Monatsarchiv für April 2011

0:2 gegen Freiburg – das war eine Beleidigung

30. April 2011

Mathijsen hat noch Knöchelprobleme. Ok. Guy Demel war nicht im Kader, weil er leichte muskuläre Probleme hatte. Oder sowas ähnliches. Hört man. Aber: bei beiden bleibt ein Geschmäckle. Beides sind Spieler, die nicht unumstritten sind. Beide zählen zum „Verkaufs-Personal“. Mit beiden möchte der HSV im Sommer noch mal Geld machen, um finanzielle Mittel für neue Spieler einzunehmen. Und beide spielen plötzlich nicht mehr. Gar nicht mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Nun gut, heute wurden sie nicht gebraucht. Es kam ja „nur“ der SC Freiburg. Oder sollte es besser heißen: das heute war ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet? Ich hoffe nicht. Denn so würde die nächste Saison ob fehlenden internationalen Wettbewerbes schon lang – mit solchen Leistungen dazu allerdings unerträglich.

Dabei begann der HSV vernünftig. Zumindest, was die Chancen betraf. In der 7. Minute verfehlte Son nach Guerrero-Pass nur knapp das Tor, in der 10. köpfte Guerrero drüber, in der 12. Minute fand ein von Elia geschickt freigespielter Aogo keinen Adressaten in der Strafraummitte und – das war es. Fortan ging nichts mehr. Gar nichts. Im Gegenteil: In der 16. Minute verliert der katastrophal aufgelegte Änis Ben-Hatira den Ball auf Höhe des gegnerischen Sechzehners. Anschließend verliert David Jarolim das Laufduell gegen den Freiburger, der einen nicht wirklich gut getimten Ball gen SC-Stürmer Cissé spielt. Allerdings wird aus dem leicht zu verteidigenden Ball plötzlich ein tödlicher Pass, da Dennis Aogo eine Idee hat und seine eigentliche Position verlässt. Wäre der Nationalspieler in dieser Szene auf seiner Position hinter Cissé geblieben, er hätte leichtes Spiel gehabt. So leichtes Spiel, wie offenbar der Freiburger Top-Torjäger, der aus 17 Metern eiskalt mit einem strammen Schuss in die (vom chancenlosen Frank Rost aus gesehen) rechten Torwinkel vollendet. 0:1.

Und dieses Ergebnis verdiente sich der HSV anschließend redlich. Im Mittelfeld verursachte Jarolim, der im Gegensatz zu Zé Roberto am Spiel teilnahm, eine gelbwürdige Szene nach der anderen, offensiv konnte der bis dahin beste Hamburger, Paolo Guerrero, plötzlich keinen Ball mehr festmachen und Heung Min Son, von dem wir uns so viel versprochen hatten, gewann gefühlt nicht einen einzigen Zweikampf. Im Gegenteil: er produzierte einen Fehlpass nach dem anderen. Ergebnis: 0:1 zur Halbzeit und ein Pfeifkonzert, wie es Hamburg lange nicht erlebt – aber heute definitiv verdient – hatte.

Dass die Pfiffe nicht abnahmen, lag in der zweiten Halbzeit daran, dass auch das Spiel leider keinen Deut besser wurde. Im Gegenteil. Als in der 55. Minute Ben-Hatira knapp 54 Minuten zu spät und absolut oberberechtigt ausgewechselt wurde, nahm sich der eigentlich sympathische Offensivspieler das recht heraus, nicht mit dem Trainer abzuklatschen, sondern noch irgendwas zu sagen, was die Trainerbank in Rage brachte. So sehr sogar, dass Noch-Sportchef Bastian Reinhardt gleich hinter dem direkt in die Kabine laufenden Ben-Hatira hinterherstürmte. Was genau Reinhardt dem hitzköpfigen Deutsch-Tunesier gesagt hat, weiß ich nicht. Aber ich muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass es alles andere als nette Worte waren, die mit Sicherheit auch Folgen haben werden, Folgen haben müssen.

Folgenlos blieb indes ein schöner Querpass des eingewechselten Jonathan Pitroipa auf Paolo Guerrero, der plötzlich völlig blank vor dem leeren SC-Gehäuse auftauchte und das Kunststück fertig brachte, den Ball nicht im Tor unterzubringen. Dass den Freiburgern das gleiche Malheur unterlief dürfte ihnen angesichts der drei Punkte relativ egal sein.

Schlimmer noch als das ideen- und lustlose Auftreten der Mannschaft war für mich die Erkenntnis, dass der HSV gut daran täte, sich auch von einem Spieler wie Zé Roberto zu trennen. Von dem Mann, dem ich in der aktuellen Mannschaft als einzigem die Fähigkeit zuspreche, das HSV-Spiel allein lenken zu können. Denn was sich der Brasilianer heute abkniff, glich nicht mal mehr Arbeitsverweigerung. Das war schlimmer. Wie sich der einstige Weltklassemann heute darum bewarb, die fünfte Gelbe Karte und somit ein Wochenende Pause zu bekommen, war schon sensationell. Erst versuchte er es mit Halten, dann mit Ballwegschlagen und am Ende musste ein Foul der übleren Art gegen Daniel Williams herhalten. Sensationell!! Im negativen Sinn natürlich.

Aber zurück zum Spiel. Das erfuhr in der zweiten Halbzeit einen Umschwung. Allerdings weniger spielerisch, denn von den Rängen. Plötzlich kam richtig Stimmung in die Imtech-Arena. Da ging sogar „La Ola“ durchs Stadion und Gesänge wie „Oh, wie ist das schön“ und „Europapokal“ wurden angestimmt. Galgenhumor?? Absolut! Die Bestätigung dafür kam in der 85. Minute, in der die Fans letztlich ihrem wahren Stimmungsbild Ausdruck verliehen und skandierten: „Wir haben die Schnauze voll“.

Und das habe ich auch. Spätestens nach dem peinlichen Fehler von Elia gegen Reisinger, der per Flanke Cissé zum 22. Saisontreffer und vorentscheidenden 2:0 für Freiburg verhalf, war meine Geduld am Ende. Und auch auf die Gefahr hin, von Euch dafür hier abgestraft zu werden, breche ich an dieser Stelle aus Protest ab. Ich lasse Rechtschreibfehler Rechtschreibfehler sein und das Spiel ein Spiel. Diese Darbietung spottet jeder Beschreibung und ist mit Worten nicht zu beschreiben. Zumindest nicht mit Worten, die nicht ähnlich beleidigend sind wie die Leistung der Mannschaft für die Fans, die in Frank Rost und Collin Benjamin ihre letzten Verbündeten ausgemacht haben. Zwei Spieler, die der Verein nach dieser Saison nicht mehr haben will. Bezeichnend für die verkorkste Situation bei unserem HSV, oder??

Entschuldigt. Ich muss nach Hause. Besser ist…

Scholle
17.20 Uhr

Son richtig guter neuer Anfang hätte was…

29. April 2011

Noch „dreimal rein in die Mühle, dann auskurieren und in der kommenden Saison mit ausgeheilten Knochen wieder voll angreifen“. So ähnlich formuliert es Dennis Diekmeier, angesprochen auf seine Ziele für die letzten drei Spiele. Der ehemalige Nürnberger ist zwar erst seit dem 27. Spieltag wieder fit, seither allerdings immer in der Startelf. Und das trotz noch immer nicht gänzlich auskurierter Achillessehnenbeschwerden, wie zwei straffe, dicke Verbände an den Fußgelenken beweisen. „Vorsichtshalber“, beschwichtigt Diekmeier, „aber im Sommer werde ich die Zeit nutzen, letzte Wehwehchen auskurieren. Und richtig los geht es dann für mich mit der Vorbereitung in der neuen Saison.“ Zudem – und das ist wie von Dieter beschrieben wohl das am meisten Gesagte und wurde heute auch wieder von Diekmeier ausdrücklich erwähnt – ginge es darum, den Fans noch etwas zu bieten. „Wie wir alle hatten auch unsere Anhänger andere Ziele. Dass auch sie enttäuscht sind, muss uns klar sein. Das wissen wir auch. Deshalb sind wir jetzt dran, um den Fans zum Abschluss doch noch etwas zu zeigen und gute Spiele abzuliefern“, sagt Diekmeier.

Und ich hoffe es für uns alle, insbesondere für den extra aus der Eifel angereiste Gewinnspiel-Sieger Oliver Hecker aus Hellenthal, der erst heute Vormittag von seinem Gewinn erfuhr und sich sofort um ein Hotel bemühte, „um den Sieg ausgeschlafen“ miterleben zu können, wie er hofft. Oder besser: wie wir alle hoffen…

Nun denn, genug gehofft. Und Versprechungen seitens der Mannschaft gibt es auch wieder genug. Alle beteuern, den Fans noch etwas zeigen zu wollen, dass sie dementsprechend hochmotiviert sind, auch wenn es tabellarisch um nicht mehr viel geht. Los geht es damit am morgigen Sonnabend gegen Freiburg. Einen Gegner, der wie der HSV (O-Ton Oenning) „zwischen Baum und Borke“ ist. Und das zum ersten Mal mit dem vermeintlich neuen HSV-Sturm Paolo Guerrero/Heung Min Son. Und während Paolo die aller-aller-aller-aller-allerletzte Chance nach einem „sehr guten Vier-Augen-Gespräch“, wie es Trainer Michael Oenning nannte, erhält, will Son einfach wieder da anknüpfen, wo er im Sommer begonnen hatte: bei unbeschwertem, frechem Fußball. Den hatte er sich selbst zuletzt verwehrt. Sagt er zumindest. „Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht“, so der Südkoreaner, „nachdem es nach dem Asien-Cup für mich hier nicht mehr so gut lief, habe ich zu viel nachgedacht.“

Allerdings, wer will es dem sympathischen 18-Jährigen verdenken. Vor der Saison noch bei den Amateuren eingeplant, hatte er sich über die Nominierung für die Bundesliga-Mannschaft schon gefreut, wurde dann „Shooting-Star“, südkoreanischer Nationalspieler und sogar als der neue

Ji-Sung Park gefeiert. Der ist immerhin bei Manchester United unter Vertrag und mit einem Bein im Champions-League-Finale. Eine rasante Entwicklung, die für einen 18-Jährigen nicht einfach zu meistern ist. Zumal nicht, wenn er einen großen Teil dieser zeit allein in einem fremden Land ist. Wie zu Zeiten im Internat. „Ich war ohne meine Familie da“, sagt Son und gesteht: „Ich dachte zuerst, das wäre einfach. War es aber nicht.“ Auch deswegen zählen seine Mutter und sei Vater inzwischen zu Dauergästen in Hamburg und verbringen („Mein Vater hat ja auch einen Job“) so viel Zeit wie möglich bei und mit ihrem Sohn. „Mein Vater guckt sich dann alles an. Training und Spiele. Wenn er da ist, bin ich besser.“ Weil er sein größter Kritiker ist, wie Son hinterherschiebt. „Er sagt mir jeden Fehler, merkt sich alles. Nach jedem falschen Laufweg meckert er mit mir“, sagt Son und lacht dabei, um zu zeigen, dass hinter alledem, was so nach Drill klingt, dennoch eine familiäre Herzlichkeit steckt.

Schließlich ist es auch Son selbst, der sich den meisten Druck macht. Freie Tage gibt es für den Angreifer nicht. Selbst an Tagen mit einer Einheit bei den Profis legt er sich selbst weitere Einheiten auf. „Ich trainiere dann in Norderstedt“, so Son, der auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Ochsenzoll immer genau das trainiert, was er glaubt, in der Vorwoche am schlechtesten umgesetzt zu haben. Wohlgemerkt: Son trainiert für sich. Allein. Ohne Anweisung von einem Trainer. Schon deshalb freue ich mich auf ihn, weil ich überzeugt bin, dass sich ein derartiger Ehrgeiz – solange er nicht überzogen ist – einfach belohnt gehört.

