Tagesarchiv für den 4. April 2011

Der HSV fängt an – Rost hört auf!

4. April 2011

Butter bei die Fische. Es wurde versprochen, es wird gehalten: der HSV geht in dieser Woche ans Eingemachte. Die erste Entscheidung wurde heute um 15.42 Uhr verkündet: Frank Rost spielt diese Saison noch zu Ende, dann aber wird der Keeper den HSV verlassen. Definitiv, unabänderlich. Am späten Sonntag trafen sich die Klub-Verantwortlichen und Rost, dann wurde diese Entscheidung gefällt: „Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Wir haben uns als Verein entschlossen, neue Strukturen zu schaffen zur nächsten Saison, das haben wir, Carl Jarchow und ich, ganz offen mit Frank besprochen. Und Frank hat auch andere Pläne – und so sind wir auch auseinander gegangen“, sagte Noch-Sportchef Bastian Reinhardt. Neue Strukturen? Der Vorstandsvorsitzende Carl Edgar Jarchow: „Das ist unter anderem eine Veränderung auf der Torwart-Position.“ Und aus dem Hintergrund befand Medien-Chef Jörn Wolf: „Neue Strukturen bedeutet auch, dass das der Umbruch ist, über den hier ja schon seit geraumer Zeit gesprochen worden ist.“ Junge Leute braucht der Klub. Und billige, oder billigere, dazu.

Frank Rost hat sich zu dieser neuen Situation auch (gegenüber dem HSV) geäußert: „Im Grunde genommen war immer klar, dass das meine letzte Saison für den HSV in der Bundesliga ist. Gut, dass wir die Dinge nun endgültig besprochen haben, dass wir uns auch geeinigt haben – ich freue mich auf meine letzten Spiele als Rothose. Nach über 20 Jahren Profi-Fußball werde ich sie genießen, zudem werde ich Abschied nehmen von allen Freunden in der Bundesliga. Jetzt ist es an der Zeit, etwas Neues zu beginnen, auch wenn ich dem Fußball wohl erhalten bleiben werde.“

Carl Jarchow: „Wir haben Frank Rost auch angeboten, dass wir verstärkt und auf Sicht ehemalige HSV-Spieler, Leute mit HSV-Bezug, einbinden wollen in dem Verein. Das möchten wir künftig generell als Philosophie einführen. Das heißt jetzt nicht, dass wir mit Frank Rost schon konkret über eine bestimmte Position im Verein gesprochen haben, mir war aber schon daran gelegen, ein Zeichen zu geben, dass wir uns da nicht aus den Augen verlieren sollten, sondern in Kontakt bleiben.“ Der neue HSV-Boss weiter: „Ich glaube, dass es aus meiner Sicht ein Versäumnis des Vereins in den letzten Jahren gewesen ist, dass wir zu wenige Leute mit HSV-Vergangenheit, mit HSV-Bindung eingesetzt haben.“

Dass die letzten „Ausführungen“, die Frank Rost jeweils nach den Spielen in München und in Sinsheim in die Fernsehmikrofone gesprochen hatte, in irgendeiner Form eine Rolle für die nun beschlossene Trennung gespielt hätten, verneinte Jarchow: „Das hat überhaupt keine Rolle gespielt.“

Der HSV wird wohl in der nächsten Saison auf Jaroslav Drobny als neue Nummer eins setzen. Zudem könnte auch der beim SV Ried (Österreich, Erste Liga) spielende (und ausgeliehene) Hamburger Wolfgang Hesl zum HSV zurückkehren. Bastian Reinhardt: „Drobny hat noch einen langfristigen Vertrag bei uns, Wolfgang Hesl könnte kommen – das heißt aber nicht, dass wir uns nicht auch noch einen Torhüter verpflichten werden. Da ist noch alles denkbar. Die bereits in der Öffentlichkeit gehandelten Torhüter Kraft und Mielitz, um das auch noch zu sagen, waren aber kein Thema für uns.“

