Tagesarchiv für den 10. April 2011

Fix was los in der Liga!

10. April 2011

Also sprach Jürgen Klopp – und der Dortmunder Trainer sprach ganz schön lange: „Ich wünsche dem HSV und Michael Oenning wirklich das Allerbeste, und dem HSV ausnahmsweise eine ruhige Hand bei der Trainer-Entscheidung – weil man einfach sieht, wie sich eine Mannschaft entwickeln kann. Dann kann man so spielen wie wir. Das kann man auch über 90 Minuten, das haben wir heute zwar nicht, weil der Gegner es nicht zugelassen hat, aber wenn eine Mannschaft das nicht darf, dann hat man trotz der Qualität ein paar Probleme.“ Dann schloss Klopp seinen Vortrag wie folgt: „Aber das ist ja nicht mein Thema, so richtig – so . . .“ Und Ende. Nun trat Michael Oenning auf den Plan, er nahm den Ball auch dankbar an: „Dann sind wir ja in einem Boot. Das ist ja auch nicht mein Thema.“ Klopps Konter: „Du kannst ja auch etwas über mich sagen.“ Das aber geschah nicht.

Nach dem 1:1 zwischen dem HSV und Borussia Dortmund stand der Fußball, das Spiel, die Dramatik, der späte Dortmunder Ausgleich, die Elfmeter-Entscheidung ohne Platzverweis und auch so manche Personalie im Blickpunkt. Und auch Oenning. Der ist nach drei Spielen als Che-Trainer immer noch ungeschlagen, und das ist für viele Beteiligte und auch bei Randfiguren eine geeignete Bewerbung, um auch in der nächsten Saison noch Chef-Coach des HSV zu sein.

Um einmal meine Meinung zu diesem Thema kundzutun: Oenning hat klare Vorstellungen von dem, was die HSV-Mannschaft spielen soll, und diese Gedanken hat er den Spielern auch schon vermitteln können. Oenning hat, seit er Chef ist, die Taktik verändert, er hat personelle Veränderungen im Team vorgenommen, er spricht viel mit den Spielern, und er hat, ganz wichtig, die Anforderungen im Training verschärft. Und, das ist dann das Allerwichtigste: Das alles findet Gefallen bei der Mannschaft, die Spieler unterstützen ihren neuen Boss, sie haben ganz offenbar wieder mehr Freude und Spaß an ihrem Job. Jedenfalls trifft man in diesen Tagen keinen HSV-Profi, der etwas Gegenteiliges verrät. Weder offiziell noch hinter der vorgehaltenen Hand. Chaos war gestern, und das ist dieser HSV-Mannschaft jetzt deutlich anzumerken. Und Michael Oenning hat es binnen kurzer, ganz kurzer Zeit sogar geschafft, dass seine Handschrift schon in kurzen Zügen erkennbar ist. Das spricht für ihn.

Und weil ich weiß, dass darüber ganz sicher auch diskutiert wird: Natürlich ist mir nicht entgangen, dass der HSV in der zweiten Halbzeit schwächelte und schwächelte. Kraft und Kondition gingen (bei der Wärme) immer mehr über die Wupper. Während bei Dortmund keinerlei Schwächen dieser Art erkennbar waren, machten sich auf den Tribünen viele, viele HSV-Fans ganz großen Sorgen, denn sie befürchteten den kollektiven konditionellen Einbruch. Der HSV stand (im wahrsten Sinne des Wortes) am Rande einer Niederlage, der HSV wankte dramatisch, aber er kippte nicht um. Wobei das Glück dabei auch ein wenig Pate stand, denn die Borussia hatte eine Reihe bester und hochkarätigster Tormöglichkeiten. Der Dortmunder Hummels zu diesem Thema: „Man hat gesehen, wie schwer es für viele Gegner ist, unser Tempo über 90 Minuten mitzugehen.“

Deswegen bleibt für mich unter dem Strich: In Sachen Kondition kann der HSV nicht nur besser werden, er muss es sogar. Was in dieser Saison nicht mehr klappen wird, aber dann zur nächsten. Und dadurch, dass Michael Oenning dieses Defizit ja erkannt hat (er lässt ja seit dem Trainerwechsel) härter und wesentlich intensiver trainieren, kann das auch mit ihm in der nächsten Spielzeit funktionieren.

