Tagesarchiv für den 13. April 2011

Troche spricht und Hilke stellt neues Organigramm vor

13. April 2011

****Wichtige Ergänzung am Textende*****
Eigentlich war es ein richtig guter Tag rund um das Stadion heute. Die Sonne schien, das Training war gewohnt stimmungsreich und hatte viel Tempo. Und es waren alle dabei, bis auf Miroslav Stepanek. Joris Mathijsen trainierte mit und selbst Romeo Castelen war erstmals wieder im Mannschaftstraining am Ball. Auch wenn er im abschließenden Turnier acht gegen acht nicht mitwirkte, sondern sein separates Training mit Markus Günther absolvierte. Und die großen sportlichen Fragen: wer rutscht am Sonnabend gegen Hannover wieder in den Kader? Und wer besetzt den vakanten Posten von Änis Ben-Hatira auf der rechten Mittelfeldseite?

Einer der Kandidaten war und ist Jo-nathan Pitroipa, der zuletzt nicht einmal mehr im Kader stand. „Er bietet mir was an“, sagt Oenning, „so, wie wir es besprochen hatten.“ Demnach ist der Burkinabe eine echte Alternative. Ebenso wie Eljero Elia, den Oenning zwar am liebsten auf links sieht („Da kann er zur Mitte ziehen und mit seinem starken Fuß zum Abschluss kommen“), dem er aber auch die rechte Seite zutraut, womit Marcell Jansen auf Links zum Einsatz kommen könnte: „Über rechts würde Eljero verstärkt zum Flanken kommen“, so Oenning, „es ist eine Abwägungssache.“

Die gilt auch für Piotr Trochowski, der im heutigen Training ebenso wie Elia mit Toren zu gefallen wusste, der sich allerdings nach dem Saisonende verabschieden wird in Richtung Sevilla. Schon am vergangenen Wochenende gastierte Trochowski bei seinem neuen Klub, leistete dort letzte Unterschriften und schaute sich seine neue Heimat an. Eine Heimat, die er vorher nur aus den Erzählungen eines guten Freundes kannte, der dort vor drei Jahren studiert hatte. „Ich habe mich bewusst nicht bei anderen Leuten erkundigt, weil ich mir mein eigenes Bild machen will.“

Und er will sich dort seine neue Zu-kunft aufbauen. „Den nächsten Schritt machen“, nennt der Mittelfeldspieler sein primäres Ziel. Und obgleich er in Spanien leicht aus dem Fokus des Bun-destrainers Joachim Löw fallen könnte, setzt er auf den gegenteiligen Effekt. „Ich hoffe, dass ich mich dort mit Leistung und Erfolgen wieder für die Nationalmannschaftqualifizieren kann.“ Denn das große Ziel des Hamburgers mit polnischen Eltern ist und bleibt die EM in seiner zweiten Heimat Polen, das das Endturnier zusammen mit der Ukraine 2012 ausrichten darf. „Es ist das Riesenziel für mich“, so „Troche“, der diese Teilnahme in Hamburg gefährdet sah. „Mein Entschluss hat sich aufgebaut. Ich hatte in der Hinrunde noch gesagt, dass ich abwarten will, wie sich alles entwickelt. Und anfangs lief es für mich. Ich spielte viel. Das hat sich inzwischen verändert, deshalb war mein Schritt nur logisch.“ Behauptungen, wonach der Verein ihm abgesagt und er sich anschließend für einen neuen Klub entschieden habe dementiert der schussstarke HSV-Profi.

Dennoch, bei aller Vorfreude auf die statistisch heißeste Stadt Europas, etwas Wehmut bleibt. „Ich habe schon mit 15 einen riesen Schritt gemacht und bin allein nach München. Das war nicht einfach. Aber ich bin zurückgekommen und hatte alles wieder. Und ich hatte in Hamburg in den letzten 6,5 Jahren auch sehr viele schöne Dinge, viele Erfolge. Ich bin hier zum Nationalspieler geworden. Hamburg ist meine Heimat.“ Deswegen sei es schon ein sehr schwerer Schritt, den er zusammen mit seiner Verlobten Melanie gehen wird. „Sie kommt mit. Für sie wird es wahrscheinlich noch schwerer als für mich.“ Zumal Troche schon zu seinen Zeiten in München Weitblick bewiesen hatte und damals anfing, nach der Schule Spanisch zu lernen. „Ich habe es damals wieder aufgegeben, als die anderen aus meinem Jugendhaus aufhörten und habe es erst vor einem Jahr hier wieder aufgenommen. Aber die lebensnotwendigen Dinge weiß ich schon.“

Wichtiger noch ist für Trochowski die Hoffnung, sportlich den nächsten Karriereschritt zu machen. Und das im Ausland. „Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga kam für mich nicht infrage. Ich hatte schon vor zwei Jahren gesagt, dass das Ausland eine wichtige Erfahrung sein kann.“ Auch wenn es dabei in Sevilla eher nicht um Titel gehen dürfte. „Der FC Barcelona und Real Madrid machen das eigentlich immer unter sich aus. Es geht um die Champions-League-Plätze dahinter. Und der FC Sevilla ist ein guter Verein mit einer sehr guten Perspektive.“

Zumal ihm beim FC Sevilla die Position in Aussicht gestellt wurde, die er beim HSV nur zu gern gespielt hat und gern spielt: „Ich bin im Zentrum im Mittelfeld vorgesehen.“ Zudem würde die Art, Fußball zu spielen, in Spanien gut zu ihm passen: „Es wird mehr auf Fußball geachtet, ist noch etwas Technischer als in Deutschland.“ Womit Trochowski bei aller Kritik definitiv aufwarten kann – und die er nur zu gern auch noch in Hamburg noch mal zeigen würde. „Ich würde gern noch mal spielen. Ich würde es gern noch mal wiederholen, so, wie damals in Frankfurt.“ Dort hatte er vor knapp zwei Jahren unmittelbar vor Abpfiff des 34. Spieltages den Siegtreffer erzielt und damit die Teilnahme an der Europa League gesichert. Auch wenn er dabei im Abseits stand, sagt er heute: „Ich würde auch drei Meter Abseits in Kauf nehmen, wenn mir das noch mal gelingen sollte.“

Und ganz ehrlich, warum nicht??

