Tagesarchiv für den 7. April 2011

Das Dortmund-Spiel – ein Feiertag!

7. April 2011

Unser „Matz-abber“ Benno Hafas geriet ins Schwärmen: „Das war ja ein Pass, wie ihn früher nur Franz Beckenbauer geschlagen hat – mit einer gewissen Leichtigkeit aus dem Fußgelenk heraus.“ Absender dieses Balles war in diesem Fall aber nicht der Kaiser, sondern Heung Min Son. Der Südkoreaner stand im heutigen Training in der B-Mannschaft, und Sekunden nach dem Anpfiff des Trainingspielchens gab er diesen Zucker-Pass auf Paolo Guerrero, und der Peruaner ließ Frank Rost im Tor der A-Elf keine Chance – 1:0. Teamkollegen von Frank Rost waren übrigens Heiko Westermann in der Innenverteidigung, sowie David Jarolim auf der Sechs. Joris Mathijsen, der das Aufwärmprogramm absolviert hatte, spielte nicht mit, woraus ich ganz einfach einmal schließe, dass der Niederländer, der in dieser Woche noch bei keinem Mannschaftstraining am Start war, auch am Sonnabend gegen Dortmund nicht zum Einsatz kommen wird. Die alte Knöchelverletzung, durch einen Tritt ins Sinsheim wieder aufgebrochen, wird einen Einsatz wohl noch nicht zulassen.

Das heutige Spiel endete ganz nebenbei 4:2 für den Stamm, eine ganz starke Rolle spielte beim Sieger „Jaro“ Jarolim auf der Sechs. Ein „Matz-abber“ zu mir: „Das darfst du aber nicht schreiben, dann kriegst du wieder Ärger . . .“ Meine Antwort: „Ich bin Kummer gewöhnt. Auf diese Art habe ich immerhin Piotr Trochowski einen Vertrag beim FC Sevilla besorgt, auf diese Art kriege ich Jarolim auch noch zum FC Santos.“ Und im Ernst: Wenn „Jaro“ gut ist, auch wenn es nur im Training ist, dann wird es auch berichtet. Egal ob Ärger oder nicht Ärger.
Die (restlichen) Tore im Trainingsspielchen: 1:1 Ruud van Nistelrooy, 2:1 Mladen Petric (das schönste Tor des Tages, per Kopf nach Traum-Flanke des Flitzers Dennis Diekmeier), 3:1 Eljero Elia, 3:2 erneut Guerrero (ließ Rost aussteigen) und 4:2 – ein Ze-Roberto-Hammer nach Vorarbeit Petric.

Ja, und dann zum Sonnabend. Es kommt die beste deutsche Mannschaft in den Volkspark. Das ist mal ’ne Aufgabe. Ähnlich wie kurz zuvor gegen Mainz 05, und diese Partie endete bekanntlich 2:4. Mainz spielte damals schnell, Dortmund wird wahrscheinlich noch etwas schneller spielen. Und wo ich gerade dabei bin: Mittwoch, Champions League, Barcelona gegen Donezk. Was war das für ein Fußball? Barca spielt für mich perfekt, wie da die Kugel durch die eigenen Reihen läuft, wie ballsicher jeder Spieler ist – unglaublich. Und dazu dieser Messi! Unfassbar. Ich schätze Diego Armando Maradona und Pele (der in Wahrheit Edison Arantes do Nascimento heißt) wirklich sehr, sie waren sicher die besten Spieler der Welt – aber noch besser als diese beiden Zauberer ist Messi. Oft heißt es im Fußball (im großen und im kleinen) ja, dass dieser oder jener Spieler eine ganze Mannschaft in der Telefonzelle ausdribbeln kann – Messi kann es tatsächlich.

Was mich zu der Frage veranlasste, die ich Heiko Westermann gestellt habe: „Wenn man diesen Fußball von Barcelona sieht, wird man da neidisch?“ Der HSV-Kapitän: „Was heißt neidisch? Die haben die besten Fußballer aus jeder Nation, auf jeder Position sind die optimal besetzt. Ich durfte schon mal gegen Barcelona spielen, ich weiß, wie schlimm es ist, immer hinter dem Ball her zu laufen. Die machen das extrem gut. Die lassen den Gegner so lange laufen bis sich eine Lücke auftut – und dann schlagen sie zu.“ Ähnlich wie Schalke . . . Nein, nein, ein Scherz, ein ganz dummer Scherz.