Und es würde jetzt auch gut passen. Mitten rein in den geplanten und immer näher rückenden Umbruch von Alt auf Jung wäre ein so genanntes Eigengewächs ein guter Startschuss. Zumal nach Tunay Toruns Abgang gen Berlin, den ich nur schwer nachvollziehen kann. Immerhin hätte Torun hier den Nimbus Eigengewächs, den er für sich zuletzt als Nachteil empfand, zu seinem eigenen Vorteil nutzen können. Denn genau das suchen die aktuell Verantwortlichen jetzt vermehrt. Aber gut, der Deutsch-Türke (um eines klarzustellen und Emails vorzubeugen: das ist für mich absolut kein Schimpfwort!!) soll ein Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro gefordert und vom HSV lediglich rund 800000 Euro geboten bekommen haben.

Auf jeden Fall hat sich Torun für den Rest der Saison keinen Gefallen getan. Heute strich ihn Oenning direkt aus dem Kader. Ebenso wie Romeo Castelen (Trainingsrückstand) und Joris Mathijsen, der weiterhin mit Knöchelproblemen pausiert. Insgesamt 19 Leute nahm Oenning mit ins Mannschaftshotel, weil Gojko Kacar von Knöchelproblemen geplagt wird und weiter fraglich ist. Sollte der Serbe fit sein, dürfte Guy Demel wieder aus dem Übergangsaufgebot gestrichen werden, dessen Abgang im Sommer als so gut wie beschlossen gilt. Oder doch Muhamed Besic? Der trainierte heute mal wieder schwach und musste sich sogar einen heftigen Rüffel von Frank Rost („Was sind das für schwule Bälle, Momo?“) nach einem seiner vielen schwachen Pässe gefallen lassen.

Womit wir bei Spekulationen angekommen sind. Die werden naturgemäß in der Sommerpause neue Höhen erreichen, allerdings ist der Anfang bereits gemacht. Über ein italienisches Internetportal wird verkündet, dass der FC Bayern die Fühler nach Dennis Aogo ausgestreckt haben soll. Nein, noch mehr: sie „jagen“ Aogo. „Seriöser“ geht es kaum. Allein, weder beim HSV, noch beim FC Bayer und am allerwenigsten Dennis selbst wissen etwas davon. Aber ich könnte wetten, dass das nur der Anfang war und demnächst alle guten Namen des nächste Saison „nicht-europäischen“ HSV bei Klubs auftauchen, die suchen und einen internationalen Wettbewerb zu bieten haben. Völlig egal ob der Beschriebene gerade bis 2015 verlängert hat oder nicht. Und eben völlig egal, ob es stimmt oder nicht.

Und wo wir schon mal bei munteren Spekulationen sind, hier eine von mir: Wie ich gehört habe, war Deutschland in der Uefa-Fairplay-Wertung bis zur Winterpause knapp hinter den ersten vier Ländern Fünfter. Und am heutigen 30. April soll die neue Liste veröffentlicht werden. Sollte sich Deutschland nun um zwei Plätze hochgearbeitet haben, hätte der HSV plötzlich wieder allerbeste Chancen auf einen Startplatz in der Europa League. Denn die fairsten drei Länder erhalten einen zusätzlichen Startplatz, und der HSV ist in der Bundesliga hinter den eh international qualifizierten Dortmund und FC Bayern Dritter in Sachen Gelbe, Gelbrote und Rote Karten (hinzugerechnet wird das Fan-Verhalten des jeweiligen Klubs) – und somit punktgleich und zusammen mit dem heutigen Gegner SC Freiburg einer der allerersten Anwärter.

Viele Konjunktive. Zu viele, um sich jetzt schon zu freuen. Aber dafür freue ich mich auf drei Spiele, in denen die Mannschaft unbeschwert auflaufen kann und vielleicht etwas von dem zeigt, was wir in dieser Saison definitiv zu wenige zu sehen bekommen haben. Immerhin: versprochen ist versprochen, oder??

In diesem Sinne, im Anhang die vermeintliche Startelf.

Bis morgen,

Eure Urlaubsvertretung Scholle

Vermeintliche Startelf: Rost – Diekmeier, Kacar (Demel), Westermann, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Elia – Guerrero, Son.

Weiter im Kader: Drobny, Demel, Besic, Benjamin, Tesche, Trochowski, Rincon, Pitroipa.

18.25 Uhr

Wiedergutmachung statt “Goldener Ananas”

28. April 2011

Gas geben! Spricht man in diesen Tagen mit einem HSV-Spieler, so kommt dabei garantiert zu irgendeinem Zeitpunkt: „Wir müssen Gas geben!“ Jetzt. Natürlich weiß jeder Profi, dass das ein bisschen spät kommt, aber es ist damit wohl auch eher gemeint, dass die letzten drei Spiele der Saison nicht abgeschenkt werden (sollen). Lippenbekenntnisse haben wir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und auch Jahren ja oft genug gehört, aber inzwischen glaube ich ja, dass sich einige Spieler tatsächlich noch reinhängen werden, denn: es geht doch auch um ihre Zukunft. Jeder möchte doch weiter Erste Liga spielen, entweder für den HSV, oder auch woanders. Und damit das auch klappt, muss Mann Gas geben – ganz klar. Ich hoffe in Eurem Interesse, dass das am Sonnabend, wenn der Freiburg-Kick um 15.30 Uhr angepfiffen wird, auch alle, die auf dem Rasen stehen, begriffen haben. Michael Oenning wird es auf jedem Fall allen verklickert haben, und dann muss er darauf hoffen, dass seine Worte auch angekommen sind.

Es geht auch um Wiedergutmachung! Und nicht um die “Goldene Ananas”.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch in Hamburg. Oenning hat heute noch einmal verkündet, dass er ein „gutes Vier-Augen-Gespräch mit Paolo Guerrero“ gehabt hat. Und dass der Trainer nun glaubt, dass der Peruaner begriffen hat, worauf es nun ankommt. Hoffentlich. Guererro sagt auf jeden Fall: „Mein Deutsch ist nicht so perfekt, dass ich alles verstehe was er mir sagt. Aber diese Sachen habe ich verstanden. Er möchte von mir, dass ich Gas gebe, dass ich gut spiele, dass ich für die Mannschaft spiele – das habe ich kapiert.“ Hoffentlich.

Denn Paolo Guerrero ist nun gefragt. Mladen Petric fällt aus, Ruud van Nistelrooy fällt aus – der Peruaner ist nun die Nummer eins im HSV-Sturm Guerrero ist der Hoffnungsträger. Er ist gegen den SC Freiburg gesetzt, an seiner Seite wird wahrscheinlich der Koreaner Heung Min Son stehen. Vor Wochen habe ich gesagt, dass der junge Mann ein wenig „durchhängt“, aber nun glaube ich, dass er wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen kann – er wirkt auf mich im Training wieder spritzig, willig und unternehmungslustig. Bin nur gespannt, ob er das auch am Sonnabend von 15.30 Uhr an dem Hamburger Publikum vermitteln kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch bei mir.

Zumal es ja um einen jungen, hoffnungsvollen Stürmer geht. Von dieser Sorte verliert der HSV nun ein Talent: Tunay Torun. Ob es schade ist, dass er zu Hertha BSC wechselt, das werden wir in der nächsten Saison gehen, bei Markus Babbel ist er sicher in guten Händen. Beim HSV aber hätte Torun sicherlich keinen Stammplatz bekommen, und deswegen ist der Wechsel nach Berlin sicher sinnvoll. Wobei Tunay Torun noch einmal Wert darauf legt, dass er in Hamburg niemals einen „Stammplatz gefordert“ hat – er wollte nur mehr Einsätze. Nun hat er es selbst im Fuß, seine Karriere nach vorne zu schießen. Abwarten.

Paolo Guerrero will und wird dagegen beim HSV bleiben. Das ist sicher. Sagt er. Ein kürzlich geführtes Radio-Interview in Peru wurde falsch übersetzt. Und dass das tatsächlich so ist, das kann Paolo sogar beweisen, denn er hat sich inzwischen eine CD als Mitschnitt von diesem Gespräch besorgt. Sicher ist sicher. Nun könnte sich jeder (vom HSV) der es hören will, selbst zu Gemüte führen, was tatsächlich gesprochen wurde. Paolo will nicht weg. Er will hier noch mindestens zwei Jahre bleiben (sein Vertrag läuft allerdings noch ein Jahr länger . .. . ), er will Führungsspieler werden – und dem HSV helfen: „Ich fühle mich wohl beim HSV und in Hamburg. Die Presse hatte damals mit meinem Abschied spekuliert, aber das war falsch. Ich bleibe.“

Gas gebe. Paolo will es am Sonnabend. Obwohl er weiß, dass das zuletzt nicht immer geklappt hat. Bei ihm war das so, auch bei der Mannschaft war das so. Und warum, lieber Paolo, warum soll es diesmal, wo es nur noch um die „goldene Ananas“ geht, klappen? Ausgerechnet gegen Freiburg, in diesem bedeutungslosen Spiel? „Weil ich immer Optimist bin“, sagt Guerrero und fährt fort: „Jedes Spiel ist anders. Wir spielen zu Hause, wir müssen und werden für unsere Fans spielen, ein gutes Spiel machen, ein gutes Ergebnis erzielen, gewinnen. Das ist sehr wichtig. Natürlich bin auch ich enttäuscht, dass wir wieder nicht international spielen, aber in erster Linie müssen wir uns nun auf Freiburg konzentrieren – da zählen nur die drei Punkte.“

Er will auch beweisen, dass er mit Son im Sturm harmonieren kann: „Ich spiele gerne mit Leuten zusammen, die fußballerisch gut sind – und er ist ein guter Fußballer. Ich freue mich darauf, Son ist ein guter Stürmer, ein guter Techniker – es wird kein Problem geben.“

Dafür gibt es andere Probleme. Die der personellen Art.
Gojko Kacar und Piotr Trochowski, zuletzt leicht angeschlagen und aus dem Training genommen, haben heute wieder mittrainiert. Ebenso Joris Mathijsen. Ob der Niederländer allerdings schon wieder mitspielen kann, ist fraglich, er hatte zuletzt ja eine Tage pausiert. Nicht mit dem Team trainiert hat Marcell Jansen, der gemeinsam mit Maxim Choupo-Moting eine Sonder-Einheit mit Reha-Coach Markus Günther absolvierte.

So, nun noch zwei kleine Dinge, die nichts mit Mannschaft, Trainer, Verträgen und Verletzungen zu tun haben.

Folgende Mail hat mich erreicht:

„Moin Dieter Matz,

wir von der Initiative „Pro HSV“ laden diesen Sonnabend vor dem Heimspiel gegen Freiburg zu einem öffentlichen Treffen zum Kennenlernen und zum Austausch ein:

Liebe Freunde, liebe HSVer,

wir möchten euch gerne zu einem ersten öffentliches Treffen mit der Initiative „Pro HSV“ zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch einladen.
Wir treffen uns am 30. April vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg im Volkspark, genauer gesagt im „Bauernhaus“, Nansenstraße 82, 22525 Hamburg.

Starten wird das Treffen um 12:30 Uhr, wir hoffen auf zahlreiche Teilnehmer und freuen uns darauf, euch dort begrüßen zu dürfen.“

Und dann startet der HSV an diesem Wochenende eine ganz besondere Aktion:

Gemeinsam zum HSV – das ist kostensparend für die Fans und gleichzeitig schont es die Umwelt. Dafür hat der HSV auf der Vereinshomepage (www.hsv.de) zwei Pendlerportale eingerichtet. Entweder können sich HSV-Fans für eine gemeinsame Anreise im Pkw abstimmen, oder eine Gruppentour über das Bus-Portal planen.

Durch die gemeinsame Anreise kann somit künftig nicht nur Geld, sondern auch CO-2 eingespart werden. Dieses Angebot ist eine von vielen Maßnahmen, die der HSV gemeinsam mit dem Partner Entega zum Klima. Und Umweltschutz durchführt. Alle weiteren Informationen zu den Pendlerportalen gibt es online auf hsv.de unter der Rubrik „Fans“ oder direkt unter „www.hsv.de/pendlerportale“.

Zudem wird zum HSV-Spiel gegen Freiburg dazu aufgerufen, klimafreundlich mit dem Fahrrad bis an die Arena zu kommen. Wer zuerst kommt, der wird auch belohnt. Auf die ersten 300 Fahrradfahrer wartet am Fahrradparkplatz vor der Ost-Tribüne der Entega-Fahrradcheck. Mechaniker führen dort von 13 Uhr an kostenlose Kontrollen durch, überprüfen die Sicherheit der Fahrräder.
Übrigens: HSV-Boss Carl Edgar Jarchow will am Sonnabend auch mit dem Fahrrad anreisen. Ein Hauch von Tour de France liegt über dem Volkspark . . .