Würde eine Teilnahme an der Europa League doch so einiges vermeiden und verbessern. Wie beispielsweise die Situation einiger Aramark-Mitarbeiter/-innen. Heute unterhielt ich mich mit einer/einem, der mir erzählte, dass seine Arbeitsstunden drastisch eingekürzt werden. Von 50 auf 35 Stunden. Das wiederum schlägt sich prozentual auf seinen Verdienst nieder. Ergo: die/der immer sehr zuvorkommene, hilfsbereite Dame/Herr muss ihrer/seiner eigenen Aussage nach auf 30 Prozent Gehalt verzichten. „Weil der HSV aktuell ohne Europa League planen soll, wie uns gesagt wurde.“ Ein Umstand, den ich bei Aramark Deutschland in Neu-Isenburg hinterfragte, der mir aber bislang weder bestätigt, noch demen-tiert wurde.

Ergo, ich glaube dem/der Mitarbei-ter/in und sage: mach’s noch einmal Troche!

ACHTUNG! Ab hier geht’s um Vereinspolitik.

Und die begann heute morgen um elf Uhr mit einer knapp einstündigen Info-Veranstaltung des gesamten Vorstandes für ihre Belegschaft. Dabei informierten Jarchow, Hilke, Scheel und Reinhardt die Mitarbeiter über den Status Quo. „Es gab ein gewisses Maß an Unsicherheit. Unser Bemühen war, den Mitarbeitern ein gewisses Maß an Ruhe zu geben“, erklärt Joachim Hilke, der sich zuletzt federführend um eine Op-timierung des Mitarbeiterstabes gekümmert hatte, was wiederum für Ängste unter den Mitarbeitern gesorgt hatte. „Wir haben uns alles angeschaut, viele Gespräche geführt und Stellenprofile erstellt“, so Hilke.

Aktuell arbeiten rund 180 Mitarbeiter in Festanstellung beim HSV, hinzu kommen etliche Praktikanten und Aushilfskräfte. Ein Konstrukt, dem sich Hilke und Jarchow in ihren ersten vier Wochen intensiv widmeten. „Es gibt keine Vorgabe, dass wir um einen bestimmten Betrag kürzen müssen“, dementiert Hilke die Behauptung, es würde um einen Millionenbetrag allein im Bereich der Geschäftsstelle gehen. Und fügt im gleichen Atemzug hinzu: „Es geht da-rum, effizienter zu werden. Es gab und gibt hier viele Leute mit sehr vielen guten Ideen. Es ist unsere Pflicht, an allen Stellen Kompetenz zu haben.“ Aber, und das stellt Hilke klar: „Es gab Positionen, die doppelt und dreifach besetzt waren.“

Mehr Effizienz soll auch die Neuge-staltung der Führungsebene bewirken. „Wir haben eine erste Managementebene eingezogen“, sagt Hilke. Die sieht vor, dass unter dem Ersten Vorsitzenden Jarchow sowie den drei Vorständen Joachim Hilke, Frank Arnesen und Oliver Scheel hierarchisch drei neue Direktoren kommen. Für den Technischen Bereich (Sport, inklusive Aufstellung Jugendbereich) verantwortlich und damit als einziger neu dabei ist Arnesen-Intimus Lee Congerton, während Jörn Wolf den neu geschaffenen Posten des Mediendirektor inne hat und Cay Dingworth Finanzdirektor wird.

Zudem wird sich Hilke selbst um eine höhere Auslastung des eigenen Stadions kümmern. „Die Arena muss man stärker nutzen“, so Hilke, der hier auf eine höhere Auslastung mit Großevents hofft, um so zusätzliche Einnahmen für den Klub generieren zu können, nachdem feststeht, dass der HSV die Saison mit einem Minus abschließen wird. Wie hoch das sein wird, ist noch nicht endgültig zu sagen, da sich noch verschiedene Dinge in der Schwebe befinden. „Es wird aber deutlich geringer als zehn Millionen Euro sein“, erklärt Hilke, der allen Aufsichtsräten die Zahlen am Dienstag „in einer sehr harmonischen und konstruktiven Sitzung vorstellte. So soll zum Beispiel soll Arena-Caterer Aramark dem HSV drei Millionen Euro geboten haben, um dessen Kündigungsklausel abzukaufen. „Auch hier gibt es noch keine Entscheidung“, so Hilke, der klarstellt: „Das Minus wird einstellig – das ist definitiv.“

In diesem Sinne,

Euch allen einen schönen, spannenden oder zumindest sportlich hochwertigen Champions-League-Abend,

Scholle

18.30 Uhr

******Wichtige Ergänzung: Wie mir der sympathische Kollege und Chef von HSV-Vermarkter Sportfive, Eike Gyllensvärd, eben versicherte, haben die Kunden, die ihre Logen oder Business-Seats gekündigt haben, keine Konzerttickets geschenkt, sondern lediglich zum Kauf angeboten bekommen.******