Der Umbruch also wird kommen. Und das ist auch gut so. Carl Jarchow spricht dazu Klartext: „Wir haben in den letzten Jahren viel Geld ausgegeben, ohne den entsprechenden Erfolg zu haben. Das muss man mal so sehen. Wir haben etatmäßig auf einem Level gelebt, den wir sportlich nicht erfüllt haben. Das werden wir in Zukunft nicht mehr können.“ Der neue Etat des HSV wird – so wie es jetzt aussieht, drastisch gekürzt werden müssen. Aber das wissen längst alle, wir haben hier seit einem Jahr und länger nichts anderes geschrieben und behauptet. „Der künftige Etat wird weit unter dem bisherigen liegen, aber Zahlen werden wir nicht nennen“, sagt Carl Jarchow. Aber auch in diesem Punkt ist abzuwarten, was aus der Europa League wird.

Und die anderen Personalien des HSV? Was wird aus dem zuletzt suspendierten Paolo Guerrero? Muss er gehen? Reinhardt: „Paolo hat noch einen Vertrag, und an den halten wir uns natürlich. Wenn er weg will, muss er uns einen Verein bringen.“ Jarchow ergänzend: „Das hat ja auch nichts damit zu tun, dass er zweimal zu spät zum Training gekommen und deshalb aus dem Aufgebot gestrichen worden ist. Das ist die eine Sache, die sportliche die andere.“ Und eine ganz andere das Radio-Interview in Peru. Reinhardt: „Der Trainer hat erkannt, dass Paolo im Moment andere Gedanken als den Fußball und den HSV hat, und deswegen darf man einem solchen Spieler durchaus auch mal eine Pause gönnen.“ Und: „Paolo muss sich jetzt fragen lassen, ob er seinen Fokus mal wieder auf den HSV richten wird, oder ob er weiter mit anderen Gedanke spielt.“

Und Piotr Trochowski? Wie geht es mit ihm weiter? Bastian Reinhardt dazu: „Ich habe mit Troche gesprochen, und zwar in der vergangenen Woche, wir haben dabei eine Vereinbarung getroffen – und an die halten wir uns.“ Was nichts daran ändert: Piotr Trochowski wird den HSV auch verlassen, und zwar definitiv. Das ist so klar, wie Frank Rost am Ende der Saison gehen wird.

Und Ruud van Nistelrooy? Reinhardt: „Mit Ruud werden wir auch noch einmal sprechen, aber da gibt es auch noch keine neue Entwicklung.“ Soll wohl heißen, dass der Niederländer in diesem Sommer Hamburg den Rücken kehren wird.

Und Ze Roberto? Jarchow: „Grundsätzlich ist es ja so, dass wir in der nächsten Saison eine Mannschaft haben wollen, die nicht nur aus jungen Leute besteht. Sondern eine Mannschaft, die mit einer gewissen Erfahrung ausgestattet ist. Und da ist Ze Roberto mit Sicherheit der interessantes Spieler für uns, keine Frage.“ Und weil das so ist, hat sich die HSV-Spitze schon für diese Woche mit dem Brasilianer zu Gesprächen verabredet. Wenn auch recht spät, aber sie kommen jetzt zur Sache. Endlich. Der HSV möchte den erfahrenen Mittelfeldspieler schon recht gerne behalten, aber vor schneller oder übereilter Vorfreude möchte ich jeden in dieser Angelegenheit warnen: Ze Roberto ist nicht billig, auch eine Vertragsverlängerung ist schon immer – rückblickend – etwas teurer, oder auf jeden Fall nicht billig gewesen. Und ob der HSV dieses Geld noch aufbringen will und kann, das bleibt sicher bis zum Saisonende (Europa League oder nicht?) offen.

