Monatsarchiv für April 2011

0:2 gegen Freiburg – das war eine Beleidigung

30. April 2011

Mathijsen hat noch Knöchelprobleme. Ok. Guy Demel war nicht im Kader, weil er leichte muskuläre Probleme hatte. Oder sowas ähnliches. Hört man. Aber: bei beiden bleibt ein Geschmäckle. Beides sind Spieler, die nicht unumstritten sind. Beide zählen zum „Verkaufs-Personal“. Mit beiden möchte der HSV im Sommer noch mal Geld machen, um finanzielle Mittel für neue Spieler einzunehmen. Und beide spielen plötzlich nicht mehr. Gar nicht mehr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Nun gut, heute wurden sie nicht gebraucht. Es kam ja „nur“ der SC Freiburg. Oder sollte es besser heißen: das heute war ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet? Ich hoffe nicht. Denn so würde die nächste Saison ob fehlenden internationalen Wettbewerbes schon lang – mit solchen Leistungen dazu allerdings unerträglich.

Dabei begann der HSV vernünftig. Zumindest, was die Chancen betraf. In der 7. Minute verfehlte Son nach Guerrero-Pass nur knapp das Tor, in der 10. köpfte Guerrero drüber, in der 12. Minute fand ein von Elia geschickt freigespielter Aogo keinen Adressaten in der Strafraummitte und – das war es. Fortan ging nichts mehr. Gar nichts. Im Gegenteil: In der 16. Minute verliert der katastrophal aufgelegte Änis Ben-Hatira den Ball auf Höhe des gegnerischen Sechzehners. Anschließend verliert David Jarolim das Laufduell gegen den Freiburger, der einen nicht wirklich gut getimten Ball gen SC-Stürmer Cissé spielt. Allerdings wird aus dem leicht zu verteidigenden Ball plötzlich ein tödlicher Pass, da Dennis Aogo eine Idee hat und seine eigentliche Position verlässt. Wäre der Nationalspieler in dieser Szene auf seiner Position hinter Cissé geblieben, er hätte leichtes Spiel gehabt. So leichtes Spiel, wie offenbar der Freiburger Top-Torjäger, der aus 17 Metern eiskalt mit einem strammen Schuss in die (vom chancenlosen Frank Rost aus gesehen) rechten Torwinkel vollendet. 0:1.

Und dieses Ergebnis verdiente sich der HSV anschließend redlich. Im Mittelfeld verursachte Jarolim, der im Gegensatz zu Zé Roberto am Spiel teilnahm, eine gelbwürdige Szene nach der anderen, offensiv konnte der bis dahin beste Hamburger, Paolo Guerrero, plötzlich keinen Ball mehr festmachen und Heung Min Son, von dem wir uns so viel versprochen hatten, gewann gefühlt nicht einen einzigen Zweikampf. Im Gegenteil: er produzierte einen Fehlpass nach dem anderen. Ergebnis: 0:1 zur Halbzeit und ein Pfeifkonzert, wie es Hamburg lange nicht erlebt – aber heute definitiv verdient – hatte.

Dass die Pfiffe nicht abnahmen, lag in der zweiten Halbzeit daran, dass auch das Spiel leider keinen Deut besser wurde. Im Gegenteil. Als in der 55. Minute Ben-Hatira knapp 54 Minuten zu spät und absolut oberberechtigt ausgewechselt wurde, nahm sich der eigentlich sympathische Offensivspieler das recht heraus, nicht mit dem Trainer abzuklatschen, sondern noch irgendwas zu sagen, was die Trainerbank in Rage brachte. So sehr sogar, dass Noch-Sportchef Bastian Reinhardt gleich hinter dem direkt in die Kabine laufenden Ben-Hatira hinterherstürmte. Was genau Reinhardt dem hitzköpfigen Deutsch-Tunesier gesagt hat, weiß ich nicht. Aber ich muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass es alles andere als nette Worte waren, die mit Sicherheit auch Folgen haben werden, Folgen haben müssen.

Folgenlos blieb indes ein schöner Querpass des eingewechselten Jonathan Pitroipa auf Paolo Guerrero, der plötzlich völlig blank vor dem leeren SC-Gehäuse auftauchte und das Kunststück fertig brachte, den Ball nicht im Tor unterzubringen. Dass den Freiburgern das gleiche Malheur unterlief dürfte ihnen angesichts der drei Punkte relativ egal sein.

