Tagesarchiv für den 21. April 2011

Ich gebe die Hoffnung bei Elia nicht auf

21. April 2011

Ich gebe zu, auch ich war einer derjenigen, die gestern das spanische Pokalfinale gesehen und sich immer wieder über die teilweise unfassbaren Kombinationen und Ballfertigkeiten einiger Spieler gefreut haben. Dabei muss ich zugeben, dass das lange nicht das beste „El clasico“ war. Aber auch eine Niveaustufe tiefer als sonst hatten Barca und Real Madrid vieles zu bieten, was in der Bundesliga selten bis nie vorkommt. Auch nicht beim HSV. Schon deshalb war mein Gedankenspiel, welcher HSVer da mithalten und in keinem der beiden Weltklasseteams negativ auffallen würde, schnell beendet.

Das allerdings dann doch mit zwei Namen: Zé Roberto, ob seiner unfassbar eleganten Ballbehandlung und Handlungsschnelligkeit. Und Eljero Elia – der allerdings nur für den Fall, dass er die Form erreicht, die ihm die Experten zutrauen, die er in Hamburg aber nur auszugsweise und viel zu selten gezeigt hat.

Auch deshalb bleibt Elia, der für mich trotz aller Enttäuschungen zuletzt noch immer zu den talentiertesten Außenstürmern der Welt zählt, eine der meist diskutierten HSV-Personalien. Ich habe den Niederländer bei seiner Ankunft vor zwei Jahren als unbekümmerten, hochtalentierten Neunationalspieler und jungen Familienvater mit unglaublich hohen Zielen kennengelernt. Und das ist er heute noch. Mit dem Unterschied, dass er inzwischen Vizeweltmeister ist und seine einst formulierten Ziele in Relation zu seinen Leistungen beim HSV (diplomatisch formuliert) nicht korrespondieren. Auch deshalb erwägt inzwischen der HSV, den Außenstürmer möglichst teuer zu verkaufen. Weil man das Geld braucht – aber nicht den Elia, der aktuell in Hamburg aufläuft.

Umso gespannter war ich auf das erste Interview Elias seit Ewigkeiten, das mein geschätzter Kollege Kai Schiller mit ihm in dessen Villa an der Elbe führte. Und herausgekommen ist ein sehr nettes, lesenswertes Gespräch, das ich hier für Euch alle freischalten möchte und aus dem ich zwei lehren gezogen habe: Elia ist durchaus in der Lage, seine aktuelle Situation zu beurteilen. Und zweitens, Elia schließt erneut nicht aus, im Sommer zu gehen. Aber lest selbst:

Abendblatt: Herr Elia, Sie haben in der Rückrunde keine Interviews mehr gegeben. Haben Sie sich rar gemacht?
Eljero Elia: Ich habe mich nicht rar gemacht, aber ich habe mich sehr geärgert. Alles hat im Trainingslager in Dubai angefangen. Da wurde ich gefragt, was mein Traumverein sei. Ich habe ganz ehrlich geantwortet, dass meine Traumvereine Barcelona und Arsenal London seien und plötzlich hieß es am nächsten Tag, ich träume nur noch davon, zu Barcelona oder Arsenal zu wechseln. Sogar in den Niederlanden wurde überall berichtet, dass ich nur noch an Barcelona und Arsenal denke.
Abendblatt:Sie fühlten sich missverstanden?
Elia: Ich habe nie gesagt, dass ich zu Barcelona oder Arsenal wechseln will, schon gar nicht sofort. Aber irgendwie hat mir keiner mehr geglaubt. Als ich dann mal ein Spiel nicht so gut spielte, haben die Leute angefangen Witze zu machen. Elia spielt schlecht, träumt aber von den großen Vereinen in Europa, sagten alle. Auch in der Kabine haben sie Witze über mich gemacht, sogar der Trainer hat mich auf den Arm genommen. Ich wurde nicht mehr respektiert. Irgendwann war der Moment gekommen, wo es mir reichte. Deswegen wollte ich keine Interviews mehr geben.
Abendblatt: Ist Ihnen wichtig, was andere über sie denken?
Elia: Nein. Mir ist egal, was andere von mir halten. Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl, der gerne Spaß hat. Und dann spiele ich auch gut Fußball.
Abendblatt: Wie geht es Ihnen jetzt?
Elia: Jetzt geht es mir besser. Wenn ich keinen Spaß habe, dann stimmt auch irgendetwas nicht, dann bin ich nicht gesund. Aber diese Phase habe ich endlich abgehakt.
Abendblatt: Haben Sie aus dieser Phase gelernt?
Elia: Ich sage weiter, was ich denke und probiere dabei, immer ehrlich zu sein. Aber ich will mir meine Träume nicht nehmen lassen.
Abendblatt: Gibt es jemanden, den Sie manchmal um Rat bitten?
Elia: Ich spreche sehr viel mit meinem Berater Frank Schouten. Sein Rat ist mir wichtig. Wir sprechen nicht nur über Fußball, sondern auch über Privates. Ich will mir zum Beispiel gerade ein Haus in Holland kaufen, dabei hilft er mir. Er sorgt dafür, dass ich mich für die Zukunft absichere.
Abendblatt: Sie sind erst 24 Jahre alt, haben aber schon eine zwei Jahre alte Tochter. Fühlen Sie sich manchmal überfordert?
Elia: Ich fühle mich nicht überfordert, aber am Anfang war es schon sehr hart. Ich bin mit 22 Jahren Vater geworden und in ein fremdes Land gewechselt. Damals wuchs mir schon das eine oder andere über den Kopf. Mir fehlten meine Freunde und meine Familie. Aber nach und nach wurde es einfacher. Meine Tochter Sael ist das Wichtigste in meinem Leben.
Abendblatt: Sind Sie ein strenger Vater?
Elia: Nicht wirklich. Letztens hat Sael mit roten Filzstiften auf unserer weißen Wand gekritzelt. Ich konnte ihr aber einfach nicht böse sein.
Abendblatt: Wie ist die Rollenverteilung im Hause Elia?
Elia: Natürlich kümmert sich meine Freundin etwas mehr um die Kleine. Aber wenn Sael nachts schreit, dann wechseln wir uns ab.
Abendblatt: Wird auch in der Kabine über Erziehungsmaßnahmen gesprochen?
Elia: Wir haben viele junge Papas in der Mannschaft. Natürlich reden wir auch über unsere Kinder. Aber es geht weniger darum, wo man die billigsten Pampas kaufen kann. Darüber unterhalten sich wohl eher unsere Frauen.
Abendblatt: Hat Ihre Freundin ein Mitspracherecht, ob Sie zu einem anderen Klub wechseln?
Elia: Nein. Natürlich reden wir über alles, aber am Ende muss ich entscheiden.
Abendblatt: Ist es möglich, dass dieses Ihr letztes Interview in Hamburg war?
Elia: Wie kommen Sie darauf?
Abendblatt: Seit Wochen wird darüber berichtet, dass Sie im Sommer verkauft werden sollen.
Elia: Das habe ich auch gelesen, aber ich weiß von nichts. Ich habe weder mit Bastian Reinhardt noch mit Frank Arnesen geredet. Über meine Zukunft wird erst im Sommer entschieden.
Abendblatt: Was wünschen Sie sich?
Elia: Ich will nur eines: Fußball spielen und glücklich sein.
ENDE

Kein Gespräch mit den Sportchefs? Das klingt seltsam. Allerdings schließt Elia damit auch nicht aus, dass sein Berater mit Arnesen und Reinhardt gesprochen hat. Und dem Vernehmen nach würden beim HSV alle gern weiter auf Elia setzen und hoffen auf den großen Durchbruch. Allerdings würde in der aktuellen Finanzsituation der Bedarf, eine teure Ablösesumme zu kassieren, überwiegen. Womit dann ein weiterer Spieler, dem man überdimensionales Potenzial nachsagt, gehen würde. Unverrichteter Dinge – wie zuvor schon Piotr Trochowski…

Ebenfalls wirkungslos, zumindest am Sonnabend in Stuttgart, bleiben Joris Mathijsen (Knöchel), Jonathan Pitroipoa (Muskelbeschwerden) und Marcell Jansen (Hüftbeuger), die heute allesamt fehlten und frühestens morgen im Abschlusstraining einsteigen können. „Es wird ganz eng. Eine einzige Einheit reicht wahrscheinlich nicht“, sagt Trainer Michael Oenning, der sich allerdings auch rechtzeitig über zwei Rückkehrer freuen durfte. Guy Demel und Mladen Petric. Beide trainierten voll mit und sollen auch beim VfB einsatzbereit sein.

Ebenso wie Elia, von dem ich persönlich hoffe, dass er zeigt, was viele in ihm wähnen. Und dass er so dem HSV noch lange erhalten bleibt.

In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Osterfest und ein paar erholsame Tage mit Blogvater Dieter und einem Auswärtsdreier bei Bruno…

Scholle

18.25 Uhr

P.S.: Am Freitag wird um 13 Uhr an er Imtech-Arena trainiert.