Ich war ja in Sachen Oenning und Chef-Trainer sehr skeptisch, das gebe ich zu. Nicht weil ich dem ehemaligen Nürnberger es nicht zugetraut hätte. Es war vielmehr die Tatsache, dass Frank Arnesen in meinen Augen wohl eher einen totalen Neuanfang starten würde, um keinerlei „Altlasten“ übernehmen zu müssen, die mich zu meinem Gedankenspiel veranlasste. Inzwischen denke ich ein wenig anders darüber. Weil erstens Oenning gute Arbeit leistet, weil er von allen, wirklich allen Seiten Anerkennung erhält, und weil der HSV das Geld, was für einen neuen Trainer (mit Namen und internationalem Ruf) aufgebracht werden müsste, ja gar nicht mehr in der Kasse hat. Und das bisschen Geld, was im Volkspark noch zusammengekratzt werden kann, das sollte, und eventuell reift ja auch bei Arnesen dieser rationale Gedanke, dann doch besser in den einen oder anderen Spieler investiert werden.
So gesehen sind Michael Oennings Chancen, in der Saison 2011/12 Chef-Trainer des HSV zu werden, sehr stark gestiegen. Ähnlich formulierte es HSV-Chef Carl Edgar Jarchow gegenüber der DPA: „Seine Chancen steigen stetig.“

Und wo ich gerade bei dem Thema Trainer bin – es passt einfach zu schön: Bayern Münchens Führung hatte vor Wochen ja die Trennung von Coach van Gaal verkündet. Zum Saisonende. Als danach die Ergebnisse ausblieben, fragten meine Kollegen immer wieder beharrlich nach: „Und, gibt es jetzt eine vorzeitige Trennung vom Trainer?“ Die Antwort gab meistens Chef Rummenigge: „Nein, nein, nein. Wir haben entschieden – und dabei bleibt es.“ Natürlich. Natürlich nicht. Das Gentleman’s Agreement zwischen Louis van Gaal und den Bayern-Bossen ist nur noch Makulatur. Der Holländer ist geflogen. Damit die Spieler wieder mehr Spaß an der Freud haben – und keine Angst mehr vor ihrem Trainer. Da kommt noch einiges an Dreck hinterher, ganz sicher. Und es zeigt mir, dass auch der FC Bayern nicht gegen gewisse Mechanismen in der Bundesliga an kann. Wie schön zu wissen.
Übrigens: Schon elf Cheftrainer wurden in dieser 48. Spielzeit beurlaubt oder entlassen. Der Trend ist erkennbar . . .

Dazu passt auch, was Bayerns Uli Hoeneß heute in Richtung van Gaal gesagt hat:
„Erfolg ist etwas, aber Spaß machen ist das andere. Und der Spaß hat in diesem Verein seit langem gefehlt. Nicht nur bei uns, sondern auch bei den Spielern. Und dass die Spieler hinter dem Trainer standen, das ist ein Märchen.
Wie gesagt, es ist noch mit der einen oder anderen Zugabe zu rechnen . . .

So, wieder zum HSV. Die Statistik des Dortmund-Spiels: Acht Torschüsse HSV, 16 BVB. Zwei Eckstöße HSV, vier BVB. Neun Flanken gegen 14; 46:54 Prozent Ballbesitz, 45:55 gewonnene Zweikämpfe; 19:12 Fouls. Die meisten Ballkontakte: Dennis Aogo (62) und Sahin (97). Die Zweikampfstärksten: Heiko Westermann (72 Prozent) und Hummels (67). Die meisten Torschüsse: Eljero Elia (drei) und Ruud van Nistelrooy (drei), Götze (vier). Dortmund hat sich also diesen einen Punkt redlich verdient. Wobei Michael Oenning später über die Gesamt-Situation des HSV resümierte: Mainz hat Federn gelassen, wir hätten heute einen großen Schritt machen können – jetzt haben wir einen kleinen gemacht.“ Mladen Petric bekannte nachher: „Das war eine gefühlte Niederlage für uns.“