Schlimmer noch als das ideen- und lustlose Auftreten der Mannschaft war für mich die Erkenntnis, dass der HSV gut daran täte, sich auch von einem Spieler wie Zé Roberto zu trennen. Von dem Mann, dem ich in der aktuellen Mannschaft als einzigem die Fähigkeit zuspreche, das HSV-Spiel allein lenken zu können. Denn was sich der Brasilianer heute abkniff, glich nicht mal mehr Arbeitsverweigerung. Das war schlimmer. Wie sich der einstige Weltklassemann heute darum bewarb, die fünfte Gelbe Karte und somit ein Wochenende Pause zu bekommen, war schon sensationell. Erst versuchte er es mit Halten, dann mit Ballwegschlagen und am Ende musste ein Foul der übleren Art gegen Daniel Williams herhalten. Sensationell!! Im negativen Sinn natürlich.

Aber zurück zum Spiel. Das erfuhr in der zweiten Halbzeit einen Umschwung. Allerdings weniger spielerisch, denn von den Rängen. Plötzlich kam richtig Stimmung in die Imtech-Arena. Da ging sogar „La Ola“ durchs Stadion und Gesänge wie „Oh, wie ist das schön“ und „Europapokal“ wurden angestimmt. Galgenhumor?? Absolut! Die Bestätigung dafür kam in der 85. Minute, in der die Fans letztlich ihrem wahren Stimmungsbild Ausdruck verliehen und skandierten: „Wir haben die Schnauze voll“.

Und das habe ich auch. Spätestens nach dem peinlichen Fehler von Elia gegen Reisinger, der per Flanke Cissé zum 22. Saisontreffer und vorentscheidenden 2:0 für Freiburg verhalf, war meine Geduld am Ende. Und auch auf die Gefahr hin, von Euch dafür hier abgestraft zu werden, breche ich an dieser Stelle aus Protest ab. Ich lasse Rechtschreibfehler Rechtschreibfehler sein und das Spiel ein Spiel. Diese Darbietung spottet jeder Beschreibung und ist mit Worten nicht zu beschreiben. Zumindest nicht mit Worten, die nicht ähnlich beleidigend sind wie die Leistung der Mannschaft für die Fans, die in Frank Rost und Collin Benjamin ihre letzten Verbündeten ausgemacht haben. Zwei Spieler, die der Verein nach dieser Saison nicht mehr haben will. Bezeichnend für die verkorkste Situation bei unserem HSV, oder??

Entschuldigt. Ich muss nach Hause. Besser ist…

Scholle
17.20 Uhr

Son richtig guter neuer Anfang hätte was…

29. April 2011

Noch „dreimal rein in die Mühle, dann auskurieren und in der kommenden Saison mit ausgeheilten Knochen wieder voll angreifen“. So ähnlich formuliert es Dennis Diekmeier, angesprochen auf seine Ziele für die letzten drei Spiele. Der ehemalige Nürnberger ist zwar erst seit dem 27. Spieltag wieder fit, seither allerdings immer in der Startelf. Und das trotz noch immer nicht gänzlich auskurierter Achillessehnenbeschwerden, wie zwei straffe, dicke Verbände an den Fußgelenken beweisen. „Vorsichtshalber“, beschwichtigt Diekmeier, „aber im Sommer werde ich die Zeit nutzen, letzte Wehwehchen auskurieren. Und richtig los geht es dann für mich mit der Vorbereitung in der neuen Saison.“ Zudem – und das ist wie von Dieter beschrieben wohl das am meisten Gesagte und wurde heute auch wieder von Diekmeier ausdrücklich erwähnt – ginge es darum, den Fans noch etwas zu bieten. „Wie wir alle hatten auch unsere Anhänger andere Ziele. Dass auch sie enttäuscht sind, muss uns klar sein. Das wissen wir auch. Deshalb sind wir jetzt dran, um den Fans zum Abschluss doch noch etwas zu zeigen und gute Spiele abzuliefern“, sagt Diekmeier.

