Tagesarchiv für den 28. März 2011

“Gefahr erkannt, Gefahr gebannt”

28. März 2011

Folgende Meldung lief heute über den „Ticker“: Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Australien am Dienstag in Mönchengladbach (20.45 Uhr, live im ZDF) stößt bei den Fans auf kein großes Interesse. Am Montag waren erst 25 500 der zur Verfügung stehenden 45 800 Tickets verkauft, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mitteilte.

Das ist ja mal ’ne Nachricht. Auf nach Mönchengladbach. Oder besser doch nicht? Irgendwann wird der HSV sicher auch auf die Idee kommen, Eintrittskarten für das Training im Volkspark zu verkaufen. Und wenn dann die Mannschaft „fünf gegen zwei“ spielt, dann darf auch nicht gepfiffen werden . . . Sonst werden die Eintrittspreise erhöht.

Ich habe heute ganz kurz mit einem Gewinner von Kaiserslautern sprechen dürfen: Heiko Westermann. Der HSV-Kapitän hatte nur die erste Halbzeit des Kasachstan-Kicks gesehen – der Glückliche. Und weil er bei diesem Spiel nicht dabei war, darf er sich nun als Gewinner fühlen. Wäre er dabei gewesen, wäre er sicherlich auch „vernichtet“ worden. Als ich ihm sagte, dass man statt der zweiten Halbzeit in Kaiserslautern auch das Spielchen „fünf gegen zwei“ hätte übertragen können, ist er lächelnd in die Kabine gegangen. Besser nichts sagen . . .

Dennis Aogo wird wohl kaum gegen Australien zum Einsatz kommen. Dortmunds Schmelzer soll links verteidigen. Am Mittwoch sollte Aogo dann wieder in Hamburg sein, um dann auch gemeinsam mit der Mannschaft zu trainieren. Ob es dann auch einen „Einlauf“ jedweder Form gibt für ihn? Vom Klub? Von Frank Rost? Vom Kapitän? Oder von allen? Das entzieht sich meiner Kenntnis, ich könnte mir aber schon vorstellen, dass in einer ganz bestimmten Sache noch das eine oder andere Wort fällig ist.

Aogo hatte doch in der vergangenen Woche im Abendblatt mal aus dem Nähkästchen geplaudert, was ihn am HSV derzeit alles stört. So die Tatsache, dass „wenn man jedes Jahr einen neuen Trainer bekommt, das keine schöne Situation sei“. Oder dass die Aussagen von Frank Rost, die der Keeper nach dem 0:6 gegen die Bayern losließ, nicht besonders glücklich waren. Für Dennis Aogo jedenfalls. Der Abwehrspieler hatte gesagt: „Mit Frank Rosts Aussagen war ich von Anfang an nicht einverstanden, damit hat er niemandem geholfen.“

Ob es aber dem HSV und der Mannschaft und der Stimmung in der Mannschaft hilft, wenn ein Profi die Aussagen des anderen Teamkollegen kommentiert, das sei auch dahingestellt. Besser wäre es wohl, auch mal zu schwiegen. Oder noch besser: Alles das, was das Innenleben einer Mannschaft beeinflussen kann, das sollte auch innerhalb der Mannschaft, und dazu noch in der Kabine, besprochen werden. Dann kann alles so heiß und heftig und emsig diskutiert werden, bis es vom Tisch ist. Das wäre dann optimal. Wenn man sich am Ende dann kollegial, besser noch freundschaftlich, die Hände reichen würde, dann wäre es dem guten Klima auch noch zuträglich. Aber vielleicht bin ich in der Beziehung ja auch nur ein hoffnungsloser Träumer, ein Weichei, einer von gestern.

Trotz allem bleibe ich dabei dass es niemandem etwas nützt, wenn sich gegenseitig angeblafft wird. Wenn das alles vernünftig, ruhig und ohne laut zu werden an- und ausgesprochen wird, dann ist sogar ein solcher Zwist hilfreich. Könnte es jedenfalls sein. Sollte es aber eine lautstarke oder auch handfeste Anmache geben, könnte der Mannschaftsgeist, der sich zuletzt gerade auf dem Wege der Besserung befand, wieder einmal erheblich leiden – oder auch einen deftigen Rückschlag erleiden. Deswegen wünsche ich allen Beteiligten einen ganz coolen Kopf. Und ich wünsche darüber hinaus auch dem Herrn Oenning, dass er mit folgendem Motto durch den Tag geht – Augen und Ohren dazu offen hält: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Sonst wäre eventuell auch seine „Mission Vertragsverlängerung“ ein wenig gefährdet(er).