Tunay Torun hat bereits ein Vertragsangebot vorliegen, der Türke zögert aber noch, weil er gerne mehr zum Einsatz kommen möchte – als türkischer A-Nationalspieler verständlich. Reinhardt: „Es liegt an ihm. Er muss entscheiden, ob er sich das zutraut – oder auch nicht.“

Änis Ben-Hatira, dessen Vertrag noch bis 2012 läuft, soll ebenfalls verlängern, aber er zögert auch noch ein wenig. Reinhardt: „Änis würden wir gerne länger an den Verein binden, er hat eine sehr gute Entwicklung gemacht, und ich hoffe, dass das auch so anhalten wird.“

Und David Jarolim? Reinhardt: „Mit Jaro habe ich auch schon gesprochen. Er hat noch einen Vertrag bis 2012, ihn würden wir gerne behalten – er ist einer jener Spieler, die wir nicht vom Hof jagen werden. Es sei denn, er möchte es.“ Und: „Er hat ja auch am Sonnabend wieder einmal gezeigt, wie wertvoll er für uns sein kann.“ Jarolim hat die Raute im Herzen, und auch Carl Jarchow sagt: „Ihn würde ich gerne weiter in Hamburg sehen wollen. Er hat lange für den HSV gespielt, er identifiziert sich auch mit dem Verein.“

Viel liegt sicher auch daran, wer Trainer in der nächsten Saison sein wird. Michael Oenning? Oder doch ein anderer Kandidat? Reinhardt: „Ich glaube, dass wir in dieser Frage im April Klarheit schaffen werden. Oder auch erst im Mai.“ Oenning hat aber sicher gute Chancen, Chef zu bleiben. Der Noch-Sportchef: „Ich finde, dass er einen sehr, sehr guten Job macht, er beschäftigt sich intensiv mit der Mannschaft, mit den einzelnen Spielern. Und ich denke, dass man erste Erfolge bereits sehen kann, auch wenn das gegen Hoffenheim sicher kein berauschender Fußball war.“ Carl Jarchow zur Trainer-Frage: „Michael Oenning hat anhand seiner Arbeit seine Chancen sicher verbessert.“ Und: „Ich würde mich freuen, wenn die Entwicklung der nächsten Spiele automatisch dazu führen würde, dass Oenning eine gute Lösung für uns ist. Aber die endgültige Entscheidung werden wir dann treffen, wenn die Spiele gespielt sind, dann in der Zusammenarbeit mit dem Sportchef. Aber bis jetzt finde ich, dass er einen ausgezeichnet Job macht, und auch in der Zusammenarbeit mit ihm läuft es gut.“

Und Mladen Petric? Carl Jarchow: „Er hat noch einen Vertrag bis 2012, er ist für uns ein Spieler, mit dem wir auch in Zukunft noch zusammenarbeiten möchte, deswegen habe wir uns mit ihm für diese Woche verabredet, um mit ihm über die Zukunft zu sprechen.“ Es geht eben ans Eingemachte. Dazu gehört auch Eljero Elia. Jarchow: „Er ist auch einer jener Spieler, auf die wir langfristig setzen. Wir sind aber finanziell nicht in der Lage, wenn jemand kommen sollte und richtig viel Geld auf den Tisch legen würde, dagegen zu halten. Wir würden schon gerne langfristig mit ihm spielen, aber wenn jemand mit viel Geld kommen sollte, dann werden wir uns unterhalten.“ Müssen.

Immerhin erfreulich: Der HSV hat auch in aller Stille und Abgeschiedenheit bereits mit potenziellen Neuzugängen verhandelt. Aber es gibt noch keine Namen. Wie immer. Wenn es da unterschriebene Verträge gibt, dann (erst) wird es vermeldet.

Der neue HSV ist also am werden, es bewegt sich jetzt einiges. Und für mich klingt vieles davon ausgesprochen positiv. Wenn ich auch zugeben muss, dass ich Frank Rost gerne noch ein Jahr im HSV-Tor gesehen hätte. Womit ich allerdings nichts gegen Jaroslav Drobny gesagt haben möchte, auch ihm vertraue ich, weil ich ihm zutraue, eine zuverlässige Nummer eins zu werden.