Und ich hoffe es für uns alle, insbesondere für den extra aus der Eifel angereiste Gewinnspiel-Sieger Oliver Hecker aus Hellenthal, der erst heute Vormittag von seinem Gewinn erfuhr und sich sofort um ein Hotel bemühte, „um den Sieg ausgeschlafen“ miterleben zu können, wie er hofft. Oder besser: wie wir alle hoffen…

Nun denn, genug gehofft. Und Versprechungen seitens der Mannschaft gibt es auch wieder genug. Alle beteuern, den Fans noch etwas zeigen zu wollen, dass sie dementsprechend hochmotiviert sind, auch wenn es tabellarisch um nicht mehr viel geht. Los geht es damit am morgigen Sonnabend gegen Freiburg. Einen Gegner, der wie der HSV (O-Ton Oenning) „zwischen Baum und Borke“ ist. Und das zum ersten Mal mit dem vermeintlich neuen HSV-Sturm Paolo Guerrero/Heung Min Son. Und während Paolo die aller-aller-aller-aller-allerletzte Chance nach einem „sehr guten Vier-Augen-Gespräch“, wie es Trainer Michael Oenning nannte, erhält, will Son einfach wieder da anknüpfen, wo er im Sommer begonnen hatte: bei unbeschwertem, frechem Fußball. Den hatte er sich selbst zuletzt verwehrt. Sagt er zumindest. „Ich habe mir zu viele Gedanken gemacht“, so der Südkoreaner, „nachdem es nach dem Asien-Cup für mich hier nicht mehr so gut lief, habe ich zu viel nachgedacht.“

Allerdings, wer will es dem sympathischen 18-Jährigen verdenken. Vor der Saison noch bei den Amateuren eingeplant, hatte er sich über die Nominierung für die Bundesliga-Mannschaft schon gefreut, wurde dann „Shooting-Star“, südkoreanischer Nationalspieler und sogar als der neue

Ji-Sung Park gefeiert. Der ist immerhin bei Manchester United unter Vertrag und mit einem Bein im Champions-League-Finale. Eine rasante Entwicklung, die für einen 18-Jährigen nicht einfach zu meistern ist. Zumal nicht, wenn er einen großen Teil dieser zeit allein in einem fremden Land ist. Wie zu Zeiten im Internat. „Ich war ohne meine Familie da“, sagt Son und gesteht: „Ich dachte zuerst, das wäre einfach. War es aber nicht.“ Auch deswegen zählen seine Mutter und sei Vater inzwischen zu Dauergästen in Hamburg und verbringen („Mein Vater hat ja auch einen Job“) so viel Zeit wie möglich bei und mit ihrem Sohn. „Mein Vater guckt sich dann alles an. Training und Spiele. Wenn er da ist, bin ich besser.“ Weil er sein größter Kritiker ist, wie Son hinterherschiebt. „Er sagt mir jeden Fehler, merkt sich alles. Nach jedem falschen Laufweg meckert er mit mir“, sagt Son und lacht dabei, um zu zeigen, dass hinter alledem, was so nach Drill klingt, dennoch eine familiäre Herzlichkeit steckt.

Schließlich ist es auch Son selbst, der sich den meisten Druck macht. Freie Tage gibt es für den Angreifer nicht. Selbst an Tagen mit einer Einheit bei den Profis legt er sich selbst weitere Einheiten auf. „Ich trainiere dann in Norderstedt“, so Son, der auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Ochsenzoll immer genau das trainiert, was er glaubt, in der Vorwoche am schlechtesten umgesetzt zu haben. Wohlgemerkt: Son trainiert für sich. Allein. Ohne Anweisung von einem Trainer. Schon deshalb freue ich mich auf ihn, weil ich überzeugt bin, dass sich ein derartiger Ehrgeiz – solange er nicht überzogen ist – einfach belohnt gehört.

Und es würde jetzt auch gut passen. Mitten rein in den geplanten und immer näher rückenden Umbruch von Alt auf Jung wäre ein so genanntes Eigengewächs ein guter Startschuss. Zumal nach Tunay Toruns Abgang gen Berlin, den ich nur schwer nachvollziehen kann. Immerhin hätte Torun hier den Nimbus Eigengewächs, den er für sich zuletzt als Nachteil empfand, zu seinem eigenen Vorteil nutzen können. Denn genau das suchen die aktuell Verantwortlichen jetzt vermehrt. Aber gut, der Deutsch-Türke (um eines klarzustellen und Emails vorzubeugen: das ist für mich absolut kein Schimpfwort!!) soll ein Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro gefordert und vom HSV lediglich rund 800000 Euro geboten bekommen haben.