Aber vielleicht kann der HSV ja bald einmal in die Nähe von Barcelona kommen.
Auch ein Scherz, aber einer mit einem guten, fast schon ernsten Hintergedanken, denn wer weiß, was sich von der nächsten Saison an noch alles in Hamburg tut? Mit Frank Arnesen, mit Michael Oenning, mit dem einen oder anderen Routinier – und dazu einer Rasselbande (wie die in Dortmund). Und wenn ich daran denke, dann fällt mir ein Gespräch ein, das ich vergangene Woche mit Dennis Aogo geführt habe. Der berichtete von der Nationalmannschaft und speziell von der Dortmunder Fraktion: „Wie die miteinander umgehen, wie die miteinander reden, das habe ich noch nie erlebt – das ist einfach nur gut. Die müssen eigentlich Tag und Nacht miteinander verbringen, die sind untereinander wirklich beste Freunde – so gut wie die sich verstehen.“ Schon damals kam in mir ein, gebe ich zu, etwas neidisches Gefühl auf. Motto: Wieso die? Wieso nicht der HSV?

Bei der Gelegenheit: Dortmunds Nationalspieler Kevin Großkreutz sagte in „Sport 1“ über den BVB, den Verein und das Umfeld: „Ich glaube, die Fans leben den Verein. Das kann sich keiner vorstellen, das ist nicht so wie in München oder Hoffenheim. Hier lebt jeder für den Verein und ist treu. Vor fünf Jahren saßen wir alle zu Hause und der Verein ist beinahe untergegangen, aber wir haben trotzdem die Treue gehalten und sind überall hingefahren. Zusammen haben wir uns da herausgearbeitet. Das zählt, nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten muss jeder zum Verein stehen – und das ist hier so.“

Na, wie klingt das? Überragend, wenn Ihr mich fragt. So muss ein Verein funktionieren! Innerhalb und außerhalb. Großkreutz kann es übrigens auch noch witzig: Auf die Frage, ob er am Dienstag Champions League geschaut hat (Inter gegen Schalke 04 2:5), sagte er „Sport 1“: „Nein, da war mein Fernseher kaputt.“ Ob er denn wenigstens das Ergebnis gehört hätte? „Da habe ich etwas gehört. Ich habe gehört, Inter Mailand war richtig schlecht.“ Guter Mann. Achtet mal am Sonnabend auf ihn.

Zurück noch einmal zu Heiko Westermann. Kürzlich hatte Bundestrainer „Jogi“ Löw ja der Bundesliga ein relativ schlechtes Zeugnis ausgestellt, weil Deutschland der Musik ein wenig hinterher läuft – seiner Meinung nach. Der Hamburger Innenverteidiger sieht das ein wenig anders: „Ich glaube, dass wir uns enorm verbessert haben. Das weiß der Bundestrainer aber sicher auch. Die Liga hat sich gewandelt, es wird schneller gespielt. Die Mannschaften, die schneller spielen, haben enorme Vorteile – wie Dortmund, wie Mainz, wie Leverkusen.“ Westermann weiter: „Andere Klubs, die man oben erwartet hatte, die spielen nicht so schnell und stehen deswegen im Niemandsland, einige stehen in diesem Jahr sogar weit hinten.“ Und: „In der nächsten Saison wird man erleben, dass die Bundesliga noch besser wird.“ Weil ja alle, auch der HSV, jetzt so spielen wollen, wie Dortmund und Mainz. Wie schön, dass auf uns da ein ganz besonderer Anschauungsunterricht wartet – am Sonnabend.

Ob der HSV mithalten kann, mithalten wird? Und: Spielt der HSV in Köln-Form, oder doch eher in Hoffenheim-Form? Nach der Nullnummer von Sinsheim hat der HSV ja reichlich Kritik einstecken müssen – ob des schlechten Spiels. Und auch Heiko Westermann bekam dabei sein Fett weg. Das dauert bis heute an. Und er sagt: „Natürlich nervt das, eine solche Halbzeit zu spielen, wen würde das nicht nerven – die ersten 45 Minuten waren katastrophal. Aber ich kann jetzt auch nichts mehr daran ändern – und jetzt steht Dortmund im Fokus.“ Da sollen die Fehler, die es am vergangenen Sonnabend im Hamburger Spiel gab, abgestellt werden. Westermann: „Wir standen viel zu weit auseinander. Dadurch wurden die Wege weiter, dadurch konnten wir unser Spiel, das wir uns vorgenommen hatten, nicht durchziehen.“ Kompakt stehen, die Räume zustellen, damit der Gegner seine Schnelligkeit nicht ausspielen kann.

