Tagesarchiv für den 31. März 2011

Oennings Verwirrspiele – wer stürmt neben Petric?

31. März 2011

Wenn ich gefragt werde, wie ich das jeweils als nächstes anstehende Spiel beurteile, rufe ich mir immer einige Eckdaten auf. Grundlage meiner Meinungsbildung ist dabei immer die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Insbesondere auf drei, vier Eckpfeiler im Team achte ich dabei besonders. Denn diese „Leitwölfe“ sind es zumeist, die die Stimmung am besten wiederspiegeln. Haben sie Lust und verbreiten Optimismus, kann es gut werden. Maulen sie aber oder wirken sogar unmotiviert, wird’s haarig. Eins dieser Stimmungsbilder gibt nicht selten Mladen Petric ab. Und das „Orakel Petric“ sagt heute: „Diesmal wird es ein anderes Spiel in Hoffenheim geben.“

Und damit hat er recht. Ganz sicher sogar. Was auch sonst?

Aber ich glaube auch, dass das, was er eigentlich damit sagen wollte, richtig ist: Es wird nicht noch einmal ein derartiges Debakel wie zuletzt beim 1:5 und im Jahr davor beim 0:3 in Hoffenheim. Dafür sind die Voraussetzungen diesmal deutlich besser als in den vergangenen Jahren. „Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut“, sagt Petric, „und das, obwohl ich gehört habe, dass die, die hier geblieben waren, richtig hart arbeiten mussten. Und trotzdem wird gelacht.“

Immerhin hatte Cheftrainer Michael Oenning vermehrt auf Lauf- und Kraftübungen gesetzt. „Uns tat das gut“, so Marcell Jansen, der sich mit Oenning nach seiner Nichtnominierung gegen Köln ausgesprochen hat und gegen Hoffenheim wieder im Kader stehen wird. „Er hat eine gute Reaktion gezeigt“, lobt Oenning, der allerdings nicht verraten wollte, ob Jansen von Beginn an auflaufen oder zunächst auf der Bank sitzen wird.

Ob’s an dem Hoffenheim-Scout lag, der bewaffnet mit Zettel, Stift und Kamera mal wieder ohne fundierte Erkenntnisse von dannen ziehen musste?

Auf jeden Fall wechselte Oenning heute im Trainingsspiel munter durch. Die große Frage, wer in Sinsheim den gesperrten Ruud van Nistelrooy ersetzen wird, beantwortetet der HSV-Coach zuerst südkoreanisch. Heung Min Son, der in der Länderspielpause spielfrei war und im Training alles andere als zu überzeugen wusste, durfte zuerst neben Mladen Petric ran. Allerdings wusste er erneut nicht zu überzeigen und wurde im zweiten Drittel gegen Tunay Torun ausgewechselt. Ebenso wie Gojko Kacar im Zeiten Drittel in die B-Elf wechselte, während Heiko Westermann von der „Sechs“ in die Innenverteidigung rotierte und David Jarolim die zentrale Defensive im Mittelfeld übernahm. Und während unser armer Kollege aus Hoffenheim spätestens jetzt gar nicht mehr wusste, wer nun wo spielen würde, legte Oenning im letzten Drittel noch einen drauf und ließ Marcell Jansen für den spielfreudigen Eljero Elia links im Mittelfeld ran. Und Son stürmte neben Torun – das allerdings mit ernsterem Hintergrund, denn Mladen Petric war umgeknickt und musste früher in die Kabine.

Der zweite Ausfall im Sturm?

Zum Glück nicht. Sagt Petric zumindest selbst. „Ich bin umgeknickt und habe einen Schmerz verspürt. Dass ich aufhöre, ist aber eher vorsichtshalber. Bis zum Hoffenheim-Spiel wird das schon wieder gehen.“ Muss es auch. Denn immerhin ist Mladen, dessen 2012 auslaufender Vertrag ja noch nicht verlängert wurde, mit elf Saisontreffern der Top-Torjäger des HSV. Ob er schon ein Gespräch mit dem HSV hatte? „Nein“, so Petric, „aber das ist jetzt auch nicht das Thema. Ich habe ja eh noch ein Jahr weiter Vertrag. Nächstes Thema bitte….! “

Ok, Vertragsfragen abgehakt. Dann noch mal zur Verletzung, immerhin ist Mladen für das Hoffenheimspiel ja mein Stimmungsbarometer. Und als ich schon leise Zweifel hegte, dass mein erster Optimismus verfrüht gewesen sein könnte, schob Mladen im Weggehen zum Glück noch nach: „Macht euch keine Sorgen.“

Angekommen! Und nur zu gern angenommen! Danke Mladen! Das mache ich nicht. Im Gegenteil, ich setze auf die Wende im Stadion der Schande für den HSV, in der Rhein-Neckar-Arena. Auch und gerade weil es bei der TSG Hoffenheim 1899 die vielleicht bittersten Niederlagen vor dem 0:6 gegen Bayern in der Bundesliga setzte. „Ein zusätzlicher Motivationsfaktor“, wie es Mladen Petric heute formulierte, „ich habe absolut kein negatives Gefühl vor diesem Spiel.“