Bei den drei Torschüssen, die „van the man“ gehabt hat, muss meiner Meinung nach der Elfmeter dabei gewesen sein. Ansonsten hatte er doch eigentlich keine große Szene. Besonders in der zweiten Halbzeit nahm der Niederländer ja kaum noch am Spiel teil. Das war teilweise brutal, wie das Geschehen an ihm vorbeilief. Es macht sich bemerkbar, dass „Rudi“ nach seinem geplatzten Wechsel zu Real einige Wochen nur „halblang“ trainiert hat. Und, das sei auch noch erwähnt (weil es bei einigen HSV-Verantwortlichen auch immer noch ein Thema ist), nicht nur „halblang“ trainiert, sondern auch gespielt. Zur Erinnerung: Beim Mainz-Spiel (6. März) machten sich in der Halbzeitpause alle HSV-Ersatzspieler warm, nur der gute „Rudi“ nicht, der blieb demonstrativ auf der Bank sitzen. Doch was passierte? Er wurde dann später prompt eingewechselt . . .

Nach eine kleine Anmerkung zu Ruud van Nistelrooy: Gegenüber „LIGA total“ (Field-Reporter Fabian Greve) bekannter er auf die Frage, ob er schon etwas Konkretes zu seiner Zukunft sagen könne: „Ja, das ist glaub‘ ich klar, oder?“ Also Ende in Hamburg und beim HSV? Van Nistelrooy: „Ja. Nächste Woche werde ich es wieder sagen, glaube ich. Weil dann fragen Sie es wieder – dann sage ich auch ja.“ Der 34-Jährige auf die Frage, ob er schon wisse, wohin er wechseln werde: „Nein, noch nicht.“

Am Rande des Spiels wurde mir – quasi im Vorübergehen – zugeflüstert, dass nicht nur Ruud van Nistelrooy gehen wird, sondern auch andere (was natürlich nicht überrascht). Aber zu diesen „Anderen“ soll auch Jonathan Pitroipa gehören. Er wurde wieder einmal mit dem 1. FC Köln in Verbindung gebracht. Mal abwarten, ob in dieser „Sache“ demnächst Vollzug gemeldet werden kann.

Eine weitere Frage ist ja auch die: Was wird aus Guy Demel? Nach dem 1:1 am Sonnabend gingen einige Fans sofort wieder auf den „Giiiiiiiiiieeeeeeeeee“ los. Weil dieser den Ball, der anschließend in den Dortmunder Reihen gelandet war, nicht entschieden genug geklärt hatte. Aber ich sage dazu, dass Demel sicher nicht der Alleinschuldige daran war. Er eroberte den Ball an der Eckfahne, er schlug die Kugel bis an die Mittellinie, und dort hätte sich auch energischer um den Ball bemüht werden können, als es Paolo Guerrero getan hat. Immerhin gebe ich jenen Fans Recht, die gesagt haben: „Es war eben typisch, dass Demel wieder einmal daran beteiligt war. Warum ist er immer dabei, und nicht mal ein anderer?“ Mag ja stimmen. Aber was ist mit der Flanke, die am HSV-Strafraum zu Owomoyela gelangte? Wer verhinderte die Kopfball-Verlängerung des BVB-Einwechselspielers nicht? Und wer hätte eigentlich den Torschützen Blaszczykowski bewachen sollen? Nein, nein, da machen es sich einige Fans zu einfach, wenn sie wieder nur auf Demel einprügeln.

Apropos einprügeln: Schiedsrichter Peter Gagelmann bekam da ja auch wieder „sein Fett“ weg. Was ich nicht nachvollziehen kann, denn in meinen Augen hat der Bremer die Partie gut geleitet. Wer sucht, der wird immer etwas finden, aber an Gagelmann lag es sicher nicht, dass der HSV „nur“ 1:1 gespielt hat. Eine Szene aber wurde später noch heftig diskutiert: Warm gab es keine Karte für Hummels, der Petric gelegt hatte – Elfmeter wg. Notbremse? Michael Oenning befand später dazu: „Irgendeine Karte müsste man da eigentlich zeigen, aber das ist nicht mein Thema – er hat es ja nicht gemacht.“

