Tagesarchiv für den 11. April 2011

Ein Millionen-Loch – und keine Rote Karte

11. April 2011

Kein Training im Volkspark – das ist ein Hauch von Sommerloch. Das Gesprächsthema in der Stadt war heute das Millionen-Loch. Dazu schrieb heute, ich stelle es aus besonderem Grund hier rein, der Sport-Informations-Dienst (SID):

Millionen-Loch in der Kasse: HSV muss noch mehr sparen.

„Beim Fußball-Bundesligist Hamburger SV muss der Gürtel noch enger geschnallt werden als ohnehin schon geplant. Nach übereinstimmenden Berichten Hamburger Medien wird der Hamburger Traditionsverein die laufende Spielzeit mit einem Minus von rund zehn Millionen Euro abschließen. Um eine finanzielle Schieflage zu vermeiden, ist darüber hinaus mit Blick auf die kommende Saison ein Absenken der Gehaltskosten von jährlich 47 auf 35 Millionen Euro erforderlich.
Einen genauen Überblick will sich der HSV-Finanzausschuss auf einer Sitzung am Dienstag verschaffen. Weiteres Ungemach droht dem Traditionsklub auf der Einnahmeseite. Mehr als ein Viertel aller Business-Seats in der Hamburger WM-Arena wurden zum Saisonende gekündigt.
Auch das umstrittene Sponsorenmodell des Hamburger Milliardärs Klaus-Michael Kühne soll zur Sprache kommen. Der Logistikunternehmer hatte den Hanseaten im vergangenen Jahr für Spielerverpflichtungen eine Summe von 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, ist dafür aber im Gegenzug zu jeweils einem Drittel an den Transfererlösen von sechs HSV-Profis beteiligt.“

Warum ich das hier veröffentliche? Vor einigen Wochen (oder auch Monaten) stand hier bei „Matz ab“ auch schon etwas vom „Millionen-Loch“ des HSV. Damals geschrieben von meinem Kollegen Marcus „Scholle“ Scholz. Was haben wir, was hat er, nicht alles um die Ohren bekommen. Auseinander genommen wurde er, wurden wir. Eine Frechheit wäre es, so etwas zu behaupten. Ich hätte dieses Thema so explizit nicht mehr aufgegriffen, wir schreiben seit Wochen (und Monaten), dass die HSV-Kasse leer ist. Das genügt. Ob es nun zehn, 14, 21 oder gar 23 Millionen sind, die fehlen, das ist mir völlig egal – sie fehlen eben. Oder auch nicht. Und das werde ich nicht ändern können. Der HSV muss damit leben, die Herren, die nun am Ruder sind die müssen es richten – und ändern. Oder sie müssen – ganz einfach – auch nur damit leben können. Überleben. Als DER Dino in der Liga.

Wer sich nun wieder beschweren will, der sollte seine Beschwerde bitteschön an den HSV und seine Führung richten. Denn diese Herren sprechen nun vom „Millionen-Loch“ – nicht ich, nicht wir. Ich gebe nur zu bedenken, dass sich eventuell auch einmal der eine oder andere User hier, der Scholle, mich und auch die ganze Hamburger Journaille beschimpft hat, entschuldigen könnte. Denn es wurde ja nur, auch wenn es sehr, sehr schmerzlich ist für alle, das geschrieben, was jetzt vom HSV verkündet wurde. Aber so spielt das Leben, selbst dafür bekommt man eben mal um die Ohren – von denen, die die Wahrheit nicht verkraften können, oder sie auch nicht hören oder lesen wollen.
Um die Ohren, da bin ich mir ganz sicher, wird es auch jetzt noch einmal geben (oder zweimal, dreimal – zig Mal), aber ich bin ein steter und wackerer Kämpfer für die Gerechtigkeit, und wenn man dafür dann abgestraft wird, dann bin ich eben schon mal in wenig sauer.
Aber das soll es zu diesem Thema nun auch fast schon gewesen sein.

Fast. Zum „Millionen-Loch“ gab es noch (oder schon) den einen oder anderen Leserbrief, hier kommt dazu ein etwas anderer. Und zwar einer, der sich mit der sportlichen Seite dieser Medaille beschäftigt:

„Lieber Herr Matz, ich bin seit 45 Jahren HSV-Fan – und hoffe jedes Jahr auf einen Titel. Ich lese jeden Tag „Matz ab“. Jetzt hoffe ich, dass endlich mal Ernst gemacht wird mit Förderung der eigenen Jugend. Was mich umtreibt, Ihnen diese Mail zu schreiben ist, dass ich erfahren habe, dass die großen Klubs der Liga, Bayern München, BVB, Leverkusen, an dem 15-jährigen Seeler-Enkel dran sind (ein großes Talent!), der beim HSV in der Jugend spielt und U-15-Nationalspieler ist. Meine Frage: Ist denn der HSV selbst schon tätig in dieser Richtung? Wird etwas getan, um diesen jungen Spieler zu fördern und beim HSV zu halten?“
Werner Godbersen

