Monatsarchiv für April 2011

0:2 gegen Freiburg – das war eine Beleidigung

30. April 2011

Mathijsen hat noch Knöchelprobleme. Ok. Guy Demel war nicht im Kader, weil er leichte muskuläre Probleme hatte. Oder sowas ähnliches. Hört man. Aber: bei beiden bleibt ein Geschmäckle. Beides sind Spieler, die nicht unumstritten sind. Beide zählen zum „Verkaufs-Personal“. Mit beiden möchte der HSV im Sommer noch mal Geld machen, um finanzielle Mittel für neue Spieler einzunehmen. Und beide spielen plötzlich nicht mehr. Gar nicht mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Nun gut, heute wurden sie nicht gebraucht. Es kam ja „nur“ der SC Freiburg. Oder sollte es besser heißen: das heute war ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet? Ich hoffe nicht. Denn so würde die nächste Saison ob fehlenden internationalen Wettbewerbes schon lang – mit solchen Leistungen dazu allerdings unerträglich.

Dabei begann der HSV vernünftig. Zumindest, was die Chancen betraf. In der 7. Minute verfehlte Son nach Guerrero-Pass nur knapp das Tor, in der 10. köpfte Guerrero drüber, in der 12. Minute fand ein von Elia geschickt freigespielter Aogo keinen Adressaten in der Strafraummitte und – das war es. Fortan ging nichts mehr. Gar nichts. Im Gegenteil: In der 16. Minute verliert der katastrophal aufgelegte Änis Ben-Hatira den Ball auf Höhe des gegnerischen Sechzehners. Anschließend verliert David Jarolim das Laufduell gegen den Freiburger, der einen nicht wirklich gut getimten Ball gen SC-Stürmer Cissé spielt. Allerdings wird aus dem leicht zu verteidigenden Ball plötzlich ein tödlicher Pass, da Dennis Aogo eine Idee hat und seine eigentliche Position verlässt. Wäre der Nationalspieler in dieser Szene auf seiner Position hinter Cissé geblieben, er hätte leichtes Spiel gehabt. So leichtes Spiel, wie offenbar der Freiburger Top-Torjäger, der aus 17 Metern eiskalt mit einem strammen Schuss in die (vom chancenlosen Frank Rost aus gesehen) rechten Torwinkel vollendet. 0:1.

Und dieses Ergebnis verdiente sich der HSV anschließend redlich. Im Mittelfeld verursachte Jarolim, der im Gegensatz zu Zé Roberto am Spiel teilnahm, eine gelbwürdige Szene nach der anderen, offensiv konnte der bis dahin beste Hamburger, Paolo Guerrero, plötzlich keinen Ball mehr festmachen und Heung Min Son, von dem wir uns so viel versprochen hatten, gewann gefühlt nicht einen einzigen Zweikampf. Im Gegenteil: er produzierte einen Fehlpass nach dem anderen. Ergebnis: 0:1 zur Halbzeit und ein Pfeifkonzert, wie es Hamburg lange nicht erlebt – aber heute definitiv verdient – hatte.

Dass die Pfiffe nicht abnahmen, lag in der zweiten Halbzeit daran, dass auch das Spiel leider keinen Deut besser wurde. Im Gegenteil. Als in der 55. Minute Ben-Hatira knapp 54 Minuten zu spät und absolut oberberechtigt ausgewechselt wurde, nahm sich der eigentlich sympathische Offensivspieler das recht heraus, nicht mit dem Trainer abzuklatschen, sondern noch irgendwas zu sagen, was die Trainerbank in Rage brachte. So sehr sogar, dass Noch-Sportchef Bastian Reinhardt gleich hinter dem direkt in die Kabine laufenden Ben-Hatira hinterherstürmte. Was genau Reinhardt dem hitzköpfigen Deutsch-Tunesier gesagt hat, weiß ich nicht. Aber ich muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass es alles andere als nette Worte waren, die mit Sicherheit auch Folgen haben werden, Folgen haben müssen.

Folgenlos blieb indes ein schöner Querpass des eingewechselten Jonathan Pitroipa auf Paolo Guerrero, der plötzlich völlig blank vor dem leeren SC-Gehäuse auftauchte und das Kunststück fertig brachte, den Ball nicht im Tor unterzubringen. Dass den Freiburgern das gleiche Malheur unterlief dürfte ihnen angesichts der drei Punkte relativ egal sein.

Schlimmer noch als das ideen- und lustlose Auftreten der Mannschaft war für mich die Erkenntnis, dass der HSV gut daran täte, sich auch von einem Spieler wie Zé Roberto zu trennen. Von dem Mann, dem ich in der aktuellen Mannschaft als einzigem die Fähigkeit zuspreche, das HSV-Spiel allein lenken zu können. Denn was sich der Brasilianer heute abkniff, glich nicht mal mehr Arbeitsverweigerung. Das war schlimmer. Wie sich der einstige Weltklassemann heute darum bewarb, die fünfte Gelbe Karte und somit ein Wochenende Pause zu bekommen, war schon sensationell. Erst versuchte er es mit Halten, dann mit Ballwegschlagen und am Ende musste ein Foul der übleren Art gegen Daniel Williams herhalten. Sensationell!! Im negativen Sinn natürlich.

Aber zurück zum Spiel. Das erfuhr in der zweiten Halbzeit einen Umschwung. Allerdings weniger spielerisch, denn von den Rängen. Plötzlich kam richtig Stimmung in die Imtech-Arena. Da ging sogar „La Ola“ durchs Stadion und Gesänge wie „Oh, wie ist das schön“ und „Europapokal“ wurden angestimmt. Galgenhumor?? Absolut! Die Bestätigung dafür kam in der 85. Minute, in der die Fans letztlich ihrem wahren Stimmungsbild Ausdruck verliehen und skandierten: „Wir haben die Schnauze voll“.

Und das habe ich auch. Spätestens nach dem peinlichen Fehler von Elia gegen Reisinger, der per Flanke Cissé zum 22. Saisontreffer und vorentscheidenden 2:0 für Freiburg verhalf, war meine Geduld am Ende. Und auch auf die Gefahr hin, von Euch dafür hier abgestraft zu werden, breche ich an dieser Stelle aus Protest ab. Ich lasse Rechtschreibfehler Rechtschreibfehler sein und das Spiel ein Spiel. Diese Darbietung spottet jeder Beschreibung und ist mit Worten nicht zu beschreiben. Zumindest nicht mit Worten, die nicht ähnlich beleidigend sind wie die Leistung der Mannschaft für die Fans, die in Frank Rost und Collin Benjamin ihre letzten Verbündeten ausgemacht haben. Zwei Spieler, die der Verein nach dieser Saison nicht mehr haben will. Bezeichnend für die verkorkste Situation bei unserem HSV, oder??

Entschuldigt. Ich muss nach Hause. Besser ist…

Scholle
17.20 Uhr

Nächste Einträge »