Tagesarchiv für den 2. April 2011

Nullnummer und Fehlpassfestival

2. April 2011

Endlich einmal keine Auswärtsniederlage gegen Hoffenheim. Das ist der erfreulichste Punkt dieses Spiels in Sinsheim. 0:0 gegen den „Angstgegner“, da ist an sich eigentlich positiv, aber. Fußballerisch waren das ganz dürftige 90 Minuten, so spielen keine Mannschaften, die noch Ambitionen auf den internationalen Wettbewerb haben. Der HSV hatte eine einzige gute Torchance, die schon recht früh, ansonsten fand die Offensive erst ein wenig in der Schlussphase statt. 75 Minuten lang hatte Hamburg gar nicht mit dem nötigen Ernst versucht, ein Tor zu erzielen. Ruud van Nistelrooy, das muss man sagen, hat an allen Ecken und Enden gefehlt. Trotz allem: Nichts ist unmöglich, der HSV kann das vor Saisonbeginn gefasste Ziel, den internationalen Startplatz, immer noch erreichen. Auch wenn natürlich alle Beteiligten wissen, dass dazu ein viel, viel besserer Fußball erforderlich wäre.

Dabei ließen die ersten Minuten noch auf ein gutes Spiel schließen. Ja, wie man sich doch täuschen kann. Die erste Halbzeit glich einer Übertragung von der Flipper-Weltmeisterschaft aus Las Vegas. Grausam! Das, was so vielversprechend begann, entwickelte sich von Minute zu Minute mehr zu einem enttäuschenden und zugleich grandiosem Fehlpassfestival. Das war Sommerfußball in Vollendung, von Erstliga-Niveau war kaum einmal was zu sehen. Kümmerlich war es, traurig und erschütternd.

Der HSV mit einer guten Möglichkeit in den ersten 45 Minuten: Ein Ben-Hatira-Freistoß flog von rechts zur Mitte, Kopfball Joris Mathijsen – der ehemalige HSV-Torwart Tom Starke mit Mühe, aber gehalten. Das aber war es auch schon, an offensiver Hamburger Herrlichkeit. „Die Hamburger kommen mit der Klimaveränderung offenbar nicht zurecht“, sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in der Pause. Es muss wohl – ganz klar – am Wetter gelegen haben. Enttäuschender ging es nicht.
Der Ball wurde vorne kaum einmal gehalten, und wenn es nach vorne ging, dann waren das meistens lange Pässe (Kacar, Mathijsen), die im Niemandsland endeten. Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn schnell nach vorne gespielt wird, auch wenn schnell nach vorne gespielt wird, nur sollte das Risiko dabei schon minimiert werden.

Dabei hatte die Konkurrenz eine schöne Vorlage in Sachen internationaler Startplatz geliefert. Eigentlich hätte nach Herzenslust Gas gegeben werden können, aber es ist die alte Hamburger Krankheit: Wenn es etwas nach oben gehen könnte, dann verkrampft die Mannschaft, dann spielt sie so, als wäre sie von allen guten Geistern verlassen. Das war ja gar nichts.

Zum Glück war Frank Rost von Beginn an voll auf der Höhe. Sonst hätte es früh schon eine böse Überraschung geben können. Rost war ganz stark, wieder einmal. Und zum Glück für den HSV verrichtete auch die Viererkette ihre Defensivaufgaben relativ solide. Besonders die Innenverteidiger Gojko Kacar und Joris Mathijsen standen oft goldrichtig, obwohl der Niederländer den Serben nach vier Minuten ein wenig zusammenfaltete, als Hoffenheim eine Kopfballchance hatte. Es blieb die einzige Abstimmungsschwierigkeit zwischen den beiden Abwehrspielern. Und das lag nicht nur daran, dass Mathijsen in der 50. Minute nicht mehr mitspielen konnte – die alte Knöchelverletzung (?) bereitete ihm offenbar wieder Schmerzen. Für Mathijsen kam David Jarolim, der auf die Sechs rückte, Westermann ging zurück in die Innenverteidigung.

Rechts legte Dennis Diekmeier – wie schon zuletzt gegen Köln – seine Prioritäten eher auf die Offensive, doch bis zum Abschluss, sprich einer guten Flanke, kam er höchst selten, das erste Mal in der 43. Minuten, doch in der Mitte herrschte gähnende Leere. Links begann Dennis Aogo konzentrierter und auch engagierter, auch etwas aggressiver als zuletzt, der Nationalspieler hatte zu Beginn kaum Probleme. Erst als der Hoffenheimer Beck immer offensiver wurde, taten sich auf der linken HSV-Abwehrseite einige gefährliche Lücken auf. Auch deshalb, weil Aogo dann oftmals gegen zwei zu verteidigen hatte.

