Tagesarchiv für den 18. April 2011

Oenning ist es!

18. April 2011

Nun ist es raus: Michael Oenning bleibt Chef-Trainer des HSV. Erwartungsgemäß, möchte ich sagen, denn mein Bauch hat seit Tagen oder Wochen nichts anderes gesagt. Heute war der neue Sportchef Frank Arnesen zu einem Blitzbesuch in Hamburg, er sprach mit dem Vorstand und mit Oenning, dann stand fest: die Trainerfrage ist geklärt. Es fehlen jetzt nur noch einige Kleinigkeiten, es fehlt die Unterschrift von Oenning, aber das soll spätestens am Mittwoch in trockenen Tüchern sein. Damit haben sich schlagartig auch alle anderen Kandidaten erledigt, denn heute wurde ja auch noch einmal Stale Solbakken ganz, ganz heiß gehandelt. Vorbei, Ende, vom Tisch. Oenning ist es.

Was in meinen Augen auch Sinn macht, denn der Nachfolger von Armin Veh stand ohnehin noch bis 2012 auf der Gehaltsliste des HSV. So muss kaum etwas verändert werden, wahrscheinlich nur das Gehalt (Anhebung nach oben) und eine eventuelle Ausstiegsklausel, die dann für beide Seiten gilt. Peanuts also.

Da die gesamte Mannschaft für diese Regelung plädiert hatte, dürfte sich für abwanderungswillige Spieler die Situation kaum bis überhaupt nicht verändert haben. Jeder muss damit klarkommen – oder sich fragen, ob er mit Oenning kann. Nach außen hin war diese Frage schon beantwortet, nun könnte es eher umgekehrt kommen: Der 45-jährige Oenning wird ganz sicher den einen oder anderen Namen nennen, mit dem er in Zukunft nicht mehr möchte. Und diese Liste, so könnte ich mir vorstellen, dürfte nicht ganz so kurz sein.

Junger Trainer, junger Sportchef – junge Mannschaft? Schön wäre es ja. Und auf jeden Fall ist der HSV ja jetzt schon auf einem guten Weg.

Wenn ich allein an die rechte Seite denke: Seit Dennis Diekmeier den Posten von Guy Demel übernommen hat, seit dieser Zeit herrscht Ruhe. Ist das schon aufgefallen? Über hinten rechts wird kaum noch diskutiert. Und vorher war fast nach jedem Spiel die Hölle los. Diekmeier hat sich von Spiel zu Spiel verbessert, er löst auch hinten, in der Defensive, die ihm gestellten Aufgaben immer besser – und nach vorne ist er ohnehin dynamischer als Demel, der selten auch einmal – im Gegensatz zu Diekmeier – eine gute Flanke hinbekommen hat. Diekmeier rechts, Dennis Aogo links, das sind schon mal zwei Positionen, die mit jungen Leuten für eine erfolgreiche HSV-Zukunft ausstaffiert wurden.

Und nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass Arnesen aus dem europäischen Fußball noch das eine oder andere Talent an der Angel, das noch für etwas „Kleingeld“ zum HSV kommen würde, kommen will – kommt. Wenn ich das mit Borussia Dortmund vergleiche: Der neue deutsche Meister hatte auch eine magere Strecke zu durchlaufen, musste (!) dabei gezwungenermaßen auf junge Leute setzen – und blüht nun endgültig in diesem Jahr auf. Mit einem jungen Trainer. Und dieser Trainer hatte dem HSV kürzlich, vor etwas mehr als einer Woche, noch eine „ruhige Hand“ bei der Findung eines neuen Trainers gewünscht. Klopp hatte sich dabei ganz deutlich für Oenning positioniert. Und sein Wort wurde erhört.

Ich glaube, dass der HSV in dieser Trainer-Findung gar keine andere Wahl hatte, als auf Michael Oenning zu setzen:

Erstens: Die Mannschaft hatte sich ganz klar für ihren neuen Chef ausgesprochen.

Zweitens: Der HSV hat, was in den letzten Wochen immer klarer wurde, kaum noch Geld in der Kasse. Wenn er einkaufen will, dann muss erst einmal kräftig verkauft werden. Und dieses dabei „gewonnene“ Geld sollte dann doch besser in neue Spieler angelegt werden als für einen „Trainer-Überflieger“.

Drittens: Weil er HSV kaum noch Geld kann, hätte er in Sachen Trainer-Neuverpflichtung ganz sicher keine „große Lösung“ machen können, soll heiße, dass man sich von den ganz großen Namen von vornherein hätte verabschieden können. Und auch von der zweiten Reihe der Trainer-Zunft, der zum Beispiel ein Martin Jol angehört. Der HSV hätte auf Trainer der Kategorie Funkel, Favre, Koller, Neururer zurückgreifen müssen, und das hätte auf jeden Fall für einen kleinen bis mittleren Fan-Aufstand gesorgt. So aber, wenn Oenning jetzt bleibt, nehmen sich die Proteste (es gibt sicher dennoch einige) doch eher gering aus.
Viertens: Oenning ist bezahlbar – und schon deswegen eine gute Lösung für den HSV.

