Tagesarchiv für den 30. März 2011

Mathijsen: “Zeit für eine Revanche”

30. März 2011

Alle wieder da, alle auch fit – von einer kleinen Phase der Müdigkeit bei Mladen Petric einmal abgesehen. Der Kroate blieb an diesem Nachmittag in der Kabine und betrieb regenatives Training. Für die Sonnabend-Partie in Sinsheim gegen Hoffenheim (18.30 Uhr Anstoß) aber ist er sicher zu 100 Prozent fit. Und alle anderen natürlich auch. Davon konnten sich die 100 Trainingskiebitze bei frühlingshaften Temperaturen überzeugen. Die Spaß-Phase dauert an. Hoffentlich nicht nur bis Sonnabend gegen 20.25 Uhr. Die Jungs sind emsig, voller Energie und mit Freude bei der Sache. Und bei einem abschließenden Spielchen wurde aus allen Lagen „geballert“. Das „Tor des Tages“ erzielte für mich Eljero Elia, der mir wie aufgeblüht vorkam. Und die „Parade des Tages“ zeigte Frank Rost, der einen unwahrscheinlichen Knaller von Piotr Trochowski (aus nächster Nähe) mit einem Super-Reflex abwehrte. Der Nachschuss von „Troche“ war dann aber genau so hart – und drin.

Aber keine Angst, ich werde den „kleinen Dribbelkünstler“ nicht gleich wieder aufgrund von guten Trainingsleistungen in die Mannschaft schreiben wollen. Im Gegenteil, ich möchte allen „Matz-abbern“, die Trochowski nicht im HSV-Team sehen wollen, folgende Mitteilung machen: Laut spanischen Medien-Berichten sollen sich der FC Sevilla und Piotr Trochowski über einen Wechsel zur nächsten Saison einig sein. Wenn jetzt jemand fragen sollte, was dieser FC Sevilla für ein Klub ist, so muss ich sagen: „Keine Ahnung. Muss so ein kleiner Dorf-Verein sein . . . Wieso aber dieser Dorf-Klub auf einen Nationalspieler wie Trochowski kommt, wie dieser Dorf-Klub einen kleinen Dribbelkünstler wie Trochowski überhaupt bezahlen kann? Keine Ahnung. Aber sie werden sich dabei etwas denken, diese ahnungslosen Spanier vom Dorfe. Die haben ja alle keine Ahnung . . .“

Wobei ich schnell anfügen möchte, dass ich mir doch schon wünschen würde, dass Piotr Trochowski – kringelnderweise – mit dem FC Sevilla durch Europa tourt. Das hätte schon was.

Aber zurück zum HSV. Der will ja erst noch nach Europa. Quasi auf die letzten Zentimeter, sprich die letzten sieben Spiele. Deshalb müsste es schon am Sonnabend in Sinsheim einen Dreier geben. Und ich sage – im Hinterkopf diese sehr guten Trainingsleistungen: „Warum auch nicht? Ich bin sonst ja eher pessimistisch veranlagt, aber in der jetzigen Phase, in der Aufbruchsstimmung und Frühlingsgefühle für großen Optimismus sorgen, traue ich der Mannschaft alles zu.“ Der Teamgeist des HSV hat seit einigen Monaten deutlich zugenommen, und wenn eine Mannschaft gemeinsam nach Erfolgen strebt, dann bleiben Siege auch nicht aus.

Über die „neue und gute“ Stimmung sprach ich heute auch mit Joris Mathijsen. Der Niederländer hat ja eine etwas andere Philosophie, wie und weshalb es jetzt auf einmal so gut im täglichen Miteinander klappt. Der Innenverteidiger, der die beiden Länderspiele gegen Ungarn (Freitag und Dienstag, zweimal 90 Minuten) bestens weggesteckt hat, erklärte: „Wichtig für den Teamgeist war das letzte Spiel der Hinrunde, unser Sieg in Mönchengladbach. Ich glaube, dieser Erfolg hat uns alle verändert. Danach haben wir gute Spiele gemacht, haben in Nürnberg zwar verloren, waren ansonsten aber in allen Spielen die bessere Mannschaft.“ Mathijsen weiter: „Danach kamen dann einige schlechte Spiele, aber trotz allem ist die Stimmung nun gut. Wir sind zwar nicht alle Freunde, das muss auch gar nicht sein, aber die Stimmung ist gut.“ Gut möglich, dass das große Chaos des HSV die Truppe zusammengeschweißt hat. Bekanntlich rückt man in der Not ja immer enger zusammen. Von diesem Effekt könnte auch die Profi-Abteilung des HSV profitiert haben.

Joris Mathijsen ist übrigens nach eigenen Angaben topfit. Nachdem er nach seiner Knöchelverletzung zu früh angefangen hatte. „Jetzt ist aber alles okay. Ich werde die nächsten zwei Tage etwas kürzertreten, aber dann ist auch alles wieder gut“, sagt der Abwehrspieler. Ich habe ihn natürlich auch zu seinem Aufenthalt bei der Nationalmannschaft befragt. Er traf da ja bekanntlich den ehemaligen HSV-Profi Rafael van der Vaart, seinen langjährigen Freund. Der hatte, woran sich noch einige erinnern werden, öffentlich davon gesprochen, Joris Mathijsen zu den Tottenham Hotspurs nach England locken zu wollen. In diesem Sommer schon. Mathijsens Vertrag läuft noch bis zum Sommer 2012, der HSV könnte also nur noch in diesem Jahr auf eine Ablöse hoffen. Aber was ist dran, an dieser Verlockung? Mathijsen: „Ich habe davon gelesen, ich habe Raffa angerufen – und wir haben beide darüber gelacht. Mehr nicht.“