Lieber Herr Godbersen, vielen Dank, dass ich Ihnen per „Matz ab“ antworten darf, und dass ich auch Ihren Namen nennen darf. Ich kann Ihnen versichern, dass der HSV in er kommenden Serie (oder mit Beginn der kommenden Saison) auf den Nachwuchs setzen wird – weil er dazu gezwungen wird. Wie einst Borussia Dortmund, als es da ebenfalls ein „Millionen-Loch“ gab. Der HSV wird auf die Jugend setzen müssen, und ich persönlich hoffe, dass dazu auch eines Tages Uwe Seelers Enkel Levin Oeztunali dazu gehören wird. Ich sprach mit dem Vater Mete (der Mann von Seeler-Tochter Frauke) und der sagte mir: „Wir haben in der Tat viele Anfragen aus der Bundesliga – und aus dem Ausland. Aber wir sind auch im Gespräch mit dem HSV.“ Dann habe ich gesagt: „Es ist für mich unvorstellbar, dass Uwe Seelers Enkel für Bayern München, Dortmund oder auch Leverkusen, eventuell sogar für Inter Mailand spielt.“ Dazu Mete Oeztunali: „Das ist nicht so einfach, das stimmt . . .“ Er sagte aber auch: „Die Eltern wollen doch immer nur das Beste für ihre Kinder.“ Wie überall auf der Welt. So auch in Norderstedt. In diesem Fall aber würde ich sagen, muss der HSV schon einmal in den Quark kommen. Was wäre das wohl für ein Eigentor, wenn Levin Oeztunali, Uwe Seelers Enkelkind, eines Tages gegen den HSV Tore schießt? Das geht ja gar nicht.

Mit dem ehemaligen Chef des HSV-Aufsichtsrates, Udo Bandow, sprach ich auch heute. Wie viele andere Zuschauer fragte er mich: „Warum hat der Schiedsrichter Gagelmann am Sonnabend eigentlich keine Rote Karte gegen den Dortmunder Mats Hummels gezogen, als der Mladen Petric foulte und damit den Elfmeter verursacht hatte?“ Gute Frage. Weil ja parallel zu dem Spiel in Hamburg in zwei anderen Stadien (Freiburg, Hannover) zweimal Rot nach Notbremsen (plus Elfmeter) gegeben worden ist.

Ich sprach deshalb mit dem Vorsitzenden der Schiedsrichter-Kommission, Herbert Fandel. Der ehemalige Spitzen-Schiedsrichter sagte zu dieser Szene: „Keine Frage, es hätte Rot für den Dortmunder Hummels geben müssen, das haben wir Herrn Gagelmann auch gesagt.“ Auf meine Frage, ob Gagelmann nun gesperrt wird, antwortete Fandel lachend: „Die Vereine nehmen doch auch keinen Mittelstürmer vom Platz, wenn er aus fünf Metern das leere Tor nicht getroffen hat. Nein, nein, trotz des einen Fehlers, den Peter Gagelmann gemacht hat, brauchen wir einen so guten Schiedsrichter wie ihn in der Schlussphase der Meisterschaft, wir brauchen ihn sogar dringend. Er ist nämlich einer unserer besten Männer, er hat in dieser Saison sehr gute Leistungen geboten – auch beim Spiel HSV gegen Dortmund.“
Und, Herr Fandel, könnte der HSV eventuell Protest einlegen, weil es die Rote Karte nun nicht gegeben hat? Herbert Fandel wieder lachend (halbwegs jedenfalls): „Ich glaube es geht los . . . Natürlich nicht.“

Immerhin hat der DFB ja schon vor Wochen bei der FIFA beantragt, dass diese unsinnige Regel (bei einer Notbremse zwingend Rot zu geben) abgeändert wird. Herbert Fandel: „Ich halte diese Bestimmung auch für falsch, denn eine Mannschaft wird ja für ein Foul zweimal bestraft. Ein Elfmeter genügt, denn damit wird ja auch die große Torchance, die es zuvor gegeben hat, wieder hergestellt. Eine Karte zusätzlich als Bestrafung würde dann von der Schwere des Vergehens abhängen. Rot wäre dann vertretbar, wenn ein Stürmer bei der Notbremse brutal umgetreten worden ist.“

Da ich zuvor auch kurz mit dem ehemaligen Welt-Schiedsrichter Hellmut Krug über diesen „Fall“ gesprochen habe, erfuhr ich ganz nebenbei, dass die Schiedsrichter montags Video-Stunde haben, die etwas andere Aufklärung für die Zeit danach. Da werden nämlich die strittigen Szenen des Wochenendes, ob nun positiv oder negativ für die Unparteiischen, zusammengestellt – und dann als Anschauungsunterricht versendet. Die Szene vom „Elfmeter ohne Karte“ in Hamburg war diesmal dabei. Ob positiv oder negativ, das entzieht sich meinen Kenntnissen. Will ich auch gar nicht wissen, denn ich fand Peter Gagelmann ja auch gut – in Hamburg.

So, beim HSV herrscht heute eigentlich „tote Hose“. Bei „Twitter“ hieß es, dass Stale Solbakken (noch FC Kopenhagen) beim künftigen HSV-Sportchef Frank Arnesen gewesen ist, um den Vertrag als HSV-Trainer perfekt zu machen. Ich glaube das nicht, ich glaube weiterhin, dass Michael Oenning Chef-Trainer in Hamburg bleiben wird. Und noch ein Gerücht, das mir beim Dortmund-Spiel von einem BVB-Reporter gesteckt wurde: Die Borussia hat sich wohl auch um Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan (20) bemüht, doch angeblich soll dieser dankend abgelehnt haben – mit dem Verweis, dass er zum HSV möchte.
Weil der Nürnberger dort auf den ehemaligen Nürnberger Oenning treffen würde? Finanzielle Gründe könnte eine solche Entscheidung jedenfalls nicht haben. Dortmund mit dem Champions-League-Start ist da ganz sicher super im Vorteil. Aber wenn Gündogan käme – ich hätte absolut nichts dagegen.

Zwei Glückwünsche habe ich an dieser Stelle noch anzubringen: Heute feiert Horst Schnoor, für viele HSV-Fans der beste HSV-Torwart aller Zeiten, seinen 77. Geburtstag, und am Dienstag wird Jonathan Pitroipa 25 Jahre jung.

Training heute um 10 und 15 Uhr im Volkspark.

18.44 Uhr