Tagesarchiv für den 14. April 2011

Optimismus pur beim HSV – verlängert Petric?

14. April 2011

Da geht doch was! Entgegen der Aussagen seines Beraters Volker Struth, der vom ersten Treffen mit dem neuen HSV-Vorstand enttäuscht war, zeigte sich Mladen Petric zufrieden. „Es war ein atmosphärisches Gespräch, aus dem ich positive Schlüsse ziehe“, sagt der Angreifer, mit dem der HSV gern vorzeitig verlängern würde. „Beide Seiten können sich vorstellen, weiter zusammen zu arbeiten.“

Das klingt doch mal ordentlich. Und obgleich derartige Wasserstandsmeldungen selten wirklich aussagekräftig sind, stimmt zumindest mal die Tendenz. Zumal Mladen, dessen Trikot wir morgen verlosen werden, hinzufügte, dass es in dem ersten Gespräch insbesondere darum ging, alte Rechnungen zu begleichen, beziehungsweise alte Fehden zu beenden. In dem Gespräch sei es auch um das Szenario im letzten Sommer gegangen, wo Petric seinen bereits mit dem VfB Stuttgart eingetüteten Wechsel vom alten HSV-Vorstandsboss Bernd Hoffmann untersagt wurde. Und das, obwohl man dem Kroaten zuvor suggeriert hatte, dass er bei einem passenden Angebot wechseln dürfe. „Sie wollten wissen, ob ich mir einen Verbleib jetzt vorstellen kann, oder ob das Sommertheater zu tief sitzt.“
Tut es nicht. Sagt Mladen selbst. Dafür nagt an dem Top-Torjäger des HSV der Frust über fehlende internationale Spiele. „Mir wäre etwas mehr Belastung lieber“, sagt Petric, „denn wenn man seine gesamte Karriere immer international gespielt hat, fehlt einem schon was. Ich vermisse die Reisen, das Training im fremden Stadion am Vorabend. Und vor allem die Spiele.“ Deshalb gelte jetzt nur noch das Ziel Europa League. Trotz der aktuell drei Punkte Rückstand auf den fünften Platz (Mainz 05) und dem Tabellen-Dritten aus Hannover als nächsten Gegner: „Hannover 96 ist eine große Überraschung“, lobt Petric, „aber wir reden hier auch nicht über eine Übermannschaft. Unser Anspruch muss sein, im eigenen Stadion jedes Spiel zu gewinnen. Auch das.“

Geht es nach den Trainingsleistungen – ich weiß, die waren bislang eher wenig aussagekräftig, sind aber eben doch der einzige Gradmesser unter der Woche – dann könnte es am Sonnabend gegen den kleinen HSV auch echt was werden. Im heutigen Training wurde viel Abschlüsse geübt. Und was die Heroen da alles einnetzten war schon beachtenswert. Vorne weg David Jarolim, aber auch unsere „Tormaschinen“ Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero netzten ein, was das Zeug hielt. Und bevor beim gemeinsamen Grillen dem leiblichen Wohl gefrönt wurde, verschafften sich die Spieler mit verschiedenen Erfolgserlebnissen im Training neues Selbstvertrauen. „Man merkt, dass die Stimmung dahin geht, das man einen Sieg erwartet“, will Oenning erkannt haben und stimmt selbst mit ein: „Ich liege da mit den Jungs auf einer Wellenlänge. Wir haben Top-Bedingungen. Gutes Wetter und das Stadion wird voll sein. Wir werden da anknüpfen, wo wir gegen Dortmund aufgehört haben.“

Wobei selbstredend nicht das späte Gegentor, sondern insbesondere die gute erste Halbzeit sowie die geschlossene Mannschaftsleistung in der zweiten Hälfte nach dem Platzverweis für Ben-Hatira gemeint war. „Wir brauchen den Sieg, wir wollen den Sieg. Weil wir im Rennen um die internationalen Plätze bleiben wollen. Viele Spiele haben wir ja nicht mehr. Wenn es nicht gelingt, muss danach schon alles passen, um noch eine Chance zu haben“, sagt Oenning. Dabei ist ihm auch ein Punkt zu wenig. Nur ein Sieg zählt. „Die Mannschaft brennt darauf“, verrät Oenning. Davon habe er sich in den Trainingseinheiten überzeugen können, in denen nach seiner Aussage ordentlich die Fetzen geflogen sind.