PS: Ich verabschiede mich an dieser Stelle für cirka zwei Wochen von „Matz ab“, ich nehme einige Tage Urlaub. In dieser Zeit wird – Ihr kennt es schon – Marcus „Scholle“ Scholz Euer Matz-ab-Chef sein.

18,12 Uhr

Video: HSV-Pressekonferenz – Oenning: “Ich habe unterschrieben”

28. April 2011

Oenning ab nach Madrid – Petric fällt aus!

27. April 2011

Da sage noch einer, dass im Jahre 2011 der ganz große Fußball am HSV vorbei gehe. Stimmt nämlich nicht. Nicht so ganz, auf jeden Fall. Als Michael Oenning heute um kurz vor halb Zwölf das Training beendete, da sauste er in die Kabine, zog sich innerhalb von nur fünf Minuten um, raste zu seinem Auto – und weg. Ab ging es zum Flughafen, auf nach Madrid, wo am Abend Champions League gespielt wird: Real gegen Barcelona. Oenning, der wohl erst im Flugzeug geduscht hat (!?), sitzt am Abend neben Sky-Reporter Kai-Roland Dittmann und gibt den stummen Assistenten, der alle fußballerischen Feinheiten dieses Giganten-Duells aufdeckt. Wäre ja schön, wenn Michael Oenning bei der Gelegenheit gleich den eine oder anderen Star packen und mit nach Hamburg schleppen würde. Nein, nein, ist natürlich ein Scherz, denn Real oder Barca, dazu die Champions League – das alles ist ja meilenweit vom HSV entfernt. Leider, leider, leider.

Wobei, wenn ich so an Schalke denke: Dem HSV bleibt so immerhin die eine oder andere Demütigung oder kostenlose Lehrstunde erspart. Genau jene Sachen, die Schalke am Dienstag widerfuhren. Mein Gott, was war das für ein Fußball-Abend für die Deutschen? Ich gebe zu, mir tat nicht nur Schalke leid, mir taten auch die Augen weh. Und deswegen habe ich auch schon früh umgeschaltet – um hin und wieder einmal zurück zu kommen. In der Hoffnung, dass sich inzwischen etwas gebessert hätte – aber das war leider nichts. Selten ist eine deutsche Mannschaft einmal so vorgeführt worden, wie diese biedere Schalker Truppe. Die älteren Damen und Herren hier, die werden sich gewiss an das Jahr 1960 erinnern, als Real Madrid den deutschen Meister Eintracht Frankfurt im Europapokal-Endspiel mit 7:3 aus dem Stadion fegte – vor 128 000 Zuschauern in Glasgow! Dieses Spiel damals war ähnlich grausam, denn es waren auch zehn und sogar mehr Gegentore möglich. Aber diese Nummer nun auf Schalke – ein absolutes Desaster! Imponiert haben mir nur die Zuschauer. Wie die ihren Königsblauen unterstützt haben, obwohl es diesen gefühlten Sechs-Klassen-Unterschied gab, das war einfach nur klasse. Kompliment, Ihr SO4-Fans, das war vorbildlich. Und auch absolut nachahmenswert.

So ganz nebenbei habe ich bei diesem Kick auch oft an Felix Magath gedacht. Motto: Man hole sich einen Trainer, der den ganzen Laden auf den Kopf stellen soll, der den ganzen Laden dann auch tatsächlich auf den Kopf stellt, der für die Vizemeisterschaft sorgt, der für den Einzug in die Champions League sorgt, der für den deutschen Pokalsieg 2011 sorgt (steht für mich fest!)– und der dem klammen Klub noch mindestens 50 Millionen Euro in die leeren Kassen spült – und dann entlassen man ihn. Das muss den Schalkern erst einmal nachgemacht werden, das ist ein tolles Husarenstück, das so schnell ganz sicher nicht zu toppen sein wird. Auch dazu ein (nicht ganz ernst gemeintes) Kompliment.

So, nun aber zum HSV. Mladen Petric fällt definitiv für die nächsten zwei Spiele aus. Ich hatte es gestern bereits geahnt, Mladen wohl auch, denn: Er zog sich nach der Verletzung, eine Adduktorenzerrung, sein Trainingstrikot mit einer dermaßen großen Wucht und auch Wut aus, donnerte es in das Golf-Car – und ließ sich mürrisch in die Kabine fahren. Wenn nun alles gut läuft, dann können die HSV-Fans Petric noch einmal im letzten Saisonspiel sehen, im Volkspark gegen Mönchengladbach. Wenn alles gut läuft. Ob es dann das Abschiedsspiel von Mladen Petric sein wird, das bleibt dahingestellt. Ich glaube ja, dass da etwas im Busch ist, denn so mir nichts di nichts sagt Trainer Oenning nicht in Mikrofone, dass noch unklar sei, ob Petric auch nächste Saison noch für den HSV stürmen wird. Ich hatte das für mich schon als innerlich abgehakt betrachtet, ich hatte Petric für mich fest eingeplant – aber so kann es gehen.

Nichts Genaues weiß man nicht. In diesen Tagen beim HSV. Es ist irgendwie immer noch alles denkbar und alles offen. Das betrifft Zu- und Abgänge. Und wenn ich jetzt lese, dass Ze Roberto gerne einen Zwei-Jahres-Vertrag haben möchte, dann denke ich, dass auch für den Brasilianer eher das Ende in Hamburg gekommen ist, als dass er noch zwei Jahre für den HSV kicken wird. Es sei denn, er lässt sich noch auf „nur“ ein Jahr herunterhandeln. Abwarten. Müssen eh alle. Nicht nur der große Ze.

Noch kurz zur Verletztenliste: Heute nicht trainiert hat Piotr Trochowski. Der „kleine Dribbelkünstler“ (ein letztes Mal?) hatte am Vortag einen Schlag auf das Knie bekommen, daraus resultieren Schmerzen – und Michael Oenning stellte „Troche“ vorsichtshalber für einen Tag frei. Ich aber glaube nicht, dass Trochowski bis Sonnabend wieder fit wird, ich denke vielmehr, dass es kein „Abschiedsspiel“ mehr für den nach Sevilla abwandernden Billstedter geben wird.
Ebenfalls nicht auf dem Trainingsrasen zu sehen war Marcell Jansen – Bauchmuskelzerrung. Der Nationalspieler wird wohl ausfallen. Heute gefehlt, morgen wahrscheinlich aber auch noch – so geht das bei Gojko Kacar. Der Serbe hat sein Wochen Schmerzen im (rechten?) Knöchel, er biss immer tapfer die Zähne zusammen, nun aber ging es wohl nicht mehr. Der Trainer betrachtet diese Pause als Vorsichtsmaßnahme, Kacar soll am Sonnabend gegen Freiburg spielen können. Abwarten.

Das gilt auch für die Formation im Sturm. Tunay Torun hat heute nach seiner Gesäßmuskelzerrung wieder trainiert, dürfte also fit werden. Dennoch glaube ich, dass Paolo Guerrero wohl die Nummer eins im HSV-Angriff sein wird. Aber wer stürmt neben dem Peruaner? So richtig drängelt sich in diesen Tagen ja niemand auf. Deswegen halte ich es auch für möglich, dass Heung Min Son mal wieder eine Chance erhält, denn der Südkoreaner hat in Sachen Trainingsleistung wieder zugelegt, er wirkt auf mich spritziger, frischer, williger und unternehmungslustiger als in den Wochen zuvor. Aber mal abwarten.

Es dürften keine leichten Entscheidungen sein, die Michael Oenning bezüglich dieses Sonnabends zu treffen hat. Es geht um nichts, und doch geht es um so viel. Nämlich um einen anständigen Abschied von dieser Saison – auch schon im vorletzten Heimspiel. Und es geht darum, dass die Spieler ihren Fans zeigen, dass sie es doch noch besser können. Das sind die Profis ihrem Publikum schuldig, wie ich finde. Aber nun gut, das ist auch Auslegungssache. Die einen sagen so, die anderen so.

Einer, der sich auf jeden Fall ein weiteres Mal zerreißen wird, ist David Jarolim. Der Tscheche gibt nämlich immer alles. Er ist nun seit acht Jahren beim HSV, immer noch keinen Titel – und jetzt diese verkorkste Saison. Er sagt: „Natürlich ist die Enttäuschung groß, wenn mit großen Erwartungen in die Saison gestartet ist, und dann hat man am Ende wieder nur leere Hände. Das ist nur schwer zu verkraften.“ Speziell auf das 0:3 in Stuttgart befand „Jaro“: „Ganz klar, diese Leistung war absolut enttäuschend. Wie es der Trainer schon gesagt hat: Man kann verlieren, aber dann auf eine andere Art und Weise. Wir wollten da ganz anders auftreten, wollten vorne drauf gehen, aber davon war nichts zu sehen . . .“

Die Mentalität muss eine andere werden. Beim HSV. Das sagen viele. Und das sagen sie auch in der Klubführung. Wie denkt Jarolim darüber? „Das sagt sich so leicht, dass die Mentalität eine andere werden muss. Ich glaube, dass die Mentalität bei uns stimmt, denn wir waren doch viel in den letzten Jahren in Europa unterwegs. Das hätten wir doch nicht geschafft, wenn die Mentalität nicht stimmen würde. Dass jetzt das eine oder andere bei uns geändert werden muss, das ist klar, das ist auch normal, aber direkt über die Mentalität zu sprechen, das wäre mir zu leicht. Daran liegt es nicht, meiner Meinung nach.“

Aber woran dann? Denn jetzt steht der HSV bereits vor seiner zweiten Saison ohne Europa. Für David Jarolim steht fest: „Ich ärgere mich immer dann sehr, wenn wir uns etwas vornehmen, es dann aber im Spiel überhaupt nicht umsetzen. Das kann es nicht sein.“ Die Wurzel allen Übels ist für ihn aber dennoch woanders zu suchen. Jarolim blickt zurück: „Nach dem Abgang von Didi Beiersdorfer hatten wir ein Jahr keinen Sportchef, und ein solcher Mann hat schon gefehlt. Er hat hier etwas aufgebaut, er hatte eine Philosophie, es ist mit ihm immer Schritt für Schritt nach oben gegangen – und er war vor allem auch das Bindeglied zum Vorstand. Das hat sehr gut funktioniert – und dann war er plötzlich weg . . .“ David Jarolim sagt aber auch: „In den vergangenen Jahren hatte sich ja der gesamte Verein nach oben entwickelt und verbessert, das gilt ja auch für die finanziell Seite. Deswegen ist es sehr, sehr traurig für alle, dass wir wieder nicht europäisch spielen.“

Der HSV will den Mittelfeldspieler, dessen Vertrag noch bis 2012 läuft, behalten. Der Vorstands-Vorsitzende Carl Edgar Jarchow hat bereits vor Wochen ein Gespräch mit Jarolim geführt. Und diese Unterhaltung verlief gut. „Er hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht, wie er sich präsentiert hat, wie er die Gespräche geführt hat – sehr gelassen, ausgeglichen und ruhig.“ Im Mai wird „Jaro“ 32 Jahre alt, noch kein Alter, um an das Ende der Karriere zu denken: „Wenn man hier so viele schöne Jahre hatte, dann denkt man noch ans Ende. Ich fühle mich fit, der HSV ist auf jeden Fall mein erster Ansprechpartner.“ Und wenn ich dem Klub raten sollte, dann würde ich sagen, dass die Führungs-Herren recht schnell „in den Quark“ kommen sollten. Jarolim ist nicht nur einer, der immer, egal wie es läuft, 100 Prozent gibt. Und er ist einer, der die Raute tatsächlich tief verwurzelt im Herzen trägt. Das kann man sicherlich nicht von jedem HSV-Profi 2011 sagen.
Vielleicht offenbart sich das schon wieder mehr als deutlich, wenn es am Sonnabend um 15.30 Uhr gegen den SC Freiburg geht.