So, und dann gibt es ja jene Spekulationen, die jetzt wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen: Ruud van Nistelrooy nach Spanien? Piotr Trochowski nach Florenz oder Sevilla? Marcell Jansen, so die Bild, zum AC Mailand? Und was ist mit Paolo Guerrero? Mladen Petric? Tomas Rincon? Heung Min Son? Eljero Elia? Robert Tesche?

Keine Angst, die kommen alle noch an die Reihe. Ze Roberto natürlich auch. Der Brasilianer hatte ja vor Wochen angekündigt, sich Ende Mai (2011) entscheiden zu wollen, doch das ist nun auch schon wieder hinfällig geworden. „Ich entscheide mich erst nach der Saison. Ich wollte mich eigentlich früher entscheiden, aber es ist zuviel passiert. Trainerwechsel, der Vorstand weg – deswegen möchte ich jetzt erst einmal die letzten sieben Spiel absolvieren, und dann werden wir in aller Ruhe entscheiden, wie es weiter geht.“ Der 36-jährige Mittelfeldspieler über die neue Situation im HSV: „Es ist gut für den Verein, dass Ruhe eingekehrt ist. Nach dem großen Chaos können wir uns jetzt wieder ganz auf die Bundesliga und unser Spiel konzentrieren.“ Zum Abschluss des kurzen Gesprächs fragte der Mopo-Reporter noch: „Hat der HSV überhaupt noch eine Chance, dass du bleibst?“ Der „große Ze“ hebt die Schulter an – und grinst. Auch eine Antwort. Dann sagt er nach einigen Sekunden doch noch: „Zu diesem Thema möchte ich mich jetzt nicht äußern.“ Okay.

Apropos nicht äußern. Im Moment scheint ohnehin das „große Schweigen“ im Volkspark zu herrschen. Kaum ein Spieler will sich zu seiner Zukunft äußern. Robert Tesche zum Beispiel wiegelte ab: „Danke, sorry.“ Und ging weiter – in die Kabine. Und Piotr Trochowski gab im Vorübergehen die kostenlose Auskunft: „Es gibt nichts zu sagen.“ Und vielsagend: „Es ist noch zu früh.“

Einer, der immerhin ganz kurz Auskunft gab, war David Jarolim. „Ich habe doch noch ein Jahr Vertrag hier, ich habe keine Eile“, sagt der Tscheche und fügt an: „Abwarten. Es ist auch nicht einfach für mich, nach acht Jahren beim HSV, dazu zwei Monate vor Ende der Saison, zu sagen, mal gucken, was kommt. Dazu habe ich doch auch viel zu schöne Zeiten hier in Hamburg erlebt, um zu sagen, dass man nun einen Schnitt machen möchte. Es will alles gut überlegt sein, es ist alles nicht ganz so einfach. Und weil ich diese schönen Zeiten hier hatte, möchte ich auch keinen großen Wirbel machen.“ Dann wird Jarolim auch noch kurz sportlich und ehrgeizig: „In erster Linie geht es jetzt nicht um neuen Verträge und um mich, sondern darum, dass jetzt für alle die letzten sieben Spiele im Fokus stehen. Wir müssen Gas geben, denn noch ist es ja möglich, dass wir den internationalen Startplatz erreichen . . .“

„Jaro“ bleibt eben auch in schwierigen Zeiten ein Gentleman. Und man merkt ihm deutlich an, dass er die Raute tief im Herzen trägt. Er sagt es nicht nur, er lebt es auch. Das zeichnet ihn eben aus. Andere Profis würden an seiner Stelle viel robuster und hemdsärmeliger durch den Tag gehen, würden eher rücksichtslos ihre Meinung vertreten und verkünden. Bei der Gelegenheit: Ich habe mich am Wochenende gefragt, wieso David Jarolim nicht mehr für die Tschechen spielt? Diese Frage habe ich dann auch sofort an ihn weitergegeben – und er sagte mir: „Das ist so abgesprochen. Ich war lange genug dabei, habe die WM mitgemacht, habe schöne Zeiten mit der Nationalmannschaft erlebt – aber ich habe jetzt auch keine Lust mehr, für 20 Minuten eingesetzt zu werden. Das Thema ist erledigt.“

Am Dienstag wird um 10 und 15 Uhr im Volkspark trainiert.

17.51 Uhr