Joris Mathijsen weiter: „Das hat sich seit 1996 geändert. Eigentlich läuft ein Vertrag, der 2012 endet, ja schon ein Jahr eher aus. Und dann muss der Klub entscheiden: Entweder verlängern, oder eventuell verkaufen. So sieht es mittlerweile aus in unserem Sport.“ Er selbst aber hat sich – nach eigener Aussage – noch überhaupt keine Gedanken um seine Zukunft gemacht: „Ich beschäftige mich jetzt nur mit Hoffenheim. Und ich spiele erst die letzten sieben Spiele, denn wir können ja noch etwas erreichen. Und danach hat man dann Zeit genug, um in die Zukunft zu sehen. Und wenn der HSV etwas früher von mir will, so hat er die Nummer meines Beraters, und der müsste dann eben angerufen werden. Für mich ist das jetzt aber alles noch kein Thema.“ Wie schön.

Mathijsen denkt also nur an Hoffenheim. Und er sagt auch, wie es dort gehen könnte: „Wir müssen es so machen wie gegen Köln. Wir müssen in einem Auswärtsspiel so auftreten wie in einem Heimspiel. So könnten wir es machen. So, wie wir vor dem Köln-Spiel trainiert haben, so wie wir gegen Köln gespielt haben, so müssen wir es wieder machen.“ Kling plausibel, klingt einfach – ist es aber nicht. Auswärts hat der HSV eben seine Schwächen. „Hoffenheim ist ja fast ein Angstgegner, wir haben dort zweimal klar verloren, es ist an der Zeit, Revanche zu nehmen.“ Das hätte schon was . . .

Ganz offenbar ist Joris Mathijsen bestens gelaunt von der Nationalmannschaft zurückgekommen. Bestens gelaunt und fit. Das gibt Selbstvertrauen. Das könnte auch für Ruud van Nistelrooy gelten, der in seinem 70. Länderspiel-Einsatz endlich wieder ein Tor erzielt hat (Nummer 35, falls ich nicht irre), der sich darüber auch richtig toll gefreut hat. Wie „van tha man“ gejubelt hat, da kam schon Freude auf. Es war so, als wäre ihm eine zentnerschwere Last von den Schultern gefallen. Leider darf er erst wieder gegen den Tabellenführer Dortmund ran, aber gegen die Borussia könnte ein Van-Nistelrooy-Tor ja noch wertvoller werden.

Apropos Selbstvertrauen: Davon hat auch Dennis Aogo in seinem fünften Länderspiel (Einsatz gegen Kasachstan) reichlich getankt. Er war diesmal der einzige Hamburger bei Joachim Löw, ein ungewohntes Gefühl. Dennoch hat er sich bei der Nationalmannschaft diesmal ganz besonders wohl gefühlt. „Es ist schon schön, wie man immer mehr ein Teil des Ganzen wird. Wie man von den Mitspielern akzeptiert wird, wie sich dann auch bestimmte Sympathien zu anderen Spielern bilden. Dass man auch nicht mehr nur der Neue ist, der nur am Rande steht. Das habe ich schon genossen, und ich muss schon sagen, dass ich das so in der Form nicht erwartet habe, dass ich so in die Mitte genommen werde.“ Klingt gut. Und nach Teamgeist beim DFB.

Kurz habe ich auch noch die „Sache Rost“ angesprochen. Aogo hatte, als er bei der Nationalmannschaft war, den Keeper (in einem Abendblatt-Artikel) wegen dessen öffentlicher Kritik ebenfalls kritisiert. Heute trafen die beiden HSV-Profis aufeinander, Zeit also für eine Aussprache. Ob es die gegeben hat, entzieht sich meinen Kenntnissen, aber beide Spieler hatten vorher bereits miteinander telefoniert. Rost rief Aogo an, der rief zurück. „Wir haben das geklärt, da gibt es kein großes Theater.“ Krach oder Ärger wäre ja auch in der jetzigen (guten) Phase, in der sich die HSV-Mannschaft befindet, nur kontraproduktiv. Dennis Aogo sagt aber ganz klar: „Öffentlich wird da gar nichts mehr gemacht. Das ist auch gar nicht von mir bezweckt worden. Im Gegenteil, ich wollte damit sagen, dass wir so etwas in Zukunft intern klären sollten. Und wenn es noch etwas zu sagen geben sollte, dann klären wir das intern – und die Sache ist erledigt.“ Hoffentlich – vor Hoffenheim. Ob Frank Rost dieses brisante Thema aber tatsächlich so schnell, kurz und schmerzlos abhaken kann – und wird? Da kommen mir doch einige Zweifel. Abwarten.

Ja, und kurz habe ich auch noch mit Aogo über das Spiel am Sonnabend gesprochen. Der Nationalspieler sagt: „Da haben wir ja im letzten Jahr eine richtige Packung bekommen. Hoffenheim ist eine starke Mannschaft mit hoher Qualität, sie zeigt im Moment aber nicht ganz das, was sie kann. “ Hoffentlich bleibt das auch am Sonnabend so.

19.34 Uhr (es ist später geworden als gedacht, es liegt am späten Trainingsbeginn! Sorry!!)