So, und zum Abschluss des Tages eine kleine Geschichte zum Schmunzeln. Heute war die Fußballschule des HSV (die Nummer eins in der Bundesliga) wieder einmal unterwegs. Zum Abschluss ging es für die um die sechs Jahren alten Mädchen und Jungs, alle einheitlich mit ihrem persönlichen Trikot gekleidet (sieht wirklich toll aus!), in den Presseraum der Arena. 80 Mädchen und Jungs vom HSV-Kids-Klub, von Stefan Kofahl (Liga-Coach Oststeinbeker SV) betreut. Im Presseraum saßen noch die Kollegen von „Bild“ und „Welt“, und Kofahl fragte, ob sich einer der beiden Journalisten zum HSV befragen lassen möchte. Matthias Linnenbrügger ging auf das Podium und stellte sich den Fragen der Kids. Es kamen tatsächlich einige Fragen, und es kam auch diese: „Treffen Sie hin und wieder noch HSV-Spieler von früher?“ Linnenbrügger: „Ja, natürlich. Zum Beispiel Sergej Barbarez, aber den kennen sicher schon nicht mehr alle von euch,ode?“
Weil die Mehrheit der Kids ja so um die sechs Jahre alt (oder besser jung) ist. Dann fragten Linnenbrügger und Kofahl den Nachwuchs: „Wen kennt ihr denn noch von früheren HSV-Spielern?“ Einer meldete sich spontan: „Rafael van der Vaart.“ Dann meldete sich auch Ali. Und der brachte dann einen echten Knüller raus: „Horst Bertl.“
Kofahl und Linnenbrügger kriegten sich kaum wieder ein. Das war der Hammer! Der kleine Ali! Er kannte doch tatsächlich Horst Bertl. Den hat ja kaum noch ein erwachsener HSV-Fan drauf. Mittelfeldspieler Bertl, ein Mann mit spärlichem Haarwuchs (er kämmte schon früh von links nach rechts), war1974 (!) von Dortmund nach Hamburg gewechselt und verließ den HSV 1979 Richtung Houston.
Kompliment, kleiner Ali, Du kennst Dich wirklich gut aus bei Deinem HSV.
Völlig verrückt wäre es ja geworden, wenn die kleinen Knirpse Namen wie Kremer, Dringelstein, Dieckmann, Horst oder auch Fock genannt hätten . . . Vielleicht beim nächsten Mal.

Am Donnerstag wird im Volkspark um 15 Uhr trainiert. Dann sind wieder die „Helden“ von heute am Start. Sofern sie denn fit sind.

Kurze Meldung um Mitternacht (der HSV konnte es leider nicht bestätigen, aber die Berliner taten es inzwischen):
Tunay Torun wechselt für drei Jahre (und ablösefrei) zu Erstliga-Aufsteiger Hertha BSC. Ich wünsche dem jungen Mann dort mehr Glück, wir alle werden sehen, ob er dort Stammspieler wird.

17.31 Uhr

Oenning und das zweite Gesicht des HSV

26. April 2011

Na bitte, es gibt doch noch erfreuliche Nachrichten rund um den HSV. Wer sagt es denn? Die Agenturen vermelden heute:

Der HSV hat positive Nachrichten von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhalten. Die DFL-Geschäftsführung hat den „Rothosen“ im Lizenzierungsverfahren die Spielberechtigung für die Saison 2011/2012 erteilt, gab der norddeutsche Bundesliga-Klub am Dienstag auf seiner Homepage bekannt. Der HSV, der die Ausgaben für seinen Bundesliga-Kader zur kommenden Spielzeit von derzeit 48 auf rund 35 Millionen Euro senken will, erhält die Lizenz damit bereits zum sechsten Mal nacheinander ohne Auflagen.

So, und weil ich gestern mit ihm begonnen habe, so muss ich das auch heute tun. Es ging und geht um Michael Oenning. Ich hatte ihn kritisiert, dass er uns am Freitag nichts über die Laufzeit seines Vertrages verraten hatte (verraten wollte), hatte den HSV-Trainer dann aber angekreidet, dass er es sehr wohl (am Sonntag!) beim Pay-TV-Sender Sky gesagt hatte. Ich habe Michael Oenning heute bei unserem Gespräch gesagt, dass ich so (nämlich kritisch) über ihn berichtet habe, und er stellte es gerade. Die vertraglichen Details seines Vertrages mit dem HSV wurden erst am Abend vor dem Spiel (!) in Stuttgart besprochen – im Mannschaftshotel. Er konnte also mir (und uns) am Freitag in den Mittagsstunden noch gar nichts über die Laufzeit verraten. Deshalb sage ich nun: „Sorry, Herr Oenning, ich nehme alles zurück und entschuldige mich in aller Form.“ Diese Entschuldigung hat Michael Oenning auch schon angenommen – und er empfand es auch als gut, dass wir sofort an diesem Dienstag darüber gesprochen haben.
So soll es bleiben.

Apropos Trainer-Vertrag: Der sollte heute eigentlich unterschrieben werden, unterschrieben sein, aber das wird nun auch heute noch nicht passieren, weil sich erst der Aufsichtsrat ein wenig intensiver mit dem Stückchen Papier beschäftigen möchte.

Und nun zum Fußball. Den gab es heute tatsächlich wieder, denn im Volkspark wurde trainiert. Aber hallo! Erst die hohe Laufschule von Günter Kern, dann ein Spiel ohne Tore (aber Mann gegen Mann), und zum Abschluss ein kleines Turnier (halber Platz) von drei Mannschaften. Es ging zur Sache! Ich weiß, ich weiß, es kann keiner von Euch mehr lesen und mehr hören, aber so war es tatsächlich. Wenn Ihr das Stuttgart-Spiel noch in Erinnerung habt, dann sah das ja eher ein wenig nach Beamten-Mikado aus, aber wer diese Einheit heute gesehen hat, der wird sich fragen: „Warum bewegt sich diese Truppe an diesem Dienstag so, als wolle sie Weltmeister werden, und warum stellt dieselbe Truppe am Sonnabend bereits nach 90 Sekunden die Arbeit ein?“ Es ist und bleibt ein riesiges Rätsel. Dass Ihr es nicht mehr hören könnt, das kann ich sehr, sehr gut verstehen – aber es ist wieder einmal Tatsache.

Schon bei den Lauf-Übungen waren die meisten hundertprozentig bei der Sache. Mir gefielen, wenn ich das einmal sagen darf, besonders Heung Min Son, Piotr Trochowski, David Jarolim und Mladen Petric – beim Laufen! Jawoll, sehr wohl beim Laufen. Später dann, bei den Spielchen, überzeugten mich Frank Rost, Dennis Diekmeier, Paolo Guerrero Tomas Rincon (!), teilweise auch Guy Demel – vor allen Dingen aber Piotr Trochowski. Kay, 50 Prozent des Blogs werden nun in di Luft gehen, aber es ist so, wie es ist. Und wenn „Troche“ gut und sogar auffällig trainiert, dann werde ich es auch immer nennen – so lange es noch geht. Übrigens: Die beiden schönsten Tore des Vormittags schossen zwei – ich nenne sie mal „Exoten“: Zuerst traf Collin „Collo“ Benjamin mit links in den oberen Torwinkel (gegen Frank Rost), dann auch noch Romeo Castelen, ebenfalls ein „Tor des Monats“. Ihr habt richtig gelesen: Romeo Castelen. Es geht langsam bergauf mit ihm, aber ich will es nicht heraufbeschwören . . .

Zur Verletztenfront: Mladen Petric zog sich genau um 11.48 Uhr bei einem Pressschlag eine Adduktorenverletzung zu, er musste vom Golf-Car (und Fahrer Uwe Eplinius) in Richtung Kabine gefahren werden – das sah nicht gut aus, da droht dem HSV der nächste Ausfall für das Freiburg-Spiel am Sonnabend. Auf dem Rasen „nebenan“ trainierte Marcell Jansen mit Reha-Coach Markus Günther, später gesellte sich auch Eric-Maxim Choupo-Moting dazu, der bis zu den Spielen das volle Programm mitgemacht hatte. Es fehlte diesmal Tunay Torun, der in Stuttgart eine Gesäßmuskelzerrung erlitten hat.

Ganz kurz noch zur Intensität des Trainings. Michael Oenning bezeichnete es später als „Steinzeit-Übung“, was er im Mittelteil der Einheit veranstalten ließ. Es hieß Mann gegen Mann ohne Tore, teilweise mit Aufgaben (zweimal berühren). Es waren Mann gegen Mann fest eingeteilt. Zum Beispiel spielten Guerrero gegen Rincon, Jarolim gegen Trochowski. Warum „Steinzeit-Übung“? Weil sie tatsächlich uralt ist. Mit dieser Übung hielt der damalige Meister-Trainer Günther Mahlmann seine Mannschaft von 1960 fit. Es wurde damals mehrfach die Woche stets über den gesamten Platz (!) am Rothenbaum gelaufen, und zwar Mann gegen Mann. Und jeder sah, nicht nur der Trainer und die Kollegen, sondern auch die Trainingskiebitze, wer etwas drauf hatte (läuferisch), und wer nicht. Stand nämlich ein Spieler oft allein, war sein eingeteilter Gegenspieler ganz offensichtlich nicht in der Lage, ihm zu folgen – also hatte derjenige auch nichts drauf! Bei der heutigen Übung fiel in meinen Augen mindestens einer krass ab: Jonathan Pitroipa. Aber das nur am Rande.

Die erste Frage, die ich Michael Oenning heute gestellt habe, war die: „Kann sich eigentlich noch ein Spieler, der eigentlich für die kommende Saison gesetzt war, noch in den letzten vier Spielen, also inklusive Stuttgart, aus dem Kader spielen?“ Der Trainer sagt: „Davon muss man sich frei machen. Mein großer Vorteil ist ja, dass ich diese Mannschaft nun schon seit einem Jahr kenne, ich kann Dinge bewerten, und ich nehme sie als Grundlage für meine Bewertung. Ich setze sie auch immer in Bezug darauf, was wir für Möglichkeiten haben. Für mich ist doch klar: Ich will die best mögliche wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenbauen. Ich unterliege da auch Sachzwängen, wie auch der Verein – das wird man sehen Es kann Spieler geben, die ich gerne, die mir aber sagen, dass sie nicht bleiben wollen. Und es gibt die finanziellen Dinge, wenn ich jemanden haben möchte, den wir aber nicht bekommen, weil das Geld nicht reicht. Das ist normal.“ Oenning sagt aber auch: „Das ist in diesem Jahr aber insgesamt ei wenig schwieriger, weil wir klar gesagt haben, dass wir ein wenig kleiner, werden ein wenig jünger werden und wir werden auch anders. Weil sich die Truppe verändert. Und wenn es nach mir geht, dann muss das alles nun in Fahrt kommen, dann müssen wir jetzt ganz schnell Tempo aufnehmen.“ Meine Frage beantwortete Oenning aber auch noch: „Manchmal runden sich auch Bilder ab. Und dann kann es natürlich sein, dass man sich sagt: Hm, hm, hm, jetzt, wo sich der Spieler eigentlich zeigen müsste, da kommt dann zu wenig. Dann mag diese Bewertung eventuell noch mit einfließen – aber wir sind eigentlich schon relativ klar, wie wir es machen wollen. Aber, das sage ich auch, auszuschließen ist nichts.“

Um noch einmal auf Stuttgart und den Kontrast zu heute zurück zu kommen: Das muss einen Trainer doch maßlos ärgern, dass die Truppe heute Bäume ausgerissen, sich im Ländle aber nur „verpieselt“ hat – oder? Oenning: „Und wie. Deswegen haben wir das Spiel heute noch einmal ganz genau analysiert – und diese Problematik auch zur Diskussion gestellt. Es kann doch nicht sein, dass man fünf, sechs Tage den Eindruck hat, dass alle ganz genau wissen, um was es geht, und dann, im entscheidenden Moment, dann sind sie wie ausgewechselt. Und dass sie dann wieder anfangen – wie heute. Da wird hart trainiert, und das wird hingenommen, es wird akzeptiert, und es wird sich bemüht. Nur: Wenn nur ein bisschen von dem Bemühen, was heute gezeigt wurde, am Sonnabend mit eingebracht worden wäre, dann hätten wir das Problem gar nicht gehabt.“

Oenning sagt – oder rätselt – auch noch weiter: „Dann muss man sich fragen, woran das liegt? Wollten sie nicht, konnten sie nicht? Das ist genau das Spannende, das herauszufinden. Warum fällt es uns so schwer, diese Widerstände zu überwinden? Und warum schaffen sie es nicht, sich als Gruppe zu helfen? Das ist für mich die spannendste Frage überhaupt.“ Michael Oenning gibt dann noch zu: „Natürlich bin ich sauer, ich bin nach wie vor sogar sehr sauer. Und dazu kommt, dass auch noch einige Spieler sauer auf sich selbst sind – was ja eigentlich ein gutes Zeichen ist. Trotz allem müssen wir Lösungen finden. Es nützt uns nichts, sie zu verdammen und ihnen zu sagen, dass sie nicht mehr mitspielen dürfen. Wir müssen sie ja weiterentwickeln. Wenn wir aber zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht weiterentwickeln lassen, ja dann muss man sich eben trennen.“

Im Moment stehen die Zeichen deshalb auf Trennung. Hört man die Trainingskiebitze, zieht man alle Stimmen unter einem Strich zusammen, dann haben die meisten von dieser HSV-Mannschaft die Nase gestrichen (!) voll – und wollen ein total runderneuertes Team. 80 bis 90 Prozent des jetzigen Kaders auswechseln, dann auf neue Leute setzen – und hoffen.