Auf jeden Fall hat sich Torun für den Rest der Saison keinen Gefallen getan. Heute strich ihn Oenning direkt aus dem Kader. Ebenso wie Romeo Castelen (Trainingsrückstand) und Joris Mathijsen, der weiterhin mit Knöchelproblemen pausiert. Insgesamt 19 Leute nahm Oenning mit ins Mannschaftshotel, weil Gojko Kacar von Knöchelproblemen geplagt wird und weiter fraglich ist. Sollte der Serbe fit sein, dürfte Guy Demel wieder aus dem Übergangsaufgebot gestrichen werden, dessen Abgang im Sommer als so gut wie beschlossen gilt. Oder doch Muhamed Besic? Der trainierte heute mal wieder schwach und musste sich sogar einen heftigen Rüffel von Frank Rost („Was sind das für schwule Bälle, Momo?“) nach einem seiner vielen schwachen Pässe gefallen lassen.

Womit wir bei Spekulationen angekommen sind. Die werden naturgemäß in der Sommerpause neue Höhen erreichen, allerdings ist der Anfang bereits gemacht. Über ein italienisches Internetportal wird verkündet, dass der FC Bayern die Fühler nach Dennis Aogo ausgestreckt haben soll. Nein, noch mehr: sie „jagen“ Aogo. „Seriöser“ geht es kaum. Allein, weder beim HSV, noch beim FC Bayer und am allerwenigsten Dennis selbst wissen etwas davon. Aber ich könnte wetten, dass das nur der Anfang war und demnächst alle guten Namen des nächste Saison „nicht-europäischen“ HSV bei Klubs auftauchen, die suchen und einen internationalen Wettbewerb zu bieten haben. Völlig egal ob der Beschriebene gerade bis 2015 verlängert hat oder nicht. Und eben völlig egal, ob es stimmt oder nicht.

Und wo wir schon mal bei munteren Spekulationen sind, hier eine von mir: Wie ich gehört habe, war Deutschland in der Uefa-Fairplay-Wertung bis zur Winterpause knapp hinter den ersten vier Ländern Fünfter. Und am heutigen 30. April soll die neue Liste veröffentlicht werden. Sollte sich Deutschland nun um zwei Plätze hochgearbeitet haben, hätte der HSV plötzlich wieder allerbeste Chancen auf einen Startplatz in der Europa League. Denn die fairsten drei Länder erhalten einen zusätzlichen Startplatz, und der HSV ist in der Bundesliga hinter den eh international qualifizierten Dortmund und FC Bayern Dritter in Sachen Gelbe, Gelbrote und Rote Karten (hinzugerechnet wird das Fan-Verhalten des jeweiligen Klubs) – und somit punktgleich und zusammen mit dem heutigen Gegner SC Freiburg einer der allerersten Anwärter.

Viele Konjunktive. Zu viele, um sich jetzt schon zu freuen. Aber dafür freue ich mich auf drei Spiele, in denen die Mannschaft unbeschwert auflaufen kann und vielleicht etwas von dem zeigt, was wir in dieser Saison definitiv zu wenige zu sehen bekommen haben. Immerhin: versprochen ist versprochen, oder??

In diesem Sinne, im Anhang die vermeintliche Startelf.

Bis morgen,

Eure Urlaubsvertretung Scholle

Vermeintliche Startelf: Rost – Diekmeier, Kacar (Demel), Westermann, Aogo – Ben-Hatira, Jarolim, Zé Roberto, Elia – Guerrero, Son.

Weiter im Kader: Drobny, Demel, Besic, Benjamin, Tesche, Trochowski, Rincon, Pitroipa.

