast müssen. Bei Hamburg kein Siegeswille erkennbar, null Entschlossenheit, kein Tempo im Spiel, keine Ideen, das war alles viel zu brav, hilflos, hausbacken, naiv, durchschaubar – Sommerfußball pur! Da spielte eine Mannschaft, die ihre letzte Chance auf einen europäischen Startplatz ergreifen wollte, aber nichts, wirklich nichts war davon zu sehen. Die Hamburger kamen immer einen Schritt zu spät, der VfB wirkte schneller, spritziger, entschlossener und vor allem läuferisch viel stärker. Beim HSV wurde immer erst dann gelaufen, wenn der Ball in die Nähe des Fußes gespielt wurde – meistens war das zu spät und die Kugel rollte ins Aus. Stümperhaft und viel zu ungenau, völlig ohne Selbstvertrauen wurde nach vorne gespielt.

So spielt keine Mannschaft, die nach Europa will, so sieht auch kein Fußball aus, der in Europa gespielt wird.

Allerdings, das spricht dann doch ein wenig für den HSV, nach 30 Minuten kam Hamburg. Als Tunay Torun einen Ball auf (1) die Torlatte der Stuttgarter befördert hatte, da sammelte sich der HSV und besann sich auch offenbar auf seine Fähigkeiten. Angetrieben von David Jarolim, der um jeden Ball kämpfte, der viele Duelle für sich entscheiden konnte, der vorbildlich und mit jener Willenskraft zur Sache ging, was eigentlich von jedem HSV-Profi von Beginn an erwartet worden war. Wer diesen Jarolim vom HSV wegschicken möchte, der sitzt wahrscheinlich auf einem ganz hohen Ross. Weit und breit war keiner zu sehen, der ähnliches Engagement zeigte. Aber, auch das muss erwähnt werden: Der „Krankenhaus-Pass“, der vor dem 3:0 (von Cacau) gespielt wurde, der stammte von „Jaro“. Das aber geschah in der 88. Minute, da ließen die meisten Hamburger ohnehin schon ihre Köpfe hängen, da hatte sich die Ernüchterung schon gaaaaaanz breit gemacht.

Zu den Offensivkräften: Sie blieben in der ersten halben Stunde total harmlos, aber dann fanden sie doch allmählich besser ins Spiel. Was besonders für die beiden Youngster galt. Torun schoss ans Außennetz, und Änis Ben-Hatira gewann plötzlich einige Dribblings, zeigte Spielwitz und Übersicht. Sein Abschluss allerdings ist verbesserungswürdig, da zeigt er noch zu oft einige überflüssige Nachlässigkeiten. Schade. Wenn er das noch hätte, dann wäre er in der Tat eine gleichwertige Ergänzung zu Nebenmann Mladen Petric, der meiner Meinung nach zu oft übersehen wurde, der meiner Meinung nach viel mehr gesucht werden müsste. Er ist ein Knipser, also müsste er bedient werden – aber er wird es nicht. Jedenfalls wird er zu oft übersehen. Als das in der zweiten Halbzeit allerdings geschah, da zeigte sich Petric nicht immer auf der Höhe, da verschoss er einige Sachen, da verstolperte er auch den einen oder anderen Ball.

In Sachen Spielgestaltung müsste für mich auch Ze Roberto mehr tun. Das wäre ganz sicher eine Sache für den Brasilianer, aber der durchläuft im Moment eine Schwächeperiode. Von ihm kommt nach vorne nicht viel – oder genauer, da kommt herzlich wenig. Der „große Ze“ müsste viel, viel mehr die Initiative ergreifen, den Ball fordern, den Ball verteilen – aber das geschieht eben nicht. Da sieht einiges doch eher nach Alibi aus.

Ähnlich die Lage bei Eljero Elia. Der Niederländer zeigt gelegentlich gute Ansätze, dann träumt wahrscheinlich jeder HSV-Fan von diesem ominösen Wort „Durchbruch“, aber garantiert geht die nächste Aktion nach einer gelungenen voll in die Hose. Ganz, ganz bitter. Wann wohl wird Hamburg einmal den „wahren Elia“ erleben? Gar nicht mehr? Es ist immer mehr zu vermuten. In der 61. Minute kam für Elia Paolo Guerrero, den ich schon für den zweiten Durchgang erwartet hatte. Aber ganz offensichtlich sitzt der Stachel (bei Trainer Michael Oenning) immer noch zu tief, es kam für den angeschlagenen Torun erst einmal der eher defensiv orientierte Robert Tesche (46.).

Wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte Ben-Hatira seine „Hundertprozentige“ in der 63. Minute genutzt? Er scheiterte freistehend an Torwart Ulreich, eine nicht untypische Szene für den jungen Hamburger. Da hat er noch ordentlich an sich zu arbeiten, im Abschluss ist er einfach viel zu schwach.

Was nützt es dem HSV, wenn er im zweiten Durchgang engagierter spielte, das Geschehen offener halten konnte, teilweise gute Ansätze zeigte? Es hilft nichts. Das Unternehmen Europa fand spätestens mit dem 2:0, das der eingewechselte Gentner erzielte (Kacar sah nicht besonders gut aus), ein abruptes Ende. Wunder gibt es immer wieder, aber dieser HSV hatte auch kein Fußball-Wunder verdient, denn das, was in dieser Saison gespielt und geboten wurde, war wieder einmal viel zu wenig.

Es darf an der Elbe wieder einmal gehofft werden – auf die neue Saison. Alles wie gehabt.

17.33 Uhr