Michael Oenning hat heute von einem zweiten Gesicht seiner Mannschaft gesprochen. Und er sagt: „Das kommt immer an bestimmten Stellen wieder. Wenn Druck entsteht, wenn sich die Spieler selber Druck machen, oder wenn ein Stück Unbekümmertheit mit im Spiel ist. Aber das herauszufinden, und dann herauszufiltern, wer in der Lage ist, in solchen Situationen doch das Heft in die Hand zu nehmen – das fehlt uns ja. Ist es vielleicht auch diese Frage, dass wir eine gewisse Unausgewogenheit im Kader haben? Es passiert ja oft so: Man gerät in Rückstand, und dann rennt alles nach vorne, um das zu reparieren. Plötzlich rennt alles nach vorne. Und dann passiert genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll, man rennt in Konter und sieht sehr dumm aus.“ Der Coach weiter: „Es sind ja alles gute Fußballer, die wir bei uns haben, aber speziell in diesen schwierigen Situationen musst du stehen und gerade sein. Und das ist schon meine Aufgabe, das zu sehen, ob einer das kann oder auch nicht. Und das unterscheidet dann letztlich auch einen guten von einem sehr guten Spieler, und einen sehr guten Spieler zu einem Weltklassemann. Für mich ist ein guter Fußballer einer, der einen gravierenden Fehler begeht und trotzdem auf einem guten Niveau weiter spielen kann.“

Aber hat der HSV solche Spieler? Die auch voller Selbstbewusstsein stecken und jeden noch so harten Rückschlag verarbeiten? Ich meine, dass es davon herzlich wenige gibt, viel zu wenige. Und sieht man die jetzt noch in den drei verbliebenen Spielen? Oder wird da nur noch Dienst nach Vorschrift gespielt? Oenning: „Wenn man jetzt abschenkt, wenn man es jetzt nur so laufen lässt, dann offenbart man sich ja auch. Jetzt ist es doch noch viel schwieriger, finde ich. Wenn man seinen ganz konkreten Zielen nicht mehr nachhängen kann, dann musst du trotz allem schon zeigen, dass du es begriffen hast um was es geht. Ich glaube, dass sind nicht zuerst jene Spieler, die schon begriffen haben, dass die Reise beendet ist. Wenn ich sehe, wie Piotr Trochowski trainiert, wie er sich anbietet – er trainiert seit zwei Wochen überragend. Normal muss ich sagen, ich lasse ihn laufen, aber dann kommt sofort berechtigt die Frage, dass er ja gar nicht mehr da ist, und ob ein solcher Einsatz denn noch sinnvoll ist? Und da muss ich eine Lösung finden. Ich muss sehen, ob er diese Leistung dann auch im Spiel umsetzen und abrufen kann.“

Vor dieser Frage wird Michael Oenning an diesem Sonnabend stehen. Trochowski trainiert, wie der Coach sagt, überragend, also müsste er eigentlich spielen. Eigentlich. Aber wer spielt den „eigentlich“ derzeit überragend? Eigentlich doch niemand. Also muss sich Oenning doch vor die Frage stellen, was er falsch machen kann, wenn er einen Spieler bringt, der im Training sehr gut ist, der am Saisonende aber weg sein wird? Ich bin gespannt, wie sich Oenning entscheiden wird – eine schwere Aufgabe. Der Trainer sagt aber auch klar: „Eindeutig, es geht hier nicht um irgendwelche Abschiedstourneen. Eigentlich gilt das Leistungsprinzip. Wobei ich das einschränkende Wort eigentlich eigentlich gar nicht benutzen dürfte. Aber wenn es dann so kommt, dann werde ich das auch zu kommunizieren wissen.“

Was noch hinzukommt: Die Spieler sehen doch alle, wer im Training seine Leistung bringt, wer sich reinhängt, wer sich gehen lässt. „Warum habe ich denn heute diese Steinzeit-Übung machen lassen? Weil ich etwas sehen will“, sagt der Trainer. Klar. Er will Leistung sehen, und er will sehen, wer sich engagiert, wer noch alles für den HSV und diese Mannschaft gibt. Und, sagt er: „Die Gruppe muss es ja auch sehen. Die Spieler haben schon ein feines Gespür dafür, wer hier was zeigt.“ Und wer nicht. Oenning: „Wir müssen diese Mentalität ausbilden, wir dürfen uns nichts mehr wegnehmen lassen, wir müssen mehr machen als andere. Wir müssen das auch wollen. Und das müssen alle auch spüren, das muss man auch bei jedem, der auf der Bank sitzt, spüren. Da darf keiner leblos sitzen. Du musst dir Begeisterung erarbeiten und sie dann auch ausleben, sonst geht das nicht.“

Jetzt aber ist es ohnehin zu spät. Diese Saison ist faktisch beendet. Aber für die nächste Spielzeit klingt das echt gut. Es sind Oenningsche Vorhaben und Vorsätze, die Hoffnung machen. Wenn sie dann tatsächlich in die Tat umgesetzt werden. Gespannt sind wir nur darauf, wer von der jetzigen Mannschaft dann noch dabei ist.

Einer ist es auf jeden Fall: Dennis Aogo. Auch mit ihm haben wir heute wieder einmal gesprochen. Und, um auch das noch einmal zu sagen: Es gibt längst HSV-Profis, die sich diesen Gesprächen nicht mehr stellen, nicht mehr stellen wollen. Dennis Aogo aber stellt sich immer, und darauf möchte ich einmal verweisen. Er kommt, wenn er gefordert wird, er drängt sich aber keineswegs auf. Zu loben aber ist diese (seine) Einstellung auf jeden Fall, denn er könnte es sich auch leicht machen – und gar nichts mehr sagen. Er sagt aber, weil er dabei an die Fans denkt. Und zwar in erster Linie. Und deswegen soll bitte keiner von Euch nun auf Dennis Aogo einhauen, wenn er wieder einmal etwas sagt.

Der Nationalspieler auf die Frage, was sich nun ändern sollte, was sich ändern muss? „Wie oft standen wir schon vor dieser Frage? Das ist wirklich schwierig. Langsam kommt man sich schon dumm vor, denn es ist doch immer wieder dasselbe. Ich will auch gar nicht mehr auf das Stuttgart-Spiel eingehen, denn das wäre in meinen Augen Schwachsinn. Jeder hat gesehen, was wir falsch gemacht haben – das war einiges. Wir müssen gegen Freiburg vieles besser machen, und wir sollten uns vielleicht an die letzten Heimspiele orientieren, die waren doch gar nicht so schlecht. Hannover war nicht so schlecht, Dortmund auch, daran sollten wir denken.“

Ich habe den Nationalspieler dann gefragt, ob er nachvollziehen könne, dass den Fans solche Vorhaben, solche Lippenbekenntnisse schon seit einiger Zeit zum Hals heraushängen? Aogo: „Natürlich, das kann ich, das weiß ich, klar habe ich auch dafür Verständnis. Ich habe doch gerade gesagt, dass ich mir schon dumm dabei vorkomme. Weil ich weiß, dass die Fans es schon so oft gehört haben. Deswegen sage ich das ja, aber was sollen wir machen? Ich könnte hier nichts mehr sagen, klar, aber das wäre auch Schwachsinn. Ich könnte sagen, dass schon alles gesagt worden ist, aber was hilft das? Wir müssen doch etwas versuchen, wir müssen etwas rüberbringen zu den Fans . . .“ Wenn es schon im Spiel nicht gelingt. Dann ergänzt der Abwehrspieler noch: „Es gibt aber sicher auch für uns Situation, in denen wir uns fragen, warum dies oder das passiert ist – und für finden darauf keine Antwort mehr. Einiges ist für mich, für uns auch einiges unerklärlich, wie etwas zustande kommt, aber irgendwann ist man da auch als Spieler überfragt. Ganz besonders dann, wenn man schon so oft dieselben Fragen gestellt bekommen hat. Irgendwann wird man dann auch unglaubwürdig, ganz klar.“ Und: „Eigentlich wäre es das Beste, nichts mehr zu sagen. Aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache . . .“

Natürlich nicht. Und da denke ich nicht an mich, an die Journaille – ich denke an das Zusammenspiel Spieler – Fans.

Dennis Aogo weiß, dass der HSV hinter den Erwartungen geblieben ist. Natürlich weiß er es. Seine Erklärung: „Man spricht ja von einer Mannschaft. Es geht ja nicht um Einzelspieler, es geht auch nicht um die individuelle Qualität einzelner Spieler, es geht vielmehr um die Qualität, die man als Mannschaft rüber bringt. Und diese Qualität spiegelt sich dann wider in der Tabelle. Eine Qualität ist ja nicht nur die individuelle Qualität eines Spielers, sondern wie man diese individuelle Qualität in die Qualität der Mannschaft einbringt.“ Und in diesem Punkt, genau in diesem Punkt, ist der HSV eben weit, weit zurückgeblieben. Aogo: „So etwas kann man nicht künstlich herstellen, das muss ich ergeben.“

Und beim HSV ergibt es sich schon seit Jahren nicht. „Wir hoffen es, dass wir es in den nächsten Jahren hinbekommen werden“, sagt Aogo. Und hofft dabei wohl auch auf einen Umbruch, denn er befindet: „Ich glaube, dass nun der richtige Schritt gemacht wird. Es ist der richtige und auch der logische Schritt des Vereins, denn in den letzten Jahren sind wir ein bisschen auf der Stelle getappt. Etwas anderes konnte man jetzt nicht machen, es musste etwas passieren – und die vertragliche Situationen einiger Spieler lassen es ja auch jetzt zu.“
So ist es. Bleibt nur die Frage, inwieweit der Klub davon auch Gebrauch machen wird.

Vielleicht trennt sich ja schon am Sonnabend weiter die Spreu vom Weizen, wenn es gegen Freiburg um die „goldene Ananas“ geht. Man wird sehen . . .

PS: Training um 10 Uhr (Mittwoch) im Volkspark.

18.21 Uhr

Die Salzburg-Absage nahm der Vorstand vor

25. April 2011

Ein frohes Osterfest wünsche ich gehabt zu haben.

Die Meldung des Sport-Informationsdienstes (SID) am Sonnabend war kurz und knapp gehalten:

Michael Oenning wird auch in der kommenden Saison als Cheftrainer auf der Bank des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sitzen. „Es ist alles ausverhandelt. Ich denke, dass wir am Dienstag den Vertrag endgültig besiegeln. Er ist für zwei Jahre angelegt“, sagte Oenning am Sonntagabend bei Sky90.

Oenning kündigte zudem eine Verkleinerung und Verjüngung des HSV-Kaders an. Noch gebe es bei der Personalplanung aber einige Fragezeichen. „Ich weiß nicht, ob Mladen Petric nächste Saison noch bei uns ist und ob Ze Roberto weiter für uns spielen wird. Es wird wichtig sein, dass wir eine vernünftige Mischung haben“, sagte Oenning.