So, schnell noch zu zwei Themen in eigener Sache. Folgende Mail hat mich heute erreicht. Sie passt zu dem, was sich gerade wieder einmal im Blog abgespielt hat. Nehmt es bitte unkommentiert zur Kenntnis, ich bin es leid, jedes Mal darüber schreiben zu müssen:

„Hallo Herr Matz,
ich möchte mich für meinen Beiträge in ihrem heutigen Blog entschuldigen. Es war nicht richtig von mir, solche Worte zu benutzen. Die Emotionen und Respektlosigkeiten, die der Fußball immer wieder zeigt, sind sinnlos und unnötig in mir hochgekommen. Ich möchte sie von daher bitten, meine Beiträge von heute zu löschen und meinen Account zu sperren.

Mit freundlichem Gruß, Jermaine O’Neal.“

Und, auch diese Mail hat mich erreicht, und ich finde sie echt, echt traurig – sie tut mir weh, das gebe ich zu. Aber die Entwicklung ist wohl so, wie hier beschrieben:

„Lieber Dieter,

es ist zwar schon ein paar Tage her, aber ich wollte mich trotzdem noch für das Matz-ab-Treffen bedanken. Schade, dass so viele Promi-Gäste abgesagt haben, vor allem mit dem
Zustand des HSV als Begründung. Ich weiß ja nicht, wer es gewesen wäre, aber wären es solche „Kaliber“ gewesen, wie bei den letzten Treffen, dann würde mir da der Zusammenhang
fehlen. Die konnten doch allesamt nichts dafür, wie es um unseren HSV steht – und waren trotzdem ein tolles Aufgebot. Umso stärker fand ich, dass sich mit E-O Rieckhoff und H-U Klüver zwei Personen des AR, Oliver Scheel als Vorstand und auch R. Bednarek haben blicken lassen. Das war sicherlich nicht als leichter Gang abzusehen. Noch stärker fand ich allerdings die SMS von Katja Kraus, die ja nun wirklich keinen anderen Grund als eigene Motivation gehabt haben konnte (also Katja, nicht die SMS). Eine tolle Aktion. Wie das ganze Treffen.

Ich werde mich auf absehbare Zeit nur noch sporadisch im Blog melden. Das hat hauptsächlich berufliche und z. T. auch private Gründe. Allerdings – auch das muss leider ehrlich
sagen – fällt es mir momentan nicht besonders schwer, mich zurückzuziehen, da meiner Meinung nach inzwischen Leute im Blog unterwegs sind – den Blog „übernommen“ haben -, die ihn dazu nutzen, sich interessant zu machen (um das eigene Mütchen zu befriedigen?), jederzeit bereitwillig mit auf den Zug aufspringen, wenn es darum geht, anderen einen
mitzugeben (weil sie sich selbst damit erhöhen?) und das Verhalten anderer mit anderen Maßstäben messen als ihr eigenes. Das stört mich persönlich massiv. Was ich jedoch
noch viel trauriger finde, ist, dass einige der „altgedienten“ Matz-abber auf diese Masche reinfallen und mitziehen.

Sehr bedauerlich!

Na ja, das ist MEINE Wahrnehmung und kann komplett falsch sein, aber nach meiner Wahrnehmung muss ich ja gehen. Auf keinen Fall – um das ganz klar zu betonen – hat das
etwas mit Deinen und Scholles Berichten zu tun, die ich selbstverständlich auch weiterhin lesen und ab und an kommentieren werde. Den Schuh zieht Euch bitte nicht an. Matz ab ist nach wie vor klasse und es ist toll so, wie Ihr das macht – auch gerade vor dem Hintergrund, dass das Abendblatt sich ja offensichtlich weitgehend vornehm zurückhält, wenn es um Unterstützung geht. Also macht unbedingt weiter so!“

Wie gesagt, unkommentiert von mir. Aber vielleicht denkt ein jeder einmal nach, wie es hier weitergehen sollte . . .

18.22 Uhr