Dass es ein harter Gang gegen die Niedersachsen wird, weiß Oenning. Und während aus Hannover von 96-Trainer Mirko Slomka von einem „brutal-schweren Auswärtsspiel spricht“ lobt Oenning die 96er: „Sie spielen ein flaches 4-4-2 und schnell nach von, wo sie zwei sehr gute Stürmer haben. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so der HSV-Coach, der nicht daran glaubt, dass seine Spieler den nächsten Gegner ob fehlender großer Namen unterschätzen: „Zum jetzigen Zeitpunkt unterschätzt die keiner mehr.“

Drei Punkte Rückstand hat der HSV, der morgen auf einen Sieg von Borussia Mönchengladbach in Mainz hofft und der am Sonnabend im eigenen Spiel eine Position neu besetzen muss: die von Gelb-Rot-Sünder Änis Ben-Hatira. „Ich habe da schon eine Idee“, so Oenning, der heute im Training alle möglichen Variationen ausprobierte. Im dreigeteilten Abschlussspiel ließ er zunächst Eljero Elia rechts für Ben-Hatira und Marcell Jansen auf der linken Seite ran, ehe er Tunay Torun für Elia reinnahm und Elia wiederum auf Jansens Position setzte. Im letzten Drittel kam dann Jonathan Pitroipa rechts zum Zug, blieb aber im Contest mit den beiden ersten Varianten einiges schuldig.

Wer Oenning am besten gefallen hat? „Ich war positiv überrascht“, so der Cheftrainer, „sie haben mir alle drei etwas angeboten. Es wird ein lauffreudiger Spieler sein, der sowohl offensiv als auch (womit Pitroipa wohl aus dem Rennen ist, Anm. d. Red.) defensiv arbeitet.“ Die meisten, auch ich, rechnen eh damit, dass Jansen auf links rückt und Elia für Ben-Hatira die rechte Bahn übernimmt.

Gar keine Rolle spielt in den Überlegungen Piotr Trochowski. Auch gegen Hannover darf sich der abwandernde Deutsch-Pole nicht auf ein erstes Abschiedsspiel freuen. Sagt Oenning zumindes. „Im Moment steht die Mannschaft aufgrund Ihrer Leistung.“ Soll heißen, es gibt keinen Grund, etwas zu verändern. Bis auf die rechte Bahn eben.

Das wiederum bedeutet auch, dass sich Joris Mathijsen auf der Bank wiederfinden wird. Zumindest, wenn er seine Knöchelprobleme wieder in den Griff kriegt. „Joris hat voll mittrainiert, hat aber noch Beschwerden. Bei ihm entscheiden wir am Freitag, ob es für den Kader reicht“, sagt Oenning. Gleiches gilt für Guy Demel, der heute wegen Magen-Darm-Problemen fehlte, während Pitroipa zwar ob einer Wunde an der Achillessehne früher aufhörte, aber bis Sonnabend, wahrscheinlich sogar schon am Freitag wieder fit sein soll.

Die Auswahl ist wieder groß vor dem Spiel gegen Hannover. Gut für Michael Oenning, der als studierter Sport- und Deutschlehrer rhetorisch bekanntermaßen gut ausgebildet ist, wie er heute den Jungen und Mädchen, die im Rahmen des „Girl’s Day“ gestern bei der Pressekonferenz fragen stellen durften, bewies. Mit der Frage, ob Oenning denn auch über die Saison hinaus in Hamburg bleibt, wollte ein Junge wissen, ob der Münsterländer auch kommende Saison als Cheftrainer beim HSV arbeiten wird. „Ich werde ganz sicher noch länger in Hamburg bleiben“, so Oenning, der damit bei uns für kurzweiliges Aufsehen sorgte. Die Entscheidung? Mitnichten. Denn Oenning fügte hinzu: „Das aber erst mal nur deshalb, weil meine Familie hier lebt. Ansonsten gibt es nichts Neues zu berichten.“ Noch nicht. Allerdings, so habe ich es gehört, soll schon nach dem Hannover-Spiel eine Entscheidung bekanntgegeben werden. Mit guten Chancen für Oenning. Zumal, wenn der HSV gewinnt und dadurch eventuell näher an die Europa-League-Plätze rückt.

In diesem Sinne, ich glaube bis zur letzten theoretischen Chance daran und freue mich auf eine Endphase, die sehr, sehr spannend werden kann.

Scholle

19.10 Uhr

P.S.: An dieser Stelle möchte ich noch mal unseren Blogvater Dieter grüßen, der seit Dienstag mit einer deftigen Grippe flachliegt. Gute Besserung, mein Freund!!