Und wie er das gesagt hat, richtig gut hat er das gemacht. Das Kuriose dabei: Als sich die gesamte Hamburger Journaille am Freitag nach dem Stand der Vertrags-Dinge bei Oenning erkundigten, da mauerte der Trainer. Er wollte partout nichts sagen. Erst muss unterschrieben sein. Auch über die Laufzeit wollte er – natürlich – nichts sagen. Und nun? Es ist immer noch nichts unterschrieben, aber bei Sky ist es als Sky-Mitarbeiter natürlich besser, mit einem Geheimnis zu glänzen. Und so steht nach einer 0:3-Pleite in Stuttgart wenigstens noch etwas Positives unter dem Strich.

Damit will ich um Gottes Willen nicht die beleidigte Leberwurst spielen, das liegt mir völlig fern – weil es doch unwichtig ist: Fest stand doch schon seit Tagen, dass Oenning bleiben wird. Fakt ist, und das soll festgehalten werden: Wir fragen, Oenning sagt nichts, das Fernsehen fragt, und Oenning sagt. Logisch? Nicht für mich. Für mich stellt nur die Frage: „Was um Himmels Willen ist gefährlich daran, den Stand der Dinge schon am Freitag zu nennen, und was ist besser daran, die Dinge am Sonnabend im Fernsehen anzusprechen?“ Das erschließt sich mir nicht. Hätte Oenning uns nicht verraten wollen, dass Eljero Elia, Jonathan Pitroipa, Ze Roberto, Mladen Petric und David Jarolim am Saisonende gehen müssen, dann wäre es okay gewesen, aber was ist das Gefährliche daran, etwas über die Laufzeit des eigenen Vertrages zu sagen? Wo es keine 24 Stunden später plötzlich dann doch kein Geheimnis mehr ist – obwohl der Vertrag immer noch nicht unterschrieben ist? Das ist lächerlich.

Aber egal, es ist wie es ist. Und es wurde damit ja auch ein Oster-Loch geschlossen (auch von mir!). Es sollen ja nun zwei Jahre Oenning und der HSV werden. Bei Bruno Labbadia waren es drei oder vier – oder so. Auch wieder egal. Er flog dennoch schon nach einem Jahr. Armin Veh hatte zuletzt einen „verkappten“ Zwei-Jahres-Vertrag, der sich später als Ein-Jahres-Vertrag entpuppte. Vielleicht ist es bei Oenning ebenfalls so. Wenn nicht, dann ist auch das völlig egal, denn Trainer-Haltbarkeitsdaten sind ohnehin nicht von einem Stück Papier abzulesen, sondern nur von der Tabelle. Bleibt aber zu hoffen, dass der HSV eine entsprechende „Ausstiegsklausel“ mit in dieses Vertragswerk eingebaut hat. Ansonsten . . . Aber gut, zu Vertragsinhalten werden natürlich weder Klub noch Trainer Stellung beziehen – es sei denn, bei Sky wird eine entsprechende Frage gestellt.

So, nun zu einem ganz anderen Thema, einem viel wichtigerem Thema. Es geht seit Tagen hoch her, nicht nur bei „Matz ab“. Über die Absage des Testspiels gegen Red Bull Salzburg. Dazu erreichten mich auch über das Osterfest viele, viele Anrufe und Mails. Nur eine einmal kurz hier als Anschauungsmaterial:

„Hallo Dieter,

mit Erschrecken habe ich den Bericht über das abgesagte Testspiel gegen Red Bull Salzburg gelesen. Stimmt es wirklich, dass der HSV nun von seiner Einstellung her in die Steinzeit zurückfällt und auch, dass dieses Testspiel wegen diesen hirnrissigen Argumenten abgesagt worden ist?

Mal ganz ehrlich. Was ich bei den Supportern zu diesem eigentlich geplanten Testspiel gelesen habe, erinnert sehr an die braune Zeit im letzten Jahrhundert. Beim Fußball geht es um das Spiel und nicht darum, ob eine Mannschaft neu aufgestellt worden ist oder eine lange Geschichte besitzt. Bei den dortigen Begründungen dürfte man auch nicht gegen Hoffenheim spielen. Ebenso nicht gegen die Werksmannschaften von Leverkusen und Wolfsburg. Oder die Bayern, etc….

Ich möchte dich bitten, uns vielleicht mal etwas Hintergrundwissen zu beschaffen. Wir haben in unserem Netzwerk bereits darüber ausgiebig geschrieben und sind sehr erschrocken über diese Geschichte.

Beste Grüße und schöne Oster-Feiertage“

Namen des Absenders verrate ich nicht, es wäre ohnehin nur sein Nick. Aber dieser Mann trifft wohl den Kern. Deswegen habe ich heute mit dem Vorstandsmitglied des HSV, Oliver Scheel, gesprochen.

„Es geht bei dieser Geschichte nicht um Kommerz oder gegen Kommerz, ich habe auch keine Anti-Kommerz-Haltung, das ist völliger Quatsch“, sagt Oliver Scheel: „Ich persönlich bin nur kein Anhänger jener Konstruktion, dass das Geld für die Vereine von dritter Seite kommt. Und dazu stehe ich auch. Es geht mir allein um den Fremdmittel-Einsatz von dritter Seite, denn das ist für mich eine Verzerrung des sportlichen Wettbewerbs. Da werden Vereine unnatürlich von dritter Seite protegiert.“

Deswegen also kein Test- oder Freundschaftsspiel gegen Red Bull? Scheel: „Gerade jetzt, in unserer Situation, in der der Vorstand ganz neu zusammengekommen ist, da wollten wir dazu stehen, dass wir für die 50+1-Regel sind. Ich bin ein strikter Anhänger der 50+1-Regel, ich wäre sogar für die 100-Prozent-Regel.“ Oliver Scheel ergänzend: „Ich habe aber auch nicht gesagt, dass wir gegen Vereine wie Red Bull Salzburg nie wieder spielen sollen und werden, aber wir wollen es gerade zu dieser Zeit nicht. Nicht in den ersten Wochen dieses neuen HSV-Vorstandes – deswegen die Absage.“

Ist es Ihre Absage, Herr Scheel, eine Absage des Vorstandes, oder doch eher eine Absage der HSV-Supporters, von denen offenbar sehr viele gegen ein Red-Bull-Spiel waren?
Oliver Scheel: „Diese Absage ist durch den Vorstand erfolg, nur durch den Vorstand, sie ist völlig autonom, die Supporters haben damit nichts zu tun. Es gab, das wissen wir, Beschwerden, Proteste und Meinungen bezüglich dieses Spiels, aber dafür können wir vom Vorstand nichts Die gab es bereits vorher, wir haben unsere Entscheidung ganz allein getroffen.“ Scheel weiter: Im Jahre 2005 haben wir im HSV gegen die Ausgliederung gestimmt, wir sind für die 50+1-Regel, nur darum geht es uns. Es ist aber natürlich legitim, dagegen zu sein. In der Bundesliga sind außer Hannover 96 alle Klubs dafür.“

Und, Herr Scheel, was ist mit jenen Kühne-Millionen, die dem HSV einst im Sommer offenbar sehr willkommen und auch sehr geholfen haben? Da gab es dann doch auch Geld für den HSV, das von dritter Seite kam, oder? Scheel: „Ich habe damals nachweislich dagegen gestimmt, habe mich aber loyal verhalten.“

Auch Manchester City kommt für den HSV als Testspiel-Gegner nicht in Frage, aber der HSV kassierte einst für Spieler wie Vincent Kompany und Nigel de Jong Millionen, die ein Scheich in den englischen Klub gepumpt hatte (und auch heute noch pumpt). Wie verhält es sich damit, Herr Scheel? „Es stimmt, wir haben davon profitiert, aber ich muss es ja deswegen nicht begrüßen“, sagt das HSV-Vorstandsmitglied.

Dass sich der HSV aber sehr wohl mit Klubs wie Hoffenheim, Bayer Leverkusen oder auch mit dem VfL Wolfsburg messen muss, ist das nicht auch ein Störfaktor in der Fußball-Bundesliga, Herr Scheel? Oliver Scheel: „Die Geschichte der Bundesliga lässt solche Spiele zu, deswegen wird es sie auch weiterhin geben, der HSV wird sich deswegen nicht aus der Bundesliga verabschieden. Es ist eben so. Wobei Bayer Leverkusen ja schon seit Jahrzehnten ein Betriebssport-Klub ist. Ich habe, das möchte ich auch betonen, nie gesagt, dass Vereine wie Hoffenheim oder Wolfsburg weg müssen, ich bin nur dagegen, dass in solchen Klub Geld von dritter Seite zufließt. Und ich glaube, dass auch das ganz legitim ist, wenn man dagegen ist.“

Um auch das noch zu schreiben: Ich finde es in Zeiten wie diesen grenzwertig, sich über dieses Thema über die Maßen zu erregen. Womit ich nicht gesagt haben will, dass das kein Thema ist, aber: Der HSV befindet sich in einer schwierigen Lage, keiner von Euch weiß, wie es sportlich weitergehen wird – da wäre mir doch wesentlich wohler, wenn ich wüsste, dass Messi, Ronaldo, Özil, Rooney und Kaka als Neuzugänge kommen. Ich habe vor allem Angst um die sportliche Zukunft dieses Vereins – und zwar zu 100 Prozent. Wenn mir diese Sorge genommen würde, dann könnten von mir aus Testspiele in Zukunft auch nur gegen Barmbek-Uhlenhorst, Flensburg 08, TuS Heeslingen und Eintracht Schwerin ausgetragen werden.
Und da Oliver Scheel gesagt hat, dass der HSV-Vorstand (und nicht die HSV-Supporters) das Red-Bull-Spiel abgesagt hat, glaube ich ihm.

In diesem Zusammenhang (mit Red Bull), das will ich auch noch einmal anschneiden, habe ich oft gehört und gelesen: „Wehret den Anfängen.“ Das stimmt zwar, aber die Frage nach einem passenden Freundschaftsspiel-Gegner stellt sich schon in naher Zukunft nicht mehr (für den HSV), denn dann kann es ohnehin nur gegen Amateure gehen – weil in allen anderen Vereinen Geld von dritter Seite fließen wird. Siehe Kühne und Co. Und wenn diese Geldgeber nur aus Loyalität ins Boot genommen werden . . .

Beruhigend ist für mich zu wissen, dass der HSV immerhin in einem Champions-League-Finale gegen Red Bull Salzburg antreten würde. Und ein solches Finale dauert noch . . . Das ist ganz, ganz sicher.

Bedenklich würde es für mich dann werden, wenn ich wieder lesen müsste (wie schon vor einigen Jahren!), dass der HSV doch besser zurück zu seinen Wurzeln kehren sollte. Das heißt: Punktspiel auf dem Grandplatz an der Gustav-Falke-Straße. Da würde ich dann doch ein Freundschaftsspiel gegen Red Bull Salzburg, von mir aus auch nur gegen RB Leipzig, vorziehen. Was ist denn die Gustav-Falke-Straße für eine Option?

Oliver Scheel hat sich übrigens bereit erklärt, darüber beim nächsten „Matz-ab-Treffen“ erklärende Worte abzugeben – und sich der Diskussion zu stellen. Einen Termin aber dafür gibt es noch nicht.

Dafür gibt es einen anderen Termin, und den möchte ich Euch ans Herz legen. Vom Fan-Club „Mitten im Feindesland“ kam folgender Text:

Moin HSVer,

ein interessanter Termin in Delmenhorst:
Es wäre super, wenn Ihr dafür Werbung machen würdet oder noch besser einfach vorbeikommen würdet!

Am 1.Mai schon um 13 (!!!) Uhr spielt in der Damen-Regionalliga Nord ( 3. Liga ) der Tabellenvierte HSV III, der durchaus noch Meisterschaftschancen hat, im Delmenhorster Stadion an der Düsterntorstraße gegen den TV Jahn DEL. Unser Mitglied Uli Doepner ist da seit Wochen am Organisieren. Sein Ziel: Mindestens 100 HSVer (möglichst auch als HSVer erkennbar) auf der schönen Tribüne in einem Block unterzubringen und die HSV-Mädels lautstark zu unterstützen. Fahnen am Zaun sind auch erwünscht.
Der M.i.F. wird den Spieltag bereits mit einem Frühschoppen einläuten. Ab 10 Uhr geht der in unsere Fan-Club-Kneipe „Ton Spieker“ (Lange Straße 54, 27749 DEL) los. Wer direkt zum Spiel fahren will, muss sein Navi wie folgt programmieren: Düsternortstraße 57, 27755 Delmenhorst. Es wäre super, wenn Ihr zahlreich zum Frühschoppen und bzw. oder zum Spiel erscheinen würdet.
Beste Grüße

Kurz noch zum Training: Heute wird im Volkspark gleich zweimal geübt, um 10 und um 15 Uhr.