Für Michael Oenning hatte sich schon vorher auch Hamburgs größte Fußball-Größe aller Zeiten ausgesprochen. Deswegen zeigte sich Uwe Seeler von der jetzigen Lösung wenig beeindruckt: „Damit hatte ich fest gerechnet. Das bot sich ja auch an, denn Oenning hatte noch einen Vertrag bis 2012, er steht also ohnehin auf der Gehaltsliste, und wenn der HSV dann hier und da noch Geld für einen anderen Trainer ausgegeben hätte, dann hätte das keinen Sinn gemacht.“ „Uns Uwe“ erwartet nun einen Neuaufbau beim HSV, und er setzt dabei auf den jungen Trainer: „In der Bundesliga haben sich in dieser Saison einige jungen Trainer einen ausgezeichneten Namen gemacht, die machen ihre Sache allesamt gut – dazu könnte schon bald auch Michael Oenning gehören.“

Im Hinblick auf die neue Saison sagt Uwe Seeler: „Sportchef Frank Arnesen wird schon dafür sorgen, dass hier eine neue Mannschaft aufgebaut wird. Die Mischung muss stimmen, die Mischung hat in dieser Saison nicht so gestimmt, wie man es erwartet hatte – daran wird ganz sicher hinter den Kulissen gearbeitet, da machen sich die Verantwortlichen ganz sicher schon eifrig Gedanken.“
Davon bin ich, wie gesagt, auch fest überzeugt.

So, außer Oenning aber (heute) nichts gewesen. Der Sport-Informationsdienst (SID) hat, das möchte ich Euch nicht vorenthalten, kurz über Frank Rost berichtet:

„Nach dem Auslaufen seines Vertrages beim Fußball-Bundesliga-Klub HSV zum Saisonende liebäugelt Torhüter Frank Rost weiter mit einem Wechsel ins Ausland, einen Transfer innerhalb der Bundesliga schließt er aus. „Mich würde das Ausland reizen, aber es müsste passen und die Option müsste auch sportlich vernünftig sein“, sagte der 37-Jährige dem Kicker.
Das Comeback des vier Jahre älteren Jens Lehmann beim FC Arsenal habe ihn in dieser Ansicht noch bestärkt, sagte Rost: „Exakt dieses Beispiel zeigt ja, dass im internationalen Fußball durchaus ein Mangel an Torhütern mit Erfahrung und der nötigen Fitness besteht.“
Der gebürtige Chemnitzer Rost bestritt für Werder Bremen, Schalke 04 und den HSV insgesamt 422 Bundesligaspiele. Viermal hütete er das Tor der deutschen Nationalmannschaft, sein größter sportlicher Erfolg war der Gewinn des DFB-Pokals 1999 mit Werder Bremen.“

Dann gibt es noch eine Reihe interessanter Zahlen:

Der HSV steht in der Gunst der Zuschauer zurzeit an vierter Stelle der Tabelle. Borussia Dortmund führt (15 Spiele, gesamt 1 184 120 Fans), dahinter folgen Bayern München (1 035 000), Schalke 04 (920 464) und der HSV (815 594). Platz fünf hat der 1. FC Köln inne (712 300), den letzten Platz belegt Mainz 05 mit 302 500 Zuschauern.

Und in der Rückrunden-Tabelle belegt der HSV Platz acht. Nur Platz acht. Davor sind Leverkusen (28 Punkte), FC Bayern (26), Dortmund (26), Nürnberg (24), Hannover 96 (23), Stuttgart (21) und der 1. FC Köln (20). Der HSV folgt mit 19 Punkten, dann geht es mit Schalke (18) und Mönchengladbach (16) weiter. Schlusslicht ist Frankfurt (sieben).

Und auch das gibt es noch vom HSV:

Markus von Ahlen soll beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitliga-Klub Arminia Bielefeld als Nachfolger des scheidenden Cheftrainers Ewald Lienen die Weichen auf eine erfolgreichere Zukunft stellen. Die Ostwestfalen stellten den 40 Jahre alten Ex-Profi am Montag als Trainer für die kommenden zwei Spielzeiten vor.
Markus von Ahlen arbeitet zurzeit als B-Junioren-Coach beim Bundesliga-Klub HSV und war zuvor in gleicher Funktion bei seinem Ex-Verein Bayer Leverkusen tätig. Als Profi spielte von Ahlen außer für Leverkusen auch für den VfL Bochum, SV Meppen, Bayer Uerdingen und Alemannia Aachen. Bielefeld plant als abgeschlagenes Schlusslicht der Zweitliga-Tabelle bereits für einen Neuaufbau in Liga drei.

Geübt wird am Dienstag um 10 und 15 Uhr im Volkspark.

19.00 Uhr