18.25 Uhr

Wiedergutmachung statt “Goldener Ananas”

28. April 2011

Gas geben! Spricht man in diesen Tagen mit einem HSV-Spieler, so kommt dabei garantiert zu irgendeinem Zeitpunkt: „Wir müssen Gas geben!“ Jetzt. Natürlich weiß jeder Profi, dass das ein bisschen spät kommt, aber es ist damit wohl auch eher gemeint, dass die letzten drei Spiele der Saison nicht abgeschenkt werden (sollen). Lippenbekenntnisse haben wir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und auch Jahren ja oft genug gehört, aber inzwischen glaube ich ja, dass sich einige Spieler tatsächlich noch reinhängen werden, denn: es geht doch auch um ihre Zukunft. Jeder möchte doch weiter Erste Liga spielen, entweder für den HSV, oder auch woanders. Und damit das auch klappt, muss Mann Gas geben – ganz klar. Ich hoffe in Eurem Interesse, dass das am Sonnabend, wenn der Freiburg-Kick um 15.30 Uhr angepfiffen wird, auch alle, die auf dem Rasen stehen, begriffen haben. Michael Oenning wird es auf jedem Fall allen verklickert haben, und dann muss er darauf hoffen, dass seine Worte auch angekommen sind.

Es geht auch um Wiedergutmachung! Und nicht um die “Goldene Ananas”.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch in Hamburg. Oenning hat heute noch einmal verkündet, dass er ein „gutes Vier-Augen-Gespräch mit Paolo Guerrero“ gehabt hat. Und dass der Trainer nun glaubt, dass der Peruaner begriffen hat, worauf es nun ankommt. Hoffentlich. Guererro sagt auf jeden Fall: „Mein Deutsch ist nicht so perfekt, dass ich alles verstehe was er mir sagt. Aber diese Sachen habe ich verstanden. Er möchte von mir, dass ich Gas gebe, dass ich gut spiele, dass ich für die Mannschaft spiele – das habe ich kapiert.“ Hoffentlich.

Denn Paolo Guerrero ist nun gefragt. Mladen Petric fällt aus, Ruud van Nistelrooy fällt aus – der Peruaner ist nun die Nummer eins im HSV-Sturm Guerrero ist der Hoffnungsträger. Er ist gegen den SC Freiburg gesetzt, an seiner Seite wird wahrscheinlich der Koreaner Heung Min Son stehen. Vor Wochen habe ich gesagt, dass der junge Mann ein wenig „durchhängt“, aber nun glaube ich, dass er wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen kann – er wirkt auf mich im Training wieder spritzig, willig und unternehmungslustig. Bin nur gespannt, ob er das auch am Sonnabend von 15.30 Uhr an dem Hamburger Publikum vermitteln kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch bei mir.

Zumal es ja um einen jungen, hoffnungsvollen Stürmer geht. Von dieser Sorte verliert der HSV nun ein Talent: Tunay Torun. Ob es schade ist, dass er zu Hertha BSC wechselt, das werden wir in der nächsten Saison gehen, bei Markus Babbel ist er sicher in guten Händen. Beim HSV aber hätte Torun sicherlich keinen Stammplatz bekommen, und deswegen ist der Wechsel nach Berlin sicher sinnvoll. Wobei Tunay Torun noch einmal Wert darauf legt, dass er in Hamburg niemals einen „Stammplatz gefordert“ hat – er wollte nur mehr Einsätze. Nun hat er es selbst im Fuß, seine Karriere nach vorne zu schießen. Abwarten.

Paolo Guerrero will und wird dagegen beim HSV bleiben. Das ist sicher. Sagt er. Ein kürzlich geführtes Radio-Interview in Peru wurde falsch übersetzt. Und dass das tatsächlich so ist, das kann Paolo sogar beweisen, denn er hat sich inzwischen eine CD als Mitschnitt von diesem Gespräch besorgt. Sicher ist sicher. Nun könnte sich jeder (vom HSV) der es hören will, selbst zu Gemüte führen, was tatsächlich gesprochen wurde. Paolo will nicht weg. Er will hier noch mindestens zwei Jahre bleiben (sein Vertrag läuft allerdings noch ein Jahr länger . .. . ), er will Führungsspieler werden – und dem HSV helfen: „Ich fühle mich wohl beim HSV und in Hamburg. Die Presse hatte damals mit meinem Abschied spekuliert, aber das war falsch. Ich bleibe.“