16.39 Uhr

Aufwachen! Nur der HSV!

24. April 2011

Natürlich ist der Ausgang dieser Saison enttäuschend. Total enttäuschend, da darf niemand drum herum reden. Niemand. Dieser sehr teure HSV hätte deutlich mehr schaffen müssen, steht aber wieder einmal, so wie es fast schon Tradition ist, mit leeren Hände da. Aber, mal ganz ehrlich, wer hatte schon tatsächlich an das Gelingen des Unternehmens „vier Spiele, vier Siege“ gedacht? Wer hatte fest darauf gesetzt? Das konnte doch keiner, denn vier Sieg in Folge hat der HSV in dieser Saison doch nicht ein einziges Mal geschafft. Drei Erfolge gab es einmal, das letzte Spiel der Hinrunde in Gladbach wurde 2:1 gewonnen, dann wurde auf Schalke und gegen Frankfurt zweimal 1:0 gesiegt – warum sollte es dann ausgerechnet in der Schlussphase dieser verkorksten Saison geschafft werden? Weil es den Trainerwechsel gegeben hatte? Nicht einmal gegen den Hamburger „Stadtmeister“ wurde gewonnen!

Diese beiden Spiele wurden noch unter Trainer Armin Veh absolviert. Der Coach war am Sonnabend als Experte bei LIGA total im Einsatz und befand über die Situation beim HSV:
„Ich habe schon früh gesagt, schon im September, dass sich etwas ändern muss. Da muss man aber frühzeitig anfangen und entscheidend ist immer die Personalpolitik. Man muss einen Umbruch machen, das ist sicher entscheidend! Wichtig ist, was sie machen: Es laufen viele Verträge aus – was aber kein Nachteil für den HSV ist. Dementsprechend muss man auch die neue Mannschaft zusammenstellen. Es ist letztendlich schon Ende April: Es wird Zeit, dass sie dementsprechend die Personalplanung machen!”
Armin Veh weiter: „Es ist ein toller Klub, wirklich, absolut. Ich habe mich dort unheimlich wohl gefühlt, aber du brauchst natürlich auch eine Perspektive, weil in Hamburg wird auch etwas verlangt . . .
Aber es ist vielleicht auch eine Chance: Dass man das ein bisschen auf Understatement machen kann, eine junge Mannschaft zusammenbaut und so dann nach oben kommen kann. Es ist eine Chance, aber ich hoffe, dass sie sie auch nutzen, diese Chance!”

Natürlich werden jetzt wieder einige von Euch sagen: „Was soll das? Veh hat den HSV doch erst in diese Situation gebracht.“ Es wird kommen, ist aber in meinen Augen falsch. Denn was haben denn die Vorgänger von Veh hier in Hamburg bewegt? Was haben sie erreicht? Gab es einen Titel? Nicht einmal den „Horst-Eberstein-Pokal“ wurde geholt, wenn ich da mal an den Uefa-Cup-Raus- und Rückflug von Dnepropetrovsk erinnern darf (die, die damals im HSV-Flieger saßen, werden es tun). Hier sind Trainer wie Kurt Jara, wie Thomas Doll, wie Huub Stevens, wie Martin Jol letztlich gescheitert, obwohl sie ganz gewiss nicht zu den schlechtesten Männern ihres Metiers gehören.

Wenn Veh sagt, dass er schon im September 2010 auf gewisse Umstände innerhalb des HSV hingewiesen hat, dann stimmt es erstens, und zweitens war mir damals schon klar, dass auch er kein Bein in Hamburg auf den Boden setzen wird. Wie seine Vorgänger, denn diese Mannschaft – ich habe es oft genug beschrieben – ist keine Mannschaft. Schon im Herbst 2010 habe ich gesagt, dass Veh zur unpassendsten Zeit Trainer des HSV geworden ist, denn die mannschaftliche Struktur stimmt hier schon seit Jahren nicht. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder schaltet ab, sobald er das Gelände am Volkspark verlassen hat – jeder denkt nur an sich, kaum einer an das Team – obwohl es auch Ausnahmen gibt.

Die Erfolge, die beispielsweise Dortmund und Mainz als geschlossene Einheit erreicht haben, kommen ja nicht von ungefähr. Dort steht eine Mannschaft auf dem Rasen, in der jeder für den Nebenmann eintritt. Und erinnert Euch bitte an das vorletzte Spiel, zu Hause gegen Hannover 96. Ich habe schon vor dem Anpfiff Kollegen aus Niedersachsen gefragt, wieso es zu diesem Erfolg dieser eigentlich doch namenlosen 96-Truppe kommen konnte? Die Antwort: „Seit dem Tode von Robert Enke war die Mannschaft eine Mannschaft, sind alle Spieler ganz eng zusammen gerückt. Sie haben sich auch in der Freizeit gesucht, sie haben beschlossen, viele Dinge gemeinsam zu machen – nicht nur Fußball zu spielen.“ Und, es folgte vielleicht ein noch ganz wichtigerer Satz: „Es klingt vielleicht blöde im heutigen Profi-Fußball, in dem es ja heißt, man muss keine elf Freunde mehr sein, um ein Team zu werden – aber in Hannover sind nicht nur elf Freunde am Werk, sondern viele, viele mehr.“

Nun will ich gewiss nicht auf die Sprüche von Sepp Herberger verweisen, nein, ganz gewiss nicht, aber je besser sich ein Team versteht, umso besser werden auch die Leistungen auf dem Rasen. Ich möchte nur daran erinnern, was Dennis Aogo zuletzt gesagt hat, als er von der Nationalmannschaft kam, in deren Kader fünf Dortmunder standen: „Es ist unglaublich, wie die zusammenhalten, die geben sich wie echte Freunde, die müssen Tag und Nacht miteinander verbringen . . .“

Das ist sicherlich ein Punkt. Ein zweiter, für mich viel gravierender Punkt ist aber, dass der HSV die „falschen“ Spieler hat. Thomas Doll wollte es als letzter Trainer einmal verändern, erntete damals aber Unverständnis und Kopfschütteln. Doll trennte sich von Bernardo Romeo. Der war der „große HSV-Torjäger“, hat in lockerer Reihenfolge geknipst. Aus fünf Metern. Ansonsten stand Romeo oft, zu oft im Strafraum herum und wartete auf das Zuspiel der Kollegen. Doll aber wollte Konter-Stürmer, schnelle Leute, die man auch mal schicken kann, mit denen man eine gegnerische Abwehr auch mal überfallen kann. Thomas Doll hatte ganz sicher den richtigen Ansatz, aber auch er hat es letztlich nicht geschafft.

Der HSV hat schon seit vielen Jahren keinen Stoß-Stürmer, der steil geschickt werden kann, der mit dem Kopf durch die Wand will, der dorthin geht, wo es weh tut – einen echten Windhund, ein richtig schön schnelles Schlitzohr. Der fehlt. Oder könnt Ihr mir einen nennen, den der HSV mal hatte? Mir fällt spontan nur Maximilian Beister ein, der wäre ein solcher Typ, aber der spielt nun (noch ein Jahr?) für Fortuna Düsseldorf. Wobei ich nicht sagen will, dass er sich in der Ersten Liga durchgesetzt hätte – aber einige Versuche mehr wäre es sicherlich wert gewesen.

Von Eljero Elia und Jonathan Pitroipa hatte ich mir auch ein solches Spiel vorgestellt, pfeilschnell in die Offensive. Aber was ist letztlich daraus geworden? Beide Spieler beklagen seit Jahren (mehr oder weniger konstant), dass ihnen zu wenig Vertrauen und zu wenig Respekt geschenkt worden ist. Sie suchen die Fehler bei den Trainern, nicht bei sich – auch ein HSV-Phänomen. Statt Leistungen zu bringen, und zwar über Wochen, wird sich beklagt, dass Vertrauen und Respekt fehlen. So kommt man auf keinen grünen Zweig. Ich möchte Jürgen Klopp einmal erleben, wenn seine Herren Barrios, Großkreutz, Sahin oder Götze von fehlendem Respekt und Selbstvertrauen reden würden. Klopp würde wie das HB-Männchen in die Luft gehen.

Und beim HSV in der erfolgreichsten Zeit, als Stein, Kaltz, Jakobs, Magath und beispielweise Hrubesch am Werk waren, da gab es einen gewissen Selbstreinigungsprozess. Hätten sich damals Spieler über „fehlenden Respekt oder Selbstvertrauen“ öffentlich beschwert, dann wären diese Leute schon von den Kollegen gemaßregelt worden. Aber sofort. Es gibt sogar solche Beispiele: Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, die wurden einige Male von den Mitspielern „zurechtgestutzt“ – und, das stimmt natürlich, „funktionierten“ auch dann immer noch nicht nach Wunsch.

Irgendwo hatte in diesen Tagen ein kluger „Alt-HSVer“ gesagt, dass der Verein gut beraten wäre, wenn er sich von jenen Spielern, deren Verträge nun auslaufen, auch trennen würde. Das würde ich unterstreichen. Der HSV muss endlich einmal einen klaren Schnitt machen, um mal wieder „Grund“ in dieses Team zu bekommen. Armin Veh wird auch das gemeint haben, als er am Sonnabend über den HSV sprach.

Es müssen gravierende Veränderungen her, nur dadurch können der HSV und sein Anhang darauf hoffen, dass sich endlich einmal etwas zum Guten wandelt. Hier wurde in den letzten Jahren unglaublich viel Geld „verpulvert“, immer in der Hoffnung, dass diesmal der ganz große Wurf gelingen möge – aber damit ritt sich der HSV nur noch immer tiefer nach unten. Bernd Hoffmann hat einst in Sachen „Talentschuppen Ochsenzoll“ von der „Geldvernichtungsmaschine“ gesprochen (und ich war voll auf seiner Seite), aber, seien wir doch mal ehrlich, bei den Profis lief es doch ebenso. Da ist viel, viel Geld verbrannt worden – wenn ich nur an den Namen Juan Pablo Sorin denke. Und es gäbe da sicher noch sehr, sehr viele Namen mehr zu nennen.

Der hier zuletzt sehr oft (für mich viel zu oft!) gescholtene Michael Oenning hat ganz sicher auch nur dann eine Chance, wenn es diese personellen Veränderungen gibt. Sollte der HSV weiter im eigenen Sud vor sich hin köcheln, dann dürfte die Trainerfrage schon im Dezember 2011 wieder auf der Tagesordnung stehen. Was nichts mit den Qualitäten von Oenning zu tun hat, sondern nur daran liegt, dass der neue HSV-Trainer eben noch (und immer wieder) die Altlasten des HSV übernommen hat. Dann, das sage ich so krass, wird auch Michael Oenning scheitern. Wie alle seine Vorgänger. Denn. Auch das behaupte ich, auch solche geschätzten Leute wie Mourinho, Wenger, Ferguson oder Hiddink würden aus dieser, aus der jetzigen HSV-Mannschaft nicht mehr „herausholen“ – das behaupte ich einmal so. Der HSV zahlt gut, der HSV zahlt pünktlich, die HSV-Fans lieben ihre Stars, Hamburg ist die beste Stadt der Welt, der Klub hat das beste Stadion der Nation – was will man mehr? Es geht mir und uns doch bestens hier!

Es will mir nicht in den Kopf, dass eine Mannschaft, die um ihre letzte Chance „kämpft“, so in das Spiel geht, als ginge sie das alles nichts an. Was ist das für eine Einstellung? Kein Wille, keine Leidenschaft, kein Herz! Das war nicht nur im Stuttgart-Spiel zu sehen . . .

Und immer ist es dasselbe Lied: Die Mannschaft ist läuferisch nicht in der Lage, die Räume nach hinten eng zu machen. Dazu muss die Laufbereitschaft (und natürlich auch die Denkweise!) stimmen, aber da stimmt es schon lange nicht mehr. Lange! Ab und und gab es auf diesem Sektor schon ein Umdenken (auch unter Veh), aber das sind seltene Lichtblicke gewesen. Auch in diesem Punkt ist Verantwortung und Konzentration gefordert.