Apropos, am Trainingsplatz fragte ich meine Kollegen, die neben mir standen, ob sie mit mir wetten würden. Eben weil ich so ein Gefühl habe. Denn ich glaube und hoffe, dass gegen die TSG am Sonnabendabend (18.30 Uhr, Sky überträgt live) weder Torun noch Son (beide sind momentan neben der Spur) neben Mladen beginnen wird, sondern Paolo Guerrero. Und das obwohl auch der Peruaner zuletzt wie seine jüngeren Kollegen nicht wirklich überzeugen konnte und in allen drei Dritteln des Trainingsspiels heute in der B-Elf agierte.

Aber seine heutige Leistung unterstrich meine Vermutungen, denn selbst der zusammen mit Jonathan Pitroipa angeblich schnellste Spieler im Team, Dennis Diekmeier, konnte Guerrero in dem einen oder anderen Laufduell nicht halten. Mehr noch: Guerrero traf als einziger Stürmer aus dem Spiel heraus (Petric verwandelte einen Foulelfmeter) nach schöner Hackentrickvorlage Sons sogar für die B-Elf per schöner Direktabnahme aus elf Metern. Und der Peruaner gilt als einer, der durch solche Psychospielchen, im Training immer nur B- statt A-Elf zu spielen, gekitzelt werden kann.

Das wiederum gilt ganz sicher nicht für Heiko Westermann. Der Kapitän darf sich seiner Startelfnominierung sowohl im Training als auch in der Bundesliga eigentlich immer sicher sein. So auch heute. Allerdings bleibt die Frage unbeantwortet, ob auf der „Sechs“ oder doch wieder in der Innenverteidigung neben Joris Mathijsen.

Letzteres würde mir am besten gefallen. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Westermanns Qualitäten weniger im kreativen, also im Mittefeldbereich, denn in der Abwehr gebraucht werden. Dort hat er eine klare Aufgabe, auf die er all seine Konzentration lenken und die er mit seiner Zweikampf- und Kopfballstärke bestens ausfüllen kann. Einziges Manko hierbei wäre, dass mit ihm, mit Mathijsen, sowie rechts mit Diekmeier und links mit Aogo die Spieleröffnung zum Problem werden könnte.

Probleme gab es auch zwischen Frank Rost und Dennis Aogo, der seinem Torwart im Abendblatt-Interview vergangene Vorwürfe ob dessen Wutrede im Anschluss ans 0:6 in München gemacht hatte. Uns hatte Aogo am Mittwoch gesagt, die Sache sei ausgeräumt. Ein Telefonat zwischen ihm und Rost hätte gereicht. Daran hatte Dieter bereits gestern seine Zweifel angedeutet.

Und er lag damit absolut richtig.

Denn die Sache ist – zumindest zwischen den beiden – alles andere als ausgeräumt. Gestern, am Mittwoch, musste sich Aogo bereits intern vor versammelter Mannschaft von Oenning anhören, dass er zu weit gegangen sei. Der Trainer kritisierte die öffentliche Kritik Aogos an seinem Mitspieler. Zumal sich die Mannschaft unmittelbar vor der Länderspielpause darauf eingeschworen hatte, auf Äußerungen über Verein und Mitspieler wenigstens die letzten sieben Spiele bis Saisonende komplett zu verzichten. Das wiederum hielt nur wenige Tage und brachte Oenning in Rage. Aber anstatt sich einmal öffentlich bei Rost zu entschuldigen, setzte Aogo selbst der Diskussion ein Ende. Ein Ende, das wohl eher keins ist.

Ein Ende mache dafür ich jetzt. Mit der Nachricht, dass sich Piotr Trochowski und der FC Sevilla über einen Wechsel geeinigt haben und dies im Laufe der kommenden Woche verkünden wollen, verkünde ich das Ende des heutigen Blogs mit dem Hinweis, dass morgen um 13.30 Uhr an der Imtech-Arena trainiert wird. Und in der Hoffnung, dass die Differenzen zwischen Aogo und Rost zwischen diesen beiden Spielern bleiben und keine Auswirkungen auf die Mannschaft haben. Alt genug sind die beiden ja. Und beide wissen auch, dass es nur noch um das Ganze gehen darf. Aber warum sollte ich mich sorgen? Orakel Petric hat gesagt, die Stimmung sei gut. Ergo: sieben Wochen Ar…backen zusammenkneifen und gemeinsam da durch. Für sich, für den HSV, für die Fans – und vor allem für den letzten Funken Hoffnung auf die Europa League.

In diesem Sinne,

LG,

Scholle

19.10 Uhr