Tagesarchiv für den 20. April 2011

Arnesen lobt Oenning in den höchsten Tönen

20. April 2011

Grundsätzlich besteht Einigkeit, zusammenarbeiten zu wollen. Einzig die Laufzeit und finanzielle Dinge gilt es noch zu klären, bevor Michael Oenning am Donnerstag oder am Freitag – da wäre auf der Pressekonferenz um 13.30 Uhr ein würdiger Rahmen geboten – seinen Cheftrainer-Vertrag unterschreibt. „Ich habe mich im letzten Monat sehr intensiv mit Michael Oenning ausgetauscht. Wir haben über seine Fußballphilosophie, verschiedene Systeme, wie er trainiert und über jeden einzelnen Spieler gesprochen. Da habe ich gemerkt: So ein Mann muss die Chance bekommen, unser Trainer zu sein“, erklärt Arnesen seinen Entschluss.

Der Däne, der aktuell in Verhandlungen mit seinem Noch-Arbeitgeber FC Chelsea steht, um seinen Vertrag vorzeitig aufzulösen und schon früher beim HSV beginnen zu können, ließ heute eine richtige Lobeshymne los. „Man darf nicht vergessen, dass er beim HSV in einer sehr schwierigen Phase zum Cheftrainer befördert wurde“, mahnt Arnesen, „Michael ist kein Theaterspieler. Er überlegt gut was er sagt und ist sehr klar im Gespräch“, sagt Arensen, dem insbesondere Oennings Ehrgeiz gefällt. „Das merkt man daran, dass er die Europa League noch nicht abgeschrieben hat. Das gefällt mir”, so Arnesen, „Michael ist alles in allem im Moment der richtige Mann für uns. Er kann sehr gut mit jungen Spielern arbeiten, sie führen, entwickeln und hat einen sehr guten Überblick über den Markt. Michael ist sehr klar im Gespräch.“

Und Oennings Art kommt an. Zumindest sagen das die aktuellen Spieler. „Ich bin von ihm überzeugt und freue mich, dass er bleibt“, sagt Dennis Aogo und wird von David Jarolim unterstützt: „Er hat eine klare Spielphilosophie und ich habe den Eindruck, dass sich jeder einzelne Spieler unter ihm verbessern wird“. Worte, die allerdings nur logisch sind und nicht überbewertet werden dürfen. Schließlich wären öffentliche Kritik oder Zweifel an Oenning für den jeweiligen Spieler sicher nicht von Vorteil…
Wie dem auch sei, im Gegensatz zu meinen Nürnberger Kollegen, die sich mehrheitlich sehr kritisch äußern, hat Frank Arnesen nahezu ausschließlich positive Infos über seinen aktuellen und Weiterhin-Cheftrainer eingeholt. Zuletzt hatte er sich sogar noch einmal bei Dick Advocaat erkundigt, unter dem Oenning zwischen November 2004 und April 2005 als Co-Trainer arbeitete. „Ich habe sehr viele positive Informationen über ihn bekommen“, verrät Arnesen, der insbesondere Oennings Art für den geplanten Umbruch als vorteilhaft ansieht.
Harmonische Worte. Nicht weniger – aber auch nicht mehr. Inwieweit sich der HSV wirklich dem Umbruch mit allen Facetten verschreibt, werden wir in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten sehen, wenn es erste Neuverpflichtungen sowie Verkäufe zu vermelden gibt. Wie nachhaltig Arnesens Worte sind, werden wir spätestens dann merken, wenn der HSV seine erste Krise (die hoffentlich ausbleibt!) hat.