Gas gebe. Paolo will es am Sonnabend. Obwohl er weiß, dass das zuletzt nicht immer geklappt hat. Bei ihm war das so, auch bei der Mannschaft war das so. Und warum, lieber Paolo, warum soll es diesmal, wo es nur noch um die „goldene Ananas“ geht, klappen? Ausgerechnet gegen Freiburg, in diesem bedeutungslosen Spiel? „Weil ich immer Optimist bin“, sagt Guerrero und fährt fort: „Jedes Spiel ist anders. Wir spielen zu Hause, wir müssen und werden für unsere Fans spielen, ein gutes Spiel machen, ein gutes Ergebnis erzielen, gewinnen. Das ist sehr wichtig. Natürlich bin auch ich enttäuscht, dass wir wieder nicht international spielen, aber in erster Linie müssen wir uns nun auf Freiburg konzentrieren – da zählen nur die drei Punkte.“

Er will auch beweisen, dass er mit Son im Sturm harmonieren kann: „Ich spiele gerne mit Leuten zusammen, die fußballerisch gut sind – und er ist ein guter Fußballer. Ich freue mich darauf, Son ist ein guter Stürmer, ein guter Techniker – es wird kein Problem geben.“

Dafür gibt es andere Probleme. Die der personellen Art.
Gojko Kacar und Piotr Trochowski, zuletzt leicht angeschlagen und aus dem Training genommen, haben heute wieder mittrainiert. Ebenso Joris Mathijsen. Ob der Niederländer allerdings schon wieder mitspielen kann, ist fraglich, er hatte zuletzt ja eine Tage pausiert. Nicht mit dem Team trainiert hat Marcell Jansen, der gemeinsam mit Maxim Choupo-Moting eine Sonder-Einheit mit Reha-Coach Markus Günther absolvierte.

So, nun noch zwei kleine Dinge, die nichts mit Mannschaft, Trainer, Verträgen und Verletzungen zu tun haben.

Folgende Mail hat mich erreicht:

„Moin Dieter Matz,

wir von der Initiative „Pro HSV“ laden diesen Sonnabend vor dem Heimspiel gegen Freiburg zu einem öffentlichen Treffen zum Kennenlernen und zum Austausch ein:

Liebe Freunde, liebe HSVer,

wir möchten euch gerne zu einem ersten öffentliches Treffen mit der Initiative „Pro HSV“ zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch einladen.
Wir treffen uns am 30. April vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg im Volkspark, genauer gesagt im „Bauernhaus“, Nansenstraße 82, 22525 Hamburg.

Starten wird das Treffen um 12:30 Uhr, wir hoffen auf zahlreiche Teilnehmer und freuen uns darauf, euch dort begrüßen zu dürfen.“

Und dann startet der HSV an diesem Wochenende eine ganz besondere Aktion:

Gemeinsam zum HSV – das ist kostensparend für die Fans und gleichzeitig schont es die Umwelt. Dafür hat der HSV auf der Vereinshomepage (www.hsv.de) zwei Pendlerportale eingerichtet. Entweder können sich HSV-Fans für eine gemeinsame Anreise im Pkw abstimmen, oder eine Gruppentour über das Bus-Portal planen.

Durch die gemeinsame Anreise kann somit künftig nicht nur Geld, sondern auch CO-2 eingespart werden. Dieses Angebot ist eine von vielen Maßnahmen, die der HSV gemeinsam mit dem Partner Entega zum Klima. Und Umweltschutz durchführt. Alle weiteren Informationen zu den Pendlerportalen gibt es online auf hsv.de unter der Rubrik „Fans“ oder direkt unter „www.hsv.de/pendlerportale“.

Zudem wird zum HSV-Spiel gegen Freiburg dazu aufgerufen, klimafreundlich mit dem Fahrrad bis an die Arena zu kommen. Wer zuerst kommt, der wird auch belohnt. Auf die ersten 300 Fahrradfahrer wartet am Fahrradparkplatz vor der Ost-Tribüne der Entega-Fahrradcheck. Mechaniker führen dort von 13 Uhr an kostenlose Kontrollen durch, überprüfen die Sicherheit der Fahrräder.
Übrigens: HSV-Boss Carl Edgar Jarchow will am Sonnabend auch mit dem Fahrrad anreisen. Ein Hauch von Tour de France liegt über dem Volkspark . . .

PS: Ich verabschiede mich an dieser Stelle für cirka zwei Wochen von „Matz ab“, ich nehme einige Tage Urlaub. In dieser Zeit wird – Ihr kennt es schon – Marcus „Scholle“ Scholz Euer Matz-ab-Chef sein.

18,12 Uhr

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