Die DPA veröffentlichte dazu eine kleine Randgeschichte:
Die Regel 12 – Feldverweiswürdige Vergehen.
Gleich in zwei Spielen der Fußball-Bundesliga zeigten die Schiedsrichter am Sonnabend Rote Karten und gaben jeweils Strafstoß. Zu „Notbremsen“ des letzten Mannes heißt es im Regelwerk des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Regel 12:

„Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler erhält die Rote Karte und wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht:
Grobes Foulspiel, Tätlichkeit, Anspucken eines Gegners oder einer anderen Person, Verhindern eines Tores oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners durch absichtliches Handspiel (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum), Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist, anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden, zweite Verwarnung im selben Spiel. Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler, der des Feldes verwiesen wird, muss die Umgebung des Spielfelds und die Technische Zone verlassen.“

Meine Gedanken zu diesem Kartenspiel: Wir alle haben in den letzten Wochen und Monaten ja immer einmal gesagt, dass ein Elfmeter (Strafstoß) grundsätzlich reicht. Eine Rote Karte käme einer doppelten Bestrafung gleich, Gelb wäre angemessen und vertretbar. Im Grunde genommen habe alle stets gesagt, dass es eine Ermessenssache des Schiedsrichters sein sollte – ob Gelb oder nicht? Ich hätte Hummels Gelb gegeben, aber kein Rot. Weil Elfmeter UND Rot zu hart wäre. Grundsätzlich aber, das sollten DFB. DFL, Schiedsrichter und Vereine bedenken (und zusammenführen), ist es dringend erforderlich, dass es ab sofort eine einheitliche Regel gibt. Rot in Freiburg und in Hannover, und in Hamburg nichts? Das kann, nein, das darf es nicht sein. Das öffnet wieder Tür und Tor für irgendwelche unsinnigen Spekulationen, und die müssen nun ganz gewiss nicht sein. Weil es einfach und klarer ginge. Auch und vor allem im Interesse der Schiedsrichter. Und Ende.

Wobei ich ganz kurz (es war diesmal ja fix was los in der Bundesliga) noch zum Freitagsspiel zwischen Frankfurt und Werder kommen möchte. Bremens Trainer Thomas Schaaf kritisierte nach dem 1:1 Eintrachts Abwehrspieler Maik Franz. Der hatte seinen Bremer Gegenspieler Denni Avdic bei einem Zweikampf mit der Hand im Gesicht getroffen und dabei verletzt. „Maik Franz muss sein Verhalten überprüfen. Er ist ein guter Bundesligaspieler, aber das ist nicht das, was die Fans sehen wollen“, erklärte Schaaf am Sonntag im TV-Sender „Sport1“. Die umstrittene Szene hatte ein intensives Wortgefecht zwischen Schaaf und seinem Frankfurter Kollegen Christoph Daum ausgelöst. Der Werder-Coach wies den Vorwurf zurück, er habe Fußball-Profi Franz an den Pranger gestellt. „Ich muss meinen Spieler verteidigen. Avdic musste verletzt herausgenommen werden“, begründete Schaaf seinen Vorstoß. Daum hatte seinen Spieler als „tadellosen Sportsmann“ verteidigt und von einer Hetzkampagne gesprochen.

Ich möchte mich weil ich es schon seit geraumer Zeit sage, aber ohne eine Einschränkung den Bremer Worten anschließen. Ich weiß auch von vielen Bundesliga-Beteiligten, die so denken wie die Werderaner – oder auch ich. Das mag der eine oder andere durchaus als Hetzkampagne sehen, aber ich wäre bereit, mit jedem, der Franz in Schutz nimmt, Videos anzusehen, in denen ich belegen könnte, was für eine provokante Art der Frankfurter in seinen Spielen stets und ständig an den Tag legt. Da bin ich ganz bei Schaaf: „Der Zuschauer will solche Unsportlichkeiten, solche versteckten, provokanten und linken Dinger nicht sehen.“

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag – und denen, die erst am Montag zu uns stoßen, einen wunderschönen Start in die neue Woche.

Am Montag ist kein Training im Volkspark, Dienstag um 10 und 15 Uhr.

16.18 Uhr