Allerdings, das nur mal kurz in eigener Sache, auch hier sollten wir alle versuchen, niemanden vorzuverurteilen. Zumal das für den HSV kontraproduktiv sein könnte und wir uns damit ins eigene Fleisch schneiden. Gerade bei einem derart gewagten Schnitt, wie ihn der Klub seit Monaten ankündigt, ist geduld gefragt. Von allen Seiten. Und nur um das klarzustellen, ich werde hier von niemandem die Meinung kritisieren, das steht mir nicht, das steht niemandem zu. Im Gegenteil: Jeder kann und soll ja seine Meinung haben von Oenning. Er soll sie auch frei äußern dürfen, zumindest hier im Blog. Völlig egal in welche Richtung es dabei geht. Aber wir alle, vom derbsten Kritiker bis zum großen Oenning-Freund, sollten ihm zumindest eine faire Chance geben, sich zu beweisen. Und dafür kann nicht die Schlussphase der Saison herhalten, in der der 45-jährige Münsterländer eine Mannschaft übernommen hat, die mehr Baustellen aufwies als die Stadien der nächsten EM-Gastgeber. Nein, ein erstes echtes Resümee kann frühestens in der nächsten Winterpause gezogen werden – und ich bin mir ganz sicher, dass auch Michael Oenning sich dieser Abrechnung schonungslos stellen wird.
Dabei helfen, dass es eine erfreuliche Bilanz wird, möchte Änis Ben-Hatira. Schon gegen Stuttgart am Sonnabend könnte der Offensivspieler neben oder leicht hinter Mladen Petric stürmen. „Ich habe das in den ersten drei Spielen der Rückrunde gespielt“, erinnert sich Änis, „und das war glaube ich ganz gut“, sagte er uns heute. Aber richtig glücklich wirkte er nicht, wie er da saß und auf die Fragen nach seiner bevorstehenden Vertragsverlängerung immer wiederholen musste: „Es gibt nichts Neues. Es gibt noch nicht einmal ein richtiges Angebot.“

Dabei saßen Änis Ben-Hatiras Berater Klaus Gerster und Noch-HSV-Sportchef Bastian Reinhardt am Dienstag zusammen und besprachen, was schon seit der Winterpause angedacht ist: Ben-Hatiras Vertragsverlängerung bis 2014. Allerdings erneut ohne Ergebnis. Erfreulicheres wusste Ben-Hatira vom letzten Heimspiel zu berichten, denn dort hatte er sich – weil gelbrot-gesperrt – in die Fankurve begeben. „Im Collin-Benjamin-Trikot“, so der Offensivmann, „ich sah aus wie ein Fan, da haben die mich erst gar nicht bemerkt.“ Das gesamte Spiel über trommelte und sang er mit der Fan-Gruppierung „Chosen few“. „Das war richtig gut. Es ist unglaublich, wie viel Leidenschaft die da reinbringen“, so Ben-Hatira, der einen weiteren Besuch in der Ecke Nordwest nicht ausschließen wollte. „Obwohl ich natürlich viel lieber auf dem Platz stehen möchte“, so Änis, „auf jeden Fall denke ich jetzt nicht zu weit voraus und stecke meine ganze Energie in die letzten vier Spiele. Egal auf welcher Position.“

Auch das klingt gut. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole: ich hoffe, dass wir alle noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren und das schaffen, was eher unrealistisch ist und was diese schattenreiche Saison vielleicht auch gar nicht verdient hat: die Europa League. Ohne dabei den Blick nach rechts oder links schweifen zu lassen – es zählt nichts mehr als die letzte, minimale Chance…

In diesem Sinne, im Abspann noch ein paar letzte Fakten,

Bis morgen,

Scholle

19.05 Uhr

Letzte Fakten:
Marcell Jansen brach das Training nach 35 Minuten ab. „Ich habe Probleme mit dem Hüftbeuger und will vorsichtig sein“, so Jansen. Die Probleme seien allerdings von gestern zu heute schlimmer geworden. Ob damit auch sein Einsatz gegen Stuttgart gefährdet ist, soll sich am Freitag entscheiden.
Joris Mathijsen (Knöchel) wird voraussichtlich auch gegen Stuttgart nicht dabei sein können. Der Niederländer drehte seine Runden auf dem Fahrrad im Volkspark, Jonathan Pitroipa (Muskel), Mladen Petric (Muskel) und Guy Demel (Grippe) absolvierten einen leichten Waldlauf.