Und noch eine Änderung wird es in der neuen Saison geben müssen. Ja müssen. Die Anforderungen im Training müssen hochgeschraubt werden. Ich denke da an das Frühjahr mit Bruno Labbadia, als „Matz ab“ ein halbes Jahr alt war, und als mich der „Matz-abber“ Benno Hafas einmal fragte: „Wann wird hier eigentlich mal Kondition trainiert?“ Gute Frage. Werde ich nie vergessen. Ist auch hier nachzulesen. Auch als Monate danach die lebende Amateur-Legende Holger Zippel einige Tage beim Training im Volkspark zusah und dann feststellte: „Das ist ja nicht einmal ein A-Jugend-Training.“ Fest steht, dass in diesem Punkt oftmals zu nachlässig trainiert worden. Nicht umsonst hat Michael Oenning die Zügel noch einmal angezogen, als er Chef geworden war. Ein besseres Eingeständnis kann es nicht geben . . .

Es sollen und müssen ja nicht gleich die Magath-Methoden zur Anwendung kommen. Aber etwas härter, dass die Spieler auch tatsächlich 90 Minuten (oder 95 Minuten) wie die Hasen laufen können. Auch daran hat es nämlich in einigen Spielen (und bei einigen Spielern) gemangelt – wenn ich da nur an das letzte Dortmund-Spiel denke, als viele HSV-Profis Mitte der zweiten Halbzeit in den Seilen hingen.

Ein weiterer wunder Punkt des HSV: Talentsichtung. Mein Gott, was wurden in den letzten Jahrzehnten nicht schon alles an Talenten herangeschleppt – und durchgeschleppt. Warum klappt das bei anderen Klubs, warum nicht beim HSV? Wie toll wäre es doch für den Verein und die Stadt, wenn ein Talent nicht nur für zwei, drei Spiele auf sich aufmerksam macht, sondern eine ganze Saison – und viele Spielzeiten mehr. Sicher gehört dazu auch Glück, aber beim HSV wurde diesbezüglich meistens nur Pech entwickelt. Eine Sache des Auges? Wie sagte Jürgen Klopp, der Dortmunder, noch zuletzt? „Wir können keine Spieler für Millionen kaufen, wir müssen einen neuen Typen wie Kagawa finden, der dann 250 000 Euro kostet.“ Nachmachen, HSV!

Es gibt viel zu tun, und es muss in diesen Tagen und Wochen noch sehr, sehr viel geschehen, damit der HSV für die Saison 2011/12 bestens aufgestellt ist. Bitte, bitte, Ihr Herren vom HSV, packt es an. Packt es mit der nötigen Härte, mit der nötigen Konsequenz, packt es aber vor allem mit dem nötigen Sachverstand an. Bitte, bitte – wacht endlich auf! Sonst wird aus dem Dino nicht nur eine graue Maus, sondern ein Abstiegskandidat – oder sogar ein Zweitliga-Klub!
Sachverstand ist jetzt gefragt, und der hat hier in den letzten Jahren ganz sicher oftmals gefehlt. Es wäre großartig, wenn sich alle HSVer, die sich zu diesem Thema berufen fühlen, endlich auch einmal einbringen würden. Und wenn ihnen, genau diesen Leuten mit Fußballsachverstand, auch endlich einmal Gehör geschenkt werden würde. Das klingt wie heile Fußball-Welt, aber es funktioniert. Man muss nur mal zum FC Bayern blicken.

Gemeinsam wäre der HSV stark, aber auch daran hat es schon immer gemangelt. In der Mannschaft, im Klub. Wenn aber alle nun sehr besorgt sein würden, wie dieser finanziell nicht mehr ganz so starke HSV auch künftig seine Rolle im deutschen, vielleicht sogar im europäischen Fußball spielen kann, dann müssten diese Sorgen doch automatisch zu einem befruchtenden Miteinander führen. Wie haben schon immer ganz kluge Leute gesagt: Nicht die Namen zählen, sondern nur der HSV. In diesem Sinne – packt es an. Packt es endlich einmal gut an! Nicht Ihr, die in der Führung seid, sollt glänzen, sondern der HSV. Nur der HSV!

PS: Heute, am Ostersonntag, war trainingsfrei, morgen, am Ostermontag, ist ebenfalls trainingsfrei.

18.03 Uhr

0:3-Pleite – und aus der Traum!

23. April 2011

Aus, Ende, vorbei. Der HSV kann das Unternehmen Europa zu den Akten legen, denn die 0:3-Pleite beim VfB Stuttgart sorgt für das Ende aller Träume. Vier Siege aus vier Spielen, so war es vorgegeben worden, aber schon der erste Auftritt in der Fremde ging voll in die Hose. Diese Mannschaft spielt, das bewies der Ausflug ins Ländle, genau so gut oder genau so schlecht, wie es der derzeitige Tabellenstand offenbart. Viele klangvolle Namen stehen in den Reihen der Rothosen, aber sie alle zeigen nur höchstens die Hälfte von dem, wie sie früher einmal gekonnt haben. Zwar wurde das Hamburger Spiel im zweiten Durchgang etwas besser, aber insgesamt ist damit wahrlich kein noch so kleiner Blumentopf zu gewinnen – damit ist der große HSV wieder einmal auf dem Weg zur „grauen Maus“ in der Bundesliga. Das ist enttäuschend, das ist blamabel, das ist auch jammerschade, aber man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Dieser HSV ist einfach zu bieder, daran kann auch kein noch so gut gemeinter Trainerwechsel etwas ändern.

Den Start wieder einmal total verschlafen. Mehr geht ja gar nicht. Der HSV lief in den ersten 30 Minuten wie Falschgeld über den Rasen. Wobei die ersten 90 Sekunden noch ganz vielversprechend waren, denn da wurde der VfB an seinem Strafraum festgespielt, da kam der HSV sogar zum ersten Eckball. Strohfeuer. Was danach aus Hamburger Sicht gespielt wurde, das war unterirdisch. Schon vor dem VfB-Führungstor hätte Hajnal aus elf Metern den ersten Treffer für die Schwaben markieren müssen – vorbei. Dann doch das Tor – symptomatisch für die HSV-Vorstellung: Torwart Frank Rost „schickte“ Gojko Kacar nach außen, der Serbe rettete den Ball noch kurz vor dem Überschreiten der Seitenlinie. Die aus der Not nach vorn beförderte Kugel wurde vorne gleich verloren, ein Steilpass – und die Mitte war total verwaist. Kacar noch außen, Heiko Westermann desorientiert, Cacau hatte keine Mühe, den Ball ins Netz zu schieben. Das war nach genau fünf Minuten und 14 Sekunden. Es war Cacaus erstes Tor seit November 2010, aber der HSV war ja schon immer gut, Aufbauhilfe zu leisten . . .

Der HSV danach völlig von der Rolle. Hajnal hätte das 2:0, 3:0 und 4:0 für den VfB schießen können, fast müssen. Bei Hamburg kein Siegeswille erkennbar, null Entschlossenheit, kein Tempo im Spiel, keine Ideen, das war alles viel zu brav, hilflos, hausbacken, naiv, durchschaubar – Sommerfußball pur! Da spielte eine Mannschaft, die ihre letzte Chance auf einen europäischen Startplatz ergreifen wollte, aber nichts, wirklich nichts war davon zu sehen. Die Hamburger kamen immer einen Schritt zu spät, der VfB wirkte schneller, spritziger, entschlossener und vor allem läuferisch viel stärker. Beim HSV wurde immer erst dann gelaufen, wenn der Ball in die Nähe des Fußes gespielt wurde – meistens war das zu spät und die Kugel rollte ins Aus. Stümperhaft und viel zu ungenau, völlig ohne Selbstvertrauen wurde nach vorne gespielt.

So spielt keine Mannschaft, die nach Europa will, so sieht auch kein Fußball aus, der in Europa gespielt wird.

Allerdings, das spricht dann doch ein wenig für den HSV, nach 30 Minuten kam Hamburg. Als Tunay Torun einen Ball auf (1) die Torlatte der Stuttgarter befördert hatte, da sammelte sich der HSV und besann sich auch offenbar auf seine Fähigkeiten. Angetrieben von David Jarolim, der um jeden Ball kämpfte, der viele Duelle für sich entscheiden konnte, der vorbildlich und mit jener Willenskraft zur Sache ging, was eigentlich von jedem HSV-Profi von Beginn an erwartet worden war. Wer diesen Jarolim vom HSV wegschicken möchte, der sitzt wahrscheinlich auf einem ganz hohen Ross. Weit und breit war keiner zu sehen, der ähnliches Engagement zeigte. Aber, auch das muss erwähnt werden: Der „Krankenhaus-Pass“, der vor dem 3:0 (von Cacau) gespielt wurde, der stammte von „Jaro“. Das aber geschah in der 88. Minute, da ließen die meisten Hamburger ohnehin schon ihre Köpfe hängen, da hatte sich die Ernüchterung schon gaaaaaanz breit gemacht.

Zu den Offensivkräften: Sie blieben in der ersten halben Stunde total harmlos, aber dann fanden sie doch allmählich besser ins Spiel. Was besonders für die beiden Youngster galt. Torun schoss ans Außennetz, und Änis Ben-Hatira gewann plötzlich einige Dribblings, zeigte Spielwitz und Übersicht. Sein Abschluss allerdings ist verbesserungswürdig, da zeigt er noch zu oft einige überflüssige Nachlässigkeiten. Schade. Wenn er das noch hätte, dann wäre er in der Tat eine gleichwertige Ergänzung zu Nebenmann Mladen Petric, der meiner Meinung nach zu oft übersehen wurde, der meiner Meinung nach viel mehr gesucht werden müsste. Er ist ein Knipser, also müsste er bedient werden – aber er wird es nicht. Jedenfalls wird er zu oft übersehen. Als das in der zweiten Halbzeit allerdings geschah, da zeigte sich Petric nicht immer auf der Höhe, da verschoss er einige Sachen, da verstolperte er auch den einen oder anderen Ball.

In Sachen Spielgestaltung müsste für mich auch Ze Roberto mehr tun. Das wäre ganz sicher eine Sache für den Brasilianer, aber der durchläuft im Moment eine Schwächeperiode. Von ihm kommt nach vorne nicht viel – oder genauer, da kommt herzlich wenig. Der „große Ze“ müsste viel, viel mehr die Initiative ergreifen, den Ball fordern, den Ball verteilen – aber das geschieht eben nicht. Da sieht einiges doch eher nach Alibi aus.

Ähnlich die Lage bei Eljero Elia. Der Niederländer zeigt gelegentlich gute Ansätze, dann träumt wahrscheinlich jeder HSV-Fan von diesem ominösen Wort „Durchbruch“, aber garantiert geht die nächste Aktion nach einer gelungenen voll in die Hose. Ganz, ganz bitter. Wann wohl wird Hamburg einmal den „wahren Elia“ erleben? Gar nicht mehr? Es ist immer mehr zu vermuten. In der 61. Minute kam für Elia Paolo Guerrero, den ich schon für den zweiten Durchgang erwartet hatte. Aber ganz offensichtlich sitzt der Stachel (bei Trainer Michael Oenning) immer noch zu tief, es kam für den angeschlagenen Torun erst einmal der eher defensiv orientierte Robert Tesche (46.).

Wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte Ben-Hatira seine „Hundertprozentige“ in der 63. Minute genutzt? Er scheiterte freistehend an Torwart Ulreich, eine nicht untypische Szene für den jungen Hamburger. Da hat er noch ordentlich an sich zu arbeiten, im Abschluss ist er einfach viel zu schwach.

Was nützt es dem HSV, wenn er im zweiten Durchgang engagierter spielte, das Geschehen offener halten konnte, teilweise gute Ansätze zeigte? Es hilft nichts. Das Unternehmen Europa fand spätestens mit dem 2:0, das der eingewechselte Gentner erzielte (Kacar sah nicht besonders gut aus), ein abruptes Ende. Wunder gibt es immer wieder, aber dieser HSV hatte auch kein Fußball-Wunder verdient, denn das, was in dieser Saison gespielt und geboten wurde, war wieder einmal viel zu wenig.

Es darf an der Elbe wieder einmal gehofft werden – auf die neue Saison. Alles wie gehabt.

17.33 Uhr

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.