Auf der Sechs stand wieder einmal Heiko Westermann. Er hatte gefühlte zwölf Ballkontakte, brachte die Kugel dabei aber genau in sechs Situationen (ich habe mitgezählt) zum Gegner. Sechs Mal. Eine unglaubliche Anzahl. Und es waren teilweise richtig, wirklich richtig „kapitale Böcke“ dabei, haarsträubende Fehlpässe. So wird aus der „dynamischen Sechs“, die so einmal von Armin Veh angedacht worden ist, eine „dramatische Sechs“. Risiko volles Spiel einmal anders als gewünscht.

Rechts am Flügel versuchte sich Änis Ben-Hatira, der gegen Köln noch eine so hervorragende Leistung abgeliefert hatte. Und diesmal? Mehr zurück und quer als nach vorne. Zu körperlos sein Spiel, zu durchschaubar, teilweise auch viel zu naiv. Das war leider nichts, Änis! Sein Partner auf der linken Seite, Eljero Elia, war aber kaum besser. Immer dann, wenn man glaubt, dass er es packt, dass er sich in das Spiel kämpft, dass er endlich explodiert – dann passiert nichts. Wie ein Rohrkrepierer. Bei der Nationalmannschaft zeigt er es regelmäßig, beim HSV nicht. Das sollten einmal seine niederländischen Landsleute sehen, sie würden sich verwundert die Augen reiben. Vielleicht will Elia auch zu viel auf einmal, denn oft wirkt er auf mich mit seinem Spiel viel zu kompliziert. Wobei ich durchaus eine leichte Steigerung in den zweiten 45 Minuten bei Elia erkannt habe.

Ze Roberto auf der Zehn bemüht, sicher auch nicht schlecht – aber er kann es besser. Aber er kann es wahrscheinlich auch nur dann nur besser, wenn die Mitspieler um ihn herum besser sind. Diesmal waren sie es – eindeutig – nicht.

Auch deshalb, weil vorne nichts ging. Ich bewunderte den Langmut von Michael Oenning, dass er den jungen Heung Min Son auch zur zweiten Halbzeit noch auf den Rasen schickte (bis zur 63. Minute). Dem Südkoreaner war nichts geglückt. Ich will ihn absolut nicht für das schwache Spiel des HSV verantwortlich machen, nichts liegt mir ferner als das, aber Son war einfach schwach, das muss erwähnt werden dürfen. Für mich war er ein Totalausfall. Weil er körperlich nicht wie ein Bundesliga-Spieler auf mich wirkt, weil er in seiner ganzen Spielanlage wie ein verspielter A-Jugendstürmer zu Werke ging – beziehungsweise es nicht tat.

Mir tat deswegen auch Mladen Petric leid, der als Einzelkämpfer total auf verlorenem Posten stand. Er versuchte es immer wieder, versuchte es oft genug allein, hatte dabei sicher auch einige Fehler in seinen Bemühungen, aber irgendwie war er oft nur der Verzweiflung nahe. Ohne Unterstützung geht auch gegen Hoffenheim nichts.

Wohl dem Verein, der dann eine Bank wie der HSV hat. Als Marcell Jansen für Son gekommen war, da war mir ein wenige wohler ums Herz. Die Hoffenheimer Defensive hatte ab diesem Zeitpunkt doch ein ganzes Auge auf den „Neuen“ zu werfen. Auch wenn es Jansen doch noch erheblich besser könnte. Apropos: David Jarolim kam in der Not, und er war sofort voll da, auf ihn war Verlass – schade, schade dass er im Moment nur auf der Bank beginnt.

Sah es im zweiten Durchgang lange Zeit nach einer erneuten Auswärtsniederlage gegen Hoffenheim aus, so fand der HSV in der Schlussviertelstunde doch noch einmal ins Spiel. Warum nicht gleich so? oder lag es doch in erster Linie daran, dass mit Marcell Jansen nun ein „gestandener Mann“ mehr auf dem Rasen stand? Jansen wurde gesucht, viel, viel mehr mit in das Spiel mit einbezogen. Vielleicht ein Hinweis für das Dortmund-Spiel am nächsten Wochenende?

Um das noch einmal abschließend festzuhalten: Gojko Kacar war für mich der beste Feldspieler des HSV.

Schlusswort von Trainer Michael Oenning: “Ich bin zufrieden, dass wir hier einen Punkt geholt haben.”

20.31 Uhr