An diesem Konzept wurde in dieser Woche im Training emsig gearbeitet. Anhand von Video-Aufzeichnungen, und auf dem Rasen. Heiko Westermann, der im Moment leicht erkältet ist, sagt: „Wir trainieren unter der Woche viel im taktischen Bereich, das macht Michael Oenning sehr gut, und ich glaube auch, dass es auch der gesamten Mannschaft gut tut, dann jeder weiß, wohin er zu laufen hat. Es wächst enger zusammen, und irgendwann wird das System dann auch von allein greifen.“ Zum Thema Trainer hat Westermann auch eine klare Meinung: „Ich würde es gut finden, wenn er unser Trainer werden würde, ich glaube auch, dass es die ganze Mannschaft gut finden würde. Weil er die Mannschaft kennt, er kennt die Vor- und Nachteile, er hat einen klaren Plan von dem, was er spielen will.“ 1:0 für Oenning. Oder schon 2:0? Ich hatte, das ist wieder nur mein Bauch, heute das Gefühl, als wenn der Posten des Chef-Trainers innerbetrieblich schon fast vergeben ist – an den bisherigen Assi von Armin Veh. Ich kann gründlich daneben liegen, aber heute habe ich während der Pressekonferenz eben so gedacht. Wobei ich zugeben muss, dass das einige Kollegen von mir genau andersherum (also gegenteilig) gesehen haben.

Jeder HSV-Sieg spricht und zählt für Oenning. Und jeder HSV-Sieg nährt auch die Hoffnung, doch noch einen internationalen Startplatz zu erreichen. Heiko Westermann weiß: „Wir haben nur noch Finalspiele, uns helfen nur Siege, wir müssen gewinnen, wir müssen Dortmund besiegen.“ Sonst dürfte es ganz, ganz eng werden. Trotz allem: Michael Oenning sagt über die bevorstehenden 90 Minuten: „Ich nenne das einen Feiertag, ich freue mich unheimlich auf dieses Spiel. Bei diesem Spiel können wir eine Menge gewinnen. Und die Spieler denken, so glaube ich, ähnlich. Sie haben sehr fokussiert trainiert. Und mit wem kann man sich besser messen, als mit dem kommenden Meister?“ O-Ton Oenning: „Ich halte sehr viel von den Dortmundern und würde mich freuen, wenn sie deutscher Meister werden würden. Sie haben diese Saison geprägt, so wie sie Fußball spielen, die ganze Art und Weise – das gefällt mir.“ Nur einen Sieg in Hamburg, den müsste der Meister in spe dann doch nicht holen . . .

Beim HSV hat der zuletzt suspendierte Paolo Guerrero wohl wieder die Chance, in den Kader zu rutschen. Obwohl Oenning sagt: „Paolo ist schon jemand, der zu all seinen Fehlern steht. Er hat bis jetzt vernünftig trainiert, das steht aber auch nicht zwischen uns. Er hat sich gegenüber der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen, denn die Mannschaft braucht ihn auch als guten Fußballer. Ob das jetzt schon am Wochenende reicht, das alles wieder umzudrehen? Ich habe alle fit, alle sind gesund. Er hat die Chance, sich im Training anzubieten – und dann werde ich entscheiden.“

Und wie steht es mit David Jarolim? Der Tscheche wurde zuletzt gegen Hoffenheim eingewechselt, spielte auf Anhieb gut und erhielt glänzende Kritiken. Oenning: „Die Chance, dass er spielt, besteht immer. Ich habe es ja auch bewusst ins Sinsheim gesagt, dass uns Jaro in Sinsheim geholfen hat. Ich spiele schon mit dem Gedanken, dass er gegen Dortmund spielt. Trotz alledem überlege ich noch, es beginnt aber zu reifen.“ Grundsätzlich sagt der HSV-Trainer: „Ich bleibe dabei, dass ich mir diese taktischen Freiheiten nehme, dass wir auf bestimmte Gegner, auf bestimmte Spielsituationen, auch auf bestimmte andere Dinge reagieren und dementsprechend auch aufstelle. Es wird nicht so sein, dass man elf Plätze hat und die sind in Stein gemeißelt, das wäre aus meiner Sicht verkehrt.“

So, ganz kurz noch zu zwei kleinen Nebensächlichkeiten:
Bitte schreibt, es kommt leider immer wieder einmal vor (und das wird teilweise erst nach Wochen entdeckt!), keine persönlichen Nachrichten an die Gewinnspiel-Adresse. Solche Beiträge gehen leider oftmals unter, weil dort nur dann hinein gesehen wird, wenn die Gewinner gelost werden. Wer mir persönlich schreiben möchte, sollte dann über das Abendblatt gehen.

Ganz zum Schluss: Frau M. hatte Tränen in den Augen und dankt allen Beteiligten für den Genesungs-Blumenstrauß. Das war wirklich eine ganz, ganz tolle Überraschung. Danke!

Morgen wird um 16 Uhr trainiert, ob in der Arena (dann wäre es geheim) oder draußen, auf dem Trainingsgelände, das ließ Michael Oenning noch offen.

18.43 Uhr